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Tagebuch eines bösen Buben

Chapter 7: Unter dem Tisch
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About This Book

A mischievous young boy records episodic diary entries that chronicle everyday pranks, family quarrels, near-accidents and comic misunderstandings. The narrative voice is candid and playful, recounting domestic scenes, school moments and the narrator's jealousies and curiosity about older siblings' courtships. Short anecdotes alternate with reflective asides, portraying the clash between childish impulses and social expectations while turning ordinary household life into recurring humorous incidents.

Unter dem Tisch

Ich weiß nich warum Susann immer so eilt, wenn die Post kommt. Man kennte glaubn sie mecht schterbn, wenn sie ihre Brife nich finf Menutn, nachdem die Post kommt ferschlungen hat. Ich muß aufhern Kugl zu spiln oder was ich grad tu, un direk zur Post hin gehn — es leg mir ja nix dran, wenn sie mir nur ein Schpil ferdorbn hedt, aber sie hat mir wengstens 3 hundert ferpatzt.

Ich kann dise Post nicht auschtehn. Heut schikte sie mich wider, wi gewehnlich. Ich war in große Eile; ich hadte Tommi Tilden ferschprochn hinter der Scheune fon seinen Fater zu kommen um ihm das Taschnmesser abzukaufn, das ihm sein Onkl Ben bein Wegfahrn geschenkt hadte un ich firchtete er mechte es einen andern Jungen ferkaufn. Weil also nur 1 Brif fir Susann da wahr, un noch dazu nich eimal fil drinschtehn konnte, so ein kleiner rosafarbner war es, dachte ich, ich kann ihm lesn un wenn er nich sehr wichtig is, wegwerfn un mich nich noch damit ergern, das ich deswegn zuhaus laufn muß.

Der Postmeister un ein par andre Kerle lachtn wi si sahn das ich ihm aufriß. So einen Brif hab ich noch nie gesehn; die Seitn warn klein aber ganz klein follgeschribn un dann noch driber geschribn un die Eckn auch noch follgeschmirt. Ich wollte die Zeit nich mit solchn Unsinn lesn ferbringen un gab ihm den Postmeister zurick zum aufhebn, bis jemand fon unsre Leit kommt ihn zu holn. Un jetz is wider der Schpetakl fertig.

Wie gewehnlich bin ich wider schuld. Un grad nur, weil der Postmeister eine sehr alte Schwester hat di so neigirig wahr den Brif zu lesn un das Medchen, die ihm geschribn hadte, fragte Susann aus Schpaß: »Sin dise Fleschchen Haarfarbe, die mit der Post kommen, wirklich fir Fräuln Hornbleser?«

Das is seine Schwester.

Sie wahr so wild wi eine Humml und ferplauschte sich das sie den Brif gelesen hadte un so ein Schkandal war noch nich da. Sie is bös auf Susann. Susann is bös auf sie, un beide sin bös auf mich. Medchen sin immer bös aufeinand, wegn irgend was. Ich glaub schon gar nich mehr, das ich noch ein brafer Jung wern kann. Ich wer greßlich froh sein, wenn ich einmal groß bin.

Ich glaube aber nich das ich eimal heiratn wer.

Jungen die Schwestern habn, wissn fiel zu fiel. Diese Medchen, welche schpet am Nachmittag in Sallohn henunterkommen sin nich diselbn die ich immer obn in ihrn Zimmer sehe, eingewiklt in ihre Frisihrmentl, die par Haare rikwerts am Kopf zu einen Knotn zusammgewiklt un di Haarwikl herausschtehn wie Herner, wenn sie sich das Gesicht mit Budtermilch waschn un mir schaffn ich soll ihnen die Zeitung heraufbringen.

Ich mechte nur wissen was sie mit alle dise Zeitungen machn? Kann sein sie machn sich ein Sammelbuch. Ich hab mir eins gemacht. Es is hibscher wi mein Tagbuch, foll fon schpaßge Sachn. Ich hab die Bilder zun heneinpickn aus Papas Bicher in der Biblotek herausgeschnidtn. Er weiß es aber noch nich. Die machn mein Sammelbuch greßlich hibsch. Man mechte lachn, wenn man eins siht, das ich gestern herausgeschnittn hab.

Es wahr ein Bub unter einen Tisch. Er zwikt den Ferehrer fon seiner Schwester mit der Zuckerzange in Fuß un alle schpringen in der Hehe — so eine Beschehrung! Ich werd es auch machn. Morgn kommt Herr Prim zu uns zum Essn. Ich herte Papa zur Mamma sagn er wolle fersuchn ihm das Haus un Grundschtick in der Schmidtschtraße zu verkaufn. Er is so ein Schtock — grad der passenste es zu probihrn.

Die Kechin wahr schreklich widerlich, weil sie ein feines Midtagmahl herrichtn sollte. Sie wollte mir die Masche nich bindn un liß mich nich in der Kiche henein, wi die Sachn fertig warn. Un justament will ich in der Kiche sein du heßliches altes Ding! sagte ich. Ich schtellte mich, wi wenn ich henibergehn wollte zu Henschen aber ich tats nich un ferschtekte mich in der Schpeiskammer hinter der Thir. Zimlich bald kam sie herein mit so einer Woschingtn Torte di so gut sin wenn sie grad fertig sind lauter Krehm inwendig un lauter Schichtn fon Kuchn mit Krehm dazwischen bis obn henauf un sie schmiß sie aufn Tisch und brummte: »So will ich hoffn, das wird der gnä' Frau eimal recht sein.«

Dann ging sie henaus un ich blib ganz ruig wi eine Maus, bis sie draußn wahr. Unsre Schpeiskammer hat ein Fenster. Ich schtellte die Torte henaus auf dem Gesims, kledterte henaus, pakte sie un machte mich auf un dafon. Ich ferschtekte sie im Holzschupfn, holte Hansi un sie schmekte uns ausgezeichnet. Wi schon nichs mehr da war, wischte ich mir den Mund ab un ging in Sallohn, wo alle wahrn.

»Schorschi,« sagte Mamma so siß wie Zukker, »du kanns gehn un mit Hansi schpiln, bis wir gegessn habn.«

»Gut,« sagte ich.

Aber ich hadte andre Plähne. Ich kroch unter dem Tisch in Schpeiszimmer; das Tischtuch ging bis auf dem Fußboden un ferschtekte mich ganz. Ich hadte die Zukkerzange, ein Gabl un ein Bischl weiße Weintraubn di ich fon den Aufsatz genommen hadte un machte mirs bekwehm. Sie kamen herein un setztn sich nider un Herr Prim sagte das Tischgebet. Er hadte Schue an un so zwikte ich ihn leise in dem Knechl grad genug das er glaubn konnte eine Schpinne beißt ihm. Un wi er sagte: »Wir dankn dir, o Herr —« herte ich Susann kichern aber sie wußte nich weshalb er es so schpaßig sagte. Herr Prim is ein schreklich heflicher Mensch. Er hädte nich um der Welt untern Tisch gegriffn um zu schaun was es wahr, un ich kitzlte ihm, wi ein Insek, das henauf un henunter kricht — er bewegte seinen Fuß un zapplte, wi wenn er Sank Veitstantz hätte, aber er liß sich nichs dafon merkn. Das Midtagmahl dauerte greßlich lang, aber es lag mir nix dran, ich war nich hungrig, ich hadte zufil Torte gegessn. Dann herte ich die Medchen zu Mamma wispeln und dann sagte sie: »Ich bin in greßliche Ferlegnheit Herr Prim. Die Katze hat das Dessehr aufgefressn. Sie werdn sich mit den Gefrornen, Obst un Kaffeh begnign missn.«

Dann schprachn Papa un Herr Prim wegn den Haus miteinand. Er sagte er wolle es um den Preis nehmen un werend sie redtn sagte er auf einmal:

»Haltn sie Hunde?«

»Nur eine Dogge,« sagte Papa.

