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Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln / Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule

Chapter 177: 74. Der sterbende Löwe.
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About This Book

A practical handbook for elementary German instruction compiles numerous short original reading pieces, each designed to exemplify a particular grammatical rule and to serve as material for analysis and stylistic exercises. It favors a reading-based method over rote rule memorization, lays out a clear, stepwise progression from the simplest sentence to more complex constructions, and offers abundant material across word classes and sentence types. The collection gives teachers flexible, classroom-ready texts and staged objectives for each grade level, aiming to make grammar lessons concrete and pedagogically efficient.

III. Beifügesätze.

1. Vollständige Beifügesätze.

60. Ein Schulkreuz.

(Der Beifügesatz zuletzt.)

Theodor gehörte zu den Schülern, die dem Lehrer Noth machen. Er zeigte ein Betragen, das keineswegs löblich war. In seinem ganzen Wesen lag ein Stumpfsinn, der ihn für jeden Tadel gleichgiltig machte. Aus seinem Auge aber sprach dabei eine gewisse Tücke, die ihn als einen gefährlichen Nachbar erscheinen ließ.

Seine Arbeiten waren oft von einer Beschaffenheit, die den Lehrer in Aufregung versetzte. Oft brachte er Exempel, die er nicht selbst gerechnet hatte. Zuweilen lieferte er einen Aufsatz ab, der durchaus nicht aus seiner Feder geflossen war. Nicht selten legte er Zeichnungen als die seinigen vor, die fremde Hände ausgeführt hatten.

Er war demnach ein Schüler, der log. Er war ein Mensch, der betrog.

Natürlich erhielt Theodor Strafen, die sehr empfindlich waren. Er bekam Censuren, die fast nicht schlechter sein konnten.

Der Lehrer wies ihm endlich einen Platz an, der ihm zur großen Schande gereichen mußte. Theodor’s Hände mußten zuletzt sogar Bekanntschaft mit dem Dinge machen, das man gewöhnlich nur zum Linienziehen verwendet. Trotzdem aber blieb er ein Schüler, der für die Schule ein Kreuz war.

61. Ein muthiger Knabe.

(Der Beifügesatz in der Mitte.)

Ein Knabe, der im Walde Beeren suchte, fühlte Hunger. Er setzte sich deshalb unter einer Eiche, die mit ihren riesigen Aesten viel Schatten bot, nieder. Ein Stück trockenes Brod, das er aus der Tasche zog, diente ihm als Mahl. Die Beeren, die er bereits gepflückt hatte, rührte er indeß nicht an.

Bald war die höchst einfache Mahlzeit, die ihm jedoch vortrefflich gemundet, beendet. Da fühlte er plötzlich an dem einen Fuße, den er an einen Stein gestemmt hielt, einen stechenden Schmerz. Fast zu gleicher Zeit huschte eine Otter, die er sofort für die Kreuzotter erkannte, unter den Stein.

Der Knabe, der sich sofort von der Natter gebissen hielt, erschrak über die Maßen. Ihm war die Gefahr, die aus einem solchen Bisse entsteht, aus der Naturgeschichte bekannt. Ihm war aber auch das Mittel, das hier allein retten konnte, nicht verborgen.

Er führte den Fuß, der bereits zu schwellen begann, an den Mund. Hierauf nahm er die verwundete Stelle, die nur unbedeutend blutete, zwischen die Lippen. Nun fing er mit aller Kraft, die seine Lungen gestatteten, zu saugen an. Das Blut, das er auf diese Weise in ziemlichen Massen aussog, spuckte er natürlich aus.

Dieses Aussaugen der Wunde, das er mit allem Eifer betrieb, setzte er wol eine halbe Stunde fort. Darauf hielt er den Fuß, der nicht weiter angeschwollen zu sein schien, in den nahen Waldbach.

Jetzt erst ging der Knabe, der sich indeß ziemlich ermattet fühlte, nach Hause. Die Eltern, welche über das Geschehene in große Aufregung versetzt wurden, riefen sofort einen Arzt herbei. Der betreffende Arzt, der in seiner Kunst wohl erfahren war, erklärte alle Gefahr für beseitigt.

Der Knabe, dessen Geistesgegenwart man allgemein bewunderte, hatte sich selbst von den schrecklichen Folgen eines Otternbisses gerettet.

