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Sonnenländer

Chapter 3: 1. Ausreise.
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About This Book

Der Reisebericht schildert eine ausgedehnte Weltreise durch sonnige, tropische Regionen, beginnend mit einer Atlantiküberfahrt, Stationen in Kuba und Mexiko, Fahrt entlang Nordamerikas Küsten und Weiterreise nach Japan und in die Südsee. Kapitel dokumentieren Eindrücke von Landschaften, Städten, Hafenleben, Naturereignissen wie Überschwemmung und Erdbeben, Tempelfeste sowie Aufenthalte auf verschiedenen pazifischen Inseln (Marianen, Palau u. a.). Ergänzende historische und geografische Beobachtungen, Kartenskizzen und praktische Reiseepisoden verbinden persönliche Erlebnisse mit volkstümlichen und kulturellen Beschreibungen bis zur Heimreise.

1. Ausreise.

Sonnenländer! Von jeher habe ich sie gesucht. Mit 17 Jahren bin ich das erstemal in Venedig, mit 19 in der Gironde und Provence, mit 21 Jahren in Algier, Marokko und Spanien gewesen. Immer mitten im Hochsommer. Je heißer die Sonne brannte, desto mehr freute es mich.

Auch auf meiner Weltreise habe ich immer treue Fühlung mit dem Süden gehalten.

Von Hamburg fahre ich ab. Siebzehn Tage auf hoher See. Das Meer wird glatt wie ein Spiegel und ist von einer tief ultramarinblauen Farbe. Rotes Golfkraut schwimmt darin herum, schlanke blitzende Fische sprühen wie schimmernde Silbertropfen darüber hinweg und des Nachts leuchten im weißen Kielwasser feurig sprühende Funken auf. Windverwehte, kleine, bunte Vögel hüpfen unruhig auf dem Bootsdeck umher und huschen, einen Unterschlupf suchend, durch das Tauwerk.

Wir sind der Sonne nähergekommen, die Sterne sind heller und leuchtender geworden; deutlicher als in der Heimat sieht man die dunkelstarren Berge im toten Mond.

Land in Sicht. Ein blasser Dunststreifen. Bereits auf freiem Meere fühlt man, daß man bald auf dem Boden der Tropen stehen wird, 30 Grad im Schatten schon um 7 Uhr morgens.

Eine Stunde später liegt Kuba zum Greifen nahe vor mir, in grellgelbe Farbentöne getaucht. Weißglut trinkend und ausströmend, verbrannt und ausgedörrt von einer allgewaltigen Sonne. Havanna, die erste Tropenstadt, die ich hier betrete, wirkt auf mich als etwas ganz Neues und Seltsames.

Westwärts weiter. Zwei Tage später die mexikanische Küste. Wie flüssiges Glas flimmert die Luft über flachen Dächern, die in trostloser Sanddüne liegen: Verakruz. Kein freundlicher Empfang. Um so größer die Überraschung, wenn man ein wenig höher und landeinwärts kommt. Heiße Blüten- und Früchtepracht. Hoch darüber Gipfel in einsamer Majestät und weißem Königshermelin.

Von Verakruz aus hat Cortez, der Eiserne, mit sechzehn Reitern und sechshundert Waffenfähigen seinen Vormarsch ins Innere Mexikos angetreten, ein ganz tollkühnes Wagnis, das ihn nach manchen Rückschlägen schließlich eines der herrlichsten Länder der Erde erobern ließ.

Zwei Monate habe ich dies einzig schöne Land bereist. Wollte man es einigermaßen richtig kennenlernen, müßte man mehr denn zwei Jahre daran wenden. Ist es doch viermal so groß als Deutschland, ohne dessen Bahnverbindungen zu haben.

Nordwärts nun. Aber das bedeutet noch lange nicht den Norden. Denn stark glüht die Sonne über den Staaten Zacatecas, Durango und Chihuahua, ebenso in dem bereits zu Nordamerika gehörigen Texas. In der Coloradowüste Arizonas aber steigt die Hitze ins Unerträgliche. Das Land — Sand und Salz — liegt bis zu hundert Metern unter dem Meeresspiegel. Feuerluft schlägt mir von allen Seiten entgegen.

Dann aber der herrliche Garten Kaliforniens, in dem die Fichte sich freundlich mit der Palme paart. Der Tag ist noch warm, aber die Nächte sind wundersam kühl und erquickend, mildlinde Sommernächte, schwer von Blumendüften und durchzittert von dem flötenden Lockton eines südländischen Vogels, durchbebt von Geigen- und Mandolinenklängen, von den weichen Stimmen singender Mädchen und Frauen, durchweht von einem lebend gebliebenen Hauch altspanischer Romantik.

In San Franzisko halte ich Ausschau. Eigentlich wollte ich nach Samoa und Tahiti. Aber gerade vor der Nase ist mir das Schiff weggefahren. Allzu lange müßte ich auf das nächste warten.

Ein anderer Dampfer liegt auslaufbereit im Hafen. Er geht nach Japan und nimmt mich mit.

Um einmal andere Bilder zu sehen, fahre ich Zwischendeck. Der Entschluß hat mich nie gereut. Ich habe in meinem Zwischendeck viel mehr gesehen, erlebt und gelernt, als wenn ich erster Klasse gefahren wäre.

Nach sechstägiger Reise die hawaiische Inselgruppe, Eiland Oahu und Stadt Honolulu. Diese erste Südseeinsel ist eine Enttäuschung, allzusehr ist dort alles amerikanisiert. Und während Oahu, das nicht Herbst und Winter, das nur den Sommer kennt, langsam im Abendnebel verschwimmt, träume ich von andern Inseln, glücklichen Inseln, wo Sonne und Sterne, wo das rollende Rad der Zeit stille zu stehen scheint, stille steht für Menschen, die eines guten Willens gekommen sind. — —

Fast vierzehn Tage wieder auf hoher See. Ich benütze die lange Zeit, um mich in aller Eile ein wenig auf Japan vorzubereiten. Denn ich hatte es nicht auf mein Reiseprogramm gesetzt.

Doch ich komme nicht recht vorwärts. Ein Mühlrad geht mir im Kopfe herum, hundert Namen und Dinge wirren sich chaotisch durcheinander. Aber eines präge ich mir ein, die Lehre, daß man um das europäische Hotel einen weiten Bogen schlagen muß, wenn man vom eigentlichen Nippon, wie das Kaiserreich Japan in der Landessprache heißt, etwas kennenlernen will.