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Tagebuch eines bösen Buben cover

Tagebuch eines bösen Buben

Chapter 20: Der erste April
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About This Book

A mischievous young boy records episodic diary entries that chronicle everyday pranks, family quarrels, near-accidents and comic misunderstandings. The narrative voice is candid and playful, recounting domestic scenes, school moments and the narrator's jealousies and curiosity about older siblings' courtships. Short anecdotes alternate with reflective asides, portraying the clash between childish impulses and social expectations while turning ordinary household life into recurring humorous incidents.

Er macht einen Drachen und läßt ihn steigen

Rosa Prinz wird eine Gesellschaff gebn; sie is schon ein großes Medchen, un die Gesellschaff soll an ihren zehntn Geburtstag sein. Sie sagt sie werdn eine großartige Unterhaltung habn, jemandn, der Klawihr schpilt zum tanzn, un ein wirkliches Abendessn auf einer langen Tafl — nich nur so herumgetragn, aber sie weiß nich ob sie mich einladn darf, weil ich noch zu jung bin un so schlecht. Ihre Mudter sagt, sie soll mich liber auslassn. Ich sagte ihr, sie is in Irtum, ich bin jetz ein Musterjunge, sie soll nur meine Mutter fragn, ob ich nich die letzte Zeit schreklich braf wahr; es is gemein mich nich einzuladn un ich werde sie auch nich einladn, wenn ich meine Gesellschaff gebe un Mamma hat mir ferschprochn, das ich es darf, wenn ich fortfahr braf zu sein. Also hat sie mich eingeladn un ich darf gehn. Es is morgn abens.

Ich geh jetz in unserer Schtadtschule; ich hoffe mich in lesn un schreibn schnell zu ferbessern, der Lehrer sagt, ich bin gescheit genug um eimal Presedent zu wern, wenn ich nur aufmerksam sein mecht, aber es sin hunderterlei Sachn in der Schule, um einen zerschtreit zu machn, mehr als man glaubn mechte, wenn man nie in der Schule gegangen is. Im Winter sin keine Flign da, aber man hat genug zu thun mit Papirknedl im Mund zu machn un ferschtohln herum zu schaun was ein andrer Junge einen fir Zeichn macht un das nimmt eine Menge Zeit weg oder den Lehrer auf der Tafl zu zeichnen mit einer dike Nase un es schnell wegzuleschn, wenn mans in der Hehe gehaltn hat. Oder einen Apfl zu essn unter der Bank, weil es ferbotn is oder dem Lehrer nerwehs zu machn, weil der Griffl bein Schreibn durchaus kratzt. Ich hab sehr wenig Zeit for lauter lernen, aber es noch immer besser, wi in einer Erziungsanschtalt geschikt zu wern.

Elsbett sagt das Haus is ein Paradihs, wenn ich in der Schule bin — ich fragte sie, ob auch Engl in den Paradihs sin, weil ich keine sehn kann. Ich hab sie gebettlt, sie soll mir einen Drachn machn, aber sie hat keine Zeit bis di Hochtzeit forbei is. Alle Jungen habn Drachen, es is jetz die richtige Zeit dazu; es is zu dumm, herumzulaufn un zuzuschaun, wi die andern Jungen ihre schteign lassn. Ich denke, ich wer in dem Ladn gehn un mir 2 Schtekn kaufn un mir selber einen Drachn machn; ich kann ihm obn in meinen Zimmer machn; ich nehm mir Papas Gummirabi, Mammas Schehre ein paar Zeitungen un den Wollknäul. Ich will ihm machn, befor ich in der Frih in der Schul geh.

Heute Abens gibt Rosa Prinz ihre Gesellschaff. Ich bin sehr einsam un sitze in meinen Zimmer mit der Thire fon außn zugeschperrt. Ich glaube, sie wern sehr lustig sein, bei ihrn feinen Nachmahl — ich hab keins bekommen — nich ein Schtikchen hab ich seit den Gablfrihschtik gegessn un das wahr um 11 Uhr.

Ich bin ganz hol inwendig, wi eine Tromml. Aber was ligt dise herzlose Eltern dran, ob ich leide? Sie sin groß — ihre Fersuchungen sin foriber, nimand schperrt sie ein un ferriglt die Thir hinter ihnen un sagt, sie bekommen heut kein Nachmahl, wenn sie krank sin un hungrig un elend; nimand orfeigt sie, wenn sie's nich besser gewußt habn, keiner schafft ihnen lesn un Gramattik lernen, wenn sie fortgehn wolln un sich ein bischen Schpaß machn; sie missn nich im Sessl ruig sitzn un nie den Mund aufmachn, wenn Gesellschaff kommt, un sie tratschn gleich alle Neuikeitn aus, die sie wissn. Ich hab heut frih den Drachn gemacht, wi ich gesagt hab. Ich wahr sehr zeitlich auf un schlich in di Schtrümfe hinunter um mir die Sachn zu holn, damit ich die Leute nich aufwekk. Ich holte mir keine Helzer fom Zimmermann, weil ich Papas seidnen Regnschirm sah un mir dachte, di Fischbeiner davon sin gut genug dazu; so schlich ich im Forhaus, nahm sofihl Fischbeiner heraus, wi ich brauchte un dann schnitt ich di Seide henunter um den Schweif draus zu machn — den hab ich zuers gemacht — oh! einen langen, langen! Dann schnitt ich dem Drachn zu un pikte ihm. Bis zum Frihschtik wahr er fertig un ich ferschtekte ihm untern Bedt bis ich in der Schule geh.

Ich kam zufellig disn formitag sehr schpet in der Schule — eigntlich kam ich erst hin, wi die Schule am nachmitag aus wahr un der Lehrer nachaus ging. Es dauerte so lang bis ich den Drachn probihrt hadte, das ich nich früer hinkommen konnte. Die Schnur wahr iber einer Meile lang un natirlich dauerte es sehr lang bis ich die ganze nachgelassn un wider aufgewiklt hadte un das machte es so schpet. Deswegn schtellte sich der Lehrer bei uns un fragte nach ob der kleiner Schorschi krank is weil er heut nich in der Schul wahr, un so kams heraus.

Also wi ich in der Schul gehn wollte lißn die Jungen ihre Drachn schteign un ich liß meinen wider schteign; es war ein sehr fester Wind un sie gingen prachfoll in der Hehe, aber meiner fihl auf der Hauptschtraße einen Ferd am Kopf, das sich for jeder Dummheit schrekte, selbs for einen Drachn un es lif fort wi der Blitz un schmiß den Mann henunter grad mit den Schedl auf einen Barrejehrfahl un das wahr zu dumm, weil der Fostn abrach wi nix. Ich firchte sie werdn einen neu'n aufschtelln missn. Der Mann is erschlagn sagn sie, aber ein pahr glaubn, er wird wider zu sich kommen. Wenn ers thut, so hoffe ich, er wird nich wider so dumm sein un ein scheues Ferd einschpannen — es is immer gefehrlich.

Ein Mann sagte mir, ich soll nich wider auf der Haupschtraße Drachn schteign lassn. Ich ging also henunter zum Depoh, weil ich weiß, di Maschienen wern nich scheu for Drachn un liß ihm schteign. Guter Godt! wi er in der Hehe flog. Henschen sagte, er fligt grad so wi ein Vogl, ich liß ihm di Schnur ein bischen haltn. Wir hadtn greßlich fihl Schpaß damit, nur blib er an einen hohn Baum hengen, wi ich ihm aufwikln wollte un wir konntn ihn nich herauskrign. Wir probihrtn un probihrtn un weil ich 10 Cent in der Tasche hadte, di mir der Dokter gestern abens gegebn hat, so sagte ich zu Henschen, wenn er hinaufkricht un ihm herunterholt, so geb ich ihm di zehn Cent.

