— Die Überraschungs-Gesellschaft
Papa wollte mich in ein Inschtetut gebn aber Mamma sagte: »Nein, er wird so zurikgeschikt wern, also wozu?« weil die Birger habn wolltn, ich soll fort gehn. Der hibscher junger Mann, der sich dem Fuß gebrochn hat, kann wider ausgehn un das is sehr ergerlich weil mir die gutn Sachn, die ihm meine Schwestern immer schicktn, sehr abgehn wern. Der Mund wessert mir, wenn ich dran denke. Ehrwirdn Herr Slokum kann seine Harfe schon auf dem Weidenbaum hengen, denn Betty erzehlte mir gestern abens im fertraun, Elsbett is schterblich ferlibt in dem Schtadtjungn un Betty ferschteht sich drauf — sie weiß selbs wi das is. Sie hat einem rothaarign Ferehrer, der so ausschaut, wi einer fon den Kirbissen mit einer Kerze drin, mit denen ich sie immer schreke, wenn sehr finster is. Ich glaube sie sollte nich dafor erschrekn — sie sind das follkommne Ebnbild fon ihren Ferehrer.
Herr Jenner, dessn Fuß wider gut is, wahr gestern abens hir, Elsbett besuchn; er sagte er muß morgn in der Schtadt zurick, aber er wird widerkommen. Elsbett wisplte mir zu, es ist schon Zeit zu Bedt zu gehn un so sagte ich: »Gute Nacht Herr Jenner!« un ging so ruig henaus wi ein Lamm, schlich aber dann zurik ins fordre Zimmer un legte mich aufs Sofa, weil ich noch so wach wahr, wi ein Habich un herte Elsbett sagn: »Bleibn sie bis Freitag Herr Jenner; Donnerstag soll eine Iberraschungsgesellschaff feranschaltet wern un ohne sie wolln wir nich gehn. Ich mechte den kleinen Schorschi nicht um der Welt hir habn — ich firchte, er wirde wider was anschtelln — das is der Grund, weshalb ich es ihnen nich sagte, bis er zu Bedt war. Er soll bei Richter Bell sein un wir werdn uns sehr gut unterhaltn.«
Er sagte, er wirde ihr zulib bleibn un drikte ihre Hand wi wenn sie eine Oransche wer. Es muß wahr sein was Betty sagt, sie werdn gewiß heiratn. Ich wollte eine Papirkugl auf ihnen schmeißn, aber ich dachte es is besser wenn ichs nich thu, damit Elsbett nicht denkt ich hab fon der Iberraschungsgesellschaff gehert un lag ganz ruig.
Er fragte sie, ob sie mit Herrn Slokum ferlobt is. Sie sagte sie wirde ihm nich heiratn un wenn er der einziger Mann auf der Welt wer, weil sie nich gut genug is fir die Frau fon einen Predger. Dann fragte er, ob sie filleich gut genug is, um seine Frau zu wern? Ich weiß nich was sie sagte, sie redete so leise, aber er aß sie beina auf, wie wenn si fon Zucker wer un ich schlif ein.
Alles wahr finster, wi ich aufkam un ich schlich so leise hinauf als ich konnte, aber die Schtige krachte un Papa schtirzte heraus un feierte die Pestole ab. Die Kugl riß mir ein kleines Schtick fon meinen rechtn Ohr henunter un machte mich di Treppn henunterfalln so das Papa glaubte er hat dem Einbrecher erschossn. Er nahm die Lampe un Susi un Elsbett schperrtn ihre Thirn zu un schrien inwendig un er un Mamma kamen herunter wo ich ganz zusammgerollt lag un sie rif:
»Oh Gott es is unser liber kleiner Schorschi! Oh mein Sohn mein Sohn!«
Papa seifzte, wi wenn er getroffn gewesn wer, Mamma sah das Blut auf meinen Gesicht un schrie: »Er is tot!«
Aber ich wahr nur ferwundet wi ein Soldat un schprang auf un sagte: »Es is mir nichs geschehn« un dann hadte Mamma wider hesterische Kremfe. Nein so was! Mein Ohr wurde ferbundn un ich wurde zubedt gelegt, wi es schon licht war. Betty brachte mir mein Frihschtik aber nich eimal ihr erzehlte ich fon der Iberraschungsgesellschaff.
Mamma weinte wider ein bischen, wi sie zu mir kam, um nachzusehn. Ich quelte sie, bis sie mich aufschtehn liß. Wi ich angezogn wahr, schlipfte ich unbemerkt henaus lif zu Richter Bell hiniber, fragte nach Fräuln Anna un erzehlte ihr, es keme heut Abens eine große Gesellschaff zu ihnen un sie sollte nur so iberrascht wi meglich sein. Sie lachte un sagte, sie wollte — sie war froh das ichs ihr erzehlte, weil sie jetz ihre Haarwikl nich herausnehmen wollte bis abens un di Polsterdekn aufbreitn un dem Medchen sagn sie soll unter den Bedtn herforkehrn.
Dann ging ich un ladete Frau Tuckins ein, die in Tagarbeit geht un Willi Giles der Weichnwerter bei der Eisnbahn, is mit nur 1 Bein un die Wittwe Robinson di immer unsre Kiche anschtreicht un die zwei Grünmedchen die Schneiderinnen sind — oh, eine ganze Menge Leute, wi im neun Testerment schteht, das man einladn soll, wenn man Gesellschaff gibt — un sie warn alle froh un ferschprachn zu kommen un den ganzn Tag nichs auszuplauschn.
Die Leute, di ich eingeladet hadte, kamen alle sehr zeitlich. Sie warn früer da als alle andere un Richter Bell glaubte es is ein Auflauf weil er ausgegangen wahr un Fräuln Anna war so zohnig, das sie ihren Hut aufsetzte un fortging. Also nahm di Iberraschungsgesellschaff ihren Kuchn un Krem un di Musik un kam damit zu uns heriber, wo sie sich sehr gut unterhiltn.
Papa wahr greßlich ergerlich, weil er un Richter Bell Freinde sind. Er wunderte sich, wer das wider angeschtellt hat. Aber ich dachte, es is doch nich schön, das alle dise Leite weggehn mußtn ohne belegte Buttersemmel oder Kuchn wi wir hadtn! Ich glaube es erzehlte ihm jemand, das es Schorschi war, ders getan hat, weil er so scharf auf mir schaute das ich dachte ich werd ein bischen in den Hof gehn un schaun ob der Mond untergegangen is.
In den Hof war eine fremde Katze. Sie wahr weiß un schwarz geferbt. Ich sagte: »Miez, miez, miez!« aber sie lief dafon. Es roch greßlich so das ich es nich aushaltn konnte un ich ging deswegn henein. Die Leute warn im Schpeiszimmer un nahmen grad Erfrischungen un so ging ich auch henein. Sie schprangen auf un schrien wi wenn ich ein wildes Thir wer. »Oh geh henaus, geh henaus!«
Die Dahmen nahmen ihre Taschnticher form Gesicht wi wenn sie Zahnwee hädtn. Papa pakte mich bei der Schulter un fihrte mich henaus im Schtall setzte mich auf einen Heihaufn un sagte ich soll dort bleibn bis di Gesellschaff fort is.
Das wahr schreklich gemein. Ich herte die Musik schpiln aber ich hadte noch gar nichs gegessn, es war kalt un finster da drin un so ein Geruch das ich beina geschtorbn wär.
Betty kam nach einer Weile heraus un brachte mir ein Schtik Kuchn. Wi sie das Thor aufmachte, scheinte der Mond herein, so das ich sehn konnte wer es wahr.
»Betty, libe Betty,« sagte ich foller Freude, »da bin ich.«
»Oh,« sagte sie, »ich kennte dich mit der Nase findn, Schorschi un wenns noch so finster wer!« un sie lachte, das sie beina zerplatzt wer. Aber ich wahr nich zohnig, weil es so lib fon ihr wahr mir an disn traurign Plaz etwas zu essn zu bringen.