»Ich dachte es were einer untern Tisch,« sagte er.

»Oh nein,« sagte Papa.

»Winschen sie Kaffeh mit Sahne oder nur schwarz?« fragte Mamma.

»Ich bitte um schwarzen,« sagte er.

Er is schreklich anschtendig. Grad da pakte ich ihm mit der Zange bein Schihnbein un zwikte ihn tichtig hinein.

»Au! Au! Au!« schrie er un schprang auf.

Die Kaffehschale schmiß er auf die gleserne Tasse mit Eingemachtes, der Kaffeh war auf den Tischtuch ferschidtet, die Tasse, die Schale un der Teller wahrn zerbrochn — so was! Ich weiß ich wurde ganz blaß. Ich wollte ihm nich so fest zwikn aber das Mallehr war geschehn.

»Ich krig di Hundswut! O weh!« kreischte Herr Prim. »Ferdammter Hund! Schikn sie schnell um dem Dokter das er es herausschneidet. Mir hat immer geahnt, ich werd an der Wasserscheu schterbn un jetz bin ich gebissn — ich bin gebissn! Oh Godt, mein Fuß! Schikn sie schnell um den Dokter oder es is zu schpet! Oh wi schreklich an diser greßlichen Krankheit zugrund zu gehn, oh! oh! oh!«

Die Medchen schprangen alle auf Sessln un schrien. Ich winschte der Fußbodn mechte auseinand gehn un mich in dem Keller falln lassn, aber er tat es nich. Papa machte die Thir auf um den tolln Hund henauszujagn schtieg auch auf einen Sessl un schtocherte un schtocherte mit den Schtock untern Tisch un schrie: »Henaus mit dir, marsch!« bis er mid wahr.

Pletzlich kam ihm ein Gedankn, er schtig henunter hob das Tischtuch auf und gukte.

»Es is nur der nichtsnutzige Junge! Schorschi komm herfor! wozu tates du das, du Schlingl? Ich bin sehr böse auf dir. Geh auf dein Zimmer un warte dort bis ich Zeit hab, mich mit dir zu bescheftign. Du solls schtreng beschtraft wern. Gut, gut, Freund Prim, immer noch besser fon einen schlechtn kleinen Jungen gefoppt zu wern, als die Wasserscheu habn, was? Setzn sie sich, setzn sie sich! Geht fon den Schtühln herunter, Medchn. Frau, schenke eine andre Schahle Kaffeh fir unsern Gast ein.«

Aber der alte Kerl war withend wi ein Heuhopser nahm seinen Hut un ging weg. Sie sagn Papa machte das Gescheft meintwegn nich — immer bin ich schuld.

Was soll man anfangen wenn man so ein schlechter Junge is? Ich krigte greßliche Prigl. Ich fihle mich heut Abens sehr nidergeschlagn, theires Tagbuch. Alle sin aufgebracht über mir armen Kerl, wenn ich nur das geringste tu. Man mechte denkn ich bin ein blutiger Mörderer. Ich winsche sie wern alle fort außer Susann un Betti. Betti is gut. Sie brachte mir Mammas Migrehnschtift und Susanns Glizerihn un ein par Salbn fon ihr un eine Tasse Gefrornes. Wenn ich iberhaup eimal ein Medchen heirat, so is es Betti. Wenn sie abbrechn will mit den rothaarign Schuft, den sommerschprossign Milchmann der sie heiratn un eine Milchwirtschaff anfangen mecht, so mecht ich sie gleich heiratn wenn ich groß bin. Ein Medchen das einen Jungen durch Dick und Dinn hilft, das is ein Medchen fir mich.

Ich glaube Papa wahr ergerlich das er mich for drei Tagn so fest priglte weil er mich gestern abens in der Schtadthalle mitnahm, wo Hermann seine Forschtellungen gibt. Er is ein Prestidigatehr ein Mensch der wunderbahre Zauberein macht, wi wenn er der alte Teufl selber wer. Man kann nich sehn wi ers macht. Ich gab greßlich gut Obach, aber ich konnte ihm nich dabei erwischn. Ich winsche, ich wißte wi ers macht. Ich glaube ich kann ein par fon die Kunsschticke selbst machn. Wenn ich groß bin werd ich auch einer, ich mein Zauberer — ein par sin wirklich sehr leicht. Ich werde das mit die Eier un den Taschentuch probihrn, un das Schwertschluckn un fon einer Dame di Uhr ausborgn un noch ein par andere Kunsschticke. Die Medchen wern iberrascht sein zu sehn, das ihr kleiner Bruder es auch kann. Ich werde mich heimlich ibn bis ich die schwarze Kunst kann un dann wer ich im Sallohn einen Tisch aufschtelln un meine Schwestern und ihre Ferehrer Kartn ferkaufn un ihnen zeign, wi mans macht. Ich bin froh, das es mir eingefalln is ein Zaubrer zu wern. Ich glaub, das Geschefft wird mir gefalln.

Der kleine Prestidigitateur

So ein Schpetakl wahr noch nich da, wi die letztn par Tage in unsern Haus. Filleich kann ich eher ein Zirkusreiter wern aber der Fersuch ein Magjer zu sein is mir follschtendig mißlungen. Es ging doch nich so leicht wi ich mir forschtellte. Es schaut sehr leicht aus, wenn man sith wi ers macht, aber wenn mans selbs probihrt is man sehr entäuscht. Ich hoffte den Abens nachdem ich mit Papa bei Hermann gewesn wahr selber eine Forschtellung gebn zu kennen.

Lotti Herbst un 2 andre Medchn warn zu besuch bei meine Schwestern. Ich ging in der Schpeiskammer un anglte mir ein Dutzen Eier. Mit Lotti Herbst wahr noch ein junger Mann gekommen, so ein rechtes Gigerl aus Nuyork. Ich hadte schon die Eier un weil ich nur noch einem Hut brauchte wi Hermann, so nahm ich seinen fon Hutrechn in Forzimmer — es wahr so ein glenziger Biberhut fon der neueste Mohde. Ich schlug die Eier in den Hut un stellte meine Sachen auf einen kleinen Tisch im Hinterzimmer, so das ich Zaubrer schpiln konnte und dann rif ich: »Bitte nur hereinschpazihrt meine Herrn un Damen! Hir is der berihmte Zauberkinstler un Prestegatehr Hermann zu sehn! Antreh blos 26 Cents!«

Sie lachtn alle un kamen henein. Der junge Gigerl gab mir 25 Cent fir alle zusamm. Ich pakte den Hut schittlte ihn un sagte: »Meine Herrn un Damen, das sin di ferzauberte Eier!«

Sie gucktn alle hinein un sahn die Eier in einen Quatsch. Der Kerl wußte nich, das es sein Hut wahr un meine Schwestern dachtn zuers nich un so lachtn sie alle.

»Ich bitte nur genau hinzuschaun!«

»Ja,« sagten sie.