62. Flora.

(Die Beifügesätze umschreiben ein Eigenschaftswort.)

Flora, welche sehr strebsam war, liebte besonders die Musik. Ihr Ohr, das für die Harmonien sehr viel Empfänglichkeit besaß, lauschte jedem Tone. Kein Genuß ging ihr über das Anhören eines Concertes, das sich einer guten Ausführung erfreute.

Flora besaß einen musikalischen Nachahmungstrieb, der oft Staunen erregte. Melodien, die zum Gemüthe sprachen, spielte sie sofort auf dem Piano nach. Arien, die einen gediegenen Charakter offenbarten, sang sie mit Leichtigkeit nach dem Gehör.

Dieses Talent Flora’s bemerkte ihr Onkel, der ein reicher Mann war. Er ließ ihr sofort musikalischen Unterricht ertheilen, wie er besser wol kaum gefunden werden konnte. Durch seine Verwendung genoß sie überhaupt eine musikalische Ausbildung, die nach jeder Richtung hin ausgezeichnet genannt werden mußte.

Flora machte in kurzer Zeit Fortschritte, die abermals der Bewunderung werth waren. Schon nach zwei Jahren trat sie in dem Theater, welches das größte der Stadt war, als Sängerin auf. Ihr Gesang, dessen Reinheit nichts zu wünschen übrig ließ, fand außerordentlichen Beifall.

Flora, die bei aller Auszeichnung ihre Bescheidenheit bewahrte, ward eine berühmte Sängerin. So hatte jener Onkel, der bei allem Reichthum ein gutes Herz besaß, ihr Glück begründet.

63. Eine Bergpartie.

(Der Beifügesatz umschreibt ein Mittelwort.)

Der Fuß des Berges, den wir besteigen wollten, war erreicht. Unser Führer, der im Reisen wohlerfahren zu sein schien, rieth zu einer kurzen Rast.

Diesem Rathe, der uns sehr wohlgemeint dünkte, folgten wir gern. Schnell warfen wir die Reisebündel, die uns nicht wenig drückten, ab. Ein jeder suchte sich sofort ein Ruheplätzchen, das Schatten gewährte. Bald machte ein Trunk, der uns schier erquickte, die Runde. Auch ein Imbiß, der uns Stärke verleihen sollte, wurde genommen.

Nach einer halben Stunde, die wir traulich verplaudert hatten, setzten wir unsere Reise fort. Langsam stiegen wir den Abhang, welcher indeß bald sehr steil wurde, hinan. Namentlich wurde der Marsch durch das Steingeröll, welches den Pfad bedeckte, ungemein erschwert. Die Alpenstöcke, die wohl mit Eisen beschlagen waren, fanden bei jedem Schritte Verwendung.

Nach einem einstündigen Marsche erreichten wir eine Matte, welche viel Reize bot. Dicht vor einem Felsen stand eine Sennhütte, welche zahlreiche Geisen umlagerten. Freundlich grüßte ihr Geläute, das sanft in die Luft hallte, uns entgegen. Der Anblick der Alpenwiese, die üppig grünte, war für das Auge ein Genuß. In vollen Zügen schlürften wir den Alpenkräuterduft, der uns wahrhaft stärkte.

Mit einem Marschliede, das aufs neue erheiterte, schritten wir über die liebliche Bergeinsamkeit hinweg. Der Punkt, den wir erreichen wollten, lag noch etwa 2000 Fuß hoch. Von jetzt an gab es mitunter Weghindernisse, die nur höchst mühsam zu überwinden waren. Wir gelangten außerdem wiederholt auf Felsenvorsprünge, welche Schwindel verursachten. Unter des Führers Zusprache, die uns ermuthigte, strebten wir indeß vorwärts.

Ohne Kampf, der allerdings ermüdet, kein Sieg. Nach einer Stunde, die uns noch fürchterlich anstrengte, standen wir endlich auf dem Gipfel des Berges. Hier aber lohnte auch der Umblick, der uns förmlich bezauberte, reichlich unsere Mühe.

64. Verschiedene Besitzungen.

(Der Beifügesatz umschreibt ein Besitz anzeigendes Fürwort.)