Ich fragte sie ob sie bei mir bleibn will, aber sie hadte zufil zu thun. Sie sagte sie wird mir so schnell sie nur kann mein andres Gewand bringen. In einer halbe Schtunde filleich, brachte sie mirs un sagte ich soll heneinkommen wenn ich angezogn bin.
Betty is ein fortreffliches Medchen, das muß ich wirklich sagn. Ich kam ein bischen früer henein, befor di Gesellschaff ging.
»Du mußt mit fremde Katzn keine Freundschaff schlißn, Schorschi,« sagte Dokter Moor.
Alle nektn mich. Herr Jenner fragte mich, ob ich mein Taschntuch mit Eßbukeh eingeschpritzt hab?
Papa aber sagte ganz erns: »Schorschi hastu disem Gesindelpak gesagt, zu Richter Bell heniberzukommen?«
Grad da, befor ich antwortn konnte, wahr draußn auf eimal ein firchterlicher Schpektakl — alte Hefndekl, Trompettn, Herner un Feifen, genug um einem firs ganze Lebn taub zu machn. Alle schautn auf mir, wi wenn ich der schuldiger Ferbrecher wer.
»Was is das schon wider?« schtehnte Mamma.
Dismal wahr aber mein Gewissn rein.
»Ich weiß nich Mamma, filleich is es eine Katznmusik?«
Nun weißt du, libes Tagbuch, ich hadte zu ein paar Kerle, di bein Depoh warn, gesagt, sie bekommen Kuchn un Wein, wenn sie zu Richters gehn un der Iberaschungsgesellschaff eine Saranahde machn, un si hadten dort gehert es is in unsern Haus un warn deswegn heribergekommen. So ein Narrnthurm, was sie machtn, hat di Welt noch nich gesehn — es warn filleich 3 Dutzen fon ihnen da. Wenn ich gewußt hedte, die Gesellschaff wird zu uns kommen, hedte ich sie nich eingeladet. Dokter Moor ging henaus, um die Leite zu beruigen, die grad wi lauter Teufl heiltn un schrien un kam mit die Finger in die Ohrn wider herein.
»Sie werden ihnen etwas geben missn, um sie los zu werdn,« sagte er.
Mamma ging henaus, um Kuchen zu holn, aber die Gesellschaff hadte alles aufgegessn un es wahr keine Zeit mehr, frischn zu bakn un ein Bursche schmiß grad einen Schtein durchs Sallohnfenster — sie brilltn noch mehr — es war mir sehr leid, das ich dise gemeinen Kerle etwas fon der Saranahde gesagt hadte.
Dann sagte enlich Elsbett es were ein großer Fruchtkuchn draußn in der Forratskammer fir das Dankfest un sie wirde ihm holn; also schikte Papa den Kuchen un eine Menge Wein henaus mit einer Emfehlung un wi sie das aufgegessn hadtn, schrien sie dreimal »Hurrah der kleiner Schorschi soll lebn!« un wolltn nich eher fortgehn, bis ich eine Rede halte.
Ich war firchterlich erschrokn aber Papa sagte: »Du hast uns in die Patsche gebracht, mein Junge — jetz schau, wi du uns wider herausbringst!«
Dr. Moor setzte mich also auf seiner Axl un trug mich henaus. Ich fermute ich war blaß, aber wie sie anfingen zu lachn un zu kreischn wurde ich zohnig un sagte ganz laut zu ihnen: »Mitbirger,« sagte ich, wi ich fon Papa in der Schtadthalle gehert hab, »wir habn heite Abens 2 unerwartete Besuche zu unsere Iberaschungsgesellschaff gehabt — Einer kam im Hinterhof, es war ein Schtinkthir. Der anderer kam im Forderhof, das war di Katznmusik. Ich weiß nich, welchen ich dafon liber hab. Gute Nacht!«
»Du wirst noch eines Tags ein Folksredner wern, mein Sohn,« sagte Papa, wi sie so ruig weg gegangen warn wi Lemmer un lachte un lachte sofil, bis er aufherte wegn der Geschichte bes zu sein mit mir, aber meine beste Kleider sind runihrt, sie sind im Gartn begrabn ich kann morgn nich in der Sontagsschule gehn. Es tut mir sehr leid, denn ich wollte Harry Hauk mein Federmesser bringen, weil er mir die Gummilastieidekse dafir gebn wollte, di er fon seiner Tante bekommen hat ich wollte Betty erschrekn.
Nechste Woche is Dankfest. Ich hoffe un bete, meine Kleider solln dann nich mehr begrabn sein, denn wir erwartn unsre ganze Ferwanschaff zum Essn un iber nacht. Es wird sehr lustig sein. Dankfest is die beste Zeit fom Jahr außer Weinach, das is noch besser. Kinder habn alle Weinachtn so gern. Ich weiß etwas dafon, was nich wahr is, aber ich wer es nich ferratn.
Man mechte gar nich glaubn was fir eine Menge gute Sachn in Fleischpastehtn sind, wenn man sie ißt — Fleisch, Äpfl, Fett, Zibebn, Zitrohne, Liköhr, Muschkatnuß, Zimmt, Eierschaum — in manche auch Schnupftaback. Die Kechin liß mich zuschaun. Ich hadte die Schnufftabackbixe fon Hansis Großmama di ich mir ausborgte ohne das sies wußte. Es schaute greßlich genau wi Zimmt aus un ich schmiß den ganzn henein wi di Kechinn in der Schpeise ging. Ich hoffe es is gut in Pastehtn.
Oh, das wahr ein beschefftigter Tag! Elsbett nahm mich iber nachmittag mit aufs Land. Es war ein Junge dort un eine Menge Nisse auf die Bäume im Wald un Kihe. Wir klaubtn uns auf sofil wir wolltn. Er erzehlte mir wi di Schlangen sich ein neues Gewand anzihn. Das is merkwirdig! Ich hadte noch mein altes an, weil ich Nisse suchn ging un mein andres noch eingegraben is. Eimal kann ich dich zumachn, mein Tagbuch ohne deine Bledter mit einen traurigen Zufall zu beflekn. Sie sagtn ich bin ein sehr brafes Kind.
Elsbett is in einen Bognschitzn-Klubb in unseren Ort. Si nahm ihren Bogn un Feile mit um draußn zu schißn, weil dort sofil Plaz is. Wie sie mid wahr, borgte ich un der andre Junge uns ihm aus.
Elsbett gab ihm uns, wenn wir nich auf das Haus zu oder auf etwas lebendiges schißn wolln. Wir gingen auf der Weide un machtn ein Schtik Zeitung auf einen dikn Baum fest anschtatt eine Zilscheibe; aber dise ferfluchte Küe schpazirtn immer so herum un grad wenn wir auf dem Zeitungspepir ziltn, waklte eine mit den Schweif un ging langsam bei den Baum foriber wi wenn sie ferrikt wern, oder gar kein andrer Plaz da zum Promenihrn. Zuletz traf einer fon di Feile die beste Ku fon dem Jungen seinen Fater grad im Aug wi sie sich niderlegn wollte un sie schtiß noch einmal aus un gab dem Geist auf.
Ich firchte wenn die Kuh nicht zum Melkn im Schtall kommt, wird sein Fater nicht mehr denkn Schorschi Hacker is so ein anschtänger kleiner Kerl! Aber ich wollte es ja nich thun — nein, wirklich nich! Ich zilte auf keinem einzign Ding außer der Zeitung, un wenn dise dumme Kuh grad foribergeht, wessn Schuld is es — ihre oder meine? — — — —
Er geht zur Kirche
Manchmal leßt mich Dokter Moor zu ihm in sein Gescheft kommen un ein bischen dort schpiln, er hat ein sehr schnelles Ferd un einen leichtn Einschpenner aber er will mich nich allein dort lassn, weil runderum sofil giffge Medezinen schtehn. Gestern mußte man ihm plezlich rufn — ein Mann hadte einen Anfall un er sagte zu mir: »Schorschi, du bleibs in den Sessl, bis ich zurikkomm!«
Ich saß schtill bis ich gehnen mußte, wi wenn mir der Kopf abfalln mecht — dann kam das alte Fräuln Baxter herein schaute durch ihre Brilln scharf auf mir un fragte wo der Dokter is.
