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Tagebuch eines bösen Buben cover

Tagebuch eines bösen Buben

Chapter 24: Er wird enterbt
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About This Book

A mischievous young boy records episodic diary entries that chronicle everyday pranks, family quarrels, near-accidents and comic misunderstandings. The narrative voice is candid and playful, recounting domestic scenes, school moments and the narrator's jealousies and curiosity about older siblings' courtships. Short anecdotes alternate with reflective asides, portraying the clash between childish impulses and social expectations while turning ordinary household life into recurring humorous incidents.

Im Löwenkäfig

Der Doktor sagt es is noch nich die richtige Zirkußsesohn, aber nechstn Freitag kommt doch einer. Er hat mir 50 Cent gegebn, damit ich hineingehn kann.

Der Dokter is ein ferflu— liber guter Bruder. Ferflucht is gemein — es is gut genug, wenn man Kugl schpillt, aber nich fir ein Tagbuch. Ich lern jetz hibsch schnell. Ich lese die Zirkußplakäter, damit ich besser bukschtabirn lern. Manchmal komm ich deswegn zu schpet, aber sie sin intressanter wi das zweite Lesebuch. Ich kann bukschtabirn: »Akrobat,« »Saltomortale« un noch ein paar lange Werter fon die ich for ein par Tage noch nichs wußte.

Ich glaube, wenn in der Schule anschtatt Lesebicher Zirkußplakäter wärn, mechtn die Schiler schneller lernen. Es is ein Zirkuß un Menascherih zugleich. Auf dem Plakat schteht, Kinder kennen dort Nathurgeschichte lernen mit alle der wunderbare Ferschidnheit der Thire un die Eltern un Lehrer wern gebetn ihnen einem Tag freizugebn.

Heit wahr ich bei der Tafl draußn un sollte eine Zaal durch einer andre diwidihrn; die Bubn lachtn alle un der Lehrer sagte erns: »Georg Hacker, du bekomms 10 Punkte fir ungeheriges Betragn!«

Ich wußte nich was geschehn war, bis ich auf der Tafl schaute. Aber was wahr da anschtatt eine Zahl! Ein großer diker Ellefant mit seinen Rissl!

Ich glaub, ich muß an der Natuhrgeschichte gedacht habn.

Papa sagt, wenn ich disn Freitag nich ein gutes Fleißbichl nachaus bring, so wird er mir nich erlaubn, zu gehn. Ich hoffe er wird mir Geld gebn, damit ich gehn kann, weil ich die 50 Cent, die mir der Dokter gegebn hat, fir Karlchens Taschnmesser ausgebn mußte — meines hab ich fir Jimmys Balln ferteischlt, weil es der greßte war.

Der Fleischer hat das Ponni dem Richter fir seiner Tochter ferkauft. Papa sagt, es hat ihm mehr gekostet als die 40 Doller die das Ponni gekostet hedte, die Beschedigungen reparihrn zu lassn, wi er nachaus kam. Das is immer mein Pech. Wenn irgendwas im Haus geschiht, bin ichs immer, ders getan hat. Wenn ich fon der Kanohne herausgeschossn wern mecht, oder ein Reiter auf den ungesadtlten Ferd wer, gings mir besser. Mann sollte glaubn, erwaksene Leite mechtn sich firchtn, das ihre Kinder ihnen dafonlaufn un Seiltenzer oder Trapehzkinstler wern, wenn sie zuhaus so elend gemacht wern. Auf dem Plakaht is das herzegste kleine Poni, was ich je gesehn hab, mit einen Jungen fon meiner Greße. Ich war gestern di ganze Nacht auf, weil ich sofihl dran dachte. Offt un offt bin ich zubedt geschikt worn wegn irgnd einen kleinen Zufall. Alle sin gegn mir. Ich schau immer, das ich nich in der Patsche komm, aber unsre Schtadt is so foll dafon, das ich nich anders kann. Ich wer ausgelacht un ferschpottert, als wenn ich der schlechste Junge auf der Erde wär. Der Gemeinderath droht meinen Fatter, mich zu beschteiern. Fir einen Hund zahlt man 1 Doller; sie sagn fir mich muß er mindestens 1000 Doller im Monath = 12 000 im Jahr bezahln.

Ich wer der Prozeßjohn filleich eine Meile for der Schtadt engegn gehn. Karli un ich gehn mitsamm. Der arme Hansi! Sein Fuß wird nich frih genug gut sein, das er auch gehn kann. Es tut mir sehr leid, das er nich im Zirkuß gehn kann. Ich weiß ganz genau, was er fihln muß. Papa gab mir gestern 50 Cent, weil ich fir ihm herumgelaufn bin, aber ich firchte, ich wer den Ferehrer fon Elsbett fragn missn, was er tun wirde, wenn er gern im Zirkuß gehn mechte un kein Geld hedte, weil ich meines fir 3 Porzjohnen Gefrornes ausgegebn hab — Oransch, Wanillje un Lehmoni. Es wahr gestern abens so heiß un ich wollte gern wissn, welches mir am bestn schmekt, un Mamma sagt ich soll nich zweimal fon demselbn ferlangen.

Also sagte ich gestern dem Tellergrafnbeamtn ob er Zirkusse gern hat, weil ich sie sehr, sehr gern seh aber kein Geld hab mir den Antreh zu bezaln. Er sagte es tut ihm sehr leid — aber er schenkte mir keins. Wenn Elsbett ihm heiratet, wird sie's sehr schlecht habn — er is ein Geizkragn. Ich sah ihm zu Elsbett winkn, wi ich fon dem Zirkus redete — ein nobler Mensch winkt nich. Zuletz mußte ich Papa sagn, ich will den Gartn fir 50 Cent ausjetn — 2 Schtundn lang, weil Sam krank is, der in unsern Gartn arbeitet. Papa sagte ja. Es regnte ein bischen un wi ich fon der Schule zuhauskam, arbeitete ich, wi ein Schklafe, bis der Tee fertig war. Godt, wi mid wahr ich! Ich glaubte, mein Rikn is gebrochn, aber Elsbett sagte, es is lang nich so fihl Plage, wi iber den Rikn fon di Jungen bockschpringen — das zeigt, wi wenig junge Medchen wissn.

Papa kam nach den Nachmal hinaus, um zu schaun, wifiel ich gearbeitet hab — mechstu es glaubn, libes Tagbuch, das ich alle junge Zwibl ausgerissn hadte, trozdem Papa mir ausdriklich gesagt hadte, welches welches ist. Mir scheint, ich wer nie die 50 Cent bekommen, um in den Zirkuß zu gehn.

Theires Tagbuch, ich kann ebnsogut mit den Anfang anfangen. Der Zirkuß is gekommen un wider fort wi ein schener Traum. Karli un ich gingen ihnen engegn. Wir warn so aufgeregt, wi wenn wir dazu gehert hädtn. Zuers lifn wir mit den Wagn, wo die Musikk wahr dann wolltn wir foraus laufn un das ganze bei uns forbeimaschihrn lassn — Rinozerösser, Hippotamusse, 2 lebendige Ellefantn, einen Schiraffn der so einen schpaßign Schlukhals hat, weil er den ganzn Weg hinunter schmekn kann, wi gut es is, einen firchterlichn Tiger, 2 schrekliche Lewn, die sie dazu haltn, damit ein Kerl ihnen den Kopff ins Maul schtekt, um zu probihrn ob sie beißn wolln, dann ferschidne wilde Bestjen zwischn die auch ein par sehr hibsche Medchen warn — fiel hibscher wi Susi un Lil, auf den Rikn fon den Ellefanten un fon den bukligen Dingern auf welche die Kamehlhaarschahle waksn — ich weiß nich wi sie heißn.

Es wahr fiel hibscher, wi die letzte Milletärparahde am 4. Juli. Ich kam um mein Essn — aber ich fergaß ganz dran, hungrig zu sein, weil ich zusehn mußte wi di Kerle das Zelt aufschtelltn un wi ich nachaus kam, hadte ich grad nur Zeit das Schtik Pasthehte zu essn, das mir Betti aufgehobn hadte. Sie leihte mir 10 Cent auf Ingwerkuchen zum Ellefantnfittern un 5 Cent um mir ein Glas Lemonahde zu kaufn un dann wahr ich schon weg, wi der Bliz. Ich dachte nich dran, was mir noch alles passihrn wird, befor ich wider nachaus komm. Elsbett wollte auch abens gehn — ich brauch nich zu sagn mit wem. Ich fragte Mamma, ob sie auch gehn wird, aber sie sagte, sie macht sich nichs draus. Es is sonderbahr, das Leite so alt wern kennen, das ihnen schon gar nichs mehr dran ligt, wenn der Zirkus in der Schtadt kommt.

