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Tagebuch eines bösen Buben cover

Tagebuch eines bösen Buben

Chapter 16: Er wird Kleptomane
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About This Book

A mischievous young boy records episodic diary entries that chronicle everyday pranks, family quarrels, near-accidents and comic misunderstandings. The narrative voice is candid and playful, recounting domestic scenes, school moments and the narrator's jealousies and curiosity about older siblings' courtships. Short anecdotes alternate with reflective asides, portraying the clash between childish impulses and social expectations while turning ordinary household life into recurring humorous incidents.

Ein großer Fortschritt

Wi traurig is es Heimwe zu habn! Lezte Nacht war ich lang, lang wach — mehr wi einer halbe Schtunde — un dachte an Betti un ihrn schilaugign Ferehrer zuhaus in unsrer Kiche. Un hir war ich — ein armer kleiner Bub, ferbannt fon den Heim seiner Fäter, so krank un mid fon der Welt, mir schmekte nich einmal das Ingwerbrot, das sie uns zum Nachtmahl gabn.

Oh Mamma, schike her un laß deinen armen Schorschi nachaus holn! Ich kann es nich ertragn wi der Professer Pitkins iber mein bukschtabirn redet. Ich kann das gehakte Fleisch un den Haferbrei nich fertragn, den sie zum Frihschtik habn. Ich kann di Ferhehnungen fon die großn Jungen nich fertragn. Mir scheint, sie denkn ein kleiner Bub hat nich mehr Gefihl wi eine Krete. Einer Krete kann man den Kopf abschneidn un sie macht sich nichs draus. Ich glaube das is greßlich schpaßig — nur muß man sie zuerst erwischt habn!

»Besondre Sorge wird fir jingre Schiler getragn,« stand in den Zirkulah.

Frau Pitkins schidtlte meinen Fater di Hand: »Ich will ihm eine Mutter sein,« sagte sie un das machte mich sehr ergerlich. Ich will sie nich bemihn damit. Ich bin doch kein Babi; ibrigns sagt auch Mamma nich, ich bin mirrisch, wenn ich blos Heimwe hab, un wi soll ich nich wenn sie mir bein Essn ein Werterbuch am Sessl legn, damit ich henauf kann un ferschtohln immer iber mir lachn? Wi di einen Jungen queln is genug ihn ferrikt zu machn.

Ich bin so mit Schneballn beschmissn, wi wenn ich ein Zaunfahl wer, Betti mechte weinen, wenn sie's sehn kennt. Mein seidnes Halstuch is weg, meine Fäußlinge sin am Dach, weil di Katze sie hinaufschlepte wi sie sie ihr am Kopf schtektn. Ich hab aber nich ein bischen geweint. Sie kennen mich nich unterkrign.

Jack Benze sagt, ich bin ein fester Kerl un er wird zu mir haltn. Er is ein sehr großer Junge un so hab ich wenigstens einen Freind.

Oh wi schreklich, so weit weg zu sein, fon alle di man gern hat, grad wenn Fleischpastehtn un Nisse reif sind! Wenn ich auf die 3 Fesser foll siße Apfl in unsern Keller denk, is mir, als ob ich wegflign mißt.

Frau Pitkins is eine sehr dike Dahme, aber ich weiß nich wiso das kommt, hechstens sie eßt allein zwischn di Malzeitn. Ich sitz nebn ihr bein Tisch auf den Werterbuch fon Webster, damit ich höer bin.

Heut frih wollte ich sehr heflich sein, wi der ferbige Kellner in den Hotell wo Lilly wohnt un schprang schnell fon Werterbuch henunter, wi sie aufstand, um ihr den Sessl wegzuschtelln, aber sie wußte nich, das ich so heflich bin un setzte sich dummerweis wider nider. Sie setzte sich richtig aufn Fußbodn. Oh so ein Bumpser! Aber war es rech das sie zohnig wurde un sagte ich hab es zu fleiß getan?

Sie will jetz an meine Leite schreibn das ich der schlechste Junge in der Schule bin, nur muß sie noch ein Tag oder zwei wartn, bis sie wider gesund is. Sie is greßlich unwohl. Wenn si Porzlan gewesn wer, so wer sie zerbrochn.

Ich hab angefangen Gografih zu lernen. Dort schteht di Erde is rund, aber ich kanns nich sehn. Wir habn eine große Erdkugl im Schulzimmer. Man kann sie mit der Hand umdrehn. Ich muß mit meinen Messer ein Schtik herausschneidn, weil ich schon lang wissn mecht, ob sie inwendig hol is oder ob der Schmutz ganz durch un durch geht. Ich lerne auch Ritmetik. Es is ein komisches Buch. Es schteht drinn, wenn Henschen sibn Drachn hat un Karl 2 mal so fil, so hat er 14 un das is doch zu fil fir einen Jungen, hechstens es is sehr windig un di Schnire gehn auseinand.

In Merz is di Zeit zum Drachnschteign. Wenn ich aber auf disn Plaz bleibn muß, firchte ich, wer ich nich fiel Lust dazu habn. Ausgekochter Reis mit Sirupp is so entmutignd, das ich Betti schreibn werd wi ich ihr ferschprochn hab — sie hat immer so fil Entresse fir dir gehabt libes Tagbuch — der Kechin zu sagn sie soll mir eine Schachtl schikn un Betti soll ihr helfn Zibebn klaubn, damit keine Zeit ferlorn geht.

Hir is auch ein Fräuln. Sie prift die kleinen Jungen. Ich hab sie sehr gern aber Jack Benze sagt, sie is eine alte Jungffer. Was is dabei, wenns sie's is? Sie heißt Fräuln Haven. Ich glaube sie hat mich auch gern. Ich hab ihr in Fertraun erzehlt, das sie zuhaus sagn ich bin ein schlechter Junge, aber ich thus nicht mitfleiß. Sie bedauert mich sehr. Sie hat gesagt, ich soll in ihr Zimmer kommen, wenn mir einsam is. Ich glaube ich wer heut abens zu ihr gehn.

Betti sagt immer, Freitag is ein Unglikstag — ich glaub es is wahr. Alle Bubn sin jetz bein Nachmahl nur ich nich. Ich soll keins bekommen. Es is sehr traurig, schon in der ersten Woche Schtrafe zu bekommen wenn man in einer fremde Schule is. Wenn sich eimal ein Junge fest geplagt hat, nich zu thun, was er nich thun wollte, so bin ich der Junge. Ich bin zu den Beschluß gekommen, das ich ein Unglikskind bin. Kann sein, wenn ich taub un schtumm wer, un nich sehn kennt, das mir dann nich sofiel Zufälle passihrn mechtn. — — — — — — — —

Professor Pitkins hat Schnupfn. Man sollte ihm nur nißn un nißn hern — aber er hat sich in einem großn rotseidnen Schnupftuch eingebundn un das is doch besser wi garnix. Frau Pitkins ligt noch immer in Bedt, aber sie hat um mir geschikt un mir noch eimal gesagt, das ich ein schlechter, schlechter Junge bin. Ich winschte, sie mecht mir etwas neies erzehln. Sie weinte, wi wenn sie Zahnwe hedt, wi sie mir sagte, sie firchtet es wird der Tod fon Professor sein. Ich sagte: »Wenn es sein Tod is wird dann die Schule geschlossn un ich nachaus geschikt? Oh Freude iber Freude! —« wi die Kinder singen.

