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Spitzweg, Reime und Bilder cover

Spitzweg, Reime und Bilder

Chapter 23: Epilog
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About This Book

Eine kombinierte Darstellung von Leben, Werk und dichterisch-bildnerischen Schöpfungen des Malers, die biografische Skizzen, kritische Betrachtungen und eine Auswahl von Reimen und Illustrationen verbindet. Der Text schildert seine Herkunft und Ausbildung, frühe Tätigkeit als Apotheker, Wanderungen und Studienreisen, die Entstehung kleiner, heiterer Genre- und Landschaftsbilder, die feine Farbgebung, den humorvollen Blick auf Alltagsgestalten und die Werktechnik; außerdem werden Einflüsse, stilistische Entwicklungen und die besondere Bedeutung der kleinen Formate für seine Wirkung erläutert.

Reime

Malergespräch

Ich:
»O Himmel, ist die Kunst doch schwer!
»Die Göttin spröd, die dralle!«
Schwind:
»Ja, Lieber, wenn so leicht es wär',
»Die Luder malten alle

Maler-Schnadahüpfel

1. Z'erst tuat ma's patiern,
Drauf kimmt dö Lasur
Und durch dös Lasiern
Werd's grad wia d' Natur!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
2. Z'letzt nimmst no a Farb her,
Die d' Aug'n recht daschreckt,
Die streichst nocha dick hi …
Dös hoaßt ma 'n Effekt!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
3. Nur Farb drauf in Häuf'n
Als wann g'mauert wer'n müaßt,
Daß d' Nachwelt kann greif'n,
Wann d' Farb eppa schiaßt!
… Hu-i-di-e, Hi-i-di-e!
4. A Leinwand hon i aufg'spannt
So glatt und so fein –
Ja, komponieren kunnt i schon, woaßt,
Aber 's fallt ma nix ein!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
5. Jetz glaub i in koan Fall,
Daß i net weit mehr fehl –
Morg'n steht mir dö dick' Köchin
Als Psyche Modell! …
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
6. Na, jetz bin i im Zweifel:
Schaugt d' Psyche so aus?
Z'letzt, hol mi der Teufel,
I mach a Sennerin draus!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
7. Ja, es is ja wahr a,
In Kritisieren, do sans fix –
Aber selba was macha?
Na – macha könnas nix!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
8. Beim Mal'n wia beim Dicht'n
Isch allweil oan G'schicht:
Es soll si halt raime …
So is a Gedicht!
Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!

Ich als Maler

Bleiben alle unser Lebtag wir Studenten:
Ich bin Doktor – meine Bilder Patienten!
Daß auch viele mir schon in der Kur gestorben,
Hat die Lust mir am Kurieren nie verdorben;
Aber leider sehen meine Patienten
Nicht als Doktor an mich, sondern als Studenten.

Tizians Himmelfahrt Mariens

Hättst du doch, goldner Tizian,
(Und mit dir auch noch andre)
Gemalt nicht, wie so himmelan
Maria leiblich wandre;
Hättst du dies Frauenkonterfei
So himmlisch nicht beschrieben:
Ein Dogma wär' – ich bleib dabei –
Vielleicht erspart uns blieben.

Sprüche

Glücklich macht dich das Wissen,
Selig aber dein Gewissen!

Ein jeder Mensch ist Patient
Und eigens zu behandeln,
Doch schmecken die Rezept' am End'
Fast all nach bittern Mandeln!

Hast du Humor, so laß ihn auch sprudeln,
Nie aber soll er dudeln und sudeln! –

Und komme auch,
Was es da sei:
's ist Künstlerbrauch:
Der Kunst bleib treu!

Dein Gedicht zum Revidieren
Traue keinem Dichter an!
Wie bei Malern könnt's passieren,
Daß der Meister malt daran!

Im Schaffen nur sind' Freud' und Glück,
Laß keine Müh' dich reuen!
Und was du schufst, blickst einst zurück,
Soll andere stets erfreuen!

Das Schönste, was der Dichter singt,
Unmöglich ist's zu malen!
Das Schönste, was der Maler bringt,
Mit Worten nicht zu lallen!

Gib allerorten
Immer hin
Mit kurzen Worten
Langen Sinn.

Rezept zu einem guten Schlafe

Beschwere dein Gewissen nicht,
So detto nicht den Magen.
Doch was bei dir Gewissen ist,
Mußt du dir selber sagen.

Para pacem si vis bellum!