Wi ich bei Peters Ladn foriberging, fiel mir ein ich kann gleich ein Loth rotn Feffer kaufn. Ich kann ihn brauchn, wenn ich eimal helfn muß Gullasch machn. Ich kauffte auch ein par Schtik Bekerei fir den Ellefantn un dann ging ich zeitlich hin, damit ich noch die Thire sehn kann, befor der Zirkuß anfangt. Es wahr greßlich, greßlich komisch zuzuschaun wi die Affn nißtn. Ich lachte mich beina in Schtike. Der Werter sagte, irgndein beser nichsnutziger Junge muß Feffer in ihrn Kefig geschtreit habn un wenn er ihm erwischt, wollte er ihm hinauswerfn un arretihrn lassn.

Er wahr so zornig wi nur was un so ging ich heniber zu die Ellefantn. Ich gab dem großn ein Schtik Kuchn, aber Ellefantn sin so undankbar wi Republikn — (sihe mein Schullesebuch) — un er hadte es nur grad henunter geschlukt, wi mir etwas passihrte — ich wußte nich was — meine Zehne klappertn zusamm, wi wenn ich Wirfl schpiln mecht, un bums! flog ich in der Hehe bis zu der Schpitze fon den Zelt — ich glaubte, jetz is es aus mit den armen kleinen Schorschi, aber ich fihl zum Glik grad in einen Wagn foll Loe, dem sie in den Kreis henein schittn wolltn. Der nidertrechtige Ellefant wahr gifftig geworn, blos weil ich ein kleines winziges bischen Feffer in seinem Kuchn gegebn hadte. Der Werter mußte sich geherig plagn, bis er ihm wider ruig machte. Er schittlte die Faust zu mir un sagte es lege ihm nix dran, wenn ich mir den Kopf eingeschlagn hedte — ibrigns wahr er so obn ein bischen geschwolln, un ich fihlte mich so seltsam un setzte mich deßwegn auf meinem Platz um zu wartn, bis die Forschtellung anfangt. Ich wahr es mid, freindlich zu die Thire zu sein.

Der Kopf tat mir ein bischen weh aber ich hadte einen fergnigten Nachmitag. Die Forschtellung wahr wunderbahr — kein Schwindl — un der dummer Auguß war großartig. — Ich glaube, ich wurde rot wi er for alle Leite auf mir zeiget un sagte: »Was fir eine Ehnlichkeit hat der kleine Junge mit Jonaß?«

Der Schtallmeister konnte es nich erratn.

»Der Ellefant hat ihm ausgeworfn,« sagte er.

Die Leite lachtn aber er muß die Bibl sehr schlecht kennen — es wahr doch kein Ellefant der den Jonaß auswarf — aber es ligt nichs dran, ich unterhilt mich doch sehr gut.

Das dressihrte Poni war wunderbahr un wi die junge Damen durch die Reifn schprangen — es schauerte einen dabei. Oh wi ich dise kleinen Jungen beneiderte die Burzlbeime machtn un am Kopf fon ihren Fater schtandn! Ich seifzte, das mein Fater kein Akrobaht is. Ich glaube ich kennt grad so gut auf seinen Kopf schtehn wi sie, wenn er nur das Haus ferkaufn mecht un zum Zirkuß ginge — aber er hat gar keinen Ergeitz. Wenn ich groß bin, kann ich mir meine Profeßjohn selber wehln.

Ich wahr nich mißig wehrend sie schpiltn. Ich dachte nach. Nich mehr fon meiner ganze Faterschtadt ausgelacht wern; nich mehr ein par 100mal in Tag ein böser Bub genannt wern, keine Schule mehr — kein auszankn! Ich werde das Zirkußgeschefft lernen.

Nach der Forschtellung ging ich Susann besuchn. Ich hoffte sie wird mich zum Nachmahl einladn, weil sie im Hotell wohnen, un wenn wir essn gehn, kann sein, das ich ein par fon dise Kerle ein Trikoh seh — aber sie missn sich wahrscheinlich selbs kochn.

Ich war enteuscht.

Ich sagte zum Dokter, wenn ich 50 Cent hedte, mechte ich wider zur Abendforschtellung gehn aber Susi sagte: »Nein, eimal is genug un du wirdest zu schpet nachaus kommen.«

Ich lungerte herum, bis ich sie weggehn sah; sie gingen mit die andern jungen Leute am Abens.

»Nun Schorschi, mein Junge lauf direk nachaus, sei ein guter Junge, damit Mama nich besorgt is!« sagte Susann.

Ich hadte Zeit. Mein Plahn war fertig. Ich schpilte mit den Jungen auf der Schtraße bis filleich 9 Uhr; dann schlipfte ich henaus zum Hotellschtall, lif kwer durch, kam hinter den großn Zellt herfor, wo alle Wagn schtandn, die nich drinnen warn, kraxlte in einem fon dise Wagn un wiklte eine Deke oder was es war um mir, damit sie mich nicht endekn un lag un wartete. Ich wußte sie wirdn um 2 in der Nacht wegfahrn; ich herte, wi die Menner es sagtn. Ich wollte mitgenommen wern; dann am nechstn Tag, wenn sie mich findn, wollte ich sagn, ich bin ein Weisnknabe un will das Geschefft lernen. Dann wern sie mich aufnehmen un auf die Plakether druckn lassn: »Der kleiner Schorschi, das Wunderkind, dessn Produksjohnen in der Akrobatih alles dagewesne ibertreffn.«

Ich muß eingeschlafn sein, obwohl ich mich fest anschtrengte, wach zu bleibn. Wi ich aufwachte, war der Wagn in Bewehgung. Ich konnte di Schterne scheinen sehn un das machte mir ein bischen Heimwe, aber ich blib ganz ruig, weil ich nich wollte, das sie mich früer findn, als bis wir sehr weit weg sind, damit sie mich nich mehr zurikschikn kennen. Ich konnte nich mehr fest einschlafn; der Wagn waklte un der Kutscher schrie greßlich zu die Ferde, wenn er zohnig war. Dann auf eimal kam ich ganz auf — es fing an licht zu wern un ich konnte die Zeine un die Bäume sehn. Ich bewegte mich ein bischen, weil mir die Fiße so schteif warn un dann brillte etwas! Das Hertz schtand mir schtill un dann klopfte es so laut, das es mir wi 1000 Donner in die Ohrn klang. Ich traute mich nich zu bewegn un die Fiße tatn mir greßlich weh. Ein bischen schpeter drehte ich meinen Kopf um filleich ein Zoll un ich sah einen Lewen. Ich wahr in seinen Kefig. Er lag gans ausgeschtrekt, di Nase auf die Fotn un blinzlte mit seine gelbn Augn auf mir, wi wenn er sich denkte, es is ein guter Witz. Oh mein Tagbuch, wenn ich auch so alt wer, wi Metuslem ich werd nie, nie das Gebrill fergessn, das er dann machte! Werter kennen es nich beschreibn. Un da lagn wir, ich, der kleine Schorschi zusamm mit den Lewen. Es wurde lichter un lichter. Er lag un blinzlte zu mir, wie wenn es Schpaß wer. Ich konnte nich hinschaun. Wenn ich mich nur das kleinste bischen bewegte, so brillte er. Ich war gelehmt fon Schreken. Ich sagte meine Gebete noch un nochmal. Ich dachte an Mamma, an Lily, an Betti, wie gut alle zu mir sind un wi godtlos es fon mir is wegzulaufn un der Lewe blinzlte jedesmahl wi wenn er sagn mecht: »Zu schpet! Du hedtes früer dran denkn solln, kleiner Schorschi; warte nur bis zu meiner Früschtikzeit. Du wirst nur 2 Bissn machn, wenn ich hungrig bin.« Oh es war greßlich! Die Zeit ferging schreklich langsam. Es wurde heller Tag. Dann fing der Lewe an, mit den Schweif zu wedln un sich das Maul zu lekn. Ich glaube, ich wurde ohmechtig.