Ich wollte nich gern selber hinaufkrichn, weil mir Mamma gesagt hat, ich soll nie auf einem hohn Baum klettern — ich kennte henunterfalln.

Hansi sagte, er firchtet sich. Ich sagte: »Unsinn, Hansi! Ich wußte nich das du so ein Feiglin bist. Du kanns dir eine Menge Bretzln fir di 10 Cent kaufn.« — Dann kledterte er hinauf, aber er wahr noch nich di Helfte obn, wi er ausliß oder ein Ast abrach un er herunterpurzlte; so mußte ich den Drachn obn lassn, was wirklich gemein wahr — am erstn Tag, wo ich ihm gemacht hab. Hansi tat sich beim henunterfalln ein bischen weh. Sein Fuß is gebrochn; er wird sex Wochn im Bedt lign missn. Dokter Moor hat ihm eingerichtet un zwischen Helzer oder sowas geschtekt. Armer Hansi, ich mechte ihm schreklich gern sehn un fragn wi es is, aber seine Mamma will mich nich zu ihm lassn. Betti hat mir erzehlt, das sie gesagt hat, wenn Hansi gesund is wolln sie fortzihn fon da, sie will sein Lebn nich in der gefehrlichn Nachbarschaff fon so einen schlechtn, schlechtn Jungen wi ich bin, reskihrn. Si is wirklich gemein; ich hab ihm lib un mecht ihm nich um der Welt weh tun. Ich wußte nich, das er henunterfalln wird. Wenn er sich fest gehaltn hedt, wi ich ihm früer gesagt hab, hedte er sich den Fuß filleich nich gebrochn un ich hedte ihm die 10 Cent gegebn. Ich winsche ich kennte ihm sehn, wi schpaßig er auschaut in Schtekn eingebundn. Betti sagt, Mamma is so unwol, das sie sich zubedt legn muß; warum legt sie sich zubedt? Ihr Fuß is doch nich gebrochn. Manche Leite sin so dumm, das man gar nich weiß, was man fon ihnen denkn soll.

Betti sagt auch, das Papa schreklich withig is, wegn seinen bestn Regnschirm; sie habn die Schtike in meinen Zimmer gefundn, so das sie gleich wußtn, ich hab ihm zerschnittn. Wi ich nachaus kam, pakte er mich bei der Schullter, schtiß mich henauf in mein Zimmer un ferschperrte di Thir; nimand nich eimal Betti hat mir etwas zu essn gebracht. Ich winsche Familjen hedtn keine schlechtn Kinder, di in der Patsche kommen un dann hungern missn un so ein schrekliches Gefihl im Magn habn, nachdem sie sich den ganzn Tag bein Schpiln geplagt habn. Wenn ich wißte wo der Thirschutzferein is ich mechte ihnen schreibn, wi ich behandlt wer. Hansi is noch zu klein um zu der Gesellschaff eingeladn zu wern, also braucht er sich nichs draus zu machn, wenn sein Fuß gebrochn is. Er wird Scheleh bekommen, Eingesottnes un Hihnersuppe un eine Menge gute Sachn. Oh, wi hungrig ich bin! Ich winsche ich were Hansi. Ich winsche, ich were bei Rosas Gesellschaff un kennte Gefrornes essn. Ich winsche ich were in Robinson Krusohs Hitte un kennte gerestete Muschln essn. Ich winsche es mechte ein Brotfruchbaum in meinen Zimmer waksn. Wenn ich noch eine Lampe hedte, kennt ich wenigstns fon so gute Sachn lesn, aber sogar in mein theires Tagbuch muß ich bei Mondschein am Fensterbredt kritzln — jeder Trost is mir weggenommen. Ich wer mich ins Bedt legn un fersuchn, fon den schiffbrichign Matrohsn zu treimen, der auf das Schiff geholt un gefittert un bewirtet wurde — besser wi der arme Schorschi.

Der erste April

Ich habe gestern un forgestern Nacht nich zuhaus geschlafn weil ich meiner libn Lil einen unerwartetn Besuch machte, un so konnte ich nich in dir schreibn, libes Tagbuch. Weiß du libes Tagbuch forgestern wahr der erster Tag fon Monath Aprill. Sie nennen ihm den Aprillsnarrntag. Die Jungen erzehltn alle schon die ganze Zeit was sie machn wolltn, aber ich wahr so ruig wi eine Eule un Papa sagt, di denkt greßlich fihl.

Es war schreklich fad, seit Hansi sich den Fuß gebrochn hat weil seine Mudter mir nich erlaubte zu ihm zu gehn — sie hat immer eine geladete Pestole bei sich, sagn sie — ich sehnte mich nach ein bißchen Schpaß. Alle sagn, die Schtadt is greßlich fad, wenn Schorschchen nichs anschtellt, sie winschn, seine Schwester wer schon ferheirat, damits ein Ende hat, un sie wirds auch nechste Woche sein, wenn nichs inzwischn passihrt; aber ich will zun 1. Aprill zurikkommen.

Sie habn eine neue Schtadthalle gebaut, nachdem die andre abgebrannt is, weil ein paar dumme Medchen iber einer Maus schrien mit einer großn Gloke drinn, di sehr fest leitet, wenn irgendwo ein Feier is. Also gut, am Abens früer aß ich gut zum Nachmahl un schtekte noch ein hibsches Schtik fon den Hochtzeitkuchn ein; ich wollte nemlich unter einer Bank ferlorn gehn, werend der Messikeitsferein eine Fersammlung hilt un ein ganz gemein ausschauiger Kerl ihnen forpredigte un sagte, er wisse selbs wi das were. Ich schenkte einen andern Jungen mein Taschnmesser un ein Schtik Kuchn, damit er mit mir ferlorn geht. Wir hadtn eine Menge Schpaß nachdem der Schlißer di Lichter ausgelescht un das Thor ferschperrt hadte.

Ich hab gehert, Mamma saß die ganze Nacht auf, un das wahr sehr dumm fon ihr — sie hedte wissn kennen, das mir nichs passihrt. Wir wartetn un wartetn, bis wir einschlifn un dann kam ich auf un wisplte: »Willi, es ist Zeit — es is beina taghell. Komm gehn wir.«

Wir tastetern uns bis zu den dikn Schtrik hinter die Schtign un zogn so fest wir nur konntn, wi wenn di ganze Schtadt in Feier wer.

Alle Leite schprangen aus di Bedtn un zogn sich in schrekliche Eile die Kleider an. Wir hertn sie herumlaufn un schrein: »Wo is es?« »Sihst du es?« Oh, das wahr ein Schpaß! In 10 Menutn warn die Schtraßn so foll wi bei einer Prozeßjohn. So schnell wi der Schlißer nur seine Schtifl anzihn konnte, kam er wi ferrikt hereingelaufn. Es war schon ganz hell, so das er uns sehn konnte aber er blib mit aufgerissenen Mund schtehn, wi wenn wir Austern wern.

Ich fragte ihm, ob er denn nich weiß, was fir ein Tag heit is, un er wurde so zohnig das er mich schittlte bis ich glaubte, mein Kopf is eine Klapperbixe. Aber der junger Herr Spring, der Awokat, lachte un sagte: »Lassn sie die Jungen gehn, un machen sie sich nichs draus, alter Bursche, das sie gefopt worn sin wi alle ibrign auch. Brawo, Jungens, ihr habt di ganze Schtadt drangekrigt! Ich fir mein Teil will mich mit eich fertragn.« Also gingen di Leite wider zuhaus un nahmen sich mehr zeit ihre Tojlett zu machn, besonners Fräuln Hauk di zufellig ihre Zehne fergessn hadte un Herr Apronz der keine Zeit mehr gehabt hadte, sich di Loknwikl aus di Hare zu nehmen.

