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Sieben Jahre in Süd-Afrika. Erster Band. / Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879). cover

Sieben Jahre in Süd-Afrika. Erster Band. / Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879).

Chapter 14: VI.
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About This Book

A travel narrative that traces extended expeditions from the diamond fields into southern Africa's interior and toward the Zambezi, blending episodic reportage, hunting accounts, and field collecting. The author documents landscapes, geology, plants and animals, and practical travel hardships while recording encounters with a range of local communities, their settlements and customs. Ethnographic and natural-history observations are paired with maps and illustrations, creating a mix of anecdote, scientific notes, and logistical detail about exploration in the region.


[Nachtlager.]

Einige mit ihren Wägen vorüberziehende Boers blieben kurze Zeit an unserem Wagen stehen, um der althergebrachten Sitte gemäß uns Weißen die Hand zu schütteln und mit einfachen Worten nach dem Ziele unserer Reise zu fragen. »Uns chat nach Wonderfontein to um det wonderljike chate to kiek« (Wir gehen nach Wonderfontein um die wunderlichen Höhlen zu sehen) war die Antwort in unserem gebrochenen Holländisch. Die sich Verabschiedenden meinten, die Erdhöhlen wären es werth, besichtigt zu werden. Je mehr ich von diesen Wonderfonteiner Felsenhöhlen hörte, desto begieriger war ich, sie zu sehen, und um so größer meine Enttäuschung, als ich sie später sah.

Bevor ich mich auf diese erste Versuchsreise begab, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß sich in Potschefstroom ein Herr dem Insectenstudium widme und der portugiesische Consul, Herr Foßmann, sein Möglichstes zu der geologischen Erforschung des südlichen Transvaal-Gebietes beitrage, ich solle sie gewiß besuchen. Doch ich hatte mich auf diese erste Reise so einfach ausgerüstet, daß ich mich nicht im Stande fühlte Staatsvisiten zu machen. Und so hieß es, nachdem wir uns mit Proviant versorgt, der Stadt Valet zu sagen.

Wir brachen Abends auf und schlugen eine ostnordöstliche Richtung nach dem Moi-River zu ein. Es war ein hartes Stück Arbeit, um—nachdem wir die Stadt durchfahren—die kurze, blos einige hundert Schritte lange vom Nordende der Stadt bis zu der damals noch sehr primitiven Moibrücke reichende Strecke zurückzulegen. Obwohl die Stelle ziemlich breit, war sie doch durch die Feuchtigkeit des Bodens und in Folge der letzten Regen sowie durch die Sorglosigkeit der Bürger von Potschefstroom in einen einzigen, stellenweise bis 1½ Fuß tiefen Morast verwandelt worden. Mit geringen Unterbrechungen hatten wir die nächsten Stunden hindurch mit immer wiederkehrenden Passage-Schwierigkeiten zu kämpfen; die Erschöpfung der Thiere zwang mich endlich, an einer keineswegs einladenden, sumpfigen Stelle Rast zu halten.

Der nächste Morgen führte uns durch ein breites, nach mehreren Seiten hin offenes Thal, in dem eine aus mehreren Häusern bestehende und in gutem Zustande gehaltene, von Aeckern und Gärten umgebene Farm lag. Wir erstanden hier einige Kürbisse und fuhren weiter nach Osten, gelangten auch bald auf eine Hochebene, die gegen Süden von einer theilweise von Bäumen bedeckten Höhenkette umsäumt, nach Osten, Norden und Nordwest einen freien Einblick in das Moi-Riverthal mit seinen zahlreichen Farmen und den sie umgebenden dunklen Gärten gestattete. Es war einer der herrlichsten Anblicke die ich genoß, in weiter Ferm zeigten sich einzelne Höhen und Höhenrücken, der Abfall des Blue-Bank-Hochplateaus und am fernen Nord-Horizonte die Umrisse der Magalies-Berge.

Auf der Hochebene, nach der wir unseren Weg nahmen, fielen mir trichterförmige, von Weitem schon durch dichten Baumwuchs auf den Grasebenen gekennzeichnete 25-60 Fuß tiefe Bodenvertiefungen auf. Ich fand später, daß solche Bodentrichter im Transvaal-Gebiete in manchen Strichen zwischen dem Hart-River und dem Molapo und zwischen dem unteren Molapo und dem Vaal-River, im Barolong- und Batlapinen-Gebiete und im Bereiche von Griqualand-West (im westlichen Theile der Division of Hay) ziemlich zahlreich verbreitet sind und ein Charakteristicum des Riesenbettes eines oberflächlich liegenden, seltener in dünnen Lagen aufliegenden, oft jedoch mächtig bis Hunderte von Fuß tief in die Erde eingreifenden, stellenweise von Sand und weißen, schäligem Kalksteinen, an anderen Punkten von Granitblöcken und Schieferlagen überdeckten Kalksteins bilden. Sie sind die weiten Oeffnungen von mehreren sich vereinigenden, den Felsen in der Tiefe spaltenden Rissen. Dieses Riesenbett des Kalksteins, welches deutliche, oft prachtvolle, wellenartige Lagerung und Schichtung besitzt, zeigt meist von außen den Einfluß der Einwirkung des Wassers und ist in seiner Hunderte von Meilen Fläche bedeckenden Masse geborsten und gesprengt, doch mußte das Gestein ob seiner Härte und Massen-Ausdehnung den Erdrevolutionen einen großen Widerstand entgegengesetzt haben, so daß 90 Percent der geborstenen Theile, mit Ausnahme der entstandenen Klüftungen und der daraus erfolgten verhältnißmäßig geringen Verschiebungen, keine nennenswerten Umwälzungen erlitten haben.

Diese unterirdischen Risse und meilenlangen Spalten dienen unterirdischen Gewässern zum Abfluß, welche sich dann in kleinen Spalten an den Abhängen tiefer, steiler Thäler, wie am oberen Molapo, nach außen Bahn brechen. Ein Theil des Moi-Rivers fließt in dieser Weise unter der Erde fort, ja er verschwindet theilweise an manchen Stellen ganz und kommt weiter thalabwärts wieder zum Vorschein. Diese Spalten vereinigen sich und an diesen Vereinigungsstellen finden sich dann jene auch schon erwähnten (in tieferen und höheren Partien des Hochplateaus liegenden) nach oben trichterförmig sich erweiternden Oeffnungen, welche an ihrer oberen Mündung einen Umfang von 24-180, selbst bis zu 240 Meter erreichen. Sie erscheinen rundlich, weil die Wand oft mit Geröll und Erde bedeckt ist, doch bei näherer Untersuchung zeigen sie sich viereckig, die Mehrzahl jedoch dreieckig. Manche dieser Felsentrichter besitzen kahle Felsenwände, selten sind dieselben steil, häufiger mit Geröll überlagert oder durch Felsenblöcke gebildet; meist sind diese Blöcke mit Erde bedeckt, oder die Fugen und die Zwischenräume damit ausgefüllt, so daß diese von einer ziemlich üppigen Vegetation, namentlich aber Bäumen und Sträuchern überwuchert werden und da die höheren Bäume dann über diese Vertiefungen auf der begrasten, wenig oder gar nicht bebuschten Ebene hervorragen, weithin erkennbar sind.


[Felsentrichter.]

