II. Mit Bindewörtern.
39. Ein Doppelfest.
(Zusammenstellend.)
In dem Garten des Kaufmanns Löbel herrschte eines Tages ein lustiges Treiben, und dieses Treiben gab für den Beobachter ein liebliches Bild. Der Kaufmann hatte nämlich zwei Söhne, und beide Knaben feierten heute einen Festtag. Bruno beging sein Wiegenfest, und Hugo feierte seinen Namenstag.
Zu diesem Feste nun hatten sie nicht blos ihre liebsten Schulkameraden eingeladen, sondern die Eltern hatten auch noch die Kinder der Nachbarschaft herbeigezogen. Es standen den muntern Gästen nicht allein allerhand Spiele zur Verfügung. sondern es war auch für einen wohlgedeckten Tisch gesorgt.
Bald vertheilte man sich zu den verschiedenen Unterhaltungen, und die Lust nahm ihren Anfang. Die großen Knaben griffen zunächst zu den Armbrüsten, und die jüngeren Gäste eilten zuerst nach den großen Gummibällen.
Hier warf man Reifen, und dort schob eine kleine Gesellschaft Kegel. Eine Anzahl Mädchen spielten Blindekuh, auch das Topfschlagen wurde nicht vergessen. Der kleine Heinrich jagte einen großen Reifen im Garten umher, und der dicke Otto ließ einen bunten Kreisel tanzen. Julchen fuhr einen schönen Puppenwagen, und Marie beschäftigte sich mit allerhand Blumen.
Mitten über dem Garten schwebte ein riesiger Drache, außerdem ließ der Kaufmann auch noch kleine Luftballons steigen.
Bei all dieser Lust entstand weder Streit unter den zahlreichen Gästen, noch bemerkte man ein ausgelassenes Verhalten.
Die Kühle des spätern Nachmittags machte endlich dem fröhlichen Treiben ein Ende, zudem nöthigte auch die sinkende Sonne die fremden Gäste zum Nachhausegehen.
So verstrich das heitere Fest in ungetrübter Freude, und allen Theilnehmern blieb es noch lange in freundlicher Erinnerung.
40. Abend.
(Desgleichen.)
Die Sonne ging unter, und Dämmerung senkte sich auf die Erde nieder. Am Westhimmel strahlte ein leichtes Purpurgewölk, und aus den Fenstern der Berghütte blitzte der Wiederschein des herrlichen Abendgoldes. Der Lerchengesang verstummte, ebenso verhallten die Lieder des Waldes.
Die Heerden zogen still nach ihren Ställen, und die Feldarbeiter schritten ermüdet nach ihren Hütten. Traulich tönte die Abendglocke vom Kirchlein herüber, und manches fromme Herz ward durch diesen Ruf zum Gebet gestimmt.
Immer länger dehnten sich die Baumschatten auf dem Rasen dahin, und immer dichter wob die Dämmerung ihren düstern Schleier. Ueber den Blumen flatterten bereits die fahlen Nachtschmetterlinge, und in den Gehöften begannen die Fledermäuse ihren geisterhaften Kreisflug. Immer stiller ward es rings umher, und immer tiefere Ruhe senkte sich auf die müde Erde.
41. Maß halten.
(Entgegenstellend.)
Die Schädlichkeit jedweder Unmäßigkeit in leiblichen Genüssen ist bekannt, dessenungeachtet fallen der letzteren noch viele Menschen zum Opfer.
Wir sollen uns des Lebens freuen, aber unsere Freude muß in gewissen Grenzen bleiben. Wir dürfen uns an dem köstlichen Weine erlaben, doch darf es dabei nicht zu einem Rausche kommen. Wir dürfen unserem Gaumen durch wohlschmeckende Speisen gütlich thun, gleichwohl darf der Magen nie damit überfüllt werden.
Der Mensch muß die gehörige Zeit schlafen, das Zuviel ist indeß auch hier ungesund. Ein naturgemäßer Schlaf stärkt die Glieder, eine zu lange Ruhe hingegen erschlafft das Nervenleben. Auch der Tanz ist eine erlaubte Freude, nur darf diese kreisende Bewegung nicht bis zur Erschöpfung fortgesetzt werden.
Darum genieße Jeder die Freuden dieses Lebens, allein er halte in allen Dingen Maß.
42. Das Feuer.
(Desgleichen.)
Das Feuer ist eine höchst wohlthätige Gabe des Himmels, aber es hat auch schon unsägliches Unheil angerichtet. Es erhellt in finsteren Nächten unser Stübchen, allein ein einziger Funke von ihm kann unsere ganze Habe vernichten.