Ich ging mit Papa zuhaus, der nich ein bischen scheltete un bein Frihschtik sagte Elsbedt: »Schorschi, du mußt sehr hungrig sein, weil du so zeitlich aufwahrst, da has du ein paar Fannkuchn.« Ich hab frischgebakne Fannkuchn sehr gern zun Frihschtik un so biß ich hinein.

»Was fir ekliche, harte, alte Fannkuchn,« sagte ich nach einer Weile un die ganze Familje lachte, wi nur was — es wahrn mit Baumwolle ausgeschtoffte Leinwandfannkuchn in Eier getaucht un gebakn un sie wolltn mir kein einzges Schtikchen fon etwas andern zu essn gebn.

Ich hadte in der Zeitung fon den Witz mit der Briftasche gelesn. Ich dachte es wird Schpaß gebn wenn ichs selbs probihr — man leßt eine alte Briftasche auf der Schtraße falln un gibt ach wer sie aufklaubt. Wi ich also henauf ging mir di Hare birstn, befor ich in der Schul geh, schlipfte ich in Mammas Zimmer un nahm ihre Briftasche aus der Schreibtischlade. Es wahr nur eine Banknothe drin un deswegn schtopfte ich sie hibsch rund mit braunen Papir aus un ging zeitlich weg, damit ich mir noch ein bischen Schpaß machn kann, befor di Schul anfengt. Ich legte es auf den Flaster un ferschtekte mich hinter einer großn Kiste, weil ich einen greßlichn altn Vagabundn kommen sah un wirklich bemerkte er di Briftasche, schtopfte sie in seine Tasche un machte sich so schnell ausn Schtaub, das er gar nich mehr hinkte, wi wenn er nich eimal lahm wer. »Warte, du alter Schufft,« sagte ich, »wi wirs' du dich gifftn, wenn du sie aufmachst!«

Dann schlenderte ich zu den Tellergrafnbiroh, weil ich den Beamtn dort kenn, er is ein guter Freind fon mir, weil er schterblich in Elsbett ferlibt is un ich borgte mir ein Kuwehr un einen Bogn Papir aus, wi er grad nich hinschaute un ging bald darauf fort, weil ich zu Jim Schwarz hinrennen mußte, der fihl besser schreibn kann wi ich un liß mir drauf schreibn: »Dokter Moor, kommen sie schnell, Lilly sehr krank — bereits aufgegebn. Montagu« un gab es einem Bubn, es in der Potheke zu tragn, grad so, das er noch zum nechstn Zug zurechkommt, wenn er sich tummelt; dann lif ich henunter zur Schtatzjohn un ferschtekte mich hinter einem Frachwagn, wi er zun Zug gelaufn kam. Oh, wi ich lachn mußte! Es wahr ein greßlich guter Witz.

Ich wußte, das Tellergrafnpapir wird ihm glaubn machn, es is Erns. Jetz wahr es so zu schpet in der Schul zu gehn un so konnt ich auch schon den ganzn Tag wegbleibn. Ich nahm meinen Golddoller un pikte ihm mit Schusterpech am Flaster, wi ich gesehn hab, das mans mit Pennys macht. Eine Menge Leite ferbrenntn sich di Finger aber dann kam ein großer Junge nahm ein Taschnmesser, kratzte ihm ab, machte eine lange Nase un lif weg — fui Teifl! Ich heiß das nich besser wi schtehln. Dann ging ich beim Mihldamm foriber un schtekte den Kopf in Frau Jerns Haustor un fragte sie, ob sie schon weiß, das ihr kleiner Benny im Teich gefalln is — un sie fing zu schrein an, wi wenn sie ferrikt gewesn wer un fihl am Fußbodn — so eine Nerrin! — als ob sie nich hedte dran denkn kennen, das der erster Aprill wahr.

Ich war firchterlich hungrich um der Zeit, wegn di baumwollenen Fannkuchn un setzte mich auf einem Baumschtumpf um meine Zehnerjause zu essn di Betti mir fir der Schule mitgegebn hadte. Es wahr ein reizendes faschihrtes Schnitzl, was ich sehr, sehr gern esse. Ich biß ein großes mundfoll ab — es war aus Segschpehne un schwarzn Feffer gemacht — so ein eklicher Quark! Ich weiß wers getan hat, es war Elsbett un so schmiß ich es weg un ging weiter bis ich zu den Blumengertner kam, der mich noch nich kennt, weil er noch nich lang hir is un ging henein.

Ich hadte di Karte fon der Tellergrafnbeamtn, di ich mir mit den Papir zugleich ausborgte un ich sagte zu den Gertner: »Nehmen sie ihr bestes un greßtes Bukeh, filleich um finf Doller, schtekn sie dise Karte henein un schikn sies gleich fort zu Fräuln Elsbett Hacker. Die Rechnung bringen sie nur ins Tellergrafnbiroh.«

Also that ers.

Wi ich henaus kam ging Fräuln Agnes grad foriber. Ich lif ihr nach un sagte: »Fräuln Agnes, sie habn ihr feines Schpitztaschntuch ferlorn.« Aber sie drehte sich nich um, weil sie sich erinnerte, das der erster Aprill is un so schtekte ich es in der Tasche, weil sie es im erns ferlorn hatte.

Jetz wahr ich aber schon ganz deschpraht hungrich un ging zum Kaufmann Peters um mir um 1 Cent Erdnisse zu kaufn weil man fir so wenig Geld sadt dafon wern kann. Ich kaufte mir auch ein par Rosihnen, Käs, Ingwerbekerei, Raketten un ein Fund Dattl un liß es auf unsrer Rechnung schreibn. Ich setzte mich auf dem Zahltisch un lachte iber Peters Witze un unterhilt mich sehr gut. Er erzehlte mir was er fir Schtreiche gemacht hat, wi er noch ein Bub wahr. Auf eimal schprang er in der Hehe, wi wenn man auf ihm geschossn hedt.

»Was is das?« schrih er.

Ein diker, schwarzer Bach rann iberall am Fußbodn zwischn die Fesser un Kistn herum.

»Filleich hat das Siruppfaß ein Loch bekommen,« sagte ich.

Er schaute scharff auf mir aber ich biß ruig in meinem Kes henein; also lif er un wirklich hadte so eine unachsame Persohn es rinnen lassn. Filleich 20 Liter fon den dikn Safft ronnen iberall herum. Ich wahr schreklich ergerlich — so eine Ferschwendung fon Sirrup!

»Ich wette, du hasts gethan, du Schlingl!« sagte Peters.

Er wollte mich pakn, ich wich aus, er trat in dem Sirupp schtolperte un bumste nider. So was hab ich noch nich gesehn, wi der anschaute, wi er aufschtand! Ich blib aber nich lang dort ihm zuzuhern, was er sagte — Mamma hat mir immer gesagt, ich soll fortgehn, wenn die Leite schlechte Dinge redn un so ging ich fort.

Dann wahr mir eine Weile sehr fad. Ich schtrolchte langsam weiter, un suchte ob ich nich etwas seh womit ich mich unterhaltn kann, bis ich zu den neu'n Bahndurchgang kam, wo di Arbeiter di Felsn schprengtn; aber sie warn grad bein essn, weil es mittag wahr un ich dachte ich kennte mir ein bischen Schpaß machn mit einer Kanne Pulver, di sie schtehn lassn hadtn.

