»Vater — lieber Vater!« rief das Mädchen in jubelnder, kaum gefaßter Lust. — Mitonare hatte aber kaum gehört was die Sache, die ihm selber das Herz abzustoßen drohte, für eine Wendung nahm, als er, wie aus einer Pistole geschossen, zur Thür hinausfuhr, und nach kaum zwei Minuten mit dem »verzweifelten Wi—wi« — wie er ihn nannte, in’s Zimmer geschleppt kam.
René lag mit an dem Herzen des alten Mannes — er wußte selber kaum wie, und der Greis flüsterte einen leisen Segen über den Häuptern der Glücklichen.
Capitel 6.
Was der ehrwürdige Mr. Rowe dazu sagt.
Der Abend verging den beiden Liebenden wie ein Augenblick — sie hatten sich so tausenderlei zu sagen, so tausenderlei zu besprechen, daß sie den Flug der Stunden gar nicht bemerkten, und der alte gute Mann saß lächelnd dabei, und wohl auch ihm stiegen in der Erinnerung alte liebe, o so lang jetzt vergangene Bilder auf, und führten seine träumenden Gedanken zurück zur Jugendzeit.
Aber auch die Gegenwart erheischte seine Umsicht, denn manchmal gedachte er ebenfalls seines, in ziemlicher Aufregung fortgegangenen Collegen und der Schritte die dieser jetzt zu thun suchte, das Glück, was er selber heute Abend hier geschaffen, wieder zu zerstören. Er hielt es auch für seine Pflicht dieses dem jungen Mann mitzutheilen und ihn wenigstens darauf vorzubereiten, daß seine Bahn von jetzt an noch immer keine ganz ebene sein könne. Hätte er dem von seinem Glück förmlich Trunkenen aber auch eine wirkliche Gefahr genannt, er würde ihr mit leichtem Herzen begegnet sein, vielweniger denn, wo es nur den bösen Willen oder Zorn eines fremden Geistlichen betraf, den weder Sadie’s Schicksal noch das seine kümmern durfte. Des Königs selber glaubte er dabei ziemlich gewiß zu sein, noch dazu da diese geistlichen Herren selten oder nie Geschenke verschwenden, und nur den Willen Gottes vielmehr als Gebot aufstellen. Hier war also nicht einmal etwas zu gewinnen, im Gegentheil nur zu verlieren, denn die Insulaner wußten recht gut daß bei dem Aufenthalt eines Weißen zwischen ihnen, der förmlich Einer der ihrigen wurde, stets hie und da etwas für sie abfiele.
Mr. Osborne selber, wenn er auch einen Conflikt mit Bruder Rowe gern vermieden hätte, stand doch keineswegs in einer so abhängigen Stellung von ihm, seinen Zorn fürchten zu müssen. Nur Sadie versicherte René sie habe eine entsetzliche Angst vor dem finstern Mann, und wollte vieles darum geben, wäre er gar nicht mit ihrem Pflegevater herübergekommen.
Seinem feindlichen Wirken aber in etwas zu begegnen, wurde noch an demselben Abend ein junger Mann mit einer Privat-Botschaft an den König geschickt, daß der alte Mr. Osborne, den sie Alle auf der Insel wie ihren Vater liebten, seine Pflegetochter dem jungen Fremden zum Weibe versprochen habe, und daß dieser hinführo mit ihnen auf der Insel zu leben wünsche, wozu sie des Königs Erlaubniß erbitten ließen.
Am nächsten Tag kehrte Bruder Rowe, und in einer nichts weniger als freundlichen Stimmung zurück. Er hatte den König, von dem er ohne weiteres verlangt zu haben schien den Fremden, einen entsprungenen Matrosen und Katholik, in Güte oder mit Gewalt von der Insel zu entfernen, in einer keineswegs günstigen Laune dafür getroffen, und schon die Ausflüchte die dieser machte, wenn er sich auch dem finsteren Missionair gegenüber keine direkte Weigerung erlaubte, verriethen ihm daß er, wo er blinden Gehorsam erwartete und verlangte, auf Schwierigkeiten stoßen könne.
Alles was er von dem Könige als festes Versprechen erreichen konnte war, sich mit ihrem eigenen Missionair darüber zu berathen, und wenn dieser es ebenfalls wünsche, dann wolle er gern den Befehl geben, daß der junge Fremde die Insel, auf der er sich übrigens bis jetzt sehr ordentlich betragen habe, verlassen solle. Wie er aber glaube gehört zu haben, wolle der Weiße eines ihrer Mädchen heirathen und solchen Leuten, wenn sie sich wacker aufführten, hätten sie noch nie den Aufenthalt verweigert.
So rasch als möglich sollte jetzt Bruder Osborne dem König seinen Willen oder vielmehr Wunsch bekannt machen, wie er ebenfalls die Entfernung des Fremden verlange. Bruder Rowe kehrte zu diesem Zweck ohne weiteren Aufenthalt, als daß er die Nacht an der anderen Seite schlief, zu den Missionsgebäuden zurück, und es läßt sich denken mit welchen Gefühlen er hier des alten ehrwürdigen Mannes Entschluß vernahm, dem Fremden die Tochter zu geben und ihn als Sohn anzuerkennen. Vergebens waren alle seine Einwendungen, vergebens blieb selbst sein Zürnen dagegen.
»Ich habe dem Mädchen,« sagte der Greis, »die Erziehung eines weißen Kindes gegeben, und vielleicht, wie ich jetzt zu spät sehe, Unrecht daran gethan; ich habe sie unfähig gemacht, sich in den gewöhnlichen Verhältnissen ihrer Landsleute wieder glücklich zu fühlen; diese können ihrem Herzen, ihrem Geiste nicht mehr genügen — bei der Verbindung mit jedem Weißen ist sie aber derselben Gefahr ausgesetzt, der sie jetzt vielleicht entgegengeht — daß sie nicht auf die Länge der Zeit im Stande wäre sein Herz auszufüllen, aber auch das ist nur noch Vermuthung — es ist eine Möglichkeit die wir befürchten, aber nicht voraus wissen mögen, und ich kann mich nicht dazu verstehn, ihr Herz jetzt gewiß zu brechen, weil es vielleicht später einmal gebrochen werden dürfte.«
»Aber fürchtet Ihr nicht die Sünde — Bruder Osborne?« rief da der Missionair, als alle andere Beweisgründe fehlgeschlagen hatten — »wollt’ Ihr es vor der Tafel der Gesellschaft in England verantworten, Euer im rechten Glauben erzogenes Kind selber in die Hände eines Anhängers des Pabstes zu liefern? Ich würde gezwungen sein, so leid es mir auch selber thun möchte, diesen Fall nach Hause zu berichten, denn die Folgen sind gar nicht abzusehen, und können auf das verderblichste für unsere kleine Gemeinde wirken. Und wie steht Ihr dann vor jenen ehrwürdigen Männern wenn Ihr selber, Einer jener Auserwählten die unter die Heiden geschickt wurden den Saamen unserer Religion in ihre unwissenden verstockten Herzen zu pflanzen — wenn Ihr selber dann Unkraut zwischen den Weizen gesäet habt, mit Euren eigenen Händen, ja und ich möchte fast sagen auch mit den Mitteln, die Euch von der Tafel der Missionsgesellschaft anvertraut waren in ihrem Sinne, nicht in Eurem eigenen damit zu handeln?«
Der alte Mann blieb aber auch fest, selbst gegen diese halbe Beschuldigung eines Mißbrauchs am Vertrauen, wenn ihn solche Anspielung auch wohl recht schwer und tief kränken mußte.