»Un jetz sin sie wider ganz — hokuspokus —« sagte ich un schittlte sie ganz so wi der Zaubrer, aber die ferteiflte Eier wolltn nich wider zusammgehn. Ich mußte es enlich aufgebn. Der Gigerl lachte wi wenn er erschtikn mißt, aber wi ich sagte, ich bin sehr besorgt das ich ihm seinen Hut so beschmihrt hab, weil er jetz nichs zum nachausgehn hat, wurde er greßlich geschwind ganz erns; sein Gesicht war filleich 3 Fuß lang un er schaute auf mir, wi wenn er mich auffressn wollt. Elsbett jagte mich henaus Susann sagte sie wird es Papa erzehln un so gehts immer — ein unschulger kleiner Junge kann nich das geringste tun ohne das er henausgeworfn oder hin und her geschtoßn wird. Offt un offt hab ich mir schon gewinscht, so ein kleiner Junge aus Gummi lasti zu sein.

Am nechstn Tag wollte ich die Forschtellungn im Schtall gebn. Ich ernidrigte den Antreh auf 1 Cent. Alle Jungen kamen herein. Ich hadte Mammas Uhr di ich aus ihrer Schreibtischlade genommen hadte, wi sie bein Essn war — un den Mörser un Schtößl in den die Kechin immer Nisse un Mandln schtoßt. Ich sagte: »Will eine Dame so gütig sein un mir ihre goldne Uhr leihn?« wi Hermann gefragt hadte un Hansi den ich umsons hereinkommen lassn hadte sagte: »Ich will ihnen meine borgn« un gab mir Mammas Uhr di ich deswegn früer in seiner Tasche geschtekt hadte un ich nahm sie un zerschtampfte sie in Mörser. Sie war schreklich schwer zu zerschtoßn — nur das Glas ging ganz leicht. Zuletzt mußte ich einen Schtein nehmen. Dann sagte ich: »Sie sehen, meine Herren, die Uhr is follkommen zerschtampft?«

Sie schrien alle: »Ja, ja!«

Ich nahm sie un hilt sie eine Menute hintern Rickn un dann zeigte ich sie ihnen wider. Ich wahr sehr erschrokn wi ich sah, das sie noch immer zerschtampft war un nich wider zusammengehn wollte, so hibsch wi sie früer wahr.

Die Jungen warn auch erschrokn un so ferschtektn wir sie in der Krippe damit die Leute glaubn, das Prinz — das is unser Ferd — sie aus der Lade genommen un zerkaut hat.

»Du hast aber das Schwert nich geschlukt!« schrie der kleine Willi Braun.

Ich sagte ich hedte kein Schwert, um es zu schlukn.

»Geht es nich mit einen Taschnmesser?« fragte Bob Schmidt.

Ich sagte ich wills probihrn. Dann machte er sein großes Taschnmesser auf un gab mirs heriber. Ich versuchte es zu schlukn aber ich wirgte greßlich dran — das Blut kam mir aus den Mund, bis Bob schrie: »Laß es nur gehn! Du bist ein Zaubrer? Nicht einen Heller wert!«

Alle Jungn sagtn ich hab sie beschwindlt un ich muß ihnen das Antreh zurickgebn. So tat ich es auch — die Zunge tat mir greßlich weh un wurde so dick, wie nur was. Ich war so zornig wi eine Humml, weil sie so fon mir redetn un ging ins Haus zurick.

Mamma fragte mich, was ich denn am Mund habe. Ich sagte, filleich is es fon di rotn Ribn die wir zu Midtag hatn.

Mir wahr der ganzn Nachmidtag nich sehr gut. Die Zunge brannte mir wi Feuer un ich wahr sehr engslich wegn Mammas Uhr.

Wi wir bein Tee saßn un ich den Biskitt in meinem Tee eintauchte, weil meine Zunge so zerschnidtn wahr, kommt Sam herein — unser Kutscher — direk in das Schpeiszimmer mit der Kechin un Betti un helt die Uhr in der Hand. Alle schautn hin un dann auf mir. Warum nur grad auf mir?

»Ich fand sie in der Krippe!« keichte Sam und gab sie Mamma.

»Mamma,« sagte ich, »ich glaube Prinz muß sie aus der Lade genommen un zerkaut habn. Laß mich schaun, ob ich noch seine Zehne am Deckl eingedrikt sehn kann.«

»Oh mein Kind, mein Kind, mein Kind!« sagte Mamma, »errinners du dich nich an der Erzehlung fon deinen Namensbruder den kleinen Schorschi Woschten un seiner Axt?« dann schaute si nochmals auf der Uhr fing zum Weinen an un ging henaus.

»Wi bis du dazu gekommen?« fragt mein Fater so erns, das ich zidtern mußte.

Aber ich will liber den Forhang iber der haarschtreibende Ssene falln lassn, wi man in die Geschichtnbicher immer sagt. Ich will deine Seitn mein Tagbuch nich mit den beflekn, was dann geschah. Genug wenn ich sage das mein einzger großer Gedanke in der nechste Woche wahr: »Oh wenn ich nur Edisen wer um ein Patent zu bekommen, kleine Jungen aus Gummielasti zu machn!«

Wenn ich groß werde un Familje hab, werd ich sie nich fir das beschtrafn, was sie gar nich tun wolltn. So eine Ungerechtkeit is genug, das ein Junge sein Nachthemd un die Zahnbirschte zusammpakt un dafonlauft zu die Indjahner. Warum gingen sie nich eine andre Uhr kaufn? Es sin noch genug in den Juwelihrladn fon Herrn Goldschmitt, anschtatt so einen Schpetakl deswegn zu machn.

Schlißlich habn sie doch etwas andres zu denkn gefundn, als das Schorschi so ein böser Junge is. Si sin so gemithlich un gutmithig jetz wi ein Korb foller Schnitzl. Di alte Tante fon Montag de Jones in Irrland is geschtorbn un hat ihm finftausend Fund hintergelassn. Ich weiß nich was fir Fund das sind — kann sein fon Geld, das wer greßlich fiel. Er un Lily solln jetz heiratn. Papa sagt er hat immer gedacht, Montag ist ein netter junger Mann — blos zu jung zum heiratn. — So is alles wider gut. Ich will fersuchn bis nach der Hochtzeit ein sehr brafer Junge zu sein, weil Lil mich zu sich in ihr Zimmer nahm, un mit Trenen in di Augn zu mir sprach un mir einen Golddoller gab, ich soll fersuchn bis nach der Hochtzeit nichts anzuschtelln, weil alle in solche Eile sin un so fiel zu tun habn un sie winschte di Hochtzeit mechte ruig foribergehn, ganz ohne einen Zufall.

Lil is ein gutes Medchen. Ich hab sie am libtsn. Ich will fersuchn ihr zu folgn damit ich bei ihr wohnen darf wenn sie ihre eigne Wirtschaff hat. Sie sagt, ich darf. Sie wird ein kleines Zimmer eigens fir mich habn mit einer Brummsäge, ein Feßchen Negl, un alle Werkzeige.

Ich denke ich werde Montag nich erzehln, das sie sich das Haar mit Teerseife bleicht um es so goldfarbig zu machn — es wahr früer so schwarz wi Kohle. Oh Godt! bin ich froh! so eine Menge Kuchn! Die Leite fon kleinen Hans habn keine Hochtzeit wi wir. Heut hat er sich eimal duckn missn!

Ich wahr so beschefftigt, das ich schon greßlich lang nich in mein Tagbuch geschribn hab. Ich glaube manchmal sin kleine Brider sehr nitzlich, wenn man sie nur heflich bidtet.

