Er mischt sich in Politik
Libes Tagbuch, weißt du, das Lischen gestern in dem Brunn gefalln is? So ein Geschrei un Gekreisch hab ich noch nich gehert, wi im ganzn Haus wahr, di Leite lifn, um sie herauszuzihn, befor sie ertrunkn is un der Knech fon Hansis Fater kam so schnell wi er nur konnte, mit der Leitter heriber. Er liß sie henunter un fischte sie auf un brachte sie heraus un Elsbett pakte sie un Mamma rif ihr un der Kechin zu, nur schnell ein pahr Dekn zu wermen, weil sie so fom Wasser triffte un riß Elsbett das arme Kind weg — un zuletz fandn sie, das sie sich nich hedtn so zu tummln brauchn — es wahr gar nich Lischen, sondern ein falsches Medchen, das ich gemacht un heneingeworfn hadte — ich schaffte Lischen ruig hinter den Holtzschupfn lign zu bleibn, werend ich es heneinschmiß un dann schrih: »Oh, oh, oh! sie wird ertrinkn, oh armes Lischen!« Dann kamen sie gelaufn un sahn die Stropuppe im Brunnen un machtn dem greßlichstn Schpetakl. Es wahr wirklich ungerech fon Papa mich ohne Nachmal in meinem Zimmer zu schikn, weil die Leite ein falsches Medchen nich erkennen, wenn sies so sehn. Ich sagte ja nich, das sie ihm Brunn is, ich sagte nur: »Armes Lischen, oh! oh!« Un jetz hat jemann den Dekl offn gelassn un di Katz fihl henein, aber ich wahr zohnig un sagte kein Wort un heit is ein großes Gesuch um di Katz — was is nur geschehn mit ihr? — ich wer mich nich bemihn, es zu erklern, sie wern es bald genug wissn, wenn das Wasser fon ihre Iberbleibsel richt. Ich winschte, der Schleicher fon driber der Schtraße wer heneingefalln un hedt sich das neie blaue Gewand runihrt.
Elsbett erwartet ein par Freindinnen auf dem Abnd un firchtete sich, der Englkuchn wird ihr in Ofn ferbrennen un deßwegn mußte sie zu mir henaufkommen. Betti hadte Ausgang un die Kechin wollte sie nich fortschikn, un deßwegn fragte sie mich, ob ich ihr nich henunterlaufn will in der Zukerbekerei um ein Fund Makkrohnen un drei Firtl Gefrornes, Schoklat un Wanillje gemischt. Natirlich sagte ich gleich ja — es is doch fiel besser, um Gefrornes henunterzulaufn, als im Zimmer eingeschperrt zu sein un zu hungern un druntn die Jungen jauchsn zu hern, wi sie zum Freidnfeier hinlaufn. Sie gab mir 2 Doller um fir die Erfrischung zu zaln un ich machte, das ich fortkahm. »Aber Schorschi, bleib nich eine Sekkunde lenger als finfzehn Menutn aus, das Gefrorne zerflißt, wi nur was; komm nur direk so schnell zurik, als deine Fiße dich tragn kennen un sei ein brafer Junge — bleib nich am Weg schtehn, wir wartn alle auf dem Gefrornen; denk nur, was fir ein fergengliches Ding Gefrornes is; des Abns is warm, wills du dich eiln, sofihl du kanns, liber Schorschi?« Schwestern kennen greßlich siß sein, wenn sie ihre kleine Brider zu irgndwas brauchn. Ich lif auf dem ganzn Weg un schaffte ihnen nur schnell die Makkrohnen einzupakn un das Gefrornes in der Eiskanne zu gebn, damit ich so schnell wider zuhaus bin, wi Elsbett mir gesagt hat. Aber wi ich zuhaus kam — so eine Beschehrung! Die Kanne wahr foll einer schwabbliche gelbe Soß un ein kleines Hindchen hadte die ganzn Makkrohnen gefressn un sogar das Papir zerkaut — aber an den Papir lag mir nich sofihl. Es is wirklich selltsam, wi etwas so einschrumfn un einschrumfn kann, wi Gefrornes. Ich glaube, es is so eingeschrumft, weil ich zu nah bein Freidnfeier wahr. Es wahr eine prachfolle Flamme — ein paar Tehrfesser un ein altes Faß fon blauen Erdwax. Henschen un ich un noch eine Menge Jungen heiftn das Holtz aufeinand, so schnell wir nur konntn. Es dauerte mehr wi eine Schtunde. Wir blibn bis es aus wahr, so eine Hetz! Mir tats nur leid, das Elsbett um ihre Erfrischung gekommen is. Wenn ich gewußt hedt, was ich tun wer, hedt ich di 2 Doller aufhebn un eine Menge Rakettn dafir kaufn kennen.