Es wahr eine neie Brike da — so einen Krach hab ich noch nie gehert was sie machte, wi sie in der Luft ging. Ich wer sicher erschlagn worn, wenn ich nich im Tunell gewesn wer. So ein Danf! Uj! Di Luft wahr ganz foll dafon. Man konnte kaum di Leite sehn, wi sie hergelaufn kamen un das wahr ein Glik fir mir, weil ich mich firchtete wi's forbei war un ich ferschtekte mich den ganzen nachmittag bis zum Nachmahl.

Es is sehr schlecht, Lign zu sagn, un ich thue es seltn.

Wi ich hereinkam, schprang Mamma auf un umarmte mich.

»Ich firchtete du seist mit in der Luft geflogn,« sagte sie atmlos, »weil du nich in der Schul warst un wir dich nich findn konntn. Oh, Schorschi es is etwas schrekliches passihrt — di neie Eisenbahnbrike flog in der Luft — has du di Ixplosjohn gehert?«

Ich sagte ich hab etwas gehert um der Zeit wi Donner.

»Das wahr es,« sagte sie.

»Wi is es geschehn?« fragte ich.

»Es is unerklerlich — nimand weiß es.«

»Filleich,« sagte ich, »habn dise unforsichtige Arbeiter es mit ihre Pulwerkannen gemacht.«

Papa kam hinein un sagte es heißt di Uhrsache wahr eine Dinnamytixplosjohn.

»Es is ein Jammer,« figte er dazu, »so eine kosbare Brike!«

Dann gingen wir alle zum Nachmahl.

»Es is sonderbar,« sagte Susi, »der Dokter war heut kein einzges Mahl hir. Ich ferschteh das nich!«

Elsbett hadte einen Liljenschtrauß auf ihrn Kleid schtekn eine Rose in Haar, sie war schön angezogn un schaute so schtolz drein wi ein Trutthahn.

»Woher has du sofihl Blumen, Elsbett?« fragte ich sie.

»Oh, es hat sie jeman geschikt,« sagte sie, un wurde ganz rot in Gesicht.

»Aperpoh, Schorschi, has du filleich meine Briftasche gesehn? Ich bin sehr besorgt, weil ich sie nich findn kann. Es wahr eine 100 Dollernothe drin, mein Brautgeschenk fir deiner Schwester. Ich firchte irgnd ein Einschleicher hat sie geschtohln.«

Eine ein 100 hundert Dollernothe! Ich glaubte ich muß ohnmechtig wern un trank ein folles Glas kaltes Wasser bis ich mich sofihl gesammlt hadte, das ich sagn konnte: »Libe Mamma, ich dachte es is eine 1 Dollarnothe, ich hoffe, der Wagabund wird sie zurikbringen, wenn er siht, was drin is. Ich wollte ihm nur zum 1. Aprill fopn.«

Die ganze Famili wurde blaß — Mamma schtehnte. Susann sagte: »Oh Godt!« wi auf eimal di Gloke klingelte un Betti den Papa eine Rechnung fon Kauffmann brachte fir ein halbes Faß Sirupp fon den der junger Herr Schorschi den Hahn umgedreht hat un fir einen nei'n Anzug, ein Fund Dattl un 2 Loht Kes. Wehrend der Papa es las, kam der Dokter herein; er schaute sehr erns aus, wi wenn er mid un ergerlich wer.

»Wo wars du den ganzn Tag?« rif Susi un schprang hin un umarmte ihm so fest, das ich glaubte, sie will ihm durchaus erwirgn.

»Frag dem kleinen Engl, der da sitzt,« sagte er.

»Schorschi,« schrie Susann, »was unter der Sonne un dem Mond has du wider angeschtellt nach deinen feierlichen Ferschprechn, dich anschtendig zu benehmen?«

»Es gibt nur ein Midtl das ihm kurihrn kann,« sagte der Dokter greßlich erns, »un mit ihrer Erlaubniß, Papa, will ich es nach dem Nachmahl an ihm probihrn. Ich will ihm eine tichtige Dosis Pilln gebn, dann ihm zur Ahder lassn, ein Semfflaster iber den ganzn Rikn legn un auf der Brust eine Reie Blutegl setzn — dann werd ich ihm klorohformihrn un ihm beide Fiße abschneidn, das wird seine Schlechtigkeit auf eine Weile zur Rue bringen. Ist es ihnen recht?«

Papa sagte ja.

Also lif ich sehr schnell in der Kiche un borgte mir fon Betti einen Doller aus fir der Fahrkarte un rannte zum Deppoh henunter, so das ich um 10 Uhr nacht bei Lil wahr. Sie wahr grad zu Bedt gegangen, aber sie schtand auf un machte mir am Sofa ein sehr bekwemes Bedt. Oh, wi sie lachte, wi sie mir erzehlte, was fir Augn der Dokter machte wi er hereingerannt kam un sie beim Fenster sitzn un nehn sah!

Aber sie scheltete auch un liß mich fersprechn, es nie wider zu thun wenn auch der erster Aprill is. Sie sagte, »tetliche Witze sin sehr dumme, schlechte un beleidigende Dinge.«

So dachte ich also, es is besser, wenn ich nichs fon der Brike sage, es tut mir wirklich sehr leid. Ich hab zusammgerechent un glaub, es zalt sich nich aus.

Peters Rechnung25Doller.
Bukeh5
Mammas Berse100
Die Fahrkarte firn Dokter2
Meinedetto
Eisnbahnbrike30 000

Dennoch glaub ich is es nich recht einen kleinen Jungen die Fiße abzuschneidn, weil er den erstn Aprill gern hat. Ich bat Lil dem Dokter zu schreibn, er soll mir noch eimal ferzeihn; er sagt ein einziges mahl will ers noch probihrn.

NB. Elsbett wahr so zohnig, das sie nich mal schprechn wollte mit mir, wi ich zuhaus kam — warum hat der dumme Tellergrafnkerl nich die Rechnung bezalt, un's Maul gehaltn?

Wie er sich sein Ponny verdiente

Es is keine Sehle in Haus außer mir, Elsbett un di Dinsbotn weil Papa un Mamma auf einer Woche zu Lil auf besuch gefarn sind un der Dokter un seine Braut sin im Hotell. Mamma sagte, sie hofft, Schorschi wird werend der Zeit nichs anschtelln — sie wirde zidtern so lang sie weg is — aber ich fersicherte ihr, sie soll sich nicht sorgn ich will so gut un braf sein als der Tag lang is, reglmeßig in der Schule gehn un direk nachaus kommen, wenn die Schul aus is, meiner Schwester folgn un mich anschtendig benehmen. Papa sagt, wenn ich wirklich so braf bin, wi ich ferschprech, so will er dran denkn mir das Ponni zu kaufn, das der Fleischer ihm fir fierzig (40) Doller ablassn wollte. Ich mechte liber ein Ponni als 6 Beissikl. Ich hab jede Nacht fon ihm getreimt, seit der Fleischer mir dafon erzehlt hat — es is eine kleine Schenheit. Ich wer mich anschtrengen so fest ich kann, so gut zu sein, wi Pastehte. Betti sagt es kommt alles nur auf dem Fersuch an, es is leicht eine Woche lang ein guter Junge zu sein, wenn mans nur probihrt — aber ich seh nich ein, wiso sie's weiß, sie wahr doch nie ein Junge — aber ich wills fersuchn. Ein lebendiges Poni mit einen Sattl un Zaum dazu is es wert eine Woche lang keine Hunde mit Schteine zu werfn oder hinter der Schule zu gehn. Nechste Woche wer ich ganz schtolz auf der Haupschtraße henunterreitn un meine Schwester Susi im Hotell besuchn. Ich wer ein genaues Proterkoll aufnehmen fon meinen gutn Betragn.