Das Feuer macht viele Nahrungsmittel erst genießbar, gleichwohl kann ein einziger allzuheißer Bissen uns zum Essen unfähig machen. Es verleiht unserem Zimmer während der kalten Wintertage eine wohlthuende Wärme, doch haben die glühenden Ofenwände auch schon manchem Unvorsichtigen schmerzhafte Wunden beigebracht.
Das weithin strahlende Licht der Leuchtthürme bewahrte schon manches Schiff vor entsetzlichem Unglücke, indeß die Macht der Flammen sehr vielen Seefahrzeugen einen jammervollen Untergang bereitete.
Die lustig lodernde Pechfackel verherrlicht das Friedensfest, der brennende Pechkranz hingegen ist ein Schrecken des Krieges. Tausende von Lichtern verleihen bei festlichen Gelegenheiten einer Stadt den höchsten Glanz, gleichwohl kann ein einziges Flämmchen davon sie in einen Schutthaufen verwandeln. Der Anblick eines feuerspeienden Berges gewährt ein überwältigendes Schauspiel, die Verheerungen der glühenden Lava jedoch sind entsetzlich anzusehen.
So wollen wir denn für die Wohlthat des Feuers dankbar sein, aber seine Gefahren sollen von uns nie unbeachtet bleiben.
43. Die Schule.
(Begründend.)
Die Schulzeit vergeht schnell, deshalb mußt Du sie gewissenhaft benutzen.
Sei in jeder Stunde streng aufmerksam, denn das Leben erfordert mancherlei Kenntnisse. Uebe Dich sorgfältig in allerlei Fertigkeiten, weil Du dadurch Dein Fortkommen in der Welt finden kannst. Oberflächlich Gelerntes vergißt sich bald wieder, deswegen präge Dir jede Lection recht gründlich ein.
Die Schule sucht den ganzen Menschen zu bilden, mithin muß sich ihr auch jeder Schüler mit all seinen Kräften widmen. Beherzige deshalb vor allen Dingen die heiligen Lehren der Religion, denn daraus gehet das Leben. Ein rechtschaffener Charakter ist ein sicherer Wanderstab, daher eigne Dir schon in der Schule sittliche Grundsätze an. Ein frommes Herz ist der größte Schatz auf Erden, deshalb nimm die Heilswahrheiten aus dem Munde Deines Lehrers gläubig in Dich auf. Die Schule will eben nicht blos Dein irdisches Glück begründen, demnach sorgt sie auch für Deine Seele.
Da Du nun Solches weißt, so richte Dein Verhalten danach ein.
44. Die Kartoffel.
(Desgleichen.)
Die Kartoffel ist das Brod der Armen, deshalb ist Franz Drake durch Einführung derselben zu einem Volkswohlthäter geworden.
In Deutschland tauchte sie zum ersten Male unter Karl’s V. Regierung auf, mithin fällt ihre Einbürgerung in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Der Werth dieser Frucht wurde geraume Zeit nicht recht gewürdigt, daher verzögerte sich die allgemeine Verbreitung derselben. Manchen Regierungen dauerte dies allerdings zu lange, deswegen suchten sie den Kartoffelanbau durch Zwangsmaßregeln zu fördern.
Die Kartoffel hat in der Regel die Gestalt eines Apfels, daher nennt man sie in einigen Gegenden Erdäpfel. Weil ihr Mehl viel Nahrungsstoff enthält, mischt man es oft mit Getreidemehl zu Brod.
Die Kartoffel enthält auch Klebstoff, mithin kann sie zur Gummibereitung verwendet werden. Sie birgt ferner eine gewisse Süßigkeit, und somit findet sie sogar Eingang in Zuckerfabriken. In der Viehwirthschaft spielt sie eine ganz bedeutende Rolle, denn sie ist ein vorzügliches Mästmittel.
Der Kartoffelbau ist übrigens leicht, da diese Frucht fast in jedem Boden gedeiht.
Wiederholung.
(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)
45. Die Jagd.
Das Jagdhorn erscholl, und die Jäger brachen auf. Die Hühnerhunde bellten, auch die kleinen Dachse erhoben ihre Stimme.
Blitzender Reif lag auf den Fluren, zudem drohten die Wolken mit Schnee. Wol blies ein eisiger Wind von Westen nach Osten, aber der Waidmann fürchtet sich vor Kälte nicht.