Meine Fiße sin so mid, wenn ich zu Bed geh, weil ich den ganzn Tag laufn muß um Schpuln Zwirn, Seide, Kattuhn, Nadln, Muster, Citrohnen, Rosihnen, zur Post, zu Herrn de Jones mit Brifchen un so weiter. Ich wollte, ich kennte sie abschnalln wi der alter Willi Giles um abens tut.

Morgn is der großer Tag, wo die Hochtzeit sein soll. Ich muß nur schnell schlafn gehn, damit ich frih auf bin.

Nun is alles foriber. Ich wahr sehr zeitlich auf un ganz munter. Sie solltn um elf Uhr in der Kirche heiratn. Die Kechin un alle hadtn zu fiel zu tun um mir Frihschtik zu gebn. Sie sagte: »Nimm dir selbs Brot un Budter. Ich hab schreklich fiel zu tun.«

Ich wußte nich, das kleine Jungen Budterbrot essn missn, wenn ihre Schwestern heiratn. Ich ging hinein, wo sie eine große lange Tafl aufgeschtellt hadtn mit Blumen un Salat, Kuchn, Austern un noch fiele andre Sachn. Weil ich schtehnblib konnte ich noch 2mal so fiel essn, als wenn ich mich nidergesetzt hedte.

Es wahr nimand da. Ich ferschittete einen Krug mit rotn Wein am Tischtuch. So ein großer Flek! so ein Geruch fon Wein! Ich lif so geschwind ich nur konnte henaus, damit sie denkn Betti hat es ferschittet.

Betti sagte »komm laß dich anzihn!« un zog mich dann an, gab mir ein Knopflochbukeh un ein Taschntuch, das mir aus der Brusttasche herforschaute un glänzige Schue.

»Setz dich nider,« sagte sie, »bleib ruig sons beschmutzt du dir di Kleider wider.«

Ich saß eine kleine Weile ruig aber dann schlipfte ich zu Henschen henüber ein bischen zu schpiln damit die Zeit fergeht. Henschen sagte »da is eine hibsche große Lake, wo wir unsre Schiffe schwimmen lassn kennen« aber dabei schtiß er mich, das ich heineinplumste aber da wahr ich doch gewiß nich schuld dran.

Wi ich nachaus kam mußtn sie alle wartn bis man mir die alte Kleider angezogn hadte un Mamma weinte wegn den Tischtuch, aber sie sagte weil ihre Tochter weggeht, un Papa wischpelte mir zu »er wird mit mir schprechn, wenn alles foriber is«.

Lil wahr wunderhibsch, wi sie die Treppe henunterkam, mit den weißn Kleid, die Wangen so rot wie Rosn un einem großn weißn Schleier ganz über ihr. Auch Susann wahr sehr hibsch. Sie war Kranzljungffer. Herr de Jones sah aus als kennte er nich glaubn, das Oktober is, so heiß un unbekwem wahr ihm, er schtig auf Lilys Schleppe un zerriß si, so das sie sie mit einer Nadl festschtekn mußte, er wunderte sich wo sein Hut is un hadte ihm am Kopf un zerriß fir par Glassehandschuhe beim Anzihn, in solcher Eile war er. Dann schpendelte ich Tante Betseys rotseidnes Taschentuch hintn an seinen Rok un nimand bemerkte es bis er den Kohrgang henaufgehn wollte. Alle lachtn ein bischen un der Dokter riß es henunter. Er glaubte es will ihm wer etwas sagn blib schtehn un schaute zurik un Lil merkte es nich un ging forwerts. Alle Leite lachtn jetz laut un er wurde so rot wi ein Krebs.

Das machte ihm ganz ferlegn un wi der Predger dem Ring ferlangte liß er ihm falln un er rollte weg bis unter der Kanzl un Susann mußte einen fon ihre herborgn.

Jetz konnte er schon keinen fon andern unterscheidn un ging mit Tante Betsey aus der Kirche. Lil sagt ich soll dafir büßn un nich mit ihr kommen. Mir ligt nichs dran. Ich werd meinen Bruder fon ihre Brife erzehln die ihr der andre Kerl zurikgeschikt hat, der forgen Winter immer bei uns wahr, weil sie so kokett is. Ich werd ihm erzehln wi sie sich immer das Schulterblatt auschtopfft un was fir Launen sie hat.

Es wahr der selber Predger auf den ich geschossn hadte, der sie jetz ferheirate. Er hat eine Narbe auf der Schtirn un sah greßlich bleich aus.

Wir gingen alle im Schpeisezimmer wi wir nachaus kamen. Ich glaube es warn Serwjetten ausgebreitet wo ich den Wein ferschidtet hadte.

Es warn eine Menge Hochtzeitstortn. Sie trankn Tohste un Tohste. Die Leite warn sehr gut aufgelegt; einer gab mir ein Glas Wein un sagte: »Nun Schorschi, trinke auf die Gesundheit deiner Schwester!«

Ich sagte: »Meine Schwester, die sich heut ferheiratet hat, soll lebn! Megn ihre kleinen Jungen nie gepriglt wern oder bei den Haarn gezogn oder sich di Fiße ablaufn, wi ihr kleiner Bruder!«

Sie mußtn sich zum Zug eiln. Elsbett warf dem Wagn ihrn Pantoffl nach. Alle sagtn Lebwohl. Deswegn fermißtn sie mich nich un ich benitzte die Gelegnheit un trank alln Wein aus den sie stehn lassn hadtn.

Wi Mamma kam um mich zu suchn lag ich untern Tisch un mir wahr greßlich schlecht. Ich fragte sie ob ein Erdbebn wahr. Sie sagte warum? Ich erzehlte ihr das der Bodn sich umgedreht hat un das ich nich schtehn konnte un die Sessl un der Tisch drehtn sich herum, wi wenn sie auch nich schtehn kenntn. Dann rif sie Betti, mich henaufzutragen un zubed zu legn un seifzte un seifzte, wi wenn ihr das Hertz brechn mißte un sagte: »Oh, Schorsch, was wirs du nun beginnen!«

»Mich ins Bed legn, Mamma!« sagte ich un das war doch wahr.

Herr Wilkins fährt mit seiner Schwester aus

Tante Betsey wahr zur Hochtzeit gekommen, trotzdem sie so bös war. Sie machte Lil ein Präsennt mit einer seidne Bedtdeke di si selbs zusamm gepatzt hadte. Ich sagte ihr aber, das ich glaube Lil wird entäuscht sein, weil sie hofft das Tante Betsey ihr ein silbernes hibsches Teeserwiß bringen wird. Unsre Elsbett is nach der Tante genannt um dem Namen in der Familje zu erhaltn aber nach wen Betti unser Medchen genannt is, das weiß ich nich. Ich will sie eimal fragn wenn ich dran denk. Die Tante schprang so wild herum wi eine Henne mit abgeschnidtnen Kopf — si sagte, sie glaubt, wenn sie Elsbett ein Teeserwiß schenkn wird, so ist es genug. Sie wirde ihr Geld einen Waisnhaus fermachn un sie solltn nich einen Heller dafon berihrn, wenn eine seidne Bedtdeke nich gut genug fir Lil is. Sie hedte Elsbett etwas gegebn, weil sie nach ihr benannt is, aber Schorsch Woschten hedte mir auch ni etwas geschenkt trotzdem ich sein Namensbruder bin. Elsbett sagte ich hedte wider unitzn Schpetakl gemacht, un nun wirde sie nichs bekommen wenn sie dem Dokter heiratet. Sie sagte ich sei ein Schternfried. Ich fragte sie was das is: ob es so wi ein Eichernchen oder eine Glukhenne is? — sie sagte es hat 2 Fiße un eine schreklich schnelle Zunge.