»Ich habe dreiundzwanzig Jahre,« sagte er ruhig, »mein Leben der Sache geweiht, die ich für eine gute hielt und noch halte; ich habe mir in der ganzen langen Zeit keinen einzigen Vorwurf, meiner Handlungsweise wegen zu machen — wir sind Alle Sünder und ich bin nicht reiner davon als der Geringste unter uns, aber ich kann frei das Auge zu Gott emporheben und sagen: »Herr richte über mich!« — ich bin mir nichts Böses bewußt. Auch in diesem Fall aber, Bruder Rowe, handele ich nach bestem Wissen und Willen, ich glaube nicht anders handeln zu können, und was ich da thue werde ich auch verantworten — Euere Berichte, Bruder, werde ich Euch freilich selber überlassen müssen.«
Mr. Rowe ging mit raschen ungeduldigen Schritten im Zimmer auf und ab — am wenigsten wollte es dem fanatischen Priester in den Kopf, daß der Fremde mehr sei, als ein gewöhnlicher weggelaufener Matrose. — Bruder Osborne hatte, wie er meinte, so lange und zurückgezogen von der Welt gelebt, daß er sich durch die schönen Redensarten und Versprechungen eines jungen leichtsinnigen Menschen vielleicht ebenfalls täuschen ließe. Er wollte deshalb selber einmal mit ihm reden und dann bald ausfinden wes Geistes Kind er sei. Es war seine letzte Hoffnung.
Mr. Osborne selber wünschte dies, weil er dadurch eine bessere Meinung für den Fremden bei dem strengen Geistlichen zu erreichen hoffte, und ließ René, der mit Sadie — jetzt aber freilich seines Versprechens enthoben — nach ihrem Lieblingsplätzchen gegangen war, zu sich bitten.
Mr. Rowe hatte den Lehnstuhl des alten Mannes eingenommen, und saß, das rechte Bein über das linke geschlagen, den Kopf auf den linken Arm gestützt, ernst und schweigend wie zu Gericht, den Fremden, der bald darauf das Zimmer rasch und fröhlich betrat, zu erwarten.
Schon dessen schnelles, nichts weniger als ceremonielles Eintreten rief die Falten auf seine Stirn zusammen und die beiden Ellbogen auf die Lehnen des Stuhles ruhen lassend, die Finger der beiden Hände aber vorn gefaltet, sah er ihn mit etwas vorgebeugtem Oberkörper unter den dunklen buschigen Brauen finster an und sagte, ohne den Gruß des Franzosen anders als mit einem leisen kaum bemerklichen Kopfnicken zu erwiedern, und ohne zu warten bis der Gast einen Stuhl genommen habe, viel weniger ihm selber einen solchen anzubieten:
»Mit welchem Schiff sind Sie hier gelandet, Sir?«
René sah erst den Frager, dann Sadie’ens Vater erstaunt an, als ob er hätte sagen wollen — was bedeutet das? — bin ich hier vor Gericht gerufen? — Mr. Osborne der aber die Unschicklichkeit eines solchen Betragens fühlte, nöthigte ihn freundlich Platz zu nehmen und bemerkte dann, fast wie entschuldigend, mit einem Blick auf seinen Collegen:
»Mein würdiger Freund, hier, lieber René, wünscht sich mit Ihnen kurze Zeit zu unterhalten. Er ist, wie ich, schon lange Jahre auf diesen Inseln, und eine unserer Hauptstützen des Christenthums, selbst in den Zeiten gewesen, wo unsere Aussichten hier trüb und traurig waren, und wir schon fast die Hoffnung aufgegeben hatten Christi Lehre den Sieg über blindes Heidenthum zu verschaffen.«
René verbeugte sich statt aller Antwort noch einmal, wie anerkennend, gegen den Geistlichen, der jedoch keine Miene dabei verzog und seinen Blick fest und forschend auf ihn geheftet hielt und sagte, die frühere Frage jetzt ohne Weiteres beantwortend:
»Mit dem Delaware — einem Amerikanischen Wallfischfänger.«
»Und weshalb verließen Sie Ihr Schiff? — hatten Sie nicht einen festen Contrakt für die ganze Reise gemacht?« lautete die zweite, fast noch schärfere Frage.
»Sehr werther Herr,« erwiederte ihm jetzt René vollkommen ruhig und freundlich — »wollten Sie wohl vorher die Gefälligkeit haben und mir sagen ob diese Fragen im Laufe der Unterhaltung an mich gerichtet werden, oder ob es doch gewissermaßen ein Examen sein soll, zu dem ich berufen bin?«
Bruder Rowe wollte eben, wahrscheinlich keine gerade freundliche Antwort darauf geben, als Mr. Osborne, der jedes böse Wort zwischen den Beiden um alles in der Welt zu vermeiden wünschte, rasch einfiel und gegen René gewandt sagte:
»Bruder Rowe nimmt innigen Antheil an Prudentia’s Schicksal, da das Mädchen eigentlich so zwischen uns groß geworden, und es ist besonders deshalb daß er näheres Interesse für Ihr früheres Leben fühlt.«
»Ich habe Ihnen, lieber Herr Osborne,« sagte da der junge Mann, »jeden nur möglichen Aufschluß gegeben, der in meinen Kräften stand, und ich will das auch mit Freuden diesem Herrn thun, wenn ihn das über Sadie’ens künftiges Glück zu beruhigen vermag.«
»Sadie?« unterbrach ihn hier der Missionair streng — »soviel ich weiß heißt das Mädchen Prudentia — wobei ich wünsche daß sie ihrem Namen ein wenig mehr Ehre gemacht hätte — und ich will nicht hoffen daß man sogar in dem Hause eines Dieners der Kirche beabsichtigt die alten heidnischen Namen, die wir nur mit Mühe und Schwierigkeit unterdrücken konnten, wieder aufleben zu lassen.«
»Es ist nicht des Heidenthums wegen lieber Herr,« lächelte René, »nur des Wohlklangs — Prudentia mag recht hübsch für eine alte würdige Matrone klingen, aber meinem fröhlichen heitern Mädchen paßt der Name gerade so, als wenn Sie ihn der Gazelle der Wüste geben wollten.«
»Und das sind die Ansichten die man hier mit in diese fromme christliche Gemeinde bringt?« rief der Geistliche, der nur mit Mühe seinen Zorn über den leichten fröhlichen Ton des jungen Franzosen bezwang, »das soll der Saamen sein, der ein Baum des Unglaubens seine Zweige ausbreiten und mit seinem Schatten die Frucht vergiften würde?«
René sah ihn staunend an, der kleine Mitonare kauerte aber mit vor Schreck und Entsetzen offenem Munde hinten in der Ecke wieder auf seinem kleinen Stühlchen, und schien nichts Geringeres zu erwarten, als daß der schwarze Mann mit dem finstern Gesicht sich jetzt oben aus seinem Himmel einen kleinen Blitz herunterholen und den ruhig und unbefangen vor ihm sitzenden kecken Wi—wi zu Pulver brennen würde.
»Sehr ehrwürdiger Herr,« sagte aber René vollkommen ruhig, denn er wollte den Mann nicht böser machen, da er wohl sah wie unangenehm das für seinen alten wackern Freund sein müsse — »ich hoffe nicht daß Sie etwas Sündhaftes in einem, dem Ohr wohlklingenden Namen finden werden.«
Bruder Rowe schien aber darauf nicht weiter eingehen zu wollen und fuhr fort:
»Und Sie gedenken sich hier auf dieser Insel niederzulassen?«
»Mit des Häuptlings und meines väterlichen Freundes Erlaubniß hier — ja!«
»Aber Sie gehören der katholischen Religion an.« —
»Ich bin ein Christ,« sagte René ernst — »was verlangen Sie mehr?«
Der Missionair biß sich auf die Lippen und Bruder Ezra sah nach oben, denn der Blitz konnte jetzt nicht länger ausbleiben.