Die Jäger gingen jetzt auseinander, jeder indeß behielt Linie. Die Hunde drängten vor, allein man hielt sie noch zurück. Bald fielen einzelne Schüsse, aber es fiel kein Hase. Die Ladungen hatten gefehlt, weil man aus zu großer Ferne geschossen hatte. Später traf jeder Schuß, denn die Jäger waren jetzt ihrer Beute näher.
Das Revier war endlich abgejagt, deshalb blies man zum Rückzuge. Das Jagdglück hatte sich günstig gezeigt, darum genoß man nun unter großer Heiterkeit das Mittagsbrod.
46. Der Brudermord.
(Desgleichen.)
Kain bestellte eines Tages seinen Acker, und Abel hütete seine Schafe. Beide waren Brüder, aber ihre Gemüthsart war sehr verschieden.
Kain’s Brust erfüllte die Mißgunst, weshalb er wol auch stets mit Neid auf seinen Bruder blicken mochte. Den Abel beseelte Frömmigkeit, auch trug sein ganzes Wesen das Gepräge der Sanftmuth.
Beide Brüder zündeten eines Tages Feuer an, denn jeder gedachte dem lieben Gott ein Opfer zu bringen. Kain opferte Früchte des Feldes, Abel dagegen verbrannte ein Schaf.
Die Opferfeuer züngelten gleichmäßig empor, die Rauchsäulen indeß nahmen eine verschiedene Richtung an. Der Rauch von Abel’s Opfer stieg in geraden Linien zum Himmel hinauf, der von Kain’s Opferaltare hingegen wälzte sich in dichten Wolken auf der Erde hin.
Das sah Kain, und sein Herz ergrimmte. Sein Bruder dünkte ihm ein besonderer Liebling Jehovah’s zu sein, somit aber war er ihm ein Dorn im Auge.
Der entsetzliche Neid trieb ihn nicht nur zum Hasse, sondern seine lieblose Seele wurde auch sofort mit Zorneswuth erfüllt.
Kain dachte in diesem Augenblick weder an den allwissenden Gott, noch kümmerten ihn die Eltern daheim. Die Mörderkeule zuckte nieder, und sein Bruder Abel stürzte todt zu Boden.
47. Entstehung des Brodes.
(Mit und ohne Bindewörter.)
Das Feld wird bestellt, der Landmann streut Samen aus, der Himmel gibt Regen und Sonnenschein, die Saaten gehen auf, sie grünen und wachsen, der Sommer bringt sie zur Reife, der Schnitter mäht sie ab, die Scheune nimmt die vollen Garben auf, der Dreschflegel stäubt die Aehren, der Mühlstein zermalmt die Körner, der Bäcker knetet den Teig, der Backofen vollendet das Gebäck und der Mensch genießt das Brod.
48. Ein Haus.
(Desgleichen.)
Das Haus hat zu kleine Fenster, sein Dach ist nur von Stroh, der Garten darum hat keine Obstbäume, auch ist das Futter darin nicht gut, die ganze Lage ist zu winterlich und die Umgebung zu einförmig, darum kaufe ich das Grundstück nicht.
49. Eine Luftschifffahrt.
(Mit und ohne Bindewort. Zusammenstellend, entgegenstellend und begründend.)
Der Luftballon hatte seine Füllung erhalten, sein Leib war mächtig geschwollen, fast wie ungeduldig drängte er nach der Abreise.
Wir stiegen drei Mann hoch in die von Weidenruthen geflochtene Gondel, und ich nahm sofort auf einem kleinen Sessel Platz. Wir freuten uns auf die seltene Fahrt, aber dennoch klopften unsere Herzen vor Bänglichkeit. Das Luftmeer ist an Gefahren dem Weltmeere gleich, denn auch jenes hat keine Balken.
Ein Signal erscholl, die Stricke wurden gelöst, der Ballon erhob sich. Die versammelte Menge wünschte uns glückliche Fahrt, Hunderte von Tüchern winkten uns den Abschiedsgruß, Tausende von Augen folgten unserem Fluge.
Unser Luftschiffskapitän warf eine Anzahl Gedichte auf die Zuschauer hinunter, auch schoß er ein Pistol in die Luft hinaus ab. Die Menge tief unten jauchzte dabei laut auf, mich durchrieselte ein bängliches Frösteln.
Unser Luftfahrzeug schlug anfänglich die Richtung nach Osten ein, bald indeß wurde es von dem Winde nach Süden getrieben. Pfeilschnell stieg es empor, dennoch erfolgte sein Flug gänzlich geräuschlos.