Zu uns kommt jetz immer ein neuer junger Mann. Ich glaube er kommt wegn Elsbett. Ich fragte Betti ob sie das auch glaubt un sie sagte ja. Sie tetn besser, ihm sehr heflich zu behandln, si is schon so alt, es is rein lecherlich — 23 den letztn Mai! Ich herte Mamma eimal zu ihr sagn, sie geht durch dem Wald un wird sich zuletz einen krummen Schtekn aufklaubn — aber ich weiß nich, was das heißt.

Der neie junge Mann heißt Wilkins. Letztn Abend ging ich in Sallohn wi er un Elsbett mit einand redetn un ging hin zu ihm un schaute ihm genau an. Nein, is der aber schpaßig! Elsbett winkte mir, ich soll fortgehn. Ich wußte sie schenihrt sich es laut zu sagn un so machte ich mich nix wissn.

»Wi gehts dir, kleiner Mann?« sagte er.

»Ich bin kein kleiner Mann,« sagte ich, »ich bin ein Bub. Glaubn si ich bin der Tom Deimling oder sons ein Zwerg?«

Er lachte.

Ich fragte ihm: »Was is das, was so glenzt, wenn sie lachn? Is es Gold, wi das, was der Zahnarz in Elsbetts Zehne schtekte?«

»Du bist ein schpaßiger Junge,« sagte er, aber er lachte nich, so das ich nich sehn konnte was in seinen Mund so glenzte.

»Si sin auch schpaßig,« sagte ich. »Was habn sie denn auf den andern Aug, es bewegt sich ja gar nich? Is es aus Glas?«

»Du bist wirklich roh,« sagte Elsbett. »Geh fort oder ich werds Mamma erzehln.«

Ich ging ein bischen fort, kam aber gleich wider zurick, weil ich wissn wollte, warum sich sein andres Aug nicht bewegt un schtand un gukte auf ihm bis Elsbett wi sie schpeter sagte beina fortlaufn wollte.

»Schorschi,« sagte sie so siß wi Torte, »wills du nich so freindlich sein un Betti sagn, si soll Kuchn un Lemonade bringen?«

Ich kam gleich wider zurick, wi ich ihrs gesagt hadte un schaute noch fester auf ihm, weil ich nich begreifn konnte was mit sein Aug wahr. Sein Haar war schreklich rot. Elsbett enschuldigte sich dann, um eine Menute ins andre Zimmer zu gehn un wi sie herauskam, sagte sie: »Schorschi, du solls sofort zu Mamma kommen.«

Also mußt ich heneingehn un Mamma sagte, es sei greßlich unheflich Besuche so anzuschtarrn.

»Aber Mamma,« sagte ich, »warum ziht er das Aug nich auf, damit es sich bewegt, wie das andre?«

Große Leite sin schreklich unferninftig zu Kindern. Schtatt mirs zu erklern sagte si:

»Es is Zeit, zubedt zu gehn Schorschi!«

Herr Wilkins kommt regelmeßig jedn andern Abens. Der Dokter un Susann sitzn in Forderzimmer er un Elsbett in Hinterzimmer. Warum sitzn si nich alle zusamm? Er will morgn nachmittag mit Elsbett ganz allein ausfahrn. Ich glaube sie hedtn mich auch fragn kennen ob ich mit will.

Ich glaube ich werde just mit fahrn! Es wer sehr schpaßig, wenn ich mich untern Sitz ferschtekte un zuhör, was er sagt, er hat so eine zwitschige Schtimme. Ich wer fersuchn, obs geht. Ich mechte Hansi mitnehmen aber es wird nich genug Platz sein.

Herr Wilkins kam um 4 Uhr for das Haus mit einen neun Zweireder, ein schwarzes Ferd mit fergoldetn Geschirr forgeschpannt. Ich schtand beim andern Eck fom Haus un gab Obach un wi er eine Menute ins Vorhaus ging um zu sagn das er da is, schprang ich aufn Wagn kroch unter dem Sitz un gab das Leder wider for, das man mich nich sehn konnte.

Meine Kni warn sehr eingezwengt. Ich legte mich so gut ich konnte un hilt mich schtill wi der Tod werend si einschtign. Er pakte die Zügl un fort wahrn wir.

Das Ferd, das flog nur so, bis wir filleich 8 Meiln for der Schtadt warn. Es tat mir greßlich leid das ich mitgekommen wahr, weil ich sehr mid wurde, so eingepreßt in den engn Kastn. Oh, wi mir alles weh tat!

Wi es kihl wurde nach Sonnenuntergang lif das Ferd nich mehr so schnell, es ging so langsam das ich glaubte ich muß schterbn.

Ich hadte ein dikes Pack Rakettn un ein par Zindhelzer in der Tasche, aber weil ich hern wollte was er zu ihr sagte, liß ich si damals noch nich los. Ich war so mid das ich nich eimal denkn konnte ob seine Augn gleich sind.

»Meine siße, siße Elsbett!« sagte er, wi wenn si ein Babi fon filleich 6 Monath wer.

Meine Schwester sagte kein Wort.

»Sie sind mir nich bös?«

Grad wi wenn da was dran gewesn wer, bös driber zu sein! Ich glaube, er dachte, so ein altes Medchen mechte sich nich gern wi ein kleines Kind behandln lassn. Un dann sagte er so eine Menge siße Sachn wi wenn si ein Zuckerladn wer — so was hab ich noch nich gehert! Ich dachte: »Herr Wilkins, wenn sie deine Ohrn so gezogn hedt, wi meine, mechst du ihr nich Teibchen oder Engl sagn.« Dise Medchen di ihre kleine Brider so puffn un schtoßn, wern ni zornig, was auch die großn Jungen immer machen, das hab ich schon bemerkt, aber ich dachte mir, ich sag ihm liber nichs, soll er sie habn, wenn er so ein Narr sein will.

»Das Schnittwarngeschefft geht jetz gut,« sagte er, nachdem er sie mehr als 1 Dutznmal einem Engl genannt hadte, »und ich glaube wir kennen es wagn so um Weihnach herum Hochtzeit zu haltn.«

Dann sagte Elsbett: »Ich habe ni fiel fon lange Ferlobungen gehaltn, Karl, un wenn sie glaubn zu Weihnacht, so will ich fersuchn, bis dahin fertig zu wern.«

Dann sagtn sie eine Menute oder 2 nichs un ich herte etwas ein bischen Zwitschn. Kann sein, es wahr das Rad. Ich glaube es war es. Die Kni tatn mir so weh das ichs nich sicher sagn kann. Mir wahr so kalt un mir hungerte un die Ellbogn warn mir so eingezwikt das ich dachte ich werd Herrn Wilkins erschrekn damit er heununterschpringt.

»Es is irgend was untern Sitz,« sagte Elsbett. »Oh barmherzger Himmel! Oh Karl, es is gewiß ein Hund!«

»Firchtn si sich nich,« sagte er, »ich will sie mit meinen Lebn be— Auh! auh! was kann das nur sein?«

»Oh haltn sie das Ferd! Lassn sie mich henunter!« schrie Elsbett.

»Lassn sie mich sehn, was es is,« sagte Herr Wilkins.