Wi ich zu mir kam, lag ich auf den Gras. Ein par Menner schtandn um mir; die ganze Prozeßjohn war schtehn geblibn. Irgndwer hadte mir Wasser im Gesicht geschidtet. Ich setzte mich auf un fragte: »Hat er mich doch nich aufgefressn?«

»Fiehl hat nich gefehlt,« sagte der Kutscher. »Wi um Gotteswilln bis du in den Kefig fon Zihcero gekommen?«

Ich erzehlte ihm, wi ich in den Wagn kraxlte, weil ich das Zirkusgeschefft lernen wollte. Alle dise grobn Kerle lachtn un sagtn ich soll nachaus gehn zu meiner Mutter.

»Du kannst noch fon Glik sagn,« sagte der Kutscher. »Wir lißn den altn Zicero in seinen Kefig, weil er krank wahr, aber wi bis du hineingekommen?« Ich erzehlte ihm, das ich etwas aufmachte, was ich fir eine Thir hilt, ich drehte einen Griff um un machte die Thir auf un hinter mir wider zu — es war eine Schibthir un ich legte mich ganz ruig nider. Dann erzehlte er mir, das er den Lewen brilln herte un beim zurikschaun mich im Kefig sah un zutot erschrokn wahr. Er holte mich, so schnell er nur konnte, heraus; er mußte den Lewn mit seiner Peitsche prigln. So fuhr ich also mit ihm auf dem hoen Kutschbok bis zu der nechste Schtadt un dann gab ich das Zirkußgeschefft foller Ekkl auf.

Ich kam schpet nachmitag mid un mit Fußschmerzn zuhaus an. Die Leite warn erfreit, ihren schlechtn Jungen wider zurik zu sehn. Sie emfingen mich, wi den ferlornen Sohn. Es war kalter Schinkn da, gebakne Erdepfl un Waffln mit Sirupp zum Tee. Ich glaub, es hat mir noch nie so gut geschmekt. Unser Haus is ein sehr angenemes Haus un mir scheint, es ligt mir nich mehr sofihl dran, auf den Kopf fon meinen Fater zu schtehn, wi früer. Pianofor hat Recht:

Die abgeschepffte Milch als Sahne sich ferschtellt —
Es sind die Dinge nie wofir der Mensch sie helt.

Er wird enterbt

Onkel Samson is zu Besuch bei uns; er is gans alt un schwach un greßlich schpaßig, nur sagt Mamma, ich darf es nich sagn, das er schpaßig is, weil er reich is un ein alter Jungesell un kann sein, das er mir sein Geld hinterleßt, wenn ich braf bin solang er hir is. Ich weiß, was ich thu, wenn er schtirbt un mir sein Geld hinterlaßt. Ich kaufe mir dann das Poni fom Fleischer! Ich winsche er mechte sich tummeln un schterbn, weil Bobs Fater dafon geschprochn hat, das Poni zu kaufn. Er hat einen ganz kaalen Flek iber dem ganzn Kopf un is so taub, das man schrein muß, wi eine Lokermotiwfeife damit er einen hert oder man muß ganz na zu ihm hingehn un in seiner Ohrtrompete hineinschrein. Unser Lehrer hat erzehlt, wir habn Trommln in die Ohrn, aber Onkl Samson muß eine Trompete habn, weil seine Tromml schon hin is. Sie is dinn auf den einen End un dik auf den andern un wi ich in der Schule ging, redete ich ein bischen henein: »Onkl bis du wirklich zäh?«

Er schien erschtaunt. »Was meins du, mein Kind?« fragte er. »Weil Elsbett sagt du bist so zäh, wi die Rinde fon einen Baum, aber es gibt doch auch Rinde di fon selbs aufspringt. Ich mechte gern einen Doller habn, um Willi Wilke seinen Eilwagn abzukaufn, damit ich der Kechin Schpehne nachaus bringen kann, un sie das Unterzindholz erschpart.« Anschtatt mir dem Doller zu gebn machte er ein finstres Gesicht un sagte: »He? He? deine Schwester sagt, ich bin zäh? So, so! Warte du Schlange! Ich wollte ihr ein hibsches Seidnkleid schenkn, aber jetz wer ich mirs noch iberlegn. Leute di kein Geld habn, glaubn immer, die andern die es habn, missn damit herumwerfn, wi wenn es Wasser wär.«

Er schnarrte un brummte noch fort un gukte dabei durch seine Brilln auf mir wi wenn ich ausgeschtellt wer aber den Doller gab er mir nich.

Weil ich firchtete er is bös, wollte ich ihm wider fergnigt machn un sagte durch der Trompete: »Mamma hat gesagt, mach dir nichs draus, Elsbett, wenn dein Onkl ein Geizkragn is, umso besser fir uns — es wird mehr Geld fir uns ibrig bleibn, wenn er es nich verschwendert —« aber er wahr so schlecht aufgelegt, das es ganz so wahr, wi wenn man eine Katz nach der ferkehrte Seite schtreichlt — er schprang auf, humplte herum un brummlte etwas zu sich selbs, so das ich froh war wegzukommen un ich nahm mein Früschtik un ging bein Deppo forbei in der Schule um zu sehn, was bei der Eisnbahn neies gibt.

Wi ich aus der Schul nachaus kam, pakte mich Mamma bei der eine Axl, Elsbett bei der andre un fragtn mich was ich dem Onkl erzehlt hab, das er den ganzn Tag so zohnig war. Ich sagte ihnen, sie solln nich besorgt sein, ich hab ihm gar nix erzehlt. »Du mußt ach gebn, Schorschi,« sagte Mamma, »oder du wirs wider was anschtelln. Pst! mach keinen Lerm, er schleft auf dem Diwan im Wohnzimmer, lauf henaus un schpile un sei ein brafer Junge.« Ich tat, was sie sagte, wi es sich fir kleine Jungen gehert. Wi ich im Hof hinauskam bemerkte ich, das das Wohnzimmerfenster offn wahr. Ich schlich leise hin un gukte henein. Seine Augngleser lagn am Fensterbret. Ich probihrte sie nur ein bischen Karo auf, weil ich wissn wollte, ob ein Hund durch Brilln besser siht, aber er schprang damit iber dem Zaun, weil er eine Katz herte un wi er zurikkam, o Godt! wo warn die Augngleser? Ich traute mich nich iber dem Zaun, sie zu suchn, weil Hansis Mutter eine geladne Pestole hat, um mich zu erschißn, wenn sie mich siht. Sie warn mit Gold eingefaßt, un es tat mir sehr leid, das Karoh sie ferlorn hadte. Hunde denkn doch nie dran, wi fihl Geld die Sachn kostn! Der Onkl schlif ruig weiter mit den Mund offn un machte einen Lerm, wi wenn sein Schlund eine Flasche wer, aus der Wasser herausrinnt un hate ein großes rotes Saktuch ibern Kopf.

Es wahr eine sehr große Fersuchung fir mir, zu probihrn, ob mein Fischzeig lang genug is, um bis zum Diwan zu reichn — wirklich ich mußte es probihrn — un so schteckte ich eine Brummflige auf der Angl un hilt sie aus Schpaß iber dem Mund fom Onkl. Ich hoffte nich das ich einen Fisch fangen wer — im Ernst nich — aber der Arm wurde mir ganz mid, weil ich den Schtekn haltn mußte un aus Fersehn kam ihm der Hakn im Mund un grad da nißte er im Schlaf un machte den Mund zu. Ich probihrte sehr langsam den Hakn herauszuzihn — aber das abscheiliche Ding wollte nich nachgebn — nur mein Onkl gab nach, weil ich zuletz so erschrokn wahr, das ich so fest zog, bis er fom Diwan henunterfihl. Oh, wi er krisch! Ich liß dem Schtock falln un flog wi der Blitz hinaus zu der Scheine, wo ich mich im Hei ferkroch, das mich niemann fir langer Zeit findn konnte.