Da wo die am Boden solcher Felsentrichter sich vereinigenden oder von hier austrahlenden Risse entsprechend breit sind, kann man einige Fuß, bei manchen tief senkrecht hinabsteigen und dann oft Hunderte von Metern weit, die Risse als niedrige, mehr oder minder hohe und geräumige Spalten verfolgen. Manche der trichterförmigen Oeffnungen sind mit krystallklarem Wasser gefüllt und ich konnte nicht umhin, eine derselben, welche eine Wassertiefe von über 140 Fuß zeigte und die ich auf der Rückkehr von meiner dritten Reise am linken Ufer des Molapo untersuchte, einen Miniatur-Felsensee zu nennen.—Ohne sie gesehen zu haben, glaube ich, daß Herrn Hübner's Klipdachs-Schlucht in die Kategorie dieser eigentümlichen Bodenbildungen gehört. So fand ich, daß viele Flüßchen im Gebiete des Vaal, Hart-River, Molapo und Marico (wohl auch des oberen Limpopo) ihren Ursprung in solchen engen Felsenlöchern nehmen, also da, wo das unterirdische Wasser nicht abfließen konnte und sich durch eine der trichterförmigen Oeffnungen nach oben Bahn brach. Wenn wir zu Farmen kommen, in deren Nähe sich solche Quellbächlein befinden, so wird unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß diese Bächlein oft meilenweit, oft aber nur einige hundert Schritte weiter aufwärts, an einer marschigen Stelle entspringen und sich in deren Mitte neben anderen aufsprudelnden Quellen ein umschriebenes, 50 und mehr Fuß tiefes Loch wie im Felsen eingebohrt befindet. An allen diesen Stellen, selbst an solchen, welche blos unterirdischen Abfluß hatten, fand ich stets dieselben Fischspecies vor. Auf den wildreichen Ebenen zwischen dem Hart-River und dem Molapo lernte ich einen beschilften Sumpf kennen, der nach keiner Seite hin Abfluß zeigte und äußerst fisch- und vogelreich war; nach der beinahe die Mitte desselben einnehmenden größte Tiefe desselben zu schließen, hielt ich auch diesen für eine ähnliche Felsenöffnung. Der diese Felsenformation bedingende Kalkstein zeigt außer Quarzadern und anderen quarzhaltigen Mineralien Einschüsse von Blei, Kupfer, Eisen und Silber.

Am dritten Tage nach unserem Aufbruche von Potschefstroom erreichten wir Wonderfontein, mit welchem Namen die Boers die »wonderlichen« Grotten und Höhlen in den Felsen bezeichnen. Es ist nicht, wie in der Regel, der Name einer Farm, sondern der Sammelname für eine Anzahl solcher, welche nahe aneinander in ausgezeichneten Weidetriften im Thale des Moi-Rivers liegen. Es sind meist steinerne, ebenerdige, doch hohe, luftige Wohngebäude mit einem angebauten Wagenschuppen und in der Regel einer oder zwei meist aus Schilfrohr verfertigten zum Trocknen des hier eifrig cultivirten Tabaks gebrauchten Hütten. Von diesen Farmen wird jene, auf die wir zusteuerten, d.h. in deren Nähe sich der Eingang zu den Höhlen befindet, das eigentliche Wonderfontein genannt.

Die Ufer des Moi-Rivers, der hier einen breiten Bach darstellt und dem von beiden Seiten zahlreiche Quellen zuströmen, sind stellenweise sehr sumpfig und von Schilfrohrdickicht umsäumt, die für den Ornithologen ein förmlich unerschöpfliches Arbeitsfeld abgeben. Ein tausendstimmiges Pfeifen und Singen, Gezwitscher und Gackern tönt an unsere Ohren und versetzt uns in Verlegenheit, wohin zuerst unsere Schritte lenken.

Mit der Erlaubniß des Farmers schlugen wir unseren Lagerplatz unter hohen und schattigen seinen Pfirsichgarten umsäumenden Trauerweiden auf. Als wir jedoch nach dem Eingange der Höhle fragten, gab man uns zu verstehen, daß der Eingang wohl zu finden sei, daß man sich aber leicht in den Höhlen verirren könnte und es darum gerathen sei, den Besuch der Höhlen nur mit einem Führer zu unternehmen, wozu sich uns die Söhne des Farmers gegen ein Honorar von 1 £ St. per Person anboten. Da ich ja hauptsächlich der Höhlen halber nach Wonderfontein gekommen war, ließen wir uns diese Erpressung gefallen und nachdem sich auch einige bei dem Farmer zu Besuche weilende Verwandte desselben uns angeschlossen, machten wir uns auf den Weg.

Zwei Söhne des Farmers, die sich mit einem Bündelchen von Talglichtern versehen hatten, waren unsere Wegweiser. Wir überschritten das Flüßchen an seiner breiten, sehr seichten Furth, und hatten das rechte, felsige und bewaldete Ufer zu erklimmen. Nach einer Viertelstunde kamen wir zu einem uns entgegen gähnenden, senkrecht nach abwärts führenden Felsenloche, eine der engeren, doch tieferen trichterförmigen, vorher beschriebenen Felsenklüfte. Obgleich mir der Eintritt in die unterirdischen Höhlen theilweise die Berstungen im Felsen deutlich vor Augen führte, muß ich doch gestehen, daß ich mich schon durch diesen Eingang zur Höhle sehr enttäuscht fühlte. Ich dachte eine jener Höhlen zu finden, in welcher ich Knochenablagerungen von Thieren, der letzten geologischen Periode finden und so diese Lücke in der Geologie Süd-Afrika's ausfüllen hätte können.

Aus den Wänden des Trichters hervorragende Felsenblöcke ermöglichten es uns, den Boden der sich nach unten bis zu einer schmalen Spalte nach Nordnordwest verengenden und in schräger Richtung nach abwärts gegen (und untere) das Flußbett fortsetzenden Felsenöffnung zu gewinnen. Wir drangen in das Spaltengewirre ein; anfänglich waren es enge, niedrige Gänge, kaum so hoch, daß wir Einer nach dem Andern auf allen Vieren durchkriechen konnten, später verbreiterten sich dieselben bis zu 4 und 8 Fuß und erreichten dabei bis zu 10 Fuß Höhe. Beinahe alle verengten sich nach oben zu dünnen Spalten, aus denen das Wasser herabrieselnd und sickernd Stalaktiten erzeugte, ohne daß sich diese durch auffallende oder große Formen ausgezeichnet hätten. Leider hatten frühere Besucher schon die meisten abgeschlagen oder beschädigt, deren Bruchstücke bedeckten den Boden. An jenen Stellen—und deren gab es viele, denn die unterirdischen Felsenspalten, in denen wir uns bewegten, zeigten die Felsenmasse nach allen Richtungen gesprengt—wo sich zwei kreuzend begegneten, erhob sich über dem Beschauer eine Art Kuppe, etwas höher als die Zerklüftungen, doch auch nichts Bemerkenswertes bietend. Die Wände waren dunkelgrau, meist kahl und ziemlich glatt. Die Hälfte unserer unterirdischen Wanderung legten wir barfuß zurück, denn das von Osten nach Westen durch die Grotten strömende und plätschernde Bächlein floß in der Gesammtbreite des Ganges und wir konnten sein Murmeln schon beim Eintritte in die unterirdischen Spalten vernehmen. Je weiter wir nach Westen und Norden vordrangen, um so tiefer wurde das Wasser und gerade von jenen Gängen her schimmerten schöne, unbeschädigte Stalaktiten herüber, doch wir mußten das weitere Vordringen, der Weigerung unserer Führer wegen, aufgeben.

Ohne allzugroße Mühe, könnte man die engen Stellen zwischen den breiteren Zerklüftungen und dem Eingange, die schräg nach abwärts führende Partie des unterirdischen Ganges erweitern und ein kleines, kurzes Boot einführen und auf diese Art möglicher Weise das Ende der Gänge oder vielleicht größere Höhlenräume erreichen. Mir schien es, als ob auf der vom Flusse abgewandten Seite weniger gangbare und meist nur dünne, spaltenförmig sich fortsetzende Gänge liegen, die breiteren dagegen nach dem Flusse zu führen würden, so daß hier das eingeströmte Wasser die an und für sich engen Spalten vielleicht weiter und breiter ausgewaschen haben mußte.


[Grotte von Wonderfontein.]

Trotz unseres kurzen Aufenthaltes hatten wir in den Höhlen so manchen Begleiter gefunden, denn als wir sie verließen, da gaben uns diese in Unzahl bis zum Felsenausgang hinauf ihr treues Geleite und als Andenken sowohl an die Wonderfonteiner Höhlen, wie um meine Sammlung der Mamalia zu mehren, nahm ich zwei derselben zum nicht geringen Staunen unserer Führer mit, welche die flatternden Fledermäuse (Vespertiliones) nicht anzurühren wagten.

Wonderfontein ist einer jener Orte in Süd-Afrika, an welchen der Forscher getrost längere Zeit verweilen kann; seine Mühe wird hier reichlich belohnt. Thiere, Pflanzen wie Mineralien sind hier des Sammelns werth. Leider war mein Aufenthalt wegen der schon erwähnten Gründe nur auf drei Tage beschränkt und so konnte ich nur einen Einblick in die Natur der nächsten Umgebung gewinnen. Große wilde Vierfüßler gab es hier nicht mehr, sie waren seit etwa 15 Jahren ausgerottet, doch fanden sich noch Caloblepas Gorgon, Antilope albifrons und Euchore in Menge auf den nördlich sich erstreckenden Ebenen, während im hohen Ufergras, in seinen Binsen und den beschilften, doch trocken liegenden Partien einzeln oder paarweise, die schön gelblichbraune, mit ihren nach vorwärts gerichteten, kurzen, etwas hakenförmig gebogenen Hörnern versehene Rietbockgazelle ziemlich häufig anzutreffen war.