»Und Ihre Kinder? — sollen das auch Christen werden?« frug der Geistliche mit einer fast höhnischen Zweideutigkeit im Tone. René aber streckte den Arm nach seinem alten Freund aus, und dieses Hand ergreifend sagte er herzlich:
»Die soll dieser würdige Mann hier in der Lehre erziehen die er für die richtige hält — ich weiß er wird gute Menschen aus ihnen machen — der Glaube ist mir gleich.«
»Der Glaube ist Ihnen gleich?« rief aber jetzt der Fanatiker, wie ordentlich froh einen Anhaltepunkt gefunden zu haben an der Schwäche des Gegners — »und wissen Sie daß Sie mit solchen Grundsätzen hier nur Unheil und Elend säen werden? ein Christ nennen Sie sich, und dem Antichrist dienen Sie — Ihrer Pflicht — ihrer Verbindlichkeiten im gesellschaftlichen Leben sind Sie entlaufen, und jetzt wollen Sie sich einem Volke aufdringen, das sie nur zwischen sich duldet, weil es seinem Geistlichen glaubt gefällig zu sein, in der That aber, ihm einen gar schlimmen Dienst damit leistet?«
René war schon nach den ersten heftigen Worten des Mannes von seinem Stuhl aufgesprungen.
»Monsieur,« unterbrach er ihn jetzt fest aber ruhig — »Ihr Stand, wie der Ort an dem wir uns befinden schützt Sie vor jeder Antwort auf diese Unverschämtheit — bon soir« — und mit einem stolzen Gruß gegen den Priester, mit einem freundlichen Kopfnicken aber gegen den Greis, verließ er rasch das Zimmer.
Der ehrwürdige Mr. Rowe hatte sich in einen höchst unehrwürdigen Zorn hineingearbeitet, und er war ebenfalls aufgesprungen und ging jetzt in dem geräumigen Gemach mit schnellen Schritten, die Hände auf dem Rücken, die Augen fest auf den Boden geheftet, auf und ab. Der alte Mr. Osborne aber war erstaunt und empört zugleich über ein so rücksichtsloses, förmlich unschickliches Betragen, und jetzt nur um so fester entschlossen dem Mann, der sich weit mehr Autorität über ihn anzumaßen suchte als er beanspruchen durfte, wissen zu lassen wo seine Grenze sei. Bruder Rowe mochte aber wohl fühlen daß er ein wenig zu weit gegangen sei, oder doch mit zornigen Reden an der Sache selber nichts mehr ändern könne, denn er schwieg von jetzt darüber, und erklärte nur seinem Collegen, daß er dieses Mal nicht hier predigen, sondern morgen früh, da noch dazu eine leichte westliche Brise eingesetzt hatte, zurück nach Tahiti aufbrechen wolle. Mr. Osborne dachte gar nicht daran ihn zurückzuhalten.
Am nächsten Morgen hatte er auch, ohne viel mit den Anderen zu verkehren, seine Vorbereitungen zur Abreise getroffen, während indessen Mr. Osborne den dringenden Bitten René’s nachgab, und die Trauung des jungen Paares auf den nächsten Tag, als an einem Sonntag, gleich nach dem Gottesdienst festsetzte. Sie fanden es natürlich nicht für nöthig Bruder Rowe davon in Kenntniß zu setzen, und erwarteten jetzt wirklich den Augenblick mit Sehnsucht, wo der kleine Cutter wieder seine Anker lichten würde.
So mochte es etwa zehn Uhr Morgens geworden sein, als plötzlich ein Knabe, der oben über die Hügel gekommen war, die Nachricht brachte, es nähere sich ein großes Schiff, von Süd-Osten her, der Insel. René war an diesem Tage viel zu sehr mit seinem Glück beschäftigt gewesen auch nur einen Blick auf den Horizont zu werfen, jetzt aber, als er auf diese Nachricht hier rasch nach Sadie’ens Lieblingsplätzchen eilte, von wo man eine freie Uebersicht über den ganzen südlichen Horizont hatte, genügte ein Blick dorthin ihn zu überzeugen daß ein, allem Anschein nach volles Schiff ohne Oberbramstengen, also jedenfalls ein Wallfischfänger, dicht am Winde liegend, von Süd-Osten gegen die erst seit gestern eingesetzte Westbrise aufkreuzend, herankam, und unverkennbar die Insel anlaufen wollte. Mehr ließ sich für den Augenblick noch nicht erkennen, aber dies war auch hinreichend ihn zu beunruhigen, und mit klopfendem Herzen stand er da, die Augen fest und unverwandt auf das näher und näher kommende Fahrzeug geheftet. Er hörte gar nicht wie sich ein leiser, leichter Schritt ihm näherte, und erst als Sadie ihre Hand auf seine Schulter legte und seinen Namen flüsterte, schaute er rasch und fast erschreckt empor, legte dann seinen Arm um sie und zog sie fest und innig an sich.
Das arme Kind war aber selber zu Furcht erfüllt im Anfang reden zu können; sie sah nur das bleiche Antlitz des Geliebten und glaubte schon ihre schlimmsten Besorgnisse eingetroffen.
»Ist es Dein Schiff?« frug sie endlich mit kaum hörbarer Stimme und wagte ihm dabei nicht einmal in’s Auge zu schauen.
»Das ist noch nicht möglich zu bestimmen Du liebes Herz,« suchte sie aber René, wenigstens für den Augenblick zu beruhigen — »ich kann das Holz des Schiffes noch nicht einmal ordentlich erkennen, und es schwimmen hier zu viele Wallfischfänger aller Nationen herum, wenn ich auch nicht geglaubt hätte daß sie sich noch so spät in der Jahreszeit hier aufhalten würden« — setzte er leiser, und fast wie mit sich selber redend, hinzu.
Keins sprach von jetzt ab ein Wort mehr, ihre Blicke hingen aber an den hellen Segeln des Fahrzeugs, das rasch näher und näher kam, und bald für das Auge des jungen Mannes keinen Zweifel mehr ließ, die Insel selber sei sein nächstes Ziel. Nur zu bald erhielt er aber sogar völlige Gewißheit, denn das Schiff war jetzt schon so nahe gekommen, daß er in dem Außenclüver desselben einen ziemlich großen Theerfleck erkennen konnte, den er selbst einst mit ungeschickter Hand, als das Segel zum Ausbessern an Deck lag, hineingegossen hatte. Es war der Delaware und gerade in dem Augenblick, wo er sich seines Glücks gewiß geglaubt, warf ihm das tückische Schicksal noch einmal jenes unglückselige Fahrzeug in die Bahn und drohte Alles Alles wieder mit einem furchtbaren Schlage zu vernichten.
Als er damals von Bord entflohen war und sich von seinen Feinden bedrängt sah, trat er der Gefahr, ja dem Tod wenn es sein mußte, mit ruhigem unerschüttertem Herzen entgegen; er hatte Nichts zu verlieren auf der weiten Gotteswelt als sein Leben, und achtete das kaum eines ernsten Gedankens werth. Jetzt aber stand er nicht mehr allein, hier auf diesem kleinen Eiland, rings von blauen Wogen umspült, war ihm Alles Alles geworden was das Herz des Menschen an diese Erde fesseln kann, und an der Schwelle dieses Glücks wieder solcher Art allein freudlos in die kalte Nacht gestoßen zu werden, oh das wäre zu grausam — zu entsetzlich grausam gewesen.