»Ein Mann hat einem Anfall bekommen, kann ich ihnen filleich mit etwas dihnen Fräuln?« sagte ich sehr heflich.
»Du, Schorschi Hacker?« sagte sie in so wegwerfign quitschign Ton. »Du mechtest mich vergifftn, wenn ich dumm genug wer dichs zu lassn. Alles was ich brauche is ein bischen Medezin un ich hedte so keinen Doller dafir bezalt.«
Dabei gukte sie herum auf alle Flaschn un Sachn — man sagt sie is schreklich neidisch, der reine Geizkragn — un sah eine Flasche mit Seidlezpulwer, ging schnell hin nahm ein blaues un ein weißes un legte finf Cent am Tisch.
Auf den Tisch schtandn ein paar Gleser un ein bischen Eiswasser un in einer Schaale Zucker. Ich fragte sie ob ich ihr das Pulwer mischn soll. Sie dachte sie kann den Zucker dabei umsons bekommen un sagte ja. Ich machte es sehr siß in 2 Gleser un sagte sie soll zuers das blaue un dann das weiße trinkn un sie tat es auch. In filleich einer Menute hadte sie auch einem Anfall — Oh einen schreklichn Anfall! Ich kann mir nich forschtelln, wofon es kam, die Pulver warn ganz richtig. Si fil grad zurik un wurde so schwarz im Gesicht, wi wenn si Dinte geschlukt hedte; sie wer beina zutot erschtikt. Ich rannte henaus auf der Schtraße um den Dokter zu suchn, aber ich sah ihm nirgns. Ich sagte einige Leute, Fräuln Baxter schtirbt in unsrer Potheke un sie ranntn henein un paktn sie auf un legtn sie am Sofa; ihre Brilln warn zerbrochn, ihr Kleid auseinand gerissn un die Trenen kamen ihr aus die Augn, wi wenn sie bei ein Begrebnis wer.
Sie fragtn sie, was denn geschehn is; sie sagte sie hat es nich richtig eingenomen — die Eksplosjohn war in ihren Magn anschtatt in den Glas losgegangen — ich glaube sie hadte recht. Sie zahlte 5 Cent fir das Seidlezpulwer, aber ein par neie Augngleser kostetn ihr filleich 50 — sie erschparte nich so fil dabei, wi si glaubte. Si schittlte ihrn grinen Regnschirm zu mir, wi sie wegging, wi wenn ich schuld wer — warum wollte sie den Dokter betrign?
Unter den Tisch wahr eine Lade, in der war ein hibsches Morrekoetwi. Ich glaubte es is ein Schmuck drin aber wi ich nachschaute, warns lauter kleine Messer un Sachn. Sie warn so scharf wi nur meglich. Dann kam ein kleines Medchen herein mit 25 Cent un ein Schpahn in der Hand, ich glaube sie is auf einen Treppngelender hinuntergeglitscht. Ich sagte sie soll wartn, der Dokter wird sehr bald kommen, aber sie sagte es tut greßlich weh un ich sagte: »Wenn du schtillhaltst, will ich ihn herausschneidn« aber das kleine Ding hilt nich schtill. Sie zukte grad zur unrechte Zeit, so das ich ihr grad iber der Hand einen schreklichn Schnitt machte. Wer sie ruig gewesn, es wer nich passihrt.
Das Blut rann iber dem ganzen neun Teppich un ich sagte ihr deswegn, sie soll schnell zu ihrer Mutter laufn un es sich ferbindn lassn. Es war schon so schpeht un ich wahr so hungrig, das ich nich wartn konnte bis der Dokter zurikkommt un di Flekn am Teppich siht. Aber ich firchtete, das Dibe einbrechn un schtehln, wenn ich weggeh, deswegn schleppte ich das Schkelett aus der Kammer, setzte er im Sessl un schtekte ihm ein medezinisches Enschtrument in der Hand. Dann nahm ich ein bischen Fosfer aus einem Fleschchen heraus, machte damit ein paar Augn auf Papir un schtekte es in seinen Kopf. Es wahr firchterlich anzuschaun — genug um jedem Einbrecher zu erschrekn, un so firchtete ich nich die Potheke unter der Wache fon dem Skelett zu lassn un ging nachaus nachmahln.
Jetz sagt der Dokter, ich soll nich wider auf der Potheke Obach gebn, weil das alte Fräuln Baxter withend is un Emmeline Elder krank ligt mit Gehirnenzindunk weil sie schnell in der Potheke lif um ein bischen Kloreform fir Zahnweh un dem totn Kerl mit di Knochn un die glenzign Augn sitzn sah, weil es schon finster wahr un sie schrie laut un fil in Ohnmacht.
Wie sie wider zu ihr kam war sie ganz allein mit den Schkelett un schrie nocheimal un ferlor di Besinnung. Dann kam der Dokter zurik, un brachte sie zu sich, aber si hat jetz Fiber un schreit die ganze Zeit — aber deswegn brauchn sie doch auf mir nich zu schimpfn ich schtellte es fir Einbrecher auf un nich fir Medchen un das war ganz recht.
Ich fergaß fon den Jungen zu erzehln der hereinkam mit Zahnweh. Es tat ihm so weh, das ers nich aushaltn konnte bis ich das Schkelett herausgeschleppt hadte und er half mir es am Sessl zu setzn un ich liß ihm aus der Kloreformflasche richn un er roch dran un ich sagte ihm er soll sich ein bischen aufs Saktuch gißn es wird ihm dann nich mehr weh tun.
Er legte sich aber grad zurik un liß die Flasche falln. Sie zerbrach un er wollte mir nich antwortn wie ich ihm fragte ob der Zahn noch weh tut also ging ich fort un liß ihm dort, weil es so schtark fon Kloreform roch, das ich weggehn mußte. Er un Emmeline lagn beide bewußtlos dort, wi der Dokter zurikkam.
Es tut mir leid, das di Flasche zerbrochn is, denn sie wahr 3 Doller wert un der Bub schtarb beina — aber ich hoffe er hadte kein Zahnweh mehr.
Ich dachte nich, Emmeline wird for den Ding erschrekn, das ich doch nur fir Reiber aufgeschtellt hadte.
Der Dokter sagt es muß troz allen doch ein Dib hereingekommen sein, weil die Schachtl mit di Gummizukerl weg is. Aber Hansi un ich wissn gut, wo si is, hinter der Scheine.
Morgn is Dankfest. Aber ich werd den ganzen Tag kein Schtikchen Pastehte krign, weil der Schnupftaback fon Hansis Großmutter so ein greßliches Quatsch aus unsrer Pastehte machte, das wir die ganze fortschmeißn mußtn. Es is noch eine Menge Apfeltorte un Kuchn da aber ich soll doch nichts bekommen. Ich glaube, das is wirklich gemein. Ich hab Torte ganz besonderst gern.
Meine Schwester Elsbett is so schtolz, weil sie Herrn Wilkins fortgeschikt hat der seit damals nich bei uns war, wi das Ferd dafon lif, un dafir Herrn Jenner gekrigt hat, das man beina kein Wort zu ihr schprechn kann.
Unsre libe Lil is gestern gekommen, um morgn bei uns zu sein. Sie fragte ob ich noch so schlimm bin, wi früer, weil sie mich gern auf eine Woche nachaus nehmen mecht.
Ich mechte sehr, sehr gern gehn. Warum hetzn sie alle auf, zu sagn, ich bin ein nichsnutziger Junge? Wir habn alle unsre Fehler. Ich habe ein paar, wi andre Leite auch. Bin ich godtlos, weil ich nich wußte, das Schnufftaback die Pastehte runihrt, oder das alte Fräuln Baxter zischn wird, wi ein Feierwerksrad fon 4. Juli wenn sie ihre Sachn nich mischt, befor sie sie schlukt?
