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Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln / Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule

Chapter 186: 2. Nicht wörtlich.
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About This Book

A practical handbook for elementary German instruction compiles numerous short original reading pieces, each designed to exemplify a particular grammatical rule and to serve as material for analysis and stylistic exercises. It favors a reading-based method over rote rule memorization, lays out a clear, stepwise progression from the simplest sentence to more complex constructions, and offers abundant material across word classes and sentence types. The collection gives teachers flexible, classroom-ready texts and staged objectives for each grade level, aiming to make grammar lessons concrete and pedagogically efficient.

V. Anführungssätze.

1. Wörtlich.

90. Die Bibel der Natur.

(Der Hauptsatz voran.)

Gleich der heiligen Schrift ruft uns auch die Natur zu: „Merke auf meine Rede!“ Der zuckende Blitz verkündet uns: „Alles Leben stehet in Gottes Hand!“ Die Lilie des Feldes tröstet: „Gott sorgt auch für dich!“

Das welkende Blatt legt uns die Worte an’s Herz: „Alles Irdische vergeht!“ Ernst murmelt uns das Bächlein entgegen: „Mein unaufhaltsames Dahinrollen ist ein Bild von Deiner Lebenstage Lauf.“

Das Würmchen im Staube spricht: „Groß sind die Werke des Herrn!“ Die Lerche in blauer Höhe jubelt: „Preise mit mir die Güte des Schöpfers!“ Der der Puppe sich entwindende Falter versichert uns: „Auch Du wirst auferstehen!“ Der majestätische Sternenhimmel predigt uns: „Hier sind noch viele Wohnungen!“

91. Beim Brande.

(Der Haupts. zuletzt.)

„Feuer!“ erscholl es mitten in der Nacht. „Eilt zu retten!“ mahnte die Feuerglocke.

„Wo brennt es?“ rief ich zum Fenster hinaus.

„Das Pfarrhaus muß in hellen Flammen stehen“, antwortete mir eine Stimme.

„Es kann auch die Schule sein!“ sagte eine andere.

„Keins von beiden“, versichert der zufällig vorübereilende Nachtwächter.

„Ich muß zu Hilfe eilen“, sagte ich zu den Meinigen.

„Das Erbgericht brennt!“ rief mir beim Austritt aus meinem Hause ein Vorübergehender zu.

„Dieser hat Recht!“ dachte ich beim Anblicke der auflodernden Flammen für mich.

Ich eilte dem Brande zu. Die Feuerwehr war bereits in voller Thätigkeit. Aber welch ein Lärm!

„Zuerst das Vieh retten!“ schrie der Eine.

„Drei Mann aufs Dach des Nachbarhauses!“ befahl ein Anderer.

„Eine Leiter hierher!“ kreischte eine heisere Stimme.

„Richtet den Spritzenstrahl mehr nach der Giebelmauer!“ commandirte der Feuerlöschdirector.

„Mehr Wasser herbeischaffen!“ riefen die Spritzenleute.

Das Hauptgebäude des Erbgerichts brannte nieder.

„Die Verhütung größeren Unglücks ist hauptsächlich der Windstille zu verdanken“, hörte man allgemein aussprechen.

92. Zwiespalt.

(Der Hauptsatz in der Mitte.)

„Womit“, fragte Kunz seine Kameraden auf dem Spielplatze, „werden wir uns denn heute die Zeit vertreiben?“

„Laßt uns“, sagte Hilmar, „Ball werfen.“

„Ball“, fiel Lambert schnell ein, „spiele ich nicht mit!“

„Nun, so wollen wir“, versetzte Hilmar wieder, „den Drachen steigen lassen.“

„Zum Drachensteigenlassen“, bemerkte Ewald, „habe ich wieder keine Lust.“

„Vielleicht“, schlug Hilmar aufs neue vor, „holen wir dann heute einmal alle unsere Reifen herbei?“

„Das Reifenspiel“, fiel Feodor spöttisch ein, „ist ja hauptsächlich eine Beschäftigung für Mädchen!“

„So laßt uns“, nahm hier Kunz wieder das Wort, „Soldaten spielen!“

„Das“, entgegnete Lambert, „wäre mein allerletzter Zeitvertreib!“

„Auf diese Weise“, sagte jetzt Günther, „kommen wir freilich heute zu keinem Zeitvertreibe. Lieber“, fügte er noch hinzu, „mag da jeder für sich spielen!“

Und so wurde es auch zuletzt.