Der junger Herr lachte un sagte: »Oh wenn sich nur Schorschi bein Freidnfeier gut unterhaltn hat, machn sie sich nichs aus den Gefrornen, Fräulein Hacker!« Aber Elsbett weinte beina. Deßwegn sagte Matilld Robinson, sie will iber Nach bei uns bleibn — sie is Elsbetts beste Freindinn, seit Susi dem Dokter geheiratet hat — un wi lang di Medchen aufblibn, nachdem die Gesellschaff fort wahr! ich glaub sie missn so schlefrig sein, das sie heit den ganzn nachmitag schlafn wern. Es wahr ein Holtzfeier in Kamihn, weil es abns schon kihl is. Sie setztn sich direk am Kamihntepich. Zuers namen sie sich die Haarlokn henunter, dann schmissn sie die Halbschu herunter un machtn es sich beqwem; dann fingen sie an, fon die Burschn zu redn. Godt! wi sie schnattertn! un Elsbett sagte Matild soll ihre erste Brautjungffer sein un dann redetn sie ein bischen leise un sie sagte: »Nein, Matilld, sag mir die Warheit — ich weiß, du biß schterblich ferlibt in ihm — firchte dich nich, mirs zu erzehln — ich wers nich weitersagn!«
Un Matild fing zu weinen an un zu seifzn un sagte: »Oh Elsbett, er kimmert sich gar nich um mir, un ich libe schon dem E-er-er-erdbodn, auf dem er tridt. Ja, das tu ich. Ich glaub-aube er is gre-re-reßlich lib. Aber ferathe keiner lebende Sehle ein Wo-o-ort. Es wirde mein To-od sein, wenn Ka-a-arl Grin auch nur treimen mecht, wi ich ihm libe.« Es is ein Wunder, das ich nich den Forhang henunterriß un mich feratete. Aber ich blib ganz ruig, weil ich wußte, das Elsbett mich greßlich bei die Haare ziht, wenn ich mich erwischen laß, un so schlif ich ein, un wi ich aufwachte, wahrn sie fort un ich schlipffte auch henauf.
Heit frih ging ich auf einen großn Umweg in der Schule um zu sehn, was los is, un mir di Ruihnen fon den gestrign Freidnfeier bei Tag anzuschaun, wi ich eine große Menge Leite bei der Schtadthalle bemerkte, auf der Treppe un auf den Seitnweg un herte wi sie fon einer Parahde un noch einen Faklzug redetn. Dann sah ich Karl Grin mit einer Menge junge Leite, die Freiwillge sin, sons hedte ich gar nich an dem gedacht, was die Medchen sagtn. Es is ein Glick, das ich ihm sah, weil jetz alles gut is. Ich sagte: »Hallo, Herr Grin!« Er sagte: »Halloh, Schorschchen, wi gehts den Gefrornen heite?« Dann erzehlte ich ihm alles, wi di Medchen aufblibn un sich das Hahr kemmtn un fon ihm redetn un was Matilld gesagt hat, un zeigte ihm, wi sie weinte — die andern Kerle lachtn, aber Karl wahr so zohnig, wi nur was un sagte: »Schtill, Schorschi, du bist ein roer Junge, Dinge zu erzehln, di du zufellig gehert hast!« Ich sagte: »Ich dachte, sie wern es gern wissn wolln, un sie heit abns besuchn un ihr sagn, sie soll nich mehr weinen,« un so glaub ich auch, das er heit abns hingehn wird.
