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Sonnenländer

Chapter 14: 12. Pagan.
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About This Book

Der Reisebericht schildert eine ausgedehnte Weltreise durch sonnige, tropische Regionen, beginnend mit einer Atlantiküberfahrt, Stationen in Kuba und Mexiko, Fahrt entlang Nordamerikas Küsten und Weiterreise nach Japan und in die Südsee. Kapitel dokumentieren Eindrücke von Landschaften, Städten, Hafenleben, Naturereignissen wie Überschwemmung und Erdbeben, Tempelfeste sowie Aufenthalte auf verschiedenen pazifischen Inseln (Marianen, Palau u. a.). Ergänzende historische und geografische Beobachtungen, Kartenskizzen und praktische Reiseepisoden verbinden persönliche Erlebnisse mit volkstümlichen und kulturellen Beschreibungen bis zur Heimreise.

12. Pagan.

Die Tora Maru fährt am nächsten Morgen in die Bucht der Insel Pagan ein.

Hier sieht es freundlicher aus. Zwar bemerken wir schon vom Schiffe aus, daß auch hier der Taifun gewütet haben muß. Aber Dorf und Pflanzungen liegen hier geschützter, mehr landeinwärts, zur Linken von schwarzen, hohen bizarren Basaltfelsen umtürmt, rechts ebenfalls von Höhen umlagert, und weiter landeinwärts baut sich ein mächtiger, noch tätiger Vulkan auf, der sein Haupt in schwere, dichte Dunst- und Rauchwolken gehüllt hat.

Bald stehen wir auf dem schwarzen Ufersand, bald sind wir in dem freundlichen Dörfchen mitten unter den braunen, lustigen Leuten, bald durchwandern wir die weiten, hohen, saftig grünen Palmpflanzungen.

Hier sind die Palmen selbst wenigstens nicht vom Taifun gestürzt und entwurzelt, nur dann und wann ist eine Krone oder eine Blättergruppe geknickt worden, die Früchte liegen auf dem Boden verstreut. Nach Jahresfrist, wenn kein neuer Taifun über die Insel wegzieht, ist wieder auf eine Ernte zu hoffen. Aber vorläufig freilich muß auch diese Insel in der Hauptsache geräumt werden! ...

Am Abend dieses Tages hat die kleine Tora Maru ungefähr siebzig Karoliner an Bord: Männer, Frauen und eine Unmenge Kinder, einige Dutzend Schweine und unzähliges Geflügel, darunter an dreißig Kampfhähne, die getrennt an der Reling angebunden, sich gegenseitig nach Leibeskräften und Herzenslust ankrähen.

Leider waren auch wieder die letzten sechsunddreißig Stunden unserer Reise, die Fahrt von Pagan nach Saipan, sehr wenig erquicklich. Es war, als ob die Berge und Vulkane von Pagan sich ins Meer fortpflanzen wollten, so stark war der Seegang, und jede Minute kam ein schwerer Brecher über Bord.

Dazu das mit Menschen und Tieren überfüllte Schiff. Der Kapitän machte einen ganz gekränkten Kopf, und die Matrosen wußten kaum, wo sie sich hinstellen sollten, die Segel aufzuziehen und einzureffen.

Freilich, das mörderische Geschrei der Kampfhähne verstummte sehr bald. Schon nachdem sie die paar ersten Wellen über den Kamm bekommen hatten, wurden sie ganz friedlich und duckten sich mit nassen Flügeln so klein zusammen, als sie nur konnten. Auch die Schweine gaben ihr Grunzen und Brummen sehr bald auf, kauerten sich, schwer seekrank, unter der vor der Nässe schützenden Holzverkleidung des Buges zusammen und lagen dort wie leblos und tot.

Dafür zeterten und schrien nun unsere zahlreichen Kinder der verschiedensten Jahrgänge um so mehr und die Frauen ächzten und stöhnten.

Einige Frauen und Kinder können wir zwar enggepfercht in unserm Eßzimmerchen unterbringen. Aber alle die vielen andern, für die hier kein Platz ist, müssen die sechsunddreißigstündige, durch Regenböen und übergehende Wellen wenig behaglich gemachte Fahrt auf freiem, ungeschütztem Deck verbringen, und alle wohl seufzen erleichtert auf, als am Morgen des übernächsten Tages die grüne Bergküste Saipans im Süden auftaucht.

Auch ich. Und ich sagte der Tora Maru endgültig Lebewohl. Ich hatte zwar beabsichtigt, drei Tage später mit ihr noch bis Guam weiterzufahren und von dort wieder auf ihr nach Saipan zurückzukehren. Aber während man zur Fahrt von Saipan bis Guam nur zwei Tage benötigt, dauert die Rückreise von Guam nach Saipan zehn bis vierzehn Tage, oft auch länger. Man muß beständig gegen den in dieser Jahreszeit hier regelmäßig wehenden Nordostpassat aufkreuzen. Und ich war nicht gewillt, mir das amerikanische Guam durch einen weiteren vierzehntägigen japanischen Kostgenuß zu erkaufen.

Während ich im Landungsboote in das Korallenriff Saipans einfahre, blicke ich Abschied nehmend noch einmal zu den weißen Segeln der Tora Maru zurück.

„Leb wohl!“ rufe ich ihr über die hohe schäumende See zu. „Leb wohl, du schlankes, schönes Tigerschiff! ... Hast mich treulich durch Sturm und böse See viele Meilen weit hierher getragen. Hab tausend Dank! Leb wohl, schlanke, schöne Tora Maru!“ —