Auf der Lokomotive
Onkl Samson is so mid, bei uns zu sein, das er weggegangn is. Er is ganz aufgeblasn fortgegangen un hat mir nich eimal ein Poni geschenkt, das ich mich an ihm erinner. Es wahr mir sehr ungenehm mich fon meinen libn Onkl trennen zu missn, befor er mir das Poni gekauft hat. Wenn ich es hedte, wirde ich dem Onkl nich so schwer fermißt habn. Er wollte nich for den Herbs weg fahn, aber unerwartete Umschtende habn seine Abreise beschleinigt. Es sin jetz Ferjenn un wir Jungen habn genug Zeit zu schpiln; also machtn wir ein Ausstellung im Schtall fon Karlis Fatter, zwei nachmitage Antreh 3 Cent, große die Helfte. Karli wahr ein Affe, Harri wahr ein Behr un ich wahr das große »Wunderthir«. Wir hadtn noch anre Thire un ein pahr Abteilungn. Ich ging zun Rasehr un liß mir dem Kopf rasihrn un dann ferbte mir Karli das Gesich un die Hende dunklbraun. Er mußte wirkliche echte Farbe nemen, die fon Gidter ibrig geblibn wahr, weil wir nichs anres hadtn un ich schaute ganz gut aus damit. Es wird aber dem ganzn Sommer dauern bis es henuntergeht un ich kann nich in der Kirche gehn. Ich erkenn mich selbs nich, wenn ich im Schpigl schau. Elsbett sagt, es is ergerlich, bein Essn an denselbn Tisch mit einen Negerjungen zu sitzn. Sie glaubt, ich soll mit Betti essn, aber Betti will auch nich an einen Tisch sitzn mit einen Wunderthir, un so laßt mich Mamma obn, wenn eine Gesellschaff da is.
Aber Onkl wahr withig — grad nur, weil ich seine falsche Zehne ein bischen ausborgte, damit ich wilder ausschau, un sie im Brunnen fon Karlchens Leitn falln liß, wi wir trinkn gign. Es wahr dahmals sehr heiß. Ich wollte sie nich falln lassn. Er is sechtzig Fuß tif un der Mann der henunterschtig konnte sie nich findn. Sie wahrn aus Golld un kostetn eine Menge Geld un der Onkl ferhungerte beina, biß er di andern krigte. Er tat mir beim Essn ser leid, aber er wollte keine Enschulgungen fon einen so schlechtn Jungen anehmen. Gleich wi er di andern bekahm, aus Nikl oder Gummilasti oder was es wahr, das er sich auf der Schtraße zeign konnte, liß er einen Wagn holn, un liß sein Gepek ins Hotell fihrn. Nemlich Harri hadte einen kleinen Esl, den wir als Ellefantnbabi habn wolltn un so mußte ich dem Kahschmierschahl fon meiner Schwester ausborgn, wi sie nichs dafon wußte, um ihm iber ihm zu breitn. Aber er mußte auch einem Rissl habn, sons wer die gantze Auschtellung ferdorbn gewesn un wir fandn nichs anres, das gepaßt hedte, außer die Ortrompete fon meinen Onkl. Aber die paßte ausgezeichnt, wi wir sie feßgemacht hatn, was ganz leich ging. Wi wir ihm noch ein bischen dikere Fiße gemacht hadtn, aus den Dekn fon Karlchens Faters Ferd un ihm dem rotn Schahl henumgebundn hadtn, wahr es so genau ein Ellefantnbabi wi nur was — ganz so gut wi das Filadelfibabi. Es wahr allein 3 Cent wehrt, es anzuschaun. Aber der Onkl konnte fir ein pahr Tage nich fihl hern, weil der Esl fergaß, das er ein Ellefant wahr un wi toll herumschprang un seinen Rissl iberall heneinzwengte wi wenn er ein richtiger Pakknecht gewesn wer. Das un seine Zehne zusamm wahr zufihl fir seiner Geduld — er wahr so withig, das Mamma weinte.
Ich weiß nich, ob er wirklich gegangen wer, nur namen wir seinem bestn seidnen Anzug, dem er in Jahpann bekommen hat un zogn ihm Karlchen an, damit er ein Tirke is un bandn ihm sein rotes Taschntuch als einem Turbahn um, un es kahm ein bischen Farbe drauf, wi wir zufellig dem Farbtopff im Schtall umschidtetn, un das Gewand war ruhnirt — er wahr schade, weil es sehr hibsch wahr, lauter seidne Blumen. Karlchen hedte nich so unforsichtig sein solln. Es wahr aber eine famohse Auschtellung. Es kamen 13 Bubn un drei Medchen henein. Wir habn 50 Cent eingenommen di wir fir armen Schklafen hergebn wolln. Mir ligt nichs drann, das der Onkl im Hotell wohnen gegangen is. Betti erzehlte mir im Fertraun, das er ihr schon zuwieder is. Er sagt ich hab ein großes Glik ferscherzt durch meiner schlechte Aufihrung — aber ich glaub ich brauch kein Glik; ich hab eine Menge Schpaß un genug zum essn. Ich wollte ihm nich ergern, wi ich den bestn Zopff fon meiner Schwester mit Schusterpech auf dem kaaln Flek auf seinem Kopf pikte — ich wollte nur sehn, ob er wi ein Kinehser anschaun wird, aber manche Leite ferschtehn gar keinem Schpaß. Elsbett sagt, ich hab ihr ihrn Zopff ruhnirt, der 10 Doller kostet. Wozu tragt sie also einen? Di Medchen mechtn es beqwemer habn bei den heißn Wedter, wenn sie sich frisihrn mechtn, wi ich. Wenn so ein Medchen nich ½ fon ihrer Zeit ferbringen kann, sich fir ihrem Verehrer schehn zu machn, ligt ihr nichs am ganzn Lebn. Ich erzehlte den Tellergrafistn das Elsbett gestern abns befor sie im Sallohn kam, henaufgegangen is um ihre Frisuhr zu pudern un aufzusetzn un sich die Augnbraun zu bemaln — un das ihr des Hahr greßlich ausgeht. Ich glaube, sie wird bald kaal sein; wi sie immer Sommenschprossn hat, bis sie sich mit Zitronglitzerin einreibt. Ich wollte ihm grad erzehln, das sie immer sofihl Hihneraugn hat, wi sie hereinkam.