Mir scheint, mein Fatter redet oder denkt jetz fon nichs anres als Polletick. Mir scheint, er gibt sich sehr fihl Mihe um dem Land. Er sagt es kommt auf dem Hund. Ich fragte, auf was fir einen Hund. Er sagte, er meint damit, das es in Schtike geht. Ich glaubte, er meint ein Erdbebn, wie in meiner Gografih, schteht, aber wi ich ihm nocheimal fragte, sagte er: »Ach was, ich meinte, wir wern durchfalln.« Ich wollte wissn, wohin wir falln wern — filleich falln wir durch bis Kinah un zerqwetschn ihnen ihre Zepffe, weil ich einen Redner hab sagn hern, die Kinehsn missn gehn un ich dachte, Papa is in Angs das Amerka durch un durchfallt bis auf Kinah. Er sagte, ich bin ein Narr, un nich alt genug um di kinehsische Frage zu ferschtehn. Aber mir scheint es is genug Schpaß in der Polletik, solche Trannsperente, Latehrnen un Faanen un Fersammlugn un Redn un Faklzige un Freidnfeier, das man genug damit zu tun hat. Es bleib mir nich ½ so fihl Zeit ibrig, um meine Kenntnisse zu ferweitern, wi ich nethig hedte dazu; mein Leerer sagt, ich muß reglmeßig in der Schule kommen, sons bleib ich ein Dumkopff. Ich muß fersuchn reglmeßiger zu gehn, weil er sons heriber kommt un es den Papa sagt, wenn ichs nich tu.
Gestern fersuchte ich, reglmeßig in der Schule zu gehn, aber ich hadte einen schreklich ween Hals un Kopfwe, so das ich mein Frihschtik gar nich essn konnte; Mamma war in Angs; sie glaubte es is Difftritis. Sie gab mir ein bischen Medezihn un sagte, sie wird um dem Dokter Moor schikn, wenns nich besser wird; aber um halb zehn wahr mir schon ganz gut, un Betti gab mir deßwegn 10 oder 12 Buchweitznkuchn, die sie mir aufgehobn hadte un ich schlipffte aus dem rikwertign Thor um in der Schule zu gehn. Ich dachte, ich wer bein Depoh forbeigehn um di Freiwillign in dem Zug einschteign zu sehn. Sie solltn um halb elf nach Bluewill zu der großn Feier farn. Bluewill is filleich 16 Meiln fon hir. Es sollte grosartig zugehn. Bluewill is am Seh. Gereste Austern, Gullasch, Obswein, ein Zellt, ein Haufn Leite, eine Kanohne, Feierwerk, eine Blechmusikkbande — wirklich, wi ich in den Gedrenge zu den Depoh kahm un der Zug einfuhr konnte ich gar nichs dafir, das sie mich di Schtufn henauf in einen Wagohn heneindrengtn. Das Gedreng wahr so arg, das ich mich durchaus nich durchzwengen konnte, um in der Schule zu gehn. Befor ich es noch wußte, wahr ich obn eingezwikt in den Gang, der Zug in Bewehgun un keinem Cent in der Tasche, um fir meiner Fart zu bezaln. Jedesmahl wenn der Konduktehr durchging, ferschtekte ich mich anderswo, aber nach einer Weile sah er mich doch un fragte wo ich meine Karte hab. Dann erzehlte ich ihm, wi ich hereingedrengt worn bin, wi ich grad in der Schule gehn wollte, un ein pahr sagtn: »Oh, es is nur Schorschi, er kommt warscheinlich mit um uns unsre anre Fahne zu ferbrennen!« Un der Konduktehr sagte: »Oh es is Schorschi Hacker, der is es!« un lachte un ging foriber un in einer Weile kamen wir an, un ich schtig mit die ibrign ab. Es wahr so gut wi ein fierter Juli. Es wahr ein bischen kihl an der Kiste, aber zwei risige Feier machtn es wider gut — eines, um Gullasch zu kochn un eines um die Muschln zu restn. Außer uns warn filleich noch 1000 Leite dort. Die Bande schpilte, ein par Herrn hiltn Redn un dann sangen wir ein pahr Lider un feiertn die Kanohne ab. Ich konnte di Redn nich zuhern, weil ich sehr fihl zu tun hadte den Kessl mit Gullasch foll machn zu helfn un einen großn Haufn Schteine heiß zu machn um die Muschln zu restn. Ich hadte kein Geld un so wollte ich mir mein Essn ferdinen. Ich wollte einen Pack Sehgras, um es um di Muscheln bein Restn zu legn. Es wahrn Fesser un Fesser foll dafon da, un ein Faß foll dikn Schiffszwihbak zum Gullasch un eine Menge Zwibl, Erdepfl, Schweinfleisch, Saltz un Feffer. Ich kann nich sagn, wi es passihrte, aber wi ich das Faß mit den Zwihbak rollte, kuglte das runde Ding grad ins Wasser, un schwamm filleich 100 Elln henaus, grad wi wenn es direk nach Eiropa wegfarn wollt; dann plantschte es zurik un ein Mann watete hinein, aber es schwabblte auf un ab un es dauerte sehr lang befor er es erwischte — ich glaub, er hedte einen Fischkahn nemen solln — aber er erwischte es enlich, aber es wahr durch un durch mit Sehwasser follgesogn. Das Saltz un der Feffer wahrn auch drin, aber zun Glik machte es dem Schweinfleisch nichs. Sie mußtn das Gullasch ohne Salz un Feffer machn.