Es wahr schon finster, bis ich enlich in der Kiche ging. Die Kechin rihrte grad Haferschleim um auf den Herd. Wi sie mich bemerkte, schaute sie mich an, wi wenn sie mich durchbohrn mecht.

»Oh du grausamer godtloser Junge!« sagte sie, »wi kam es dir nur im Kopf deinen Onkl so mitzuschpiln? Er kann schterbn, der Dokter hadte genug zu tun, es aus der Zunge hinauszuschneidn un sie is so wund un weh, das er wochn un wochn lang nur fon Haberschleim wird lebn missn, un so alt un schwach, wi er is, kann er schterbn, fon die Folgn deiner Grausamkeit.«

»Brigitt,« sagte ich in fertraulichn Flistern, »wenn ich den Fleischer sagt, mein Onkel schtirbt, glaubs du, das er das Poni noch ein par Tage fir mich aufhebt?«

Sie hilt eine Weile die Hende in der Hehe, dann setzte sie sich un lachte un lachte.

»Schorschi du bist erger wi ein Kannebahle!« sagte sie.

Ich glaube es war herzlos fon ihr, so zu lachn, wenn mein Onkl krank im Haus ligt, aber manche Leite habn gar kein Gefihl.

Es is schon ein par Tage seit mein Onkl fon den Fischhakn in seiner Zunge krank wurde; der Dokter sagt, es geh' ihm schon besser. Elsbett sagt, er is withend auf mir. Heute, wi er schon aufsitzn konnte, wollte er ein neus Testerment machn. Er ferlangte Papir, Dinte un seine Augngleser. Ich hadte Betti in Hansis Gartn hinibergeschikt, sie aufzuklaubn, aber beide Gleser warn herausgegangen un ich nahm deswegn di Gleser aus dem Augnglas fon meiner Schwester, die kurzsichtig is, un machte die Brille fom Onkl wider forziglich gut. Ich traute mich nich in sein Zimmer, weil er noch immer zohnig auf mir wahr, aber ich war so engslich wegn den Poni, das ich mir dachte, ich muß das Testerment hern, ob ich der Erbe bin oder nich un ich schlipfte hinter Betti henein, wi sie seinen Haberschleim heneintrug und kroch so leicht unters Bedt wi nix un wi ich eine Weile dort gelegn war, kam Herr Notahr Grau un sie ferschperrtn di Thire, riktn den Tisch zu den großn Fotell beim Bedt un schtelltn die Tinte un einen großn Bogn Papir drauf; dann setzte sich mein Onkl die Augngleser auf un filleich in einer Menute seifzte er schreklich un sagte: »Mein Augnlicht is genzlich weg! Was soll ich anfangen? Dise Gleser paßtn mir fortrefflich — ich konnte durch ihnen sehn so klahr wi der Tag un jetz is alles trib — ein Nebl! Oh Godt! Der Schlag den mir der schlechte Junge fersetzte muß mein Augnlicht zerschtert habn! Ich bin schtokblind. Oh Godt!«

»Kann sein, das die Gleser nich rein sind,« sagte der Notahr. »Ich will sie putzn, Herr Samson.«

Also putzte er un putzte aber mein armer Onkl konnte nich besser sehn.

»Das is ein harter Schlag,« sagte er. »Ich werde dem jungen Schurkn ohne einen Heller abfindn. Auch meine Schwester, die Heichlerin — mich einen Geizhals zu nennen! — soll nich einen Cent bekommen. Auch Fräuln Elsbett nich, meine Nichte weil sie gesagt hat, das ich zeh bin. Ja, Notahr, ich habe mich entschlossen, mein Geld dem Fersorgungshaus fir bejahrte Leite zu fermachn. Keiner fon den Hackers soll einen Doller dafon berihrn. Ich wahr zuers ganz eingenommen von den kleinen Burschn, aber er is genzlich ferdorbn — er wird noch einestags im Gefengnis kommen — Geld wirde ihm nur ferderbn. Er hat runde hundert 1000 Fund ferlorn durch seine Schpeße mit seinen altn Onkl.«

Oh Godt, ich bin ein greßlich ungliklicher Junge! Ich blib schtill wehrend sie schwatztn un schribn un schribn; dann machte der Notahr die Thir auf un rif jemandn henein, das Testerment als Zeige zu unterschreibn un alles wahr foriber. Es war heiß unter den Bedt. Ich wahr mid un das erste, was ich fon mir wußte war, das ich eingeschlafn wahr. Wi ich aufkam, wahr alles finster wi ein Haufn schwarze Katzn. Ich herte ihm schnarchn un kroch deswegn leise herfor, griff mit der Hand forsichtig unter seinem Polster, wohin ich ihm das Testerment hadte schtekn hern — es wahr noch dort — auch seine Uhr un Briftasche — ich nahm alles in mein Zimmer um ihm tichtig zu erschrekn, den abscheilichn altn Gauner, seinen eignen kleinen Neffn zo zu ferleimdn! Ich schtekte die andern Sachen zwischn meine Matratzn, zindete ein Licht an un hilt das Testerment henein bis es Feier fing un »zu Asche zerbreklte« wi ich in einer Geschichte gelesn hab; ich ferbrannte mir die Finger un liß ein par Schtikchen falln, aber ich blis die Flamme ganz leicht aus, es wahr gar nichs geschehn, nur meinen neuen Sommerschilehn, die man mir heute nachaus gebracht hadte — es war durch 3 dafon ein großes Loch gebrannt. Ich ging henunter un sah das erst 8 Uhr war. Meine Leite hadtn geglaubt, das ich lang draußn gewesn bin Ball schpiln. Betti gab mir ein Schtik kaltn Reisauflauf un ein Schtik Kuchn un ich ging schlafn.

So gegn Mitternach war ein greßlicher Lerm im Haus. Onkl Samson wekte die ganze Famili auf mit seinen Geschrei, das er ausgeraubt worn is. In der Nacht war keine Rue mehr. Seine goldne Uhr 2 hundert Doller wert un seine Briftasche mit 3 hundert drin wahr ein bischen zu fihl! Er war gans wild. Es war ein Fenster offn un Papa dachte, es muß jeman hereingeschtign sein un die Sachn genommen habn.

Je wilder der Onkl wurde, desto tauber war er auch un alle mußtn ihm in der Ohrtrompette schrein — — so was!

Es scheint unsre Familje kommt immer in der Patsche — mir scheint andre Familjen habn nich so fihl Unrue. In der Nacht konnte nichs mehr geschehn, un zuletz gingen alle schlafn wi schon Tag wurde. For den Früschtik trug ich die Uhr un die Briftasche den Onkl zurik. Ich erzehlte ihm, das ich glaube, der Dib muß Angs bekommen un sie falln habn lassn, aber das Papir konnte ich nich finden, un er gab mir 10 Cent un sagte ich bin doch kein so schlechter Junge wi er glaubte un er kenne ein anres Testerment schreibn, wenn er wider gesund is, es kennte sein, das er doch nich sein ganzes Geld dem Fersorgungshaus hinterlaßt. Dann redete ich sehr freindlich zu ihm durch der Ohrtrompette. Ich fragte ihm, wi lang Leite fon seinen Alter gewehnlich lebn, denn wenn er bald schterbn sollte, so mechte ich ihm bittn mir fierzig Doller zu hinterlassn, damit ich mir das Poni kaufn kann — ich hab mich immer nach einen Poni gesehnt. Ich erzehlte ihm, das Elsbett gesagt hat er is ein alter Unruemacher, weil sie so laut schprechn muß, das ihr der Hals weh tut, aber ich mache mir nix draus laut zu schprechn — es is schpaßig in ein so Ding heneinzuschrein wi ein Tellerfohn. Ich fragte ihm ob er noch nich probihrt hat mit die Zehne zu hörn un ob er weiß, das Tante Betsey bös auf Papa is un ihm kein Geld leihn will un sagt unsre Leite sin ferschwendrisch.

Ich erzehlte ihm, das Lil un Montagu einen Schtreit hadtn un das der Dokter Moor wird hungern missn, wenn er nich bald mehr Prakses bekommt un unsre Kechin is nich so nett wi sichs geherrt, un mein Papa is sehr jezornig; das Papa es nich gern hadte, das er kam, den Sommer mit uns zu ferbringen, aber Mamma sagte es were ganz recht un wir werdn schon bezalt wern dafir; un wi Betti immer zu mir brummt, weil sie ihm nich gern die Knepfe an die Kamaschn anneht un ihm bedint, weil er zu geizig is um ihr hier un da einem Doller fir ihre Ekstraarbeit zu gebn.