Heit abens klinglte es bein Hausthor un Betti wahr einkaufn gegangn; meine Schwester schaute durchs Gukloch un sagte: »Oh Schorschi, es sin dise noble Leute, di ich lezte Woche besucht hab. Es is ein greßlich liber junger Mann in der Familje. Betti is fort. Du sihst grad aus, wi ein kleiner Negerbedinter. Weiß du was — geh zum Tohr un fihr sie anschtendig herein un dann bleib draußn. Sie wern nich lang hirbleibn.«
Ich machte also di Thir auf, mit einen Krazzfuß, wi dise Bedintn in Hotell un bekomplimirte sie sehr heflich zum Sallohn. Dann blib ich draußn, wi mir Elsbett gesagt hadte. Nur wahr es mir zu einsam in Wohnzimmer un so schlipffte ich bald drauf im Sallohn un ging hin zun Schterreskop um durchzugukn.
»Schorsch,« sagte meine Schwester leise, »zih dich zurik.«
»Wozu?« sagte ich. »Ah so, das hab ich ganz fergessn! Aber was ligt drann, sie wern sehn, das es dein kleiner Bruder is, wenn ich auch ein Mulatter bin. Du kanns mich nich fir einen Bedintnjungen ausgebn.«
Dann schautn sie erschtaunt drein un meine Schwester mußte ihnen erklehrn, wi ich mich angeschtrichn hab un das die Farbe nich henuntergehn will un sie sagten: »Ach ja, wir habn gehert fon ihm; wahr das nich der junger Mann, der allein im Ballohn aufgeschtign is un so weiter?«
Ich glaub die ganze Schtadt redet fon mir, weil mir ein pahr Zufelle passihrt sin. Wo ich geh un schteh, wer ich ausgelacht. Es ekelt mir auf der Schtraße zu gehn, alle die Kerle foppn mich. Sie heißn mich jetz nich anderst als das »Wunderthir«. Ich winsche, die Farbe mechte henuntergehn. Ich wer mich fon Betti mit Sand abreibn lassn.
Es nitzt nichs. Mein Schpaß is ein bischen zu weit gegangn. Ich wer so verschpottert un gefoppt un ausgelacht, das ich es nich un nich aushaltn kann. Ich glaub ich wer zur Tante Betsey fortlaufn un dortbleibn bis es herunterget. Es zalt sich nich aus eine Woche nach der andere ein Wunderthir zu sein. Im erns meine Tante wird mich filleich nich eimal erkennen. Ich wer mich ihr fermithn als ein kleiner Negerjunge, der fir Kost un Qwatihr Brommbern klaubn will. Ich hoffe, wenn di Schul im Sepptember anfangt, wer ich wider weiß sein. Wenn ich die Schtraße henuntergeh bitn mir dise Kerle Kokusnisse an. Dokter Moor nennt mich das fehlende Glid. Sie sagn, sie wern ein Supschkripzjohn ereffnen um mir die Farth zu bezaln, weil sie mich zu Darrwien schikn wolln. Sie glaubn, si sin greßlich witzig! Ich ging im Konzertt un sie lißn mich nich eimal bei meiner leibliche Schwester sitzn, nur auf der Gallerih! Es eklt mir schon. Das nechste Mahl wenn Karlchen eine Auschtellung macht, kann er selber das Wunderthir sein.
Es geht schon an manche Schtelln henunter un sie rufn mich »Leopahrd!« Es is schreklich, was fir Folgn etwas habn kann, wenn man nich im geringstn dran denkt. Ich hab mir immer gedacht, ich mecht gern ein Inschenehr sein, wenn ich kein Matros oder Pfahdfinder sein kann. Ich bin sehr gern bein Deppoh untn. Di Leite dort sin sehr freindlich zu mir, nur manchmahl neckn sie mich sehr. Sie habn offt iber mein Pech gelacht, wenn sie dafon gehert habn, aber jetz is ihnen das Weinen näer, wi das lachn. Willi Bellow is ein Inschenehr auf einen Laßzug, der hir immer schtehn bleibt — er is einer fon meine bestn Freinde. Er wollte mich einmal auf seine Maschihne nemen, wenn er auf den Nebngleiße is un auf dem Persohnenzug wartn muß un mir alles erklehrn, was ich wissn will; allso wahr ich gestern mit ihm un fragte ihm, wi man sie laufn macht un er zeigte mirs.
»Du kenntest sie beina selbs lenkn, was, Junge?« sagte er, un dann meinte er un der Heitzer, sie hedtn noch Zeit in dem Wartsahl um der Eke zu gehn, un sich ein Pakl Taback zu holn befor der Pesohnenzug kommt un gingn auch. Willi half mir henunter un sagte mir ich soll heniberlaufn zum Schtattsjohnshaus, damit mir kein Mallehr passihrt. Aber ich wollte gern wissn, wi sich das alte Ding bewegt un schprang henauf, wi er nich hin schaute, weil er ein Glas Sodawasser trinkn mußte un zog das kleine Ding herum, das er mir gezeigt hadte, un befor ichs wußte, wahr sie in Bewegung. Ich schrie, sie soll schtehn bleibn, aber es wahr umsons. Das heßliche Ding lif nur noch schneller. Der Inschenehr un der Heitzer lifn heraus — so was hab ich noch nie gesehn, wi bleich sie durch dem Schmuz auf ihrn Gesicht wahrn — sie lifn wi ferrikt aber die Lokermotive kam ihnen for so leicht wi nix. Ich sah die Leite rennen un die Hende ringn un dachte an dem Tag, wo ich im Ballohn aufgeschtign bin un mir wahr greßlich schlecht. Dann wahr ich weit draußn im Feld un zog alle dise Frachwagohns hinter mir un errinerte mich, das der Persohnenzug in finf Menutn ankomt, un ich wahr so erschrokn, das ich nich eimal dran denkn konnte, sie aufzuhaltn, weil ich grad direk auf dem Zug losfuhr un ich wußte er kommt mir engegn un ich dachte nur: »Was fir ein Kracher!«
Es wahr erger wi im Ballohn, an alle die Leite zu denkn, die im andern Zug warn. Ich weinte un seifzte, aber das nutzte nichs. Ich winschte, ich wer nich zum Deppoh gegangen, wi Mamma mir geschafft hat. Ich dachte auf alles schlechte, was ich schon angeschtellt hab un wi Onkel Samson dreinschaute, wi ich ihm erzehlt hab, das ich seine Zehne hab im Brunnen falln lassn un wi sich Elsbett ergerte, wi ich in der Monscheinnacht letzte Woche unterm Peano wahr wi er sie fragte ob sie nie früer gelibt hat un sie sagte: »Nihmals!« un ich herforschri: »Oh, was fir eine Lige! Elsbett, erinners du dich nich an der Ausfart damals, wi das Ferd dafonlif?« Aber die ganze Zeit flog ich forwerts wi der Bliz bis ich wußte, das ich seks Meiln weit wahr, weil ich zu der nechste Schtatsjohn kam — ich konnte sie sehn, un auch das der Persohnzug dort schtand un die Leite auf den Perrohn — oh es wahr ein greßlicher Augnblik!