Sadie frug ihn nicht weiter, sie las in seinen Blicken die Bestätigung ihrer schlimmsten Furcht; ihr Herz aber, das sich in mädchenhafter Scheu an den Geliebten geschmiegt, schlug ihr wieder in dem alten entschlossenen Muth, mit dem sie ihn damals schon seinen Feinden entzogen, und plötzlich seine Hand ergreifend, sagte sie rasch und fast freudig:
»Sie sollen Dich nicht wieder mit fortnehmen, René, fürchte sie nicht — ich kenne alle Schlupfwinkel dieser Wälder und weiß Stellen wo die weißen Fremden wochenlang suchen und in Verzweiflung zuletzt es aufgeben müßten je hindurchzudringen. Wir Beide flüchten in den Wald, bis das Fahrzeug die Insel wieder verlassen hat, und wenn es sein muß trägt uns mein Canoe nach einer andern Insel, viele Meilen weit entfernt von hier — lieber mit Dir in den Wogen zu Grunde gehn, als allein hier ohne Dich leben René.«
Und in wilder Leidenschaft warf sie sich an seine Brust, als ob sie schon jetzt gekommen wären, ihn aus ihren Armen zu reißen.
»Sieh wie die See da draußen über den Riffen so hoch geht, Du herziges Lieb,« sagte aber leise und traurig der junge Mann — »ein Canoe könnte jetzt nicht leben in dieser Dünung, und ich trüge Dich dem gewissen Untergang entgegen. Ueberdies könnten wir nicht vor Nacht entfliehen und bis dahin wird wohl der auf meinen Fang gesetzte Preis Verräther genug gedungen haben mich einzubringen. Nein ich kann meinem Schicksal nicht mehr entgehen, und der einzige Trost ist, daß sie mich nicht lebendig mit sich führen sollen — oh Sadie, ich glaubte so glücklich zu sein und lasse Dich jetzt nun allein und trauernd hier zurück.«
»Nein nein, habe guten Muth,« bat aber das Mädchen — »glaube auch nicht daß die Bewohner dieser Insel so falsch und treulos wären. Damals, als sie Dich noch nicht kannten, war es eine andere Sache; von fremden Seeleuten haben sie bis jetzt fast meist nur Noth und Aerger gehabt, und es hätte vielleicht kaum des gebotenen Preises bedurft Dich auf Dein Schiff zurückzuliefern. Jetzt gehörst Du jedoch zu uns — die Männer wissen daß Dich mein Pflegevater gern hat, und ihn lieben sie wie ihren eigenen Vater. Ja es giebt auch wohl Schlechte unter ihnen, die Dich vielleicht verriethen wenn sie es heimlich thun können, aber sie würden es jetzt nicht um den größten Lohn wagen dürfen, sie wären sonst ausgestoßen für immer. Doch komm zurück zum Haus — sieh das Schiff umsegelt die Insel und wird wahrscheinlich auf derselben Stelle sein Boot wieder an’s Ufer schicken, wo es Dich damals landete — wir wollen indeß mit meinem Vater bereden was am Besten für Dich zu thun sei, und dann rasch und entschlossen handeln — es ist ja nicht das erste Mal daß Sadie Dich führt,« setzte sie mit einem wehmüthigen und gar so innigen Lächeln hinzu, »Du bist ihr das erste Mal gefolgt, da Du mich noch gar nicht kanntest — wolltest Du jetzt zurückbleiben?«
René preßte die Geliebte fester an sich, und hielt sie in einem langen Kuß an seinem Herzen, aber sie wand sich endlich aus seinen Armen und seine Hand wieder, wie in früherer Zeit ergreifend, wollte sie eben mit ihm hinunter zum Hause gehn, als ihnen von dort der alte Missionair mit einem anscheinend ziemlich schweren Korb entgegenkam, und mit ihnen zurück zu der kleinen Terrasse ging. René setzte hier den Korb, den er ihm abgenommen, auf die Erde nieder und der Greis sagte, nachdem er nur einen flüchtigen Blick auf seine Kinder geworfen, ohne weitere Umschweife:
»Ich hab’ es mir gedacht, daß es das unglückselige Schiff sei, als ich nur hörte daß es dicht bei dem Wind die Insel anlaufe, und den prachtvollen Westwind versäume nach Nord-Osten aufzuhalten. Doch wir müssen jetzt handeln Kinder, nicht lamentiren und traurig sein. Ich war erst Eurer Verbindung entgegen, nun aber, da die Sache doch einmal so weit gediehen ist, will ich Euch auch nicht Beide unglücklich wissen, so lange ich es noch verhindern kann — aber Zeit dürfen wir auch nicht mehr verlieren. Ich habe in dieser Sache einige Erfahrung, und schon viel in meinem Leben, gerade hier auf den Inseln mit Wallfischfängern verkehrt, denen Matrosen entlaufen waren. Die Capitaine sparen nicht mit den Belohnungen die sie auf den Einfang setzen, denn die Leute müssen das ja nachher selber von ihrem verdienten Gelde abbezahlen — sie bieten oft enorme Summen, hinreichend einen armen Insulaner, so gut und brav er auch sonst sein möchte, zu verführen — sie haben aber auch keine lange Zeit sich aufzuhalten, besonders wenn es erst einmal so spät in der Jahreszeit ist wie jetzt, wo sie nachher noch die Sandwichsinseln anlaufen müssen Erfrischungen einzunehmen und sich auf ihren Sommerzug in das Eismeer vorbereiten. Dies Schiff kann aber kaum dort noch zu guter Zeit eintreffen, wenn es nicht eine sehr schnelle Reise nach Oweyhy oder Woahu hat und es läßt sich denken daß der Capitain hier nicht wochenlang, eines einzelnen Mannes, und noch dazu eines gewöhnlichen Matrosen wegen, herumliegen wird. Vor allen Dingen ist es also nöthig Sie aus dem Weg zu bringen, damit Sie nachher Niemand verrathen kann, wenn ihm auch Gelegenheit dazu geboten würde, das ist jedenfalls das Sicherste, und dazu habe ich mir einen passenden Platz ausersehn.«
»Ich führe ihn in die Berge, Vater,« sagte Sadie — »oben in den niedern Hügeln stehn einzelne Palmenhaine, und in der breiten Krone einer dieser Palmen kann er tagelang versteckt liegen. Ich weiß eine von ihnen die mein Bruder und ich in’s besonders hergerichtet und ausgeschlagen haben — den Platz kennt Niemand als ich selber, denn der Bruder ist ja todt und kein Pfad führt dorthin, kein Weg oder Steg und doch will ich die Stelle im Dunkeln finden.«
»Der Platz wäre zu einer anderen Jahreszeit, und wenn wir keinen besseren hätten, vielleicht recht gut,« lächelte der Greis, »jetzt aber, wo es fast jede Nacht in schweren Schauern niederfällt, möchte der Wipfel einer Palme, besonders wenn es sich nicht um Stunden sondern um Tage handelt, doch ein fataler Aufenthaltsort sein. Nein, Du kennst das Ihiamoea Prudentia — jenes letzte Ueberbleibsel aus der alten Heidenzeit. Es ist das ein kleines Gebäude, früher dem Gott Oro geweiht, das jedenfalls auch mit allen übrigen derartigen Heiligthümern jener Zeit vernichtet wäre, bestände nicht auch zugleich in der Familie des jetzigen Oberhauptes der Insulaner eine alte Sage, daß der König sterben müsse sobald das Gebäude zusammenfiele. Sämmtliche Vorstellungen der Missionaire sind bis jetzt erfolglos gewesen sie von der Thorheit solchen Glaubens zu überzeugen, ja Einer unserer Brüder hätte beinah einst sein eigenes Leben eingebüßt, als er in vielleicht etwas übertriebenem Diensteifer selber Hand daran legen wollte. Nur zwei Personen sind auf der Insel die es jährlich einmal besuchen, der fua oder König, Jeremias Aitaua (der Rächer), wie ihn Bruder Rowe getauft hat, und dessen Sohn; beide nur, um ein frisches Dach aufzulegen oder das alte, wenn es noch gut ist, nachzusehen. Das ist wenigstens die Entschuldigung, denn ich fürchte fast, daß sie dort doch noch, trotz ihrem angenommenen Christenthum, heimlich einige ihrer heidnischen Ceremonien feiern; da sie es aber allein thun, können wir Nichts dagegen machen, und die kleine von Stein dauerhaft aufgerichtete Hütte wird darum, so gut unterhalten, wohl noch mancher Regenzeit trotzen. Dorthin magst Du René führen. — Keiner der Eingeborenen getraut sich den Platz zu betreten und die Weißen könnten wochenlang ihre Zeit vergeuden, ehe sie ihn auffänden. Hier dieser Korb mit Provisionen wird ausreichen, wo nicht, findet sich schon wieder einmal Gelegenheit neue Zufuhr hinaufzuschaffen, obgleich ich fest überzeugt bin daß sich das Schiff keine vierundzwanzig Stunden an der Insel aufhält.«
»So will ich zum Haus gehn und meine Waffen holen,« sagte René.