Unser Farmer bewies sich die Zeit unseres Aufenthaltes hindurch äußerst freundlich und lud uns mehrmals ein, seine auf die Jagd gehenden Söhne zu begleiten. Auf den Ebenen zur Rechten und Linken zeigten nicht selten frisch »eingefahrene« Löcher die Gegenwart der Schabrakenschakale, des Proteles und der gestreiften Hyäne, häufig waren Stachelschweine, Springhasen und kurzschwänzige Schuppenthiere zu finden. Zwischen dem Gestein bemerkte ich Genetta's und eine schwarz gestreifte Wieselart. Auf einem meiner mit Freund E. am jenseitigen Ufer unternommenen Ausflüge, als wir beide unsere Gewehre abgelegt, dem Treiben einiger großer Finkenarten im Röhricht unsere Aufmerksamkeit schenkten, hörte ich einige Schritte vor mir, dort wo eine Oeffnung im Schilfe den Blick auf eine Flußstelle freigab, ein Plätschern in dem klaren, murmelnden Gewässer. Es rührte von vier sich rasch stromaufwärts bewegenden, neben und hintereinander schwimmenden Fischottern her. Bevor wir unsere etwas hinter uns an einem Felsen angelehnten Gewehre ergreifen und benützen konnten, waren die Thiere im dichten Schilfe vor uns verschwunden. Die braunen Fischottern der südafrikanischen Flüsse sind gedrungener und kürzer als die europäische Art, haben ein weniger werthvolles Fell und halten sich an allen beschilften, fließenden Gewässern oder auch in den Tümpeln der Spruits auf. An den zahlreichen Stromschnellen, sowie in den tiefen Lachen, welche nach der Austrocknung der Flüßchen in ihrem Bette zurückbleiben und sehr zahlreiche Fische bergen, ist ihnen Gelegenheit geboten, feist zu werden, indem ihnen fast nie nachgestellt wird, außer wenn sie zufällig am Flusse angetroffen oder durch das Geschrei der Hähne zu einem Besuche menschlicher Wohnungen angelockt, von den Hunden angegriffen und getödtet werden, letzteres jedoch ein seltener Fall. Nur wo Eingeborne etwas dichter das Flußufer bewohnen, scheinen sie seltener zu sein, da ihnen diese, sowie deren Hunde (letztere des Fraßes halber) eifrig nachstellen. In den Flüssen des südlichen mittleren, westlichen und nördlichen Transvaal, wo selbst die Thäler der Flüsse marschig, und von ausgedehntem Röhricht bedeckt sind, finden die Thiere ihre besten Schlupfwinkel. Selten beobachtete ich sie in stabilen Wohnplätzen, meist jagen sie über größere Strecken, wobei ihre Jagd in den seichten Sümpfen nach Fischen und Crustaceen, auf dem hochbegrasten Ufer nach Mäusen und Ratten und in den mit Schilf dicht bestandenen tieferen Morast- und Flußpartien nach Vögeln äußerst lohnend sein muß.

In den Schilfdickichten beobachteten wir hängende Nester von Rohrfängern, von zinnoberrothen, schwarz gefleckten Feuer- und von dem schönen langschwänzigen Königsfinken (Vidua capensis). Diese schöne und wohl eine der größten Finkenarten besitzt ein bräunliches Winterkleid und ein schön sammtschwarzes Sommergewand. Die Schultern tragen je einen orangefarbenen Fleck, der sich namentlich auf dem dunkelfärbigen glänzenden Sommergewande prachtvoll ausnimmt. Doch außer dieser Auszeichnung, mit der die Natur den schmucken Vogel für die Periode des üppigen Lebens in der südlichen Hemisphäre bedacht, hat sie ihm noch eine andere zukommen lassen. Während im Winter der Schwanz des Vogels von normaler Länge ist, wächst er mit der zunehmenden Schwärze des Federgewandes im Sommer zu einem Busche von bis zu 18 Zoll langen Federn, welche den Vogel im Fluge hindern, ihm namentlich beim windigen Wetter den Flug so erschweren, daß er sich windabwärts tragen lassen muß. Dieser schöne Finke ist wie alle die im Röhricht lebenden Finkenarten ein sehr munterer Vogel, oft sieht man ihn sich im oberen Drittel der Schilfstengel wiegen und ausäugeln oder über den Morästen flattern; sowie er sich unbeachtet wähnt, läßt er sich in die unteren Schilfpartien herab, aus denen sein Gezwitscher ertönt. Wird er durch etwas in Aufregung versetzt, ist es ein anderer Finke, der sich an sein Nest wagt, oder eine plötzlich vor ihm sich aufrichtende Schlange, oder wird er als Gefangener von den Menschen geneckt, so bläst er seinen Hals auf, faucht, richtet die schönen, melirten Halsfedern zu einer Krause auf und trachtet mit seinem scharfen Schnabel Hiebe auszutheilen. Unstreitig gehört er zu den interessantesten Erscheinungen der südafrikanischen Vogelwelt.

Langohrige Eulen—echte Sumpfeulen fliegen auf, um sich nach kurzem Fluge am Rande des Sumpfes niederzulassen. Am meisten sind jedoch Wasservögel, Schwimm- wie Stelzenvögel, vertreten. Wir finden mehrere Arten der Strandläufer, Rohrdommel, kleine Silber- und gewöhnliche graue, doch auch Purpurreiher, eine Species Kampfhähne, ferner Blaßhühner, mehrere Wildentenarten und Taucher. Während der Forscher im Kahne nach Nestern und Eiern dieser Thiere fahnden kann, ist es den ihm längs der Ufer Folgenden möglich, die auffliegenden Thiere zu beobachten, oder die von ihm bezeichneten zu erlegen. Der reiche Blumenflor an den feuchteren Thalpartien begünstigt auch die Entwickelung einer vielartigen Insectenwelt und so sind denn die kleine Insecten wie Körner fressenden Vögel, Kolibris, Bienensauger und Schwalben zahlreich vertreten, die hier über den schönblüthigen Blumen, dort im Gebüsche, in den Gärten und bewaldeten Partien sich herumtummeln.

Als der Farmer meinen Eifer bemerkte, mit dem ich den gesuchteren der hier lebenden Vögelspecies nachstellte, gab er mir den Rath, mich hinter seinem Wagenschuppen zu bergen, weil sich auf dem über diesen erhebenden, theilweise verdorrten Baum ein »besonderlik Vogel« zu sonnen pflege. Ich folgte seinem Rathe und hatte die Freude denselben, einer kleinen Schlangenhalsvogelart angehörend, zu erlegen.

Die feuchten Wiesen bargen eine reiche Fülle verschiedenartigster Insecten, doch hatte das Sammeln derselben manche Schwierigkeit und Gefahr. Erstlich wimmelten diese Wiesen von Mosquitos, welche uns nicht nur Abends belästigten, sondern selbst in der Sonnenhitze Gesicht und Hände wund stachen; außerdem waren dieselben reich an Schlangen, unter denen ich eine noch nie beobachtete schwarzgraue, fast gleichmäßig fingerdicke, unten schwefelgelbe und etwa zwei Fuß lange Art erhaschte.

Aus einem Gespräche mit dem Farmer entnahm ich, daß auch mein College Mauch diese Höhlen aufgesucht und sich hier eine Zeit lang aufgehalten hatte und im Ganzen schien der Besitzer sehr stolz auf die »wondeljike chate« (Höhlen) zu sein. So oft Jemand von uns im Hause vorsprach, wurde er sofort mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Zwieback bewirthet und unser freundliche Wirth bedauerte nur, daß wir zu viel det slechte Chut (Reptilien u.s.w.) sammelten, unsere Zeit unnützer Weise verschleuderten, während wir bei ihm sitzen und über die Diamantenfelder, Duits-land und Osteriek sprechen sollten.