Es erinnerte mich an der Geschichte in meinen Lesebuch mit den Mitagessn fon den armen Mann. Deßwegn sagtn di Leite, ich soll liber nich in der Näe kommen, bis alles fertig is. Ich un noch ein Junge gingen an der Kiste ein bischen schpazirn un wir fandn ein totes Thir; das ganz so ausschaute, wi ein Esl. Es wahr an der Kiste geschwemt worn. Ich hadte eine Menge in der Polletik gelesn un gehert, fon Esln di gleich for Wut kochn, un so dachte ich, dem kann man ganz gut dazu brauchn. So sagte ich dem anren Jungen, er soll gut Ach gebn, bis sie die Muschln zum Restn gegebn habn, un wir wikltn es in Sehgras ein un wartetn, bis die Menner weggegangn warn, um Obswein zu trinkn, un dann schleptn wir es mit aller Krafft hin un lissn es obnauf auf die Muschln plumpsn un legtn noch mehr Segras drauf, damit sie so fiel fon einen kochendn Esl habn, als sie brauchn — nur wahr der gebratn — aber ich glaube, er muß krank gewesn sein, wi er schtarb, oder wahr es schon zu lang, oder sons etwas. Wi sie das Sehgras henunternamen, um ihre Muschln zu essn — na, es is einfach greßlich, mehr wi 1000 hungrige Leite zohnig auf sich zu sehn, wenn man nichs anres wolln hat, als ihnen einem gutn Bissn gennen; aber ein Mann lachte un sagte er is froh, das der Esl enlich tot is.
Ich firchte, sie hadtn wenig mehr zu essn, außer Obswein, bis sie in der Schtadt tellergrafihrtn un ihnen ein pahr kalte Lebnsmitl herausgeschikt wurdn. Aber di Feier wahr famohs; di Musikk schpilte un wi es finster war, kam eine große Menge belegte Budterbröter un anre Sachn un nachdem er aufgegessn wahr, sollte ein großes Feierwerk sein, nur fing der Wagn Feier in den alles aufgepakt wahr un alles ging zusamm in der Lufft, un das wahr wirklich zu dumm, weil es in ganzn nich mehr wi 3 Menutn dauerte un man di einzelne Figurn nich gut sehn konnte.
Es wahr noch ein Glick, das die Leite auf der andern Seite fon Depoh warn, sons hedte noch jemann mit in der Hehe gehn kennen. Ein Kerl pakte mich bei der Schultter un fragte ob ichs getan hab? Er wollte mich einen Pollezeiman ibergebn, aber einer fon unsre Freiwilligen kam un fihrte mich weg — es wahr Karl Grin, in dem Matilld schterblich ferlibt is; er setzte mich auf der Eisenbahn, bezalte mir die Fahrt un sagte, ich soll nur ach gebn un auf der richtige Schtattsjohn ausschteign. »Du darffs nich lenger bleibn, deine Leite wern sich um dir sorgn un es is gefehrlich fir dir, in den Gedrenge zu bleibn; du has dich als solcher Schadnschtiffter gezeigt, das ein pahr dich auf der Schtelle aufknipfn wolln, un ein pahr mechtn dich liber ein bischen in der Seh eintauchn, damit du dirs merkst, un ein pahr wolltn, das du ein Schtik fon den gerestetn Esl essn sollst, allso is es besser, du gehst nachaus,« sagte Karl. Allso ging ich.