Er schien mir gern zuzuhern, manchmal grinste er, wi wenn ihm etwas kitzlte; aber fon Mamma hab ichs heut nachmitag schreklich gekrigt, das ich meine Zunge hab so laufn lassn — sie sagte, ich hab schon genug Unheil angeschtellt — ich kann es nie allen Leitn recht machn.

Zun Beischpil, gestern Abens warn der Tellergrafnbeamter un Elsbett im Forderzimmer, Betti war weg weil sie Ausgang hadte, un Elsbett sagte zu mir: »Schorschi, wenn die Schmidtmedchen heut Abens kommen, sag ich bin nich zuhaus, der Onkl is krank un Mamma hat zu thun.«

Sie kamen wirklich. Ich lif henaus, wis leitete. Sie fragtn ob jeman zuhaus is. Ich sagte: »Nein, der Onkl is krank, Mamma is bei ihm, weil er sein Testerment macht un Elsbett hat mir geschafft zu sagn, sie is nich zuhaus, weil sie mit ihrn Ferehrer, den Tellergrafnbeamtn in Forderzimmer zu tun hat. Er unterrichtet sie in tellerfonihrn.«

Das fordere junge Medchen kicherte grad heraus un heut nachmitag riß mich Elsbett beim Haar, wi nur was. Sie sagte, die ganze Schtadt weis schon fon ihr un dem Tellerfohn, das sie sich schemt, den Kopf for der Thire zu schtekn. Is es nich schwer fir einen kleinen Jungen, zu wissn, wi ers den Leutn recht machn soll?

Ein fatales Experiment

Mein Bruder Montagu is gegangen un hat das komischte Ding fon der Welt gemacht — ein Babi gekaufft! Er hat 20 Doller dafir gegebn, halb genug um mir ein Poni zu kaufn, der Narr un noch dazu bloß ein Medchen. Er sagt, wenn er einen Jungen gekauft hedte, kennte er eimal so schlecht wern, wi der kleine Schorschi un das is wahr — ein böser Junge in der Familie is genug, um sie beschefftigt zu haltn. Aber die letzte Zeit bin ich ein brafes Kind gewesn. Ich bin nur eimal zu schpet in der Schule gekommen seit Montag, heit is Mitwoch un das is doch gewiß schön. Ich hab nur eimal in diser Woche dem Lehrer eine Krete unter der Lade gelegt; sie hipfte herfor un er sprang in der Hehe, wi wenn er selber eine Krete wär. Ich hab nur 2 mal Klettn in Kathis Haar geschtekt — sie mußte ein bischen abschneiden damit sie sie herunterkrigt. Sie soll nich so eitl sein auf ihr Haar — kleine Medchen werdn sehr leicht eitl, hab ich gehert.

Onkl Samson wollte im Hotell wohnen, aber ich hab mich so gebessert, das er beschlossn hat, einsweiln bei uns zu bleibn. Ich erzehl ihm immer schpeter, was unsre Leite leise sagn, wenn sie wolln das er es nich hert. Er is greßlich neigierig, was die Leite sagn. Ich kann ihm nich mehr Fergnign machn, als wenn ich ihm alles erzehl, was sie ihm schimpfn: alter Knicker, alter Geldsak, alter Geizkragn, alter Lebfirimmer un solches. Er sagt ich bin ein gescheiter Kerl fir mein Alter un er wird mich nich fergessn auf mir zu denkn. Er is noch immer sehr besorgt um seine Augn, weil die Gleser fon Susann ihm nich passn. Aber um zu den Babi zurikzukommen, wi immer in die Bicher schteht. Ich hab es gesehn — nein, so was! Warum habn sie sich nich wengstens eins ausgesucht, das krichn kann, un Hare am Kopff hat un mit seinen kleinen Onkl Kugl schpiln kann? Dises hir is durch un durch bledsinnig mecht ich sagn, außer das es ein Indjahner is — warum habn sie nich ein weißes Kind gekauft, damit es anschtendig is wenn es groß wird? Ich fragte meine Schwester: »Zu was fir einen Schtam gehert es?« Sie sagte: »Wahrscheinlich zu den Kickepuhs.« So eine Schande fir di Hackers! Ich glaub sie habn es genommen, weil es billig wahr oder das letzte. Lily umarmt es un kißt es, wi wenn es das sißeste fon alle Babis wär. Sie is zornig wi ein Heuhopser auf mir, weil ich ihm eine Schpennadl heneinschtekte um zu probihrn ob es filleich ein Gummibabi is. Ich glaube sie wird ein Preisbokser wern, wenn sie groß wird — sie schlug un traf mich heit frih grad ins Aug wi wenn sie Lekzejohn genommen hedt; ich war ganz erschtaunt, wi fest sie hinhaute.

Lil is jetz ebn auf Besuch bei uns, zuhaus, um das Kind herumzuzeign un ich bin deßwegn meistns draußn; ich hab es nich gern, wenn Kinder schrein un dann is jetz auch bald der 4. Juli un wir Jungen habn eine Menge Schpaß im foraus mit Knallrakettn un ehnliche Sachn. Meine 2 zugeheirate Brider, der Tellergrafnbeamter un Onkl Samson gebn mir genug Taschngeld, so das ich mehr Rakettn hab wi die andern Jungen un deswegn sin sie alle sehr freindlich un heflich zu mir.

Auf der Wise for der Schtadthalle schteht eine alte Kanohne. Sie wird am 4. in der frih 100 mal abgefeiert. Ich un Karli un ein par andre Jungen habn ein Haufn Pulwer un wir wolln etwas schpaßiges machn, was der Mann im Zirkuß gemacht hat — bald, ich glaube morgn. Es is ein tifes Geheimnis aber dir will ichs erzehln libes Tagbuch. Der Kerl im Zirkuß schoß einen Mann aus einer Kanohne heraus. Unsre Kanohne is nich groß genug fir einen Mann, aber fir ein Babi is es sehr bekwem, wenn es klein is. Wir wolln uns also Lil ihres ausborgn, weil es sehr klein is. Aber sie darf es nich wissen, weil sie so drauf Ach gibt, wi wenn es ein Eih wer! Wir wolln Wache haltn, bis es dunkl wird un wenn sie es schlafn gelegt hat un in dem Sallohn hinuntergeht, soll ich mich henaufschleichn, es in seiner Deke einwikln un hinunterbringen, dann machn wir uns auf un davon. Di Kanohne is schon geladn mit einer Menge Pulwer un filleich 20 Kugeln, die wir selber machtn. Wir nahmen ein Schtik Bleirohr aus unsern Wasserbehelter, schmeltzn es un es sind hibsche Kugln, so groß wi eine Walnuß. Ich hoffe es wird den Babi nich sehr weh thun — ich glaube wengstens — der Mann den sie aus der Kanohne geschossn habn, wahr nich ein bischen ferletzt. Jimmy Braun will sich das Federbedt fon seiner Großmutter ausborgn, damit wir es dort heneinschißn. Wenn das Babi aus der Kanohne geschossn is, werd ich es schnell nachaus tragn un dann wolln wir noch ein Freidnfeier mit Teerfesser machn — es is ein großartiger Schpaß.

Ich winsche die Leite mechtn sich um ihre eignen Sachn kimmern un kleine Jungen auch hier un da einen Schpaß habn lassn. Unser Plahn war ganz gut ausgefihrt — soweit das wir das Babi aus den Haus trugn un ganz leicht in der Kanohne schtekn. Alles wahr fertig nur mehr die Lunte hinzuhaltn, un ich wollte schon das Kommanderwort zum Abfeiern gebn, wi wir auf eimal ein so greßliches Geschrei hern, das man hedte glaubn kennen, es hat sich jeman die Finger zerkwetscht un Montagu schrie: »Schorschi, Schorschi, halt ein!«

Un da war Papa un Mamma un Susann un Lil un Montagu un Betti un die Kechin in folln Galopp, wi wenn sie um ihr Lebn laufn mißtn, un Montagu riß das Babi aus der Kanohne un Lil fiel nider in Ohmacht wi tot un Susann krigte hesterische Kremfe — so ein Schpetakl wegn einen Schmarrn fon einen Ding, was for alln nich eimal wert wahr, das man es kaufft! Ibrigns hadtn wir nich die geringste Absich ihm weh zu thun — das Federbedt war ganz gut feßgemacht.