Manche der Farmer destilliren aus den Pfirsichen eine Art Branntwein, welcher namentlich im Transvaal-Gebiete als Perschke-Branntwein »verrufen« und bedeutend schwächer und billiger ist als jener unter dem Namen Cango in der westlichen Cap-Colonie aus Weintrauben bereitete.


VI.

Rückreise nach Dutoitspan.

Wolmaran's Farm.—Ein junger Boer.—Tabakbau im Moi-Riverthale.—Ueppige Vegetation.—Optische Täuschung.—Transportkosten und Schwierigkeiten.—Gestörte Mahlzeit.—Ein Hinterhalt.—Farm Rennicke.—Eine Vogel-Colonie.—Gildenhuis.—Eine Löwenjagd an den Maqwasihöhen.—Gekränkte Hottentotten-Ehre.—Auswanderer nach den Leydenburger Goldfeldern.—Hallwater-Farm und Saltpan. (Vermeintliche Ruine von Monopotapa.)—Batlapinen-Gerichte.—Eine unliebsame Entdeckung.—Hebron.—Ostersonntag im Vaal-River.—Ankunft in Dutoitspan.


Ich schied von Wonderfontein mit dem dankbarsten Herzen seinem Besitzer, wie der gütigen Natur gegenüber. Mit Wonderfontein war das Endziel meiner ersten Reise erreicht und ich begab mich auf den Heimweg nach Dutoitspan, bis Bloemhof dieselbe Route wie auf der Herreise benutzend.

Am zweiten Marschtage bemerkte ich, daß Gert mit seltenem Eifer die Kaufertigkeit seiner Kinnbacken erprobte; auf meine Frage, welche Delicatesse er wohl erhascht, zeigte er mir eine Handvoll Gummi, von den Mimosen herrührend, die unseren Weg säumten, und pries die durstlöschende Eigenschaft desselben. Ich fand später wiederholt Gelegenheit, zu diesem Ersatzmittel des Wassers meine Zuflucht zu nehmen. Am folgenden Tage, in der Nähe von Wolmaran's Farm, begegneten wir einem etwa 12jährigen, von der Jagd heimkehrenden Boerjungen. Obwohl das Gewehr, das er nachlässig geschultert trug, beinahe größer war als er selbst, sprach dennoch aus allen seinen Mienen großes Selbstbewußtsein und er schien die Ehre einer Ansprache von Seite meines Begleiters F. ganz gleichgiltig hinzunehmen.

Der junge Jäger hatte sich inzwischen auf sein Gewehr gelehnt und reichte mit einem »Guten Tag, Ohm« Einem nach dem Andern die Hand. Von seinem Hute hing das Schwänzchen einer frisch erlegten Deukergazelle.—»Und Du hast sie selbst erlegt?«—»Ja, Ohm.«—»Hast Du das Thier im Laufen oder Stehen geschossen?«—»Ungefähr 200 Schritte vor mir sprang sie auf, lief ein Stückchen, blieb stehen, ich war niedergeknieet und hatte das Stillstehen erwartet, so wie sie stehen blieb, blies ich ihr die Kugel durch den Leib.« Ohne auf unsere weiteren Fragen zu warten, schulterte er sein Gewehr, berührte den Hut, reichte wieder einem Jeden die Hand und ging seiner Wege.

Um die bereits erwähnte morastige Straßenstelle jenseits der Brücke über den Moi-River bei Potschefstroom am nächsten Tage bei Tageshelle zu passiren, beschloß ich, nachdem wir Wolmaran's Farm im Rücken hatten, die ganze Nacht hindurch zu reisen und nur einige Stunden zu rasten.

Während einer solchen Rast wurde ich durch eigentümliche volle Töne aus meinen Betrachtungen gerissen. F. machte mich auf ein Pärchen großer Vögel aufmerksam, welche kaum 100 Schritte vor uns ihre Stimme ertönen ließen. Die Dunkelheit ließ jedoch ihre Art nicht erkennen. Bevor wir uns noch anschleichen konnten, hatten uns die Thiere bemerkt und hoben sich in die Lüfte. Den schönen, langgezogenen und vollen, durch die Stille der Nacht erschallenden Ton, den sie dabei ausstießen, erkannte ich sogleich als den Warnungsruf des grauen südafrikanischen Kranichs. Dieser voll schallende Ton, der wie über einem Resonanzboden ausgestoßen so voll klingt und so deutlich und von großen Entfernungen her hörbar ist, wird durch die einigen wenigen Vogelarten (auch den Schwänen) zukommende Eigentümlichkeit bedingt, daß sie ein weit ausgehöhltes Brustbein besitzen und die Luftröhre in diese Höhlung eintritt, um, nachdem sie eine Curve gebildet, sich wieder nach auswärts zu wenden und herauszutreten.

Am Abend des nächsten Tages schlugen wir wieder in Potschefstroom an der bereits bekannten Stelle unser Lager auf.

Von einigen Bekannten, die zu unserem Wagen gekommen waren, erfuhr ich, daß sich Mauch mehrmals in Potschefstroom aufgehalten und in Herrn Foßmann einen guten und opferwilligen Freund gefunden, und daß in den nach Osten zu sichtbaren Bergen Versteinerungen und Pflanzenabdrücke anzutreffen wären. Als ich zu den Besuchern über das Innere des Landes sprach, meinten sie, daß hier mehrmals im Jahre mit Elfenbein, Straußenfedern und allerhand Häuten und Fellen beladene Wägen von der Stadt der Bamanquato, »Schoschong«, auf dem Wege nach Natal ankämen, die einem Brüderpaar, den Händlern Drake (die ich später auf meiner zweiten Reise in Schoschong auch kennen lernte und den einen zu behandeln hatte), angehörten. Sie kämen den Limpopo herab, wobei sie den Marico kurz vor seiner Mündung überschritten. Von denselben Besuchern hörte ich noch, daß sich in Potschefstroom zwei Männer aufhielten, welche Elephanten im Matabeleland gejagt hatten.

Wie die meisten Hottentotten so sind auch die Griqua's und Koranna's leidenschaftliche Raucher und gleich manchen (doch meist den ärmeren) Holländern leidenschaftliche Tabakkauer; weil nun der im Moi-Riverthale angebaute Tabak ein ziemlich gutes Renommé besitzt, hatten mich Gert und David mehrmals ziemlich unverblümt daran erinnert, bevor ich die Stadt zum zweiten und letzten Male verließ, doch eine ganze Rolle (etwa 5 Pfund) von dem »notwendigen Ding« zu kaufen. Jeden Tag verbrauchten sie per Mann ein fingerlanges Stückchen der daumenstarken Rollstange. Bis jetzt wurde—wenn ich nicht irre—der größte Theil des hier angebauten Tabaks im Lande selbst verbraucht, doch wird er unstreitig, in größerer Menge angebaut und etwas billiger auf den Markt gebracht, in nächster Zeit einen nennenswerthen Exportartikel bilden.

Obgleich ich keine statistischen Daten bezüglich des Tabakbaues vor mir habe, glaube ich doch, daß von den gesammten südafrikanischen, civilisirten Staaten die Transvaal-Provinz den meisten Tabak producirt. Unter den unabhängigen, im Westen und Nordwesten dieser Colonie wohnenden Betschuanastämmen sind es namentlich die in dem Lande der Bakwena wohnenden Bakhatla, welche ihre Zeit meist als Diener der Farmer in der Transvaal-Provinz zugebracht und die Tabakcultur in ihrer primitivsten Weise nach ihrer Heimat verpflanzt haben.