Jeder Mensch muß erst eine Menge Sachn aus eigner bittre Erfarung kennen lernen.
Lily sagt, ich soll mit ihr kommen un wenn ich auch allen Schnikschnak zerbrech, was sie mitgebracht hat; sie wahr immer so ein liber Kerl; sie weiß, kleine Jungen habn ihre unruige Mommente, wi große Leite.
Libes Tagbuch, auf deine Seitn beschliße ich feierlich morgn ein so brafer Junge zu sein, wi nur meglich, damit ich mit Lil nachaus fahrn darf. Ein Tag soll iber meinen Kopf gehn in Rue un Fridn; formittag will ich in der Kirche gehn un nachmittag lesn in der Sonntagsbibloteck. Ich wer mein Gewand nich beschmuzn un so anschtendig sein, wi man nur sein kann.
Tante Betsey is auch hir. Papa schrib ihr einen Brif un sagte ihr, sie soll wider gut sein, un an unsern Dankfesttruthahn mitessn — un so is sie gekommen. Sie gab mir ein Goldschtik, wi sie kam, auch Herr Jenner kommt aus der Schtadt zum Essn — er is jetz einer fon unsrer Familje.
Elsbett sagt, sie winscht, das die Tante ihm siht — sie denkt gewiß an dem silbernen Teeserwiß. Lilly hat mir ein schpaßiges Schpilzeig mitgebracht, es is kinesisch — es schtekt in einen kleinen Schtik Tuch un wenn man di Nadl schnell wegziht, schpringt etwas schwarzes heraus durch das halbe Zimmer, beina wi eine Schlange. Ich habe schon die Kechin un alle damit erschrekt, es macht sie schrein, weil es so schnell herausschpringt. Montagu brachte mir so eine Menge Zukerl, das ich glaub ich werd morgn garnichs zu Mittag essen kennen. Ich hab ihm auch sehr gern — er will, ich soll mit ihnen zurikfahrn.
Dankfest is gekommen un wider foriber. Ich werde nicht mit meiner ferheiratete Schwester nachausfahrn. Du mußt mich enschulgen, libes Tagbuch, die Trenen in meine Augn machn, das ich so krumm schreib. Ich schtand zeitlich auf un schtrengte mich sehr fest an, ein solcher Prachjunge zu sein, wi in die Bicher schteht.
Nach den Frischtik trug ich ein paar Zukerl zu Hansi heniber. Seine Mutter hat ein Babi, das for filleich 2 Wochn gekommen is; ich schteckte ihm eine Zukerflaume in Mund, wi die Amme nich hinschaute weil es beim Essn so schpaßig war, das wir lachn mußtn, aber der kleine Dummrian wollte es schlukn, befor es zerkaut wahr un wirgte so dran das die Amme erschrekte un es am Kopf schtelln mußte un seine Mutter schikte mich direk nachaus.
Ich ging zur Schtadt henunter um mir etwas fir mein Goldschtik zu kaufn aber di Ledn warn alle geschperrt un so kaufte ich Pat Finegans jungen Bulldock um 2 Doller aber ich blib ihm einem schuldig.
Wi ich zuhaus kam, wahr es Zeit in der Kirche zu gehn. Ich ferschtekte meinen Hund im Schtall un ging nebn Lil die so hibsch ausschaute un ein so ellgantes Kleid anhadte, das ich schtolz war auf ihr.
Herr Slokum betete ein schrecklih langes Gebet, so das ich ganz schlefrig un hungrig wurde. Ich winschte, ich hedte das kinesische Schpilzeig nicht in der Tasche mitgenommen, weil mir so fad wahr, das ich es auf dem Pult herauslegte um zu schaun ob es nich zerbrochn is, aber di Nadl ging pletzlich ganz zufellig heraus un befor ich es wußte flog das lange schwarze Ding grad durch der Kirche un paschte Herr Slokum auf der Nase, weil er die Augn beim Gebet zugemacht hadte. Dann purzelte es henunter im Kohr un zapplte, wi wenn es lebendig wer.
Die junge Dahmen, die ihm Kohr singen glaubtn es is eine Schlange un schprangen alle auf ihre Sitze — so was in der Kirch wahr doch wirklich unanschtendig! Wie sie bemerkte was es war kam einer feierlich herfor, putzte seine Brilln un sagte: »Dise godtlose schenliche Person, di einem solchn Scherz im allerheiligstn feribn kann, is zu ferdorbn um zu wissn, wi schlecht sie is. Ein solches schenliches Betragn is zu nidrig fir uns, um beachtet zu wern — Laßt uns singen!«
Ich glaubte ich muß im Fußbodn fersinkn, weil alle auf mir schautn als ob sie wißtn, wer es gethan hat. Ich liß mein Gesangbuch falln, weil ich mich so eilte, das Lid zu findn un wi ich mich bikte, es aufzuhebn, fil mir die Pestole aus der Tasche, die mir Pat Finegan gelihn hadte, anzuschaun ob ich sie filleich kaufe un ixplodihrte. So ein Knaller! Papa pakte mich bei der Schulter un fihrte mich den Gang henunter auf den Fridhof setzte mich sehr fest auf einem Grabschtein un sagte:
»Schorschi, du bis ein schweres Kreiz. Du bist ein Schkandal fir deiner Familje. Ich bin mit meinen Ferschtand zuend, was ich mit dir anfangen soll!« un ging auf un ab un schtehnte, wi wenn ihm die Schue drikn mechtn. Ich wußte auch nich was er mit mir anfangen soll — ich war deschpraht. Zuletz sagte ich:
»Ich winschte ich wer mit dem Zirkus weggelaufn, der hir war, jetz is zu schpeht im Jahr fir das, Papa — filleich is es besser ich wer ein Mischonehr wi Herr Slokum wern will. Wenn mich dann di Kannebahln aufessn, wirstu nich mehr fon meine Streiche beunruigt wern. Ich winsche ich mechte die Mahsern bekommen un schterbn, wenn ich nich gut genug bin zu lebn. Ich winsche ich wer in Gefengniß eingeschperrt oder fest angebundn, damit solche Sachn nich mehr passihrn kennen, di dich so schtehnen machn.«
»Das is das richtige!« rif Papa erleichtert aus. »Ich werde dich anbindn, mein Birschchen!«
Un er marschirte mit mir zuhaus befor die andern aus der Kirche gingn un band mich im Holzschupfn an einem Balkn an un di Hende hinter mir wi die Kechin den Truthahn zum bratn anbindet.
Ich herte die Teller klappern un roch das Essen, wi alle zuhaus warn — so langsam is mir di Zeit noch nie fergangen. Ich hadte eine greßliche Freide wi ich Hansi im Hof feifn herte. Ich rif ihm leise. Er segte den Schtrik auseinand un band mir di Hende los.
»Plausche nichs zu meine Leite aus, Hansi« sagte ich. »Ich nehme mein Eichhernchen un meinen Bulldok un will irgendwohin gehn, wo die Leite noch nich wissn, wi schlecht ich bin.«
Er wird ein Einbrecher
»Halloh!« sagte einer so ruhig wi nur was, »wohin geht der junger Mann so eilig?«
Es wahr ein Landstreicher. Er saß unter einen Baum bei der Schtraße un aß eine ganze Fleischpastehte. Ich wahr filleich schon 2 Schtundn gelaufn. Mein Eichhernchen hadte ich in der Tasche aber mein Hund wahr nich mit, weil er durchging wi ihm Pat Finegan fiff, wi wenn ich nich einen Doller fir den kleinen Dib bezalt hette — so ein unerlicher Hund!
»Selber Halloh!« sagte ich.
»Setz dich nider, ruh dich aus un eß ein Schtik fon meiner Pastehte,« sagte er.