Das Haus, das mir gehört, steht an einem Bache. Der Freund, welchen ich mein nenne, besitzt auch ein Grundstück. Das Grundstück, das ihm zu eigen gehört, liegt nahe am Walde.

Die beiden Besitzungen, die unser Eigenthum sind, haben beide ihre Vorzüge. Die Lagen, deren sie sich erfreuen, bieten mancherlei Reize. Ziemlich öde ist dagegen die Lage der Villa, die Du angekauft hast. Ein Gleiches gilt von dem Rittergute, das Dein Bruder inne hat. Die Asyle, die Ihr Euch da zu eigen gemacht habt, könnten mir nicht gefallen.

Der Geschmack, den ich in dieser Beziehung besitze, weicht eben von dem Eurigen ab. Die Wünsche, die ich in dieser Hinsicht hege, erstrecken sich auf eine romantische Umgebung. Die Ansprüche dagegen, die Ihr macht, beziehen sich mehr auf eine schöne Einrichtung im Innern der Gebäude.

65. Ein Todtenbette.

(Der Beifügesatz umschreibt eine Ortsbestimmung.)

Das Schloß, das inmitten eines wundervollen Parkes lag, war heute eine Stätte unendlichen Schmerzes. Der große Saal, durch den sonst heitere Musik rauschte, hatte müssen in eine stille Todtenhalle verwandelt werden. Das kostbare Fußgetäfel, über welches oft die geflügelten Füße fröhlicher Ballgäste glitten, trug heute einen Sarg. Dieser Sarg, um den herum unzählige Kerzen brannten, barg einen Jüngling.

Der Todte, auf dem Aller Augen mit tiefer Wehmuth ruhten, war der einzige Sohn des reichen Schloßbesitzers. Theilnehmende Verwandte hatten kostbaren Blumenschmuck gesendet, der vor dem Sarge in sinniger Ordnung aufgestellt war. Riesige Fächerpalmen, die man oberhalb des Hauptes angebracht hatte, bildeten eine Art Himmelbette.

An dem Betstuhle, der dicht neben dem Sarge stand, kniete ein betender Priester. Das Crucifix, das zu Füßen des Paradebettes lehnte, war umflort.

Des Jünglings Vater, der an einer nahen Marmorsäule lehnte, sah in stummem Schmerze vor sich nieder. Die Mutter, welche dicht hinter ihm stand, barg ihr thränenzerflossenes Antlitz in ihr weißes Taschentuch. Sogar des Todten Lieblingshund, der nicht von der Seite des Sarges wich, schien seinen Herrn zu betrauern.

Dieser Todesfall, der bei Alt und Jung die größte Theilnahme hervorrief, zeigte so recht die Ohnmacht des Reichthums. Dieser Schicksalsschlag, der ja doch von oben kam, machte all das irdische Glück der Schloßfamilie zu nichte. Er führte sie aber auch zur Demuth vor dem, der jenseits der Sterne wohnt.

66. Deutschland.

(Der Beifügesatz umschreibt eine Zeitbestimmung.)

Der deutsch-französische Krieg, der nach verhältnißmäßig kurzer Zeit beendet war, ist für die deutschen Länder von großem Segen gewesen. Das Blut, das damals floß, ist nicht umsonst geflossen. Die verschiedenen deutschen Staaten, die es vorher gab, haben sich zu einem großen Ganzen vereinigt. Die vielen deutschen Heerkörper, die sonst unter ebenso vielen obersten Befelshabern standen, stehen nun unter einem einzigen Kriegsherrn.

Die mancherlei deutschen Stämme, die sich vor kurzem noch mehr oder weniger von einander absonderten, reichen sich jetzt die Bruderhand. Aus den einzelnen Gebieten, welche vordem zerstückelt umherlagen, ist ein einziges großes Reich erstanden. Das Deutschthum, das zeither von gewissen Nationen über die Achsel angesehen wurde, hat sich eine außerordentliche Geltung erobert. Selbst der gewöhnliche Mann, der sonst auf seine Angehörigkeit wenig Gewicht legte, fühlt sich jetzt als Deutscher.