Die Strecke nach Klerksdorp legten wir ziemlich rasch (in zwei Tagen) zurück. Auf dem Wege längs eines in den Moi-River einmündenden Querthales auswärts gegen einen Höhensattel zu, den wir zu überschreiten hatten, beobachtete ich an den feuchteren, kurzbegrasten Partien—trotzdem, daß wir die Stelle noch keine zwei Wochen vorher passirt hatten, neue Amaryllisspecies und andere mir noch nicht zuvor bekannte Pflanzenspecies im Sprossen begriffen. Mit Leichtigkeit könnte man in Süd-Afrika ebenso wie die aus dem wilden Zustande in Töpfe und Gärten verpflanzten Zwiebelgewächse, die sehr artenreichen Staphelien und Euphorbiaceen verpflanzen und es wäre wünschenswerth, daß diese beiden ersteren als Garten- wie Zimmerschmuck so leicht zu gewinnenden Familien häufiger als nur bei einigen wenigen Amateurs und als die von Europa, Australien und Süd-Amerika eingeführten Gewächse gepflegt würden. Man kennt leider in Süd-Afrika im Allgemeinen mehr von europäischen Gartenpflanzen und von australischen und neuseeländischen als von den einheimischen in diese Kategorie einschlagenden Pflanzenproducten. Die schönen Gladiolus-, Amaryllis-, Iris- und ihnen verwandte Species könnten in Gärten und Töpfen sehr gut gedeihen, nicht minder zahlreiche zartblüthige Malvaceen, Scabiosaceen, Cinneen, namentlich aber die im Süden so artenreichen Ericaceen. Unzählig sind die Species der Bodenkriecher, die, wenn etwas cultivirt, noch bedeutend gewinnen würden, zahlreich sind die lianenartig sich emporschlingenden Gewächse. Im Süden, in den Küstendistricten, werden mit Ausnahme der schon erwähnten botanischen Gärten, die einheimischen Pflanzen doch nur von wenigen Liebhabern cultivirt, und da sind es meist nur die aloëartigen, Encephalartos, Strelitzien, Staphelien, Euphorbiaceen, Geranium-Arten, Farrenkräuter und einige wenige mehr.—Doch zurück zu unserer Rückreise nach Klerksdorp.


[Junger Boer.]


[Jagd auf Zibethyänen am Klipspruit.]

Auf der Höhe des Bergsattels befindet sich eine kleine, weniger tiefe Wasserlache, welche, obgleich seicht, wegen der steinigen Unterlage, bedeutend länger als tiefere Lachen in der Ebene und in manchen der Spruits ihr Wasser hält. Diese kleinen Höhenlachen sind zuweilen ein nennenswerthes Charakteristicum vieler Höhen, besonders der Sattel und Kämme des centralen südafrikanischen Hochplateaus, der Reisende begrüßt sie mit freudigem Herzen und den Neuling überraschen sie nicht selten da, wo er sie am wenigsten erwartet. Nachdem er oft lange, ebene Strecken durchreist, vergebens da, wo das Land eine Neige zeigte, nach Wasser geforscht, fruchtlos einem trockenen Flußbett stundenlang gefolgt und sich mühevoll—nur um seinen und den peinlichen Durst der am Wagen harrenden Gefährten zu stillen—durch Schilfbrüche Bahn gebrochen, ohne das begehrte Element zu finden, endlich zu dem Wagen zurückkehrt, die Reise fortsetzt, um noch die vor ihm liegende Höhe oder die sich quer über seine eingeschlagene Route ziehende Bodenerhebung oder Hügelkette zu erreichen und von den höheren Punkten Rundschau zu halten, findet er unerwartet oben auf der Höhe eine, wenn auch oft trübe, so doch volle Wasserlache. Welch' eine beseligende Ueberraschung für den Neuling, ein Schatz für den Veteran, der, ohne nach rechts oder links abzubiegen, ohne sich durch noch so viel trocken scheinende Schluchten oder Flußdickichte täuschen zu lassen, gerade auf die ihm schon bekannten oder Wasser versprechenden Bodenerhebungen lossteuert. Zur heißen Tageszeit wird leider das Wasser in diesen seichten Becken bedeutend erwärmt, doch in der Abendkühle ist es bedeutend kälter als jenes in den Morästen oder Spruitlachen und wenn es nicht durch häufig hier zur Tränke kommende Viehheerden verunreinigt wird, bedeutend reiner und namentlich frei von faulenden Substanzen.

Während ich auf der Reise vaalaufwärts meine Zeit meist zur Croquirung der Strecke verwendete, konnte ich mich nunmehr meinen Sammlungen und der Jagd widmen. Ich ging mit meinem treuen und bereits gute Dienste als Hühnerhund leistenden Niger in der Grasebene auf der einen, F. mit seinem Karabiner auf der anderen Seite, 2-400 Schritte vom Wagen entfernt, demselben als Eclaireurs voran. Die grauen und schwarzen Zwergtrappen (die großen Trappen Eupodotis caffra und Kori waren zu scheu), Rebhühner, Steppenhühner, rothfüßige Kibitze (in den Flügeln schwarzweiß gescheckt) und an den Flügeln bespornte Hoplopteri (an den feuchteren Stellen) bildeten meist unsere Beute. Niger (ein bei der während meines Aufenthaltes in den Diamantenfeldern unternommenen und bereits geschilderten Pavianjagd erworbener Hund) that sein Möglichstes.

Zwischen dem Baken- und Matschavisspruit hielt uns ein Vorfall, der zu den heiteren Zufällen dieser ersten Reise gerechnet werden muß, einige Stunden auf. Auf einer der Grasebenen zu unserer Linken erspähte Gert vom Bock aus, etwa zwei Meilen vom Wege entfernt, einen dunklen Gegenstand, der bald als ein einzelnes grasendes Thier erkannt war. Nach der Größe schien es ein Rind zu sein, doch war von einer Heerde oder einem Hirten nichts zu sehen, und so wurde der dunkle Gegenstand trotz den Einwendungen der beiden Diener, die uns Weißen nicht beistimmen wollten, für einen jener alten, von den Heerden wegen ihrer Reizbarkeit und Kampflust ausgestoßenen Gnu-Stiere angesehen, der allein, sein ferneres Dasein in der Verbannung fristen mußte. »Deinen Gefährten bist du nutzlos, desto eher kannst du in einem europäischen Museum paradiren, dachte ich und meine Freunde stimmten mit ein.« Die Vorsicht, mit der ich mich in die Nähe des vermeintlichen Wildes schlich, erwies sich jedoch bald überflüssig, denn schon auf 500 Schritte erkannte ich einen Bullen, der seinerseits nun mir eine größere Aufmerksamkeit zuwendete als mir lieb sein konnte und mit gesenkten Hörnern auf mich losging. Einige blinde Schüsse brachten ihn jedoch schließlich zum Nachgeben und verstimmt über diese Täuschung kehrte ich zum Wagen zurück. Das scharfe Korannagesicht hatte seine Ueberlegenheit über uns Europäer bewiesen.

Ohne Unfall passirten wir die Furth über den Schoenspruit und lagerten bald auf dem freien, zwischen dem Flusse und der nach Klerksdorp führenden Wasserleitung liegenden Rasenplatze. In unserer Nähe standen zwei einem Transvaaler Fuhrmann (Transportrider) gehörende Wägen. Der Eigentümer derselben kam an unseren Wagen und da wir eben Kaffee nahmen, wurde ihm ein »Becher« offerirt. Der Transportrider führte Güter, wie er glaubte, Kistchen mit französischen Weinen und Brandy, rothe Kistchen mit holländischem Gin, große Kisten mit englischem Bisquit, ferner solche mit eingelegten Früchten (Jam), sowie Picken, Schaufeln etc. im Ganzen 13.000 Pfund Gewicht auf den beiden Wägen, die ihm in den Diamantenfeldern aufgeladen wurden und die er nach den Goldfeldern zu schaffen hatte.

Nach der Berechnung unseres Gastes, der ziemlich geläufig englisch sprach, hoffte er nach Abzug aller Kosten 140 £ St. an diesem »Trip« (Fahrt) zu verdienen, so daß wir mit Zurechnung der Frachtauslagen von Port Elizabeth annehmen müssen, daß das Heraufschaffen der Güter von diesem Hafenorte bis Pilgrims-Rast (Leydenburger District) auf 300 £ St. zu stehen komme. Die Strecke von Port Elizabeth über Hope-Town, Kimberley (Diamantenfelder), Christiana, Klerksdorp, Potschefstroom, Pretoria, Middleburg und Leydenburg (Lydenburg) beträgt nahezu 1100 englische (etwas über 255 geographische) Meilen; für den Transport von 130 Centner war mithin die Fracht von 3450 fl. eine sehr hohe. Die meisten dieser sogenannten Transportrider (sprich »raider«) stehen sich gut, nur in trockenen Jahren und wenn sie Schneegestöber im Winter auf den Karoohochebenen ereilen, haben sie oft sehr viel zu leiden und können ihr gesammtes Zugvieh einbüßen. So weiß ich mich vor drei Jahren eines Falles zu erinnern, wo ein einziger Fuhrmann, der mit sechs Wägen nach der Cap-Kolonie fuhr, in einigen kalten Nächten 75 Stück Ochsen verlor. Die Weide war sehr schlecht, wenn er die Thiere auch drei Tage lang grasen ließ, hatten sie sich nicht genügend erholt und erfroren um so eher. Ich kenne auch Fälle, wo solche Fuhrleute beim Durchfahren größerer Flüsse, wie des Oranje-Rivers, im Flusse stecken blieben und bevor noch ausgiebige Hilfe ankam, war der Fluß gestiegen und der Fuhrmann verlor Wagen und Güter, die er ersetzen mußte, Vorfälle, die schon so manchen an den Bettelstab gebracht.

