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So sollt ihr leben! Winke und Rathschläge für Gesunde und Kranke... cover

So sollt ihr leben! Winke und Rathschläge für Gesunde und Kranke...

Chapter 121: Krämpfe.
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About This Book

The text offers practical guidance for healthy living and natural therapeutics, combining spiritual reflection with hands-on advice. It advocates simple, temperate habits, the restorative power of water through baths and cold washings, and the therapeutic use of traditional herbs reclaimed from folk practice. The author critiques modern fashions and artificial remedies, urging readers to practice self-care, strengthen children's constitutions, and use nature's resources before resorting to aggressive procedures. Sections alternate between philosophical grounding, practical instructions for prevention and treatment, and encouragement to integrate faith, common sense, and natural methods in everyday health management.

Ein Herr erzählt: „Ich habe einen Ausschlag auf dem Kopf unter den Haaren, besonders aber unter meinem starken Bart, deßgleichen auf der Schulter. Im Gaumen und Rachen empfinde ich oft brennende Schmerzen. Vier Ärzte habe ich gebraucht; es wurden viele Salben eingerieben, mit verschiedenen Wassern wurde mein Kopf gewaschen, auch Mineralwasser habe ich gebraucht, aber Alles vergebens. Der ganze Zustand wird eher schlimmer als besser. Wie kann ich von diesem Übel frei werden?“

Antwort: 1) Jede Woche zwei Kopfdämpfe, 20 Minuten lang, darauf kräftig abwaschen. 2) In jeder Nacht den ganzen Körper waschen. 3) Täglich eine Tasse Thee von Zinnkraut und 10–12 Wachholderbeeren, 10 Minuten lang gesotten, in drei Portionen trinken. So drei Wochen lang. Dieser Ausschlag kommt von Ungesundheit im ganzen Körper. Durch Dampf werden die Poren geöffnet, die Ungesundheit aufgelöst und ausgeleitet. Die Waschungen stärken den Körper zur Ausscheidung. Der Thee wirkt reinigend und auflösend.


Hüfte, verschobene.

Mir wurde ein Mädchen aus einer großen Stadt gebracht, zehn Jahre alt; das Gesicht deutete auf die Blüthe des Lebens. Doch jeder Fuß hatte eine eigene Maschine, in die er fest eingeschnallt war. Ein Fuß war ungefähr fünf Centimeter kürzer als der andere; zudem stack auch der Oberleib in einer eigenen Maschine, die rechte Hüfte war ganz verschoben. Es ging dabei an zwei Krücken und war auch mit diesen nicht im Stande, eine längere Strecke zu gehen. Über vier Monate schleppte sich das arme Kind mit diesen drei Maschinen herum, nachdem alle möglichen Versuche vorausgegangen waren. Durch die Maschinen sollten die Füße in Ordnung gebracht und das Rückgrat durch die Einzwängung steif werden. – So weit half die Wissenschaft!

Ich machte nun einen Versuch, ließ alle drei Maschinen entfernen und das Kind auf eine feste Matratze legen. Soweit es leicht möglich war, wurde die Ausbiegung an den Hüften eingeschoben, was in drei Sekunden gelang. Die Füße wurden neben einander gelegt, und so wurde das in Ordnung gelegte Kind mit einem Tuche umwunden, von unter den Armen bis an die Kniee; das Tuch, das auf dem Leib lag, wurde in Heublumenwasser getaucht. Dieser Wickel dauerte täglich zwei Stunden.

Täglich bekam das Kind dreimal einen Schenkelguß mit zwei Gießern voll frischen Wassers. Nachdem so fünf Tage fortgemacht worden, konnte das Kind schon gerade stehen; auch der Rücken blieb gerade.

Die Anwendungen wurden weiter fortgesetzt, und nach 14 Tagen konnte das Kind langsam, allein und ganz gerade gehen, natürlich nur kürzere Strecken.

Nach drei Wochen hatte das Kind schon bedeutende Fortschritte gemacht. Es ging so gerade wie andere Kinder. Beide Füße waren gleich lang, und außer einer weitern Erholung fehlte ihm nichts mehr. Die volle Kraft erreichte das Kind nach sechs Wochen.

Das Auffallende dabei war, daß das Kind gut genährt war, ganz ungewöhnlich frisch und gesund aussah, kurz ein stattliches Kind war. Am ganzen Körper konnte man nichts Unrechtes finden, bloß das linke Knie war etwas angeschwollen, schmerzhaft und steif. Dieser Fuß wurde aber für den gesunden gehalten, weil er der längere war. Ich führte zwei Ärzte zu diesem Kinde, um ihr Urtheil zu hören. Der eine sagte: Hier hat die Wissenschaft kein Wort; sie konnte deßhalb wohl Maschinen anlegen, aber das Kind nicht heilen; der andere erklärte: Hier kann die Wissenschaft nichts thun.

Ich beurtheilte die Sache so: Das Kind hat am Knie des linken Fußes, wo der Schmerz und die Steifheit war, einen kranken Stoff, sei es durch ausgetretenes Blut oder durch Reibung oder Schlag, bekommen. Durch eine innere dadurch entstandene Entzündung litt auch der Knochen; somit gab dieser Fuß nach, und die weichen Gebeine verschoben sich, wie wenn ein schwacher Balken seine Last nicht zu tragen vermag. Das Kind mußte somit durch die Ruhe und rechte Haltung, sowie durch die Anwendungen gekräftigt, aber auch der Krankheitsstoff aus dem Knie ausgeleitet werden, was in der That geschehen ist dadurch, daß das Knie täglich 2–4 Stunden mit angeschwellten Heublumen umwunden wurde.


Kinderkrankheiten (einige).

1.

Eine Mutter erzählte: „Ich habe einen Knaben, der gesund und frisch zur Welt gekommen war und sechs Wochen hindurch gedieh. Nachher aber bekam er einen aufgedunsenen Körper, konnte nicht mehr gut schlafen, weinte viel und blieb jetzt zehn Wochen fast immer gleich.“

Was hat hier gefehlt? Dieses Kind hat zu früh zu schwere Nahrung bekommen, welche nicht ertragen und gehörig verwerthet werden konnte. Es füllte sich deßhalb der Körper zu stark, es entwickelten sich zu viele Gase, und so mußte die kleine Maschine in ihren Funktionen erliegen.

Dieser Knabe soll:

1) täglich mit kaltem Wasser ganz und flüchtig gewaschen, aber nicht abgetrocknet werden,

2) in der Woche zweimal und später einmal ganz eingewickelt werden von unter den Armen hinunter. So vier Wochen lang; dann soll er bloß jeden Tag einmal mit kaltem Wasser gewaschen werden,

3) täglich Eichelkaffee mit Milch in kleinen Portionen bekommen und allmälig an die einfachste Kost gewöhnt werden.

Nachdem diese Anwendungen acht Wochen hindurch gebraucht wurden, war der Knabe frisch und gesund.

Der Eichelkaffee mit Milch gibt dem Kind kräftige Nahrung, die Gasfabrik hört somit auf, und es wird dem Kind leichter und wohler. Durch die Waschungen wird die Natur gekräftigt und so die verlorne Gesundheit wieder hergestellt. Die Wickel wirken auf den Körper auflösend und stärkend.

2.

Ein Kind, ¾ Jahre alt, hat ganz trübe, angeschwollene Augen mit stark angelaufenen Lidern. Es kann unmöglich in die Helle sehen. Der ganze Kopf scheint viel zu groß, ist ganz aufgedunsen. Die Gesichtsfarbe ist todtenblaß, der Leib um die Hüfte viel zu dick, Hände und Füße sind ganz abgemagert. Die meiste Zeit weint und jammert das Kind.

Dieses Kind hat unreines Blut und ist deßhalb sehr geschwächt. Die Nahrung erzeugte kein gutes Blut, somit entstand allseitige Anstauung, und konnten die Extremitäten nicht gehörig genährt werden.

Das Kind soll:

1) täglich, nur eine Minute lang, in ein warmes Bad von 30 Grad Celsius, gleich darauf, nur 2–3 Secunden lang, in's kalte Wasser getaucht werden,

2) täglich einmal mit Wasser und Essig abgewaschen und unabgetrocknet wieder in's Bett gelegt werden,

3) jeden zweiten Tag und nach acht Tagen jeden dritten Tag eine Stunde lang in ein Tuch gewickelt werden, das vorher eingetaucht wurde in warmes Wasser, in welchem Heublumen oder Haberstroh gesotten worden,

4) täglich dreimal, jedesmal 4–5 Löffel voll schwarzen Malzkaffee, mit Zucker oder besser Honig versüßt, trinken. – Die übrige Kost soll ganz einfach sein, ohne alles Geistige und Gewürz.

In vier Wochen war das Kind gesund und kräftig. Das wiederhergestellte Kind soll für weiter:

5) täglich kalt und rasch abgewaschen, aber nicht abgetrocknet werden; oder noch besser, den einen Tag kalt gewaschen, den andern kalt gebadet, drei Secunden lang, aber immer nur Hände und Füße abgetrocknet werden.

Das warme Bad erhöht die Naturwärme des Kindes, damit das kalte Wasser besser wirken kann, da sonst die Naturwärme zu schwach wäre. Der Malzkaffee reinigt die Natur im Innern und erzeugt gute Stoffe für das Blut. Der Wickel zieht durch die Poren alle faulen Stoffe aus.