Mir scheint, Betti wahr so gemein gewesn in dir zu schaun, libes Tagbuch, was ich gestern abens heneingeschribn hab un wi sies gelesn hadte lif sie henein, ob das Babi wirklich fort is un wi sie es nich fand, brachte sie das ganze Haus in Aufruhr. So ein Lerm wegn nichs! Ich halte nich mehr sofiel fon Betti wi früer. Sie hadte kein recht zu lesn, was ich geschribn hab, obwol Lil sagt, sie segnt sie, das sies gethan hat, was wär sons mit ihrn sißn, sißn Babi geschehn.

Der fierter Juli ferschpricht ein beschefftigter Tag zu wern in unsrer Nachbarschaff. Der Gemeinderat wird Kanohnen abfeiern un die Glokn leitn lassn un wird am Abns um 500 Doller Feierwerk losgehn lassn — Rakettn, remische Lichter, Kathrinenreder, Treangeln. Bei Tag soll ein großes Piknik sein un das Milletähr maschiert um zehn un alle Fereine mit un noch ein par andre Sachn gehn los, wi die Schtepsl fon Schampanjerflaschn. Ich werd mich gut unterhaltn. Fon finf Uhr frih bis Mitternach wer ich sofihl zu thun habn wi eine Bihne mit lauter Unterhaltungen. Ich hab Papa feierlich ferschprechn missn, das ich nich mit Pulwer schpiln wer — den Jungen, die Pestoln habn nich auf 10 Schritt in der Näe komm, keine Pestole abfeiern will, un er hat mir ein par schöne Feierwerke gekauft, außer di 2 Pack Rakettn, was ich noch hab. Ich kann sofihl ich will auf eimal loslassn. Es tut mir leid, das ich kein Pulwer habn darf — aber Papa sagt, er winscht nich das sein einzger Sohn die Finger oder das Augnlicht ferliert, was nich angenehm wer, das is richtig.

Ich soll keine brennende Fresche auf kleine Medchen werfn, was sehr schlecht is zu thun, weil ihre Kleider Feier fangen kennten un sie ferbrennen. Ich darf mit ihnen zum Piknik gehn aber ich bin greßlich unbeschlossn, was ich thun soll. Ich mechte liber die Milletährparahde sehn, un mit der Musik maschiern, aber Susi un unsre Kechin machn eine greßliche Menge fon gute Sachn fir dem Piknik. Wenn ich an die Trommln denk un an das mitmaschiern gleich hinter ihnen, glaub ich, ich werde zur Parahde gehn — wenn ich den Rosinenkuchn un die jungen Hendl beim bratn rich un den gekochtn Schinkn un Scheleh, bin ich fest beschlossn zum Piknik zu gehn.

Ich glaube der Kongreß sollte dem 4. Juli eine Woche lang dauern lassn, dann kennte ich zu beides gehn. Ibrigns habn wir schon eine Menge Schpaß im forhenein. Alle Artn fon Budn zihn um der Zeit in der ganzn Umgebung herum.

Der kleine Hans darf wider ausgehn, aber seine Mutter will ihm nich erlaubn, mit mir zu schpiln — es is eine große Fersuchung fir Hansi. Es thut mir leid um ihm.

Unter die Auschtellungen in der forige Woche wahr wider ein Zauberer; Papa wollte mich aber nich hingehn lassn. Er sagt, solche Dinge sin anschtekig wi Maasern. Morgn — am Tag for den 4. soll punk 3 Uhr ein Ballohn fom Folksplatz aufschteign. Ein Mann wird drin sitzn — es wird sehr intressan sein. Unser Lehrer sagt, es macht das Gesez fon der Schwere zunichs, weil ein Ding, was leichter is, wi die Luft nich untn bleibn will, wenn man es nich haltet. Gas is leichter wi Lufft, also wird der Mann ihm mit Gas filln, heneinschteign, den Schtrik abschneidn un in der Hehe schteign, wi nur was — höer un höer —

Oh! es muß prachfoll sein! Ich mechte mein neies Taschnmesser drum gebn, wenn ich mitfahrn kennt. Wenn er mich mitnimmt, gehe ich mit ihm.

Hurrah! Ich gehe! Ich legte die Feder nider un rannte zum Hotell henunter — ich sagte, meine Schwester Susi besuchn — aber ich bemihte mich, dem Professor zu sehn, dem der Ballohn gehert un er sagte, wenn meine Eltern mir die Erlaubnis gebn, mechte er sich ein Fergnign draus machn, mich mitzunehmen. Oh, wird das nich ferfl— wunderbahr sein? Ich hoffe meine Eltern wern nich so grausam sein un nein sagn. Es wird eine ganz neie Erfarung sein, die noch wenig Jungen fon meinen Alter gemacht habn.

Wi schpaßig wird nur die Welt ausschaun, wenn ich so hoh schteig, das die Leite nich greßer wi Flign sin! Ich glaube ich wer meine Eltern nich fragn, aus Angs, das sie nein sagn. Ich wer so hingehn un mir das Glik nich auskommen lassn. Sie werdn ein par papirne in der Nacht fom fiertn schteign lassn, aber sie sin mit unsern nich zu fergleichn. Ich weiß, ich wer heut nacht treimen, das ich henausfall, mein Kopf is so foll dafon. Es war greßlich schpaßig for den Professer einzuschteign un allein in der Hehe zu gehn. Ich kennt hingehn, wohin ich will — ganz frei — der erster Junge fon meinen Alter, der je dem Aufschtig allein gemacht hat. Filleich kann ich bis Schikago kommen, dort mich henunterlassn un mit den Eilzug nachaus fahrn. Ich hab mir immer gewinscht, Schikago zu sehn. Oder wenn ich obn blib, bis die Erde sich herumgedreht hat, kennt ich einen Schimmer fon Kinah erwischn, das auf der andere Seite is. Ich mechte gern einen Sak foll Sand henunterschmeißn, un einen Kinehsen erschrekn, der grad seinen Drachn schteign laßt, damit er 20 Fuß in der Hehe schpringt, un die Schnur fon seinen Drachn auslaßt. Ich hab morgn frih noch sehr fiel mit den Professer zu schprechn, damit ich weiß, wi man dem Ballohn lenkt. —

Ich schprang heniber in dem Gartn, wi Hänschens Mutter in der Schtadt druntn wahr un suchte un suchte, bis ich die herausgefallene Gleser fon Onkls Brille fand. Ich brachte ihm also ein bischen Augnwasser in einen Fleschchen un sagte ihm er soll sich abns damit die Augn einreibn. In der frih hadte ich schon sein Augnglas mit die altn Gleser hergerichtet un er konnte so gut sehn wi früer un schenkte mir einen Golddoller, so fergnigt wahr er. Er hat ein andres Testerment fir mich gemacht, weil ich ihm nie erzehl, wi ich ihm hinter seinen Rikn schimf — er sagt, ich bin ein brafer kleiner Junge. Un jetz, mein Tagbuch, will ich dich in meinen Schreibtisch einschperrn, damit di neigierige Betti nichs fon den Ballohn list un meine Plehne noch in Keim erschtikt. Gute Nach! Ich muß mein Gebet sagn un schlafn gehn. Ich hoffe, der liber Gott wird enschuldign, das ich so schlecht bin, aber ich will es ja nie thun, es passihrt mir grad immer.

Im Ballon

Mein theires, theires Tagbuch, is es meglich, das ich dich wider seh? Es is mehr als ich erwartet hab, nach den was ich alles mitgemacht hab. Ich glaub, Robinson Krusoh un Schill Wern winschtn, das sie in meine Schue geschtekt hedtn, aber fir einen kleinen Bubn fon meinen Alter is es kein Schpaß, allein in einen Ballohn aufzuschteign — fihl merkwirdiger, als ich geglaubt hab. Es is greßlich lustig fir eine Menute un eine halbe, aber dann is es einfach firchterlich. Ich fragte Betti, ob mein Haar weiß geworn is — ich dachte, es is. Ich bin sicher, das ich nimehr das sorglose unforsichge Kind sein wer, wi befor ich dise Fahrt gemacht hab.