Am nächsten Morgen verließen wir das Weichbild von Klerksdorp und schlugen die Richtung nach dem Estherspruit ein. Die letzten Tage hatte es nicht geregnet und so durften wir auf schönes Wetter hoffen, doch wurden die Nächte empfindlich kälter als zur Zeit, da wir uns von den Diamantenfeldern verabschiedet hatten.

Unter dem einladenden Schatten einiger jener mehrstämmigen, hutförmigen, nach abwärts mit ihrem verschlungenen Kronengezweige sich neigenden Zwergbäumchen hielten wir am folgenden Tage Mittagsrast. Die beschatteten Stellen waren grasarm, beinahe nackt und kahl und zeigten zahlreiche Mäuselöcher. Doch ringsum in einigen unbedeutenden Vertiefungen wucherte um so üppiger ein dichter Graswuchs.

Freund E. wollte eine hübsche Stelle für den Mittagstisch und unsere Sitze aussuchen, er schien endlich unter dem schattigsten der oben erwähnten Zwergbäumchen den gesuchten Ort gefunden zu haben, als er die Mäuselöcher zu zerstampfen begann. Ich wollte eben mit dem Insectennetze in der nächsten Umgebung eine Razzia halten, als mich Freund E.'s wunderliches Betragen zu der Frage veranlaßte, was er hier thue. »Sehen Sie, diese Löcher sind nach ihrer Umgebung zu urtheilen, verlassen und da gibt es keinen unbequemeren Ort, als deren Nähe sich zum Rasten auszusuchen, weil eben diese Löcher mit Vorliebe von Schlangen—«. »Eine Schlange, eine Schlange, Doctor, nehmen Sie den Schambock (Bileamspeitsche), passen Sie auf, sie läuft auf Sie zu!« schrie plötzlich aus der nächsten Vertiefung der erschreckte F., der hinabgestiegen war, um einige an den Grashalmen erspähte Käfer für mich zu erbeuten. Das »ausgesucht werden« blieb Freund E. in der Kehle stecken, er hatte nicht nöthig, seinen Satz zu beschließen, denn da kam schon pfeilschnell das Reptil hervorgeschossen, schnurstraks auf eines der zugestopften Löcher zueilend. Dieses und ein anderes verschlossen findend, wandte sich die etwa vier Fuß lange, fingerdicke Schlange nach dem Zwergbäumchen, wo sie mir über eine halbe Stunde harte Arbeit machte, bevor ich sie in dem dichten Geäste bemeistern konnte. Es war eine als Giftschlange in Süd-Afrika wohlbekannte Scap- (Skap-) stecker.


[Verlassener Jagdplatz.]

Im blumigen Thale des Estherspruit angekommen, widmete ich am folgenden Morgen, wie an der letzten Raststelle, einige Stunden dem Insectenfange, da hier viele Doldengewächse, auch Orakelblumen und Liliaceen von kleinen Coleoptera-Arten strotzten. Mylabris, Cetonia Marienkäfer, Erdflöhe etc. fanden sich artenreich vor. Dann wurde noch ein allgemeiner Ausflug mit Gewehr, Pinzette und Schambock zwischen den das enge Spruitthal zur Linken umgebenden Felsen versucht. Das Resultat war der Fang einiger Echsen, zweier Schlangen, von denen sich (nach der Breite der Spur zu urtheilen) hier viele Buffadern aufhalten mußten. Sie mußten auch gut gedeihen, denn alle Bedingungen dazu waren hier in den geschützten Felsenlöchern vorhanden, in denen sich kleine, braune und große, graue, schwarz gestreifte Rohrrüßler aufhielten, während in den nahen Zwergbüschen gestreifte Mäuse und im nahen Thale Lurche in großer Zahl anzutreffen waren. Die Rohrrüßler sind kleine muthige Raubthiere, der Gestalt nach müßte man sie Spring-Spitzmäuse nennen. Die großen (von der Größe einer Ratte) leben paarweise in Löchern unter umfangreichen Blöcken, sind sehr wachsam und nähren sich von Insecten und Insectenlarven. Sie springen sehr behende und pflegen sich auf der Flucht zeitweilig umzusehen, was ihnen natürlich oft zum Verderben gereicht.

Spät am Nachmittage erreichten wir den durch die bereits geschilderten Raubritter—jene holländischen Quälgeister, deren ich schon auf der Hinreise gedacht—berüchtigten Matjesspruit. Ich nahm mir vor, in dem Thale gar nicht zu halten, sondern noch drei Meilen darüber hinaus zu fahren, um nicht belästigt zu werden. Als wir ungefähr das erste Drittel des zum Spruit führenden Abhanges erreicht hatten, machte mich der mit der Peitsche neben dem Gefährte schreitende Gert auf den »Wächter« des in dem Gebüsche zur Rechten liegenden Raubgehöftes aufmerksam. Einer der Bauern stand unter einem Bäumchen auf dem Wege und lugte aus. Als wir auf etwa 300 Schritte nahegekommen waren, verschwand er plötzlich und lief buscheinwärts, um die Annäherung einer »Prise« zu melden.

Wir wähnten, als von Gert angetrieben das Gespann sich in Trab gesetzt hatte, der drohenden Gefahr glücklich entronnen zu sein, und konnten uns nicht enthalten, ob der gelungenen List in ein lautes Gelächter auszubrechen. Doch wie gewöhnlich, wir hatten zu früh gelacht. Plötzlich erscheint eine schmutzige Hand an dem Seitenbrette und dann folgt ein bestürztes Gesicht. »Chun (guten) Dag, Mynheer, ah, ah Dokter, wart doch bichi—ras ni so banje (viel) mit det ow (alte) wachen (Wagen).« Dann erschien neben Gert ein zweiter Raubritter in zerrissenen Hemdärmeln und beide bemühten sich, ihn zu überreden, das Gespann zum Stehen zu bringen. So hatten uns doch die unbarmherzigen Quälgeister ereilt! Doch Gert ließ vom Peitschen nicht ab und das Gefährte eilte bis zu dem Flüßchen, das wir zu durchschreiten hatten. Kaum daß wir das Spruitbett überschritten hatten, als ein Troß von Kindern und Frauen dem Wagen nachgerannt kam. »Ja warum lauft Ihr denn so vorbei,« hieß es von allen Seiten, »bleibt doch ein bischen stehen.« Wir sprangen vom Wagen ab, um wenigstens der Sitte gerecht zu werden und den zwölf Anwesenden Einem nach dem Andern ihre nichts weniger als reinen Hände zu schütteln und sie zu versichern, daß wir es sehr eilig hätten und unter keiner Bedingung hier bleiben könnten. Da nahmen die diesmal glücklich zurückgeschlagenen Freibeuter zu einer anderen List ihre Zuflucht, wobei sie jedoch vergaßen, daß wir dieselbe schon kannten. »Aber Ihr könnt' nicht weiter, denn wo Ihr noch heute Nacht hinkommt, da ist kein Gras für Eure Ochsen, kein Wasser für Euren Thee, der Boden ist kahl gebrannt, ohne Gras wie dieser Weg, bleibt doch hier über die Nacht.« Doch es half alles nichts, wir kannten unsere Pappenheimer zu gut und so blieb ihnen nichts übrig, als mit leeren Händen den Heimweg anzutreten.

Die Sonne stand schon ziemlich hoch, als wir am folgenden Tage am Klipspruit (steinigen Spruit) Rast hielten. Etwa 1½ englische Meilen an demselben auswärts stand ein Wagen und nahebei grasten einige Pferde. Hinter dem Wagen schien ein Zelt zu stehen. Ich hoffte holländische Jäger zu finden, von denen ich, im Falle wir ohne Erfolg gejagt hätten, einige frisch erlegte Thiere, der Häute halber, zu erstehen gedachte. Wir hatten auch ganz richtig geurtheilt, denn wir fanden den Besitzer der Landstrecke, auf der wir rasteten und der weiter auswärts sein Farmhaus hatte und mit seiner Familie auf einer Erholungsreise begriffen war, wobei er sich seine Zeit mit Jagen vertrieb. Um den Wagen waren mehrere Aeste in den weichen Boden eingelassen und mit Ochsenriemen verbunden, an denen zahllose, längliche Fleischstücke hingen, um zu dem bekannten Beltong getrocknet zu werden. Auf der Erde lag ein Gnu-Stier, den eben ein Koranna abzuhäuten bemüht war.