3.

Ein Kind, 5 Jahre alt, ist mehr als zur Hälfte blind, hat rechts und links am Hals Drüsenerhöhungen wie eine Welschnuß; der Körper ist ganz ungewöhnlich dick und aufgelaufen. Es hat keinen Appetit, nimmt fast keine Nahrung, am liebsten noch Bier und Wein.

Dieses Kind hatte von Geburt an krankhaftes Blut, oder letzteres wurde durch verkehrte Nahrung krankhaft gemacht. In Folge dessen fehlte die gehörige Ausdünstung; es entstand allseitige Anstauung im Kopf, Hals und Leib und dadurch ungeregelter Blutlauf.

Zur Heilung Folgendes: Das Kind soll:

1) täglich in Heublumen eingewickelt werden, warm – eine Stunde lang;

2) täglich mit ganz kaltem Wasser recht schnell abgewaschen werden;

3) täglich 3–5 Mal 4–5 Löffel voll Milch bekommen, in welcher etwas gemahlener Fenchel gesotten wurde. – So zwölf Tage lang.

Nach 12 Tagen soll der Wickel nur jeden dritten Tag, die Waschung aber täglich zweimal vorgenommen werden. Ist dann das Kind ganz gesund, so soll es täglich kalt gewaschen werden oder 4–5 Secunden lang ein kaltes Bad bekommen.

Die Kost soll recht einfach und nahrhaft sein und nur in kleinen Portionen, aber öfters gereicht werden.

Der Heublumenwickel wird alles Überflüssige auflösen und aufsaugen. Das kalte Wasser wird die Natur stärken und die Naturwärme vermehren. Die Milch gibt gute Nahrung, der Fenchel kräftigt den Magen und leitet die Gase aus.

4.

Eine Mutter bringt ihre neunjährige Tochter und erzählt: „Meine Tochter hat schon mehrere Wochen den sogenannten blauen Husten. Wenn der Husten anfängt, steigert er sich und wird so heftig, daß sie ganz blau wird, und man glaubt, sie müsse ersticken. Dann hat sie öfter geschwollene Hände und Füße. Der Herr Doktor hat gesagt, sie habe Nierenkatarrh. Alles, was angewendet wurde, hat nichts geholfen, wenigstens bleibt es immer beim Alten. Es ist kein Appetit und kein Schlaf da. Was ist doch anzufangen?“

Folgendes: 1) Viermal in der Woche soll das Kind bis unter die Arme ganz eingewickelt werden. Das hiezu gebrauchte Tuch muß in warmes Wasser getaucht werden, in welchem Heublumen gesotten wurden. 2) Zweimal in der Woche ein Vollbad nehmen, so warm, wie von der Sonne im Sommer erwärmt, also ungefähr 19 Grad Celsius ½–1 Minute lang. 3) Täglich dreimal je 4–6 Löffel Thee trinken von Johanniskraut, Schafgarbe und Brennesseln. In 14 Tagen war das Kind geheilt. Der Husten war verschwunden, Arme und Füße frei von Geschwulst, und der Urin war in der Ordnung. Zur Kräftigung und Erhaltung der Gesundheit mußte das Mädchen noch einige Zeit in der Woche 1–2 Halbbäder nehmen, ½ Minute lang.

Die Anwendungen wirkten, wie folgt. Die Wickel lösten auf und leiteten alle ungesunden Stoffe, alle Hitze und Entzündung aus und dämpften jeden Reiz zum Husten. Die Bäder kräftigten den ganzen Körper und die Natur. Der Thee wirkte im Inneren auf Ableitung aller verlegenen, schlechten Stoffe, und so wurde das arme Mädchen wieder gesund.


Kopfleiden.

1.

Augustin, 52 Jahre alt, klagt über Folgendes: „Durch 12 Jahre habe ich immer Kopfleiden. Anfangs machte ich mir nicht viel daraus, es steigerte sich aber so, daß ich berufsunfähig bin. Ich fühle beständig schmerzlichen Druck oben auf dem Kopfe; früher hatte ich keinen Schwindel, und jetzt steigert er sich von Monat zu Monat. Ich muß oft aufmerken, daß ich auf dem Wege zurecht komme. Mein Unterleib ist auch nicht in Ordnung, ist regelmäßig stark aufgetrieben, und selten sind meine Füße warm. Mein Gewicht beträgt 206 Pfund. Gelebt habe ich ordentlich; denn wenn ich mich im Essen und Trinken nicht sehr in Acht genommen, so wäre ich schon längst arbeitsunfähig. Wer kann mir helfen? Ich werde jeder Anordnung Folge leisten. Ich habe schon mehrere Ärzte gehabt, bin allen Anordnungen nachgekommen, habe aber nie Hilfe, höchstens auf kurze Zeit Linderung bekommen.“

Die Anwendungen sind folgende: Täglich einmal Knieguß und barfuß im Wasser gehen. Jeden Morgen einen Oberguß, jeden Nachmittag einen Rückenguß. So 12 Tage lang. Die Füße waren in Folge dieser Anwendungen fast immer warm, der Druck auf den Kopf hat zum größten Theil nachgelassen. Der Schlaf, der vorher sehr schlecht war, stellte sich immer mehr ein. Durch Urin hat sich täglich recht viel kranker Stoff ausgeschieden. Das Aussehen war wie umgewandelt.

Die weiteren Anwendungen waren: Jeden Morgen einen Schenkelguß und Oberguß, jeden Nachmittag ein Halbbad. So 14 Tage hindurch. Während dieser Kur wurde zur Auflösung, Reinigung und Ausleitung nach innen im Wechsel gebraucht: Wermuthextract, dann ferner Extracte von Zinnkraut, Hagebutten und Wachholderbeeren. Augustin erklärte dann: „Mein Kopfweh ist weg, meine Füße sind ganz warm, Appetit und Schlaf gut. Das Gewicht hat um einige Pfund sich vermindert; der Umfang aber ist um Vieles kleiner geworden.“

Was hat hier gefehlt? Das Blut drang zu sehr in den Kopf, daher die kalten Füße und Hände, wo nur theilweise mehr Blut war. Im Unterleib waren größere Anstauungen, die viel Gase bewirkten.

Die Kniegüsse leiteten das Blut abwärts. Die Obergüsse kräftigten den Oberkörper und preßten die schwammige Natur zusammen. Die Schenkelgüsse setzten fort, was der Knieguß begonnen. Die Halbbäder kräftigten den ganzen Körper und brachten mit dem Rückenguß den ganzen Blutlauf in größere Thätigkeit. Die Mittel nach innen wirkten auflösend, reinigend und bewirkten gute Verdauung. Auf diese Weise waren die Übelstände beseitigt, und der Körper mußte gesund werden.

2.

Margaretha, 28 Jahre alt, erzählt: „Ich bin nie ohne Kopfschmerzen, bloß sind sie den einen Tag etwas gelinder als den andern. Häufig sind sie so stark, daß ich schon oft gedacht habe, ich werde noch wahnsinnig. Meine Hände und Füße sind regelmäßig kalt, und alle vier Wochen habe ich regelmäßig Kopf- und Leibschmerzen, so daß ich gewöhnlich vier bis fünf Tage im Bett liegen muß. Sonst würde mir nichts fehlen.“

Anwendungen: 1) Jeden Tag zweimal im Wasser gehen bis an die Kniee; 2) jeden Tag zweimal Oberguß, jeden zweiten Tag ein Sitzbad. So acht Tage lang. Nach diesen acht Tagen jeden Morgen Knie- und Oberguß, jeden Nachmittag Halbbad. Nach 14 Tagen war der Kopfschmerz gänzlich beseitigt, die Füße und Hände hatten die volle Wärme. Der Appetit war gut, und der verlorene Schlaf hatte sich wieder eingestellt. Nach innen wurde angewendet acht Tage lang täglich eine Tasse Thee von Johanniskraut und Schafgarbe, in der folgenden Woche von Johanniskraut und Wermuth. Wie wirkte hier die Anwendung? Ganz einfach: Knie- und Oberguß wirkten stärkend auf den Oberleib und leiteten das Blut in die Füße. Die Halbbäder brachten mehr Thätigkeit in den Körper und stärkten den ganzen Körper. Das Sitzbad wirkte besonders stärkend auf den Unterleib. Der Thee in den ersten acht Tagen bewirkte Regelung des Blutlaufes und der Thee in der zweiten Woche noch nebenbei gute Verdauung. Hier war die Hauptkrankheit Störung im Blutlauf.

3.