Sie sagte: »Du bist ein herzloser, kleiner Teifl!«

Ich glaube, das is nich herzlos, wenn ich nachaus kommen will. Das mitn Professor wahr aber so:

Filleich eine Schtunde gestern nach den Tee ging ich im Schpeiszimmer schaun, ob das Medchen fergessn hat, den Kuchn wegzutragn. Es wahr greßlich warm dort, weil sie es auch als Wohnzimmer benitzn. Professor Pitkins lag ausgeschtrekt auf einen Diwan hinter den Ofn mit einen Buch aber ohne zu lesn, weil er fest eingeschlafn wahr. Frau Pitkins war nich da weil sie noch immer in Bedt ligt fon damals, wi sie sich auf der Erde setzte. Wir warn ganz allein. Die Kuchn warn eingeschperrt. Ich ging ganz nah zu ihm hin um zu schaun, warum er so schpaßig schnacht. Ich firchtete mich nich er wahr ja fest eingeschlafn! Ich glaubte zuers es tut ihm was we, weil er so schnachte; wenn man Wasser aus eine Flasche gißt un zugleich dazu feifft, is es ganz dasselbe. Auf einmal bemerkte ich, das sein Kopf obn ein bischen abgefalln wahr. Ich erschrekte zuers, weil ich glaubte er wird dran schterbn. Ich lif henauf zu Jack Benze un erzehlte es ihm. Er sagte: »Ah, was! er tragt eine Pericke, die Pericke is ein bischen henuntergeruscht.«

Ich fragte ihm, was das is, eine Pericke?

Er sagte, es is das, was di Indejahner herunterschneidn, wenn sie einen Menschen schkalpirn.

Ich fragte: »Is denn der Professer Pitkins schkalpirt worn?«

Er sagte: »Nein, aber es wer ihm recht geschehn damit. Er is so gemein — schkalpirn is noch fil zu gut fir ihm.«

Jack hadte so fil zu tun, mit seiner lateinsche preprazjon das ich zurikkroch ins Schpeiszimmer. Die Messer lagn am Tisch, 1 bei jedn Teller. Ich nahm ein Messer un schlich zum Professer hin so leise wie eine Maus. Ich fihrte das Messer rund um seinem Kopf herum, wi ich gelesn hab, das die Rotheite es machn, un nahm ihm den Schkalp greßlich langsam herunter damit er nich dabei aufkommt. Dann kroch ich auf Hende un Fiße iber dem Teppich, wi wenns Gras wer. Er wachte nich auf un so schlich ich in der Forhalle henaus, schprang auf un rannte in das lange Zimmer, wo di Bubn lernten.

»Uff! Uff!« heilte ich, aber ich durfte nich sehr laut schrein. »Ich habe ihm dem Schkalp abgenommen! Wenn ich ein Girtl hedt, mecht ich mir ihm anhengen!«

So ein Schpetakl war noch nich da wi dise Kerle machtn.

»Hurrah! Hoch Schorschi! Du wirs ausgeschlossn wern!«

»Der Professer wird greßlich withend sein!«

»Wi kanns du dich das unterschtehn?«

»Behalt sie nur, Schorschi!«

»Laß schaun wi sie aussiht!«

Ich gab sie herum. Wir hadtn einen firchterlichn Schpaß damit. Ich probihrte mir sie an, un alle andern setztn sie auch auf. Dann setztn sie sie mir wider auf un schtelltn mich auf den hohn Tisch un schrien: »Halte eine Vorlesung, Schorschi!«

Also schtekte ich di Hand hintern Rikn, wi wenn es di Frakscheßl fom Professer wern, hustete, reisperte mich un sagte: »Hem! Meine Herrn, ich mechte heite ihre Aufmerksamkeit auf das Thirreich lenkn, welches fon alle greßn un Artn is. Der Elefant is filmal greßer wi der Floh, aber der Floh ibertrifft ihm, wenns zum Hipfn kommt. Ich mechte nich winschn, das mir ein Ellefant am Rikn auf- un abschpazirt, wenn ich schlaf. Ich will sie heit nich lenger aufhaltn meine Herrn, weil ich weiß, das sie Schorschi Hacker, dem kleinsten Jungen in der Schule mit Schneeballn bewerfn mechtn.«

Dann lißn sie mich herunterschteign. Jack Benze wispelte mir zu ich soll sie liber zurikgebn, un ich sagte, ich will. Aber grad, wi ich am Gelender herunterglitschte, um es zu tun, kam der Professer sehr schnell im Forhaus. Ich konnte mich wirklich nich mehr aufhaltn. Der Schtekl fon meine Schue traf ihm grad im Mund un er blutete ein bischen un die Zehne filn ihm heraus.

Das wahr zu dumm. Ich wußte nich, das seine Zehne herausfalln kennen, — un dann ibrigns kann ich nichs dafir. Wi er sich das Blut abwischte, schlipfte ich ins Zimmer un schmiß die Perike schnell in Ofn, denn er warh so zonig, das ich mich nich zu sagn traute, ich hab sie ihm mit den Messer heruntergeschnidtn.

Das obere fon sein Kopf schaute aus wi das Straußei das mein Kusehn mitgebracht hat; er fragte mich, wo seine Perike is? Ich fragte ihm, ob er glaubt, es wahr die Katz? Er schidtlte mich so greßlich fest, das ich weinen mußte, dann sagte ich, filleich habn di Indejahner einen Einfall gemacht un ihm schkalpirt, wi er treimte. O, wi finster schaute er drein!

Er liß alle Bubn zusammrufn. Keiner konnte ihm sagn, was mit seinen Kopf geschehn is. Ich sagte, filleich habn di Rattn es in ein Loch geschlept.

Er wurde immer withiger un withiger un dann fing er zu nißn an. Wi ich ihm nißn herte, tat er mir leid, das ich das alte Ding ferbrannt hab. Ich wußte nich, das ein großer Mensch so leicht Schnupfn krigt. Ich sagte ihm er soll sich liber ins Bedt legn un ein Semfpflaster am Kopf gebn.

Er sagte, wenn es nich so bald nach di Feiertage wer, mecht er die Schule aufhebn; solche godtlose Jungen ferdinen Schtrafe. Er were beina sicher, das ich es getan hab, un er wirde es bald herausfinden un dann wehe den Schuldign!

Ich dachte das Mamma mir gesagt hadte, wi schlecht es is eine Lige zu sagn. Ich drikte mein Weinen henunter: »Herr Professer, die andern Jungen sin nich schuld — es wahr die Katz. Ich hab sie damit schpiln gesehn, wi ich druntn war, um zu schaun, ob Brigitt die Kuchn eingeschperrt hat un ihr zu sagn sie solls liber thun, damit die andern nich naschn.«

Der Herr Professer setzte seine Augngleser auf un schaute eine gute Weile auf mir, greßlich scharff, wi wenn ich so ein Wirmchen wer, di man unter den Mikreschkob anschaut. Mir wahr, wi wenn ich zu nichs einschrumpfn mecht. Es war notwendig fon etwas andern zu reden un ich fragte ihm: »Sin sie kaalkepfig geborn Herr Professer? Hat ihre Amme fergessn, ihnen Zehne zu bringen? Warum hat sie ihnen nich ein Paar Augn mit lebnslenglicher Garantih gebracht, damit sie nich Gleser aufsetzn missn, um einen Jungen fon meiner Greße zu sehn? Es thut mir sehr leid, das si schnupfn habn, aber ich glaube nich, das sie schon alt genug sin um zu schterbn, ohne deswegn so ein Schpetakl zu machn?«

Er wurde so rot wi ein Krebbs un runzlte firchterlich di Schtirn — ich glaub, er wollte was sehr schtrenges sagn, weil er anfing: »Du bis der impertenenteste kleine — haptschi! den ich je — haptschi!«

Dann kehrte er sich schnell um un ging henaus, weil di Jungen in ihre Taschnticher kichertn — er geht heut den ganzn Tag mit eingebundnen Kopf herum — er schaut nich aus wi ein Professer. Sie sagn, er hat um einer Pericke tellgrafihrt, man soll sie ihm heut abens Perekspreß schikn. Di Jungen habn heut frei, un so glaubn sie, es is alles recht, aber ich bin in mein Zimmer eingeschperrt mit Brot un Sirupp un das is nidertrechtig.

