II. Prädikatsätze.
58. Gott und der Mensch.
Gott ist, der er war. Gott ist auch, der er sein wird. Er bleibt, der er stets gewesen.
Der Mensch dagegen bleibt nicht, der er war. Wol aber wird er einst, was er war.
Auch ich werde wieder, was ich einst gewesen. Der Leib verwandelt sich in Erde. Somit wird so manches Menschen höchster Stolz im Grabe, was er im Leben gleichgiltig mit Füßen trat. Eine große Thorheit ist es, daß man dies zu oft vergißt.
Die Gräber sind es, woran des Lebens ernsteste Gedanken geschrieben stehen. Die größte Weisheit ist, daß man diese Schrift zu lesen versteht. Sie ist übrigens derartig, daß sie Jeder lesen kann. Demuth sei es daher, wonach wir stets trachten wollen.
Hauptwiederholung.
(Subjectiv- und Prädikatsätze.)
59. Ein trauriger Pfad.
Gefährlich ist es, des Lasters Bahn zu gehen. Was anfänglich genußreich erschien, wird gar zu oft die Ursache bitterer Schmerzen. Worüber der Sinnenmensch früher jubelte, erscheint ihm später nicht selten als Gegenstand der Reue.
Der Lasterhafte wird endlich, was der Sklave an der Kette ist. Er ist somit, was er um Alles in der Welt nicht sein will. Sein Bestes zu bedenken, kommt ihm nicht in den Sinn. Das Ende seiner Lebensweise zu erwägen, vermeidet er absichtlich.
Sich selbst zu beherrschen, mangelt ihm die Kraft. Wozu ihn sein Gelüste treibt, wird seine nächste Aufgabe. Wohin der Rausch führen könne, kümmert ihn nicht.
Aber der anfangs blumenreiche Lasterpfad bleibt nicht, wie er war. Was anfänglich Rosen waren, sind zuletzt nur noch Dornen. Was den Körper zu oft erquickt, richtet ihn zu Grunde. Was den Geist rauschartig aufregt, stumpft ihn ab.
Der Schwelger wird als Jüngling, was der Greis in späteren Tagen ist. Der Fluch der Sünde ist es, worin er seinen Untergang findet.