Aber die Sonne, die nach jenem glücklichen Kriege über unser Vaterland aufgegangen ist, hat auch sonst noch große Veränderungen bewirkt. Die Milliarden, die noch heute als Kriegsentschädigung nach Deutschland einwandern, haben in der Verkehrswelt einen großen Umschwung hervorgebracht. Der Unternehmungsgeist, der allerdings den Deutschen stets innewohnte, hat gegenwärtig einen ungeheuren Anlauf angenommen.

Dadurch sind freilich die Arbeitskräfte, welche bisher in ziemlich genügender Zahl vorhanden waren, rar geworden. Infolge dessen haben sich die Arbeitslöhne, die vor dem Kriege mäßige waren, fast um das Doppelte gesteigert. In gleichem Maße sind die Lebensmittelpreise, wie wir sie im Jahre 1870 kannten, in die Höhe gegangen.

Doch das, was einst war, müssen wir vergessen lernen. Halten wir trotzdem unser liebes Deutschland, wie es jetzt ist, hoch und hehr.

67. Der Lebensmüde.

(Der Beifügesatz umschreibt eine Art und Weise.)

Ein Greis, welcher unter vielen Lebensstürmen ergraut war, wollte sich in die Einsamkeit zurückziehen. Zu diesem Zwecke ließ er sich am Ende seines Vaterdorfes, dessen Häuser ziemlich zerstreut in einem Thale lagen, eine Hütte bauen. Diese Hütte, die er sich ganz nach seiner Weise einrichten ließ, sollte sein letztes Asyl im Leben sein.

Die Wände, die kaum die Dicke eines Mauerziegels hielten, wurden aus Lehm errichtet. Die Fenster, die beinahe wie Kerkerfenster aussahen, waren durchaus nicht auf viel Stubenhelle berechnet. Das Dach, welches man in einfachster Weise mit Stroh gedeckt hatte, reichte an der Hinterseite fast bis auf die Erde. Auch die innere Einrichtung der Wohnstube, in der man vergeblich nach dem kleinsten Luxus suchte, trug das Gepräge der größten Einfachheit.

Endlich zog der lebensmüde Greis, der längst auf die Vollendung der Hütte gewartet hatte, ein. Er, der lange genug im Schweiße seines Angesichts sein Brod gegessen hatte, pflegte hier nun der Ruhe. Um die Welt, der er unverdrossenen Sinnes seine Kräfte gewidmet hatte, kümmerte er sich wenig mehr.

Seine Welt war jetzt ein kleines Gärtchen, das er ohne alle Anstrengung mit Blumen bepflanzte. Sein treuester Freund war der alte Mops, der ihm beständig auf Schritt und Tritt folgte.

So floß sein Lebensabend, der bei aller Entbehrung doch noch manche stille Freude bot, ruhig dahin. Der stille Rückblick auf die Vergangenheit, die wie ein sturmbewegter See heute vor ihn lag, kürzte ihm die Zeit.

Endlich nahte seine Sterbestunde, der er schon längst ergebenen Sinnes entgegengesehen hatte. Sein Ende, das unter einem gläubigen Gebete erfolgte, war ein sanftes Entschlummern. Die Hütte aber, aus der man den Entschlafenen ohne Sang und Klang zur Ruhe trug, hieß von Stund an das Friedenshäuschen.

68. Vaterlandsliebe.

(Der Beifügesatz umschreibt einen Grund oder Zweck.)

Ein Bauer, der durch eine Erbschaft sehr reich geworden war, hatte einen einzigen Sohn. Diesen Sohn, für dessen Zukunft sich nun eine glänzende Aussicht eröffnete, liebte er mit rührender Herzlichkeit. Sein Gotthold, der wegen seiner guten Aufführung auch im ganzen Dorfe geliebt wurde, war sein größter Stolz. Uebrigens gehörte Gotthold, seines schlanken Wuchses halber, zu den schönsten Burschen der Umgegend.

Da brach ein Krieg herein, der zur Rettung des Vaterlandes geführt werden mußte. Der König, welcher kraft seiner Macht das Kriegsheer verstärken konnte, ließ sofort Rekruten ausheben. Einzelne junge Männer, die aus Furcht vor den Kriegsgefahren entflohen, wurden gewaltsam zurückgebracht. Viele Jünglinge indeß, die um des Vaterlandes willen gern ihr Leben einsetzen wollten, stellten sich freiwillig. Auch Gotthold, der überhaupt für den Soldatenstand schwärmte, eilte aus freiem Entschlusse zu den Waffen.