»Danke schön,« sagte ich, »sehr gern,« denn ich war greßlich hungrig so das ich glaubte meine Fiße wern mich keinen Schritt weiter tragn.
»Wo gehstu hin?« fragte er wi ich aufgegessn hadte.
Ich wußte, Lanstreicher sin selber nich sehr gut, so dachte ich, ich kann ihm die ganze Wahrheit erzehln.
»Ich bin fon zuhaus weggelaufn weil ich so ein schlechter Junge bin das sie sich iber mir schemen.«
»Oh,« sagte er, »du bist ein schlechter Junge! So, so!« un lachte. »Was has du angeschtellt, Junge? Jemand umgebracht oder in einen Ladn eingebrochn?«
»Ach nein, so was nich, Herr Lanschtreicher,« sagte ich »aber ich komm immer in der Patsche, wi wenn ich der schlechste Bub fon der Welt wer. Wenn ich einen Affn un eine Drehorgel hedt, so kennt ich mich selbs erhaltn un meine Eltern brauchtn sich nich zu ergern mit mir.«
»Ich habe sie alle 2,« sagte er sehr schnell. »Sie sind im Wald hintn mit ein paar fon unsre Leite. Du solls beides habn, wenn du hinkommen un bei uns bleibn willst. Wir habn ein prächges Lebn, reißn Äpfl un Nisse fon die Bäume un kochn unser Essn in einen Kessl auf einen großn Feuer.«
Also sagte ich, ja ich will fersuchn wi es mir gefellt.
Im Wald warn finf andre Kerle die greßlich ausschautn. Es tat mir leid das ich dort war, aber sie lachtn, patschtn mir am Kopf un sagtn »oh was fir ein brafer Junge bis du!« Aber es war kein Feuer dort auch kein Kessl un kein Affe aber sie hadtn eine Drehorgl un gabn mir Brot un Käs un wi es dunkl war legtn wir uns nider. Mir wahr so kalt, das ich weinte, denn da warn keine Betti mich warm einzuwikln, aber ich liß ihnen nich merkn das ich weinte. Zimlich bald schlif ich ein aber sie wektn mich auf un sagtn:
»Komm mit, wir missn jetz maschirn, wenn du ein guter Junge bist un heut nach tust was wir dir sagn is dein Glik gemacht. Wenn du aber nich genau tust was wir dir sagn, so erlebst du morgn nich mehr die Sonne aufgehn zu sehn!«
Keine Zunge kann sagn was ich fihlte, wi ich dise schrekliche Worte herte. Wir gingen bis ich so mid wahr, das ich die Fiße kaum aufhebn konnte. 2 fon ihnen blibn zurik un wir kamen in einen Ort wo Häuser auf beidn Seitn schtandn. Es war greßlich finster un fing zu schneien an un wir gingen in einem Hof.
Die Menner wischpeltn mir zu, wenn ich schpreche oder Lerm mache, werdn sie mich zutot wirgn. Sie wolltn mich durch ein kleines Fenster schibn un ich sollte sehr leise zur Forhausthir oder zur Kichnthir krichn, aufrigln un sie heneinlassn. Es wahr eine Menge Gold in den Haus das sie habn wolltn. Sie machtn die Rigl fon einen kleinen winzign Fenster auf, hobn mich henauf un schtopftn mich durch — so eine eklige Quetscherei!
»Hir sin ein paar Zindhelzchen,« wischpelten sie. »Zinde sie an un such den Weg zu einer Thire. Wenn du einen Laut fon dir gibst werdn sie dich als Einbrecher fangen un du wirst als ein Dib aufgehengt.«
Der kalter Schweiß schtand auf meiner Schtirn — meine Glider zidtertn. Was wirde meine theire Mamma sagn, wenn sie wißte, ihr kleiner Sohn is ein Einbrecher! Ich wahr weggelaufn um ein guter Junge zu wern un jetz war ich noch 1000 mal schlechter wi früer. Das is schon mein Pech.
»Tumml dich, du da!« brummte eine raue Schtimme durchs Fenster. Ich zindete ein Zindhelzchen an. Es ging aus. Ich zindete ein anres an un schaute herum.
Hm! Diser schlechte Junge Schorschi Hacker wahr heute der Lewe der Schtadt. Selbs der Predger hat mir die Hand geschitlt, weil die Leite fro sind, das dise schreklichen Menschen gefangen un im Gefengnis geworfn sind. Sie habn filleich 20 Häuser in ferschidene Pleze ausgeraubt. Die Sachn un das Silber fand man ferschtekt in einen holen Baum, wo ich ihnen zeigte, das dise Kerle im Wald gegessn hadtn. Ich will dir alles erklern, theires Tagbuch.
Wi ich das Zindhelzchen anzindete schaute ich herum un sah unsre eigne Forratskammer, di Schirze fon der Kechin auf einen Nagl un die Reste fon Flaumenkuchn auf einen Teller. Mein Herz schlug fest, ich tastete di Schtige henauf, es war pechfinster aber ich wußte den Weg!
»Oh Papa,« schrie ich, »steh auf un erschieß sie, bitte! damit sie Schorschi nich erwirgn kennen!« So eine Ssene! Anfangs ferschtandn sie mich nich. Montagu schtirzte heraus, di Dinsleute kamen aus der Dachschtube herunter, sie hattn 2 Pestoln un eine Schißbixe, wi sie auf den Feind herausschtirztn. Erst konnten sie sie nicht finden aber dann wecktn sie den Scheriff auf un holtn ein par Ferde heraus. Es wurde schon Tag un sie nahmen mich mit, den Weg zu zeigen. Sie erwischtn alle 5 un so glaub ich, ich werd nich wider mit Lanschtreicher gehn, sondern zuhaus bleibn un anschtendig sein.
Es is schon eine Woche, das ich nich in dem Tagbuch geschribn hab. Weihnacht kommt immer näer. 2 Tage nach Dankfest ging ich mit Lilly nachaus um eine Woche bei ihnen zu bleibn. Sie haltn nich selber Haus, sie wohnen im Hotell.
»Benimm dich so anschtendig, wi du nur kannst!« sagte Lil zu mir. »Es sind eine Menge feine Leute in dem Haus. Ich winsche nicht, mich meines kleinen Bruders schemen zu missn.«
»Wissn sie, das ich ein böser Junge bin?« fragte ich sie.
»Nein un sie solln es auch nie erfahrn, wenn du es nich selbs ferrätst!«
Das Mitagmal wahr fertig, wi wir hinkamen, wirklich ein großartiges Mitagmahl — eine Menge Genge un zuletz Gefrornes un di Diner die bei Tisch bedintn warn grad so heflich zu mir wi zu den andern erwaksnen Leutn. Wisawi uns bei Tisch war ein kleines Medchen, in einen Seidnkleid mit Glassehanschuhe un einer Rosascherpe — ein sehr hibsches Medchen. Ich schaute sehr fest auf ihr heniber un sie grad so oft auf mir. Montagu erzehlte mir, die Kinder werdn dann im Sallohn tanzn un wenn ich tanzn will wird er mich heneinnehmen. Minna hiß das kleine Medchen. Ich unterhaltete mich ausgezeichnet. Sie wahr sehr gefellig zu mir un ich tanzte ein paarmal mit ihr. Ich dachte mir ich werde Betty doch nich heiratn mag sie noch so gut zu mir sein. Wenn ihr schiläugiger Bursche sie nich heiratet, wird sie eine alte Jungffer wern missn.
Ich erzehlte Minna, das ich denke ich werde Betty nie heiratn. Sie schaute auf ihre Pantofln herunter aber sie sagte nichs. Ich schtellte dismal rein gar nichts an außer das ich eimal den Fuß plezlich ausschtrekte, so das ein Junge driber fil — aber das wahr in Schpaß.