Ich weiß nich wi ich disn langweilgen Tag ferbracht hedt, wenn ich nich ein Ofnrehrnloch im Fußbohn gesehn hedt, zugedekt mit einen kleinen rundn Schtik Blech. Wi ich durchgukte, wahr es grad iber den Schreibtisch fon Frau Pitkins auf den eine Menge Sachn lagn; ich bog mir eine Schteknadl um, un band sie an einer lange Schnur, di ich in der Tasche hadte un schpilte fischn, um mir die Zeit zu fertreibn. Ich hab eine Menge komische Fische gefangen: ein paar Brasleh, ein Schpitzndekchen fom Nadlpolster, ein paar schreklich schpaßige Leckchen, sibn Haarnadeln ein paar Kregn un Manschettn, drei Dekchen, eine Flasche Odekolon, an der ein blaues Band gebundn wahr, wo sich die Nadl sehr leicht einhakte, eine Puderbikse — nur das der Dekl herunterfil un der Puder sich auf alles anschidtete, so das ich schnell das Loch zudekte, damit ichs nich bekomm, weil ichs ferschidtet hab.

Libes Tagbuch, ich muß jetz an Mamma schreibn, wifil ich schon Gografih un andre Sachn gelernt hab. Sie mechte nich glaubn, das ich so Heimwe hab, das sie mir über schnell eine Fruchttorte schikn kennt. Ich bin so fortgeschridtn in bukschtabirn un gutes Betragn, das sie noch eine Krehmtorte dazu gebn kennt.

Er wird Kleptomane

Es is merkwirdig wi fiel ein Junge lernt, wenn er in einer Erziungsanschtalt geht. Arthur Braun hat mir gezeigt, wi man Papirkugln schmeißn kann, so das nimand bemerkt, wer es geworfn hat. Willi Wilson hat mir gezeigt, wi man nachn Schlafngehn wider aufschteht un eine Menge Schpaß macht; auch wi man di Antwortn auf einen Zettl schreibn kann, un ins Buch legt, damit man nich so fil zu lernen braucht. Kopfrechen is greßlich schwer — man muß alles im Kopf machn — un hat Kopfwe wenn man Schlidtschu laufn will.

Auf der Tafl is es fiel leichter, weil man da dem Professer aufzeichnen kann, wenn man nich grad zusammaddirn muß. Un auch Frau Pitkins kann man sehr dik malen, nur muß mans geschwind abwischn, befor sie einem dabei erwischt, weil es sie schreklich zohnig macht, wenn man sie breiter zeichent, als sie lang is. Gestern erwischte sie mich dabei. Ich mußte mich in der Mitte fon Zimmer schtelln mit einer Narrnkappe fon ferbiges Papir am Kopf. Ich machte mir nix draus, nur Betti wird zohnig sein, wenn ich ihr schreib, wi sie mich behandln. Ich sagte ihr, ich trage es noch liber wi eine Perike — sie wurde so rot wie Feier.

Mir scheint, sie habn was gegn mir, wegn den Zufall, der mit der Perike passihrt is — un er hat doch jetz eine beßre dafir bekommen! Sie sin bereit, jedesmal auf dem armen Schorschi herzufalln, wenn was schif geht. Ich wahr es nich, der di Dinte fon ein End fom Zimmer zum andern geschidtet hat — es is ungerech, mich deswegn zu scheltn, wenn alles was ich gethan hab, war, das ich das Dintnzeig der Katze am Schwanz angebundn hab — die Katz hat die Dinte ferschidtet, nich ich.

Der Professer sagt, wenn so etwas noch eimal passihrt, wer ich sußpendihrt. Ich fragte Jack, was das heißt »sußpendihrt«? Er sagte mir, ich soll in den dikn Werterbuch nachschaun, auf den ich bein Essn immer sitz, dort schteht: »befestign an etwas obn befindlichn; aufhengen.«

Oh, was fir ein Geschik fir einen kleinen Jungen! Ich habe geglaubt, nur elende Merder wern aufgehengt.

Fräuln Haven sagt, ich werd nich aufgehengt, nur nachaus geschikt, un das will ich ja grad; aber sie sagt Mamma un di Schwestern wirdn sehr bes driber sein — er were eine Schande — nein so was! wi kann das eine Schande sein ihren eignen kleinen Bruder widerzusehn? Aber ich hab dem Fräulein ferschprochn braf zu sein un so was nich wider zu thun.

Sie hat einen Bräutegam. Ich hab seine Fotografih gesehn. Ich erzehlte ihr fon Lil un Montagu un fragte sie, wann sie heiratn wird. Sie sagte, sie weiß nich, wann ihr Schiff enlich gliklich in dem Hafn einlaufn wird — ich glaube er muß ein Seemann sein. Ich sagte ihr, es thut mir leid, wenn sie gewartet hedt, bis ich groß bin hedte ich sie selber geheiratet. Sie is fiel hibscher wi Frau Pitkins. Ich glaube sie is hir nich gliklich, weil sie weinte, wie ich in ihr Zimmer kam, aber filleich hat si grad Fefferminzzeltl gegessn, da kommt einem auch manchmal das Wasser in di Augn.

Frau Pitkins hat große Angs for Einbrecher, di Jungen sagn, es is nich eine Nacht, wo sie dem Professer nich aufwekt un schreit er soll aufschtehn, es sin Einbrecher im Haus. Ich wißte nich wozu, hechstens wenn sie di Jungen schtehln wolln.

Es is schad, das er so offt umsons aufschtehn soll, ohne einem zu findn, un so war letzte Nacht wirklich einer unter ihrn Bedt. Er wartete bis sie fest eingeschlafn wahrn.

Frau Pitkins schnahcht im Schlaf, wi wenn man Wasser aus einen Krug ausgißt. Auf eimal kam sie auf un wispelte:

»Pitkins! Pitkins! Es sin Einbrecher unterm Bett!«

Er sagte: »Unsinn! Schlaf nur.«

»Es is einer!« sagte sie. »Ich schpir, wi er sich unter der Matraze herum bewegt. Pitkins, schteh auf! Feier! Merder! Dibe! Oh Pitkins, zind ein Licht an!«

Er sagte ihr, sie is eine Nerrin. Grad den Augnblik schtiß der Reiber mit den Rikn auf der Matraze unter ihm. Er schprang auf dem Fußbodn, wi ein Gummiballn. Sie wollte ihm nach un schnappte dabei um Luft, aber sie purzlte um, un wahr so erschrokn, das sie nich wider aufschtehn konnte un schrie dabei, der Einbrecher bringt sie um, er helt sie bei der Gurgl. Deswegn lif Herr Pitkins schnell im Forhaus un rif Jack Benze un noch ein paar große Jungen. Sie machtn Licht. Es war zum lachn wi sie ausschaute mit di Haare in Papir gewiklt un mit einer flanellne Nachtjake. Jack leichtete unter dem Bedt. Es war nimand druntn, weil ich mich in finstern henausgeschlichn hadte un schon fest schlif wi Jack zurikkam. Jetz is wider alles ruig. Dises eimal wahr der kleiner Schorschi nich in der Affehr ferwiklt. Frau Pitkins hat ihre Busnnadl un seine Hemdknepfe in einer Kassa in der Schtadt geschikt. Ich hoffe es wird ihnen nix passihrn. Es were ein schreklicher Ferlust.

Ach! zu denkn das Schorschi der Libling seiner Mutter so ein langes ekliches Ding sen soll wi ein Kleptomahner! Das is das neiste Ereignis. Ich bin einer. Gestern mußte ich den ganzen Tag mit einen Papir auf der Schtirn herumgehn auf dem geschribn wahr:

»Kleptomahner

Das heißt, man kann sich nich zurikhaltn Sachn zu nehmen. Wi ich dazu kam, einer zu sein, war so. Ich hab dir erzehlt theires Tagbuch, fon den Ofnrehrnloch iber Frau Pitkins ihrn Schreibtisch.