Wohin wir auch unsere Blicke wenden mochten, überall begegneten sie einem überraschenden Reichthum an Wild jeder Gattung. Wir waren Zeugen eines Kampfes zweier Gnu-Stiere, die mit unglaublicher Vehemenz aufeinander eindrangen; nichtsdestoweniger aber hatten sie ihren gemeinschaftlichen Gegner in uns bald gewittert und folgten der fliehenden Heerde rasch nach.


[Eine Vogel-Colonie.]

Bei dem Präpariren des mir von dem Farmer überlassenen Gnufelles hatte ich mich an den spitzen Knochen des Kopfskelettes verletzt, im Eifer der Arbeit, zu deren Beschleunigung ein drohender Regenguß mich anspornte, achtete ich nicht darauf. Heftige Schmerzen und angeschwollene Hände belehrten mich nächsten Tages, daß ich unvorsichtig genug vorgegangen und das Arsenikpräparat in die Wunden eingedrungen war. Ich wurde erst später eindringlich an die Gefahr dieser Sorglosigkeit gemahnt.


[Löwenjagd in den Maqwasibergen.]

Am nächsten Morgen verließen wir Klipspruit, überschritten den Löwen- und Wolfsspruit und erreichten gegen Abend die schon erwähnte Farm Rennicke, deren Besitzer uns auf der Hinreise anfangs ziemlich unfreundlich empfangen hatte. Diesmal hatte er gegen unser Vorhaben, im Gehölze zu jagen, nichts einzuwenden, ja er gab uns sogar seinen Jungen als Führer mit. Der kleine Bursche geleitete uns an den nördlichen Rand des Gehölzes, an dem angelangt er uns niederbeugen und ihm stille folgen hieß.

Nach etwa 60 Schritten standen wir an einem niederen, kaum fünf Fuß hohen, hie und da mit Zwergsträuchern überwucherte Erddamme. Der Junge vor uns kroch aufwärts und sah sich um, dann hieß er uns vorsichtig folgen und durch eines der Büschchen gedeckt auslugen. »Kick, Ohm« (schau, Onkel), flüsterte er mir in's Ohr, und wies mit seiner Linken über den Damm. Ein unvergeßlicher Anblick bot sich uns dar. Ich wünschte ein Netz über diese Scene ausgespannt zu sehen und das Leben darunter als »Leben« zu erhalten.

Der Damm, an dem wir lagen, war die südliche Umzäunung einer dreiseitigen, eingedämmten Vertiefung, die von Gras und Binsen überwachsen, nur vom Regenwasser gespeist zu sein schien. In diesem Gewässer watschelte, schwamm und tauchte ein Heer von Vögeln umher, Die auffallendsten waren die heiligen Ibise, wenigstens fünfzig, die Einen in ihrem schneeweißen Gefieder auf einem Fuße schlummernd, die andern langsam und gravitätisch ausschreitend und den kleineren Genossen (den Tauchern etc.) zuweilen Hiebe austheilend, während die meisten rasch hin und herliefen und dabei unter der Wasserfläche mit dem dunkelgefärbten Kopfe und dem Schnabel hin- und herfahrend fischten. Außer ihnen stand nach der einen Dammseite, wie aller Welt vergebend, ein graues Fischreiherpärchen. Zwischen dem Grase und in den Binsen gackerten graue und schwarzweiß gescheckte Wildenten, während unzählige Bläßhühner ihre tiefen Stimmen hören ließen. Dazwischen tummelten sich die kleinen behenden Taucher. Am Rande des schräg zu dem trüben Wasser abfallenden Dammes liefen laut pfeifend einige Kampfläufer (Philomachus pugnux) auf- und nieder, während kleine Strandläufer in dichten Schaaren von dem einen zum andern Ufer flogen, ohne lange auf derselben Stelle zu verweilen. Später fand ich die Erklärung zu dem lauten Treiben dieser an das flüssige Element gebundenen Vogelwelt. Ein heftiger Platzregen hatte eine Unmasse von Insecten und Würmern von der Ebene in die Vertiefung herabgeschwemmt, auch todte Eidechsen, sogar Mäuse fanden ihren Weg dahin; an dieser reich besetzten Tafel ließ es sich nun die befiederte Gesellschaft recht wohl schmecken.

Einer von uns mußte wohl unvorsichtig den Kopf vorgestreckt haben, denn bevor ich mich dessen versah, hatten sich alle die Langstelzen mit lautem Geschrei in die Lüfte erhoben. Unwillkürlich und wohl auch in der Angst, sie alle davonfliegen zu sehen, legte ich auf einen der Ibise an und brachte ihn wie auch ein Bläßhuhn herunter. Auf dem Heimwege die Moräste berührend, erbeutete Freund E. eine Wildente.

Am Wagen angekommen, erfuhr ich von Freund K., daß der Farmer mich zum Besuch eingeladen habe. Obgleich derselbe wohlhabend zu nennen, war doch sein Haus höchst einfach aus Backsteinen aufgeführt. Er klagte mir sein Leid über die Verluste, die er durch die herrschende Pferdekrankheit alljährlich erleide und bat mich um meinen Rath, da eben sein Reitpferd von der Krankheit befallen war.

Am Nachmittage verließen wir Rennicke's Farm und langten in der Dunkelheit an »Gildenhuis Place« an, derselben am Südfuße der hier vorbringenden Maqwasihöhen erbauten Farm, welcher ich auf der Hinreise bereits erwähnte.

Auf der dritten Reise—zwei Jahre später—traf ich weit im Innern einen herumwandernden Elephantenjäger, der seine Heimat an den nördlichen Ausläufern der Maqwasihöhen hatte, zu deren südlichem Abhange wir eben lagerten. Er war ein tüchtiger Jäger, und ich will im Folgenden, bevor ich von den Maqwasihöhen scheide, eine seiner Jagdepisoden erzählen. Weinhold Schmitt hielt sich in seiner Junggesellenzeit in einer an den Quellen des Maqwasi-Rivers liegenden Farm auf. Zu dieser Zeit waren die nördlichen Schluchten der Maqwasihöhen durch das Treiben von vier in der Regel gemeinschaftlich jagenden Löwen arg verrufen. Keiner von den in der Umgebung wohnenden Boer's hatte sich bisher erkühnt, den verwegenen Löwen an den Leib zu gehen. Da kam eines Tages der Sohn des einen Farmers mit der traurigen Botschaft heimgeritten, daß er die Leichen dreier Pferde—es waren »gesoute« (gesalzene, d.h. gegen die Pneumonie gefeite), welche er abzuholen hatte—vorfand, die schon halb aufgezehrt im Grase lagen, und an den zahllosen Spuren waren die Urheber der ruchlosen That nur zu deutlich zu erkennen.

Diese Nachricht brachte es zu Stande, daß sich die Boer's endlich zur That aufrafften und gemeinschaftlich die Raubthiere zu erlegen beschlossen. Der Farmer und sechs Reiter fanden sich ein, der junge Mann, der die getödteten Pferde aufgefunden, wurde zum Führer gewählt; die Spur der Löwen war bald gefunden. Es ging durch ein Thal, über eine, über eine zweite Höhe, dann kamen sie auf eine Ebene, die leider kurzbegrast war; der Boden war hart und wohl auch deshalb verloren sie die Spur der Thiere und mußten die Verfolgung aufgeben. Es ist jedoch wahrscheinlicher, daß den Löwenjägern der Muth etwas gesunken war und daß alle nur zu sehr einverstanden waren, lieber heimzukehren, als noch, abgemüdet nach einer längeren Verfolgung, den Kampf mit den Raubthieren aufzunehmen. Auf ihrer Heimkehr trennten sich die enttäuschten Jäger nahe an Schmitt's Wohnung. Doch wie erstaunten er und sein Freund, als sie in unmittelbarer Nähe des Gehöftes ein Löwenpärchen im hohen Grase erblickten. Nach der Stellung, welche die Raubthiere eingenommen hatten, schienen sie auf der Lauer zu liegen. Beim Annähern der beiden Reiter, deren Pferde sich brav in der Nähe ihres Erzfeindes hielten, erhoben sich die Löwen, und Schmitt, um einen sichern Schuß zu gewinnen, sprang ab, nahm die Zügel, machte einige Schritte nach vorwärts und legte gerade auf den nach ihm stierenden Löwen an, als ihn sein Gefährte anrief; als sich Schmitt umwandte, sah er, daß ihn dieser verlassen und eben in einer Entfernung von 50 Schritten Posto gefaßt hatte. Dies war unserem Jäger sehr unangenehm. Zwei Löwen sah er vor sich, die übrigen durften wohl nicht ferne sein, sein Freund hatte ihn in dieser ungemüthlichen Situation verlassen.