Ich schlif auf einen Diwan in Lils Zimmer weil das Hotell ganz foll war. Wi ich auf kam, war noch sehr zeitlich; ich schtand leise auf, zog mich an un schlipfte hinunter um mir die Schtadt anzusehn. Es war ein großer Ort, fil greßer wi unsrer. Ich konnte Schiffe un Wasser sehn un fragte deswegn einen Mann. Er sagte es is der Hudsonschtrom. Dann ging ich henunter um zu sehn was sie dort machn. Eine Menge Leute gingen auf das Schiff un so ging ich auch mit, blos um ein bischen herumzusehn un den Mann beim Rad etwas zu fragn.
»Wann fehrt es ab?« fragte ich ihn.
»Is ebn abgefahrn,« sagte er.
Un wirklich! Das Rad schpritzte wi nur was. Das Brett war hereingezogn.
»Bitte schön, ich mechte hinunter!« sagte ich. Er lachte un antwortete: »Du wirst ein bischen wartn missn!«
»Kann ich nicht meiner Schwester tellergrafihrn? Sie wird glaubn, ich bin ferlorn gegangen.«
Er wahr ein ganz ordenehrer Kerl. Alles was er sagte, war:
»Gibs nich!« un dann grinste er, wi wenn ihm etwas kizlte. Ich schpirte die Threnen kommen, aber ich wollte ihm nich zeign das mir so weinerlich wahr. So fiff ich also. Mir war kalt. Ich hadte nich gefrihschtikt. Ich hadte kein Geld fir der Fart un hadte Heimwee. Ich glaube ich war ganz blau, denn er sagte mir bald darauf ob ich nich in der Kabine gehn will es is eingeheizt dort. Also ging ich.
Es warn eine Menge Herrn un Damen drin. Erst bemerktn sie mich nich aber nach un nach fragtn sie mich wem ich geher. Ich sagte ich bin aus Irrtum mitgenommen worn; sie warn besorgt um mich un fragtn mich so fil iber meinen Namen un wo ich wohne, das ich ihnen zuletz fon meinen Tagbuch erzehlte un was ich fir ein schlechter Junge bin, das ich immer in der Patsche komm, wenn ichs gar nich tun will un das Lil jetz denkn wird ich bin ein schreklich godtloser Junge das ich dafongelaufn bin un ich wollte doch nur das Wasser anschaun un warum die Reder sich immer so drehn.
Eine Dame rif den Aufwerter er soll mir was zum Frihschtik bringen. Dann sagte mir ein Herr wenn ich ein Tellergramm schreibn will, so wird ers selber wegschikn wenn wir in der Stadt kommen. Si gabn mir ein Schtik Papir un einen Bleischtiff un ich schrib:
»Libe Lil — ich wollte es nich thun. Das Schiff is schuld dran. Seit nich beunruigt. Klein Schorschi is ganz munter. Ich komm abens mit den Bod zurik. Bitte, sag ihnen sie solln mit den Essn wartn bis ich komm!«
Der Herr gab dem Aufwerter einen Doller, damit er auf mir acht gibt un sagte mir ich soll den ganzen Tag in der Kabine bleibn un ich werd ganz sicher sein. Sie schidtltn mir die Hand zum Abschid, wi si fom Schiff gingen. So eine Menge Schiffe war noch nie da! Es wahr Mitag. Das Boot sollte um 3 zurikfahrn. Es war fad, weil das Boot nich mehr fuhr. Ich aß ein paar Äpfl die sie mir gegebn hadtn, befor sie Mitagessn gegangen warn. Plezlich dachte ich an Herrn Jenner.
»Ich glaube es wird noch Zeit genug sein, hinzugehn, befor das Boot wegfehrt,« sagte ich zu mir selbs un so schlipfte ich henaus ohne eine Wort zu den Aufwertern zu sagn aus Angs, sie mechtn es mir ferbitn.
Großer Godt! Wi ich aus disn Holzkastn auf der Schtraße kam, glaubte ich, es muß wo brennen — so ein Gedrenge! Ich ging iber die Schtraße un schaute auf die Schilder nach Herrn Jenners Namen aber ich sah ihn nicht un fragte deswegen einen Mann, ob er nich so gut sein mechte mir zu sagn, wo Herr Jenner wohnt?
»Weiß nicht, Junge,« war seine Antwort, »frag einen Pollezeimann.« — Ich ging ein bischen weiter, dann sah ich einen Beckerladn ging henein un ferlangte ein paar Feffernisse.
»Wi fiele?« fragte die Frau.
»Villeich 9,« sagte ich.
Dann dankte ich ihr sehr heflich un wollte henausgehn aber sie fing zu schrein an, das sich ein Bär gefirchtet hädt.
»Wo is das Geld, du kleiner Schufft?«
Also erzehlte ich ihr das ich ferlohrn bin un legte die Feffernisse zurik un ging sehr traurig henaus. Ich fragte jedem den ich solang aufhaltn konnte wo das Boot is un wo Herr Jenner wohnt.
Solche ungebildte Leute warn noch nich da! Keiner wußte es. Ich sah auf einem Kirchturm das schon 4 Uhr wahr un fing zu weinen an weil die Fiße mir so weh tatn. Ein großer diker Mann in einen blaun Rock pakte mich bei der Axl.
»Was gibts junger Mann?«
»Oh Herr,« sagte ich, »ich winsche ich wer nich auf das Boot henaufgegangen un ich winsche ich wer nich fom Boot henuntergegangen un ich winsche die Leite in der Schtadt wern nich so dumm. Sie kennen einen kleinen ferirrtn Jungen nich einmal sagn wo Herr Jenner wohnt. Ich bin der kleiner Schorschi Hacker der immer in der Patsche kommt, aber ich kann ni etwas dafir. Wenn das Boot nich weggefahrn wer, befor ich es wußte, wer ich nich ferlorn gegangen. Ich wollte es wirklich nich thun.«
»Gut Schorschi,« sagte er, »wenn du ferlorn bist, missn wir fersuchn dich wider zu findn.«
Der Herr war sehr gut zu mir nur wollte er alles aus mir herausfragn. Er fragte mich sofil das ich kaum mein Nachmahl essn konnte. Die Leute in der Schtadt essn im Keller — so eine schundige Angewohntheit! Dise Nacht schlif ich fest auf einer Pritsche, so ein schpaßiges Bett wi eine Schachtl! Irgendwer wekte mich auf mit Schluchzn wi wenn ihm das Herz brechn mißt. Ich setzte mich auf un rib mir di Augn.
»O du nichsnutziger schlimmer sißer Junge,« rif Lil.
Sie war ganz blaß nur ihre Augn warn rot. Montagu war auch da. Sie warn mit der Eisenbahn hergekommen, wie das Boot ohne mir zurikkam. Ich fragte sie ob Minna besorgt is, weil ich ferlorn gegangen bin? habn sie mit dem Nachmahl gewartet? warum weins du? Sie sagte sie weint, weil sie mich enlich gefundn hedte. Ich sagte ihr sie is eine libe dumme Gans. Sie hedte weinen kennen, wenn sie mich nich gefundn hedte — aber jetz is ja alles wider gut un sie soll den Leutn zuhaus nich erzehln, das ich wider was angeschtellt hab — ich hab es nich gern gethan. Also schidtlte ich den Herrn in den blaun Rock die Hand un ladete ihm ein eimal zu kommen un mich zu besuchn un Montagu nahm uns in einer Restaurazjon um den ibrign Abens zu ferbringen — aber ich hab Lil (im fertraun) erzehlt, ich glaube nich, das Herr Jenner so ein bedeitender Mensch is, wi Elsbett glaubt, sons wirdn die Leite in Nujork mehr fon ihm gewußt habn. — — — — — — —
Der letzte Strohhalm
Ich hab alle Jareszeitn gern, besonderst Weinach weil es meistens so lustig is. Di Kechin is zo giftig weil sie Feffernisse backn muß un Fruchtkuchn oder Gefligl filln, das ein Junge nich eimal ein Pak Zibebn oder ein Schtik Zimmt nehmen kann ohne das sie ihm anschnappt wi eine Feierrakette. Sie will mir nich erlaubn mit di Muskattnisse Kugl zu schpiln oder den Leffl abzulekn mit den sie den Teig umrihrt oder mein Drumm Kreide auf ihrn nei'n Reibeisn abzureibn oder irgend ein bischen Schpaß in der Kiche zu habn. Ich muß die ganze Zeit draußn bleibn — es richt so gut drin, es is hart fir einen Jungen.