Un dann, filleich eine Menute schpeter, flog ich forbei, wi aus der Kanohne geschossn — dann wahr ein greßlicher Lerm, wi fon zerreißn un zerbrechn un etwas schlug mir am Kopff wi wenn es withend iber mir wär.
Betti hat mir das alles erzehlt, weil ich ein pahr Schtunden lang nichs fon mir wußte. Wi ich zu mir kam, lag ich auf einer Bank im Deppoh mit der ganzn Familjeh um mir herum. Dokter Moor sagte ich leide an Gehirnschittrung aber er glaubt, ich wer dafonkommen — ich bin schwer umzubringen, das is ein Schade. Elsbett sagte, er soll sich schemen un das wahr gut fon ihr, wenn ich denke, wi ich sie behandlt hab — damals wi ich unter dem Peaner kroch. Ich will es nie, nie widertun!
Es scheint, das Willi, wi er seinen Zug dafonrennen sah, schnell zur Schtattsjohn heniberlif, un zu den Tellergrafnbeamtn sagte: »Tellergrafihrn sie, so schnell wi der Bliz nach Hartfort sie solln die Weiche umschtelln!« un er tat es, weil er nich wußte das ich obn wahr, un wenn er es gewußt hedte, so wers auch kein Unterschid gewesn, wi Willi sagt, denn so gern er mich auch hat, wenn es 30 oder 40 Menschnlebn gallt, konnte er nich zaudern. Sie brachtn es grad zuschtand, di Weichn umzuschtelln un den Persohnzug zurikzuhaltn, wi ich auch schon forbeisauste un in das Frachhaus iber der Schtraße heneinfuhr.
Alle glaubtn, ich wer in Schtikchen zerschmedtert sein, aber ich hadte nur eine dike Beile am Kopf un einen schwartzn Flek am Arm — ich wurde gliklicherweis in einen Wagon geschmissn, der mit Baumwollnballn fir die Fabrick beladn wahr.
Die ganze Schtadt brummt, das ich nich erschlagn worn bin — sie sagn ich bin ein gefehrlicher Schadnschtiffter un sie winschn, ich wer tot. Die Maschiene is totahl hin, 7 Frachwagn zerschmedtert un eine Menge Frachgiter zerschtert.
Ich hadte grad so weit geschribn, wi Betti heraufschlich un mir erzehlte, sie habn eine Schtadtfersamlnug abgehaltn un beschlossn mich im Kerker zu werfn. Sie sagt es is so geschribn worn:
»Sintemal Georg Hacker ein unferbesserlicher Junge un auf mancherlei Waise die Uhrsache fon großn Ferlust un Schaden fir die Schtadt is, wurde beschlossn:
I. das er fir 6 Monathe im Landgefengniß zu ferwahrn is, damit Fride un Ordnung in der betribtn Gemeinde widerhergeschtellt wird
II. das der Familje unser Mitgefihl kundgegebn aber gegn dem Ferbrecher unnachsichtliche Schtrenge geibt wird.«
Betti sagt, sie erzehlt es mir, damit ich noch entwischn kann, da sie nich for morgn um mir kommen wern. Also leb wol, mein Tagbuch, leb wol auf langer Zeit!
Ich bin noch nich beschlossn, ob ich nach Bufflo auf das Schiff gehn soll, wo mich di englische Matrosn ser gern aufnehm wern oder ob ich bleibn un im Gefengniß gehn soll. Es is hart fir einen kleinen Jungen, der ni in seinen Lebn Unrech tun wollte — ein unglikliches Kind, dem ein pahr Zufelle passihrt sin — im Kerker gehn zu missn. Betti hat feierlich ferschprochn, mir jedn Tag einem Korb mit Pastehte un Kuchn zu bringen. Ich glaub es wird kein schlechter Plaz sein, damit di Farbe einsweiln henuntergeht un mir die Hare waksen. Ich glaube, ich wer dort geschtreiffte Kleider tragn missn. Gut, ich muß mich damit zufridn gebn.
P. S. Es is alles nur eine Fopperei. Der Dokter hats aufgebracht, um mir Angs zu machn. Sie kennen mich nich im Gefengniß werfn, aber sie wolln mich nechstes Mahl wegn Dibschtahl einschperrn, wenn ich wider mit einen Frachzug durchgeh. Ich wers nimmer thun. Eine solche Lekzejohn is ganz genug. Ich wer fon nun an nichs beses mehr tun. Elsbett will heit abns eine Gesellschaff zum Krokett einladn. Ich winsche, ich kennt jemandn mihtn, der ihr sagt, das wir di Balln fon beide Schpile ferbraucht habn, um einem tirkischen Bazahr aus Karlchens Fahlzaun zu machn — damals wi wir die Auschtellung machtn.
Bei den Wasserfällen
Enlich bin ich doch ein ser brafer Junge. Ich habe Henschens Mutter gesagt, wi leid es mir tut das ich so unforsichtig wahr un ihm den Fuß gebrochn hab. Ich hab in Sakunasche bereit, was ich tat, wi ich die Maus ausliß un diese alberne Medchen die Schtadthalle inbrand setztn, so eine Ausgabe fir di Schteierzahler. Ich kennte nich dazu bewegt wern im Ballohn zu fahrn, nich wenn man mirs umsons erlaubn mecht. Nein, wirklich nich. Ich hab mich sehr bekert selbs meine Schwester Elsbett sagt, sie erkennt ihrn kleinem Bruder kaum wider. Der Grund dafon is, das mir ein schreklicher Zufall passihrt is, der leich hedte sehr erns wern kennen — nur das es nich geschen is — mir kommen die Threnen in die Augn, wenn ich denk, wi sich meine Mutter gekrenkt hedt, wenn ihr einzger Sohn auf so einer schrekliche Weise durch Ertrinkn ums Lebn gekommen wer.
Weißt du libes Tagbuch, ich hab nemlich mit meine Eltern einen Sommerausfluhg gemacht. Wi Mamma sagte, wahrn Lily un Susann fort, Elsbett ferlobt (Tellergrafnbeamter) so das sie sich auf ihre Lorbehrn ausrun konnte; sie fihlte sich gans erschepfft mit di Familjensorgn — besonderst Schorschi, weil sie die Woche nie ganz iberwindn konnte, wo er im Ballohn ferlorn wahr un sie dachte Papa kennte sie zu ihrer Gesundheitt auf Reisn mitnemen, un er schlug die Nigijara Wasserfelle for un wir alle sagtn, es sei eine großartige Ideh. Nur Elsbett schtreibte sich un sagte, sie leßt si nich fort, wenn sie mich nich mitnemen. Sie sagte, sie will nich ferantwortlich sein fir das, was geschiht, wenn ich zuhaus bleib un Papa fort is.