Ja, fir einer Menute oder so was is es wunderbahr, gans, gans allein in einen Ballohn zu sein, in der Hehe zu gehn, wi der Blitz, mit den Taschntuch zu wehn un auf die Leite zu schaun, wi sie immer kleiner wern, den Zug zu sehn, wi er kricht, wi eine Schneke, wi die Felder un Flisse un Bäume un Zäuner immer kleiner un kleiner wern — aber oh! wi einsam is ein kleiner Junge, wenn er filleich iber einer Meile geschtign is un kann das ferteiflte Ding nich aufhaltn, das nich einen Heller wert is, un es is nichs runderum um ihm außer nichs, un es is ihm so kalt, das seine Finger schteif sin; aber der Professer hadte einen kleinen Korb in der Gondl geschtellt mit ein paar belegte Butterbröter un ein kleines Fleschchen mit irgnd einen Liköhr, also nahm ich einen Schlucker, weil mir so kalt wahr un es brannte wi Feier; dann dachte ich mir, es is besser, ich klettre gleich auf dem Schtrik henauf, weil meine Finger schon weicher wahrn un schneide ein Loch oder zwei in das eingeschnirte Ding, wi ich eimal gelesn hob, damit es aufhert, weiter nach Grehnland zu gehn. Godt! Godt! man hedte nich geglaubt, es is in seks oder sibn Schtundn der fierter Juli, sondern man hedte sicher gesagt, es is Weinach. Ich bin fro, meine Schwestern warn nich da um zu schrein un zu kreischn, wi ich auf den Seil henauf kletterte, das Taschnmesser in der Hand, weil ich hedte falln kennen. Es wahr ein kitzliches Geschefft, aber ich wer sons zutot erfrorn, also machte ichs fertig, meiner Seel! Ich schnitt 2 Lecher henein, kletterte am Schtrik henunter, aß ein Brot un nahm seinen Rok um mir, der in der Gondl wahr un legte mich schlafn.

Wi ich aufwachte, treimte ich grad, ich lig im Bedt un Betti wekt mich auf, aber ich setze mich bald auf un schaute herum, was neies gibt. Es wahr Nach. Der Mond scheinte prachfoll. Ich flog so ruig wi nur was iber etwas, was so glenzend un gladt war, wi Silber; wi ich näer kam, was sehr bald wahr, weil der Ballohn lanksam fihl, sah ich, das es ein Seh war oder der Ozejahn.

Dann fihlte ich, das es forbei wahr mit mir un ich ferdamt bin, ertrenkt zu wern un das Mamma nie wissn wird, was aus ihrn einzign Sohn geworn is. Es wahr mir sehr schlecht. Ich dachte auf alle Zufelle, die mir schon passihrt sin — wi fihl Angs ich schon meine libn Eltern gemacht hab un zog un zog, um einen fon die Secke mit Sand herauszuschmeißn, wi mir der Luftschiffer gesagt hat, das man tut, um ihm heher gehn zu machn, aber sie wahrn zu schwer fir dem kleinen Schorschi. So gab ich mich in mein Schicksaal un aß noch 2 fon di ibrign belegte Bröter.

Dann schaute ich iber der Kante fon der Gondl un sah einen schwarzn Flek in den glenzendn Wasser. Ich sagte zu mir »das is ein Walfisch« aber in wenger als 5 Menutn sah ich, das es eine sehr kleine Insel wahr, filleich so groß, wi ein Felld, un befor ich »Schniki-Schnaki« sagn konnte, senkte sich der Ballohn grad wi ein Vogl auf einem Baum nider — er schlepte sich noch schnell genug fort, das mann hette Angs habn kennen — aber ich schprang henaus, wi der Blitz, pakte das Seil, das ich abgeschnidtn hadte, wi wir aufschtign un band es um ein armes kleines Tannbeimchen, grad groß genug um ihm zu erhaltn — un da wahrn wir! Ich machte ihm mit einer Menge Knepfe fest an, damit er mir nich filleich einen Schtreich schpilt un fortfligt un dann schtig ich in der Gondl un legte mich nider, weil es dort sehr wahrm war un ich ganz hin un schlefrig wahr. Wi ich aufwachte, wahr es heller Tag. Ich schtand auf un hilt eine Runschau.

»Halloh, Schorschi,« sagte ich, »das is ein guter Wiz! Schiffbrichig auf einer einsame, wiste Insl! Oh, wenn ich mein Tagbuch dahedt, was fir eine Menge kennt ich heneinschreibn! Ich muß gleich anfangen un ein Inwentarjum aufnehmen fon alles, was ich hab mir eine Hitte zu baun un dafon zu lebn.« So aß ich also noch 2 fon di Buderbröter, das nur eins ibrig blib. Ich wahr greßlich hungrig un in große Fersuchung auch das lezte zu essn, aber ich widerschtand. Ich wahr schreklich durstig also wahr das erste was ich machte nach Wasser suchn. Es wahr eine Menge runderum um der Insl, aber ich firchtete, es is gesalzn. Es war aber kein anres da, also watete ich henein un kostete es, um zu sehn, wo ich wahr, ob im Mittlozejahn oder in einen fon die Seehn zwischn die Fereinigtn Schtaatn un Kannada — es wahr Sißwasser.

Dann ging ich an der Arbeit, meine Sachn zu redtn, un eine Hitte zu baun, wi Robinsohn Krusoh — aber ach! ein Ballohn is kein Pennifeifferl wehrt nebn einen Schiff — es wahrn keine Negl da — kein Schiffszwihbak — keine Schtike altes Eisn — kein eingesaltznes Fleisch — aber ich trestete mich damit, das ich mich entschloß das alte Ding selbs schtatt einer Hüte zu benuzn. Dann wollte ich mir einen Fahlzaun runderum machn um die wilde Thire abzuhaltn, aber es warn keine Fähle da un sofihl ich bemerkn konnte auch keine wildn Thire. Also ging ich weiter um rund um der Insl zu gehn un auf dem nassn Sand zu schaun, ob ich die Schpuhren fon Kannebahln entdeke. Ich ging ein gutes Schtik, ohne Schpuhrn zu findn oder Kannohs im Wasser. Dann ging ich zurik un auf dem Weg fand ich ein sichres Zeichn fon Ziwelesazjohn, das mir das Hertz schlagn machte — ein alter Zinnkrug, rostig un ferbogn, aber ich dachte ich darf ihm nich wegwerfn ich kennte ihm noch sehr gut brauchn; ich fillte ihm also mit Wasser, damit ich eine Belagrung aushaltn kann, wenn di Kannebahln kommen. Jetz wahr mir schon sehr heiß un ich wahr mid. Ich kroch in der Gondl aß mein einziges ibriges Brot, trank ein bischen Wasser un wi ich mich erinnerte, das es der glohrreicher Fierter wahr, un di Leite jetz ihr Piknik habn un mahschirn un Kannohnen abfeiern un so famohsn Schpaß habn, un das ich nichs mehr zum Nachmahl zu essn hab, un auch das Feierwerk nich sehn kann un auf einer wiste Insl ferhungern wer, weinte ich ein bischen, obwohl ich fersuchte, so taffer zu sein, wi Leite in einer solche Lage sein missn. Ich konnte aber nichs dafir, obwol ich blinzlte un blinzlte um die Trehnen zurikzuhaltn — das blinzln nitzte nichs.

Ich schlif ein wenig un dann fihlte ich mich ein wenig besser. Ich fragte mich selbs: »Was wirde Robinson Krusoh jetz thun?«

»Ah,« sagte ich, »er wirde einen Schtekn nehmen un einem Kerb heneinschneiden um die Tage zu bezeichnen, damit er weiß, wifihl Tage er da wahr.«

Also machte ich einem Schtok fest, schnidt einen Kerb henein un den ibrign nachmitag gab ich 8, ob kein Schiff insich kommt.

Es kahm kein Schiff insich.