Das heißt, ich fuhr richtig weg, aber ich wahr ganz erschepfft, un schlif im Wagohn ein: un wi ich aufkam, wahr Mitternach — tife finstre Mitternach, un der Konduktehr sagte: »Sehnchen, schteh auf, wir sin schon in Filadelfja. Wohin fahrs du?«
Er ist entmutigt
Keinem Freind in der große Schtadt! Kein Penni in der Tasche! Un dazu tife Miternach! Oh was fir ein Trugh sin alle unsre Erwartungn! Ich dachte auf alle di kleinen Jungen fon die ich gelesn hab, das sie ferlorn gegangen sin. Ich erinerte mich, das es in diser selbe Schtadt wahr, wo der arme Scharl Roß geschtohln worn is. Ich glaub ich muß einen hesterischn Anfall gehabt habn, weil ich so weinen un seifzn mußte, wi wenn mir das Hertz brechn mecht. Gewehnlich schenihr ich mich zu weinen, weil es so auschaut, wi wenn ich ein Babi oder ein Weib wer, aber ich hadte schreklich Heimwe un firchtete mich auch ein klein winziges bischen, das irgnd was passihrt un meine arme Mamma ihr libes Kind nich mer siht. Eine Dahme herte mich seifzn un lente sich forwerts un sagte: »Armer kleiner Junge, was is dir gescheen, has du filleich Magnschmerzn? Da sin Fefferminzzeltchen, nimm dir ein pahr.« Dann erzehlte ich ihr fon den gerestn Muschln — das ich in dem Wagohn heneingedrengt worn bin, wi ich in der Schule gehn wollt un dann in den Zug eingesetzt worn bin um nachaus zu farn un einschlif un wi der Bliz bei unsrer Schtadt forbeifuhr one es zu wissn, un das ich kein Geld hab un das Mamma sich so ängstegn wird um mir. Sie wahr zehr freindlich zu mir. Sie sagte, ich soll mit ihr nachaus komen un iber Nach bleibn un in der frih wirdn wir tellergrafihrn damit Papa kommt un mich hohlt. Ich dankte ihr ser heflich — ganz wi es sein muß — un fragte sie, ob sie filleich kleine Jungen zuhaus hat, mit di ich schpiln kann, bis mein Fater komt. Sie sagte nein, sie were nich ferheiratet; aber ich fragte sie ja nich ob sie ferheiratet is oder nich — ich wollte bloß wissn, ob sie einem Bubn oder Medchen hat, mit die ich schpiln kann. Ich glaub sie wahr krank, weil ein Wagn auf ihr wartete, wi wir ankahmen un der Kutscher griff sehr erehrbitig am Hut, aber mich schaute er sehr neigirig fon obn bis untn an, wi wenn ich der Babi-Ellfant wer, oder was ehnliches. Dann sagte di Dahme: »Michl, dises Kind is ferirrt oder geschtohln, wir missn heut nacht fir ihm sorgn, un morgn ganz zeitlich an seine Freinde tellergrafihrn.« — »Er is ein hibscher sißer kleiner Junge,« sagte Michl, »ich will hoffn, er is nich fon zuhaus wegelaufn, wi manche fon ihnen thun.« — »Ich will fir ihn gutschtehn,« sagte di Dahme. Un in ihrn Haus wahr es wirklich famohs. Oh, fihl hibscher, wi unsres! Sie legte mich in einem hibschn, weichn Bedt in einen kleinen Zimmer neben ihrn, un liß di Thir offn, damit ich mich nich einsam fihl. Ich schlif in filleich 5 Sekkundn ein. Meine Fiße tatn greßlich weh, aber ich wahr zu mid, um mir was draus zu machn. Wi ich aufkam war heller Tag; ein nettes Schtubmedchen, ganz wi Betti, sagte zu mir: »Hir is das Badzimmer. Das gnä Fräuln sagt, sie mechtn liber zuers badn. Ich hab das Wasser in der Wanne grad recht gemacht — schtehn sie nur auf un fersuchn sies. Das gnä Fräuln sagt, sie mechtn nich mit die Glasgriffe schpiln. In ½ Schtunde wird das Frihschtick fertig sein. Wenn sie angezogn sin, kommen sie henunter in den Sallohn.«
Ich hadte ein prachfolles Bad, nur wurde die Wanne so foll fon heißn Wasser, das ich bald herauschpringn mußte — ich konnte es nich mehr zurikdrehn, je mehr ich drehte, desto mehr rann es, un wi ich mich angezogn hadte, das ich henausgehn un das Medchen rufn konnte, rann schon zimlich fihl iber dem Fußbodn. Gliklicherweis ging sie grad durch der Fluhr, sons wer di Deke runihrt worn, — das Medchen sagt sie is grad gefreskot worn. Ich firchte, es machte ihr ein bischen Mihe, so fihl Wasser aufzuwischn.