's ist nur umgedrehte Wortung!
Sattle ab dein Streiterroß,
Bring nur alles hübsch in Ordnung,
Geht gewiß der Teufel los.

An Pocci!

Was hebt und engt die Menschenbrust
Zu sagen, ist euch unbenommen!
Doch er, er singt voll Herzenslust:
»Die Kleinen laßt mir kommen!«

Die Ausgrabungen in Olympia

Und wird die Welt auch noch so alt,
Der Mensch, er bleibt ein Kind!
Zerschlägt sein Spielzeug mit Gewalt,
Wie eben Kinder sind!
Wann alles erst in klein zerstückt
Und nichts mehr zu verderben,
So sucht er wieder – neubeglückt –
Und spielt dann mit den Scherben!

Jetztzeit!

Billig ist die Klassizität, auch jetzt noch so ziemlich in Ehren,
Unseren Firnis und Glanz kannten die Alten noch nicht!

Übrigens wunderbar bleibt, wie doch die Maler, die alten,
Ohne die Photographie brachten es wirklich so weit.

*

Der Architekt baut's Haus!
Die drinnen schmücken's aus!

Des Genügsamen Trost

Behalt' die Perlen und dein Gold,
Behalt' die Diamanten! –
Was tut's, wenn auch Fortuna schmollt
Durch ganze Folianten!
Es bleibt zuletzt doch etwas noch,
Was muß das Herz erheben
Weit über jedes Unbill hoch, –
Und schöner macht das Leben!!
Ach, wenn ich es nicht sagte dir,
Du würdest's nie erraten!
Freund, morgen gibt es Märzenbier
Und Heringe gebraten!

Der Weisheitszahn!

Wart allweil auf den Weisheitszahn,
Die andern fallen aus –
I denk, i zieh mein Pelzrock an
Und geh schön stat nach Haus!
Was hilft denn a dös Warten jetzt
Dös Herstehn da im Schnee;
Da könnt i mi verkält'n z'letzt,
Dös g'scheitest ist – i geh!
Zur Einsicht bin i endli g'langt,
Den krieg i nimmer – i –!
Allweil hat mir vor Weisheit bangt:
An Zahn hat's g'habt auf mi!

Der Karmelitergeist
(Spiritus melissae compositus cecc. Pharmacop.)

Eingeführt im deutschen Land
Habt geistreich ihr das Liter;
Nicht aber Gnade vor euch fand
Ein Geist … der Karmeliter!
Grad sie, die lang Zeit lobesam
Den edlen Geist uns setzten an
Für so Gebrest, das jedermann
Im Deutschen Reich befallen kann …
Die müssen fort! … 's ist bitter!

Die Orden

Wenn einer einen Orden kriegt,
Bei uns ist's so der Brauch,
Sagt jeder grad zu ihm ins G'sicht:
»Verdient hätt' ich ihn auch!«
Wahrhaft erfreulich ist dies schon,
Es gibt ein treues Bild!
Wie hoch muß stehen die Nation,
Wo jeder sich so fühlt!!

Berg und Tal

Erst auf den höchsten Zinnen
Die mühsam du erklommst,
Wird's hell in deinen Sinnen,
Dem Himmel näher kommst!
Willst du ein Weilchen selig sein,
Dann leg' dich auf den Bauch
Dort in die nächste Wiese 'nein
Inmitt der Blumen Hauch!
So bist der Gottheit näher,
Das Herz, es schlägt dir froh:
Nur meide nahe Späher,
Die finden so was roh!

I möcht a Klausner wer'n …

Oft is mir kommen so in Sinn:
I möcht a Klausner wer'n!
Adje, du schöne Welt, fahr hin,
Will nix mehr von dir hör'n!
Wenn aber i dem Maderl so,
So recht in d' Aug'n guck,
Da bin i weg – i woaß net wo –
Dös bringt mi wieda z'ruck!
I bleib a do, 's is alles recht!
I mag ka Klausner wer'n!
Mei Klausen do is a net schlecht …
Grad nüber tuat's loschern!
Da schau i halt den ganzen Tag
So in ihr Zimmerl nein –
A oanzig Wörtl! wenn's mi mag:
Z' Micheli ziag i ein!

Mein Stübchen!