Elsbett is famohs; sie weiß was was is. Ich lif gleich henaus im Hof un schtellte mich aufn Kopf wi sie sagtn, das sie mich wern mitnehmen missn. Karoh kam dazu un waklte mit seinen Schweif un ich sagte: »Karoh, kusch dich un bleib ruig un du solls auch mitfahrn,« was ihm sehr fergnigt machte. Wir fuhrn am nechstn abns, nachdem es schon dunkl wahr, damit wir werend der Nach fahrn. Karoh un Elsbett, ihr Ferehrer un noch ein pahr kamen mit zum Deppoh um uns wegfahrn zu sehn. Es wahr ein Ekspreßzug, der anhilt um Wasser zu schepffn, un wi er hereinfuhr wi der Blitz, fing Mamma an sich zu sorgn un unruig zu sein, wi di Fraun immer thun.
»Schorschi! Schorschi! Du wirs zurikgelassn wern! Wo is nur der Junge? Wenn du schon so anfengst, so winsche ich, wir wern gar nich gegangn. Muß du immer wartn bis der Zug wider in Bewegun is, befor du einschteigst, mein Kind?«
»Es is alles rech,« antwortete ich, wi wir uns auf unsre Sitze gesetzt un uns bekwem gemacht hadtn, un ein pahr Meiln weit warn, »ich blib nur zurik, um Karoh an der Akse fom letztn Wagn anzubindn — er wollte greßlich gern mit uns kommen.« Dann lehnte sie sich zurik, schaute aus, wi wenn ihr unwol wer un fing an zu schrein: »Haltet den Zug an! Haltet den Zug!«
»So ein Lerm!« »Was gibts denn?« »Wer is ferlezt?«
»Zihn sie an der Allarmglocke!« »Wir fahrn in einen andern Zug hinein!« »Mein Godt, ein Zusammschtoß!«
Di Fraun schrin, die Menner warn blaß, ein pahr zogn an der Klingl, der Zug ging immer langsamer un der Konduktehr schtirzte henein: »Wer hat dem Zug angehaltn? Was gibts?«
»Mein Sohn hat unsern Hund an den letztn Wagn gebundn,« echste Mamma. »Oh, redtn sie ihm, wir habn ihm fihle Jaare gehabt un habn ihm sehr lib!«
Der impertenenter Konduktehr schaute auf mir, wi wenn er mich aufressn wollt.
»Ich winschte, der Junge wer selbs an der Akse angebundn worn,« brummte er; aber er bemihte sich umsons, es wahr nich sofil fom Hund mehr ibrig, das es sich auszahlte, dem Eilzug deswegn anzuhaltn — nur ein Schtik Schnur un 1 Ohr. Es that mir sehr leid um Karoh, weil er ein sehr treier Hund wahr. Ich dachte, es wird ihm frein, mitzukommen.
Wenn ich schnachn mecht, wi manche Leite thun, ich mechte nie in meinen Lebn reisn. Papa sagt es is eine Betriegerei, drei Dollars fir einer Abteilung im Schlafwagn zu zahln un dann nich imschtand sein, schlafn zu kennen. Diese Persohn wahr in der obern Abteilung iber meiner, un ich fersuchte ihm aufhern zu machn, damit meine arme Mamma ein bischen schlafn kann. Ich tappte henum un schtekte ihm eine Schpennadl bis zum Kopf in Arm, dann legte ich mich geschwind zurik un schlif so fest ein, das er nich wußte, was ihm weh getan hat, wi er in dem Gang henausschprang.
»Diner! Diner!« schrie er, »es will mich jemann ermordn un ausraubn!«
»Unsinn,« sagte der Diner, »Sie habn filleich Albdrikn gehabt.« »Kann sein,« sagte ein Kerl fon der andre Seite, »weil er sich selbs heiser geschnacht hat.«
Dann schtektn ein pahr den Kopf herfor un lachtn un er kletterte wider zurik un lag filleich eine Schtunde oder so was ruig.
Ich wahr greßlich durstig, wi ich immer bin, wenn ich auf der Eisnbahn fahr un grad wi alles wider ruig wahr, mußte ich rufn: »Sie, Diener, bitte bringen sie mir ein Glas Wasser.« Er brachte mir eins, aber ich war noch immer durstig. Ich wollte die Leite nich noch eimal mit meinen Rufn schtern, so schlipffte ich ganz leise henaus un nahm mir selber. Dann ging ich wider ganz ruig zurik un kroch wi eine Maus ins Bedt, wi mir auf eimal ein solches Geschrei grad ins Ohr kam, das ich beina um der Fernunff kam un ich wurde henausgeschtoßn un flog wi das Donnerwetter am Gang henunter. Jede lebende Sehle im Wagn schtekte dem Kopf herfor. Der Diner klaubte mich auf un schidtlte mich, wi wenn er glaubte ich bin ein schtaubiger Rok un ein Frauenzimmer, die ihre falsche Zehne untern Pollster hadte un ganz kaalkepfig wahr seifzte un weinte un sagte, sie hat geglaubt ich bin ein Mann. Mir scheint ich wahr in einen unrechtn Kupeh gekommen. Aber nach un nach legtn sich alle wider schlafn un alles wahr Fride un siße Treime bis es Tag wurde.
Es is sehr schlecht, wi Menner fluchn, wenn sie zornig sin — Damen thun das nich. Di Menner in unsern Schlafwagn sagtn greßlich schlechte Sachn, wi sie sich in der Frih anzihn wolltn un grad fir nix; nur das der armer Diner ihre Schue durcheinander gemischt hadte in einer ganze Konfuhsjon — keiner hadte seine eigne oder 2 gleiche. Der Diner sagte, sie wahrn alle ganz recht, nachdem er sie gepuzt hadte un ein Par fon ihnen schautn deswegn ganz wild auf mir armen Schorschi, der sich grad anzog, so samft wi Marichens Lamm, aber ach! es is sehr fiel Ungerechtikeit in der Welt, wi die Bicher sagn.
Es tut mir sehr leid, das Karoh nich gelebt hat, um die Wasserfelle zu sehn. Die Werter fehln mir. Sie sin außerornlich unmeßlich in der Greße un mann kann den Lerm ein par Meiln weit hern. Es is ein Regnbogn un ein par anre intressannte Sachn in der Gegnd. Die Felle habn fier Seitn — die Außnseite, die Innenseite (wo man henuntergehn kann) di kanahdische un die amerkansche Seite. Es is ein Bild fon ihnen in meiner Gografih aber es fehlt bei den das Getehs wi Donner, das sie bei Tag un Nach machn. Ich glaube, wenn Herr Barnem sie mit auf Reisn nemen kennt, wi den Tom Deimling un sie in alle große Schtedte ausschtelln mecht, sie wern sehr beleerend fir kleine Bubn, weil sie die Greße der Natuhr fon der beste Seite zeign. Aber di Fihrer sin risig theier. Papa sagt ihre Forderungen sin noch schtaunenswehrter wi die Nigiarafelle. Er hedte keinen Fihrer mitnehmen solln.