Ich ging in dem Sallohn henunter; di Dahme wahr noch nich dort, allso schaute ich aus dem Fenster. Auf den Trottoah schpilte ein sehr hibsches kleines Medchen. Ich machte das Fenster auf, kletterte henaus un schprang henunter. Sie sagte: »Oh je!« Dann sagte sie: »Wer bis du, ich wußte nich das Fräul Ward einen kleinen Jungen im Haus hat.« Ich erzehlte ihr, wiso es kahm. Es that ihr sehr leid um mir; aber sie sagte, wenn ich zu einer Feier un ferlorn gehn wollte un solches, so hedte ich mein anres Gewand anzihn missn un nich meinen Schulanzug tragn. Wir schpiltn ein bischen un dann mußte sie in der Schule gehn. Ich ging ein Schtikchen mit ihr, bis sie sagte, ich soll liber zurikgehn, sons geh ich wider ferlohrn; sie zeigte mir, wo ich zurikgehn soll, aber ich probihrte un probihrte un probihrte un konnte das Haus nich findn.
Ich wahr firchterlich hungrich. Ich glaub, ich leitete filleich an 200 Hausglokn — aber an lauter unrechte. Das Nagn fon Hunger fing an greßlich zu wern. Grad da sa ich sie zu meiner große Freide bei einen Fenster schtehn. Sie schidtlte den Kopf un sagte, sie firchtet, ich bin unferbesserlich — ich hedte nich wegehn solln — besonderst nich aus den Fenster — ich hedte einen Krazzer auf ihre nein Tapethn gemacht un es hedtn Einbrecher hereinkommen kennen, befor es zugemacht wahr. Ich baht, sie soll mir dises eimal ferzeihn. Ich wollte nich ferlohrn gehn, aber ich wollte mit den kleinen Medchen beim nechstn Tohr schprechn. Sie sagte, dismal will sie — ob ich nich frihschtiktn gehn will? Sie fihrte mich im Schpeisezimmer un setzte sich zum Tisch werend der Diner mich bedihnte. Ich erzehlte ihr eine Menge fon mir. Sie schrib sich dem Nahmen fon meinen Fater un fon mir auf. Ich erzehlte ihr fon Lil un den Babi — wi ich es abschißn wollte un fon Beß un ihrn Ferehrer — un fon meine Erfarungen im Ballon letztn Juli, un fon Mammas un meinen Ausfluhg zu die Wasserfelle un ferschidne anre Sachn, un das ich mir ein Tagbuch halt. Ein pahrmal lachte sie un ein pahrmal hilt sie die Hende for Schrekn in der Hehe. Aber der Narr fon einen Diner schprang in der Schpeiskammer un lachte, das ihm die Knepffe fon der Weste abschprangen hinter der Thir. Mir schmekte es. Allso sagte sie wi ich fertig wahr: »Georg, ich geh jetz deinen Leitn tellergrafihrn, zu kommen un dich abzuholn. Ich laß dich bei Peter, meinen Diner; ich hoffe du wirst ein guter Junge sein, bis ich zurikkomm. Da has du ein hibsches Buch zu lesn. Du kanns hir im Schpeiszimmer bleibn un lesn, bis ich komme. Ich werde in wenger als einer Schtunde zurik sein.« Sie patschte mir am Kopf, gab mir das Buch un ging henaus. Peter reimte den Tisch auf un dann ging er in der Schpeisekammer um das Silberzeig zu putztn un die Gleser zu waschn. Es wahr ein hibsches Zimmer. Die Sonne schihn herein. Es wahrn zwei Föglkefige dort un di Fögl sangen lustig. Fräuln Wards besonrer Libling, eine glatte, große schekige Katze lag auf den Teppich for den Kamihn in den ein kleines Feier wahr. Werend ich lahs gab ich ach wi si in der bewußte Weise auf die Kanarihfögl blinzlte. Das Buch wahr sehr fad; ich dachte ich wer liber zuschaun, was die Katze macht. Ich reichte nur ein bischen in der Hehe, machte die Thire fon einen Kefig auf un las noch ein Schtikchen un schaute dann wider wi die Katze blinzlt. In filleich einer Menute kam der Fogl heraus un flog