Ich fand ein paar Muschlschahln, aber es warn keine Muschln mehr drinn. Ich wahr sehr hungrig. Es wurde finster un ich kroch in der Gondl dekte mich mit den andern seinen Rok zu un schlif die gantze Nach ruig, ich wahr so mid un bang.

Es wurde morgn. Ich hadte ein schmahles Frihschtik fon Wasser. Mein Magn tat mir so wee, das ich mich erinerte, das die Indejahner sich den Girtl enger machn um das nagn fom Hunger auszuhaltn; aber ich hadte keinem Girtl, also liß ich es nagn. Ich schnidt noch einem Kerb in dem Schtok un ging herum, um filleich einen Brodfruchbaum zu findn, aber es wahrn keine auf der Insl. Es wahr nichs da, als Sand un kleine ferkriplte Tannbeime — mein Magn tat mir greßlich weh. Ich dachte, wi offt ich Karoh ganz unbekimmert meine Fleischpastehte gegebn hab.

Ich hedte gern gewust, was unsre Leite heut zum Nachmahl habn, un ob sie noch nach dem kleinen Schorschi suchn. Filleich sin sie fro, das sie ihm los sin, er wahr so ein Tunichgut. Sie werdn ihm nie findn, un wenn sie auch ein Monath oder ein Jaar lang suchn. Oh, wenn kleine Jungen weglaufn fon einen hibschn freindlichn beqwemen zuhaus, wi wenig wissn sie da, was sie alles erduldn missn, wenn sie auf einer einsame Insl geschtrandert sin!

Ich fuhr fort hungrich zu sein. Ich dachte auf eine große Menge Dinge — besonderst auf Waffl mit Honig. Ich schaute auch noch immer nach einen Schiff aus. Die Sonne ging unter. Ich fihlte mich schlechter un schlechter. Ich schtand bei den Ufer — auf eimal sah ich eines, nich weit weg — ein Schiff meine ich. Ich lif un holte meinem gekerbten Schtok, band mein Taschntuch dran un wehte, aber ich hedte mich nich zu plagn brauchn; sie erzehltn mir schpeter, das sie grad auf das selltsame Ding losschteiertn, das auf dem Baum gebundn wahr. Es war schon beina finster, wie sie näer kamen, ein Boht henunter lißn un drei Menner heneinschtign un zum Ufer ruderten.

»Halloh!« rifn sie, wie sie mich sahn.

»Selber Halloh!« sagte ich, sehr fro, das sie da wahrn. »Nun, ich will in der Lufft geblasn sein!« sagtn sie »hat man so was je erlebt!«

»Ich habs,« sagte ich, »aber auch ers nur eimal — im ernst. Habt ihr was zu essn auf eiern Schiff? Mein Ballohn fihl hir, wo nich eimal ein Brodfruchbaum oder ein Schtikchen Wassermelohne wakst. Ich ferhungere schon.«

Un dann wahr mir das weinen sehr na, aber ich hedt es nich um der Welt getan, sonder blib fest un fragte sie: »Seid ihr amerkansche oder englische Matrosn?«

Sie sagtn sie sin englisch un gehern zu Kannada, aber sie farn grad nach Bufflo, ob ich mit ihnen farn will? Sie namen mich allso aufs Schiff, wo ihr Kapetehn grad beim Nachmahl wahr; er wahr sehr heflich. Er sagte ich soll mich nur zu ihm setzn, ganz ohner Zermonih. Es wahrn gebakne Fische da, gebratne Erdepfl, Brod un Budter un Kaffeh. Ein ausgezeichntes Essn, aber ich hab gelesn, das Leite, die geredtet wern, anfangs nur sehr wenig essn solln, un so dankte ich ihm schon bein fiertn Mahl fir Fisch un Eier un Erdepfl un herte auch schon bein finftn Schtik Fleisch zu essn auf.

Er schikte auch die Leite um den Ballohn, nachdem ich ihm erzehlt hadte, wem er gehert un das er ein paar tausnd Doller gekostet hat. Er wahr sehr freindlich zu mir un ich wer ihm dankbahr sein, bis ich groß bin.

Wir brauchtn 4 Tage un Nechte bis wir nach Bufflo kamen, aber ich ferbrachte die Zeit sehr angenem mit die Matrosn die mich zu ihrn Libling machtn, weil sie nichs fon meinen gutn Ruf wußtn. Ich erzehlte ihnen fon meine Schwestern, fon den neien Babi, den Tellergrafnbeamtn un eine Menge Sachn, die sie interessihrtn un sie erzehltn mir fon der Sehschlange, den Wasserniksen un andre Mehrwunder, wi man einen Matrosnknootn macht, auf dem Maßbaum klettert un so fort. Ich schtrengte mich an, so wenig Unrue zu machn, wi nur meglich, aber ich fihl 2 mahl auf einen tifn Plaz im Wasser iberbord, das sie mir nachschpringen mußtn un ich ferlor Bens silberne Uhr, die ihm seine Mudter geschenkt hat im Wasser, aber ich ferschprach ihm eine bessre, wenn ich nachaus komm. Die Matrosn tettowirtn mir einen Anker un ein Schiff auf dem Arm damit mich meine Eltern widerkennen, wenn ich das nechste mahl ferlorn geh. Es tat mir ser leid, wi wir nach Bufflo kamen, fon ihnen Abschid zu nehmen. Ich umarmte un kißte sie alle, un fergoß ein pahr Trehnen, un sie schribn ihrn Nahmen auf mit einen schönen Schwung drunter un gabn mirs zum Andenkn. Der Kapetehn fihrte mich zur Baan un sagte dem Konduktehr es wird fir mich gezalt wern, wenn ich hinkomm — wi wenn ich ein Pakett pernachnam wer.

Ich fuhr un für dem ganzn Tag un es wurde grad finster wi ich zu unsrer Schtatsjohn kam. Ich hadte mir fom Kapetehn ferschprechn lassn, das er nich tellergrafihrt, das ich komm, weil ich die Familjeh iberaschn wollte.

Ich schlipfte henunter un ging durch der rikwertige Gasse nachaus, um zu sehn, was sie sagn wern, wenn ich komm, befor sies wissn. Oh, wi mein Herz klopffte, wi ich näer kahm! Es schin mir, als ob ich ein pahr Jare — ein Jar 100 wegewesn wer! Ich ging leise im Hinterhof un gukte durchs Schpeiszimmerfenster. Jeh! Was fir eine Menge gute Sachn warn da zum Nachmahl! aber sie saßn alle um dem Tisch wi Mumjen un aßn nich sofihl das es die Arbeit fon der Kechinn wert wahr. Mamma hilt sich ein Taschntuch zu die Augn, Elsbett war blaß un redete nichs, Betti schluchste, wi sie Lil un Montagu das Brot brachte — so eine Gesellschaff! Also schprang ich grad auf das offne Fenster, wi ein Gummilastiballn un sagte: »Ihr mechtet einem bessern Apptit habn, ihr Leite, wenn ihr auf einer wiste Insl geschtrandert wert, wi ich wahr. Oh Godt! wi hungrich bin ich — gebt mir was zu essn!«

Großer Godt! — Aber ich kann es nich beschreibn — ich will dem Forhang iber der Ssene falln lassn. Nur eines is mir besonderst aufgefalln — di Familjehn fon schlechte Bubn scheinen grad so fro, wenn sie die ferlohrnen widersehn, wi wenn es nich so greßliche Kinder wern. Aber ich hab eine gute Lekzejohn bekomen un ich wer mich tichtig anschtrengen, damit ich mehr ferdin das Betti mich halb zutot wirgt un sagt sie will mich nur umarmen. Selbs das komische kleine rote Babi lachte, wi es seinem Onkl Schorschi sah.

P. S. Es is gut, das der Kapetehn den Ballohn mitgenommen hat; der Luffschiffer hat meinen Fater um sibn 1000 Doller ferklagt, aber jetz wird alles, was Papa bezahln muß, nur fir die Flekn sein, die man dort aufnehn muß, wo ich mit meinen Taschnmesser die Lecher heneingeschnidtn hab.

Meine Schwestern wolln den Kapethen eine seidne Faane un jedn fon meine Freinde, den englischn Matrosn eine silberne Uhr schikn; sie sin greßlich lib (meine Schwestern).