Ein Herr aus der Stadt, 58 Jahre alt, bringt vor: „Ich habe seit mehreren Jahren Kopfleiden. Durch sechs Jahre hat es immer zugenommen. Zeitweilig war es kaum merkbar, dann wieder recht heftig. Seit zwei Jahren hat es gar nicht mehr aufgehört. Dazu kam noch Schwindel, der Anfangs auch nur gelinde war; aber jetzt muß ich aufmerken, daß ich auf dem Wege zurecht komme. Zweimal bin ich schon umgefallen, und man glaubte, es werde ein vollständiger Schlag mich getroffen haben. Der Arzt aber sagte, es sei noch kein schwerer Schlag, aber doch sei Blut im Gehirn ausgetreten. Nachdem ich drei Tage geschlafen, wurde es wieder ordentlich. Kopfweh wäre jetzt manchmal nicht so stark, wenn nur nicht der Schwindel so arg wäre. Ich habe öfters Medizin gebraucht, auch mehrere Ärzte gehabt, aber es blieb beim Alten. Mein letzter Arzt verordnete mir Karlsbader Salz, das ich täglich nehme. Ich fühle jedoch keine Besserung. Jetzt möchte ich versuchen, mit Wasser mich zu heilen; welche Anwendungen soll ich gebrauchen? Bemerkt sei noch, daß ich sehr stark aufgetrieben bin, und meine Füße fast immer kalt sind. Appetit wäre da, wenn ich nicht so voll wäre. Esse ich nach Appetit, dann wird mir gar so bang.“

Anwendungen: 1) In der Woche drei kurze Wickel, jeden 1½ Stunden lang, in kaltes Wasser getaucht. 2) Jeden Tag einen Oberguß und Knieguß, jede Nacht vom Bette aus ganz waschen und dann wieder ins Bett. 3) Täglich eine Tasse Thee trinken von 12 Wachholderbeeren und etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang gesotten und in drei Portionen, trinken. So 14 Tage lang. Dann: 1) den einen Tag Ober- und Knieguß, den anderen Tag ein Halbbad eine halbe Minute lang; 3) jeden zweiten Tag eine Tasse Thee von Zinnkraut und Wermuth, in drei Portionen getrunken. Dieß wieder 14 Tage lang. Der Kranke war nach vier Wochen soweit hergestellt, daß Kopfweh und Schwindel verschwunden, der Appetit gut und, weil alle Gase beseitigt, auch der Unterleib in Ordnung war. Weiter war nur noch nothwendig in der Woche ein kurzer Wickel und ein Halbbad.

Die Wirkungen der Anwendungen waren wie folgt: Die Wickel leiteten die Gase aus und reinigten den Unterleib von schadhaften Stoffen. Der Ober- und Knieguß bewirkten Stärkung, größere Erwärmung und geregelten Blutumlauf. Der Thee reinigte im Inneren, besonders in den Nieren und Gedärmen.

4.

Ein Herr, 36 Jahre alt, erzählt: „Ich habe beständig Kopfweh, sehr häufig Augenweh; eine Flüssigkeit strömt oft aus den Augen, die recht brennt. Der Schmerz kommt auch öfter in die Ohren, Schlaf habe ich vor Schmerz oft die ganze Nacht nicht. Die Füße sind immer eiskalt. So lebe ich schon Jahre hindurch in Noth und Elend und habe keinen Erlöser gefunden.“

Folgende Anwendungen halfen in 14 Tagen (es war Frühlingszeit): 1) Der Leidende ging jeden Tag zweimal, jedesmal eine halbe Stunde barfuß auf einer Wiese oder auch im Thau; 2) bekam er jeden Tag zweimal einen Ober- und Knieguß; 3) jeden zweiten Tag ein Sitzbad eine Minute lang im kalten Wasser. Nach 14 Tagen war der Kranke gesund. Hier waren die Hauptfehler der Blutandrang in den Kopf, da der Kranke den Hals und Kopf viel zu warm gehalten und dadurch das Blut mehr in den Kopf geleitet hatte.

Erklärung der Wirkungen: Nichts verweichlicht die Füße mehr, als wenn sie recht kalt sind, fast ohne Blut und deßhalb nur spärlich genährt werden. Das Gehen auf nassem Boden bewirkte Abhärtung und leitete das Blut vom Kopfe ab. Noch stärker wirkte der Oberguß, abhärtend, zusammenziehend, stärkend. Die Sitzbäder wirkten stärkend und erwärmend auf den Unterleib. So wurde in kurzer Zeit das Übel gehoben. Um für den ganzen Körper Kraft zu gewinnen und die Gesundheit zu bewahren, wurde jede Woche ein Halbbad, ein Ober- und Knieguß verordnet.

5.

Anna erzählt: „Ich habe beständiges Kopfleiden und bin immer voll Schnupfen. Meine Füße sind selten warm, oft die halbe Nacht eiskalt. So leide ich zwei Jahre, und Alles, was ich angewendet habe, hat mir nicht geholfen. Seit einigen Wochen habe ich solche Schwermuth, daß mir Alles entleidet ist. Was ich schon angewendet habe, hat mir keine Hilfe gebracht. Was ist zu thun?“

1) In der Woche zwei kurze Wickel, jeden 1½ Stunden lang; 2) den einen Tag einen Oberguß und Knieguß; 3) den andern Tag ein Halbbad. Nach drei Wochen war die Kranke geheilt. Eingenommen hat sie täglich eine Tasse Thee von Johanniskraut und Schafgarbe.

Die Anwendungen wirkten wie folgt:

Weil hier zu starker Blutandrang zum Kopf war und deßhalb durch kalte Luft viel Schnupfen sich eingestellt hatte, weil ferner der innere Körper verschleimt war, wurden die Wickel genommen, die auflösten und ausleiteten. Durch Oberguß und Knieguß wurde aufgelöst, der Körper gekräftigt und durch das Halbbad allgemeine Kräftigung des ganzen Körpers erzielt. Der Thee bewirkte Auflösung im Inneren und eine geregelte Circulation des Blutes, was besonders durch das Johanniskraut erzielt wird.


Krämpfe.

Wie häufig kommt es doch vor, daß Leute in jungen Jahren wie im hohen Alter mit Krämpfen behaftet sind und bei jeder Kleinigkeit in Krämpfe verfallen! Eine große Freude ist im Stand, die Krämpfe zu wecken, Ärgerniß, Verdruß, Widerwillen, Abneigung gegen Jemand oder Etwas, Widerspruch des Eigensinnes und alle möglichen Kleinigkeiten können solche Menschen in die größte Aufregung bringen und Krämpfe erzeugen. Was ist in solchen Anfällen zu thun?

Sind die Krämpfe auf der Brust, so daß die Personen oft nicht mehr reden können, so tauche man ein vierfaches Tuch in Wasser und Essig und lege es auf den Unterleib; nach einer Stunde frisch eintauchen. Ist der Kranke recht kalt, dann wird das Tuch in heißes Wasser mit Essig getaucht; hat er große Hitze, dann in kaltes Wasser mit Essig. Durch diese Anwendung tritt gewöhnlich alle Ruhe am ganzen Körper ein, und der Krampf hört auf. Hört er aber in zwei Stunden nicht auf, dann muß die bezeichnete Anwendung noch fortgesetzt werden. – Haben die Krämpfe aufgehört, dann können Ganzwaschungen vorgenommen werden mit Wasser und Essig, und zwar zwei- bis dreimal innerhalb eines Tages. Wie die warme Auflage eine allgemeine Wärme bewirkt, so bewirkt auch die Ganzwaschung mit Wasser und Essig die Erhaltung und Vermehrung der Naturwärme und bringt den Blutlauf in gehörige Ordnung, was am nothwendigsten zur Heilung ist. – Noch besser thut man, wenn man zu den Waschungen täglich einmal ein Hemd anlegt, in Wasser und Essig getaucht. – Nach innen taugt am besten Anserinenthee, in Wasser oder Milch gesotten so warm, als der Kranke die Milch trinken kann. Auf diese Weise können krankhafte Zustände leicht gehoben werden. Die Krämpfe kommen doch regelmäßig bei schwächlichen Naturen vor, bei Blutarmen, und sind eine Qual für viele Tausende – wieder ein Beweis, wie nothwendig für Abhärtung und gute Nahrung gesorgt werden soll, um solche Krämpfe zu verhüten.

Darum kann nicht genug ermahnt werden, der Jugend eine gute Kost zu geben und alles Geistige zu entziehen. Mit welchem Material ein Haus gebaut ist, so steht es da zur Ausdauer oder zum Einsturz. So nothwendig die Nahrung ist und so viel auf sie ankommt, gerade so nothwendig sind die Abhärtungen. Die Weichlinge werden verschwinden, wenn die Abhärtungen Fortschritte machen und gute Kost mit Abhärtung vereinigt wird. Wie viel Klagen, wie viel Jammer und Unzufriedenheit könnte leicht verhütet werden!


Leberleiden.

Ein Fremdling erzählt: „Ich komme bei 200 Stunden weit her. Ich habe eine solche Enge auf der Brust, daß ich oft recht große Athemnoth habe. Mein Unterleib ist oft so aufgetrieben, daß ich glaube, ich müsse zerplatzen. Ich habe keine Ruhe bei Tag und Nacht. Wie mein Aussehen gelb ist, so sagten auch mehrere Ärzte, ich sei brust- und leberkrank, und in den Nieren fehle es ebenfalls. Ich war schon in Karlsbad, habe auch andere Bäder besucht, aber immer ohne Erfolg. Ich habe 27 heiße Bäder genommen. Diese aber haben mir am meisten geschadet. Denn seit dieser Zeit bin ich um und um voll Rheumatismus. Wenn mir das Wasser keine Hilfe bringt, bin ich gewiß verloren.“

Die Anwendungen waren folgende:

1) Täglich zwei Obergüsse, ein Rückenguß und ein Schenkelguß. So drei Tage hindurch.

Diese Anwendungen kräftigten den ganzen Körper, damit um so leichter alle inneren Zustände gebessert werden konnten unter Beihilfe der Natur.