Wiederholung.

(Alle drei Fälle abwechselnd.)

93. Die Weidenraupe.

„Wo kommst Du her?“ fragte Alban den ihm begegnenden Alexander.

„Ich komme“, gab dieser zum Bescheid, „von der Raupenjagd.“

„Und wie steht es mit der Ausbeute?“ fragte Alban weiter.

Darauf erwiderte der Gefragte mit einem gewissen Stolze: „Einen sehr interessanten Fund habe ich gemacht!“

„Wie so?“ versetzte Alban neugierig.

„Ich habe“, sagte Alexander hocherfreut, „eine Weidenraupe gefunden.“

„O Du Glücklicher!“ rief Alban fast etwas neidisch. Gleich darauf aber fügte er hinzu: „Wo wirst Du denn diese Raupe sich verpuppen lassen?“

„Die Weidenraupe“, belehrte jener, „muß man in ein Glas mit Sägespänen aus Weidenholz setzen!“

„Wozu das?“ fragte Alban.

Darauf erwiderte Alexander: „Weil diese Raupe meist vom Weidenholze lebt! Zu dem“, setzte er noch hinzu, „verpuppt sie sich auch stets in Holzspänen.“

„Wie lange liegt sie denn als Puppe?“ fragte Alban wieder.

Mit etwas verwunderter Miene erwiderte Alexander: „Weißt Du denn das nicht selbst aus der Naturgeschichte?“

„Das habe ich wirklich wieder vergessen“, war die Antwort.

„Sie braucht“, fuhr Alexander fort, „volle drei Jahre zu ihrer Entwickelung zum Falter.“

„Entsetzlich lange“, staunte Alban. „Den Schmetterling aber“, bat er, „laß mich dann ja gleich sehen!“

„Das soll geschehen“, versicherte Alexander.

2. Nicht wörtlich.

94. Das Wetter.

(Der Hauptsatz zuletzt.)

Eines Tages trafen sich vier Bauern auf dem Felde. Mit dem Wetter könne man dies Frühjahr doch eigentlich gar nicht zufrieden sein, äußerte Melchior.

Das sei auch seine Ansicht, sagte Samuel. — Er müsse für seine sandigen Fluren etwas mehr Regen wünschen, setzte Wenzel hinzu. — Ihm wären einige Tage Sonnenschein jetzt lieb, meinte Weinrich.

Die Wärme lasse diesmal außerordentlich lange auf sich warten, bemerkte Melchior wieder. — Für seine Saaten aber komme das kühle Wetter gerade recht gelegen, hielt Samuel entgegen.

Ihm sei ein Gedanke beigekommen, bemerkte jetzt Wenzel.

Wenzel möge reden, meinten alle.

Der liebe Gott werde es wol nie allen recht machen können, lautete Wenzel’s Gedanke.

95. Am Krankenbette.

(Der Hauptsatz voran.)

Zwei Aerzte wurden an das Krankenbette eines Kindes gerufen.

Der jüngere Arzt meinte, die argen Kopfschmerzen des Kindes könnten von schlechter Verdauung herrühren. Dem hielt die Mutter des Kindes entgegen, von einem Magenübel ihrer Marie habe sie noch nie auch nur die leiseste Spur entdeckt.

Der ältere Arzt war der Ansicht, es läge hier eine Erkältung zu Grunde. Dazu bemerkte der Vater, das Kind sei seit länger als acht Tagen nicht aus der Stube gekommen.

