WeRead Powered by ReaderPub
Sklaven der Liebe, und andere Novellen cover

Sklaven der Liebe, und andere Novellen

Chapter 7: Inhalt
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A set of short novellas centers on intimate, often uneasy encounters where the stories focus on desire, obsession, and social embarrassment. One narrative follows a young woman working in a café who becomes infatuated with a frequent customer, tracking his attentions, gifts, and petty humiliations while negotiating money, charity, and self-respect. Across the collection, characters confront longing, jealousy, and moral ambivalence through close psychological observation, sparse public scenes, and moments of bittersweet irony. The prose highlights inner states, small gestures, and the gap between private yearning and public performance.

VII

Am nächsten Abend war ich reisefertig. Meine Sachen waren nach dem Dampfer hinuntergeschafft, meine Rechnung war bezahlt und alles geordnet. Ich stecke dem Hoteldiener einen Geldschein in die Hand und sage ihm Lebewohl. Er zuckt heftig mit den weißen Augen und fängt an zu weinen. Der arme Teufel küßt mir die Hand.

»Wollen Sie es wohl glauben,« sagt er gleich darauf und trocknet seine Augen, — »der Herr von Sinvara reist mit demselben Dampfer wie Sie. Er hat Pavo versprochen, heimzukehren.« Und der allwissende Mensch verfolgt mich bis zum letzten Augenblick mit seinen Geschichten. Pavo hatte seinem Vater wieder eine Rede gehalten. Als es nicht half, daß er ihm mit Fürst Yariw drohte, hatte er ihm eine kleine, völlig unbrauchbare Pistole gezeigt, mit der er sich leider erschießen müsse, um seine Ehre zu retten. Da hatte der Vater nachgegeben. Er wollte wirklich Fürst Yariws Freundschaft nicht verlieren. Außerdem hatte er Gott hoch und teuer gelobt, mit dem Spielen innezuhalten, sobald er sein Geld zurückgewonnen habe. Kurz: der Herr von Sinvara wollte nach Hause reisen.

»Adieu!« sagte der Diener. »Sie treffen ihn unten am Dampfer.«

Die Uhr schlug fünf.

Im selben Augenblick, als der Spielsaal geöffnet wurde, begab ich mich an den Landungsplatz. Der Dampfer nahm eine Partie Bastmatten ein. Einige Minuten später kamen auch wirklich der Herr von Sinvara und sein Diener, sie waren beide reisemäßig gekleidet. Es waren viele Menschen zugegen, Pavo sah ich aber nicht. Ich fragte einen alten Mann nach ihm, ich sagte:

»Weshalb begleitet er seinen Vater nicht an das Schiff?«

»Pavo ist stolz!« antwortete ein junges Mädchen, das gerade herzukam. »Einen Vater, der seine Ringe verspielt, kennt er nicht. Das sieht Pavo ähnlich.«

Da stand auch das kleine Mädchen des Herrn von Sinvara. Sie stand abseits und sah zu, aus der Entfernung, mit gesenktem Haupt. Der, nach dem sie ausschaute, schenkte ihr keinen Blick.

Ich ging ein paar Mal auf dem Kai auf und nieder, bezahlte meinen Wagen und gab acht, daß alle meine Sachen an Bord gebracht waren. Der alte Diener des Herrn von Sinvara war schon da, ihn selber sah ich hingegen nicht. Ich sah mich nach seinem kleinen Mädchen um, auch sie war verschwunden.

Die letzte Matte wurde in den Lastraum versenkt, und der letzte Passagier kam an Bord. Plötzlich entsteht ein allgemeines Fragen nach dem Herrn von Sinvara, der mitfahren wollte. Wo war er geblieben? Sein alter Diener springt auf. Wo in aller Welt war sein Herr? Der Dampfer blieb liegen, man konnte doch nicht ohne den großen Herrn abfahren! Wir durchsuchen alle das Schiff, den Kai, alle Ecken und Winkel, wir fragen alle Menschen nach ihm, und niemand vermag uns Bescheid zu geben. War er ins Wasser gefallen? Hatte er sich hineingestürzt und war in aller Stille ertrunken? Plötzlich überkommt mich eine Ahnung, ein ganz sonderbarer Gedanke, ich bitte den Schiffer noch fünf Minuten zu warten, dann würde ich vielleicht Auskunft über den Vermißten geben können.

Ich springe an Land, ich eile nach dem Hotel, stürme die Treppe hinauf, in das blaue Stockwerk. Mit verhaltenem Atem öffne ich die Thür und sehe hinein.