Gut, sie besuchtn meinen Koffer so gut wi di fon die andern Jungen um herauszufindn, ob es Radtn warn oder Geister, oder was es wahr. Das war eine schöne Bescheerung, was sie alles in meinen armen kleinen Koffer fandn! Frau Pitkins Lohrnette, Schpitznkragn, Schönheitswasser, 2 Schteknadlpolster, 6 Taschnticher, 1 Kideparih, 1 Flederwisch, 1 Redekühl un eine Briftasche mit 50 Cent drin, ein zugebundnes Pakett, das si grad eingekauft hadte, ein par neie Kamaschn un zuletz aber nich als wenigstes Professer Pitkins silberne Uhr un seine neie Perike, um die er tellergrafihrt hadte, wi ich seine alte im Ofn schtekte, un di er unforsichger Weis am Schreibtisch lign liß, wi er in der Badwanne schtig un fon der sich niman erklern konnte, wiso sie ferschwundn wahr, hechstens das di Radtn sie ferschleppt habn, un das war ein schwerer Ferlust. Sie kostete 20 Doller, außer das es noch so ungenehm wahr, bei kaltn Wedter so kaalkepfig zu gehn. Also sagtn sie, ich muß ein Kleptomahner sein.

Aber ich mechte wissn, wi ein kleiner Junge mit einer Nadl an einer Schnur iber einen offnen Ofnrehrnloch schtehn soll, ohne zu fischn, wenn di Lufft rein is! Ich wollte die Sachn ja zurikgebn, wenn Gelegnheit is, aber sie sagn ein Kleptomahner gibt oft die Sachn wider zurik un das macht es noch klahrer, das ich einer bin. Also is das Loch zugeschtopft worn un alles is wider so fad wi früer.

Jedn Freitag ziht der Professer einen reinen Kragn an un di Leite kommen nachmittag aus dem Ort zur Prifung. Ein paar Jungn lesn Aufsetze for, ein paar sagn Gedichte auf, di sie auswendig gelernt habn un mehre sagn zusammen etwas auf.

An den Tag birstet Fräuln Haven mir di Haare un kißt mich un sagt ich bin sehr hibsch in meinen neun Gewand. »Nun sei ein brafer Junge, Schorschi, un ich wer schtolz auf dir sein!«

Ich hab sie so lib, wi meine Schwestern, außer Lilly. Ich hoffe ihr Schiff wird bald im Hafn laufn. Ich werd sie besuchn, wenn es is. Ich mechte wissn, ob sie auf den Schiff wohnen wird. Ich hoffe. Heute sollte ich etwas aufsagn. Ich schtig auf dem Podeum, machte eine Ferbeigung un sagte es sehr laut. Frau Pitkins hadte mir es aufgeschribn. Es war iber der Schule. Sie schrib mir auf:

»Wi gliklich sin unsre Schultage! Di gliklichsten unsres Lebens.

»Kleine Jungen, deren Eltern es aufwendn kennen, ihre Kinder in eine gute Schule zu gebn, solltn der Forseung sehr dankbar sein. Die armen Kinder der Schtraße sehnen sich fergeblich nach solchem Glik. Wir soltn es uns zu Herzn nehmen solang unser Geist jung un emfindlich is: — Unsre Nazjohn ferdankt ihre Greße nur ihren forziglichen Erziungsmittln, unter welchn di Erziungsanschtalt fir Knaben zur Forbereitung fir die hehern Schulen den ersten Rang einimmt.«

Das hadte Frau Pitkins geschribn. Ich hab es hir zum abschreibn in mein Tagebuch. Ich kann nich lign. Ich iberschrib es also, wi ich es habn wollte un las es sehr laut und schnell for. Sie wußte nich das ich es abgeendert hadte:

»Die Schule. Die Schule is schreklich. Kleine Jungen dern Eltern si in der Schule schikn, sin zu bedauern. Die armen Kinder auf der Schtraße unterhaltn sich besser. Sie schpiln fon frih bis abens templhipfn un Kugeln. Ich mechte liber ein Schtraßnjunge sein.

»Erziungsanschtaltn sin die schlechsten. Budter oder Eingemachtes krigt man nur eimal, Haferbrei is mehr da zum essn, als sons was. Man muß auf dem Kopf in der Ecke schtehn wenn man nur das geringste thut. Wenn ich groß wär un eine Schule hädt, ich wer nich so widerlich, wi Frau Pitkins. Das is alles was ich fon der Schule weiß.«

Ich glaub die Leite fandn es fir sehr gut fir so einen kleinen Jungen. Alle lachtn; der Professer un Frau Pitkins lachtn auch, aber so, wi wenns ihnen weh thäte. Wi sie wegwarn, un ich mir grad die Rihmen auf meine Schlidtschue festmachte, damit ich den ibrign nachmittag noch ein bißchen Schpaß hab, kam Frau Pitkins zu mir un sagte sehr siß:

»Du brauchs dich nich zu bemihn mit deine Schlidtschue, Schorschchen, du kanns den ibrigen nachmidtag im Schulzimmer bleibn un addihrn. Warum has du das abgeendert, was ich geschribn hab, du godtloser Junge? Du mußt fon Natur aus ferdorbn sein. Wenn dein Fater fir 2 Jungen bezaln mecht, wer es noch kein Ersatz fir di Mihe so einen schlechtn Jungen bei sich zu habn, der die andern Schiler ferdirbt!«

Sie fiehrte mich zum Schulzimmer, schtiß mich henein un ferschperrte die Thir. Ich hadte mich die ganze Woche auf Freitag gefreit. Ich konnte hern, wi di andern Jungen jauchztn un sich unterhiltn. Das Feier wahr ausgegangen. Ich hadte so Heimwe, das ich glaubte ich muß in 10 tausend Schtike zerschpringen. Bei jeder Zal di ich addihrn wollte, fihln mir die Trenen auf der Tafl, das ich den Schwamm gar nich in Wasser zu tunkn brauchte. Meine Finger warn so schteif, das ich das Ofnthirl aufmachte um zu schaun, ob das Feier noch brennt — es wahr grad nur eine Kohle mehr drin. Ich zerriß ein Schreibheft un legte das Linjahl drauf; es brannte wunderschehn. Ich schmiß noch eine Menge Rithmetikhefte drauf bis mir ganz warm wahr. Wi ich aber die Ofnrehre fest machn wollte, fihl das alte rostige Ding herunter. Ich konnte sie nich mehr festmachen. Der Rauch wahr greßlich. Ich schrie, weil es so in die Augn biß; dann fing ich an zu erschtikn. Ich pumperte an der Thir un rif Frau Pitkins sie soll mich herauslassn. Aber sie wahr mit den Schlißl in der Tasche in der Schtadt gegangen. Fräuln Haven sagte ich soll ein Fenster aufmachn un den Kopf henausschtekn, bis sie einen Mann findet, der aufmachn kann. Aber die Fenster warn fest eingefrorn un wolltn sich nich rihrn. Fräuln Haven draußn wahr greßlich außer sich. Sie schrie herein: »Schlage ein Fenster ein, Schorschi, befor du erschtikst!«

Ich fihlte mich ganz erleichtert, wi ich das herte. In zehn Menutn war nich eine ganze Scheibe in alle 5 Fenster. Ein Mann kam un brach di Thir auf. Der Professer war bleich for Wut, wi er di Ferwistung sah.