Beide Aerzte einigten endlich ihre Ansichten dahin, der Kopfschmerz habe seine Ursache in einem bedeutenden Blutandrange nach dem Gehirn. Der junge Arzt schlug nun vor, die Patientin solle in naßkalte Tücher eingepackt werden. Der ältere dagegen äußerte, hier sei ein niederschlagendes Pülverchen ganz am Platze.

Um des lieben Friedens willen beschlossen endlich die zwei Herren, man wolle von beiden Mitteln Gebrauch machen.

96. Der Fund.

(Der Hauptsatz in der Mitte.)

Ein armer Dienstmann fand auf der Straße einen Brillantring. Endlich, murmelte er für sich, habe er doch einmal Glück gehabt. Der Ring, meinte er, sei wenigstens seine zwanzig Thaler werth. Der Verkauf desselben, dachte er weiter, könne keine großen Schwierigkeiten bieten. Er brauche ja nur damit, überlegte er kurz, zum nächsten Goldarbeiter zu gehen.

Da aber mischte sich sein Gewissen darein. Ein unehrlicher Finder, hielt es ihm vor, sei einem Diebe gleich zu achten. Einen Dieb aber, setzte es hinzu, nenne die Bibel ein schändlich Ding. Unrecht Gut, warnte es weiter, habe noch niemals Segen gebracht. Und der Allwissende, mahnte es noch, wisse dergleichen Schlechtigkeiten ans Licht zu bringen.

Dieser innern Warnung, äußerte der Dienstmann nach einiger Erwägung ganz laut, wolle er aber auch folgen. Somit ging er auf die Polizei und meldete den Fund an.

Wiederholung.

(Alle drei Fälle.)

97. Ochs und Esel.

Ein Ochse und ein Esel stritten sich um den Ruhm der größten Klugheit.

Der Ochse meinte, er sei unter allen Umständen der Klügste. Ihm sei die Weisheit gleich angeboren, behauptete der Esel. Schon seine breite Stirn, brummte der Ochs, müsse doch seine Gelehrsamkeit beweisen. Der Esel behauptete dagegen, er würde jedenfalls seiner Zeit das Pulver auch erfunden haben. Gerade diese Eingebildetheit müsse er für einen Beweis großer Dummheit erklären, höhnte der Hornträger.

Diesen unangenehmen Streit, meinten endlich beide, werde der Löwe am besten entscheiden.

Sie gingen zu ihm.

Der Löwe eröffnete ihnen nach kurzer Ueberlegung, sie gehörten beide zu den Narren. Keiner habe in der Dummheit etwas vor dem andern voraus, versicherte er. Das hätten sie, fügte er hinzu, gerade durch ihren Streit bewiesen.

Ochs und Esel wurden auch wirklich jetzt der Meinung, der Löwe habe Recht.

98. Das Gespenst.

(Wörtlich und nicht wörtlich.)

„Hörst Du das Poltern?“ sagte der abergläubische Johann um die Mitternachtsstunde zu seinem Bruder Gottlieb.

„Freilich“, erwiderte dieser, „höre ich es.“

Ob dies nicht gar ein Gespenst sein könne, meinte Johann.

Ihm wolle es, flüsterte Gottlieb, auch ganz so scheinen.

Gleich darauf rief Johann dem neben ihm schlafenden Großknechte zu: „Es sind Gespenster im Hause!“

Im Erwachen äußerte Töffel, er habe das bereits auch verspürt.

„Leuchte nur einmal mit einer Laterne auf den Oberboden“, gebot Gottlieb dem Großknechte.

Da muthe man ihm freilich viel zu, entgegnete dieser.

Johann aber tröstete ihn mit den Worten: „Vor Deinen Fäusten werden schon die Gespenster Respekt haben.“

Töffel stand auf und ging. Bald kehrte er zurück. Fast wie aus einem Munde fragten beide Brüder, was es denn gewesen sei?