Wenige Wochen darauf wurde er dem Regimente, das zum Schutze der Hauptstadt bestimmt war, einverleibt. Sein schon betagter Vater, der vor Besorgniß um den einzigen Sohn keine Nacht ruhig schlafen konnte, holte täglich Nachricht über den Stand der Dinge ein.

Da endlich langte gerade an dem Sonntage, der der Erinnerung an die Heimgegangenen geweiht ist, die Kunde von einem blutigen Kampfe um den Besitz der Hauptstadt an. Glücklicherweise ließ die Botschaft von der gänzlichen Niederlage des Feindes, die durch den Telegraphen vermittelt wurde, nicht lange auf sich warten.

Leider hatte Gotthold diesen Sieg, der für die Rettung des Landes den Ausschlag gab, mit seinem Leben bezahlen müssen. Sein Vater, der zwar für den Augenblick von diesem Schicksalsschlage wie zerschmettert schien, brach indeß keineswegs in ein verzweifeltes Wehklagen aus. Er ertrug den Schmerz über den herben Verlust, den er um des Vaterlandes willen erlitten, mit stiller Ergebung. Von seinem Sohne aber, der durch seinen Tod den Sieg erkaufen half, sprach er sein Lebelang mit sichtlichem Stolze.

69. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten.

(Der Beifügesatz umschreibt ein Hauptwort im zweiten Falle.)

Das Gesetz, wonach in Deutschland jetzt jeder gesunde junge Mann zum Militärdienste verpflichtet ist, ist gewiß ein gerechtes. Die frühere Einrichtung, welcher zufolge sich die Söhne der Reichen vom Militär freikaufen konnten, hatte große Schattenseiten. Warum sollte blos der Arme die Pflicht, den Fürstenthron zu schützen, zu erfüllen haben? Warum sollten blos die Söhne unbemittelter Eltern den schweren Eid, nach welchem der Soldat das Vaterland mit Blut und Leben zu vertheidigen hat, auf sich nehmen?

Die Zusicherung, daß Jedermann vom Staate gleichen Schutz genießt, legt auch Allen gleiche Pflichten gegen den Staat auf. Wollen wir also die weise Verfügung, kraft deren jetzt der Millionär neben dem ärmsten Nachtwächterssohne unter der deutschen Fahne steht, freudig begrüßen. Möge jeder junge Soldat den Schwur, vermöge dessen er unverbrüchliche Treue gelobt, in Ehren halten!

70. Das kindliche Spiel.

(Der Beifügesatz umschreibt ein Zeitwort in reiner Form.)

Der Trieb, demzufolge das Kind gern spielt, ist ein sehr natürlicher. Es darf darüber natürlich die Pflicht, die es für die Schule arbeiten heißt, nicht vergessen.

Sehr verschieden ist die Art, in der manche Kinder ein Spiel treiben. Kleinen Kindern muß oft die Weise, nach welcher ein Spiel zu handhaben ist, erst gelehrt werden. Sie zeigen in der Regel anfänglich das Bestreben, daß sie die Spielgegenstände am liebsten zerstören möchten.

Bei geselligen Spielen tritt leider oft die Sucht, daß der Einzelne über die Andern gern herrschen möchte, recht deutlich hervor. Man muß aber diesen Hang, demzufolge ein Einzelner allen Andern befehlen will, unbedingt tadeln. Jedem Mitspielenden muß das Recht, wonach er sich für ein gewisses Spiel entscheiden kann, freistehen.

Ebenso darf auch bei sogenannten Glücksspielen der Wunsch der Kinder, daß sie gewinnen möchten, nie zur Leidenschaft werden. Die Möglichkeit, daß man im Glücksspiele auch verlieren kann, muß jedem Spieler vorweg einleuchten.

71. Räthsel.

(Der Beifügesatz umschreibt ein Doppelhauptwort.)