»Warum has du alle Scheibn zerbrochn, du kleiner Dummkopf?« fragte er mich. »Ich werde eine Woche brauchn, das Zimmer wider in Ordnung zu bringen. Ich werde die Rechnung aber schon deinen Fater schikn!«

»Adonijab,« sagte Frau Pitkins, »glaubs du nich es wer gescheiter den Jungen gleich mit der Rechnung zu schikn? Wir sind runihrt, wenn wir ihm bis zum Termihn behaltn. Er is erger wi die egiptischn Plagn. Ich winsche, ich hedte ihm schleifn gehn lassen. Filleich wer er eingebrochn un hedte sich ertrenkt.«

Nimand scheint mich zu brauchn. Meine Leite habn mich hergeschikt weil sie mich nich zuhaus habn wolln, un jetzt winscht Frau Pitkins, ich wer tot. Ich hab mirs iberlegt, was ich tun wer. Ich hab eimal in der Zeitung gelesn: »Ein gesunder Knabe zu adobtihrn gesucht.« Ich werde der Zeitung einen Brif schreibn, damit mich jemand adobtihrt. Ich will sagen ich bin gesund. Es wird sich nimand treimen lassn wi schlecht ich bin. Sie werdn mich fir einen gutn kleinen Jungen haltn. Schön angefoppt! Ich wers heut abens schreibn. Jack wird mirs zur Zeitung tragn: »Ein gesunder Junge winscht adobtihrt zu wern. Auf gute Behandlung wird mehr gesehn als auf Bezahlung.«

Er wird ausgeschlossen

Das wahr eine Ssene letztn Abens wi ich nachaus kam! Sie hadtn dem Konduktehr gesagt er soll acht auf mir gebn, um die letztn Worte fon den Professer warn: »Gebn sie nur gut acht auf dem Jungen, Konduktehr! Er is ein ganz schreklicher Kerl. Ich mußte ihm fon meiner Akademih auschlißn.« Un wie er kam, mein Billeh einzwikn, lachte er zu mir.

»Was has du gethan, Birschchen, das du ausgeschlossn worn bist? Du schaust so unschulg drein, wi ein Lamm. Man sollte nich glaubn, das du so ein godtloser Junge bist!« Un patschte mir dabei am Rikn.

»Oh, ich hab eine ganze Menge greßliche Sachn angeschtellt,« antwortete ich ihm. »Ich machte dem Professer sehr große Auslagn in Perikn, aber es war immer nur ein Zufall — ich hab nie etwas zufleiß gethan, nie! — es war nur Pech. Ich bin sehr ungliklich,« figte ich dazu mit einen tifn Seifzer. »Aber der letzter Zufall der mir passihrt is, hat den Faß den Bodn eingeschlagn — das heißt, der Frau Pitkins.«

»Gut,« sagte er, »wenn ich fertig bin komme ich zurik un du kannst mir erzehln, wi dir das passihrt is.«

Also kam er dann zurik un setzte sich auf der andere Helfte fon Sitz.

»Mechtn sie glaubn, Herr Konduktehr,« sagte ich, »das man einen kleinen Jungen — einem wirklich gutn hibschn, kleinen Jungen ausschlißn kann, blos weil er ein Schtikchen rohe Pastehtnrinde aus der Kiche genommen hat?«

»Das wer wirklich zufihl,« sagte er so ein bischen in Gedanken.

»Nun, sie habns getan!« sagte ich. »Alles was ich gemacht hab is, das ich ein Schtikchen genommen hab filleich so groß wi meine 2 Feiste — es wär nich mehr gewordn wi ein Schtik, so groß als Frau Pitkins fir gesund fir einen Jungen helt. Ich nahm es henauf in mein Zimmer, weil der Professer in der Schtadt untn ein Fisotgihforlesung haltn mußte zu woltetign Zwek. Frau Pitkins war ganz allein un ich pakte die Gelegnheit bein Schopff, wi sie in der Kiche war un der Kechin sagte sie soll die Eier zu den Fischn zum Frischtik nich ferschwendn un schmirte mir den Teig um das ganze Gesicht wi wenn ich eine Pasthete wer un machte ein Loch hinein, wi die Kechin thut, wo mein Mund war. Dann schlich ich in Frau Pitkins ihr Zimmer, setzte mich auf einem Sessl in der Ecke un nahm ein Leintuch iber mir, so das es bis auf der Erde henunterging. Es wahr finster im Zimmer, un wi sie heneinkam mit der Lampe fihl das Licht grad auf dem Geist. Si fing zu schrein an un lif dafon. Alles wer ganz gut gegangen un nichs geschehn, nur liß das dumme Fraunzimmer die Lampe falln un sie machte einen großn Fettflek am Teppich un ihr Kleid fing zum brennen an. Sie wär ferbrannt, aber Jack schmiß im Forhaus seinen Iberrok iber ihr un sie hadte grad nur eine Blase auf der Hand, aber das Kleid wahr hin — es war ein ganz neies — un for Angs krigte sie hesterische Kremfe un sagte, sie weiß jetz ganz gut, warum meine Mutter mich in der Schule geschikt hat, aber sie mechte mich nich um 10 000 Doller in Gold behaltn. Es wahr mir sehr leid, um ihr neies Kleid un ich wollte ihr mein golnes finfdollerschtik gebn, damit sie sich ein andres kaufn kann. Sie nahms aber nich. Sie sagte, sie wird es schon auf der Rechnung schreibn. Oh Godt, oh Godt! Was wird Papa sagn, wenn er die Rechnung siht! Es sin mir so fihle Mallehre passihrt! Immer bin ich in der Patsche!«

»Herr Konduktehr, brauchn sie keinen Jungen fon meiner Greße um Zeitungen auf der Bahn zu ferkaufn, oder Schinknsemmel oder Malzbombon? Ich mechte mich gern selbs erhaltn kennen, ich hob schon sofihle Auslagn gemacht!«

Er sagte, zu den Geschefft braucht man greßere Jungen.

»Un jetz mein Junge,« sagte er, »bleib ruig auf deinen Sitz, da has du eine Zeitung mit Bilder, schau sie dir an. Ich werde manchmal schaun kommen, wies dir get.«

Ich bedankte mich sehr heflich bei ihm. Grad wi er im nechstn Wagn gehn wollte, kam ein Junge mit Bombons. Ich kaufte 4 Pak un gab ihm einen Doller. Ich dachte mir ich wer das Geschefft auch probihrn, un wi er fort wahr, schprang ich auf, ging den Gang henunter un rif »Bombons gefellig!« wi er.

Die Leite lachtn, aber keiner wollte kaufn, ich machte also die Thir auf un ging auf der Pladtform weil ichs im nechstn Wagohn probihrn wollte.

Es wahr greßlich windig un ich glaube di Wagohns wakltn sehr schtark, weil das nechste, was ich weiß, is, das ich aus einen Schneehaufn herauskroch. Meine Ohrn warn foller Schnee, mein Mund auch — es war schreklich! Der Zug wahr schon weit weg — er fuhr wi der Blitz — un ich wahr ganz allein auf einen Feld.

Fräuln Haven weinte, wi ich aus der Schule wegmußte un gab mir ein Schtik Kuchn auf den Weg mit; ich hadte es in der Tasche un nahm es heraus un aß es. Auch ein Pak Bombon hadte ich, un hilt es noch immer fest in der Hand. Ich dachte mir, ich werde es essn un wenn ich schon zutot ferhungern muß, wird es wenigstens nich so bidter sein — wi ich auf eimal ganz erschtaunt seh, wi der Zug rikwerts kommt, wi ein Krebs. Ich mußte lachn; der Konduktehr, alle Bremser, der Inschenehr un der Heizer alle lehnten sich heraus, um meine Schtike zu suchn un di Fenster wahrn offn un di Passachihre schtektn die Kepfe hinaus. Filleich 200 Leite kamen heraus, wi der Zug schtehn blib.

Der Konduktehr war so bleich wi ein Geschpens aber wi er mich Bombons essn sah, wurde er ganz schreklich zohnig.