Er fihlte unter dem Sitz. Seine Hand schtreifte an meinen Haaren. Ich biß ihm ein bischen in der Hand, damit er denkt es is ein Hund.

»Es is ein Hund!« schrie er, »ein withender Hund! Er hat mich gebissn! Oh ich werde toll werdn!«

Damit hopste er aus den Wagen un liß meine Schwester allein drin sitzn. (Das zeigt, wi gern er sie hadte!)

»Die Zeit is gekommen,« dachte ich, »um ein bißchen Schpaß zu habn. Er soll nich mehr einschteign. Das Ferd soll erschrekn un mit mir un Elsbett dafonrennen un dann wer ich herfor krichn un es aufhaltn.«

Also zindete ich ein Schtreifholz an, hilt die Rakettn dazu un schmiß si dem Ferd unter die Fiße, das es dafonlif wi der Teifl. So eine Rakette wahr noch nich da — psch-zsch-psch-zsch krrrrr — krach — bum! bum!

Elsbett kreischte, Herr Wilkins jammerte, das Ferd lif in greßtn Karreh — so was hat die Welt noch nich gesehn! Ich wahr selber greßlich erschrokn. Ich kroch herfor un wollte die Zügl pakn aber sie warn henuntergefalln zum Ferd un es wahr schon so finster wi Pech. Ich erwartete nichs andres, als das wir beide erschlagn wern.

Bum-burum-bum! fort ging es eine Meile nach der andere! Herr Wilkins war auf der Schtraße geblibn — weit, weit hintn. Elsbett krisch bei jedn Hopser den das Vih machte. Es wahr aber wirklich schreklich.

Enlich kamen wir zu der Schtadt, wo schon licht war. Leite lifn heraus un wolltn uns aufhaltn. Nach einer Weile lif das Ferd direk in dem Mietschtall wo es hingeherte. War das nich ein gescheites Ferd? Dort schtand es ganz schtill un zidterte. Di Leite halfn uns aus den Wagn. Dann sagte ich zu Elsbett: »Warum has du nur so geschrin? Es war doch nich so gefehrlich!«

»Schorschi, bis du es? Ich glaubte es sei ein toller Hund, der mich die ganze Zeit beißn wollte. Was hat denn dann dem Lerm gemacht? Ich hab mich noch ni im Lebn so gefirchtet. Du nichsnutziger godtloser Junge! Du hedtest mein Tod sein kennen! Du solls aber heute den Schtock geherig zu kostn bekommen! Ich glaube, das ich mich nie, nie fon disn Abend erholn werd. Oh Herr Mietschtallbesitzer wolln sie nich ein andres Ferd nehmen un zurick fahrn um Herrn Wilkins — er is irgendwo an der Schtraße ein par Meiln hinter uns. Oh was fir ein Wunder das wir nich in 10 000 Schtike zerschmedtert worn sind! Oh, ich werde ohmechtig! Du greßlicher schlechter unruiger Junge, schau was du angeschtellt hast! Papa wird dir heut schon helfn.«

»Ich wollte nichs böses tun,« sagte ich, »ich kroch unter dem Sitz um zu hörn, was Herr Wilkins sagn wird. Ich glaube, wenn ich ein Medchen Engl nenne, mecht ich nich henausschpringen, um sie mit einen withenden Hund allein lassn. Oho, er wird die Wasserscheu krign, was? Filleich hat er sie schon, er is greßlich gebissn! Kann sein, das sich sein andres Aug bewegt, wenn er Kremfe krigt. Wenn er schon toll wird, so will ich hoffn, noch for Weihnach, Fräuln Elsbett —«

Ich konnte nich ausredn, weil sie mir die Hand forn Mund hilt. Die Menner grinstn un ich mußte nachausgehn, weil Elsbett mich puffte.

Sie saßn bein Tee wi wir hereinkamen. Die Sachn rochn so gut un ich wahr schreklich hungrig, aber ich hadte ein schweres Herz — ich wußte ich wers krign.

»Follkommen unferbesserlich!« sagte Papa, wi Elsbett fertig wahr. »Du gehst zubedt, bis ich bereit bin, mit dir zu ferhandln.«

Wi ich langsam un sorgnfoll die Treppe henaufging herte ich Susann un den Dokter lachn, wi wenn sie erschtikn mißtn — ich weiß nich woriber.

Betti schlipfte so gegn nein Uhr zu mir un brachte mir ein gutes warmes Nachmahl. Betti is ein Juwehl. Sie kann Herrn Wilkins auch nich leidn — weniger noch wi ich. Sie sagt es is schreklich, wi oft ich in der Patsche komme, so ein unschulger kleiner Junge, der gern ein Muster sein mecht. Si erzehlte mir, das Herr Wilkins grad zurikgekommen is, greßlich schmutzig un die Schtifl zerrissn wi er aus den Wagn schprang. Ich fragte sie ob sich sein Glasaug schon bewegt. Sie sagte sie will Mamma bittn, Papa zu sagn, das er mich dismal nich priglt.

So, nun lebwohl mein Tagbuch. Ich bin zur letzte Seite gekommen. Ich hab dir alle meine Hoffnungen un Besorgnisse erzehlt — wi Lil in ihren sagt. Libe Lily, di helt jetz selber Haus. Ich will sie nechste Woche besuchn, wenn ich meine Schtrafe iberleb. Betti is sehr beschefftigt mir Watte in di Hosn un dem Rock einzunehn, so das ich schwache Hoffnung hab, di Prigl zu iberlebn. Ich bete, das ichs mechte. Ich here meinem Fater auf der Treppe — fahr wohl mein Tagbuch! Ich hab einen Plahn zu entwischn. Dir will ich ihm erzehln. Ich will in die untre Schreibtischlade krichn, dort wird er mich nich suchn. Betti wird di Lade bis auf einen Zoll zumachn, das ich atmen kann. Oh was fir ein Schpaß, Papa eimal dran zukrign!

Wenn ich nich genißt hedte, er hedt mich um der Welt nich gefundn. Warum muß man nur grad immer nißn, wenn man nich will? Das Nißn kam mir theier zu schtehn — aber ich laß den Forhang falln, die Ssene is zu schreklich um beschribn zu wern. Ich hab noch 2 dike Bindl Rakettn ibrig — Rache is siß — wenn Papa heut nacht nich pletzlich aufwacht un Mamma fregt — »Is das ein Erdbebn oder der Tag des jingstn Gericht?« will ich nich Schorschi Hacker heißn!

Er hilft seinen Schwestern auf dem Jahrmarkt

Kleine Medchen sin der reine Unnitz. Sie sin zu nichs zu gebrauchn wi kleine Jungen. Eines is jetzt mit ihrer Mamma auf eine Woche bei uns. Sie heißt Milly Dennis. Meine Mamma ferschprach mir ein Welozoped, wenn ich braf bin so lang si hir sind. Ich will mich bemihn, so fest ich kann.

Das is das sexte Mal das mir ein Welozoped ferschprochn worn is, wenn ich braf bin un immer passihrt was, das ich es nich krieg. Man sagt Unfelle kommen in den bestn Familjehn for un ich glaube unsre Familje muß greßlich gut sein, weil bei uns immer was passihrt. Ich hoffe es wird nichs forkommen, solang Milly hir is denn wenn ich ein Welozoped hab, kann ich in einer Menute eine Meile weit sein un das is greßlich fiel.

