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Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln / Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule cover

Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln / Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule

Chapter 152: 38. Eine Dampfwagenfahrt.
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About This Book

A practical handbook for elementary German instruction compiles numerous short original reading pieces, each designed to exemplify a particular grammatical rule and to serve as material for analysis and stylistic exercises. It favors a reading-based method over rote rule memorization, lays out a clear, stepwise progression from the simplest sentence to more complex constructions, and offers abundant material across word classes and sentence types. The collection gives teachers flexible, classroom-ready texts and staged objectives for each grade level, aiming to make grammar lessons concrete and pedagogically efficient.

D. Zusammengesetzte Sätze.

I. Ohne Bindewörter.

32. Der Morgen.

(Zusammenstellend.)

Der Osthimmel röthete sich, der Morgen begann zu dämmern. Die Hähne krähten, die Tauben hoben an zu girren. Die Kühe rasselten mit ihren Ketten, die jungen Rosse wieherten im Stalle. Die Staare ließen ihren Frühpsalm ertönen, die Lerchen stiegen trillernd in die Luft.

Die Frühglocke ertönte, ihr frommes Morgenlied hallte treulich das Thal entlang. Die Gehöfte belebten sich, auf dem schmalen Dorfwege zeigten sich bereits einzelne Landbewohner.

Jetzt war die Sonne über die fernen Berge emporgestiegen, die ganze Natur lag verklärt im Morgenglanze. Die Blumen erschlossen ihre lieben Augen, die Thauperlen blitzten tausendfältig an den Halmen. Die Heerden zogen unter lieblichem Glockengeläute auf die fetten Triften, die Ackersleute führten ihre munteren Gespanne zum Pfluge.

So zeigte sich überall neugestärkte Kraft, so entwickelte sich allenthalben Frische und Lebenslust.

33. Auf dem Meere.

(Desgleichen.)

Der Himmel verdunkelte sich, es ward unheimlich still. Die Seeadler kreischten, die Sturmvögel umschwirrten bereits das Schiff.

Immer dunkler ward der Himmel, näher zog das schwarze Gewölk. Man hört ein fernes Brausen, es erhebt sich der Sturm. Blitze zucken, Donner grollen, die Wellen thürmen sich hoch auf.

Das Schiff wird hin und her geworfen, das Steuerruder droht zu brechen. Der Kapitän commandirt unaufhörlich, die Matrosen fliegen eilend hin und her. Man zieht die Segel ein, die Luken werden geschlossen.

Der Sturm tobt immer wilder, die Wellen gehen immer höher. Plötzlich gibt es einen gewaltigen Stoß, die Masten krachen, die Wände bersten, das Wasser strömt unaufhaltsam ein, das Schiff sinkt. Binnen einer Viertelstunde ist nur die Hauptmastspitze noch von ihm zu sehen, die ganze Bemannung hat ihr Grab in den Wellen gefunden.

34. Der junge Graf.

(Entgegenstellend.)

Ein Haushofmeister gebot seinem vornehmen Schüler zu schweigen, der junge Graf plauderte fort. Der Ungehorsame sollte Latein treiben, er tändelte mit Briefmarken.

Der Lehrer wiederholte bald darauf seinen Befehl sehr ernst, Junker Armin spielte gleichgiltig weiter. Ersterer drohte jetzt mit Bestrafung, der junge Graf lächelte.

Der Hauslehrer besaß viel Geduld, jetzt ging sie zu Ende. Er hatte den jungen Grafen lange genug mit Güte behandelt, heute sollte derselbe seinen ganzen Ernst empfinden lernen.

Der Ungehorsame fürchtete nichts Schlimmes, er täuschte sich. Bald darauf rief ein Diener zur Mittagsmahlzeit, der junge Graf erhielt keine Einladung. Nach Tische fuhr die gesammte gräfliche Familie spazieren, Armin mußte zu Hause bleiben. Armin hatte jeden Abend zwanzig französische Wörter zu lernen, heute mußte er deren noch einmal so viel seinem Gedächtnisse einprägen.

35. Eine Feuersbrunst.

(Desgleichen.)

Die Nacht eines schönen Octobertages war freundlich ins Thal gezogen, sie sollte einen traurigen Ausgang nehmen.

Gegen zwölf Uhr schlugen die Flammen aus dem dürren Strohdache einer alten Mühle, Niemand darin bemerkte es. Schon sprühten einzelne Funken durch die kleinen Fenster, die Mühlbewohner schliefen noch fest.

Die Feuerglocke ertönte, ihr Ruf kam leider viel zu spät. Man setzte die Dorfspritze in Bewegung, die Gluth war nicht mehr zu bezwingen.

Das Leben der Inwohner wurde endlich noch gerettet, ihre Habe ging verloren. Der Abend hatte sie als glückliche Menschen begrüßt, der Morgen sah sie als Bettler.

36. Frühling.

(Begründend.)

Der Frühling nahte, die Menschenherzen athmeten fröhlich auf. Die Sonne schien wärmer, der Schnee schmolz. Der Frost entwich aus dem Erdreiche, frische Pflanzenkeime trieben hervor. Die Luft wehte mild über die Fluren, die Zugvögel kamen herbei. Einzelne Blumen erschlossen bereits ihre Honigkelche, die Oede der Wiesen verschwand. Die Bäume bedeckten sich mit Blüthen, die Bienen verließen ihre Zellen.

Warmer Regen strömte nieder, die Saaten sproßten empor. Alles Leben erwachte aus dem Winterschlafe, überall zeigte sich verjüngte Kraft.

37. Die Sündfluth.

(Desgleichen.)

Die 120 Gnadenjahre waren um, das göttliche Strafgericht begann. Der Regen strömte unaufhörlich hernieder, die Gewässer traten über ihre Ufer. Die Fluthen wälzten sich die Thäler entlang, die Menschen flüchteten auf die Berge.

Die tobenden Wogen stiegen von Tag zu Tag höher, alle Sünder fanden ihren Tod. Noah’s Familie allein blieb übrig, sie war dem Herrn treu gewesen.

Wiederholung.

(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)

38. Eine Dampfwagenfahrt.

Die Bahnhofsglocke läutete, die Passagiere stiegen in die Wagen. Die Locomotive pfiff, der Zug setzte sich in Bewegung.

Anfangs bewegte er sich ganz langsam, nach wenig Sekunden rollte er schon bedeutend schnell, bald sauste er mit voller Kraft dahin. Die Telegraphenstangen huschten blitzschnell vorüber, die Fruchtäcker drängten sich gleich schmalen Bändern an einander, die Waldbäume schienen zu tanzen.

Der Zug durchschnitt herrliche Landschaften, sie konnten nur flüchtig genossen werden. Er jagte ja mit Windeseile dahin, das Auge konnte keinen Ruhepunkt gewinnen.

Inmitten der Fahrt erscholl plötzlich ein Nothsignal, die Fahrgäste erschraken.

Die Schaffner bremsten augenblicklich, Alles drängte an die Wagenfenster, Einzelne schrieen laut auf, Andere wollten durchaus hinausspringen.

Ein Unglück erfolgte nicht, der Zug blieb ruhig stehen. In der Maschine war blos eine kleine Röhre gesprungen, ein solcher Vorfall bringt selten Gefahr. Der Schaden ward ausgebessert, das Abfahrtssignal schrillte aufs neue, bald ratterte der Zug wieder die Schienen entlang. Die Fahrt ging glücklich weiter, die Aufregung unter den Fahrgästen währte noch lange.