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Spitzbögen

Chapter 2: Vorrede
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About This Book

A first-person narrator recounts uneasy stays in Italy, especially around Florence, weaving travel anecdotes with reflective meditations. Episodes include living with an eccentric older woman who asks for musical performances, solitary walks among hills and cypress groves, and encounters with cramped, inhospitable lodgings. Vivid landscape imagery alternates with observations on cultural contrasts and the way place shapes mood, producing a blend of irony, melancholy, and philosophical asides about artistic temperament and the haunting beauty that can unsettle the senses.

Es gibt Leute, die mit Recht oder Unrecht im Rufe stehen, daß sie Unglück bringen. So war Offenbach als „Brandstifter“ berühmt, und sein Verweilen in einem Hause galt als Signal für eine Feuersbrunst.

Daß aber auch Städte sich dem einzelnen feindselig erweisen können, dürften die wenigsten noch erfahren oder bemerkt haben. Nun, mein Jettadore war Florenz. In was für Klemmen ich dort geriet, was für Schlingen dort jedesmal für mich bereit lagen, spottet jeglicher Erfindung. Ach und überhaupt – Italien! – Wer vermöchte es einesteils nicht zu lieben? – Aber die Ebene von Mailand, aber die seelische Kälte der italienischen Mietswohnungen, ihre tiefe Ungemütlichkeit und rudimentäre Öde, aber gewisse Häuser der Armen, die uns mit ihren hohläugigen Fenstern wie Pestkranke ansehen!

Und dann schneiden so manche italienische Landschaften ins Herz. Fiesole zum Beispiel, mit seinem verklärten Ausblick – so holdselig, aber so abgeschieden, so vorbei! – Beklommenen Herzens blickte ich eines Morgens auf diese laue, in ihrer durchsichtigen Bläue zärtlich berückende Natur, und stärker noch empfand ich unter dem wolkenlosen Himmel die stille Schärfe der Zypressen. Gewiß, es ist ein schönes Land! aber schön ist auch der Anblick des unter der Fülle von Blumen fast verschwindenden Sarges, daß kaum ein Beschlag, kaum eine Kante desselben sichtbar wird. – So trauerte dort mein Auge und sehnte sich von diesem Bilde fort. Und nur mehr die Straße hinabsehend, fing ich plötzlich an zu laufen; – und ich lief, als gälte es dieser Gegend wie einem Gewölbe zu entfliehen, und nicht zu rasten, als bis ich wieder zu unseren Flüssen und Brücken, unseren lebendigen Wäldern gelangte. Denn Leopardis Seele war mir auf jenem Hügel aufgegangen. Ja, solche Klagen mußten sich ihr entringen, ein so herbes Echo mußte dies blühende, von Glanz und Duft umwobene Land erwecken, das in seiner stillen Morbidezza zwischen dem Hades und der Erde eingeschoben scheint. Die Einflüsse der Landschaft sind es ja sicherlich, mehr noch als die des Klimas, die gleichsam spiegelnd die Linien unserer Sinnesart und unseres geistigen Umkreises ziehen. So verhält sich Leopardis Pessimismus zu dem seines Zeitgenossen Schopenhauer wie der untröstliche Zypressenhain zum tiefen Tannenwald, aus dessen Düsterkeit wir Stärkung noch und Hoffnung schöpfen.

Ich bitte indes nicht zu vergessen, daß ich den Berg hinunter laufe. So mag es hingehen, daß ich so weit von meinem Thema abgekommen bin. Denn ich wollte meine florentiner Mißgeschicke erzählen. Aber eine so radikale Sprunghaftigkeit kann mit einer sehr bestimmten Einheitlichkeit des Gedankens zusammenhängen; – ich meine, es käme auf eine Probe an.

Oder dürfen wir einen Gedanken nennen, was mehr wie ein Verdacht, wie eine Hoffnung in uns schlummert? An manch schönen, wertvollen Dingen mag einer vorübergehen, da vernimmt er, was ihm eine Botschaft bedeutet, und gierig greift er es auf.

Immer noch laufe ich indes meinen italienischen Berg hinab. San Domenico liegt schon hinter mir. Ich komme jetzt nach San Gervasio und bin dann gleich in Florenz. Somit wäre die Einheit des Ortes wieder hergestellt und ich könnte von neuem beginnen.