Die weiteren Anwendungen:

2) Täglich einen Oberguß;

3) täglich ein Halbbad;

4) täglich einen Rückenguß.

So acht Tage lang. Die weiteren Anwendungen:

Dreimal täglich nach einander einen kurzen Wickel 1½ Stunden lang, das Tuch in Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden, dazu noch täglich ein Halbbad und Rückenguß. Die Wirkung war, daß bei den ersten Anwendungen auffallend viel Urin abging; später kam viel Gries und Stein und so viel Unrath und Schleim im Urin, daß der Kranke glaubte, er könne nicht mehr gesund werden, wenn so viel Unrath in seinem Körper sei. Bemerkt sei hier, daß der Kranke täglich eine Tasse Thee eingenommen hat, im Anfang von Schleeblüthen, Schafgarbe und Johanniskraut; später wurde Zinnkrautthee mit Wachholderbeeren und Wegtrittkraut getrunken. Dieser Thee hat die vielen Steine und den Gries ausgetrieben. In der dritten Abtheilung bekam der Kranke einen Thee von Schafgarbe, Salbei und Bitterklee zu guter Verdauung und Verbesserung des Blutes. Die ganze Kur dauerte sechs Wochen, und mit folgenden Worten verließ der Kranke mein Zimmer: „Mein Kopf ist leichter als je; in meiner Brust fühle ich nichts mehr. Mein Unterleib ist ganz in Ordnung, habe besten Appetit und Schlaf und freue mich, so glücklich in meine Heimath zurückkehren zu können.“


Lungenleiden (angehende Schwindsucht, Katarrh, Emphysem, Verschleimung &c. &c.).

1.

Ein Fräulein, 19 Jahre alt, erzählt: „Mir sind schon drei Geschwister an der Schwindsucht gestorben, und ich habe Sorge, daß ich dieser Krankheit auch zum Opfer falle. Ich huste zwar nicht, aber ich bin doch oft so müde, daß ich fast keine Arbeit verrichten kann. Auch mein Gemüthszustand ist recht gedrückt. Selten habe ich Appetit und bin mit wenig ganz gesättigt; kräftige Kost kann ich nicht ertragen. Wenn ich keine Hilfe bekomme, werde ich sicher schwindsüchtig.“

Aus dieser Erzählung geht klar hervor, daß dieser Körper nicht heranwächst, um stark und kräftig zu werden, sondern schon während des Wachsens zu schwinden beginnt, und wenn kein Einhalt geschieht, tritt Siechthum ein, und das Wort Schwindsucht ist am rechten Platz.

Hier muß dahin gewirkt werden, daß der ganze Körper gekräftigt wird, und zwar im Äußeren und Inneren. Ein solch schwächlicher Körper ist nicht im Stand, das Gute aus der Nahrung zu ziehen. Deßhalb ist eine innere und äußere Einwirkung auf den ganzen Körper nothwendig.

Anwendungen: Nach außen: 1) Täglich zweimal einen Oberguß, mit einer Kanne voll Wasser beginnen und nach und nach steigen bis zu fünf und sechs Kannen;

2) täglich einmal im Wasser gehen 1 bis 3 Minuten lang;

3) jede zweite Nacht ein Sitzbad, 1 Minute lang.

Nach innen: Jeden Morgen und jeden Abend eine Kraftsuppe, nur wenig gesalzen, jeden Mittag eine einfache nahrhafte Kost, vorherrschend Mehlspeise von einfachem Naturmehl. Während des Tages, wenn guter Appetit vorhanden, etwas Milch, aber nicht viel und einfaches Brod dazu. So 14 Tage bis drei Wochen lang. Dann

1) Jeden Tag ein Halbbad, ½ Minute lang; 2) jeden Morgen im Wasser gehen bis an die Knie, 3 Minuten lang; 3) täglich zweimal einen Oberguß. Zur völligen Ausheilung war nothwendig, daß einige Zeit hindurch wöchentlich noch zwei bis vier Halbbäder genommen wurden.

Der Knieguß und das Wassergehen beleben, kräftigen und beseitigen die faulen Stoffe. Die Obergüsse kräftigen und stärken ebenso den ganzen Oberkörper. Das Sitzbad wirkt kräftigend auf den Unterleib, das Halbbad auf den ganzen Körper. Nach sechs Wochen war diese Natur so umgewandelt, daß alle Zeichen der Schwindsucht verschwunden, Lust zum Leben und zur Arbeit eingetreten und sicher die Natur vor Siechthum geschützt war. Daß die Bäder längere Zeit fortgesetzt werden, in der Woche zwei bis vier, ist nothwendig.

2.

Ein Mädchen, 23 Jahre alt, erzählt: „Ich bin immer so müde, daß ich fast nichts mehr arbeiten kann. Voriges Jahr hatte ich vier Wochen lang einen ziemlich starken Husten, aber ohne Auswurf. Jetzt huste ich nicht, aber auf der linken Seite habe ich immer Schmerzen, bald schwächer, bald stärker. Appetit habe ich keinen, außer zu sauren und stark gesalzenen Sachen. Milch kann ich gar nicht nehmen. Im vorigen Jahr starb mein Bruder und vor sechs Jahren meine Schwester an der Schwindsucht. Bin ich auch verloren? Ich fürchte es.“

Daß hier die Schwindsucht begonnen hat, daran ist kein Zweifel, aber heilbar ist sie noch durch folgende Anwendungen:

1) In der Woche zwei kurze Wickel, in Wasser getaucht, in welchem Fichtenreiser gesotten wurden; warm umgelegt eine Stunde lang;

2) jeden Tag einen Oberguß, einmal im Wasser gehen, 1 bis 4 Minuten, und einmal Knieguß. So 14 Tage lang.

Nach diesen 14 Tagen 1) in der Woche zwei Ober- und zwei Unteraufschläger, jeden ¾ Stunden lang;

2) in der Woche drei Halbbäder, täglich einmal im Wasser gehen und einen Oberguß. So drei bis vier Wochen lang. Die Kranke soll täglich zweimal Kraftsuppe essen, alles Saure oder stark Gesalzene muß vermieden werden. Die einfachste Hausmannskost ist die beste. Täglich soll sie die Wachholderbeerkur gebrauchen, jeden Abend Salbeithee mit Wermuth vermischt, vier Löffel voll nehmen.

Salbei und Wermuth bereiten dem Blut die besten Stoffe und sind Hauptmittel gegen Fäulniß. Leute, die Neigung zu solcher Krankheit haben, sollen fleißig Salbei und Wermuth gebrauchen, aber immer nur in kleinen Portionen.

3.

Martha erzählt: „Ich habe schon mehrere Wochen, wie die Ärzte sagen, einen Lungenspitzenkatarrh; ein Arzt hat gesagt, bei mir sei zu fürchten, daß Lungenschwindsucht eintrete. Ich huste viel, besonders zur Nachtzeit, und habe rechts und links auf den Schultern Schmerzen. Ich muß viel ausspucken, aber meistens nur Schleim. Der Appetit ist schlecht. Die Füße sind beständig kalt, die Kraft ist sehr gering; manchmal habe ich auch etwas Fieber. Ich habe immer Verstopfung, ohne Nachhilfe durch Pillen bekomme ich nie Stuhlgang.“

Diese Zeichen sind wirklich Vorboten, daß die Schwindsucht eintreten kann; doch kann diese regelmäßig beseitigt werden durch folgende Anwendungen:

1) Täglich zweimal Oberguß und zweimal Knieguß;

2) jede Woche zweimal ein Sitzbad, 1 Minute lang;

3) jede Stunde von Mittag bis Abend einen Eßlöffel voll Wasser. Jeden Tag sechs bis acht Wachholderbeeren essen. So 10 bis 12 Tage lang.

Weitere Anwendungen:

1) Täglich einen Oberguß mit drei bis fünf Kannen voll;

2) den einen Tag ein Halbbad, den anderen Tag einen Schenkelguß;

3) täglich im Wasser gehen oder auch barfuß im Freien. Zum Frühstück eine Kraftsuppe, überhaupt eine nahrhafte Kost genießen.

Die Obergüsse müssen fortgesetzt werden, bis der Schmerz vollständig aufgehört, und die Halbbäder ebenfalls, bis aller Schmerz beseitigt ist, in der Woche zwei- bis dreimal. – In sechs Wochen waren alle bedenklichen Zeichen beseitigt, und zur weiteren Kräftigung reichten aus in der Woche einmal ein Halbbad und zweimal ein Oberguß und Schenkelguß.

Die Obergüsse lösen Schleim ab, heben die Entzündung und kräftigen die welken Organe. Die Kniegüsse leiten das zu sehr nach oben dringende Blut abwärts und kräftigen. Die Halbbäder wirken stärkend und belebend. Die Wachholderbeeren unterstützen den Magen im Verdauen und Verbessern der Säfte. Der Löffel voll Wasser hebt die Verstopfung meistens schon in wenigen Tagen.

4.