Papa un Mamma sin schon iber Nacht weg. Gestern wahr ich zimlich braf. Ich hab den Schpigl in Mammas Zimmer zerbrochn, aber das wahr nur ein Zufall. Ich un Karlchen schpiltn Balln drin un machtn die Thir zu um Elsbett nich zu schtehrn. Der Balln schprang greßlich hoch, weil sofihl Gummi drauf wahr das ich fon Elsbetts zerschnittene Überschue drauf gewiklt hadte, — er zerschlug den Schpigl un schmiß eine Odekolonnflasche um, die sich auf dem neien Iberzug ferschidtete, un wir gingen hinaus un schpiltn im Hof weiter.

Betti wird erschtaunt sein, wenn sie's nechstemahl heneinkommt. Es fing zum trepfln an un wir gingen deswegn hinein un ich sagte zu Elsbett, er un ich wolln am Dachboden schpiln gehn. Es wahr sehr hibsch obn nur wahr auf manche Pletze kein Fußbodn, nur ein Flaster un wi ich schaun wollte ob es mich ertragt, brach es ein un das ganze Flaster fihl in dem leern Schlafzimmer — zu dumm! Mertl macht so einen Schtand auf einen Teppich un auf seidne Bedtdekn. Ich wer nich draufgeschtign, wenn ich gewußt hedte, es kann mich nich ertragn.

Es war ein alter Koffer foll Brife obn un ich gab Karlchen filleich 100 zum zusammpikn auf einen Drachn. Die ibrign nahmen wir un machtn ein Feier in so einen schpaßign altn Ofn aber er war am Bodn zerbrochn, so das das Feier durchfil, aber wir leschtn es aus; ich lif un holte schnell meinen Waschkrug un goß drauf bis es ferlescht war un ich glaube ich werd mein Ponni doch bekommen. Es wahr nich fiel Mallehr passihrt.

Wir kamen in Großpapas alte Kleider zum Essn herunter un Betti mußte sie zuriktragn un das wahr ein Glik, weil das Feier noch nich ganz ausgegangen war. Wir hadtn alle Hende foll zu tun bis wir es ausleschtn.

Elsbett sagt, ich muß wie ein guter Junge zeitlich zubedt gehn; so ging ich um 8. Man mechte es nich glaubn, aber wi ich filleich eine Schtunde schpeter henunterging um mir ein Glas Wasser aus den Krug im Schpeiszimmer zu holn, sah ich durch das Schlisslloch den Tellergrafnbeamtn neben Elsbett auf den Sofa sitzn, un wi ich pletzlich »Bu—uh!« schri, schprang er auf wi wenn er glaubte eine Lokomotive kommt hereingefarn. Elsbett schtand auf un machte die Thir auf, aber ich wahr nich mehr da sondern holte mir Wasser aus den Schpeiszimmer un sie machte wider zu un setzte sich auf der andere Seite fon Zimmer nider.

Meine Eltern sin schon 2 Tage un Nechte fort. Ich fersuch noch immer braf zu sein. Ich sagte den Fleischer, er soll mein Poni gut fidtern, damit ich es in gutn Zuschtand bekomm un er ferschprach mirs auch. Ob ich filleich einen Ritt drauf probihrn will? Ich sagte ja. Ich kam schreklich schpet in der Schule aber ich werds Elsbett nicht erzehln. Ich hilt bei den Tellergrafnbiroh an, weil eine Menge Leite dort schtandn, weil grad Zeit wahr zum Zug. Ich schtig nich fom Poni henunter sondern schrih nur »Halloh!« »Selber Halloh!« rif der Beamter durch den kleinen Fenster.

Dann fragte ich ihm, warum meine Schwester fon den Sofa aufgeschprungen is un sich auf der andern Seite fon Zimmer gesetzt hat, wi ich nur ein bischen »buuh!« durchs Schlisslloch schrie.

Er wurde rot wie Feier, weil der ganze Haufn Leite zu lachn anfing, wi wenn sie zerschpringen mißtn. Wi ich mit den Ponni zum Fleischer zurikkam, schpilte ich ein bischen mit seinen kleinen Jungen. Wir schpiltn, er is das Kalb un ich bin der Fleischer, aber ich glaube, wenn sein Fatter nich bald gekommen wer hädte sich das Kalb zutot erwirgt, weil es so fest an den Schtrik zerrte, aber dafir konnte ich nichs, es wahr das Kalb was zerrte — ich hilt nur den Schtrik fest.

Der Fleischer sagte ich tete besser in der Schule zu gehn un so ging ich. Elsbett hadte mir gesagt, ich soll keine Jungen mehr mit nachaus bringen, also brachte ich die kleine Flora Adams. Es wahr sehr windig un wir gingen hinaus in den Hof, meinen neu'n Drachn schteign zu lassn. Der Dokter hatte mir ihm gemacht; er is sehr groß un hat eine sehr schtarke Schnur, weil er zerrt, wi ein Roß, wenn er schteigt un ein schtarker Wind is. Er ging prachfoll in der Hehe. Ich hadte greßliche Angs, das ich ihm nich allein erhaltn kann un sagte zu Flora, sie solle mir helfn. Ich band ihr die Schnur um der Taillje un sagte ihr sie soll sich fest an den Holzschupfntor anschtemmen. Di Katz rannte um der Eke un ich sagte: »um Gotteswilln, halt ein bischen allein, ich will di Katz ibern Zaun haltn, damit Hansis Hund zohnig wird.« Auf eimal, wi der Schwanz fon der Katz schon so lang wahr, wi mein Arm un der Hund dribn greßlich heilte, herte ich einen entsetzlichn Schrei un wi ich mich umschaute, sah ich Flora wi der Blitz in der Hehe gehn, wi wenn sie ein Fogl wär. Ich wollte ihre Schue pakn aber ich wahr nich geschwind genug. Der greßlicher Drachn war ihr zu schtark geworn. Ich glaube, sie hat sich nich fest genug angeschtemmt. Ich war sehr erschtaunt, wi leicht er sie hinaufzog. Befor ich »Ene, bene Tintnfaß« sagn konnte, wahr sie schon iber den dreischtekign Haus fon Herrn Schattek. Sie schaute greßlich schpaßig aus. Ich glaube, die Leite wundertn sich, wiso sie flog, weil man die Schnur gar nich sehn konnte.

Das alte Fräuln Pendler erzehlte Elsbett schpeter sie hadte ganz fest geglaubt, der jingster Tag is gekommen. Die ganze Schtadt sagt, das Kind is auf wunderbahrer Weise fon einen greßlichn Tod geredtet worn. Grad wi sie iber den Haus fon Schattek wahr, riß die Schnur un sie fil auf dem Dach, das zufellig ein flaches mit einen Gelender runderum wahr, so das sie leicht heraufschteign un sie holn konnten.

Sie wahr nich ein bischen ferletzt, aber mein prachfoller Drachn wahr weg. Ich glaube ihre Leite missn mir einen andern gebn, denn wenn sie sich festgehaltn hedt, wi ich ihr gesagt hab hedte sie mir ihm nich ferlorn. Betti hat das Loch in der Deke bemerkt, aber ich hab ihr gesagt di Rattn missn es durchgefressn habn. Es wahr zu fad nachdem Flora nachaus gegangen war, ohne Drachn un so ging ich ein bischen schpazirn. Es wahr warm un angenehm, ein bischen windig — grad so ein Wetter wo einen Jungen gleich einfellt, er kennte fischn gehn. Ich kauffte mir ein paar Angl un eine Schnur bei Peters un ging langsam weiter bis ich zu den Mihldamm kam, wo ich im letztn Frihjar beina ertrunkn wer.