An dem Tag, wi wir hinkamen, wollte grad ein Franzohse auf einen Seill kwer iber di Felle gehn. Mamma sagte, er muß toll sein, aber mir schin es nich so — er schaute ganz gutmithig aus, wi ich ihm sah. Sie wollte nich hingehn un bat Papa mich auch nich einem einzgen Momment aus die Augn zu lassn — nein, nich einem einzgen! Er fersprach ihr, das er mich festhaltn wird, wi Pech un so liß sie uns gehn, werend sie sich niderlegte, um ein bischen zu schlafn weil sie in der Nach im Schlafwagn so geschtert worn wahr.
Es wahr ein famohser Schpaß, wirklich ganz aufregnd, ihm in einen Korb hinibergehn zu sehn — dann in den Schtrimpfn mit der englische un amerkansche Fahne — un zuletz fragte er, ob filleich jemann einen hibschn kleinen Ausfluhg in einen Schibkarrn hinibermachn will? Er wollte eine Persohn sicher heniberbringen oder 500 Doller zaln, wenn er es nich imschtand is, un sie ertrinkn. Ich dachte es were hibsch, sicher heniberzukommen, oder wenn nich, das Geld zu krign. Papa redete eiffrig mit einen Herrn, dem er unferhofft bei die Felle getroffn hadte. Ich sah das er nich ach gab un schlipffte leise weg zu den Kinstler un wisplte ihm zu, ich will mit ihm gehen.
»Söhnchen,« sagte er, »es wird dir nich leid thun, denn du wirs dein Lebnlang berihmt sein. Denk dir nur! der einzge kleine Junge der je in einen Schibkarrn iber die Schtromschnelln gefihrt worn is.«
So schtig ich also ein un er gab mir 2 kleine Fahnen zum haltn un sagte: »Mach nur die Augn zu, wenn du schwindlig wirst, iberlaß nur alles anre mir, du bist grad so sicher, als wenn du in deinen Federbedt zuhaus legst.«
Aber der heßlicher Pollezeibeamter kam hin un schtiß mich henaus un fragte, wo meine Eltern sin — er wollte sie arretihrn lassn, wegn Grausamkeit gegn Kinder — un Papa kam gelaufn un wollte dem Franzohsn peitschn. So kam ich um meiner Fart. Es wahr zu dumm. Mamma sagte, sie will mich nich einen Augnblik aus ihre Augn lassn, so lang wir beim Nigjarra sin. Es machte sie schaudern das ich so mit genauer Not der Gefahr engangn wahr. Den nechstn Tag kaufftn wir ein Nadlpollster fir Elsbett fon di Indjahnerfraun un einen Bogn un Feile fir mich un fuhrn zur Zigninsl, aber ich sah dort gar keine Zige. Man mechte es nich glaubn, wi schnell dort das Wasser geht. Wenn mann ein Schtik Papir oder Gras heneinwirfft, dann siht mans. Es wahr auch eine Dame dort, prachfoll angezogn di einen greßlich komischn Moppshund mit einem rosaband trug un sie liß mich mit ihm schpiln un ihm eine Weile haltn um sich ein bischen auszuruen.
Ich weiß um alles in der Welt nich wis passihrte, aber wi sie auf etwas schaute, was Mamma ihr zeigte, fihl Nelly (das is der Mopps) ins Wasser. Ich sah grad nur fir eine halbe Sekkunde eine rosa Schleife, dann sah ich nichs mehr. Man hedte glaubn kennen, es is ein Bubi wi sich das Fraunzimmer benahm! Wenn Papa sie nich feßgehaltn hedt, ich glaub sie wer dem Mopps nachgeschprungen. Weil sie nun nich konnte, krigte sie Krempfe un man mußte sie im Hotell tragn.
»Du unforsichger Junge!« sagte Mamma, »das is der zweite, seit wir fon zuhaus fort sin!«
Ich weinte beina selbs — so ein herzeges kleines Geschepff, refarbig mit einen lokign Schweif un einer schpaßige schwarze Schnautze; aber ich beruigte mich damit, das ich jetz wußte, das Wasser macht fast eine Meile in der Sekkunde. Der Wissnschaff missn Opfer gebracht wern, sagt mein Leerer.
Aber es is Zeit, mein Tagbuch, das ich dir fon meinen eignen knappn Entwischn erzehl. Ich wahr in tetliche Gefar. Das Blut erschtarrt mir, wenn ich nur drann denk. Wenge Jungen fon meinen Alter kennen so ein Erlebniß erzehln. Die Wasserfelle sin groß — sehr groß — risig, aber es ligt mir nichs drann, sie noch eimal zu sehn, hechstns mit einen Redtungsgirtl. Am 2ten Tag wi wir Fische zu midtag hadtn fihl mir ein, das es schpaßig sein mißte, in dem Fluß zu fischn un ich blib ruig, bis Mamma mich in ihr Zimmer nahm, un mir sagte, ich soll mir ein Buch nemen un einsweiln lesn, wehrend sie ihre Sjesta helt, wi jedn nachmitags.
Zimlich bald schlif sie ein. Ich schaute aus den Fenster — der Himml war blau, die Sonne schihn hell. Ich sehnte mich, draußn zu sein. Ich kroch auf dem Feranderdach, glischte auf einer Seile henunter, kauffte mir in einen kleinen Ladn iber der Schtraße ein par Angl un lif weg. Ich ging weit am Fluß hinauf, wo das Wasser ganz ruig un langsam floß. Dort setzte ich mich nider un fischte. Ich fing aber nichs un ging noch ein gutes Schtik weiter henauf — bis ich zu einer Mihle kam, wo ein kleines Boht in einer Buch angebundn wahr. Es schaute nimann, also borgte ich mir das Boht aus. Ich dachte, ich wer heniberrudern un schaun, ob auf der kanahdische Seite mehr Fische sin. Wi ich ein kurzes Schtik hinausgerudert wahr, fing das Unglick mit den ferteifltn Boht schon an — es drehte sich herum un irgnd etwas riß mir die Ruder aus der Hand, grad wi wenn ein pahr Hende henaufgereicht un sie mir fortgezogn hedtn. Ich flog so schnell den Fluß hinunter, das ich an dem Mopps mit den Rosaband denkn mußte, aber mir scheint dismahl hadte ich nich sofihl Intresse an der Wissnschaff — ich fergaß zu rechnen, wi geschwind es ging un fing an zu schtaunen, was ein kleiner Junge alles denkt, wenn er iber dem Niagjarafall fligt, um zu ertrinkn. — Es wahr mir schlecht im Magn un ich winschte, ich wer zurik in Mammas Zimmer, ruig mit den Buch in der Hand, wi ein brafer Junge.