Elsbett un Susi wolln zu Neujahr Besuch empfangen. Sie sagn es macht schreklich fiel Unbekwemlichkeit alle Tag Besuch zu bekommen un eingemachte Austern forzubereitn oder Kaffeh un kaltes Huhn un Kuchn un immer die neu'n Kleider anzuhabn. Ich glaube ich sollte ein par fon die Kerle bidten den andern zu sagn, wegzubleibn, weil meine Schwestern sagn, es macht sofil Unrue.
Ich hab schon seit mehr als einer Woche ein Gedankn in Kopf. Ich war in obern Schtock un unten. Gestern probihrte ich aufs Dach zu krichn un im Schornstein henunter zu gukn, aber es war so schlipfrig das ich beina henuntergerollt wär un mich erschlagn hedt, so daß ich es aufgebn mußte. Ich untersuchte den Kamihn in Mammas Zimmer ganz genau. Ich kann bei meinen Lebn nich einsehn, wi der alter Kerl durch so ein enges Loch henunterkommen kann. Wenn er filleich schtekn bleibt, das wer ein greßliches Mallehr.
Ich winsche, ich wißte, was er mir bringen wird. Ich weiß, was mir meine Schwestern gebn wern, weil ich in eine Schachtl gegukt hab unter einer andern Schachtl in den Kastn in ihren Zimmer un ich sah ein par Schlidtschue fon ungefehr meine Greße eine greßlich hibsche Schreibmappe un ein par Taschnticher mit G. H. eingeschtikt. Also erzehlte ich dem Dokter Moor in fertraun, daß Susi ihm das hibscheste Rauchschakett schtikt, was man sich nur denkn kann, weil ich durchs Schlißlloch gukte un sie dran arbeitn sah.
Er sagte: »Du bist ein trauriger Schurke, Schorschi.«
Aber ich bin gar nich traurig, außer wenn Papa sagt: »Geh in dein Zimmer un warte bis ich komm.« Das macht mich erns.
Ich bin aber doch ein bischen traurig, weil Sankt Klaus sich nich durch unserm Schornschtein durchzwengn kennen wird. Es ligt mir immer im Kopf. Ich kann es nich abschidtln. Ich fragte Papa, ob er nich filleich die Maurer kommen lassn will un ihm greßer machn lassn, aber er schidtlte den Kopf. Er sagte, er hofft der alter Klaus wird gescheid genug sein un sich selbs in ach zu nehmen.
Ich glaub es wer sehr schad wenn den altn Kerl was passihrn mecht — so fiele andre Kinder mechtn entäuscht sein in den Häusern, wo er noch nich wahr. Ich hab in unsern Rauchfan henaufgeschaut un glaub wenn ein par Zigl draußn wern, kennt er so bekwem in unser Haus schlipfn, wi nur was. — —
Weinach war kein sehr hibscher Tag in unsern Haus — lang nich so hibsch wi ich erwartete. Ich lag den ganzen Tag krank in Bedt un auch noch 3 Tage schpeter. Mamma wahr auch krank. Kann sein, das ich eine Menge Geschenke bekommen hab. Ich weiß nich genau. Es war damals so ein schrekliches Durcheinand.
Mir scheint, es passihrte wider ein Zufall am Weinachsabend in unsern Haus. Es wahr filleich nein Uhr. Lil un Montagu un Herr Jenner un alle warn in Sallohn. Wir hadtn Nisse un Äpfl un Kuchn un Mamma sagte ich thete besser, zeitlich zubedt zu gehn, denn wenn Sank Klaus kommt un mich wach findet, geht er wider weg. Also ging ich die Treppe henauf, aber so langsam wi eine Schneke weil ich nich ein bischen mehr schlefrig war wi Herr Jenner.
Finf Menutn, nachdem ich iber der letzn Schtufe gegangn war, war auf einmal ein so lauter Krach wi wenn die Welt einschtirzn mecht — etwas traf mich am Kopf, das tat schreklich weh — sie sagn ich wußte filleich 6 Schtunden lang nichs fon mir. Es schihn, als were der Kamihn in Mammas Zimmer in 1000 Schtike zerschprungn un ein Zigl hadte mich auf der Seite fon meinen Kopf getroffn — es is ein Wunder, das ich nich erschlagen wurde, denn di Zerschterung is follkommen. Alle Glasscheibn sin gebrochn, der Schpigl zertrimmert, die Decke is abgefalln un der Teppich is ganz naß, weil di Wasserleitung zerschprungn is. Die Mamma is for Schrekn krank geworn. Papa sagt, es is ein Wunder, das das ganze Haus nich in Fransn gegangen is. Wi ich zu mir kam, wundertn sie sich wiso es geschehn wahr.
Ich sagte, filleich hadte Sank Klaus ein paar Rakettn in seinen Sak un sie gingn los. Dokter Moor sagte:
»Ja, das muß es gewesn sein!«
Dann sagte Papa:
»Schorschi, wozu has du Schißpulwer in dem Kahmin geschidtet?«
Ich schrie: »Oh Papa! Ich wollte es nich thun — ich wollte es wirklich nich thun! Ich hab nur eine Teeschale foll heneingeschidtet, grad nur genug um drei oder fier Zigl henauszublasn, damit er ein bischen weiter wird. War da etwas schlechtes dabei, Papa?«
»Oh nein Schorschi,« sagte er ganz schpettisch, »nein, durchaus nichs. Die Repratuhr wird mich mehr kostn wi 3000 Doller, un warscheinlich ligt dir nichs dran, das Mamma krank is un du keine Weinachsgeschenke bekommst.«
Ich bin sehr nidergeschlagn, seit er das gesagt hat. Ich mache meiner Familje schrekliche Auslagn. Es is ungenehm bei so kaltn Wetter in Haus arbeitn zu lassn, un was am ergstn is, ich bekomm die Presennte nich, auf di ich mich schon seit ein par Wochn freue. Bei die Bemerkungen, die einige Leite machn, seh ich, das sies liber gehabt hedtn, wenn ich schtatt alles andre in der Luft gegangen wer. Papa sagt, es wird ihm unmeglich sein, seine Fersicherung in diser Schtadt noch eimal zu erneiern, er wird in der Haupschtadt gehn missn, wo sie noch nichs fon mir wissn. Erwaksene Leite sin sehr unferninftig, sie glaubn, Kinder solln alles wissn, befor sie es ausprobihrt habn.
Jimmy Black war heit bei mir un sagte, ich hedte den Rauchfang nich weiter zu machn gebraucht, weil Sank Klaus iberhaupt nur Papa un Mamma sin. Ich fragte Susi deswegn, aber sie sagte Jimmy is ein Narr. Er zeigte mir das neie Messer, das er gekrigt hat. Ich wollte schaun, ob es wirklich scharf is un schnidt ein Loch ins Bedtuch aber Betti ferschprach mir, sie wird es schtopffn.
Meine Schwestern sin sehr besorgt, das das Haus noch for Neijahr reprihrt wird. Ich glaube sie brauchtn sich nich zu sorgn weil ich den jungen Leiten unten bei der Post am Tag for Weinach sagte, sie tätn besser uns nich zu besuchn — es is zufil Unrue. Ich redte meine Schwestern gern for alle Unrue, wenn ich kann. Die Beile auf meinen Kopf ferschwindet schon nach un nach.