Wie man doch aber auch, murmelte der Großknecht verdrossen, gleich eine Mücke für einen Elephanten ansehen könne.

„Aber“, fiel Gottlieb schnell ein, „so gib uns doch nur Bescheid!“

„Das ganze Gespenst war unsere alte Hausmietze“, berichtete jetzt Töffel.

„Wie so denn?“ fragte Johann.

„Sie stak mit dem Kopfe in einem Topfe und konnte nicht wieder heraus“, war die Antwort.

Hauptwiederholung.

(Subjectiv-, Prädikat-, Beifügungs-, Ergänzungs- und Anführungssätze.)

99. Ehre das Alter.

Der alte Römhild, ein achtzigjähriger Greis, saß eines Tages vor der Thür seiner Hütte. Wer ihn kannte, hielt ihn hoch in Ehren.

Ueber seinem Haupte, das die Silberkrone des Alters schmückte, war mancher Sturm hinweggezogen. Er war sich aber bewußt, daß ihn keiner vom Wege der Glaubenstreue abgebracht habe. Er durfte sich sagen, stets rechtschaffen gehandelt zu haben.

Daß er ein höchst ehrwürdiger Greis sei, war in der ganzen Umgegend bekannt. „Vor Vater Römhild,“ hörte man oft sagen, „sollte Jeder die Mütze abnehmen.“

Nicht so dachten zwei gottlose Knaben, deren Vater Frohnvogt im Orte war. Sie spotteten, daß der alte Römhild gar so gebückt dort saß. Sie wollten sich todtlachen, daß die zitternden Hände des Greises kaum das thönerne Tabackspfeifchen zu halten vermochten.

Was die beiden Buben thaten, schmerzte den Alten tief. Sein Grundsatz aber, demzufolge er auch alles Unrecht geduldig ertragen wollte, ließ in seinem Herzen keinen Groll aufkommen.

Ganz freundlich sprach er zu den Knaben: „Tretet doch einmal zu mir heran!“

Sie würden sich hüten, äußerte höhnisch der eine. Und der andere meinte, sie hätten nichts mit ihm zu schaffen.

Darauf nahm Vater Römhild, dem es um die Besserung der beiden Knaben zu thun war, zwei ganz neue Groschenstücke aus der Tasche. „Diese blitzenden Groschen sollt Ihr Euch bei mir holen“, sagte er.

Dieses Angebot reizte die Knaben, den Schritt zu wagen. Sie traten also hinzu.

Vater Römhild faßte, ohne seine freundlichen Züge zu verändern, jeden Knaben bei der Hand. „Ihr habt meiner gespottet“, begann er darauf. „Damit“, setzte er hinzu, „habt Ihr mir sehr weh gethan.“

Bei diesen Worten, die seiner Brust mit einem tiefen Seufzer entstiegen, zitterte eine Thräne von seinen grauen Wimpern. Darauf fuhr er fort: „Werdet Ihr nicht selbst auch einmal alt werden?“ Und weiter fragte er: „Würde Euch denn in Euren alten Tagen der Spott der Jugend gefallen?“

In ähnlicher Weise redete der Alte, der dabei einen wahrhaft väterlichen Ton annahm, noch längere Zeit zu den Herzen der beiden Knaben.

Beide sahen jetzt ein, daß sie sich an dem Alten versündigt hatten. Beide gelobten auch endlich, daß sie sich ein solches Vergehen nie wieder wollten zu Schulden kommen lassen.

Daß ihnen dieses Versprechen wirklich aus dem Herzen kam, sah der Alte an ihren Mienen. Ob sie der Zusage für immer eingedenk sein würden, konnte Vater Römhild freilich nicht wissen. Zur Ehre gereicht ihnen aber noch, daß sie die neuen Groschen durchaus nicht nehmen wollten.

Hoffentlich blieben sie solcher Gesinnung, wie sie jetzt waren.