»Schau, das du henaufkommst!« sagte er, »ich hab schon 10 Menutn ferseimt. Geh henauf, du kleiner Schlingel! Was machst du für Schpeße mit uns?«

»Es tut mir sehr leid, Herr Konduktehr,« sagte ich. »Ich wers nich wider tun. Ich wollts gar nich thun, ich bin nich schuld, nur der Wagn — er waklte so.«

Er schtiß mich henauf un es wahr firchterlich ungenehm, wi di Dahmen alle iber mir weintn un meine Hende un Fiße angriffn ob ich nich zerbrochn bin. Ich mußte alle Gedankn an dem Bombongeschefft fir den Momennt aufgebn aber ich nahm mir for etwas anzufangen um mich selbs zu erhaltn, wenn mir noch eimal etwas passihrt.

Du sihst, libes Tagbuch, ich durfte den Konduktehr nich erzehln weswegn ich wirklich ausgeschlossn worn bin, weil er geglaubt hedte, ich habs zufleiß getan. Nur ein sehr, sehr beser Junge konnte an einer Dahme wi Frau Pitkins, so ein impertenentes Wallentin schikn. Das, welches ich an Fräuln Haven schrib hadte 2 Taubn drauf un es wahr so:

»Ich wer fersuchn, besser zu wern un alles thun, was Sie winschn

fon Ihren, sie libendn kleinen Freind
Schorschi

Frau Pitkins bekam eins, worauf schtand:

Rot is di Rose
Das Feilchen blau,
Aber wi Essig
So sauer die Frau.

Kann sein, das Jack es geschikt hat, aber sie sagte, es is meine Schrifft. Es lag ihr nichs an den Brifchen; das war noch gar nichs. Weßwegen sie einen Schpektakl machte wahr das: Irgnd ein Junge hadte ein Schtik Fleisch auf einem Fischhakn geschteckt un damit ihre Maltehserkatz gefidtert, aber auch das hedte noch nichs gemacht, aber er wahr auch in der Glaskugl fischn gewesn un zog alle Goldfische heraus, doch das hedte sie noch ertragn kennen, wenn er nich am Sonntagnachmidtag schleifn gegangen un in einem Loch eingebrochn wer so das man ihm ohne Atem herauszihn mußte, un er ein solches Quatsch machte mit seinen nassn Gewand, das sie sagte ihre Nerfn kommen in einer traurign Ferfassung. Sie wahr ganz weg. Sie konnte es nich mehr aushaltn — besonderst wi er sich am nechstn Tag das Gesicht un die Hende mit Dinte schwarz machte den Kichbesen nahm un im Schornschtein fom Wohnzimmer henaufkledtern wollte, aber henunterfihl un sich eine Beile am Kopf schlug, so groß wi ein Gansei — aber das alles hedte sie fergebn un fergessen, wenn er nich ein Schtik Papir auf ihrem Rikn geschpendlt hedte, auf den schtand: »Das is das Faß, welches bein letztn Tropfn iberging.« Aber das wahr nur Schpaß un sie hedte sich nichs draus gemacht, wenn er nich alle die komische Vögl aus den Werterbuch herausgeschnidtn un alle in einer lange Reie auf der Wand hinter seinen Bedt aufgepikt hedt, damit er was zur Unterhaltung hat, wenn er zeitlich aufkommt — un wenn er nich di goldnen Augngleser fom Professer zerbrochn hedt, wi er sie der Eile in der Biblotehk aufsetzte, so das sie henunterfihl, un sich enlich nich angewehnt hedte, genau so wi der Professer zu hustn un wi er nur in ihr Zimmer heneingeschikt wurde um seine Gografih besser zu lernen nahm er ihre Nachjacke zog sie dem Pintsch an un machte ihm heuln, das er weglif un sie durch dem ganzn Ort schlepte.

Wi also der Konduktehr zurikkam, hadte er schon fergessn, wegn die ferseimten 10 Menutn zohnig zu sein. Nein, wi das alte Ding fortsaußte! Aber ich dachte es is besser, wenn ich nich mehr fon den früeren rede un er sagte: »Junge es is ein großes Glik, das du auf einem Schneehaufn gefalln bist! Das kenntes du nich zum 2. mal fersuchn. Ich glaube, du bist zum Hengen geborn.«

Dann erzehlte ich ihm, wi ich damals in dem Frachwagohn dafonlif un fon den freundlichn Bremser.

»Wenn sie zuhaus ergerlich sin, weil ich zurikkomm, werd ichs ihnen sagn lassn Herr Konduktehr« sagte ich, »dann mechte ich bei ihnen wohnen.«

»Da wirds dir nich sehr gut gehn,« sagte er, »ich bin ein alter Jungesell.«

»Desto besser,« sagte ich, »so wird ihre Frau nich dabei sein, um uns zu ergern. Meine Schwestern sin wirklich libe hibsche modische Medchen, aber einen Jungen wolln sie garnix erlaubn. Sie lassn mich nich Balln schpiln im Sallohn, wenns regent, oder mich unterhaltn wi ich will. Sie mechtn mich gern auf einen Sessl fon Pech festsezn, damit ich nich aufschtehn kann.«

»Sagn sie, Herr Konduktehr, habn sie denn einen Korb bekommen, das sie noch Jungesell sind?«

Er seifzte un schaute ein bischen traurig aus. Aber bald wahr er wider lustig un fragte mich ob meine Schwestern bein Deppoh sein wern um mich zu erwartn. Ich wußte es nich un konnte ihm keine Antwort gebn.

»Ich hädte sie gern ein bischen gesehen,« sagte er. »Wir sin schon da, mein Junge.«

Etwas kam mir in der Kehle, wi ein Schtik Knochn. Ich schaute eifrig henaus, wi ich das Schild sah iber Peters Ladn un den Weichnwerter mit den helzernen Bein un das Deppoh — ich hedte geweint, wenn ich die Trenen nich fest zurikgedrikt hedte. Der Herr Konduktehr schtand beim Trittbrett, damit ich sicher henunterkomm un da wahr Susi, greßlich hibsch mit einen nei'n Hut un einen Sillskinnmantl un Elsbett, wirklich auch sehr lib un sie wollte mich umarmen un kissn un rif: »Oh Schorschi, du nichsnutziger, schlechter, liber, guter Junge laß dich kissn!«

Ich sagte: »Herr Konduktehr, das sin meine Schwestern aber sie sin schon beide ferlobt. Das tut mir leid eiretwegn. Adjeh, kommen sie eimal un besuchn sie uns. Sind meine Schwestern nich hibsch?« un er griff am Hut un lachte un der Inschenehr un der Bremser un alle rifn: »Hurrah! Adjeh Schorschchen!« un das war sehr heflich fon alle.

Betti war auch drunten bein Deppoh un lachte un weinte, wi eine Gans.

»Du hast uns sehr gefelt Schorschi, es wahr schreklich ruig zuhaus un kein schlechter Junge da, der uns was zu tun gegebn hädt.«

»Wirklich, das is wahr,« sagte Susann. »Wir habn ein fedtes Kalb geschlachtet fir den widergefundnen ferlornen Sohn — es is schon gekocht un schteht am Tisch« — aber es wahr nich eimal Kalbfleisch, sondern gebakener Truthahn mit Sulz runderum, gereste Austern, kalter Schinken, schwimmende Insl, Kuchn, Eingemachtes — eine ganze Menge. Ich aß, wi wenn ich nichs als gederrte Apflpastehte gegessen hädt, seit ich fon zuhaus fort bin, nur Papa schaute erns drein, wi er die Rechnung fom Professer las un Mamma wurde ganz blaß, wi ich dem Dokter erzehlte, wi ich fom Wagohn heruntergeschmissn worn bin. Dokter Moor war sehr erfreit mich zu sehn — auch unser Hund, er kommt oft zu uns, weil er un Susi im Frihjar heiratn solln.