Alfred und Heino gaben sich gegenseitig Räthsel auf. Alfred brachte folgende zum Vorschein:

Wie heißt das Stroh, womit das Dach man deckt,
Wie nennst du das, drauf man im Bett sich streckt,
Wie heißt das Dach, das man aus Stroh gewinnt,
Und wie der Mann, deß Glieder Stroh nur sind?
Nenn’ mir das Bier, das gleich vom Faß man trinkt,
Und wieder das, das aus der Flasche blinkt.
Wie heißt das Faß, dem frisch das Bier entfließt,
Und wie das Glas, aus dem man Bier genießt?
Wie heißen Maler, die die Stube schmücken,
Und die, die uns durch Landschaftsbilder oft entzücken?
Wie nennst die Stube Du, da still ein Maler schafft,
Und die, drin uns der Schlaf gibt neue Kraft?
72. Die Bienen.

(Der Beifügesatz umschreibt eine Zahlbestimmung.)

Die Bienen eines Stockes, deren Zahl oft 15000 beträgt, bilden eine Art Königreich. Die Honigbienen, die ziemlich stark vertreten sind, erscheinen als die eigentlichen Arbeiter. Die Drohnen, deren Zahl geringer ist, machen den Hofstaat aus.

Neben den Honigzellen bauen die Bienen auch Brutzellen, die man ebenfalls nach Tausenden zählen kann. Die Eier, welche eine gleich große Menge bilden, legt einzig und allein die Königin.

An einem günstigen Tage kann von den Bienen eines reich bevölkerten Bienenstockes eine Honigmenge, die das Gewicht von zehn Pfund erreichte, eingeheimst werden.

73. Biblische Beinamen.

(Der Beifügesatz umschreibt eine Apposition.)

Die Sitte, in irgend einer Weise sich auszeichnenden Menschen einen besonderen Beinamen zu geben, ist uralt. Den ersten erhielt Adam, den man den Stammvater des Menschengeschlechts nannte. Einer gleichen Ehre hatte sich Abraham, der als der Erzvater bezeichnet wurde, zu erfreuen.

Zu diesen bevorzugten biblischen Personen gehört auch der König Salomo, dem man bekanntlich den Ehrentitel „der Weise“ beilegte. Unbestritten aber führt Christus, der als der Sohn Gottes bezeichnet wird, den erhabensten Beinamen.

Die biblischen Beinamen sind indeß nicht immer solcher Natur, daß die betreffende Person dadurch geehrt wird. Wir denken dabei an Herodes, welcher der Grausame benannt worden ist. Auch an Judas, der den Namen „Verräther“ führt, müssen wir uns hierbei erinnern. Ebenso ist Thomas, den man als den Ungläubigen bezeichnet hat, hierher zu rechnen. Nicht minder gehört Antiochus, den man zu den Tyrannen zählt, in diese Klasse.

Wiederholung.

(Alle Arten Beifügungen.)

74. Der sterbende Löwe.

Ein Löwe, der ein hohes Alter auf seinem Rücken trug, lag vor seiner Höhle. Die Mähne, die einst in üppiger Fülle seinen Leib schmückte, hing nur noch in dünnen Büscheln über die Schultern. Das Auge, das sonst feurig durch die Wüste spähte, stierte matt vor sich hin. Aus den früher so mächtigen Tatzen, die sich jetzt auf dem heißen Sande hinstreckten, war alle Kraft gewichen.

Das Mahl, das sich der Löwe gestern herbeigeholt hatte, war von ihm unberührt geblieben. Der gute Appetit, dessen er sich stets erfreute, schien gänzlich verschwunden. Auch an ihm behauptete das Naturgesetz, demzufolge selbst der Stärkste dem Tode verfällt, seine Rechte.

Der Wunsch, daß man den Beherrscher der Wüste gern noch einmal sehen möchte, führte eine Menge Thiere herzu. Darunter befanden sich freilich auch solche, welche die Schadenfreude herbeitrieb. Man sah sogar einige, die nun ihren Haß an dem hinfällig Gewordenen auslassen wollten.

Der Fuchs, der zu den ärgsten Feinden des Löwen gehörte, kränkte ihn mit allerlei beißenden Reden. Der Wolf, dem der Wüstenkönig einmal ein feistes Lamm abgejagt hatte, schimpfte den Sterbenden einen schändlichen Räuber. Ein Büffel, der seit Jahren in Furcht vor dem Löwen lebte, stieß ihn mit seinen Hörnern. Sogar ein träger Esel, der aus bloser Laune den König der Thiere nie leiden konnte, versetzte ihm noch einen Schlag mit seinen Hufen.

