Reime
Malergespräch
»Die Göttin spröd, die dralle!«
»Die Luder malten alle!«
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Maler-Schnadahüpfel
Drauf kimmt dö Lasur
Und durch dös Lasiern
Werd's grad wia d' Natur!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
Die d' Aug'n recht daschreckt,
Die streichst nocha dick hi …
Dös hoaßt ma 'n Effekt!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
Als wann g'mauert wer'n müaßt,
Daß d' Nachwelt kann greif'n,
Wann d' Farb eppa schiaßt!
… Hu-i-di-e, Hi-i-di-e!
So glatt und so fein –
Ja, komponieren kunnt i schon, woaßt,
Aber 's fallt ma nix ein!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
Daß i net weit mehr fehl –
Morg'n steht mir dö dick' Köchin
Als Psyche Modell! …
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
Schaugt d' Psyche so aus?
Z'letzt, hol mi der Teufel,
I mach a Sennerin draus!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
In Kritisieren, do sans fix –
Aber selba was macha?
Na – macha könnas nix!
… Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
Isch allweil oan G'schicht:
Es soll si halt raime …
So is a Gedicht!
Hu-i-di-e, Hu-i-di-e!
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Ich als Maler
Ich bin Doktor – meine Bilder Patienten!
Daß auch viele mir schon in der Kur gestorben,
Hat die Lust mir am Kurieren nie verdorben;
Aber leider sehen meine Patienten
Nicht als Doktor an mich, sondern als Studenten.
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Tizians Himmelfahrt Mariens
(Und mit dir auch noch andre)
Gemalt nicht, wie so himmelan
Maria leiblich wandre;
Hättst du dies Frauenkonterfei
So himmlisch nicht beschrieben:
Ein Dogma wär' – ich bleib dabei –
Vielleicht erspart uns blieben.
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Sprüche
Selig aber dein Gewissen!
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Und eigens zu behandeln,
Doch schmecken die Rezept' am End'
Fast all nach bittern Mandeln!
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Nie aber soll er dudeln und sudeln! –
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Was es da sei:
's ist Künstlerbrauch:
Der Kunst bleib treu!
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Traue keinem Dichter an!
Wie bei Malern könnt's passieren,
Daß der Meister malt daran!
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Laß keine Müh' dich reuen!
Und was du schufst, blickst einst zurück,
Soll andere stets erfreuen!
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Unmöglich ist's zu malen!
Das Schönste, was der Maler bringt,
Mit Worten nicht zu lallen!
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Immer hin
Mit kurzen Worten
Langen Sinn.
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Rezept zu einem guten Schlafe
So detto nicht den Magen.
Doch was bei dir Gewissen ist,
Mußt du dir selber sagen.
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Para pacem si vis bellum!
Sattle ab dein Streiterroß,
Bring nur alles hübsch in Ordnung,
Geht gewiß der Teufel los.
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An Pocci!
Zu sagen, ist euch unbenommen!
Doch er, er singt voll Herzenslust:
»Die Kleinen laßt mir kommen!«
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Die Ausgrabungen in Olympia
Der Mensch, er bleibt ein Kind!
Zerschlägt sein Spielzeug mit Gewalt,
Wie eben Kinder sind!
Und nichts mehr zu verderben,
So sucht er wieder – neubeglückt –
Und spielt dann mit den Scherben!
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Jetztzeit!
Unseren Firnis und Glanz kannten die Alten noch nicht!
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Ohne die Photographie brachten es wirklich so weit.
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Die drinnen schmücken's aus!
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Des Genügsamen Trost
Behalt' die Diamanten! –
Was tut's, wenn auch Fortuna schmollt
Durch ganze Folianten!
Was muß das Herz erheben
Weit über jedes Unbill hoch, –
Und schöner macht das Leben!!
Du würdest's nie erraten!
Freund, morgen gibt es Märzenbier
Und Heringe gebraten!
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Der Weisheitszahn!
Die andern fallen aus –
I denk, i zieh mein Pelzrock an
Und geh schön stat nach Haus!
Dös Herstehn da im Schnee;
Da könnt i mi verkält'n z'letzt,
Dös g'scheitest ist – i geh!
Den krieg i nimmer – i –!
Allweil hat mir vor Weisheit bangt:
An Zahn hat's g'habt auf mi!
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Der Karmelitergeist
(Spiritus melissae compositus cecc. Pharmacop.)
Habt geistreich ihr das Liter;
Nicht aber Gnade vor euch fand
Ein Geist … der Karmeliter!
Grad sie, die lang Zeit lobesam
Den edlen Geist uns setzten an
Für so Gebrest, das jedermann
Im Deutschen Reich befallen kann …
Die müssen fort! … 's ist bitter!
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Die Orden
Bei uns ist's so der Brauch,
Sagt jeder grad zu ihm ins G'sicht:
»Verdient hätt' ich ihn auch!«
Wahrhaft erfreulich ist dies schon,
Es gibt ein treues Bild!