Zuerst sehe ich das kleine Mädchen des Herrn von Sinvara. Sie hat ihre errötende Miene wiedergewonnen und sieht glücklich aus. Und vor ihr auf dem Stuhl sitzt der Herr von Sinvara wieder am Roulette.

Inhalt

Seite
Sklaven der Liebe 1
Der Sohn der Sonne 17
Zachäus 31
Über das Meer 61
Ein Erzschelm 101
Vater und Sohn 139

Knut Hamsun

Die Königin von Saba

und andere Novellen

Dritte Auflage

Hamburger Fremdenblatt: Wer es noch nicht gewußt hat, kann es an dem neuen großartigen Novellenband Knut Hamsuns wieder empfinden, daß hier eine der merkwürdigsten Dichterindividualitäten der Zeit auf den Plan getreten ist. Hamsun schildert alles mit tiefem Seherblick, seine Menschen sprechen lautere Wahrheit und bezahlen diese Wahrheit, die sie in der Natur schauen dürfen, mit seelischer Qual. Auch in dem neuen, auf großer dichterischer Höhe stehenden Novellenbande tritt Hamsun dem Leser wieder in der Gestalt eines Sonderlings entgegen, zumal in seiner »Königin von Saba« ... Zum Schlusse möchte ich noch auf eine ganz kleine Skizze hinweisen: »Der Ring«, die, trotzdem sie nur wenige Zeilen umfaßt, das Werk eines echten Dichters ist.

Literarisches Echo, Berlin: Es ist nicht alltägliches in dem Buch, es enthält Dichtungen von überaus apartem Reiz, die uns so oft überraschen, da sie zu so unvermuteten Ausgängen geführt werden, ohne daß diese willkürlich wären. Hamsun versteht es wunderbar, mit wenigen Worten große Perspektiven zur eröffnen, er versteht es, den Leser zwischen den Zeilen finden zu lassen, und gibt ihm mehr zu ahnen, als er enthüllt.

Albert Langen, Verlag in München

Knut Hamsun

Pan

Aus Leutenant Thomas Glahns Papieren

Einundzwanzigste Auflage

»Irgendwo in einer Waldecke muß man dieses seltsame Buch lesen,« — schreibt der »Hannoversche Courier« in einem längeren Artikel — »um den vollendeten Zauber seiner poetischen Stimmungen völlig genießen zu können. Der Sturm und die Ruhe des Waldes zugleich atmen aus diesen Blättern, die Wildheit sommerschwüler Träume wechselt ab mit der Innigkeit wahrster Empfindung; Glut und Kälte, höchste Leidenschaft und tiefste Ermattung zugleich sprechen sich in Worten von außerordentlicher Formvollendung aus.«

Neue Freie Presse, Wien: Knut Hamsun ist ein merkwürdiger Schriftsteller, in vielen Dingen wohl der erste unter allen modernen Norwegern. Sein Roman »Pan« enthält viel Wunderliches, aber ein heller Schimmer von Poesie strahlt aus dem Buche. Eine so innige Freude an der Natur, ein so unmittelbarer Zusammenhang mit ihr, ein so meisterhaftes Eindringen in alle ihre Reize und Geheimnisse ist wenigen gegeben. Hamsun ist ein Landschaftsmaler ersten Ranges mit der Feder.

Albert Langen, Verlag in München

Knut Hamsun

Victoria

Geschichte einer Liebe

Fünfzehnte Auflage

»Victoria« oder »Die Geschichte einer Liebe« kann nicht besser als mit diesem Untertitel charakterisiert werden. Wie Hamsun im »Pan« eine Symphonie über die Natur schuf, die vor ihm vielleicht niemals intensiver künstlerisch erfaßt worden ist, so hat Knut Hamsun in »Victoria« das Hohe Lied der Liebe gesungen mit all den Farben und Zwischentönen, mit all der ursprünglichen Eindringlichkeit und Zartheitsfülle, die nur Hamsun eigen sind.

»Victoria« oder »Die Geschichte einer Liebe« ist ein seltsames, unendlich feines Buch, warm und leuchtend wie ein Johannisfeuer in einer stillen Juninacht.

Allg. Zeitung, München: Was Hamsun auszeichnet und ihm unter den zeitgenössischen Dichtern einen hervorragenden Platz sichert, das ist der Scharfblick, mit dem er in die Tiefen der Seelen dringt, die Meisterschaft, mit der er die feinsten, intimsten inneren Regungen und Schwingungen zu ergründen und darzustellen weiß.