im Zimmer herum un liß es sich so wol sein. Ich glaub es is grausam Vögl in einem Kefig einzuschperrn, so das sie nich herumflign kennen. Ich las noch ein schtikchen mit einen Aug auf der Katze un pletzlich schprang sie auf, wie ich grad dachte, sie wird jetz einschlafn. Die Kanarjen in den Kefig machtn einen schpaßign Lerm. Peter kam herein, aber es wahr zu schpet — dise heßliche große dike faule schekige Katz hadte dem armen kleinen unschulgen Fogl erwirgt; zeine Federn flogn nur so herum. »Das gnä Fräuln wird dirs schon gebn, junger Mann,« sagte Peter, »es wahr der bester Senger von alle. Es wird ihr das Hertz brechn, sie hadte dem kleinen Dick so gern.« Grad da herte ich die Fluhrthir aufmachn. Ich wurde roht un blaß. Ich winschte, ich wer zuhaus gewesn. Fräuln Ward kam lechlnd henein. »Ich hab Antwort bekommen, Georg,« sagte sie. »Dein Fater wird mit den 5 uhr Zug kommen,« un dann fihl ihr Blik auf dem armen totn Fogl, dem Peter auf den Tisch gelegt hadte. »Wer tat das?« fragte sie ergerlich. »Es tut mir greßlich, greßlich leid, Fräuln Ward, wirklich sehr leid. Ich dachte, der kleine Dick wird gern ein bischen herumflign wolln. Ich kann, ich kann nich lign. Die Katz hat es getan — heßliches, altes Ding.«
Sie setzte sich nider un nam dem totn Vogl un weinte iber ihm, bis mir wahr, als ob ich am libstn in Erdbodn fersinkn mecht. »Du hast mir das Herz gebrochn, Georg, es tut mir leid, das ich dich letzte Nach mit nachaus nahm. Mein armer Dick wahr alle bösn Jungen der ganzn Kristnheit wert.« Dann fing ich auch zum weinen an un erzehlte ihr, wie offt ich winsche, ich wer tot oder lebte auf einer wiste Insl, damit ich meine Freinde nich in so fiele Patschn bring. Das ich mich immer anschtreng ein brafer Junge zu sein, aber immer bis zun Hals in der Patsche schtek, bis ich mich schenihr, auf der Schtraße zu gehn; dann sagte sie, sie will fersuchn mir noch dismal zu ferzeihn, allso fragte ich sie, warum sie nich selbs ein par Jungen hat, damit sie sich dran gewehnt, sie im Haus zu sehn. Sie sagte, sie is sehr fro, das sie keine hat — sie will ihr Geld fir die armen Heidn hinterlassn. Ich fragte sie, ob sie eine alte Jungffer is? Un sie lachte un sagte, ein pahr roe Leite nennen sie so. Ich fragte, ob di Herrn sie nich besuchn kommen, aber grad da kamen ein pahr Dahmen zu Besuch un sie mußte im Sallohn gehn. »Ich werde nich lang weg sein — hir is Papir un Bleischtiff, zeichne liber am Papir als mit deine nassn Finger auf das Fenster. Fersuch die Zeit so geduldig zu ferbringen, wi du kannst, wir wern gablfrihschtikn, wenn di Dahmen fort sin; berihr die Kefige nich mehr un sei ein brafer Junge.«
Ich hadte das Papir bald follgezeichnt un schaute dann auf der Katz un bemerkte, wi ehnlich ihr Rickn einer Lankarte wahr, di Flekn wahrn die Welteile un Insln, die weißn Pletze wahrn die Ozjahne. Es solltn die Nahmen draufschtehn, dachte ich mir. Ich machte das Schireisn sehr heiß um zuers die Linjen fon der Lenge un Breite draufzuzeichnen, damit es natirlicher auschaut, aber ich hadte filleich erst 2 Linjen gezeichnt, wi sie zu schpukn un zu mijaun anfing un Peter aus der Schpeiskammer kam, um zu schaun, was hir so richt un di Katz wollte nich schtillhaltn, un schprang grad auf der Wandschtellasch un schmiß eine blaue Kinesische Wase henunter, die schon seit ein par hundert Jare in der Familje wahr.