Da trat endlich ein Roß, dem der Löwe nur unlängst noch sein Junges zerrissen hatte, herzu. Es richtete sein Auge, dessen Ausdruck von Mitleid zeugte, schweigend auf den Sterbenden. Dieses edle Thier konnte die gemeine Gesinnung, derzufolge man sich an einem unschädlich gewordenen Feinde rächt, nur verabscheuen. Es hielt eine solche Handlungsweise, die nur aus Niederträchtigkeit hervorgehen kann, für die größte Schande.

Der Löwe, dem dieser Edelmuth nicht entging, warf dem Pferde einen dankbar gerührten Blick zu. Bald darauf aber machte der Tod, mit dem er schon geraume Zeit kämpfte, seinem Leben ein Ende.

75. Das Wasser.

(Desgleichen.)

Das Wasser, welches ein tropfbar-flüssiger Körper ist, bedeckt zu zwei Drittheilen die Erdoberfläche. Seine Farbe, die durch die darin aufgelösten Stoffe bedingt wird, tritt verschieden auf.

Fast himmelblau leuchten uns die Spiegel derjenigen Seen, welche sich zwischen den Alpen ausbreiten, entgegen. Im schillernden Dunkelgrün wälzt die Woge, die der Sturm auf dem Weltmeere vor sich her treibt, dem Ufer zu. Fast farblos dagegen erscheint der Strahl, der sich aus dem Röhrbrunnen ergießt.

Außerordentlich mannichfaltig sind die Formen, in denen uns das Wasser begegnet. Als Dunstbläschen, in welche es durch Wärme verwandelt worden ist, steigt es in die Luft. In Tropfen fällt es aus den Wolken, die langsam über unsern Häuptern dahinziehen, herab. Im Frühlinge überzieht es zuweilen die Flur mit Reif, der uns dann als eine Art Feenschleier erscheint. Auch in Gestalt von Graupeln, die in den höhern Luftschichten gebildet werden, bekommen wir es nicht selten zu sehen.

Grausig klingt bei mächtigem Gewitter das Herniederdonnern der Schloßen, die durch ihren Niederschlag oft große Verheerungen anrichten. Alle Eisdecken, welche im Winter die Gewässer tragen, sind Gebilde aus Wasser. Und wem wäre nicht die Entstehung des Schnees, der das Schlummergewand der Erde bildet, bekannt?

Unendlich groß ist der Segen, den das Wasser gewährt. Es erhält alles Leben, das die weite Erde trägt. Selbst das kleinste Pflänzchen, das auf dem dürrsten Sandboden gedeiht, kann ohne Wasser nicht fortbestehen.

Das Wasser trägt auf seinem Rücken Lasten, deren Gewicht Staunen erregen muß. Es setzt gewaltige Räder, durch welche wieder große Maschinen in Thätigkeit gebracht werden, in Bewegung. Durch die Eigenschaft, vermöge deren es sich durch Hitze in Dämpfe verwandelt, wird es für die riesigsten Fahrzeuge zum treibenden Elemente.

Freilich kann auch das Wasser, wenn es zur Flut wird, unsagliches Unheil anrichten. Wer zählt die unglücklichen Opfer, die schon das sturmdurchtobte Meer verschlungen?

2. Abgekürzte Beifügesätze.

76. Bete und arbeite.

Wendler, ein schlesischer Leineweber, hatte vom Leben sehr verkehrte Ansichten. Die Pflicht, sein Daheim zu erhalten, legte er lediglich in Gottes Hand. Die Annahme, Gott erhöre jedes Gebet, verleitete ihn zum Müßiggange. Der Gedanke, einen Tag verfaulenzt zu haben, störte ihn nicht.

Dagegen befriedigte ihn das Bewußtsein, heute wieder ein recht fleißiger Beter gewesen zu sein. Die Hoffnung aber, durch Gebet Alles erreichen zu können, ist eine Thorheit.

Gott, unser wahres Wohl im Auge habend, fordert auch den Gebrauch unserer eigenen Kraft. Er, obgleich von unendlicher Güte, gibt nichts im Schlafe.