Es wahr schon Zeit zum Nachmahl aber ich wußte Betti wird mirs schon aufhebn un so machte ich mir nichs draus. Ich grub mir ein par Regnwirmer aus, un angelte zuers eine Menge Unkrautt, dann erwischte ich beina 2 Weißfischl — nur kamen sie mir wider aus — aber wies finster wurde fing ich einem wirklichn lebendign Ahl — einen großn dikn Kerl, beina so dik wi ein Krokerdill — un ich nahm ihm mit nachaus zum Frihschtik aber zuers machte ich noch einen Schpaß damit. Ich trug ihm in Sallohn, wi niman drin wahr un rollte ihm am Peano zusamm, wi eine große schwarze Schlange un ging dann Nachmahl essn. Betti zindete die Lampn an un meine Schwester kahm herunter, aufgeputzt, wi wenn sie Gesellschaff erwartet, setzte sich zum Peano un fing zu singen an:

»Tralalara, di ganze Welt is wunderschehn,
Tralalara, die Welt is wunder—

Oh! Oh! — I! i! i! i! i! i! Oh! Oh! Iiiiii! —« noch nich dagewesn! Eine Lokermotiwfeiffe mechte sich Schemen so zu kreischn wi sie tat. Ich selber lif henein, um zu sehn was los is. Auch di Kechinn un Betti kamen gelaufn. Elsbett lif auf uns zu grad so wi eine Katz in Angs auf der Mitte fon der Schtraße.

»Es is etwas auf dem Peano, glaube ich,« sagte ich zur Kechin un sie ging hin aber sehr lanksam un gukte. Ich wahr filleich iber 2 Schtunden so taub wi ein Schtok, wi dise dummen zwei Fraunzimmer krischn.

Ein paar Nachbarn kamen herein un fragtn uns, was denn los is.

»Nix, ein Ahl,« sagte ich.

»Was?« sagtn sie.

»Ein guter Ahl,« sag ich un lach. »Ich glaube die Weiber sin nerwes geborn, so einen Lerm zu machn iber einem Ahl, den sie ganz ohne zu schrein, essn wern, wenn er auf der Schissl ligt.«

Sie sagtn ich bin ein schlechter Junge, meine Schwester so zu erschrekn, sie wirds filleich noch eine Woche lang schpihrn. So gets immer — immer bin ich schuld, auch wenn die eltere Schwester einem Ahl nich fon einer schwarze Schlange kennt!

Meine theiern Eltern sin schon drei Tage un Nechte weg. Ich komm zimlich gut forwerts, obwol sich meine Schwester ergert, das ich alle Tag fischn geh — gestern wider in meinen bestn Gewand das ich anzog weil wir frei hadtn un der Lehrer besuch erwartete. Wenn ich gewußt hedt, das ich ausbleibn wer, hedt ich die andern Kleider angezogn, weil ich die neun' schreklich zerriß, un mir den Rok mit Teer einschmirte, wi ich damit auf dem Wagohnrad anschtreiffte, weil ich unter den Wagohn wahr un die Nadl herauszog damit das Rad weg rollt un di Meelfesser zerschpringen un das Mehl herumfligt. Es wahr ein großer Schpaß. Drei Fesser zerschprangen. Ich krigte sehr fihl Mehl auf mir, weil ich drin schpilte, wi die Fesser zerbrochn warn un das is nich besonders gut fir neie Kleider.

Ich konnte nich fihl Fische fangen, ich hadte eine Menge anre Sachn zu thun. Ich kam um fier Uhr zuhaus un ging fon rikwerts hinein in mein Zimmer un zog meine alte Kleider an, damit Elsbett nich schimft.

Elsbett is ein greßlicher Feiglin. Sie firchtet sich for so Reiber seit Papa und Mamma weg sind, das sie bei Nacht nich schlafn kann un deswegn sitzt sie mit den Tellergrafnbeamtn bis um 12 in Sallohn. Dann geht sie henauf in ihr Zimmer, schaut runderum, unters Bedt leßt die Lampe brennen un traut sich die ganze Nach nich einzuschlafn. Ich weiß nich warum grad Medchen solche Feiglinne sind.

Also ich wahr sehr hungrig, wi ich zum Nachmahl nachaus kam. Meine Schwester schaute schtreng auf mir: »Schorschi,« sagte sie, »der Lehrer wahr wider hir un hat erzehlt, das du nich in der Schule warst. Wo wars du den ganzn Tag?«

»Fischn,« war meine Antwort.

»Wann wills du dann ornlich schreibn un lesn lernen, wenn du so die Zeit ferschwenderst? Brings du filleich noch eine Schlange nachaus?«

Ich sagte nein. Eine is genug.

»Schorschi, ich hab ein par junge Leute auf den Abend eingeladn, ich bin so einsam. Geh, zih dir den neu'n Anzug an, benimm dich anschtendig un ich will dir erlaubn bis 10 aufzubleibn.«

»Was richt da so?« sagte sie schnifflnd, wi ich im Sallohn kam. »Oh Schorschi, was has du mit den neuen Rok angefangen!«

Aber es kamen grad ihre Freindinnen un so konnte sie nichs mehr sagn. Ich wahr so mid, das ich den ganzn Abend sehr schtill un heflich wahr, nur wi Betti das Bredt mit Lemonahde un Kuchn brachte, schtrekte ich zufellig den Fuß aus, das sie driber schtolperte un di Lemonad iber alles auschidtete. Betti is ein sehr ungeschiktes Medchen. Aber mich schikten sie zubedt.

Ich glaube ich wahr filleich seit 2 Schtunden eingeschlafn wi ich auf einmal durch ein greßliches Geschrei aufkomm, wi wenn das Haus brennen mecht. Ich schtand auf un gukte auf den Gang hinaus. Elsbett schtirzte in ihrn Nachkleid heraus schtiß mich zurik un drehte den Schlissl hinter uns um.

»Oh Schorschi,« echzte sie, »es is ein schreklicher großer Reiber unter meinen Bedt!«

Sie riß mein Fenster auf un schrie: »Hilfe! Merder! Feier!« bis ein par fon die Nachtbarn am Thor klopftn un ich henunter gehn mußte ihnen aufmachn.

Elsbett un die Kechin un Betti schtirztn henunter un warfn sich den Leitn in di Arme.

»Was is geschehn?« fragtn die Nachtbarn.

»Ein Mann is unter meinen Bedt, ich hab ihm so deutlich gesehn wi bei Tag. Oh, gehn sie nich ohne Waffn hinauf, er wird sie ermordn!«

Also gingen 2 henauf; 2 blibn bei Elsbett, weil sie sich so fest an ihnen hengte, das sie dableibn mußtn. Ich ging mit hinauf in das Zimmer fon meiner Schwester. Forsichtig guktn sie unter dem Bedt. Ja, es wahr ein Mann druntn! Sie zogn ihm herfor. Er liß sich zihn. Er feierte nich eimal seine Pestole ab. Hansis Fater schtand mit einen Sessl bereit ihm das Hirn einzuschlagn, wenn er Widerschtand leistn will. Wi sie ihm herforgezogn hadtn, schautn sie auf mir.

»Schorschi, das has du wider angeschtellt!«

»Gut,« sagte ich. »Elsbett wahr so sicher, das sie einen Reiber unterm Bedt findn wird, das ich ihr zum Schpaß einen henunterschtekte. Schaut er nich natirlich aus? — nur habt ihr die Schtibel unterm Bedt lassn.«

Der Reiber warn Papas Kleider mit Schtroh ausgeschtopft.

Papa un Mamma sin schon 4 Tage weg aber Elsbett hat ihnen tellergrafihrt, sie solln heit Abens zurikkommen. Sie sagt noch 24 Schtunden mit ihren bösn Bruder wärn ihr Tod. Ich weiß nich gewiß, ob ich mein Poni doch bekomm, nach all die Anstrengungen eimal gut zu sein. Es scheint sie habn irgend ein Forurteil gegn mir.