»Da schau her, Birschchen,« sagte Peter greßlich erns, »drei Sachn wahrn da, auf die unser gnä Fräuln etwas hilt — ihr Kanahrivogl, die schekige Katz un der blaue kinehsische Krug. Der Kanahrifogl is tot, die Katz is fersengt un der Krug is auf lauter Schplitter zerbrochn. Wenn ich du wer ich mechte den Hut aufsetzn un draußn wartn, bis mein Fater mich abholn kommt.« Er sagte es so erns un feierlich, das ich in meine Schue zidterte. »Fräuln Ward is sehr gut,« fur er fort, »aber ich firchte, sie wird dich zur Schtatsjohn zurikschikn. Wenn sies nich tut, so sollte sie wengstens.«
»Laß mich in der Kiche wartn,« sagte ich. »Hm! Di Kechin will keinen Jungen herumschtreichn lassn, wo sie is.« »Dann will ich gehn un in meinen Schlafzimmer bleibn,« sagte ich, weil ich mich zu sehr schemte un zu engslich wahr, um die Dahme wider sehn zu wolln. Ich ging in mein Zimmer un schperrte mich ein. Fräuln Ward schikte um mich, ich soll Gablfrihschtikn kommen. Ich schrih durch dem Schlißlloch, ich hab Heimwe un will nichs essn. Ich glaub sie wahr schon mid fon einen solchn Jungen, weil sie mich ruig obn liß. Ich weinte ein bischen, aber wi ich dachte, es wird bald 6 uhr sein, wahr mir wider besser. Ich machte das Fenster auf un schaute henauf un henunter um zu sehn, ob das kleine Medchen schon fon der Schule nachaus kommt. Ich sah, daß auf ein par Häusern Fahnen draußn wahrn, allso dachte ich, ich wer auch eine aufhißn. Auf meinen Bedt war eine rote seidne Decke, die nahm ich herunter un schpendelte sie der ganzn Lenge nach auf einen Bret, das ich unter den Bedt herfornam un hengte es zun Fenster henaus. Bald kamen eine Menge Leite die Schtufn henauf un leitetn an der Glocke.
Ich herte eine fon die Weiber sagn: »Ich hab nich gedacht, daß Fräuln Ward eine Auktzjohn in ihrn Haus habn wird. Sie muß inbegriff sein, nach Eiropa zu gehn. Ich hab mir immer gewinscht in das Haus heneinkommen zu kennen, un jetz is es enlich meglich.« Filleich 20 oder 30 Leite wahrn schon beisamm, bis Peter zu den Thor kam un herauf un herunter un iberall hinschaute, bis er meine rote Fahne sah un seine Faußt schidtlte um zu meiner Thir heraufkam un mir befahl, di Fahne einzuzihn; dann nahm er di Faane herein, schlug das Fenster zu un sagte ich bin »fohlkomen greßlich!« Un Fräuln Ward kam herein so ein bischen weinend un lachend zugleich un schaute auf ihrer Uhr un sagte: »Godtseidank, Peter es is schon fier.« Un dann fihrte sie mich henunter un schaffte mir ein risiges Schtik Kuchn essn, un 2 Krehmkuchn un eine Schale Kompoht un setzte sich nebn mir un hilt mich feß bei einer Hand — wi wenn ich ein Drachn wer un sie firchtete ich wirde ohne Erlaubnis un Follmach dafonflign — un sie sagte, sie wundert sich, das meine Mamma noch lebt; un grad 20 Menutn nach 5 uhr klinglte es un ich herte di Schtimme fon meinen Papa.
Er dankte ihr 10 000 mahl un sagte, er hofft, ich hab ihr nich zu fihl Mihe gemacht, zu was sie mit einen schwachn Lechln antwortete un er schaute scharf auf mir fon Kopff bis zu Fuß un dankte ihr nochmals. Allso schlang ich meine Arme um ihrn Hals un umarmte un kißte sie un sagte ihr, wi sehr lib ich sie hab, un ich winschte, das sie sehr bald kommt un mich un Mamma besucht; un wir beide fergossn ein pahr Trehnen un selbs Peter schidtlte mir die Hand un ich wahr auf den nachausweg.
Papa fuhr auf den ganzn Weg sehr erns un ich auch. Ich fermute, er dachte, was er mit einen so schlechtn Jungen anfangn soll, werend ich mich wunderte, wiso es kommt, das ein unschulges Kind, das immer fersucht ein Engl zu sein, so offt in der Patsche kommen soll un einen solchn Ruf habn. Ich scheme mich schon in dir zu schreibn, libes Tagbuch, so fihle Irrthimer un Sorgn un so will ich dir auf lang, lang lebwohl sagn, bis ich follkommen ein so brafes Kind bin, wi die kleinen gutn Jungen, fon denen in die Bicher schteht.
Anmerkungen zur Transkription
Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen, nur offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.