Nach dem Nachmahl sagte Papa: »Schorschi, ich winsche, das du jetz ein neies Lebn beginns, du wirst jedn Tag elter. Fersuche, nich so fihle Dummheitn anzuschtelln. Denke zweimal, befor du einmal handlst —« di Thir fihl grad zu un wollte dem Hund den Schwanz einzwikn un er rif schnell: »halte sie auf, Schorschi!« aber ich wartete, weil ich zuers 2 mal denkn wollte, un den Hund sein Schwanz war weg.

Der Dokter sagt, ich soll bei ihm Medezihn schtudirn bis ich groß bin. Sein Etwi, wo er di Medezihnen drin hat, war in der Tasche fon seinen Iberzier im Forhaus, un ich dachte mir, das is eine gute Gelegnheit, gleich zu doktern anzufangen un nahm ein bißchen weißes Pulwer aus einen kleinen Fleschchen un gab ein winziges bischen meinen Eichhernchen ein. Heite nachmitag hab ich es begrabn — Hansi wahr bein Begrebnis.

Oh, wi hibsch un gemithlich is mein Zimmer! Wi siß hab ich letzte Nach getreimt! Betti is fedter wi je — sie is ein sehr libes Medchen. Mein Herz is foll. Ich will fersuchn, nie, nie wider was anzuschtelln, so lange ich lebe un atme un damit gute Nach, mein Tagbuch.

NB. Hansi un ich nahmen Susanns Arbeitskestchen, das der Dokter ihr zu Weinach geschenkt hat, um mein Eichhernchen drin zu begrabn. Ich glaube, Susi wird es nich recht sein, aber der arme Benny muß doch einen Sarg habn — es wahr ein sehr hibscher Sarg.

»Mein Gott, es war die Katze!«

Dokter Moor un Susi habn ihre Ferlobung aufgehobn. Es is ein schreklicher Ferlust fir Susi, weil sie die ganze Auschtattung schon fertig hadte. Ich firchte, sie wird aus der Mohde kommen, befor sie einen andern findet, der so gut is wi der Dokter, der ein ausgezeichneter Mensch is, wi ich glaube, un die Mohdn weksln so schnell.

Der Hochzeitkuchn soll aber nich ferderbn, solang Hansi un ich wissn, wo er aufgehobn is. Es is ein prachfoller Kuchn un sehr nitzlich fir einen Jungen, wenn er schleifn geht, oder bis zum Nachmahl nich nachaus kommen will.

Letzte Woche wahr wider eine Anzeige in der Zeitung — Susi weinte deswegn bis ihre Augn so rot warn, wi Hansis wi ich rotn Feffer in den Backofn fon seiner Mutter schtreite. Ich glaube, schwarzer Feffer hedte nich so rot gemacht. Die Anzeige wahr so:

»Große Aufregung herrscht in der bessere Gesellschaff iber ein Gericht, das eine gewisse Heirat in fornehmstn Kreise nich schtattfindn soll. Nach unsrer posetiwn Kenntnis sind die Einladungen gedrukt un beina alle verteilt, aber di Beteiligtn schprechn nich miteinand. Die Uhrsache dises pletzlichn Wechsls im Programm is nich in der Öffntlichkeit gedrungen — sofihl is gewiß, das es nich die Schuld des Herrn is.«

Arme Susi, du dauerst mich! Wi fro bin ich, das sie nich fermutet ihr Bruder setzte es in der Zeitung! Ach, wi traurig is es, ein schlechtes Gewissn Tag fir Tag mit sich herumzutragn. Ach! ich bin di Uhrsache, das dise Ferlobung aufgehobn wurde. Alles wer fridlich un ruig, hedte Susi nich einen so schlechtn Jungen zun Bruder. Un denoch glaub ich, das diser Edisn oder wi er heißt mehr Schuld is wi ich. Warum setzte er sich hin un plagte sich, bis er das ellektresche Licht erfundn hadte? Sie habn nemlich alle dafon geschprochn, un wi fihl sich Herr Edisn damit ferdinen wird un was es fir ein Ding is un der Dokter erzehlte, das er eine Badterih in seinen rikwertign Ladnzimmer hat, was ich schon wußte, weil er mich eimal den Griff in der Hand nehmen liß un es wahr sehr schpaßig — deswegn erzehlte ich es Henschen in der Frih, un er un ich wartetn bis der Dokter in seinen Zweiradler wegfuhr un dann klettertn wir durch das Fenster in den rikwertign Ladn un ich goß ein bischen aus einer Flasche henein, wi der Dokter es gemacht hat und gab Henschen di Griffe zu haltn un er schprang in der Lufft un fihl dann nider un schtrekte sich aus.

Ich schrie, er soll die Griffe auslassn, aber er sagte kein einziges Wort, wi wenn er tot wer un ich nahm ihm die Griffe aus der Hand un sagte ihm er soll sich aufsetzn, aber er herte mir nich zu un ich firchtete mich, weil ich ihm sehr lib hab un holte ein paar Menner, die auch durchs Fenster kledtern mußtn. Sie schpritztn ihm mit Wasser an un sagtn ich bin ein schlechter Junge — sie glaubtn ich hab ihm umgebracht un trugn ihm nachaus un seine Mudter wollte nich einmal schprechn mit mir. Ich glaube, sie hädte dankbahr sein solln, das er enlich nach langer, langer Zeit zu sich kam. Fom Dokter krigte ichs greßlich. Er sagte, ich runihre ihm seine ganze Prakses — di Leite firchtn sich, seine Medizihnen zu nehmen aus Angs, ich habe die Hende dabei gehabt — un das ich ein so liber, kleiner Junge bin, wi nur meglich, wenn ich mich anschtendig benehm, aber ich soll seine Sachn nich anrihrn.

Ich sagte ihm, es thut mir sehr leid — ich werde es auch nich wider thun. Ich wollte mein Ferschprechn auch wirklich haltn un wi ich das nechstemal bei ihm wahr, bemerkte ich eine Maus di immer in un aus ihren Loch kroch. Ich dachte, ich will ihm eimal eine Gefellikeit thun, weil ich ihm schon sofihl Schadn gemacht hab — un wi er am Abens zu uns zum Tee ging, schtekte ich die Katze im Ladn, damit sie schnell di Maus fangt un der Dokter sie nich sehn soll. Er ging zu Susi auf Besuch nach dem Nachmahl un ich fermutete, er wird zimlich lang dort bleibn. Wi er zur Potheke zurikkam, wo er im rikwertign Zimmer schlaft, herte er die greßlichste Katznmusik, wi wenn 1000 Katzn jammern mechtn. Er schperrte die Thir auf un zindete so geschwind er nur konnte ein Licht an.

Arme Miez! Die Maus war auf der Stellasch geschprungen, un sie ihr nach, weil alle Flaschn heruntergeschmissn un zerbrochn wahrn — so eine Beschehrung war noch nich da! die heßliche Medezihn auf seinen neien, hibschn Teppich — aber der armen Miezekatze gings am schlechstn. Eine Flasche mit Witreol war zerbochn un sie hadte dem Fuß heneingeschtekt, kein Wunder, das sie miaute un herumschprang wi ferrikt, so das sie dem Dokter wi er hereinkam grad ins Gesicht fuhr, aber er hob zum Glik den Arm auf — das redtete ihm die Augn — so das sie blos seine Nase un Schtirn zerkratzte — das machte ihm so komisch ausschaun am nechstn Tag — un wi er sie zuletz abschittlte, schprang sie direk zur Thir un nimand hat sie seitem gesehn. Das schrekliche Witreolöl fraß ein großes Loch im Teppich, was noch nich so arg gewesn wär aber es fihl auf dem Sofa, befor es auf dem Fußbodn rollte un goß eine Menge fon den greßlichn Schtoff über seinen neien Anzug, dem man ihm am selbn Tag gebracht hadte un in dem er heiratn sollte. Er wahr ganz runihrt. Ich glaub es wer noch nich so schlecht gegangen — arg wi es wahr — nur fing Susi, wi er am nechstn Morgn kam, um den Unfall zu erzehln, so zu lachn an, wi sie sein Gesicht foll Hefftpflaster sah un seine Nase 2 mal so groß wie gewehnlich, un sie lachte un lachte wi wenn sie nich aufhern kennt, bis er sagte: »Es mag fir sie Schpaß sein, Fräuln Hacker, fir mich is es der Tod. Ich habe genug fon ihren kleinen Bruder gehabt un auch fon ihnen — wenn das der ganze Dank is fir das, was ich schon hab ertragn missn. Ich glaube nich das ich in di Familjeh eines Jungen wi Schorschi heiratn werde. Un so lebn sie wohl Fräuln Hacker — fir immer!« un er schlug di Thir sehr fest zu un ging so schteif weg, wi wenn er gefrorn wer.