Ich sehe aus di Zeitungn, das das damals ein sehr aufgeregter Tag wahr am Nigijarra. Ein pahr Menner sahn einem kleinen Jungen in einen kleinen Boht eine einsahme Farth den Niagjarra henunter machn; sie lifn un schrihn, aber das half nichs. Anre Leite sahn das Boht un schrihn un lifn, aber auch das half nichs. Der tafferste Mensch auf der Welt hedte den kleinem Jungen nich helfn kennen. Weiter un weiter ging es. Oh es wahr greßlich! greßlich! Er schtrekte seine arme, kleine Hende aus zu den Leitn am Ufer. Er machte die Augn zu un sagte ein Gebeht. Er ferschprach seinen Fatter un Mutter zu ehrn, seiner Schwester zu folgn un nih wider in einer Patsche zu kommen, un ein brafer Junge zu wern. Ich glaube die Forseung herte dem kleinen Schorschi un wollte es noch eimal mit ihm probihrn. Wenn alle schlechte Jungen frih schterbn mechtn, so blib keiner ibrig um groß aufsuwaksn un Presedennt fon die fereinigte Schtaatn zu wern. Das Boht fom kleinen Schorschi rannte auf einem scharfn Felsn un blib dort schtekn.
Die Leite schtandn zu hunderte am Ufer un schtarrtn auf ihm, wi wenn er ausgeschtellt wer. Ein Mann rif ihm zu, sich anzuhaltn un das wahr sehr gescheit. Die Sonne ging langsam unter un er dachte, wi firchterlich es sein muß in finstern unterzugehn; er glaubte seine theire Mutter zu sehn, wi si mit den Hendn winkte un ihm Kisse zuwarrf. Oh, wi sehr winschte er, er hedte ihr immer gefolgt! Wi traurig wirde es sein Lils Babi nih widerzusehn. Er winschte, er hedte nih fersucht, es aus der Kanohne zu schißn. Das warn ein pahr fon di Gedankn des armen Jungen.
Ich weiß nich genau, wi es gescha, aber der kleiner Schorschi wurde geredtet. Der Franzohse that es. Sie schossn ein Seill iber dem Fluß un machtn es auf beidn Seitn fest; dann ging der Franzohse auf dem Seill qweriber, bis iber das Boht, warf eine Schleife iber Schorschi un sagte ihm, er soll sie sich unter der Aksl fest machn un nur ganz ruig bleibn; dann zog er ihm henauf, befal ihm di Augn zuzumachn un schtillzuhaltn — Forsich wirde das ibrige tun. Un er brachte es fertig.
So eine Ssene! So ein Hurrageschrei un gejauchze! Mamma umarmte dem Seilltenzer, wi wenn er ihr lang ferlorner Bruder wer un fihl wi tot in Ohmach un di Leite brachtn sie un mich im Hotell. Papa gab ihm auf der Schtelle einem Scheck fir 500 Doller un sagte, er is ein taffrer Kerl. Aber Papa sagte mir innsgeheim, er glaubt, es kostet mer mich großzuzihn, als ich werth bin — er hedte gelesn, das es 5000 Doller kostet, ein gewehnliches Kind zu erzihn, aber ich hedte ihm bis jetz schon finfmahl mehr gekostet — abgesehn, was ich noch anre Leite gekostet hab, un di Bricke, die ich in der Lufft geschprengt hab un die Schtadthalle.
Ich glaube, er hedte mich nich gleich am erstn Abns fon meiner wunderbahre Redtung scheltn solln — aber so sin schon undankbahre Eltern. Mamma hadte in der Nach noch ein pahr Ohmachsanfelle; der Dokter sagt, der Schrek hedte sie tetn kennen, sie wirde es fir langer Zeit nich iberwindn. Ich hedte wirklich das Boht nich genomen, wenn ich nich gans unschuldig ein bischen fischen un meinem Fater mit ein par Fische hedte iberaschn wolln, un das Wasser schaute so gladt un ruig aus. Das ergste dran is, das ich mein neies Taschnmesser ferlohrn hab — es wird nie gefundn wern, weil ich es dort falln liß, wo das Wasser schreklich schnell geht.
Wir kahmen so schnell nachaus am nechstn Tag, als wir nur konntn un Mamma ligt jetz zu Bedt. Es war thericht fon ihr, so zu erschrekn, befor sie wußte ob ich geredtet wern kann. Es schihn fir dem Franzohsn ganz leicht mich zu redtn — obwol es das lezte fom kleinen Schorschi gewesn wer, wenn das Boht nich an dem Felsn hengn geblibn wer.
Jetz also hat mich Elsbett ferschprechn lassn das ich mich ender un ich hab es auch — follkommen; un weil du jetz, libes Tagbuch, schon follgeschribn bist, will ich dir auf lang Lebwol sagn, bis ich ein anres bekomm.
Meine Lib allein zu dir, di wird nimmer wankn.
Schorschi.
NB. Die Leite sin schreklich aufgeregt wegn die Wahln. Mein Papa is einer fon di Schtimmenzehler un ich un Henschen habn einen Plahn gemacht, damit wir ein bischen Schpaß habn. Ich will es nich erzehln, befor es losgeht. Wir habn ein Teerfaß un eine Menge Zindhelzer hinter der Scheine. Kann sein, das wir Mulys Kalb bratn, wenn si nich wi gewehnlich am Markplatz einem ganzn Oksn bratn — aber nur nichs aus plauschn! Wir wolln unsre Familjen iberaschn.
Er beteiligt sich an den Wahlen
Ich weiß nich, ob ich jetz noch mit den kleinen Hans ferkehrn darf, un Lischen sagt, si wundert sich, das ich mit einen kleinen Jungen fon seinen Alter umgeh, — ich muß mit greßern Jungen ferkehrn. Sie is beina elf, hibsch wi ein Bild; so große schwartze Augn, so modisch! Di is eimal herausgeputzt, sag ich! Sie is auf Besuch bei uns, un Mamma sagt, das is gescheit, sie is elter un kann mich dafon abhaltn, Dummheitn zu machn. Ich kann ihr das Hahr nich abschneidn, weil es schon abgeschnidtn is un so sin wir gute Freinde. Mir scheint, sie hat mich sehr gern un ich hab sie greßlich lib. Sie hat eine Manihr ihre Frisuhr zu tragn, di zum schtaunn is.