Albert Langen, Verlag in München

Einzelausgaben der Werke von Knut Hamsun
aus dem Verlag von Albert Langen:

Hunger, Roman18. Auflage
Mysterien, Roman12. Auflage
Neue Erde, Roman8. Auflage
Pan (Aus Leutnant Thomas Glahns Papieren)21. Auflage
Redakteur Lynge, Roman6. Auflage
Viktoria, Geschichte einer Liebe15. Auflage
Die Königin von Saba, Novellen3. Auflage
Sklaven der Liebe, Novellen6. Auflage
Im Märchenland, Erlebtes und Geträumtes aus Kaukasien3. Auflage
Kämpfende Kräfte, Novellen3. Auflage
Schwärmer, Roman3. Auflage
Unter dem Halbmond, Reisebilder3. Auflage
Benoni, Roman5. Auflage
Rosa, Roman3. Auflage
Unter Herbststernen, Erzählung eines Wanderers3. Auflage
Gedämpftes Saitenspiel, Erzählung eines Wanderers5. Auflage
Die letzte Freude, Roman7. Auflage
Kinder ihrer Zeit, Roman11. Auflage
Die Stadt Segelfoß, Roman8. Auflage
Segen der Erde, Roman23. Auflage
Die Weiber am Brunnen, Roman15. Auflage
Abenteurer, Ausgewählte Novellen15. Auflage
Erzählungen, Ausgewählt und eingeleitet von Walter von Molo20. Auflage
An des Reiches Pforten, Schauspiel
Abendröte, Schauspiel
Munken Vendt, Dramatisches Gedicht
Königin Tamara, Schauspiel
Spiel des Lebens, Schauspiel
Vom Teufel geholt, Schauspiel

Druck von Hesse & Becker in Leipzig

Anmerkungen zur Transkription:

Die folgende Liste enthält alle geänderten Textstellen, jeweils zuerst im Original und darunter in der geänderten Fassung.

  • Seite 12:
    mit hinauf zu kommen! .. Aber ich habe nur
    mit hinauf zu kommen! ... Aber ich habe nur
  • Seite 34:
    vom Frühling bis zum später Oktober
    vom Frühling bis zum späten Oktober
  • Seite 66:
    hieß übrigens Nyke, Christen Nyke
    hieß übrigens Nyke, Kristen Nyke
  • Seite 66:
    erzählte von seinem Appell an die Offentlichkeit
    erzählte von seinem Appell an die Öffentlichkeit
  • Seite 68:
    Damen in flottgeschürzten Karl Johann-Toiletten
    Damen in flottgeschürzten Karl-Johann-Toiletten
  • Seite 69:
    unserer Koje hatten auch Christen Nyke
    unserer Koje hatten auch Kristen Nyke
  • Seite 72:
    und das Getose unten sich ein wenig gelegt hatte
    und das Getöse unten sich ein wenig gelegt hatte
  • Seite 79:
    Die Offnung in dem Eimer des Stewarts
    Die Öffnung in dem Eimer des Stewarts
  • Seite 116:
    ein Wort zu ihrer Entschuldigung vorzubringen
    ein Wort zu ihrer Entschuldigung vorbringen
  • Seite 116:
    »Jetzt bitte ich Sie eins zu beachten
    Jetzt bitte ich Sie eins zu beachten
  • Seite 116:
    lange gekannt wir hatten eine ganze Zeit
    lange gekannt; wir hatten eine ganze Zeit
  • Seite 117:
    hatte in der Regel das Ubergewicht
    hatte in der Regel das Übergewicht
  • Seite 122:
    am selben Abend abholen, ehe sie verwelten
    am selben Abend abholen, ehe sie verwelkten
  • Seite 126:
    und sie trugen abgeschnittes Haar
    und sie trugen abgeschnittenes Haar
  • Seite 132:
    Laß noch eine Flasche Wein kommen?
    Laß noch eine Flasche Wein kommen!
  • Seite 152:
    noch einmal setze hundert auf dreizehn
    noch einmal, setze hundert auf dreizehn
  • Seite 153:
    wieder verloren? Setze auf Gerade?
    wieder verloren? Setze auf Gerade!
  • Seite 156:
    zusammen zu legen, um einen Uberblick
    zusammen zu legen, um einen Überblick
  • Seite 171:
    »Geh und hole meine Rechnung!
    »Geh und hole meine Rechnung!«
  • Seite 172:
    Er schien indessen seinen Uberfall
    Er schien indessen seinen Überfall
  • Seite 184:
    spricht laut: »Wieder Rot!« Ja, ich hatte
    spricht laut: »Wieder Rot! Ja, ich hatte