»Sie sind in diesem Korb,« erwiederte ihm aber der Greis — »es ist auch weit besser daß Sie sich gar nicht wieder am Hause blicken lassen, denn neugierige Augen folgten Ihnen doch, und wenn ich auch nicht glaube daß Einer der hiesigen Leute zum Verräther werden würde, so ist es doch, wie gesagt, besser ihnen auch selbst die Möglichkeit zu nehmen verführt zu werden. Gehn Sie gleich von hier ab, und Prudentia kennt die Richtung gut genug, so weiß kein Mensch wo Sie geblieben sind. Aber Prudentia muß auch, so schnell als nur irgend möglich wieder zurückkehren, und ich hoffe daß dieser Kelch glücklich an uns vorübergehen wird.«
»Lieber, väterlicher Freund —« sagte der junge Mann gerührt, und streckte dem Greis die Hand entgegen. Dieser aber wollte auch die jungen Leute nicht sehen lassen wie weh und ängstlich ihm selber, trotz seiner angenommenen Zuversicht, zu Muthe war, und sagte mit einem wohl etwas erzwungenen Lächeln:
»Keinen Abschied, René — das Ihiamoea liegt nicht am andern Ende der Welt, daß wir —«
»Ich muß Sie hier wohl aufsuchen, Bruder Osborne!« sagte in diesem Augenblick, dicht hinter ihnen die Stimme des Bruder Rowe mit zwar ruhigem aber doch etwas scharfem Ton — »wenn ich überhaupt Abschied von Ihnen nehmen will — Sie scheinen ganz vergessen zu haben daß ich im Begriff bin aufzubrechen.«
Die drei Menschen schauten sich um als ob sie auf einem Verbrechen ertappt wären, und das kalte, theilnahmlose Gesicht des Priesters war ebenfalls nicht geeignet jedes unangenehme Gefühl solcher Ueberraschung zu mildern. Der Geistliche schien dies aber gar nicht zu bemerken, oder wenn er es bemerkte, zu beachten; gegen Sadie die Hand ausstreckend legte er dem Mädchen, das seine Rechte ergriff und küßte, wie segnend die Linke auf das Haupt, neigte dann seinen Kopf gegen René, der diese kalte Höflichkeit ebenso formell erwiederte, und ging, Mr. Osborne’s Arm nehmend, mit diesem nach der Landung hinunter.
»Und nun komm,« flüsterte Sadie, als das dichte Guiavengebüsch die Männer ihren Blicken entzogen — »nun komm René und gebe Gott daß ich Dir recht recht bald die frohe Botschaft Deiner Erlösung bringen kann.«
Wenige Secunden später schloß sich der Wald hinter ihnen, und der kleine freundliche Platz lag still und einsam im Schatten seiner rauschenden Palmen.
Der Missionscutter war indeß zur Abfahrt gerüstet, Bruder Rowe traf noch einige Anordnungen zu dem nächst zu haltenden Osterfest zwischen den Insulanern und verließ dann, mit einem frommen »Der Herr segne und behüte Euch« — die Insel.
Mr. Osborne hatte kein Wort gegen ihn erwähnt, daß das Schiff was die Insel passirt war, dasselbe Fahrzeug sei, von dem René entsprungen war — er hielt es für besser die Sache mit keiner Sylbe weiter zu berühren. Auch Bruder Rowe kam nicht wieder auf die Verheirathung der beiden jungen Leute zurück; er mochte auch wohl einsehen, daß jede weitere Vorstellung oder Einsprache unnütz sein würde.
Der Cutter war zuerst nach Mitiaro bestimmt, der ehrwürdige Mann hatte aber vorher die Indianer die ihn führten noch beordert in dem Binnenwasser der Insel am Ufer hinaufzuhalten, da er zuerst noch einmal den König an der andern Seite zu besuchen, und Rücksprache mit ihm über eine Betversammlung zu nehmen habe.
Capitel 7.
Der Verrath, und wie sich beide Theile dabei irrten.
Am nördlichen Ufer der Insel war indessen Alles in Aufregung, denn das Wiedererscheinen des Schiffes, an das keiner der Insulaner fast mehr gedacht hatte, bot Ursache genug das sonstige Stillleben zu unterbrechen, hätten Manche von ihnen auch gerade nicht Grund gehabt zu wünschen, daß es seinen Weg nicht wieder hierher gefunden habe.
Der König dachte natürlich mit einiger Beunruhigung an die Geschenke, die er unter der Bedingung überliefert bekommen hatte, den Flüchtling einzufangen und wo waren diese Sachen jetzt alle geblieben? — wo war der Flüchtling? — Wer aber konnte auch wissen daß das Schiff nach so langer Zeit zurückkehren würde, und eine Ausrede war bald gefunden. Als der erste Harpunier wieder wie früher an Land kam und nach dem Mann frug, erwiederte ihm der rasch herbeigeholte Raiteo — denn der König schämte sich vielleicht vor seinem eigenen Volk, dem weißen Mann etwas vorzulügen — mit keineswegs christlicher Unverschämtheit, sie hätten den Flüchtling damals eingefangen und drei volle Wochen auch eingesperrt gehalten und gefüttert, wie aber das Schiff gar nichts mehr habe von sich hören oder sehen lassen, da seien sie endlich genöthigt gewesen ihn wieder frei zu lassen. Seit der Zeit sei er aber ebenfalls verschwunden und sie glaubten er wäre mit einem kleinen Schooner, der neulich einmal die Insel anlief, nach Tahiti oder einer der dortigen Inseln gezogen.
Das Ganze schien wahrscheinlich genug, dennoch war der alte Seemann zu bekannt mit diesem Volk um ihnen sogleich, auf die erste Bestätigung hin, die erste beste Geschichte auch zu glauben. Sie hatten einmal den Fanglohn weg, den der fa-u jetzt, wie Raiteo mit vieler Geistesgegenwart weiter log, für die so lange Unterhaltung des Gefangenen beanspruchte, und er sah wohl ein, daß er auf’s Neue einen Preis aussetzen mußte. Auch hierin schien er wieder Schwierigkeiten zu finden, aber aus den langen Unterhandlungen die nach den neuen Versprechungen gehalten wurden, merkte der alte Harpunier deutlich genug daß der Matrose noch jedenfalls auf der Insel sein mußte, und der Sache ein Ende zu machen, denn die Sonne neigte sich schon ihrem Untergang, bot er dem König funfzig spanische Thaler — ein wahrer Reichthum für seine Verhältnisse — wie noch andere Güter die er mit im Boot führte, wenn er den Entsprungenen noch diesen Abend, oder wenigstens diese Nacht in seine Hände liefere.