Ich fragte Betti gestern abens — in fertraun — was mein Hertz so geschwind gehn macht, wenn Lischen im Zimmer kommt un sie lachte un lachte, wi wenn es sehr schpaßig wer, das zu fragn un dann sagte sie: »Weiß du nich Schorschi?« un ich sagte »Nein!« un sie sagte: »Nun, du kleiner Narr, du bißt ferlibt!« Aber sie ferschprach es nimann zu erzehln, weil ich es auch nie erzehlt hab, wenn sie ihrn jungen Mann in der Kiche Kuchn gegebn hat. So is es also ein Geheimniß zwischn mir un Betti, bis ich Gelegnheit hab es Lischen zu sagn, un ich hab Zeit genug, weil sie ein pahr Wochn bleibt. Dokter Moor gab mir 50 Cent, damit ich ihm das Ferd halte, wi der Mann krank wahr un ich ging mit ihm herum, es lif aber weg un zerbrach den Wagn ein bischen. Er mußte das Ferd ferkaufn, aber mir wahr nich fihl geschehn un so gab ich ihm di 50 Cent nich zurik. Ich kauffte ein prachfolles Bukeh um das Geld un schenkte es Lischen. Ich gab ach, ob sie rot wird, weil Betti sagte es is ein Zeichn, das sie mich auch libt. Sie wurde aber nich roht un ich firchte, es is deßwegn, weil ich so schpaßig ausschau mit den langen Schtreifn Hefftpflaster iber der Nase, wo mir di Haut abgeschundn worn is, wi das Ferd durchging — aber was is die Libe eines Medchens wert, wenn sie einem Jungen nich grad so lib habn kann mit einen Schtikchen Heffpflaster? Es ferlezt meine Gefihle tif, wi sie immer lacht, wenn sie auf mir schaut. Es tut mir leid, das ich di 50 Cent an eine solche hertzlose ferschwendert hab.
Es is ein Junge da dribn iber der Schtraße — er is zwelf un hat ein Gesicht foll fon Sommerschprossn un ein neies blaus Gewand, wi wenn er was wer, un so bin ich ausgeschtochn. Gut, laß sie laufn. Ich wer nich mehr so eiffrig mit Heflichkeiten gegen ihr sein. Ibrigens hab ich sofil mit die komendn Waln zu thun, das ich wenig Zeit zun Ferlibtsein hab. Es wahr schön, so lang es dauerte.
Es is große Aufregung in unsrer Schtadt. Man mechte sie kaum erkennen; iberall fladtern Fanen, schpiln Musikbandn un sin Fakllichproßejohnen un in der neu'n Schtadthalle wern Redn gehaltn. Ich denke, weil sie sofihl Schpetakl damit machn, es wird sicher einer oder der anre fon di Kandedahtn gewehlt wern — filleich beide. Es wer zu dumm, sofil Geld fir nix auszugebn. Mein Fater sagt es is gut fir uns Jungen, Polletik zu ferschtehn anzufangen, solang wir noch jung sin — die Zukunff hengt an jung Amerka. Ich schtimme iberein mit ihn. Ich hab mein bestes getan, di gute Sache zu ferdern. Papa sagt, wenn jeder sofil getan hedte, wi der kleiner Schorschi, so wer das Land nich mehr zu redtn.
Das is ein großes Wort, aber ich verdin es. Ich wahr nich einem Abnd mißig, seit di Wahln angefangen habn. Ich hab mich heiser geschrihn, bin mit den Haufn maschirt, hab die Kanohne am Plaz abgefeiert, hab mit jeden Bubn in der Nachbarschaff fon meiner Greße oder kleiner geraufft, un hab den Mennern geholfn Holtz zu schlepn zu di Freudnfeier. Es is wahr es sin mir ein pahr Unglicke zugeschtoßn, un ein pahr Zufelle passihrt; aber ich glaub, der Presedennt wird trotz alln gewehlt wern.
Meine Schwester Elsbett un ein pahr anre fon unsre noblen junge Damen habn eine Supschkripzjohn ereffnet, um eine prachfolle Faane fir di Freiwillgn zu kaufn, di mit der Fakllichprozeßjohn zur Parade gehn wolln. Sie wahr 12 Fuß lang, aus Seide gemacht, mit ihrn Nahmen in geschtiktn Bukschtabn drauf, di die Damen selbs machtn — eine wunderbahre Faane! Der Faklzug wahr gestern abns. Die Freiwillgen kamen am nachmitag in der Schtadthalle zusamm, um die Faane aus die schönen Hende fon die hibschesten Medchen zu emfangen.
Der kleine Schorschi wahr der Lewe des Tages. Er wurde auf einer Pladtform geschtellt, auf der alle Dahmen prachfoll geputzt schtandn, um eine Rede zu haltn, die Faane in der Hand bis der Hauptmann herauf kahm un seine Rede hilt un fon der Hand des kleinen taffern Jungen (das bin ich) die Faane nam, so das ein par Damen weintn, weil sie so ergriffn wahrn un ich nahm mein Taschntuch herfor, das zufellig foll Schnufftaback wahr, so das der Hauptmann jedesmahl, wenn er anfing fon den amerkanschen Adler zu schprechn, sagte »der großer amerkanscher Hapschi-dler« oder »Tschi-dler« oder »Krr-adrll« oder sons einem Unsinn, grad wi wenn man einem Fogl kennen mecht, der Krr-tschi-tschi-haptschi-dler heißt, bis alle lachtn un klatschn un schrihn, das man sein eignes Wort nich herte, un der armer Offezihr wahr so roht wi Feier un seine Augn foll Trehnen, so das er dem Faanenschtok nich sah, dem ich ihm hinhilt, das er ihm pakt, sonder den seidnen Sonnenschirm fon meiner Schwester nam un damit henunterschtig. Die Leite wußtn nichs fon den Schnufftaback; sie dachtn, er hat pletzlich die Fiehseiche bekommen. Sie schrien dreimahl Hurra, was ihm doch hedte zufridn machn solln un nich sagn, er wird den armen Schorschi den Kragn umdrehn, wenn er ihm draußn erwischt.
Der großer Faklzug ging ganz gut ab. Es wahr eine hibsche Geschichte — filleich 2 Meiln lang oder noch mehr, weil sie rund um di Häuser gingen, so das es gar kein Ende hadte. Es wahrn ein par hundert Leite in den Zug un di Fakln machtn sich wunderbahr. Die Musikk wahr ausgezeichnt, nur die große Trommel wahr ferschtimmt — irgnd ein nichsnutzger Junge hadte ein Loch heneingeschnidtn un ein pahr Katzn heneingeschtekt — den Katzn geschah nichs, aber die Trommel wahr hin. Ich wer es nich widermachn.