Er geht zur Hochzeit

Ich bin kein schlechter Bub mehr. Oh nein, ich bin jetz ein elender godtloser Junge! Weil ich reglmeßig in der Sonntaxschule un in der Kirche geh, un weil ich genau dasselbe thu, was der Predger thut, deswegn bin ich ein godtloser, ruchloser Junge. Oh Godt! wozu mich noch anschtrengen! Ich bin es mid, fortwerend umsons gut sein zu wolln. Wenn die ganze Schtadt withig is auf einem armen unschulgen kleinem Jungen, der noch nich eimal nein Jahr alt is, wenn der Herr Dekahn un der Inschpekter un der Predger sich iber ihm ergern, was soll er da anfangen? Ich hab mirs iberlegt — ich will noch eimal weglaufn. Ich will dismal noch weiter gehn — als zu Tante Betsey. Die Schtadt wird ruig sein, wenn ich weg bin. Sie wern nimand mehr zu ferleimdn habn — hechstns den, der zum Presedentn gewehlt is. Mir scheint, sie sin grad so schlecht, wi ich.

Gestern wahr Sonntag nachmidtag; es war ein schener heller Tag, die Grasmickn sangen — auch die Fresche. Ich fragte Mamma, ob ich ins Weldchen gehn darf mir ein paar Hollundergertn zu Feifferl abzuschneidn. Sie sagte ja, wenn ich braf un ruig bin, weil es Sonntag is.

Es wahr sehr angenehm in Wald, un es warn auch ein paar kleine Medchen da, die Blumen suchtn. Der Bach wahr tifer wi gewehnlich, weils so fihl geregnt hadte, deswegn fragte ich Minni Braun un Luzi Willer ob sie nich gern sehr sehr gute Kinder un rech fromm sein mechtn. Sie sagtn ja. Also sagte ich, ich werde sie ganz so gut wi der Predger taufn. Es is Sonntag, also grad die rechte Zeit — wollt ihr eich taufn lassn?

Anne Sprigs lachte, aber ich sagte, das is schlecht fon ihr — sie muß sehr erns sein — sie un Lise kennen am Ufer schtehn un singen, wi sichs gehert. Ich sagte zu Minni un Luzi sie solln sich nich firchtn, wenn das Wasser kalt is. Sie sagtn »oh nein!« Un dann sagtn wir alle das Gebet sehr erns.

Es tat mir leid, das Minni ihre beste blaue Scherpe umhadte un Knepflschue — das Wasser runihrt die Sachn so — aber sie wahr so taffer wi ein kleiner Lewe — sie schrie nich ein bischen un schtreibte sich auch nich sonder schaute so siß drein wi ein Engl, wi ich sie henaus liß. Aber oh je! wi fing sie zun zidtern an un es wahr kein Schahl da, das man sie hedte einwikln kennen — ich eilte mich deshalb noch Luzi schnell zu taufn.

Mir scheint, ich eilte mich ein bischen zufil — wir rutschtn beide auf die glitscherign Schteine aus un fihln um un Luzi wirgte wi nur was un konnte nich mehr aufschtehn — das Wasser ging so schnell das es sie wi eine Feder mitriß.

Es is ein Glik, das sie nich ganz ertrunkn is, weil die Medchen schrien wi besessn un ein paar Menner kamen gelaufn zogn sie heraus nahmen ihre eigne Recke herunter un wikltn si un Minni ein un trugen sie so schnell nachaus, wi sie nur konntn. Niman dachte dran, etwas um mir zu werfn un ich zidterte doch so, das ich beina nich gehn konnte. Oh wi mir di Zehne klappertn! Ich hab seitdem einen wehn Hals un kann nichs essn, außer Haferschleim un weiche Sachn; sie sagn es is gescheit, mir besn Jungen geschiht gaz rech! Es nitzt nichs, wenn ich noch so off sag, das ichs nich im Schpaß gemacht hab — ich glaub ich wers aufgebn ein Predger oder Dokter zu wern — wenn mein Hals wider gut is, weiß ich schon was ich thu — aber nur ruig, theires Tagbuch, nur ruig!

Minni un Luzi lign krank im Bedt — eine hat die Breine die andre Lungenentzindung — aber ich herte den Dokter zu Susann sagn, sie sind außer Gefar, also wozu der ganze Schpektal? Man kennte glaubn ich hab die ganze Welt umgedreht un alle kleinen Medchen falln herunter. Ich dachte ihre Eltern werns gern habn, wenn sie fromm sind — anschtatt das erzehlt mir Betti in Fertraun, das Herr Willer sich eine greßliche heßliche Hunspeitsche gekauft hat un mich gut durchgerbn will, wenn ich das erstemal auf der Schtraße komm.

Er is ein schundiger, heßlicher, gemeiner, alter Kerl! Er is fiermal so groß wi ich un es is eine Feigheit einen um sofiel kleinern zu prigln. Wenn Dokter Moor zu mir kommt, mir den Hals zu pinsln, wer ich ihn fragn, ob er mein Sekundann sein will. Ich glaube der alte Willer wird sich nich traun, mich zu prigln, wenn er hert, der Dokter is auf meiner Seite.

Ich fragte dem Dokter heut, ob er mein Sekundann sein will. Er sagte: »Wills du dich duellihrn, Schorschi?« un lachte.

Ich sagte ihm, das der alte Willer sich eine Hunspeitsche gekaufft hat, aber ich glaube, das es mir zukommt, die Waffn zu wehln.

Er sagte, das glaubt er auch — was ich also wehln wirde? Ich dachte un dachte — zuletz iberlegte ich mir, er is so file greßer wi ich, das ich mich liber ferschtekn will, bis seine Wut foriber is. Ich sagte also dem Dokter, ich will durch den hintern Geßchen in der Schule gehn, damit Herr Willer mich nich erwischt.

Er sagte, das er selber glaube: »Klugheit is der beßre Teil der Tapfferkeit«; aber ich wer doch ein paar Schteiner in der Tasche schtekn, das ich immer forbereitet bin. Ich weiß nich wie so ein kleiner Kerl wi ich sich seines Lebns freun soll, bei der Pestole fon Henschens Mutter un Herrn Willers Hunspeitsche!

Es is eine Schmach un Schande wi ich fon hoch un nider behandlt wer. Wenn ich wißte ob Seeleite oder Trapper das beste Lebn habn, so kennt ich meine Forbereitungen machn — so muß ich bis nach der Hochzeit wartn um durchzugehn, das is bis ibermorgn.

Ich hoffe, mein Hals wird gut sein bis dorthin, damit ich bei den Gastmahl dabei sein kann. Es were eine Schande fir einen Jungen mit meinen Appetitt einen wehn Hals zu habn, wenn seine Schwester heiratet. Ich wollt ich kennt jemandn meinen Hals ferkaufn. Kranksein is schreklich fad. Mamma sagt, was ich fon den armen Hansi denke, der seks Wochn im Bedt lign muß? Ich sagte ich bin froh, das ich nich er bin. Ich bin nich so dumm auf einem Baum zu kledtern um einen Drachn zu holn. Ich weiß nich, was ich anfangen soll, damit die Zeit fergeht. Ich bin ganz gesund, nur schtekt etwas in meiner Schlukrehre; aber Betti will mich nich anzihn lassn, sie hat meine Kleider aus'n Zimmer genommen — wenn ich ein guter brafer Junge bin, darf ich morgn aufschtehn. Ich muß schaun, das ich bis zur Hochzeit gesund bin.