Ein Tag fon die siebn is langsam foriber gegangn. Wir schpiltn mit einer Puppe, weil Milly ein weißes Kleid anhadte un ihre Mutter ihr nich erlaubn wollte es zu zerknilln. Es wahr eine feine Tocke — Flora hiß sie — beina so groß wi Milly selbs. Ich wollte gern wissn was ihre Augn immer so auf- un zugehn macht un ich endekte daß es 2 Schtike Blei auf einen Drat in Kopf drin wahrn, aber jetz is sie schieläugig wi nur was, un Milly weinte, blos weil ich so ein nettes Loch in Kopf obn gemacht hadte — Medchen sin solche Kinder! Grad weil die Augn ein bischn krumm sind!

Eimal ging sie Zucker holn damit wir Teegesellschaff schpiln kennen; wi sie zurickkam lag eine greßliche Menge Sägschpehne am Teppich, die aus Floras Magn herauskamen, weil ich sehn wollte womit sie so schreit. Mamma sagt, ich muß ihr eine neie Puppe fir mein Geld kaufn un das is wirklich gemein. Ich hab mirs auf einem Bogn un Feile geschpart. Ich hab gehert, es sin keine wilde Truthehne in der Gegnd aber Herr Petus iber der Schtraße hat eine Menge zahme un zum probihrn sin die gut genug. Ich kennte in seinen Feld ferschtekt lign, bis ich zum Schuß komm — tote Truthehne erzehln keine Geschichtn.

Aber ich muß weiter erzehln. Theires Tagbuch mechstu glaubn, das mir das das Herz schwer macht wofon ich geschribn hab? Mechstu glaubn ich bin nich imschtand auch nur einem Tag fon die sibn ohne gewehnliches Pech zuzubringn? Ich kann es nich ertragn, selbs dir die Gefihle mitzuteiln die meinem Busn bedrickn, wi Lil in ihrem sagte. Aber ich hab ferschprochn dir nichs zu ferschweign. Gut also, wir schpiltn Teegesellschaff un Besuch bis es mir fad wahr un Milly war zohnig weil ich sagte es is Medchengeschpil was es auch wahr un ich sagte zu ihr: »Es is schon schpeht un unsre Leute wern filleich erst in einer Schtunde nachmahln. Ich schlag for, wir schpiln fon armen Scharl Roß.«

Sie sagte, sie mechte es ganz gern. Mamma un Frau Dennis wahrn zu Besuch gegangn, Elsbett half der Kechin Kuchn bakn, weil wir Gesellschaff hadtn un es war nimand da, der mich dem armen Scharly entführn sah, so nahm ich ihm — das heißt sie — in mein Zimmer un sie zog ihr weißes Kleid aus un mein andern Anzug an, um ein Bub zu sein. Dann nahm ich meinen Mahlkastn mischte ein bischen gebrannte Sjenna un malte si wi wenn sie ein Neger wer, greßlich braun. Dann schlipfte sie die Schtign henunter un ging hinaus auf dem Trottoar un ich schtekte Bettys Schehre in der Tasche un zog meinen Eilwagn zum Forderthor un wi ich bei ihr forbeikam, sagte ich: »Mechstu filleich ein bischen ausfahrn, kleiner Junge?«

Un sie sagte: »Oh ja, ich danke, sehr gern,« un schtig ein.

Dann zog ich den Wagn so schnell ich laufn konnte bis wir aus den Ort draußn auf einen ganz einsamen Platz warn.

»Schteig aus,« sagte ich, »ich muß dir dise lange Haare abschneidn, damit sie dich nich mehr als ihrn kleinen Jungen widererkennen.«

»Mamma wird es nich gern habn, das du mein Haar abschneidst,« sagte sie un das kleine Bibchen fing zu weinen an, aber ich schnidt ihr alle ganz dicht bein Kopf ab, sons hädtn sie sie zu leicht wider erkannt.

Sie schrie un schrie, aber ich machte mich nichs hern, weil ich schpiln wollte das sie ferlorn is. Es wahr ein triber Tag un es fing grad zu regnen an. Es wahr ganz dunkl wi ich zuhause kam. Sie warn alle beim nachmahln, der Kuchn wahr glasihrt und schaute ferlockend auf dem hungrign Jungen.

»Oh da sin sie,« sagte Mamma un schaute ganz erleichtert aus. »Wo ist Milly, Schorschi? Sag ihr sie soll zum Essn kommen un du komm auch. Es is Platz fir beide.«

»Oh wir schpiln Scharl Roß un Milly is ferlorn.«

»Wo is sie ferlorn?« sagte Mamma un lechelte.

»Oh filleich eine Meile fon hir,« sagte ich un setzte mich zun Tisch. Aber sie schprangen alle auf, wi wenn der Blitz eingeschlagn hedte un es hadte doch nur grad ein bischen gedonnert.

»Schprichs du im Erns?« fragte Papa un pakte mich bei der Axl, das ich glaubte ich muß schrein, so fest hilt er mich.

»Ja Papa. Wir wolltn es schpiln un sie wahr Scharly un ich war der Kerl der ihm enfihrte un ich liß sie ein gutes Schtik fon hir schtehn, damit man sie nich leicht findn kann. Ich bin jetz engslich weil es regnet, wi mit Heigabln. Ich glaube wenn ihr ein Schtikchen auf der Nordschtraße hinausgeht un in alle Zauneckn schaut, werdet ihr sie gleich findn.«

Keiner außer mir aß auch nur einem Munfoll Nachmahl. Frau Dennis schlug die Hende zusamm un sagte ihr Kind wird sich zu tod firchtn, sie erschrekt so for Blitz un Donner un sie wirde dem Tod dafon habn, das sie so durchneßt wird — alles zusamm zehlte sie filleich ein Dutzen Sachn auf fon di sie schterbn mißte, wenn man sie nich gleich findet. Aber ich sah gar nich ein, das man so eiln muß, sie wahr doch nich fon Zucker oder Saltz, aber ihre Mamma wahr greßlich aufgeregt.

»Du bist ein böser, Böser, BÖSER Junge,« sagte Susann, un riß mir den Kuchn for der Nase fort wi ich mir ein Schtick nehmen wollte.

»Wi kanns du die Frecheit habn, dich hir ruig niderzusetzn, wenn der armer kleiner Engl draußn ist in der kaltn kaltn Nacht! Was schaut da aus deiner Tasche heraus, du kleiner Thunichgut?«

»Nichs, nur Millys Haar,« sagte ich. »Ich mußte ihrs abschneidn sons hedtet ihr sie daran erkannt. Ihr mißt wissn, sie is ferkleidet. Ihr dürft kein Medchn suchn, sondern einen Jungen, ihr Haar is so kurz un sie is so sonnferbrannt, ihr werdet glaubn, sie is ein Westindejahner. Wenn ihr einem kleinen zerlumptn Bubn begegnet mit meine alten Kleider an, das ist sie.«

Frau Dennis setzte sich fest auf dem Platz nider, wo sie grad schtand. Mamma schpritzte ihr Wasser im Gesicht un weinte selbs un Papa nahm eine Laterne un Susi un filleich firzig fon die Nachbarsleite gingen mit.

Das wahr mir eklhaff. So ein Lerm! Aber es war eigntlich schpaßig, ganz wi wenn sie wirklich ferlorn gegangen wer — so natirlich wi das Lebn. Ich mußte mein Essn schtehn lassn un mit ihnen gehn um den Platz zu zeign.

