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Spitzbögen

Chapter 10: Achtes Kapitel
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About This Book

A first-person narrator recounts uneasy stays in Italy, especially around Florence, weaving travel anecdotes with reflective meditations. Episodes include living with an eccentric older woman who asks for musical performances, solitary walks among hills and cypress groves, and encounters with cramped, inhospitable lodgings. Vivid landscape imagery alternates with observations on cultural contrasts and the way place shapes mood, producing a blend of irony, melancholy, and philosophical asides about artistic temperament and the haunting beauty that can unsettle the senses.


Achtes Kapitel

Es dämmerte der Morgen meiner Abreise: hochgehißt, wie eine entrollte Fahne, war er da. Zum letzten Male saß ich in dem zugigen Speisesaal zur ebenen Erde und spürte seine kalten Ziegel unter meinen Füßen. Der Regen schlug gegen die Scheiben; böse fuhr der Wind sie an. Aber trotz des schonungslosen Mittagslichtes faßte ich heute die Hexe und ihre Drachenschulter voll ins Auge. Sie glaubte noch immer, in einigen Stunden würde mir der Apennin im Rücken liegen.

Es gab zu diesem Essen eine unvergleichliche Pastete. War sie wirklich so vortrefflich, oder würzte sie zur Götterspeise das Gefühl des Sieges und der überwundenen Krankheit? Zwei Riesenstücke hatte ich schon davon gegessen und fuhr trotzdem fort, ihr Blicke zuzuwerfen. Auf einer Seite hielt sich noch eine Kruste aufrecht. Etwas wie eine halbe Entschuldigung, ein verlegenes Lächeln, und ich streckte sie hin. Denn die Fenster sahen auf den Hof, und dort stand ja schon das Wägelchen gerüstet, und meine Koffer lud man jetzt schon auf. Es folgten nur noch die paar Augenblicke in dem verhängten Salon, wo die Schatten alle Dinge schonten und man den Himmel weinen hörte über dieses Haus. Meinem stets vorgreifenden Gemüte war es schon abgerückt, derweil ich mich noch darin befand; schon war sie mir vergangen, diese ganze Zeit, mit der ich erst im Begriff stand abzuschließen. Weggeblasen die lächerlichen Klavierabende; alles vergessen, da es überwunden war!

Zum ersten Male seit meiner Ankunft schwang ich mich wieder auf den hohen Sitz, von dem aus die Hexe ihr schemenhaftes Roß kutschierte. Entzückt von den Schönheiten des Weges, seinem Flüßchen, seinem Immergrün, hoben sich meine Arme zum Gruß der Rosen, die so spät von einem ewigen Sommer träumten im Schutz des trügerischen Laubs.

In San Gervasio stieg ich aus.

„Ich hoffe,“ sagte die Hexe, – denn nichts hätte gesitteter sein können, als unser Auseinandergehen – „ich hoffe, Sie besuchen mich, falls Ihr Weg Sie wieder in die Gegend führt.“

„Ich werde gewiß nicht verfehlen.“

„Sie sind noch erkältet. Nehmen Sie sich in acht. Sie werden eine kalte Reise haben.“

Ich lachte. Mochte das verderbliche Weib sich wundern über mein leichtes Herz. Später, irgendwann, sollte es von meiner Übersiedelung nach Fiesole erfahren, als hätte es sich auf Grund einer Begegnung ganz improvisiert und zufällig ergeben. Denn so war es ausgemacht. Und alles fügte sich gut. Ihr Gefährt war außer Sicht, bevor ich den Zug bestieg, der statt nach Florenz den Hügel von Fiesole hinauffuhr.