Nicht kleinste Freude noch auf Erden
Ist mir mein Stübchen spät bei Nacht;
Des Tages Mühsal und Beschwerden
Bei Lesen mich vergessen macht!
»Wohl besser in geselligen Kreisen
»Froh auszutauschen, was erhebt;
»Du wähnst wohl gar dich einen Weisen
»Der selber schon genug gelebt.
»Wer doch bei solch Schartekenhocken
»Einseitig, tot nicht werden müßt'?!
»Kann dich kein Freundeszirkel locken,
»Wo ein lebendig »Du« dich grüßt?«
Verzeih, wenn ich so minder Nutzen,
Belehrung minder finden kann! –
Und wenn dort andere lernen sich »duzen«,
Red' ich mich auch mit »Sie« nicht an!

Lebensregel!

Wenn dir's vergönnt je, dann richt' es so ein,
Daß dir ein Spaziergang das Leben soll sein!
Stets schaue und sammle, knapp nippe vom Wein,
Mach' unterwegs auch Bekanntschaften fein,
Des Abends kehr' selig bei dir wieder ein
Und schlaf in den Himmel, den offnen, hinein!

Lebens-Alpenfahrt!

Stets wandeln wir dem Abgrund dicht,
Wo Tief und Dunkel schrecken,
Aus dem ein Tod und letzt Gericht
Die Drachenhälse recken!
Wir wandeln, ahnen nicht Gefahr,
So sorglos hin wie Kinder …
Da strauchelst du und gleitest gar
Und gleitest ab geschwinder!
»Jetzt gilt's! Ist keine Latsche da,
An der du dich kannst halten?
Umfassen nicht, dem Sturze nah,
Dich rettende Gestalten? …
Humor, so heißt die Latsche schlicht
Gleich Göttern hochgeboren –
Erhaschst du sie im Gleiten nicht,
Dann, Freund, bist du verloren!

Ich mußte gleichwohl sinnen,
Wenn nichts ich auch ersann;
Hab' lange so gesonnen,
Merk' nun, daß ich nichts kann,
Und komm' am Lebensende
Als Lehrling wieder an!

Hin eilen die Sterne weit
In endlosem Schwung!
Schon morgen um die Zeit
Bist nimmer so jung!
Umarme hinieden
Die Gegenwart froh:
Was heut dir beschieden,
Nicht morgen ist's so!

Gedanken, weisheitsvoll,
Wenn ich sie jemals hab':
Sie brachen immer mir
Beim Bleistiftspitzen ab!

*

Mit Schmerzen durftst du auf die Welt;
Du weißt nichts mehr davon –
Mit Schmerzen mußt du aus der Welt:
Du merkst es leider schon!

Schenkt dir ein höheres Alter Gott,
Dann bitt' aus tiefster Brust,
Daß manches noch erleben darfst,
Doch nicht zu viel erleben mußt!

Du wappnest dich mit Panzerketten,
Mit Schild und Haube fest aus Stahl:
Der Todespfeil, nichts kann dich retten,
Durchdringt die Fugen überall!
Und du erliegst! – Sei, Freund, doch weise,
Schnell zieh den schweren Panzer aus,
Der dich beschwert nur auf der Reise,
Hemdärmlig wage keck den Strauß!
Ein Held, er beut die Brust dem Schusse,
Der mitten zielt ins Herz hinein,
Und lächelnd wie zum Abschiedsgruße
Geht er in seinen Himmel ein!

Epilog

Oft denke ich an den Tod, den herben,
Und wie am End' ich's ausmach'?!
Ganz sanft im Schlafe möcht' ich sterben –
Und tot sein, wenn ich aufwach'!


Abb. 1

Clara Lechner

Abb. 2

Der Bibliothekar

Abb. 3

Wo brennt's?

Abb. 4

Der Wachposten

Abb. 5

Keine Rosen ohne Dornen

Abb. 6

Der Witwer

Abb. 7

Der Sterndeuter

Abb. 8

Der Porträtmaler

Abb. 9

Heimkehrender Mönch

Abb. 10

Der Maler

Abb. 11

Heimkehr

Abb. 12

Der Bärenführer

Abb. 13

Die Scharwache

Abb. 14

Der Kaktusfreund

Abb. 15

Ständchen

Abb. 16

Das Gespenst

Abb. 17

Wäscherinnen am Brunnen

Abb. 18

Die Geierjagd

Abb. 19

Der Bettelmusikant

Abb. 20

Drachensteigen

Abb. 21

Der Storch

Abb. 22

»Liebe macht blind«

Abb. 23

Schauspielergesellschaft

Abb. 24

Der Nachtwächter