Betti erzehlte mir, mit den dummen Tellergrafnbeamtn, der nich gescheit genug wahr, Elsbett glaubn zu machn, das er die Blumen beschtellt hat, is wider alles gut un er is ferlobt mit Elsbett. Betti hat so fiel zu thun, das sie herumfligt, wi eine Henne mit einen abgeschnittenen Kopff — selbs Mamma wahr heut blos eimal bei mir, so eine Hochzeit gibt schreklich fiel Erger.

Oh wi fiel Schpaß geht mir ferlorn, hir eingeschperrt un die andern so beschefftig wi di Bihnen. Ich herte heut frih den Dokter un Susann im Forhaus lachn, nachdem er bei mir wahr meinen Hals ansehn. Er sagte: »Sein Hals is kaum ein bischen schlecht, aber ich will ihm glaubn machn, das er gefehrlich krank is, bis wir sicher verheiratet sin mein Kind. Der bester Platz fir einen Jungen wi er is das Bedt« un meine Schwester lachte un sagte: »Es is eigentlich ein schlechter Schpaß fir dem armen Schorschi,« aber er sagte: »Er ferdint es, weiß Godt was passihrt, wenn der Bub dazwischn kommt.«

Ich hab gebritet iber dem, was ich gehert hab. Es is ein schmachfolles Konplott mich aus den Weg zu bringen. Ich glaubte er is mein Freund! Un Susi is mit in den Konplott! Ich glaube kein Junge is noch je so schlecht behandlt worn.

Er hat mir Brechwurtz gegebn, das ich mich krank fihln soll! Ich soll in Bedt lign un Brechwurtz bekommen schtatt Kuchn un Krehm un Salaht un Hendl un schtatt guter Unterhaltung auf der Hochtzeit. Ich dachte der Dokter is ein anschtendiger Mensch aber mir scheint er is ein greßlicher Heichler.

Macht nichs, es gehern 2 dazu.

Also meine Schwester is schon Frau Dokter Moor. Sie sin auf der Hochzeitreise in unbekannte Lender. Es is Fride un Rue im Haus un Bettis Fiße kennen sich ausruhn. Sie sagte, sie thun ihr weh wi Zahnschmerzn, wi sie sich zu Bedt legte — forderhand fir einer Woche — aber Susann gab ihr fier fon ihre alte Kleider, die nich gut genug fir einer Braut warn, un die habn die Schmerzn prachfoll kurihrt. Ich hadte trotz allen eine sehr gute Unterhaltung auf der Hochzeit. Dokter Moor liß mich im Bedt lign, un gab mir Brechwurtz, alle 4 Schtundn eimal, aber ich schpukte es jedesmal aus. Ich blib aber in Bedt un echzte un schtellte mich greßlich krank un wi wenn ich nich schlukn kennt. Ich las dem ganzn Robinson un die Familje Robinson 3 mal, wi keiner schaute un am nachmitag fon der Forschtellung — di sehr nobl um finf Uhr wahr — kam Mamma herauf zu mir un sagte es tut ihr sehr leid, das ich nich mitkommen kann un auch dem Dokter, aber es were nich gut schon aufzuschtehn. Oh wi ich lachte, wie sie draußn wahr! Denselbn Momment hadte ich auch schon meinen Plahn fertig ihm grad so firn Narrn zu haltn, wi er mich wollte.

Ich konnte keine Kleider findn, außer ein paar zerißne Hosn in die ich den ganzn Winter den Higl hinuntergerutscht bin, weil Betti sie alle fortgetragn hadte, un meine Pantoffl aber es ging ganz gut, weil ich mir eine Deke fon Bedt nahm un durch den Gang in ein Hinterzimmer schlipfte — fon dort kledterte ich auf das Dach fon der Kiche un auf der Regnrehre hinunter ibern Zaun un rannte wi der Blitz durch die Gasse, weil schon keine Zeit mehr zu ferlirn wahr, dann durch eine Hintergasse un bis ich sicher wahr lif ich schnurgrad zur Kirche. Die Leite warn noch nich drinnen — ich war zufleiß so frih gekommen — aber der Meßner hadte schon aufgeschperrt un fing an die Lichter anzuzindn un wi er sich umdrehte, schlipfte ich hinein ferkroch mich unter der Kanzl un wiklte mich in der Deke ein, wi wenn es das weiße Gewand fon den Predger wer un lag ruig.

Ich war schtill wi eine Maus, wehrend der ganze Zeit, in der die ganze Befelkerung fon der Schtadt in der Kirche hereinschtrömte. Jeder Sitz wahr angefropft, obwol ich sie nich sah, herte ich sie doch raschln un wispern.

Nach langer langer Zeit, wi mir schon die Knie wehtatn, herte ich enlich sagn »da kommen sie!« Herr Slokem kam for der Sakrestei herein, die Orgl schpilte sehr sanff un die Zermonih fing an. Ich wartete bis zu der Schtelle wo er sagt: »Wenn jemand gerechte Grinde oder Hindernisse diser Ehe forzubringen hat —« dann schprang ich grad auf der Kanzl un sagte laut un deitlich: »Ich habe, Herr Geißlicher.«

So eine Menge fon iberraschte Gesichter hab ich noch nie gesehn. Die meistn fon ihnen schtandn auf un die Weiber krischn, wi wenn ich ein Bär wer. Susi wurde so bleich wi ein Geschpens un pakte den Dokter bein Arm, wi wenn si sich firchtn mecht, das er ihr fortlauft. Mamma un Papa un der Dokter echztn ein bischen — ich glaub sie fihltn sich entmutigt. Wi Herr Slokem noch heraufschtarrte um zu sehn, wer es is, redete ich schnell weiter, weil ich firchtete, das sie mich nich ausredn lassn.

»Ich mechte wissn ob es schön is gegn einen kleinen Bubn einen Dokter zum Schwager krign, der herzlos genug is, forzugebn, das er krank is un ihm Brechwurtz zu gebn um ihm im Bedt zu haltn, damit er nich mitkommen kann, wenn seine leibliche Schwester heiratet?«

Oh wi sie alle lachtn, nur unsre Leite nich. Es is sehr heßlich auf solcher Weise in der Kirche zu lachn, wi si tatn. Ich bin filleich ein schlechter Junge aber ich lache oder wisple seltn in der Kirche.

Dokter Moor schaute grad herauf un sagte: »Komm nur herunter Schorschi un nimm dir einen Fordersitz. Du schlägst mich jedesmal. Ich werds nich wider thun.«

»Gut,« sagte ich, »Herr Slokem die Forschtellung kann weiter gehn, aber ich bitte um Entschuldgung, das ich nich herunter kommen kann, weil Betti mein Sonntaxgewand ferschtekt hat — ich will bleiben, wo ich bin.«

So wurdn sie enlich ferheiratet, aber ein paar unanschtendige Persohnen fingen grad bei die feierlichstn Schtelln zu lachn an.

Ich glaube, theires Tagebuch, meine Familje hat eine Lekzejohn bekommen — nich so ungerecht gegn einen zu sein, der manchmal etwas anschtellt, aber meistns sich anschtrengt ein guter Junge zu sein; seitdem bin ich sehr gut behandlt worn. Keiner scholt mich ein Wort, sondern sie nahmen mich im Wagn wi wir nachaus fuhrn un Betti gab mir gleich meine Kleider, so das ich mich zum Essn fertig machn konnte. Lilly un Montagu setztn mich zwischn ihnen, un gabn mir alles gute zum essn. Ich wahr greßlich hungrig nach so fihl Tee mit Butterbrod. »Schorschi,« sagte Lil, »ich sehe du bist noch nimmer so schlimm, wi früer« un sie lachte un lachte. Aber ich herte dem Dokter zu Susann sagn, das er seine Absich in betreff ihres zusammenwohnens mit uns geendert hat — sie mißten im Hotell wohnen. Ich mecht nur wissen, warum?