Es war wirklich schkandelös, wi sie fon mir redtn, wi wenn ich gar nich dabei gewesn wer, un einer erzehlte den andern, das ich der schlechste Bub bin, der nur je auf der Welt war un immer was anschtell. Ein Junge kann gar nichs schpilln ohn Unrue zu machn, weil sie sagn ich thu es mitfleiß un es is doch immer grad nur ein Zufall. Ich bin so gesorgt, wi ich nur sein kann — ich hädte es doch nich gethan, wenn ich gewußt hädte, es is schlecht! Ob es mich filleich besser macht, wenn ich zu Herrn Slokum geh un ihm bidte fir mich zu betn? Ich will ihm das nechstemal fragn, wenn er zu Elsbett kommt.

Frau Dennis will morgn frih gleich nach dem Frihschtik wegfahrn »sie kann meinem Anblik nicht fertragn«, sagt sie, weil es regnete wie Milly ferlorn ging. Ich glaube das Haar wird ihr wider wachsn, wenn es auch wirklich kurz abgschnittn is — ich hab ihr ja nich dem Kopf abgeschnittn!

Ich wurde auch naß, wi ich sie suchn ging, aber mich umarmtn un kißtn sie nich, oder machtn mir heißn Tee mit einer Menge Zucker un gabn mir kein Firsich un Krem oder lißn mich aufn Sofa lign, das ich di ganze Gesellschaff sehn kann. Nein, mich jagtn sie in meinen Zimmer, wi wenn ich ein Hund wer un Papa sagte er wird bald bei mir sein. Hm! Ich weiß was das heißt. Ich werde mir aber eine Barrekahde baun, wi sie in Paris gemacht habn, wi dort Krig wahr. Wenn sie mich erwischn, wird es nur iber die Trimmer fom Waschkastn un Schreibtisch sein. Ich will leise in der Schpeiskammer schleichn un mir Kuchn un eine kalte Zunge holn, dann kann ich ganz gut eine Belagrung aushaltn.

Pst! mein Tagbuch! Alles is fertig zum Kampf! Der Proweant is hereingebracht, di Thire ferschperrt, das Bedt dagegn geschtemmt, der Schreibtisch aufn Bedt un ganz obn drauf der Schpigl.

So, jetz kommt Papa un klopft ich soll ihm heneinlassn. Ich will mich so schtill haltn, wi klein David in der Höhle. Ich winsche irgnd eine freindliche Schpinne mechte for meiner Thir ihr Netz machn, das der Feind es siht un glaubt ich bin nich drin. Wenn er die Thir filleich aufbricht, das mecht einen Krach gebn! Ich mechte wissn, wi lang man fon einen großen Kuchn lebn kann. Es wirde ihnen ehnlich schaun, zu sagn, wenn der Schpigl gebrochn wird, ich habs getan — wirklich alles, alles thut der böse Junge!

»Nach Regn kommt Sonnschein!« Drei Tage wahr alles finster — jetz is lauter Sonnschein — Fride is beschlossn — die Belagrung aufgehobn — fir dismal is klein Schorschi der Siger. Sie sagtn, sie wirdn mich nich berihrn, wenn ich heraus komm un ich wahr froh driber, denn der Hunger nagte an meine Eingeweide un so wurdn di Mebl geredtet — di Barrekahde wurde fortgeräumt.

Frau Dennis is mit Milly nachaus gefahrn. Mitwoch un Donnerstag soll bei unsern Kirchschpiel Jahrmark sein. Das is der Grund, warum sie so angenehm sind — sie brauchn meine Hilfe. Ich hadte heute Nacht Zahnwe in meine Fiße, ich hab so fiel herum laufn missn.

Es wird ein sehr lustiges Fest wern. Susi hat verschprochn mir 10 Kartn fir di Drehorgl zu kaufn wenn ich braf bin, ihnen helfe un nichs anschtell. Ich dreh so gern auf den Werkl! Ich kennt mir damit den Lebensunterhalt ferdinen un meine Eltern nich mer zur Last falln. Wenn ich ein Werkl un einem Affn hädte, mechte ich alle Idehn aufgebn ein Bremser zu wern.

Der Jahrmark is enlich foriber.

Die Lichter vergliht
Die Blumen verbliht.

Der erster Abens ging wunderbar foriber. Nih hadt es einem bessern Jungen gegebn. Ich hadte ein Knopflochbukeh un ferkaufte finfcent Zigarrn um 20 Cent — das wahr ein hibscher Profet, sagte Susi un sie weiß das ich sechzig Schtik ferkaufte, wirklich ein gutes Geschefft. Auch wahr ein junger Mann aus der Schtadt bei den Fest — er glaubte er is ein neier Robinson — »König fon alles, was er erblikte« aber di Medchen machtn sich nichs aus seiner Dummheit, weil er das Geld ausgab wi Wasser un so lachtn sie sich in der Faust un lißn sich ihm aufblasn wi ein Fau, schmeichltn ihm un krigtn ihm dran sibn Nadlpolster un 8 Teekesselhalter zu kaufn un noch eine Menge solche Sachn, di ein junger Mann ni braucht. Ich glaube, meine Schwestern wundertn sich, wi nitzlich sich klein Schorschi machn kann.

Der 2te Abens ferging auch ganz gut. Es wahr schon di hechste Zeit fir mich die Orgl zu drehn — ich konnte es nich mehr aushaltn. Es wahr schon sehr schpeht un so sagte ich zu ein paar junge Damen: »Mechtn sie filleich mein Schpringinkerl sehn?«

Sie sagtn »ja« un ich nahm es aus der Tasche un schtellte es auf dem Tisch un heraus schprang eine Maus die ich nachmittag heneingeschtekt hadte — eine kleine, winzige unschulge Maus.

Ich frag dich, mein Tagbuch, war es meine Schuld, das sie aufschprangn, dafon lifn un den Tisch umwarfn das die Lampe zerbrochn wurde un das Petroljum iber alle Sachn rinnen machte? Warum erschrektn dise dummen Medchen iber einer Maus? Wenn sie sich ferninftig benommen hedtn, wer nichs passihrt. Sie leschtn es nich eimal aus, so wenig Besinnung hadtn sie. Ein paar Leute filn fon der Schtige hinunter un sie drengtn un quetschtn so, das ein paar beschedigt wurdn. Es wahr ein reines Wunder, das kein Lebn ferlorn ging. Es tut mir leid, das der hibscher junger Mann sich den Fuß gebrochn hat, er war in solche Eile daß er iber das Gelender schprang — das hette er doch nich zu tun brauchn.

Meine Schwestern habn sich die Kleider greßlich zerrißn. Sie hadtn nich Zeit die Geldlade mitzunehmen un so gingen 250 Doller in Flammen auf. Der Schade in der Schtadthalle sagt man is 3 tausend.

Medchen sin so dumm! wegn einer kleinen Maus!

Schorschi Hacker — das bin ich — is natirlich wider an allen Schuld. Die Birger fon unsern Ort wolln eine Petezjohn an Papa schreibn, mich in einer Erziungsanschtald zu schikn. Herrn Müllers Geschefft fing Feuer fon der Schtadthalle un brannte auch ab; aber es mechte mir nich fiel dranlign wenn nich meine Handorgl mit ferbrannt wer, die ich hedte drehn dirfn. Ich hadte 10 Kartn dazu. Sie schpilte mehre Schtike. Es is eine greßliche Schande, sie so ferbrennen zu lassn — dise Medchen machn sich wirklich rein lecherlich!