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Soll und Haben, Bd. 1 (2) / Roman in sechs Büchern

Chapter 2: Inhalt
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About This Book

The novel traces the upbringing and career of a young man from a provincial German town, portraying family life, schooling, and entry into commercial and public service. Through detailed scenes of everyday work, social gatherings, and professional dealings, it examines bourgeois values, industry, and moral character while contrasting honest labor with greed, speculation, and social pretension. Structured in six books, the narrative interweaves personal development with broader social and economic observations, offering realist portraits of provincial society and debates about civic duty, national sentiment, and the ethics of commerce.

The Project Gutenberg eBook of Soll und Haben, Bd. 1 (2)

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Title: Soll und Haben, Bd. 1 (2)

Author: Gustav Freytag

Release date: June 14, 2016 [eBook #52330]
Most recently updated: October 23, 2024

Language: German

Credits: Produced by Norbert H. Langkau, Matthias Grammel, Juliet
Sutherland and the Online Distributed Proofreading Team
at http://www.pgdp.net

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SOLL UND HABEN, BD. 1 (2) ***

Soll und Haben.


Roman in sechs Büchern

von

Gustav Freytag.

Der Roman soll das deutsche Volk da suchen, wo
es in seiner Tüchtigkeit zu finden ist, nämlich bei
seiner Arbeit.

Julian Schmidt.

Zwölfte Auflage.

(Sechster Abdruck der Stereotyp-Ausgabe.)

Erster Band.


Leipzig

Verlag von S. Hirzel.

1866.


Der Verfasser hat sich das Recht der Uebersetzung vorbehalten.


Inhalt

Seite
Widmung

iii

Erstes Buch 3
I. Kapitel 3
II. Kapitel 10
III. Kapitel 21
IV. Kapitel 36
V. Kapitel 54
VI. Kapitel 67
VII. Kapitel 80
VIII. Kapitel 111
IX. Kapitel 131
X.

Kapitel

148

Zweites Buch 157
I. Kapitel 159
II. Kapitel 188
III. Kapitel 211
IV. Kapitel 228
V. Kapitel 253
VI. Kapitel 263
VII. Kapitel 290
VIII. Kapitel 309
IX. Kapitel 332
X.

Kapitel

346

Drittes Buch 363
I. Kapitel 365
II. Kapitel 389
III. Kapitel 418
IV. Kapitel 453
V. Kapitel 477
VI. Kapitel 499
VII. Kapitel 517
VIII. Kapitel 537


Seiner Hoheit

Ernst II.

Herzoge zu Sachsen-Coburg-Gotha.

Es war ein lachender Maiabend auf dem Kallenberg. Oben um das Schloß blühte und duftete der Frühling und die Blätter der rothen Akazie warfen gezackte Schatten auf den thauigen Rasen. Unten im Dunkel des Thals sprangen die zahmen Rehe aus dem Gehölz und schauten begehrlich nach der hellen Gestalt der Herrin, welche den holden Segen des Gastrechts Jedem ertheilt, der in den Bannkreis des Schlosses tritt, dem Menschen, wie dem Vogel und dem Wild. Die Ruhe des Abends lag auf dem Hügel und Thal, nur aus weiter Entfernung klang zuweilen das Rollen des Donners in die lichtreiche, glückliche Landschaft. An diesem Abend sah Eure Hoheit, an die Steine der alten Schloßmauer gelehnt, sorgenvoll über die fruchtbaren Felder hinein in die dämmrige Ferne. Was mein edler Fürst damals sprach: über die Verwirrung der letzten Jahre, über die Muthlosigkeit und müde Abspannung der Nation, und über den Beruf der Dichter, die grade in solcher Zeit dem Volke einen Spiegel seiner Tüchtigkeit vorhalten sollen zur Freude und Erhebung, — das waren goldene Worte, in denen sich ein großer Sinn und ein warmes Herz offenbarten, und sie werden lange nachklingen in dem Herzen des Hörers. Seit diesem Abend habe ich den Wunsch, mit Eurer Hoheit Namen das Buch zu schmücken, dessen Plan ich damals mit mir herumtrug.

Fast zwei Jahre sind seitdem vergangen, ein furchtbarer Krieg ist entbrannt, und mit finsterer Sorge sieht der Deutsche in die Zukunft seines Vaterlandes.

In solcher Zeit, wo die stärksten politischen Leidenschaften in das Leben jedes Einzelnen dringen, weicht die heitere Ruhe, welche der Schaffende zur künstlerischen Gestaltung braucht, leicht von seinem Arbeitstisch. Ach! sie hat dem deutschen Dichter seit lange gefehlt. Nur zu sehr fehlt das Behagen am fremden und eigenen Leben, die Sicherheit fehlt und der frohe Stolz, mit welchem die Schriftsteller anderer Sprachen auf die Vergangenheit und Gegenwart ihres Volkes blicken; im Ueberfluß aber hat der Deutsche Demüthigungen, unerfüllte Wünsche und eifrigen Zorn. Wer in solcher Zeit Poetisches gestaltet, dem fließt nicht die freie Liebe allein, auch der Haß fließt leicht aus dem schreibenden Rohr, leicht tritt an die Stelle einer dichterischen Idee die praktische Tendenz und statt freier Laune findet der Leser vielleicht eine unschöne Mischung von plumper Wirklichkeit und gekünstelter Empfindung.

Bei solchen Gefahren hat der Dichter doppelt die Pflicht, die Umrisse seiner Bilder rein zu halten von Verzerrung, und seine eigene Seele frei von Ungerechtigkeit. Dem Schönen in edelster Form den höchsten Ausdruck zu geben, ist nicht jeder Zeit vergönnt, aber in jeder soll der erfindende Schriftsteller wahr sein gegen seine Kunst und gegen sein Volk.

Diese Wahrheit zu suchen, und wo ich sie fand, zu vertreten, halte ich für die Aufgabe auch meines Lebens.

Und so sei meinem ritterlichen Herrn ehrfurchtsvoll das leichte Werk gewidmet. Glücklich werde ich sein, wenn Eurer Hoheit dieser Roman den Eindruck macht, daß er wahr nach den Gesetzen des Lebens und der Dichtkunst erfunden und doch niemals zufälligen Ereignissen der Wirklichkeit nachgeschrieben ist.

Leipzig, im April 1855.

Gustav Freytag.