Ein Bursche, 24 Jahre alt, klagt: „Ich habe gewaltige Verschleimung auf der Brust, muß alle Tage recht viel Schleim ausspucken und bin nie ohne Schmerz auf der Brust, hab' schon recht viel eingenommen, und doch ist es nie besser geworden. Kürzlich hat mir der Arzt gesagt, es setze sich nach und nach die Schwindsucht an, was mir auch einleuchtet. Denn ich muß oft recht hart athmen, und meine Kraft hat viel nachgelassen. Ich kann nur noch leichte Arbeiten verrichten, habe auch gar keinen Muth mehr. Appetit wäre schon da; aber wenn ich esse, thut es mir weh.“

Sind hier auch alle Zeichen der Schwindsucht, so wurde doch der eben Geschilderte vollständig geheilt auf folgende Weise:

1) Täglich erhielt er einen Oberguß und Brustguß (man legt sich nämlich auf den Rücken und läßt die Brust begießen);

2) in der Woche zweimal nach einander einen Ober- und Unteraufschläger, jeden ¾ Stunden lang;

3) jeden Tag einmal im Wasser gehen 2 bis 4 Minuten;

4) täglich eine Tasse Thee trinken in drei Portionen von gekochtem foenum graecum.

Zum Frühstück eine Tasse Milch, in welcher ein Kaffeelöffel voll gemahlener Fenchel 3 Minuten lang gesotten wurde, ebenso am Abend. Die Kost sei die bisherige, wenn nur recht nahrhaft und einfach.

Nach vier Wochen war dieser Kranke geheilt. Es reichten für weiters in der Woche zwei bis drei Halbbäder aus.

Die Obergüsse bewirkten Kräftigung des Körpers und Abstoßung der Schleimmasse; der Thee wirkte auflösend und reinigend, der Ober- und Unteraufschläger wirkten kräftigend und auflösend. Die mit Fenchel gekochte Milch löste den Schleim auf und stärkte den Magen.

5.

Ein Mann, 33 Jahre alt, klagt seine Noth: „Ich hatte vor zwei Jahren eine starke Lungenentzündung. Man hielt mich für verloren. Seit dieser Zeit bin ich nie ohne Husten, der mitunter recht stark auftritt. Ich habe beständig Katarrh; auf der rechten Seite habe ich oft große Schmerzen. Der Arzt hat gesagt, es werde mit der Zeit von selbst vergehen, es sei Lungenemphysem. Es nimmt aber mehr zu als ab; ich habe nie ordentlichen Appetit; die Kraft fehlt mir ganz, und wenn ich nur leichte Arbeiten verrichte, bin ich gleich im Schweiß. Alle Medikamente haben nach der Lungenentzündung nicht mehr gewirkt.“

Hier ist sicher noch ein Rest von der Lungenentzündung, und wo die Lungenentzündung am stärksten, ist auch der schadhafte Rest geblieben. Hier muß Kräftigung und Ausscheidung des kranken Stoffes erfolgen.

Anwendungen: 1) Täglich zweimal Oberguß und zweimal Knieguß,

2) jeden Tag ein Sitzbad.

So sechs Tage lang. Dann

1) zweimal den Oberguß um ein bis zwei Gießkannen vermehrt;

2) täglich einmal einen Schenkelguß und einmal ein Halbbad. So drei Wochen lang.

Nach innen: Jeden Morgen und Abend eine Tasse Milch trinken, mit etwas Honig und Fenchel gesotten.

Ferner jeden Tag eine Tasse Thee trinken von foenum graecum in kleinen Portionen; im Übrigen gute kräftige Kost, aber keine geistigen Getränke.

Nach sieben Wochen war der Kranke vollständig gesund und bekam als Nachkur in der Woche zwei bis drei Halbbäder, einen Oberguß und einen Knieguß.

Die Obergüsse wirken auflösend auf alle ungesunden Stoffe in der Brust und Lunge, zugleich den Oberkörper stärkend. Dasselbe bewirken Knieguß und Schenkelguß. Was diese Anwendungen im Einzelnen wirken, bewirkt das Halbbad im Ganzen. Die Milch gibt gute Nahrung, verbessert den Magen und wirkt zugleich gegen den Husten. Foenum graecum nimmt die innere Hitze, löst die innere Verschleimung auf und leitet aus. Auf diese Weise kommt der ganze Organismus wieder in den richtigen Zustand.

6.

Ein Bauernsohn, 26 Jahre alt, gibt an: „Ich habe schon mehr als ein halbes Jahr starken Husten und muß recht viel Schleim ausspucken. Die Leute sagen, ich habe die Lungensucht, und der Arzt glaubt, es stehe mit mir nicht am besten.“ Die Gesichtszüge waren allerdings etwas gebrochen, und das Aussehen krankhaft.

In diesem Falle wird die Brust und überhaupt der ganze obere Körper vom Schleim gereinigt werden müssen, dann wird auch die Gesundheit eintreten. Der Kranke erhielt folgende Anwendungen:

1) Jeden Tag zweimal Oberguß, einmal Wassergehen und einmal Knieguß;

2) am dritten Tag einen Rückenguß und Halbbad;

3) am fünften Tag ein Vollbad.

Darauf erklärte der Kranke, er fühle sich so wohl und gut wie nie. Er habe eine Masse Schleim ausspucken müssen, und jetzt sei Alles beseitigt.

Der Oberguß unterstützt die Natur, allen Unrath aus Luftröhre, Lunge und Brust hinaus zu werfen, was auch geschah. Die Güsse auf die Kniee mußten verhüten, daß das Blut nicht zu viel dem Oberkörper zuströmte; dieselben Anwendungen sollten auch bewirken, daß die Füße mehr belebt und gekräftigt wurden. Rückenguß, Halbbad und Vollbad stärken den ganzen Körper und befördern die Ausscheidung der im Unterleib etwa befindlichen ungesunden Stoffe.

7.

Ein Kandidat sieht nicht gut aus, klagt über Schmerz auf der linken Brust, oben. Die Ärzte erklären es als Lungenspitzenkatarrh und Emphysem, er sei blutarm und schwächlich.

Hier sind drei Punkte zu beobachten: 1) Der leidende Theil auf der Brust, 2) die Blutarmuth und 3) allgemeine Schwäche.

Allererst muß auf den leidenden Theil eingewirkt werden zur Kräftigung desselben, und zur Ausscheidung des sich da aufhaltenden kranken Stoffes. Dieß geschieht durch den Oberguß, der den ganzen oberen Körper kräftigt, eine größere Thätigkeit in alle Theile des Oberkörpers bringt und zugleich auf kräftige Ausscheidung und Schleimabsonderung wirkt; deßhalb sechs Tage jeden Tag zweimal Oberguß, der von Tag zu Tag etwas gesteigert wird.

Da aber der ganze Körper an Schwäche leidet und diese gehoben werden muß, so ist die zweite Anwendung auf die Füße durch den Schenkelguß täglich, aber nur einmal, weil hier bloß Schwäche vorhanden. – Nach sechs Tagen hatte sich die Brust bedeutend erholt und auch der untere Körper schon gewonnen. Deßhalb wird auf den Körper fortgesetzt eingewirkt zur Besserung des Oberkörpers durch den Oberguß, darum täglich einen Oberguß. Die Einwirkung auf den ganzen Körper zur allgemeinen Belebung geschieht durch den Rückenguß und Knieguß; deßhalb täglich ein Rückenguß und Knieguß, bei warmer Witterung auch zweimal. Der Knieguß wirkt besonders zur Ableitung des Blutes und Beförderung des Stuhlganges. So 12 Tage lang.

Auf den obern Körper wird noch kräftiger eingewirkt durch Oberguß und Brustguß, damit dieser seine vollste Kraft erhält, nirgends mehr Krankhaftes sich ansetzen kann und er so widerstandsfähig wird gegen Rückfälle.

Um den Leib zu stärken und zu größerer Thätigkeit zu bringen, wird den einen Tag Rückenguß, den andern das Halbbad angewendet. Wie die erste Anwendung vorzüglich auf das Rückgrat wirkt und die Maschine in Gang bringt, so bewirkt das Halbbad eine allgemeine Kräftigung des ganzen Körpers.

Mit diesen Anwendungen, einige Tage hindurch, wurde die Brust gereinigt und der ganze Körper zu voller Kraft gebracht; die Maschine restaurirt, guter Appetit und Schlaf erreicht, der Husten entfernt.

Zur weiteren allgemeinen Kräftigung reichten aus in der Woche zwei bis vier Halbbäder.

Zur Auflösung und Ausleitung der kranken Stoffe gibt es hier eine große Anzahl von Mitteln: 1) Veilchenblätter in Milch gesotten, täglich zwei kleine Tassen; 2) foenum graecum, gesotten, ist vorzüglich zur Reinigung der verschleimten Brust.

8.

Klara erzählt: „Vor einem halben Jahre wurde ich von einem plötzlichen Blutbrechen befallen; dasselbe wiederholte sich nach je drei bis vier Wochen. Ich mußte viel husten, konnte gar nicht mehr schlafen, hatte keinen Appetit, dagegen starken Auswurf, meistens Heiserkeit, oft große Athemnoth und auf der linken Seite heftiges Stechen. Verschiedene Ärzte erklärten übereinstimmend, ich habe Lungenspitzenkatarrh, und mein linker Lungenflügel sei angegriffen.“

Die Anwendungen bei diesem Leiden waren folgende: 1) Jeden Tag zwei Obergüsse, Schenkelguß und Knieguß; so acht Tage lang; 2) dann täglich zwei Obergüsse, einen Schenkelguß und ein Halbbad, so wieder zehn Tage; 3) täglich zwei Halbbäder, zwei Obergüsse; so vierzehn Tage. Die ganze Kur dauerte nicht ganz vier Wochen.

