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"Semmering 1912"

Chapter 94: GÜTE
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About This Book

A linked collection of short sketches and essays offering impressionistic observations of mountain landscapes, hotels, urban parks, and domestic gardens. The pieces move between lyrical landscape description, witty character sketches, and concise reflections on taste, solitude, and modern manners, often keyed to seasonal shifts and particular settings. Forms range from brief aphoristic fragments to longer travel impressions, united by a conversational, fragmentary voice that privileges mood, sensory detail, and ironic wit over linear plot, inviting readers to linger in small moments and refined perceptions.

GÜTE

Jeder Mensch, der irgend etwas begeht, und weiß es selbst nicht, daß er es falsch getan hat — — — siehe, an ihm geht es dennoch schlimm aus! Er kann sich nicht entschuldigen mit seinem „guten Willen“, denn Gott berücksichtigt diesen nicht, sondern nur die „edle Weisheit“ einer jeglichen Betätigung! Der sogenannte „gute Wille“ ist eine schmachvolle feige Entschuldigung, die in dem „Buche Gottes“ in das Minus-Konto eingetragen wird!

Ich habe es gut gemeint“, ist ein Zeugnis für „Selbstverurteilung“. Meine es schlecht, mein Lieber, aber denke das Richtige!

Güte ist Stupidität; es gibt nur eine einzige wahrhaftige Güte: Weisheit! Rate mir nicht, helfe mir nicht aus Güte; da kann ich leicht dein Opfer werden. Rate, hilf mir aus eiskalter kristallklarer, unerbittlicher, adeliger Weisheit!

Alle Menschen, die angeblich „zusammengehören“, machen es sich gegenseitig leicht, indem sie „gut“ sind. „Weise sein“, in bezug auf einen geliebten Menschen, das fällt ihnen zu schwer, das können, ja, das wollen sie nicht. Da könnten sie „in Konflikte kommen“, „mißverstanden“ werden; aber die dumme alberne leichtfaßliche Güte, die versteht ein jeder, erkennt sogar ein jeder Gleichgültige an. Güte ist ein feiges Seelenmanöver, um Idioten zu bluffen! Die Idylle des Familienlebens, das Ehelebens, des Lebens zwischen Geliebten, besteht zu 70 Prozent daraus.

Bin ich nicht gut zu dir, du Undankbarer?!?“ ist die Phrase der „geschickten Kühe“, die damit die „ungeschickten Ochsen“ an sich fesseln! Mögen es auch noch so sehr in anderer Beziehung „Stiere“ sein — — —.