13. Geschichte der Marianen.
Die Marianen wurden von Magalhães im Jahre 1521 entdeckt. Er war im September 1519 von Spanien aufgebrochen, um einen neuen, auf der spanischen Erdhälfte gelegenen Weg nach den Molukken zu finden. Vierzehn Monate später erreichte er, nachdem er schon zwei Schiffe verloren hatte, mit den drei übrigen die Südsee. Magalhães war es, der sie wegen des andauernd ruhigen Wetters, das er hier antraf, den „Stillen Ozean“ taufte. Am 6. März 1521 warf er vor einer Marianeninsel Anker. Die Eingeborenen, die sein Schiff mit ihren kleinen Seglern umringten, waren zuerst freundlich und brachten ihm Nahrung und die Früchte des Landes, dann aber wurden sie zudringlich, stahlen ein Boot und Metalle. „Ladronen“ = „Diebsinseln“ nannte daher Magalhães das neue entdeckte Land. Ein Streit entspann sich, die Eingeborenen kämpften mit Wurfspeeren und Schleudern, waren aber den Feuerwaffen der Europäer nicht gewachsen. Schon am 9. März fuhr Magalhães weiter, und nach seinem bald darauf auf den Philippinen erfolgenden Tode vollendete sein Begleiter Eltano diese allererste Weltumseglung.
Auf einer zweiten Reise entdeckte Eltano die Marianeninsel Rota, im Jahre 1565 ergriff Spanien förmlich Besitz von der Inselgruppe, aber erst ein Jahrhundert später mit der Ankunft des Jesuitenpaters Sanvitores setzte die tatsächliche Herrschaft der Spanier ein. Nach der Königin Maria Anna hieß er die Inselgruppe „Marianen“.
Der Bekehrungstätigkeit des spanischen Paters stellten sich bald Schwierigkeiten entgegen. Der Adel wollte nicht dulden, daß das Volk auch die Sakramente bekomme. Außerdem war die Ehe der „Chamorros“, der Ureinwohner der Marianen, stets eine sehr lose und nur auf Neigungsdauer geschlossen. Sie betrachteten daher die durch Sanvitores eingeführte, unlösliche katholische Ehe als eine Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten.
Schon 1670 brachen die ersten Unruhen aus und Sanvitores wurde 1672 von einem Chamorro getötet, dessen Kind er gegen den Willen des Vaters getauft hatte.
Doch alle Versuche der Chamorros, die Spanier zu vertreiben, scheiterten daran, daß die Eingeborenen, wie fast alle Naturvölker, im entscheidenden Augenblick nicht genügend Entschlossenheit zeigten und auch nie vollständig einig waren.
Kämpfe und Kämpfe, dann Seuchen und Hungersnot folgten. Schon im Jahre 1710 war von dem in alten Missionsberichten auf 100 000 Köpfe geschätzten Volke der Chamorros nur mehr ein kleiner Überrest von 3700 Menschen übrig.
Der Rest des Chamorrovolkes vermischte sich mit Spaniern, Tagalen, den Ureinwohnern der Philippinen, wohl auch mit Chinesen und Japanern. Es hat seine früheren guten Eigenschaften so ziemlich verloren, Kriegsmut und Seetüchtigkeit, Freiheitsliebe und Unabhängigkeitssinn. Alle Chamorros sind heute katholische Christen und gehen bekleidet. Auf den früher deutschen Inseln leben ungefähr 2500, während auf der größten und fruchtbarsten Marianeninsel, auf Guam, das im spanisch-amerikanischen Kriege von den United States durch Überrumpelung genommen und beim Friedensschluß behalten wurde, noch ungefähr 10 000 wohnen. Neben den Chamorros sind auf den meisten Inseln, so auf Agrigan, Pagan, auf Tinian und vor allem auf Saipan, auch Karoliner zu finden — ungefähr 500 —, die hauptsächlich im Laufe des vorigen Jahrhunderts auf ihren Kanoes hierher gekommen sind. Sie zählen zum Stamme der Mikronesier, einer Mischung aus Malaien und Melanesiern, sind Heiden geblieben, gehen unbekleidet, halten zäh an ihren alten Gewohnheiten und Gebräuchen fest, sind auch bis heute ziemlich rasserein geblieben. Die auf Saipan lebenden Karoliner sind die kultiviertesten ihres Stammes, sind vor allem ziemlich fleißige Land- und Ackerbauer geworden. Auch eine Strafkolonie befand sich auf Saipan, in der Deportierte verschiedener anderer Inseln, von Jap, Palau und Samoa zwangsweise angesiedelt waren.
Die Marianen und Karolinen wurden im Jahre 1899 für 16 Millionen von Deutschland erworben. Der Kaufpreis war nicht gering, wenn man bedenkt, daß die meisten Inseln klein sind, daß kulturell und kolonisatorisch nur geringe Vorarbeit geleistet worden war. Auch saßen wir nun plötzlich mitten in der japanischen Interessensphäre. Japan hätte die Inselgruppen ebenfalls gern besessen und hatte dafür 12 Millionen geboten. Die Möglichkeit von Reibungen aller Art war gegeben, zudem noch die Wahrscheinlichkeit, daß Japan, sowie das Deutsche Reich von ernsteren kriegerischen Verwicklungen heimgesucht würde, auf diese Inselwelt seine Hand legen würde. So ist es denn auch gekommen.
Japan hat durch den Versailler Frieden das Mandat für die Marianen und Karolinen und für alle andern früher deutschen Inseln bis zum Äquator erhalten.