Gleich hinter die Freiwillgen kam eine Schwadrohn fon kleine Burschn zu Ferd mit Scherpn un Fakln — ein prachfoller Anblikk. Es wer ganz gut gegangen, nur ich kam zun Unglick mit meiner Fakl so na zu der neue Fahne, die di Freiwillgen gantz schtolz trugn, das sie zu brennen anfing. Ich wahr sehr neigierig, ob Seide auch brennt. Ich wahr ganz erschtaunt, das sie wirklich brannte. In filleich 2 Sekkundn wahr sie in einer firchterliche Flamme un noch 2 mehr, wo wahr da di Faane? Ich weinte beina, weil Elsbett un die ibrign sich damit geplagt habn.
Es wahr ein Dempfer auf der ganze Feier. Ich mußte zu meine Fersn Zufluch nemen — das heißt zu di fon meinen Poni — weil sie drohtn, wenn si mich erwischn, wirdn sie mich in einem Tehrfaß schtekn, das sie zun Freidnfeier anzindn wolltn. Ich sag dir, mein Tagbuch, den Abns liß ich mich nich wider blikn. Ich sagte zu Henschen: »Was ligt dran, gebn wir selbs eine Forschtellung!«
»Gut,« sagte er.
Ich sagte: »Du schtitzt mich un ich krich durchs rikwertige Fenster in der Schtadthalle — es is offn — dort lign eine Menge Feierwerke fir das große Fest nechste Woche. Ich will ein par —«
Er schtizte mich un ich kledterte ganz leicht henein un reichte ihm 3 Dutzn große Rakettn heraus, filleich hundert remische Lichter, eine Menge Katrinenreder un Schlangen — alles was ich dachte, das wir abfeiern kennen. Dann borgtn wir den Schibkarrn fom Schließer aus, un fihrtn alles zum Deppoh — ein großer Junge half uns un wir unterhiltn uns ser gut. Di ganze Schtadt lif fon den Freidnfeier weg, um zu schaun, was bein Depoh los is un nur ein pahr Sachn, fon die wir nich wußtn, wi wir si loslassn solln ferletztn ein par Leite. Ich wurde in der Lufft geblasn, aber ich fiel auf dem Dach fon einen Frachwagohn un schlug mich ein bischen an, meine Nase blutete un rickwerts am Kopff hab ich eine Beile un ein bischen Pulwer in Gesich, woriber Lischen noch mehr lacht, aber ich bin geredtet un Henschen un ich wolln uns morgn oder ibermorgn noch einen andern Schpaß machn.
Mein Fater is in dem nechstn Ort gegangen, um ein par große Redner in der freie Lufft zu hern. Er sagt, die Leite wolln zum gutn Schluß dann ein Folksfest abhaltn un einen ganzn Oksn bratn. Eine Menge Obswein un anre gute Sachn solln dazu draußn im Freien gegessn un getrunkn wern, damit es mehr Schpaß macht. Ich wer gern mitgegangen, aber er sagte, einem Jungen, der so ausschaut, nimmt er nich mit — wahr ibrigns ich letztn Abns sehr schlecht — un er wollte mich zur Schtrafe zuhaus lassn. Ich wahr sehr einsam un fiff deßwegn auf Henschen, er soll iber dem Zaun kledtern wenn seine Mutter nich schaut un ich sagte: »Hansi, wenn wir einen Oksn hedtn, kenntn wir uns selbs ein Folksfeß abhaltn — wer das nich ein Schpaß?«
Er sagte, es were ein greßlicher Schpaß, nur habn wir keinem Oksn. Dann sagte ich: »Weiß du, man kann doch einer Katz auf sehr ferschidner Manihr das Fell abzihn — komm nur hinter der Scheine, un ich will dir was zeign, Hansi.«
Das wahr filleich um 4 Uhr. So gegn sex sah meine Mamma irgnd einen helln Schein befor sie di Lampn anzindete. Alles wahr rot un hell wi der Tag. Sie lif zum Fenster un schrih: »Oh, Elsbett, Elsbett, der Schtall brennt!«
Aber sie irrte sich. Es wahr nur ein großes Feier, das ich un Hansi zu unsern eignem priwahtn Folkfeß angezindet hadtn.
Es is wahr, das der Ek fom Kuhschtall Feier fing, aber das leschtn di Nachbarn gleich aus.
»Die Ku is geredtet,« sagte Elsbett, »aber mein Godt, wo is denn das libe kleine Kelbchen?«
»Was is das?« schrih Mamma un wurde ganz bleich. »Schorschi, du schlechter nichsnutziger grausamer Junge, sag mir dem Momment, wo — oh, du godtloser Junge!«
»Es is nur, weil Hansi un ich ein Folksfeß machn,« sagte ich.
»Was?« schrih sie.
»Ein Folksfeß, Mamma. Wenn große Leite einen Oksn bratn, so glaub ich, kennen wir Jungen ganz gut ein kleinwinziges Kalb nemen. Es is beina schon fertig — wollt ihr alle dableibn un ein Schtikchen kostn? Wir habn auch eine Menge Obswein aus Henschens Keller. Wir wolln es ganz genau so machn, wi di großn.«
»Habt ihr das arme Ding lebendig gebratn?« schrih meine Schwester.
»Aber was, Elsbett, sihs du denn nich, das wir es tot gebratn habn?«
Es is sonderbahr, wi wenig manche Medchen wissn. Es is unferninftig fon Mamma, so einen Schpetakl zu machn, wegn einen elendn kleinen Kalb. Hansi wurde nachaus geschikt un keiner fon uns beidn krigte nich eimal zu kostn dafon — aber Papa konnte sich follschtopffn, so fihl er wollte, das weiß ich. Je älter ich wer, desto mehr Ungerechtigkeit erleb ich.
NB. Hansi erzehlte mir heit frih in fertraun, das er fergessn hat, dem Haan umzudrehn, weil er sich firchtete, das di Kechin im erwischt, un so is das ganze Faß foll Obswein ausgelauffn. Aber ein Trohst is uns doch geblibn. Ich herte Papa sagn, das es hibsch fihl Geld kostet dem Presedenntn zu wehln. Er sagte, es were ihm auch geschikt worn un gesagt, er soll es auf dem Plaz ferwendn, wo es am meistn nitzt. Ich glaube, das Kalb un der Obswein missn in di Ausgabn fir die Waal eingerechnet wern. Alles, was ich bedauer is nur, das sie nich auf dem Plaz ferwendet worn sin, wo sie am meistn genitzt hedtn — weil mir un Hansi nich erlaubt wurde, sie zu essn un zu trinkn. Wir wern aber nechste Woche noch eine Menge Schpaß habn. Der sommerschproßige Junge is heite frih dreimahl for unsern Haus auf un ab gegangen. Wenn Karoh nich auf der Eisnbahn getetet worn wer, mecht ich ihm auf ihm hetzn.