Wie hoch muß stehen die Nation,
Wo jeder sich so fühlt!!
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Berg und Tal
Die mühsam du erklommst,
Wird's hell in deinen Sinnen,
Dem Himmel näher kommst!
Dann leg' dich auf den Bauch
Dort in die nächste Wiese 'nein
Inmitt der Blumen Hauch!
Das Herz, es schlägt dir froh:
Nur meide nahe Späher,
Die finden so was roh!
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I möcht a Klausner wer'n …
I möcht a Klausner wer'n!
Adje, du schöne Welt, fahr hin,
Will nix mehr von dir hör'n!
So recht in d' Aug'n guck,
Da bin i weg – i woaß net wo –
Dös bringt mi wieda z'ruck!
I mag ka Klausner wer'n!
Mei Klausen do is a net schlecht …
Grad nüber tuat's loschern!
So in ihr Zimmerl nein –
A oanzig Wörtl! wenn's mi mag:
Z' Micheli ziag i ein!
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Mein Stübchen!
Ist mir mein Stübchen spät bei Nacht;
Des Tages Mühsal und Beschwerden
Bei Lesen mich vergessen macht!
»Froh auszutauschen, was erhebt;
»Du wähnst wohl gar dich einen Weisen
»Der selber schon genug gelebt.
»Einseitig, tot nicht werden müßt'?!
»Kann dich kein Freundeszirkel locken,
»Wo ein lebendig »Du« dich grüßt?«
Belehrung minder finden kann! –
Und wenn dort andere lernen sich »duzen«,
Red' ich mich auch mit »Sie« nicht an!
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Lebensregel!
Daß dir ein Spaziergang das Leben soll sein!
Stets schaue und sammle, knapp nippe vom Wein,
Mach' unterwegs auch Bekanntschaften fein,
Des Abends kehr' selig bei dir wieder ein
Und schlaf in den Himmel, den offnen, hinein!
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Lebens-Alpenfahrt!
Wo Tief und Dunkel schrecken,
Aus dem ein Tod und letzt Gericht
Die Drachenhälse recken!
So sorglos hin wie Kinder …
Da strauchelst du und gleitest gar
Und gleitest ab geschwinder!
An der du dich kannst halten?
Umfassen nicht, dem Sturze nah,
Dich rettende Gestalten? …
Gleich Göttern hochgeboren –
Erhaschst du sie im Gleiten nicht,
Dann, Freund, bist du verloren!
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Wenn nichts ich auch ersann;
Hab' lange so gesonnen,
Merk' nun, daß ich nichts kann,
Und komm' am Lebensende
Als Lehrling wieder an!
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In endlosem Schwung!
Schon morgen um die Zeit
Bist nimmer so jung!
Umarme hinieden
Die Gegenwart froh:
Was heut dir beschieden,
Nicht morgen ist's so!
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Wenn ich sie jemals hab':
Sie brachen immer mir
Beim Bleistiftspitzen ab!
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Du weißt nichts mehr davon –
Mit Schmerzen mußt du aus der Welt:
Du merkst es leider schon!
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Dann bitt' aus tiefster Brust,
Daß manches noch erleben darfst,
Doch nicht zu viel erleben mußt!
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Mit Schild und Haube fest aus Stahl:
Der Todespfeil, nichts kann dich retten,
Durchdringt die Fugen überall!
Schnell zieh den schweren Panzer aus,
Der dich beschwert nur auf der Reise,
Hemdärmlig wage keck den Strauß!
Der mitten zielt ins Herz hinein,
Und lächelnd wie zum Abschiedsgruße
Geht er in seinen Himmel ein!
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Epilog
Und wie am End' ich's ausmach'?!
Ganz sanft im Schlafe möcht' ich sterben –
Und tot sein, wenn ich aufwach'!
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Abb. 1
Clara Lechner
Abb. 2
Der Bibliothekar
Abb. 3
Wo brennt's?
Abb. 4
Der Wachposten
Abb. 5
Keine Rosen ohne Dornen
Abb. 6
Der Witwer
Abb. 7
Der Sterndeuter
Abb. 8
Der Porträtmaler
Abb. 9
Heimkehrender Mönch
Abb. 10
Der Maler
Abb. 11
Heimkehr
Abb. 12
Der Bärenführer
Abb. 13
Die Scharwache
Abb. 14
Der Kaktusfreund
Abb. 15
Ständchen
Abb. 16
Das Gespenst
Abb. 17
Wäscherinnen am Brunnen
Abb. 18
Die Geierjagd
Abb. 19
Der Bettelmusikant
Abb. 20
Drachensteigen
Abb. 21
Der Storch
Abb. 22
»Liebe macht blind«
Abb. 23
Schauspielergesellschaft
Abb. 24
Der Nachtwächter