Der Husten war verschwunden und der Appetit vollständig hergestellt; der Schlaf war vorzüglich. Während der Kur hatte sich viel mehr Schleim abgelöst als vorher; endlich verschwand er gänzlich, wie auch alles Stechen in der Seite aufhörte; kurz, die Kranke erklärte, es fehle ihr gar nichts mehr.

Was hat hier gefehlt? Diese Person war ganz verschleimt; der Schleim löste sich massenhaft ab, und darauf hörte auch das Stechen auf der Seite bald auf, und es war gerade die höchste Zeit, um der Schwindsucht oder Lungenkrankheit vorzubeugen.

Die Obergüsse lösten alle Verschleimungen in der Brust, Luftröhre &c. auf und stärkten den oberen Körper. Die Schenkelgüsse stärkten die unteren Körpertheile und bewirkten eine größere Wärme in diesen. Der Knieguß bewirkte Dasselbe in geringerem Maße; vor Allem aber leiteten beiderlei Güsse das Blut ab von oben nach unten. Die Halbbäder wirkten stärkend und abhärtend auf den ganzen Körper. – Als innerliches Mittel wurde täglich eine Tasse Thee in drei Portionen getrunken; derselbe war bereitet aus Johanniskraut und Schafgarbe. Diese Arznei bewirkte, daß die Schleimauflösung leichter vor sich ging, und wirkte auch auf Verbesserung des Blutes ein.


Magenleiden.
(Abweichen = Diarrhöe, Verstopfung, Aufstoßen, Verdauungsleiden &c. &c.).

Unter den unzähligen Leiden, die in der Menschheit herrschen, wird besonders viel geklagt über den Magen, Magenbeschwerden, Magenleiden. Ich bin aber der Überzeugung, daß es lange nicht so viel Magenleiden gibt, als man Klagen führt über Magengebrechen, und daß ein großer Theil der geklagten Leiden nur von den Einwirkungen auf den Magen herkommt. Freilich wäre es auch kein Wunder, wenn alle möglichen Magenleiden aufgezählt werden könnten, wenn man bedenkt, wie man mit dem Magen umgeht und was der Magen aufnehmen muß. Bald wird er belästigt durch Mangel, man gibt ihm nichts; noch mehr aber durch Überfüllung, Fraß und Völlerei. Wie viel muß er aufnehmen, was dem Gaumen behagt, dem Magen aber schadet! Wird Hilfe gesucht für Magenleiden oder andere Gebrechen, wie viel muß der Magen Gift aufnehmen, was ihm nur schadet!

1.

Ein Mädchen, 20 Jahre alt, führt Klage über ihren Magen. „Ich habe viel Luftaufstoßen und Brennen im Magen; mein Magen verdaut nicht. Ich habe beständig kalte Füße, viel Kopfleiden, bin auch ganz matt und unfähig, viel zu arbeiten. So leide ich schon nahezu vier Jahre.“

Hier ist sicher gar kein Magenleiden vorhanden, was die gesunde Zunge bestätigt, die doch der Spiegel des Magens ist. Die ganze Natur ist verweichlicht, blutarm, völlig unthätig. Bringe man hier den Körper in Ordnung, dann wird auch das Magenleiden verschwunden sein.

1) Wird das Wassergehen warme und kräftigere Füße schaffen.

2) Der Oberkörper werde täglich übergossen, und er wird aufwachen von seiner Schläfrigkeit und kräftiger werden.

3) Jeden zweiten Tag ein Sitzbad wird den Unterleib stärken.

4) Nach innen werden täglich zweimal, jedesmal drei Löffel voll, Salbei- und Wermuththee die Magensäfte unterstützen.

So 14 Tage lang. Dann

1) in der Woche einmal ein Ober- und Unteraufschläger. Diese wirken stärkend auf den kranken Theil.

2) Jeden zweiten Tag ein Halbbad wirkt wieder stärkend und belebend auf den ganzen Körper.

2.

Ein Hausvater, 33 Jahre alt, erzählt sein Magenleiden. „Seit fünf Jahren habe ich immer Magenleiden, recht oft heftiges Brennen, Aufstoßen, viel Säure, muß oft alle Kost erbrechen. Ich weiß meinem Beruf nicht nachzukommen, muß oft Stunden lang im Bett liegen, bis endlich starkes Erbrechen kommt. Dieses Leiden habe ich mir zugezogen zur Winterszeit, wo ich mich oft erkältete.“ Der Mann ist sehr mager, das ganze Aussehen leidend.

Hier ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Naturwärme der oftmaligen Erkältung unterlegen ist und deßhalb im Innern Störungen eingetreten, und es ist dem Gesundheitszustand ergangen, wie wenn eine Mauer einen Riß bekommt, der Jahre hindurch besteht, bis endlich ein Baumeister ihn ausbessert. Ist also der Ursprung in Erkältung zu suchen, so wird am besten sein, der frostigen Natur entgegen zu kommen mit Wärme, deßhalb

1) in der Woche zweimal, auch dreimal angeschwellte Heublumen auf den Unterleib binden, ganz warm 1½ Stunden lang. Diese Wärme thut der Natur wohl. Die Heublumen wirken günstig auf die Haut, und die Natur vermag dann auch, so gekräftigt, wieder zum Bessern zu kommen.

2) Täglich den ganzen Körper mit Wasser und Essig zweimal waschen; Dieß bewirkt Belebung und größere Thätigkeit.

3) Zweimal in der Woche ein Hemd anziehen, in heißes Salzwasser getaucht, 1½ Stunden lang, bewirkt Erhöhung der Naturwärme, reizt die Haut zu größerer Thätigkeit, so daß der in der Natur vorhandene krankhafte Stoff auf die Oberfläche dringt und aufgesaugt wird.

Nach innen wirkt am besten recht einfache Kost, wenig oder gar nicht gewürzt, auch schwach gesalzen. Täglich dreimal zwei Löffel voll Wermuththee. Von Morgens bis Mittag stündlich ein Löffel voll Milch; von Mittag bis Abend stündlich ein Löffel voll Wasser wegen des Stuhlganges.

Nach 14 Tagen hatte der Kranke guten Appetit, guten Schlaf und gesunde Farbe.

Die zweite Kur erhielt folgende Anwendungen:

1) Jeden Tag ein Oberguß und Knieguß;

2) jeden zweiten Tag ein Halbbad, eine halbe Minute lang;

3) jede Woche drei Sitzbäder, eine Minute lang.

Alle diese Anwendungen wirkten stärkend, erwärmend und brachten alle Theile des Körpers in Thätigkeit. Nach sechs Wochen war der Kranke gesund.

3.

Eine Hausmutter, 36 Jahre alt, erzählt: „Ich habe einen ganz schlechten Magen. Was ich esse, bekommt mir nicht gut; ich habe immer dünnflüssigen Stuhlgang. Ich hätte guten Appetit; aber es ist kein Gedeihen. Es thut mir oft Alles am ganzen Körper wehe; ich verrichte nur noch zur Noth meine Hausarbeit; mehr kann ich nicht mehr thun.“

Hier hat sicher die Kälte die Herrschaft gewonnen durch wiederholten Kampf mit der Wärme; dadurch ist auch eine Schwäche eingetreten, und weil nichts gehörig verdaut worden ist, sind auch die Magensäfte verdorben. Heruntergekommen ist die Küche und was gekocht wird. Das deutet auch die abgestorbene Farbe und der Gesammteindruck der Lebensmüdigkeit an. – Hier muß man es machen, wie in einem Zimmer, in dem man friert, nämlich zuerst einheizen. Diese Kranke bekam dazu

1) acht Tage lang jeden zweiten, dann jeden dritten Tag einen kurzen warmen Wickel, das Tuch in heißes Wasser getaucht, in welchem Haberstroh gesotten wurde, 1½ Stunden lang aufgelegt; dadurch wurde die Naturwärme erhöht und der Unterleib gekräftigt.

2) Jeden zweiten Tag wurde ein vierfaches Tuch, in halb Wasser und Essig getaucht, auf den Unterleib gebunden, 1½ Stunden lang; Dieß wirkte wieder erwärmend und kräftigend.

Nach innen:

1) Jeden Tag zu vier verschiedenen Zeiten je ein Pfefferkorn verschlucken, ohne es zu zerbeißen; diese bewirken innere Wärme, sind ein kleines Feuer für den Magen und wirken mehr auf die genossene Kost.

2) Täglich zweimal Kraftsuppe und sonst nahrhafte Kost.

Nach 14 Tagen hat sich das Abweichen gehoben, die Speisen wurden gut verdaut, und ein frisches Aussehen war der klarste Beweis der Genesung. Nun folgten

1) Oberguß und Schenkelguß den einen Tag,

2) den andern Tag das Halbbad,

3) kräftige Kost und Wachholderbeerkur, und die Kranke dankte ihrem Schöpfer und den Hausmitteln.

4.