Dann aber ferging Susi das Lachn — aber es wahr alles umsons — er wahr nich bei uns seitdem, un das is 2 Wochn her; so schikte ich also ferschtohln di Anzeige zu der Zeitung un sie wird gewiß heneingesetzt wern.

Die ganze Familjeh is withend auf mir wegn der Katze un ich hab es doch nur in der bestn Absich gethan. Wer hedte es foraus wissn kennen, das Susann als alte Jungffer schterbn wird, blos weil ich di Katz in der Potheke fon ihren Bräutegamm liß, um eine Maus zu fangen? Das is nun einmal mein Pech. Ich bin ein sehr ungliklicher Junge. Susi ißt nich eimal sofihl wi ein Vogl zum lebn braucht un Elsbett orfeigt mich jedes mahl, wenn sie nur nah genug kommt, grad als ob der Dokter auch nur ein bischen früer zurikkäm, wenn sie mich orfeigt. Susann sagt, sie kennte ihm alles fergebn, bis auf dise Anzeige in der Zeitung: »es wahr nich die Schuld des Herrn.« Gut, war es filleich? Das sagte ich ihr auch, aber ich hoffe un bete, das sie es nich endekt, wer es gethan hat. Ich hab schon genug angeschtellt, ohne erwischt worn zu sein; das were der Kipflpunkt.

Gestern hadte Susi wider ein bischen zu weinen, di Medchen warn in ihren Zimmer un ich ferschtekt in ihrer Kammer nebnan, weil ich grad einen fon ihre Gummischue in Schtreifn zerschnidt, um mir einen Balln draus zu machn, un ich herte wi Elsbett ihr sagte, das man sich erzehlt der Dokter ginge jedn Abns zu Agnes Schtein.

Fon Agnes sagt man sie is das hibscheste un modischte Medchen in der Schtadt. Unsre Lil is ferheiratet un weg; un so wahr Susi firchterlich eifersichtig un weinte bis sie nich mehr konnte un wollte nich zum Nachmahl henuntergehn, so das ich nich wußte wi ich aus der Kammer herauskommen soll. Ich glaubte ich muß zutot hungern, aber wi es sehr finster wahr schlipfte ich henaus, so schtill wi eine Maus. Wi sie ihrn Gummischuh nich fandn, sagte Elsbett immer, eine Ratte muß ihm weggeschlept habn, um drin zu schlafn.

Wi ich allein mein Nachmahl aß, nur mit Betti, di mir ein Schtik Pastehte brachte, die sie nich mehr zum Essn brauchte, iberlegte ich mir, ich bin zu schlecht etwas zu essn, außer Pastehte un noch ein Schtikchen Kuchn, wenn Susi sich obn mit langsamen ferhungern selbsmordn will, un dachte mir, wenn ich irgend was thun kann, um das Unglik gut zu machn, das ich angeschtellt hab, so will ichs thun. Ich sagte zu Betti: »Sage den Leutn, sie solln nich besorgt um mir sein — ich geh nur zu einen Freund un bin in einer halbn Schtunde wider zurik.«

Damit schlipfte ich aus den hintern Thor. Filleich 10 Menutn schpeter leutete ich bei Richter Schtein.

»Is Fräuln Agnes zuhaus?« fragte ich.

Sie sagte ja un so fragte ich, ob ich sie einen Momment sehn kann. Sie sagte: »Geh nur in den Sallohn hinein.«

Ich nahm dem Hut ab un ging henein.

Fräuln Agnes wahr bei den Peano, großartig angezogn, das Haar herausgeputzt, di Wangen rot.

Sie fing zu lachn an, wi sie mich sah.

»Wi gehts dir, Schorschchen?« sagte sie.

Ich sagte: »Fräuln Agnes, kennen sie Pinafohr?«

»Oh ja, sehr gut!« sagte sie.

»Erinnern sie sich an dem rihrenden Schtik, wo er sagt:

»Mein Godt! es wahr di Katze!«

Das is grad dasselbe, wi es in Ladn fom Dokter war. Un jetz Fräuln Agnes, glaubn sie es is ehrnhaff un gerecht fon ihm, meiner Schwester das Herz zu brechn, blos weil di Katz ein paar fon seine schundige Medezihnflaschn zerbrochn hat? Ich mechte das sie ihm heit abens sagn, wenn er herkommt, das ich ihnen erzehlt hab, das Susi nich zu der Helfte fon di Malzeitn kommt, sie hat den ganzn Apptit ferlorn un die Kleider sin ihr schon alle zuweit. Der Grund warum sie lachte is, weil sie einen hesterischn Anfall hadte, so erschrekt war sie un hesterische Leite missn lachn, wenn sie auch noch so wenig Lust dazu habn. Es is eine Schande, wi er sie behandlt hat un ich will ihm wegn gebrochnen Freschprechn ferklagn, so wahr ich lebe un atme, un wenn ich groß bin muß er sich mit mir duellihrn, er wird mir nich auskommen!«

Grad da hilt mir jemand fon rikwerts di Hand aufn Mund hob mich dann in der Hehe un setzte mich auf der Aksl un wi ich henunterschau, wahr es der Dokter selbs! So was!

»Nein, Schorschi,« sagte er, »wir wolln uns nich duellihrn, wir wollns liber gut sein lassn un wider Freundschaff schlißn. Mir gehts grad so wi deiner Schwester. Ich glaub, das beste was ich thun kann is, das ich mit dir nachaus geh un ihrs selber sage, wenn Fräuln Schtein uns enschuldign will.« Also gingen wir.

Wie wir dort wahrn, sagte ich: »Gehn Sie im Sallohn, Herr Dokter, ich will henaufgehn un sie rufn. Sie weint sich obn in finstern die Augn aus. Die Leite sin im Wohnzimmer.«

Dann lif ich henauf, schprang in ihr Zimmer un schrih: »Wo bis du Susi? Du solls schnell hinunterkommen. Im Sallohn is eine Auschtellung. Das große Wunder hir is fon Barnem ausgekommen!«

Sie pakte mich so fest bein Arm, das er noch jetz blau un schwarz is.

»Was sags du, Schorschi?« fragte sie ganz atemlos.

»Ich sage, wer zuletz lacht, lacht am bestn.«

Dabei flog si schon die Treppn hinunter wi der Wind. Ich lif so schnell nach, wi ich konnte, aber ich kam nich so schnell henunter als ich wollte, weil ich schtehn blib, um die Uhr im Forhaus aufzuzihn, aber sie zerbrach, weil sie den Tag früer aufgezogn worn wahr un jetz wird sie wahrscheinlich reprihrt wern missn; wi ich enlich henunterkam, wahr eine Ssene im Sallohn! — aber ich lasse dem Forhang falln. Schorschi schteht mommentahn in hoer Gunst. Sie brummtn nich eimal, wi sie das greßliche Loch in den Hochtzeitkuchn sahn, das irgend eine Maus gemacht hat. »Wir kennen einen andern machn,« sagte Susann ganz gleichgilltig. Die Zermonih soll for sich gehn, wenn das Flaster fon dem Dokter seiner Nase geht.