Wendler, einst gar nicht unbemittelt, versank mit der Zeit in Armuth. Der Arbeit, dieser Würze des Lebens, hatte er sich gänzlich entwöhnt. Und so wurde er, alle Mahnungen unbeachtet lassend, auch noch ein vollendeter Taugenichts. Endlich mußte Wendler, unter dem Namen Betbruder bekannt, sein Brod sogar vor den Thüren suchen.

Dein Bedürfniß, täglich mit Deinem Gott reden zu müssen, verdränge daher nie den Trieb zur Arbeit. Bei dem Triebe, durch rührige Thätigkeit Dein Auskommen zu sichern, vergiß aber auch nie das Gebet.

Wiederholung.

3. Vollständige und abgekürzte Beifügesätze.

77. Napoleon I.

Napoleon, der Große genannt, war seiner Zeit der Gefürchtete von ganz Europa. Sein Eroberungsgelüste, welches keine Grenzen kannte, erfüllte manchen andern Herrscher mit Zittern. Seine Siege, für ihn selbst freilich oft recht opferschwer, wurden in den deutschen Staaten mit Entsetzen vernommen.

Ein Fürst nach dem andern mußte sich unter sein Scepter, das einer blutigen Geißel glich, beugen. Ein Land nach dem andern fiel seinem Kriegsglücke, das allerdings durch sein großes Feldherrntalent bedingt wurde, zum Opfer.

Somit schien er sein Ziel, Weltherrscher zu werden, wirklich erreichen zu sollen. Der König aller Könige aber, der allmächtige Weltenlenker, gebot endlich den stolzen Wellen. Der Stern, der zeither über dem Haupte des großen Kaisers glänzte, verdüsterte sich.

In der deutschen Nation, durch die Noth geeinigt, zog sich ein schweres Gewitter über ihm zusammen. Seine Macht, die jetzt in höchster Blüthe stand, wurde gebrochen. Auf Leipzigs Ebenen, den ewig denkwürdigen, erlitt er eine seiner furchtbarsten Niederlagen. Eine kleine Insel, welche mitten im Meere liegt, wurde dem Ueberwundenen von seinen Siegern zum Asyl angewiesen. Auf St. Helena beschloß endlich Napoleon, der gefangene Kaiser, sein sturmbewegtes Leben.

Hauptwiederholung.

4. Subjectiv-, Prädikat- und Beifügesätze.

78. Die Sklaven.

Daß es noch immer Sklaven gibt, ist eine beklagenswerthe Thatsache. Auch der Neger ist, was wir sind. Er gehört zu den Menschen, den Ebenbildern Gottes.

Furchtbar schrecklich ist das Loos, das den armen Sklaven beschieden ist. Was des Menschen höchstes Glück ausmacht, ist ihnen für das ganze Leben genommen. Die Freiheit, die goldene, kennen sie nicht. Unter einer Arbeitslast, die oft ihre Kräfte übersteigt, müssen sie ihre Tage verbringen. Die Pflicht, derzufolge sie sich dem Willen ihres Herrn bedingungslos zu unterwerfen haben, wird ihnen meist mit der Knute gelehrt.

Die allerscheußlichsten Scenen, die ein Menschenauge nur sehen kann, bietet ein Sklavenmarkt. Da stehen die armen Schwarzen, mit teuflischer List eingefangen, gleich Opferthieren. Was in ihrem Innern vorgeht, prägt sich in ihren Mienen aus. Ihren Ohren kann nicht entgehen, wie um sie gefeilscht wird.

Ihre allergrößte Besorgniß ist, daß sie von ihren Angehörigen getrennt werden könnten. Auch das Herz, das der Allvater in die Negermutter gelegt, umfängt ja ihr Kind mit zärtlicher Liebe. Auch das Negerkind, obgleich in der Wildniß aufgewachsen, erkennt seine Eltern als die besten Freunde.

Dank sei denjenigen Staaten, welche innerhalb ihrer Grenzen das Unwesen der Sklaverei abgeschafft haben. Ob dies noch in diesem Jahrhunderte allenthalben geschehen wird, ist sehr die Frage. O laßt doch die armen Sklaven wieder werden, was sie einst waren! Erhebt sie wieder zu freien Menschen, die gleiche Rechte mit uns allen haben.