Ein armer Taglöhner, 42 Jahre alt, klagt: „Schon zehn Jahre habe ich Magenleiden. Ich habe freilich einfache Kost, viele Arbeit, muß mich viel plagen; aber noch ärger ist mein Magenleiden. Jetzt will's gar nicht mehr gehen. Ich habe gar nie Stuhlgang, ohne die stärkste Medizin zu nehmen, habe oft gräßliche Schmerzen und Auftreibung im Unterleib; wenn recht viel Luft nach oben abgeht, habe ich eine Zeit lang Erleichterung. Ich mag essen, was ich will, es thut nicht gut. Ich habe recht viel eingenommen von verschiedenen Ärzten, aber selten Hilfe bekommen und immer nur auf kurze Zeit.“

Hier hat unstreitig sich durch was immer für eine Veranlassung Krankheitsstoff gebildet, höchst wahrscheinlich durch schwache innere Entzündung, die nicht gehoben wurde. Es muß somit auf die vorherrschende Hitze eingewirkt, die Schwäche und Unthätigkeit gehoben und das rechte Verhältniß zwischen Kälte und Wärme wieder hergestellt werden. Deßhalb

1) in der Woche zwei Ober- und Unteraufschläger. Diese nehmen die überflüssige Hitze und verhelfen zur gehörigen Naturwärme.

2) Täglich ein Oberguß und Knieguß. Diese wirken ebenfalls auf eine einheitliche Wärme am Ober- und Unterkörper, zugleich neues Leben und Kraft bringend.

So 14 Tage lang, und der Zustand hatte sich wesentlich gebessert.

Nach innen bekam der Kranke

1) zweimal im Tag Kraftsuppe;

2) alle Stunde einen Löffel voll Wasser zur Regelung des Stuhlganges;

3) täglich dreimal jedesmal drei Wachholderbeeren zur Verbesserung des Magens.

Die weitern Anwendungen sind:

1) In der Woche dreimal ein Sitzbad,

2) den einen Tag ein Oberguß und Knieguß, den andern Tag ein Halbbad.

In vier Wochen war die Kur zu Ende, und der Kranke konnte seinem Beruf wieder nachkommen. Für längere Zeit jedoch mußte derselbe in der Woche zwei bis drei Halbbäder nehmen und die Wachholderbeerkur fortsetzen.

5.

Eine Wittwe, 54 Jahre alt, leidet seit einigen Jahren an Magenbeschwerden, sieht recht gebrochen aus, hat wenig Blut, ist ganz mager und kraftlos, hat wenig Appetit und beständig Druck auf den Magen. Die Naturwärme ist sehr heruntergekommen. Die Frau ist ganz in Wolle gekleidet und dennoch friert sie fast immer.

Hier ist 1) eine große Verzärtelung durch zu warme Kleidung; 2) weil die gehörige Naturwärme nicht vorhanden, herrscht auch große Unthätigkeit; mithin steht die ganze Maschine nicht in der richtigen Thätigkeit, was die Haut beweist, die ganz trocken ist, als ob sie nur auf dem Körper aufliege, aber nicht angewachsen sei. – Allererst muß bei der Heilung Wärme, Leben und Thätigkeit gebracht werden. Das wird geschehen durch Folgendes:

1) In der Woche zweimal ein Hemd anziehen, in heißes Salzwasser getaucht, 1½ Stunden lang; dieß bringt Wärme, öffnet die Poren und befördert die Hautthätigkeit;

2) zweimal in der Woche von unter den Armen ganz hinunter den Körper einwickeln, ebenfalls in heißes Salzwasser getaucht, 1½ Stunden lang; das bringt dieselbe Wirkung im Unterleib, wie das Hemd im Oberkörper;

3) täglich eine Waschung vom Bett aus mit Wasser und Essig, dann wieder in's Bett.

Nach innen: 1) eine gute einfache Kost, besonders Morgens und Abends Kraftsuppe;

2) täglich sechs bis acht Wachholderbeeren und am Morgen und Abend vier Löffel voll Thee von Salbei, Wermuth und Johanniskraut. Diese Mittel bewirken eine Besserung im Magen. – So 12 Tage lang.

Der ganze Zustand hat sich in dieser Zeit in jeder Beziehung gebessert.

Die weiteren Anwendungen sind:

1) Täglich Oberguß und Schenkelguß;

2) jeden zweiten Tag ein Sitzbad, eine Minute lang;

3) in der Woche zwei Halbbäder.

Das Sitzbad bewirkt Kräftigung und Wärme im Unterleib, das Halbbad Kräftigung des ganzen Körpers. Nach innen blieben die Wachholderbeeren und der Thee.

Nach fünf Wochen war die Haut wieder gut anliegend; der ganze Körper hatte gleiche Wärme. Das Aussehen war frisch und gesund, die ganze Natur wie umgewandelt.

Zur weiteren Befestigung reichte aus: in der Woche zwei bis drei Halbbäder, die das größte Wohlbehagen bewirkten, später ein bis zwei Halbbäder.

6.

Eine Hausfrau klagt: „Ich leide, wie die Ärzte sagen, an Magengeschwüren, was glaubhaft ist, weil im Gesicht sich auch mehrere größere Spuren von Ausschlag zeigen. Auch zeigen sich von Zeit zu Zeit größere Flecken am ganzen Körper mit gewaltigem Beißen und Brennen, so daß ich meine, ich müsse alle Haut herunterkratzen. Wenn auch das Gesicht geröthet, so bin ich doch recht abgemagert.“

Hier herrscht sicher Unreinigkeit im Blut, mithin auch Unreinigkeit in den Säften. In diesem Falle muß auf Reinigung des Blutes und der Säfte gewirkt werden, sowie auf Reinigung und größere Thätigkeit der Haut. Dieser Zustand kann geheilt werden wie folgt:

1) Jede Nacht den ganzen Körper waschen mit Wasser und Essig;

2) jeden Tag ein vierfaches Tuch in Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden, auf den Unterleib binden, 1½ Stunden lang, leitet Krankheitsstoffe aus und verbessert den ganzen Unterleib.

Nach innen: 1) Täglich eine Tasse Thee von Zinnkraut, 10 bis 12 Wachholderbeeren zerstoßen, 10 Minuten lang gesotten, in drei Portionen trinken;

2) zum Frühstück Kraftsuppe und bis Mittag alle Stunden einen Löffel voll Milch; von Mittag bis Abend stündlich einen Löffel voll Wasser zur Regelung des Stuhles, der bisher nie mehr eingetreten ohne gewaltsame Mittel.

Diese 14tägigen Anwendungen hatten in jeder Beziehung den besten Erfolg. Die weiteren Verordnungen waren:

1) Jeden Tag einen Oberguß und Schenkelguß;

2) jeden dritten Tag ein Halbbad.

Nach fünf Wochen war die Person mit ihrem Befinden sehr zufrieden, nur sollte sie mehr Kraft bekommen. Diese kam auch, nachdem sie sich in der Woche zweimal in der Nacht gewaschen und drei Halbbäder genommen, drei Wochen lang. Für weiter reichten aus in der Woche zwei bis drei Halbbäder.

Der Ausschlag am Körper und Gesicht ist erloschen, die Haut, wie die Genesene behauptet, rein, der Stuhlgang sei in Ordnung und der Urin, der immer roth gewesen, sei jetzt wie bei einem gesunden Menschen.

7.

Ein Knecht sagt: „Ich habe vor vier Wochen Etwas gegessen, das mir zu schwer im Magen liegen blieb; seit dieser Zeit hab ich keinen Appetit, Ekel fast vor jeder Speise, von Zeit zu Zeit Blähungen und Aufgetriebensein, habe häufig Kopfweh und oft auch Fieber. Ich glaube, mein Magen ist verdorben,“ woran auch nicht zu zweifeln ist. Deßhalb soll der Kranke

1) vier Tage nach einander täglich angeschwellte Heublumen warm auf Magen und Unterleib legen, mit einem Tuch gut aufbinden;

2) täglich einen Thee trinken von Tausendguldenkraut, Salbei und Wachholderbeeren. Nach vier Tagen waren die Beschwerden verschwunden; der Knecht konnte seinen Dienst wieder versehen.

8.

„Ich habe in der Hitze ziemlich viel kaltes Wasser getrunken und bald darauf einen großen Schmerz empfunden; ich kann nun nichts mehr essen, es ekelt mir vor jeder Speise, habe auch häufig Fieber.“ Anwendungen:

1) Vier Tage nach einander einen kurzen Wickel, welcher die durch das kalte Wasser gebildete Kälte verdrängt und die Natur in größere Thätigkeit bringt;

2) täglich eine Tasse Thee, in drei Portionen getrunken, von Wermuth und Tausendguldenkraut. Der Schaden war in vier Tagen gut gemacht. Um den Magen noch mehr zu stärken, waren die Wachholderbeeren das beste Mittel.

9.

„Ich habe Schweinefleisch gegessen mit Speck, und zwar, da ich sehr hungrig war, zu rasch. Jetzt stoßt mir immer das Fleisch auf, als ob es noch im Magen sei, obwohl es schon sechs Tage ist. Wenn ich mich nur erbrechen könnte!“ – Erbrechen ist nicht nothwendig. Es reicht aus

1) vier bis fünf Tage jede Nacht ganz waschen und

2) täglich zwei Tassen Thee trinken am Morgen und Abend von Brennesselwurzeln. Diese leiten die kranken Stoffe aus und bringen der Natur Ruhe.

10.