Die Wolken näherten sich merklich, die Landschaft unter uns trat immer mehr zurück. Unsere Blicke gewannen ein immer größeres Aussichtsfeld, dagegen schmolzen die Gegenstände auf der Erde zu immer kleineren Gestalten zusammen. Die Menschen erschienen nur noch in der Größe von schwarzen Ameisen, die Flüsse schlängelten sich wie schmale Silberschnuren dahin, die Wälder glichen großen Tinteklecksen, und die Berge amen uns wie winzige Hügel vor. Die Luft wurde jetzt nicht nur mit jeder Sekunde dünner, sondern die Temperatur sank auch merklich herab, und somit hatten unsere Lungen tüchtig zu arbeiten.
Wir mochten etwa eine Stunde unterwegs sein, da beschloß unser Kapitän den Rückzug. Er stieg an einer Strickleiter empor, und gleich darauf entstand ein kleines Geräusch. Er hatte ein Ventil geöffnet, ein Theil der eingeschlossenen Luft entwich, das Schiff begann zu sinken.
Ich hatte das Landen oft als ziemlich gefahrvoll schildern hören, deshalb wurde mir jetzt wieder nicht wohl zu Muthe. Zu unsern Gunsten war vollkommene Windstille eingetreten, kein Lüftchen regte sich. Der Ballon sank immer tiefer und schwebte jetzt etwa noch thurmhoch über einer ebenen Flur. Der Anker sank hinab, das Ventil öffnete sich noch einmal kräftig, die Luft strömte zischend aus, und der gespannte Riesenleib legte sich allmälig in Falten. Plötzlich gab es eine Art Stoß, und gleichzeitig erscholl aus dem Munde des Kapitäns ein Hurrah!
Der Ballon stand still, weil der Anker Boden gefaßt hatte. Bald standen wir wieder auf festem Grunde, und ich war außerordentlich befriedigt, denn eine solche Luftreise bietet ein unbeschreiblich wunderbares Schauspiel.
Hauptwiederholung.
(Zusammengezogene und zusammengesetzte Sätze.)
50. Der letzte Klos.
Hans und Görge waren eines Tages die Letzten am Tische. Hans hatte seinen Sitz auf des Vaters Stuhl eingenommen, der kleine Görge dagegen kniete auf einer breiten Lehnbank.
In der Schüssel befand sich noch ein einziger Klos und etwas Brühe. Beides waren die letzten Ueberreste vom Mittagsbrode, denn das Mittagsmahl war vorüber, und die Tischgäste hatten sich eben entfernt.
Hans und Görge stierten nicht blos sehnsüchtig, sondern auch habgierig den dicken und zugleich fetten Klos an. Jeder wollte ihn haben, keiner gönnte ihn dem andern, denn in beider Herzen wohnten Neid und Mißgunst. Ihre Augen funkelten, ihre Lippen glitschten im Vorgeschmacke des Leckerbissens. Einer beobachtete heimlich die Miene des andern, keiner aber wagte irgend eine Bewegung.
Der Appetit und die Ungeduld schienen sich indeß bei beiden Brüdern von Minute zu Minute zu steigern, zudem konnte ja auch jeden Augenblick die Mutter kommen und den Speiserest forttragen.
Da endlich streckte Hans beide Hände aus und faßte die Schüssel am Rande. Im Nu aber packte sie Görge an der entgegengesetzten Seite, denn er wollte sich den fetten Bissen durchaus nicht so mir nichts dir nichts entreißen lassen, am allerwenigsten sollte ihn Hans ohne alle Hindernisse verschlucken dürfen.
Nun aber entspann sich ein ebenso heftiger als lächerlicher Kampf. Hans zog hin, Görge her, und zwar erfolgte dieses Hinundher zusehends schneller und mit merklich sich steigernder Erbitterung und Wuth. Der arme Klos hatte es am übelsten dabei, denn er wurde unbarmherzig in der Schüssel herumgekollert und hätte vor Angst bersten mögen.
Der brüderliche oder vielmehr unbrüderliche Kampf war jetzt aufs Höchste gestiegen, die Brühe spritzte nach allen Seiten hin, und der gute Klos rannte wie verzweifelt an den Schüsselwänden empor. Da aber trat schnell und unerwartet ein tückisches Ereigniß ein, und Kampf und Sieg waren entschieden. Plötzlich brach nämlich die Schüssel mitten entzwei, die schöne Brühe ergoß sich auf das Tischtuch, und der befreite Klos kugelte vom Tische herab auf den Dielen dahin. In demselben Augenblicke aber sprang Ami unter dem Ofen hervor, fing den Klos auf, that einen kräftigen Schluck, und weg war er.