So blieb ihm nichts übrig als selbst an den Rückzug zu denken. Sein Pferd am Zügel führend wich er zurück, doch so, daß er stets die Raubthiere im Auge behielt. Bevor jedoch der Schütze seinen Gefährten erreicht hatte, wandten sich die Löwen zur Flucht nach den Höhen. Dies gab unsern Jägern Muth und beide galoppirten ihnen nach, Schmitt mit der Absicht—wie es jeder berittene und etwas erfahrene südafrikanische Löwenjäger in einem solchen Falle versucht—den Löwen einen Vorsprung abzugewinnen und ihnen den Weg zu verlegen. Es gelang ihm und die beiden Löwen befanden sich nun zwischen ihm und seinem Gefährten, der mit Geschrei und Hutschwenken die Freunde, von denen sie kurze Zeit zuvor geschieden und die noch nicht aus Schußweite gekommen waren, auf den Fund aufmerksam zu machen sich bemühte. Bevor jedoch diese—obwohl mit verhängten Zügeln einhersprengend—zur Stelle waren, hatte sich die Löwin nach links gewendet und war in einer trichterförmigen, bebuschten doch seichten Felsenvertiefung verschwunden, während der Löwe mit fletschenden Zähnen den Augenblick, wo beide Jäger dem Dickicht näher gerückt waren, benutzend, mit einigen Sätzen im Gestrüppe der nahen Höhe verschwand und—nachdem er wohl noch durch den Anblick der heranjagenden Menschen eingeschüchtert—seine Flucht längs der Höhe auch so eilig fortsetzte, daß er seinen Verfolgern nicht mehr zu Gesichte kam.

Als die übrigen fünf Jäger sich zur Stelle eingefunden hatten, beschloß man, die Vertiefung zu umzingeln und namentlich den dem Hügel zugekehrten Rand derselben scharf im Auge zu behalten, weil man nach dieser Seite einen Fluchtversuch der Löwin befürchtete. Hier postirten sich auch drei der Jäger und begannen mit Geschrei und Steinwürfen die Löwin zu beunruhigen und zu einem Fluchtversuche zu bewegen. Die Steinwürfe mochten sie wohl kaum belästigt haben, umsomehr aber schien die Löwin über das entsetzliche »Holländisch« empört, in welchem die drei Jäger sich mit ihr unterhielten, denn nach einiger Zeit erschien sie am Rande der Vertiefung, um die Situation auszuspähen. Anstatt gerade nach dem schützenden Dickicht des Hügels zu halten, bog sie etwas nach links ein, um in einer schiefen Linie das Ziel zu erreichen. Bei der Ausführung dieses Vorhabens stand ihr jedoch das Unangenehme bevor, vor den drei Schützen vorbeidefiliren zu müssen. Sie zögerte nicht lange und folgte der letzterwähnten Richtung. Drei Schüsse knallten zur selben Zeit. Die Löwin machte einen Versuch, ihre Bahn fortzusetzen, den auszuführen jedoch ihre Lebenskräfte nicht mehr ausreichten. Sie war mit dreifach durchbohrter Brust zur Erde gesunken.

»Und die anderen Löwen?« fragte ich.

»Wir hatten für längere Zeit Ruhe vor den Raubthieren, sie zogen sich nach dem Hart-River zu und hausten da im Lande der Barolongen. Doch kamen sie zuweilen noch immer herüber und selbst gegenwärtig kann man in trockenen Wintern daselbst von Westen her zugelaufenen Löwen begegnen.«

Nächsten Mittag spannten wir im Schatten einiger schöner Cameeldornbäume unfern der Furth des Maqwasi-River aus. Der vor wenigen Wochen hoch angeschwollene Fluß war nunmehr wieder zu einem dünnen in der Ebene sich hinschlängelnden Wasserfaden herabgesunken. Am jenseitigen Ufer standen einige Wägen ausgespannt. Sie waren sämmtlich mit Wein- und Branntweinfässern geladen, welche nach den Goldfeldern gebracht werden sollten. In einem nahen Ziegelhäuschen ging es sehr lärmend zu, man credenzte auch hier den Feuertrank, und vor dem Häuschen lagen auf der Erde im betrunkenen Zustande einige der zu den Wägen gehörenden schwarzen Diener, während zwei andere—auch unter demselben Einflusse—schreiend ihre Fertigkeit im Boxen an sich versuchen wollten. Der eine hatte seine schmutzige Jacke abgeworfen und schlug die Hemdärmel zurück, um sich für den Zweikampf »klar« zu machen, während sein Gefährte mit in der Hose steckenden Händen und mit ausgespreizten Beinen ihm die ärgsten Schmähworte zuschleuderte. »Du bist kein Hottentot nicht, nur ein elendige Boschman,« warf dieser ein. Das war zu viel für das erhitze Gemüth des braun-gelblichen Stammesbruders. »Ik ke Hottentott ni, so wahr ich eine Mutter habe (dies der gewöhnliche Schwur der Koranna) bin ich einer—nimm das—dafür Du drunken lap Du.« Und die eine der an die Brust gezogenen Fäuste traf den sich kaum im Gleichgewicht haltenden Gegner so dreist und wuchtig auf die Nasenwurzel, daß er mit einem »Allmachtag« nach rückwärts fiel und hoch mit den Beinen aufschlug.

Auf unserer Weiterfahrt nach Bloemhof begegneten wir zwei Fußgängern (Weißen), die nach monatelangem, erfolglosem »Diggen« in den Diamantenfeldern ihr Heil in den Leydenburger Goldfeldern zu finden gedachten. Der eine der Männer trug zusammengerollte Decken, der zweite in einem Ledersack Brod etc., sowie eine Theekanne und einen Becher. In dieser Verfassung dachten sie die Gesammtstrecke von über 115 geographischen Meilen Länge zurückzulegen. »Nachts schlafen wir unter einem Busche, polstern uns die Stelle weich mit Gras aus und überrascht uns ein Regen, so bleiben wir—wenn wir gerade nicht nahe an einem Farmhause sind, um Schutz in dem Wagenschuppen zu suchen—ruhig liegen, ist's ja nur Wasser, und reines Wasser, das da vom Himmel auf uns kommt.« Das war ein Paar jener Wettergebräunten, die man oft in den Diamantenfeldern begegnet und die von dem Glanze der Diamanten und des Goldes angezogen, die rauhesten Seiten des menschlichen Daseins kennen, ertragen und verachten gelernt hatten; und haben sie sich an dieses rauhe Leben, an dieses mit den größten Mühen und großen Kosten verbundene, selten oder fast nie zu befriedigende Jagen nach Reichthum gewöhnt, so sind sie den gesellschaftlichen Formen des Lebens entfremdet; außer daß sie—was ihnen jedoch in Süd-Afrika nicht leicht möglich ist—die eleganten Säle der Spielhöhlen besuchen.

Spät am Abend langten wir am Bamboesspruit an und übernachteten am diesseitigen Ufer, um die Furth nicht in der Nacht passiren zu müssen. Wir blieben bis gegen Mitternacht um das lodernde Feuer geschaart und besprachen die Gladiatorscene am Maqwasi-River, der wir ohne Eintrittskarten gelöst zu haben, beigewohnt hatten.

Am nächsten Tage legten wir die Tour durch die schon vorher erwähnten Grasebenen zurück, berührten die beiden an Salzpfannen liegenden Farmen Rietfontein und Coetzee's Farm und erreichten den folgenden Tag Bloemhof.