Es kommt im menschlichen Leben oft vor, daß durch großen Schrecken, Angst oder Furcht ein starker Durchfall eintritt und im Organismus große Störungen hervorgebracht werden. Weil diese Revolution im Magen und Darm beginnt und durch den ganzen Organismus wandert, so verliert nicht bloß die Natur viel, sondern die Organe werden auch geschwächt. Ißt dann der von der Diarrhöe Befallene seine gewöhnliche Kost, so tritt meistentheils rasch die härteste Verstopfung ein. Weil die Gedärme zu sehr angegriffen sind, tritt nachher Erschlaffung derselben ein. Ein anderes Übel: Durch den Durchfall ist auch ein großer Theil der Magensäfte mitgewandert und somit die Verdauung mangelhaft. Dadurch entstehen viele Gase, welche große Beschwerden verursachen. Wie diese große Revolution, so gibt es auch viele kleinere durch kalte Speisen, Getränke, Einathmen zu kalter Luft. Wer könnte aufzählen alle die verschiedenen Schädlichkeiten dieser Art, die dann Durchfall bewirken und der Natur recht nachtheilig sind, weil sie den natürlichen Gang so sehr stören!

So erzählt ein Herr: „Vor 25 Jahren hatte ich einmal einen recht großen Verdruß. Es stellte sich ganz kurz heftiges Abweichen ein; gleich darauf starke Verstopfung. Seit dieser Zeit nehme ich jeden Abend Abführmittel, weil ich sonst keinen Stuhlgang habe. Seit 22 Jahren fühle ich beim Gehen Stiche in der Brust und andere Beschwerden.“

Was hat hier also dieser Verdruß angerichtet? Allzu schnell entleerte die Natur zu viel Magensäfte. Dadurch traten die Anstauungen ein, weil die gehörige Verdauung nicht stattgefunden. Diese Anstauung wirkte nach verschiedenen Richtungen bald stärker, bald schwächer.

Dazu kommen die vielen Abführmittel, die doch in der Regel zu stark angreifen, die Organe schwächen und zu ihrer Funktion immer unthätiger machen. Die Folge mußte nothwendig sein, daß der ganze Körper im Allgemeinen weit zurückkam und einzelne Theile schadhaft wurden. Dieß zu heben, dazu dienten folgende Anwendungen:

1) Jede Nacht eine Ganzwaschung; diese bewirkte und vermehrte Wärme und Thätigkeit.

2) In der Woche zwei bis drei Halbbäder; diese wirkten kräftigend auf den ganzen Körper und erhöhten die Naturwärme.

3) In jeder Stunde ein Löffel voll Wasser nebst guter Kost bewirkten Vermehrung der Magensäfte und gute Verdauung, so daß der ganze Körper genährt wurde.

4) Täglich sechs bis acht Wachholderbeeren bewirkten eine rasche Verbesserung des Magens, und so reichten fünf Wochen aus zur allgemeinen Kur. Zur vollständigen Kräftigung war ausreichend in der Woche zweimal ein Halbbad oder einmal ein Oberguß und Knieguß und ein- oder zweimal ein Halbbad.

11.

Zwei Kinder gingen in die Erdbeeren. Eines von diesen hatte im Walde etwas Unrechtes genossen, bekam dadurch Erbrechen und Durchfall, starkes Fieber, Frost im Wechsel mit großer Hitze. Dem Kind schwand aller Appetit und die Kraft, das ganze Aussehen war krankhaft.

Wie kann hier Hilfe gebracht werden?

1) Dreimal in der Woche ein zweifaches Tuch, in halb Wasser und Essig getaucht, auf den Unterleib binden, 1½ Stunden lang. Diese Auflagen stärkten, lösten auf und leiteten aus.

2) Täglich den Körper zweimal waschen mit Wasser und Essig. Dieß bewirkte neues Leben, brachte alle Organe in größere Thätigkeit und förderte die Transspiration.

3) Jeden Tag dreimal, jedesmal zwei Löffel voll, Wermuththee bewirkte gute Verdauung, leitete aber besonders Giftstoffe aus.

4) Wo möglich jede Stunde einen Löffel voll Milch als gute Nahrung und zur Ausscheidung des Giftes.

In wenigen Tagen wurde das kranke Kind gesund.

12.

Eine Dienstmagd, welche durch einen Regen ganz durchnäßt und verkältet war, wurde von einem Durchfall und Fieber überfallen, so daß die Speisen, wie sie dieselben gegessen, wieder abgingen; sie war nicht im Stand, außer dem Bett zu sein; bald große Hitze, dann wieder große Kälte, auch heftige Kopfschmerzen. Was ist hier zu thun? Die Kälte hat im Magen die Herrschaft bekommen, und so ging es dem Magen wie einer Hausmutter, der während des Kochens Wasser in's Feuer geschüttet wird; wie da das Kochen eingestellt wird, so hört auch die Magenkocherei auf, wenn die Wärme verdrängt ist und dann muß natürlich Durchfall entstehen. Das beste Mittel ist hier

1) einen warmen kurzen Wickel, in Heublumenwasser getaucht, eine Stunde lang. Dadurch wird die zu niedere Naturwärme erhöht und so die Kälte schon theilweise verdrängt.

2) Dreimal täglich eine Tasse ganz warme Milch, in welcher Fenchel gesotten wurde. Die Milch bringt gute Nahrung, und der Fenchel erwärmt und stärkt.

3) Zur Ausgleichung der Körperwärme und zur allgemeinen Thätigkeit täglich einmal den ganzen Körper waschen.

So war die Kranke bald gesund.

13.

Einem Knaben, 16 Jahre alt, wurde ohne alle Vorbereitung die Nachricht gebracht, seine Mutter sei gestorben. Er brach zusammen, bekam heftige Leibschmerzen und Durchfall, was längere Zeit dauerte, ohne besonders berücksichtigt zu werden. Der Knabe wurde allmählig gemüthsleidend und traurig, arbeitete nicht mehr und hielt sich für ganz verloren für Zeit und Ewigkeit.

Der große Schrecken hatte nicht bloß den Knaben erschüttert, sondern durch den Durchfall, der nicht gehoben wurde, bekam die Natur nichts mehr zur Kräftigung, und mithin kam sie sehr herunter. Das Gemüthsleiden war Folge der Schwäche. Bei der Behandlung mußte also auf Kräftigung des ganzen Körpers hingearbeitet werden. Der Knabe mußte

1) täglich zweimal, jedesmal 6 Minuten lang, bis an die Kniee im Wasser gehen, und

2) täglich einen Oberguß nehmen.

Nach innen:

1) Zur guten Kost täglich drei Pfefferkörner verschlucken, die den Magen erwärmen;

2) täglich zweimal Kraftsuppe mit guter Kost;

3) täglich eine Tasse Thee von Wermuth und Salbei (in drei Portionen), in halb Wein, halb Wasser gesotten; dieß bewirkt innere Wärme, und gute Verdauung, und so war nach drei Wochen der trostlose Junge wieder gesund.

14.

Ein Hausvater, 29 Jahre alt, leidet seit drei Jahren an Diarrhöe, täglich drei- bis viermal. Derselbe weiß keine Ursache, außer, wenn er mehr Flüssiges ißt, ist auch der Durchfall stärker, sonst ist es gleich, welcherlei Speisen er genießt. Das Aussehen deutet auf Schwäche und Müdigkeit, wie auch alle gesunde Farbe erloschen ist. Die Gemüthsstimmung ist mehr traurig als heiter, die Kräfte haben sehr abgenommen, der Appetit ist nicht schlecht, aber es fehlt am rechten Geschmack.

Hier ist vorherrschend große Schwäche wie nach einer Krankheit, in der sich Krankheitsstoffe länger im Körper aufhielten und diese Schwäche bewirkten; mithin ist auf dreifache Weise einzuwirken:

1) in der Woche drei Sitzbäder stärken den Unterleib;

2) zwei Halbbäder, eine halbe Minute, in der Woche wirken stärkend auf den ganzen Leib;

3) jeden zweiten Tag ein zweifaches Tuch, in halb Wasser, halb Essig getaucht, 1½ Stunden lang, wirkt stärkend auf den Unterleib.

Nach innen: 1) eine kräftige Hausmannskost; 2) täglich drei kleine Tassen Thee von Schafgarbe, Johanniskraut und Wermuth, welche gute Säfte und gute Verdauung bewirken.

Nach drei Wochen war die Krankheit beseitigt, das Aussehen frisch, die Verdauung gut, der Appetit groß.

Für weiter war gut: In der Woche ein bis zwei Sitzbäder und zwei Halbbäder.

15.

Ein Mann, 36 Jahre alt, erzählt: „Ich habe schon seit vier Jahren mit Abweichen zu thun. Ich mag essen, was ich will, ich bekomme doch Durchfall, meistens mit großen Schmerzen – ganz ohne Schmerzen geht es nie ab. Wenn ich auch drei bis vier Tage Ruhe habe, dann tritt das Übel nur um so heftiger auf, habe auch recht viele Gase im Leib. Wenn diese nicht gehen, dann ist der Schmerz um so ärger. Es ist fast gleich, welche Kost ich genieße; manchmal glaubte ich die rechte Speise getroffen zu haben; doch bald ist wieder der alte Zustand da. Gebraucht habe ich schon Vieles von Ärzten und Anderen; kleine Linderungen bekam ich, aber keine Hilfe.“