Raiteo ließ sich die Summe zweimal wiederholen und sogar, ganz sicher zu sein, an den Fingern vorzählen, denn er traute seinen eigenen Ohren kaum eine so ungeheuere Quantität baaren Geldes — ohne alle die übrigen Herrlichkeiten — in den Bereich ihres Arms zu bringen. Trotzdem schüttelte aber der fa-u mit dem Kopf — er wollte mit der Sache, der sich sein alter Freund der Missionair angenommen hatte, nichts mehr zu thun haben, und sagte Raiteo er möge die Fremden bedeuten den Mann selber zu suchen, wenn sie glaubten daß er noch hier auf der Insel sei.
Der Harpunier nahm jetzt den Burschen, dem er wohl ansah zu was er mit Geld gebracht werden konnte, in Englisch vor, und bot ihm die Summe allein, wenn er ihm den Flüchtling diese Nacht ausliefern wolle. Hiergegen erklärte ihm aber Raiteo ganz offen der Mann sei allerdings noch da, so geschwind ließe sich das aber unter keiner Bedingung anstellen. Er habe die Zeit über, am andern Ende der Insel, auf der Mission gewohnt, das Schiff als es von dort heraufkam aber auch jedenfalls sehen können, und sei jetzt wieder irgendwo im Wald versteckt, wo er allein morgen wenigstens den ganzen Tag brauchen würde ihn nur aufzuspüren, und selbst dann sei es eine schwierige Sache, da der König nichts damit zu thun haben wolle, und er selber nachher, vielleicht seines Lebens auf der Insel nicht wieder froh würde. Er verdiene gewiß gern den hohen Preis, wenn sich aber weißer Mann Capitain nicht dazu entschließen wollte zwei drei Tage auf der Insel zu bleiben und auch womöglich noch mehr Leute herüberzubringen, so sehe er keine Möglichkeit seinen Zweck zu erreichen.
Das ging nicht an, das Schiff hatte sich überdies schon, durch einige Spermfische gerade damals aufgehalten als sie wieder nach Norden auf kreuzen wollten, in der Jahreszeit verspätet, und der Capitain erst nicht einmal, trotzdem daß sie die Insel passirten, wieder anlaufen wollen, aber jedenfalls nur bis nächsten Morgen mit Tagesanbruch den äußersten Termin gesetzt — war es bis dahin nicht möglich den Mann wieder zu bekommen, so mußten sie es aufgeben, und der alte Seebär wollte sich eben, mit einem zwischen den Zähnen durchgebrummten Kraftfluch hineingeben und an Bord zurückkehren, als der kleine Missionscutter in Sicht kam und das hinten angehängte Boot gleich darauf den ehrwürdigen Mr. Rowe an Land brachte.
Der Missionair hatte noch einiges mit dem fa-u zu bereden und der Harpunier zögerte einen Augenblick am Ufer — er konnte die Schwarzröcke nicht gut vertragen, aber eine Frage that auch keinen Schaden, und der Mann kam gerade von dort her, wo sich der Flüchtling aufgehalten.
Bruder Rowe fühlte vielleicht eine gleiche Sympathie für diese Art Leute, er war aber nichts destoweniger freundlich gegen den Seemann, und beantwortete seine Fragen auf das leutseligste aber ausweichend. — Raiteo der mit offenem Munde dabeistand, kam es vor, als ob er mit der Sache nichts zu thun haben wolle, denn darum wissen mußte er.
»Sehn Sie, Mr. — wie mag Ihr Name sein?« —
»Rowe.« —
»Ah — Mr. Rowe,« sagte der alte in seinem Geschäfte schon ergraute Seemann — indem er fast unwillkürlich neben dem langsam längs dem Strande hergehenden Priester herschritt, wodurch sie sich von Raiteo, der ihnen ja nicht folgen durfte, entfernten. »Es ist nicht wegen dem einen Burschen daß wir uns solche Mühe geben ihn wieder zu bekommen — was das belangt, so könnten wir eher noch zwei dazu entbehren, ehe wir gerade jetzt einen einzigen Tag hier versäumten, aber es ist wegen dem bösem Beispiel — sehn die Canaillen daß sie fortkommen können, dann läuft uns auf den Sandwichsinseln nachher am Ende der ganze Schwarm davon. Kriegen wir aber so einen Burschen wieder, und auch schon während wir uns Mühe danach geben, so sehen doch die Andern daß es ihnen nicht so ganz leicht gemacht wird und hingeht, und besinnen sich zweimal, eh’ sie die Beine in die Hand nehmen. Auf den Preis kommts uns dabei nicht an, denn kriegen wir sie nicht, so bezahlen wir ja auch Nichts, als vielleicht ein Bischen Lumperei an Spielkram, und kriegen wir sie, nun dann müssen sie’s selber von ihrem Theil abtragen.«
»Haben Sie einen hier von den Insulanern, dem Sie glauben vertrauen zu können?« frug ihn der Missionair jetzt, und drehte sich, wie im Gespräch, halb nach ihm um, zu sehn ob ihnen Niemand folge. — »Könnten Sie einen der Leute hier bewegen Sie zu führen?«
»Führen? — gewiß,« brummte der Harpunier — »wenn ich nur wüßte wohin.«
»Ich kann mich, meiner Stellung wegen, nicht mit solchen Sachen befassen,« erwiederte ihm indirekt hierauf der Geistliche — »Sie werden aber auch wohl als vernünftiger Mann einsehn, daß es mir nicht gleichgültig sein kann dabei, meist gewissenlose Menschen zwischen die, kaum einem etwas civilisirten und religiösen Leben gewonnenen Insulaner geworfen zu sehen.«
»Nein gewiß nicht — kann ich mir denken — ist ganz natürlich« — brummte der Harpunier dabei zwischen den Zähnen durch, und warf nur manchmal einen Seitenblick auf den Geistlichen, als ob er hätte sagen wollen: »nun was steckt dahinter? — wo will der hinaus?«
»Mir liegt also,« fuhr Bruder Rowe hier wieder fort — »gewissermaßen ebensoviel daran den entsprungenen Matrosen wieder von hier zu entfernen als Ihnen daran gelegen ist ihn wieder zu bekommen.«
»Ja sagen Sie mir nur wie!« platzte der Alte, dem die Vorrede zu lange dauerte, heraus.
»Unter der Bedingung daß Sie meinen Namen nicht dabei nennen, und auf eine Entschuldigung oder vielmehr Ausrede, dem Eingeborenen gegenüber, den Sie zu Ihrem Führer nehmen, denken wollen, kann ich Ihnen den Platz so genau angeben wo er versteckt ist, daß Sie nicht die mindeste Schwierigkeit haben werden ihn zu finden — ja noch mehr, der Ort liegt so vortrefflich ihn zu umstellen, daß Sie, wenn Sie Ihre Maßregeln gut treffen, ihn sicher in Ihre Gewalt bekommen müssen.«
»Aber was soll ich dem alten Fuchs dem Raiteo weiß machen,« sagte der Harpunier sinnend, »er hat gesehn wie wir jetzt hier miteinander sprechen und ich kann es ja nicht gut von irgend einem Andern gehört haben.«
Der Missionair blieb einen Augenblick stehn — dann sagte er bedächtig:
»Machen Sie sich nachher mit einem meiner Bootleute etwas zu schaffen und sprechen Sie mit ihm über irgend einen Gegenstand. — Sie können Raiteo dann sagen daß Sie es von dem erfahren haben; ich bin ziemlich fest überzeugt daß ihn Raiteo nicht wieder danach fragen wird.«
»Und wo ist der Platz?« frug der Harpunier.