Dokter Moor sagt, ich kann morgn schon ausgehn. Es is eine ausgezeichnete Schlidtenbahn, der Schnee is 1 Fuß tif — alle Jungen un Medchen unterhaltn sich un die Gleckchen klingln. Ich bin schreklich ergerlich, das meine Schlidtschue ferlorn sin weil der Rauchfang in der Hehe ging. Übermorgn abens soll eine Beschenkgesellschaff bei Predgers sein — nich bei Herrn Slokum — bein andern. Sie hoffn es wird sehr gut ausfalln, weil di Schtraße gut is un weil Feiertag is. Die Frau fonn Predger wahr bei uns, um zu sehn wies mit mein Kopf schteht un sie un Mamma redetn fon der Beschenkung. Ich herte wi si so mit ein bischen Lachn sagte, sie hofft, es wird ihr jemand eine Bikse Schterke bringen, weil ihre gar ist un ihr Mann gern schteife Kregn hat. Ich glaube ich werd morgn zu Peters henibergehn un ihm fon der Schterke sagn, er hat ein Gemischtwarngescheft. — —
Theires Tagbuch, leb wohl, ich muß fort — mein Koffer is gepakt. Betti un Mamma habn geweint, das ihre Augn rot sind. Ich soll wegfahrn in einer Schule filleich 100 Meiln weit un in dem Brif schteht:
»Ein gesundes Heim auf den Lande fir einige Knabn. Meßige Bedingungn, gute Narung, sorgfeltiger Unterrich.«
Ich bedauer di, wohin ich komm, weil ich so ein Monstrem bin, das meine Schwestern withend sind. Mein Fater sagt, ich bin ein Schadnschtifter — ein noch nich dagewesner Schadnschtifter, aber Betti sagt, es is eine brennende Schande einem armen ferlassnen kleinen Jungen fortzuschikn in einer Erziungsanschtalt.
Unsre Leute wolltn mich nich zur Beschenkgesellschaff mitnehmen — ich quelte sie drum, weil ich sehn wollte, was jeder mitbringt, es is so spaßig, un so ging ich allein for ihnen hin. Der Predger wahr grad mitn Nachmahl fertig, aber sie lißn mich dort bleibn. Herr Peters kam un brachte Schterke. Herr Blackland kam un brachte Schterke. Herr Jones brachte Schterke. Herr Robinson brachte Schterke. Alle brachtn Schterke. Zuers lachtn di Leite fom Predger, aber wis so fortging wurdn sie zohnig un enlich sagte er ganz erns:
»Wenn das ein Scherz is, meine Freinde, so is es ein sehr armseliger.«
Un dann schautn sie alle zu mir hiniber, wo ich grad ein Fotografialbum anschaute un sagtn:
»Schorschi hats uns gesagt!«
Ich hadte es nur getan, weil ich sie sagn herte, sie braucht welche. Ich dachte ich will machn, das sie ihr genug bringen. Ich dachte nich, das ich dafir ferdin bein Ohr genommen un for die Erfrischungen nachaus geschikt zu wern. Manche Leite wern froh gewesn wenn sie's gehabt hedtn Schterkpudig damit zu machn. Ich bin ganz entmutigt das zu thun, was di Leute wolln.
Am nechstn Tag wahr große Schlidtnfahrt. Nimand ladete Elsbett ein mitzufahrn, weil sie ferlobt is un ihr Ferlobter is in der Schtadt. Ich herte wi sie sagte, sie mechte greßlich gern mitfahrn un weil ich zufellig bein Ladn fon den Kerl wahr, den si den Laufpaß gegebn hat, wi ihm das Ferd durchging fragte ich ihm, ob er Elsbett nich auf der Schlidtnpartih mitnehmen mecht? Er sagte:
»Nein, das mecht ich nich, un wenn sie das einzige Frauenzimmer auf der Welt wer!«
Elsbett hedte mich nich dafir zu klapsn gebraucht, das ich ihm fragte — weil ichs nur that, weil sie so gern mitwollte.
Nechstn Tag war Neijahr. Zu unsern Haus kam aber gar kein Besuch, di Medchen warn schon außer sich for wartn. Eine Menge junge Leute gingen foriber, ein paar kamen auch zum Haustohr aber sie kamen nich herein, weil ich einen Korb an den Griff fon der Glocke angebundn hadte, di Kartn hineinzuschmeißn, damit meine Schwestern keine Unrue habn. Gegen Abens pakte mich Elsbett bei der Axl un sagte: »Schorschi, du hast wider was angeschtellt — schau mir grad in die Augn un sag mir, was du getan hast!«
Ich schaute ihr grad in die Augn.
»Ich habe gar nichs gethan, nur eich fon der Unrue befreit, die Besuche zu emfangen.«
»Was has du getan?« widerholte sie un schidtlte mich fester un fester.
»Ich hab nur ein par Worte geschribn, un in der Zeitungsekspedezjon getragn, wi die andern Leite machn, wenn sie was anonzihrn wolln.«
Dann haschte Elsbett nach der Zeitung fon gestern un las alles schnell durch bis sie zu der Anonznschpalte kam un dort schtand:
An alle di es angeht:
Di Fräulein Hackers wolln Neijahr nich zuhaus sein, weil ihre Gesundheit sehr schwach is, sie habn immer Hiftschmerzn wenn si ihr neies Seidnkleid tragn un es macht greßlich fiel Unbekwemlichkeit eine feine Tafl herzurichtn, Austern sind teuer, es zalt sich nich aus, denn di junge Menner sin iberhaup sehr seichte Geschepfe — sie bidtn fir heier um Enschulgung.
Susi Hacker.
Elsbett Hacker
Susann schaute iber der Schulter fon Elsbett, alle 2 warn so rot wi Feier — dann so bleich wi Kreide un setztn sich zugleich nider, wi auf ein Kommander. Es wahr so schtill, wi wenn man mittn in der Nacht aufkommt, die Gleckchen klingltn lustig draußn un eine Menge junge Leite gingen frehlich bei unsern Haus forbei.
»Schorschi, fon diser Schtunde an ferleigne ich dich!« schnappte Susi zuletz.
»Das is zufil! zufil! Ich werde meinem Kopf ni wider aufrech tragn kennen! Das is der letzte Schtrohalm!«
So fil ich sehn konnte, war iberhaupt kein Schtroh da — ich wollte meine Schwestern blos freie Zeit machn.
Medchen sin sehr undankbahr, sie ferdinen es nich das ihr kleiner Bruder sie lib hat un 25 Cent fon seinen eignen Geld ausgibt, fir ihnen eine Anonnze in der Zeitung zu gebn! Ich dachte, wenn di junge Leute nich kommen, werd ich eine Menge Kuchn habn un Bonbons un alles was sie nich essn kennen, weil si nich da sind. Anschtatt das habn sie mich henausgeworfn un mir geschafft obn zu bleibn. Neijahr war der lengster Tag fon alle in meinen Lebn; wenn die Katz nich hereingekommen wer wo ich wahr, ich glaube ich wer ferrikt geworn. Katzn erzehln einem Jungen nich die ganze Zeit, er is unausschtehlig un ich fermute Fräuln Elsbett wird seh ibrascht sein, wenn sie ihre Hutschachtl aufmacht um den nei'n Hut fir der Kirche aufzusetzn un di Katz schpringt heraus — ich hab sie gestern heneingeschtekt.
So, nun noch eimal lebwohl. Ich will in der Schule sehr braf sein. Ich hab Mamma ferschprochn, ihr keine Schande zu machn, wenn ich kann. Ich hab mein Eichhernchen in der Tasche geschtekt, nimand weiß, das ichs mitgenommen hab. Ich mecht wissn ob di Bubn lachn mechtn wenn ich es das erstemahl wenn ich zun Frihschtik komm am Tisch schtell?
Oh Godt, wi einsam fihl ich mich. Der alter Herr auf den nechstn Sitz schlaft fest. Ob er aufschpringen mecht, wenn ich ihm mit einer Nadl heneinschtech, un ob ihm di Augngläser henunterfalln mechtn?