»Erkundigen Sie sich bei Raiteo,« sagte der Geistliche leise — »ob er ein Haus Namens Ihiamoea auf der Insel kennt. — I-hi-a-mo-e-a — können Sie den Namen behalten?«
»Er ist verdammt lang,« brummte der Harpunier — »I-hi-ma-nu«.
»I-hi-a-mo-e-a,« wiederholte der Missionair.
Der Harpunier repetirte das Wort ein paar Mal leise vor sich hin und sagte dann:
»Ich denke so wird’s gehn, und da steckt er also — aber kennt Raiteo den Ort?«
»Genau genug,« lautete die Antwort. »Sie werden ihm aber einen guten Lohn versprechen müssen, denn die Insulaner haben eine gewisse Scheu vor jener Gegend.«
»Er soll die ganzen funfzig Dollars haben wenn er uns heute Abend noch hinführt!« rief der Seemann rasch — »und Gott straf mich — noch Alles in Sachen dazu, was im Boot liegt — wenn wir den Kerl nur kriegen. Ich habe noch außerdem mein besonderes Gift auf ihn.«
»Gut, dann verlieren Sie keine Zeit mehr,« sagte der Missionair, wieder nach den Gebäuden, wo noch die übrigen standen, zurückkehrend. »Können Sie sich aber auch auf Ihre andern Leute verlassen, daß Sie am Ende nicht, anstatt Einen zu fangen, das Uebel noch verschlimmern und mehre dabei einbüßen?«
»Wir sind diesmal gescheuter gewesen, als das erste Mal,« erwiederte der Harpunier — »und haben gar keine Matrosen, sondern nur Officiere im Boot zum Rudern mitgenommen — die Leute sind sämmtlich Harpunier oder Bootsteurer, die laufen schon seltener weg, weil sie weit höhern Antheil bekommen und auch überhaupt eine Carriere zu machen haben — es sind nur die verwünschten Matrosen die durchbrennen, weil sie sichs gewöhnlich ein Bischen zu hübsch auf einem Wallfischfänger gedacht haben.«
Sie waren indessen wieder zu des Königs Hause gekommen, welches der Missionair jetzt betrat das Wetter abzuwarten, das gerade im Osten heraufzog und schon mit drohenden Wolken über dem Horizont hing. Der Harpunier wechselte indessen mit seinen Leuten einige Worte, und ging dann nach den beiden mit dem Cutter gekommenen Insulanern zu, die unfern ihres eigenen Bootes auf den Corallen saßen und sich eine kleine Cigarre aus ihrem inländischen Tabak und Bananenblättern drehten. Er blieb einige Zeit bei diesen stehn, und ging dann, als er Raiteo gerade über sich am Rande des Gehölzes bemerkte, rasch auf diesen zu.
»Raiteo,« sagte er hier dem aufmerksam Zuhorchenden — »willst Du in dieser Nacht Dein Glück machen und ein reicher Mann werden? Du kannst funfzig Dollar und den ganzen Plunder verdienen der da im Boot liegt.«
»In dieser Nacht?« erwiederte Raiteo kopfschüttelnd — »habe weißen Mann Capitain schon gesagt daß es so schnell nicht geht — und ist immer ein bös Stück Arbeit — kann nicht.«
»Aber Du kannst« — sagte der Harpunier — »kennst Du ein kleines Haus hier irgend wo auf der Insel, das sie I-hi warte einmal — verdammt — I-hi-mano —«
»Ihiamoea?« sagte Raiteo rasch und leise und sah den Fremden erstaunt an — »und ist der weiße Mann im Ihiamoea?«
»Verdamme mich, wenn Du den Namen nicht wie am Schnürchen hast,« lachte der Wallfischfänger — »Ihiamoea kannst Du uns dorthin noch heute Abend führen?«
»Und wer hat Euch den Platz angegeben?« frug der Insulaner, und seine Augen suchten fast unwillkürlich die Stelle wo der Missionair noch vor dem Hause des fa-u stand.
»Einer der Burschen dort im Boot,« erwiederte ihm der Seemann — »sie wollens aber nicht gern wissen lassen, daß die Nachricht von ihnen kommt — ich hab’ ihnen fünf Dollar dafür gegeben.«
»Hm« — brummte Raiteo und schaute nach den Bootsleuten hin, die ruhig und abwechselnd ihre kleine dütenförmige Cigarre rauchten, und wieder nach dem Missionair hinüber; dann aber, den Kopf zurückwerfend als ob er hätte sagen wollen »was gehts mich an« gab er dem Harpunier ein Zeichen ihm etwas weiter in den Wald hinein zu folgen, und hatte nun mit diesem in wenigen Minuten das Nöthige besprochen. Das Ihiamoea war ein kleines niederes Gebäude mit einem Gemach und zwei Ausgängen, das oben auf einem der Hügel, im wildesten Dickicht und dichtesten Walde lag; aber auf einem etwa funfzig Schritt breiten, vollkommen freien Raum stand, und also mit größter Leichtigkeit umzingelt und besetzt werden konnte. In etwa anderthalb Stunden konnten sie es von hier aus erreichen und das aufsteigende Wetter begünstigte jedenfalls ein solches Unternehmen. Raiteo aber, so gierig er war das Geld zu verdienen, scheute sich eben so sehr seinen Namen dabei genannt zu wissen, als der Missionair. Er zeigte ihm deshalb jetzt den Pfad, auf dem sie sich gerade befanden, und der durch eine dichte Pandanus-Niederung hinführte — diesen sollte der Harpunier mit seinen Leuten, sobald es dunkelte, etwa 300 Schritt weit folgen, und dann pfeifen, und Raiteo würde ihn von da bis zu dem Haus führen und ihm angeben wie er es umstellen könne — in das Haus aber bedung er sich gleich von vorn herein aus, ging er nicht hinein; »die alten hier unten vertriebenen Götter saßen noch dort oben darin, und wenn sie auch einem weißen Mann wohl nichts anhaben konnten, so liefe doch ein Eingeborener die tödtlichste Gefahr an Leib und Seele.«
Ueber die Ausbezahlung wurden sie ebenfalls einig, Raiteo bekam fünf Dollar im voraus, was ihn soviel gieriger auf das übrige machte, und der Rest sollte ihm ausbezahlt werden, wenn sie den Entsprungenen gebunden in ihrer Gewalt hätten.
Der Abend setzte ein, wie es das Wetter klar genug angedeutet; einzelne Windstöße und Regen was vom Himmel herunter wollte. Der Wallfischfänger war indeß näher herangekommen, wo er durch das hohe Land gegen die Böen ziemlich geschützt lag und sich nicht in der mindesten Gefahr befand auf die Klippen getrieben zu werden, von denen ihn Wind und Strömung zugleich absetzten; in kurzen Gängen war es nur eben Alles was er thun konnte, daß er sich auf seiner Stelle hielt.
Der Missionair hatte die Insel ebenfalls nicht verlassen, obgleich er lieber der durch ihn gewissermaßen herbeigeführten Katastrophe aus dem Wege gegangen wäre; auf See aber etwas ängstlich fürchtete er das Wetter möchte noch schlimmer werden und wollte sich da nicht in seiner Nußschaale von einem Fahrzeug den Wogen anvertrauen.
Das Zeichen für den Harpunier an Bord zu kommen, wenn etwa in der Nacht möglicher Weise etwas vorfiele, sollten zwei Kanonenschüsse sein.
René war indessen durch seine liebe Führerin glücklich an den Ort seiner Bestimmung gebracht und schon der Weg dahin überzeugte ihn, daß Europäer den Platz nimmer in wenigen Tagen auffinden könnten, hätten sie selbst gewußt daß ein solcher Schlupfwinkel hier existire, und von den Insulanern konnte ja auch keiner glauben daß ihm diese Stelle bekannt sei. Ebenso hatte er das aufsteigende Wetter bemerkt, und nicht ohne Grund durfte er hoffen daß es den Wallfischfänger zwingen konnte, die Insel vielleicht sogar eher zu verlassen, als er im Anfang beabsichtigt. Daß aber auch Sadie nicht von dem Wetter überrascht werde, trieb er diese selber mit zärtlicher Besorgniß zum schleunigen Heimweg an, und das schöne Mädchen flog mehr als sie ging den Pfad zurück, denn sie wußte ja daß sie, je eher sie wieder am Hause sei, desto sicherer auch den geringsten Verdacht niederschlagen müsse, der Fremde habe einen so weitentlegenen Platz als das Ihiamoea zu seinem Zufluchtsort gewählt. — An den Missionair dachte Niemand.
Der Platz selber war für so kurzen Aufenthalt wohnlich genug; gegen Wind und Regen vollständig durch ein gutes Dach und fast fußdicke vielleicht sechs Fuß hohe Steinmauern geschützt, lag selbst eine breite aus dem dortigen Schilfgras geflochtene Matte in der Mitte der Hütte — ein Beweis mehr daß der alte Missionair recht hatte wenn er glaubte, der christlichste König dieser Insel hänge noch etwas an dem alten Heidenthum. Doch wie dem auch sei, es kam René hier vortrefflich zu statten.
Vor allen Dingen sah er jedoch nach seinen Waffen, steckte sein Messer in den Gürtel, den er immer trug und untersuchte die Terzerole — aber der alte Mann hatte in der Eile das Pulverhorn vergessen, und wenn auch das Pulver noch ziemlich trocken aussah, war ihm doch nicht viel zu trauen.
»Nun ich werde sie hoffentlich nicht brauchen,« murmelte er leise für sich hin — »besser wär’s aber doch ich wüßte sie sicher — es giebt Einem immer mehr Zutrauen eine gute Waffe in der Hand zu haben.« Bei den Waffen lagen aber auch eine Masse Lebensmittel und mit doch weiter keiner anderen Beschäftigung machte er sich über den Korb her, die Leckerbissen vorzunehmen, die ihm der gute alte Mann, mit einem paar Flaschen Wein und Cocosnußmilch zusammengemischt, eingepackt hatte.
So vergingen ihm die Stunden rasch — ein paar Mal trat er in die vordere Thür der Hütte, vielleicht einen Blick in’s Freie zu gewinnen, aber der Wald umgab das kleine Heiligthum einer früheren Zeit hier zu hoch und dicht, auch nur einen Blick über dessen äußerste Grenzen zu gestatten, und er warf sich zuletzt, ermüdet vom Umhergehn in so engem Raume, auf die Matte, und schaute träumend auf die kahlen Steinwände, die in früherer Zeit wohl Zeuge mancher wildromantischen Scene, vielleicht manchen furchtbaren Opfers gewesen waren.
»Und wo seid Ihr jetzt — Ihr stolzen Herrscher dieser Haine — Oro, Du kriegerischer Gott, Hiro, Du schlauer Beschützer der Diebe, Teroro, Du Sturmerwecker, Tane, Du Herrlicher und Ihr Alle, Alle, die Ihr früher in dem Rauschen der Palmen, in dem Donnern der ewigen Brandung zu Euern Kindern spracht? — Sie haben sich losgesagt von Euch, umgeworfen Euere Altäre, in den Wind verweht selbst Eure Namen, und das Kreuz, von einzelnen Fremden aufgepflanzt, hat wie mit einem Schlage Euer Jahrhunderte bestandenes Reich vernichtet. Aber solltet Ihr auch diese Haine, die einst Eure Macht sahen, so schnell und leicht haben verlassen können? wandelt Ihr vielleicht nicht selbst jetzt noch in den dunklen Schatten der Fruchtbäume, um die Stellen wo früher Euere Altäre gestanden, und schauet mit finsterem Groll auf die Tempel eines neuen Gottes, vor dem Euere abtrünnigen Kinder jetzt ihre Kniee beugen? Umschwebst nicht Du selbst, furchtbarer Oro diese Dir einst, ja vielleicht selbst jetzt noch geweihte Stätte, und blickst zürnend auf den Fremden nieder, der sich, ein ungeladener Gast über Deine Schwelle gedrängt hat? — Zürne mir nicht, hätte nur ich, von all den weißen Fremden diese Ufer betreten, Du herrschtest noch hier, in all Deiner Herrlichkeit, ich hätte Deinem Volke seine Götter und seinen Frieden gelassen, und wer weiß ob sie nicht glücklicher — besser geblieben wären.«
Lange noch lag er sinnend und träumend auf der Matte, bis die einbrechende Nacht ihre Schatten niedersandte, und mit diesen der Regen laut und schallend auf das schilfige Dach der Hütte niederschlug. War er hier aber auch vor diesem geschützt, so fand er doch eine andere Plage — eine wahre Unzahl von Mosquitos stellten sich schon mit der Dämmerung ein, und umschwärmten ihn jetzt als sicher unverhoffte und gute Beute zu Tausenden.
Im Anfang suchte er sich ihrer zu erwehren, zuletzt aber gab er das auf und streckte sich, nur sein Taschentuch über das Gesicht breitend, auf die Matte aus, der Nacht so viel Schlaf als möglich abzustehlen. Er fühlte sich vollkommen sicher daß der Wallfischfänger, wenn er überhaupt noch an der Insel sei, diese Nacht gewiß Nichts unternehmen werde ihn wieder zu bekommen, und ärgerte sich fast, die bisherige Wohnung und Sadie’ens Nähe verlassen zu haben.
Eine Stunde hatte er etwa so gelegen, aber er war nicht im Stande einzuschlafen, die Mosquitos trieben es zu arg, und schienen fortwährend in neuen unersättlichen Schaaren heranzuströmen.
»Das ist ein schöner Polterabend,« brummte er leise vor sich hin — »und mein armes Mädchen sitzt indeß allein daheim und ängstigt sich um den fernen Freund — ha! —«
Er fuhr in die Höh’ und horchte, schüttelte aber dann lächelnd mit dem Kopf und murmelte:
»Das war wie in alter Zeit, als ich noch mit Adolphe in Canadas Wäldern jagte — das klang genau wie sein Jagdruf — der schrille Ton einer kleinen, an der französichen Küste heimischen Möve.«
»Aber Wetter noch einmal!« rief er plötzlich in einiger Unruhe aufspringend — »und wenn das nun doch am Ende Adolphe selber — aber es ist ja nicht möglich — wie hätte er diesen Ort auffinden können.«
Nichtsdestoweniger tappte er nach seinen Waffen herum, die neben ihm auf der Matte lagen, und steckte sie zu sich. Der Regen hatte jetzt für kurze Zeit nachgelassen, und nur die schweren Tropfen fielen draußen noch von den Zweigen nieder. Schlafen konnte er doch nicht, also stand er auf und ging an die Thür die, halbangelehnt, ihm einen Blick auf den kleinen freien, jetzt von dem auf wenige Momente vorbrechenden Mond erhellten Platz gewährte; ha dort drüben bewegte sich beim ewigen Gott eine Gestalt — Wild konnte es nicht sein, das gab es ja nicht auf diesen Inseln. Eine dunkle Wolke legte sich wieder über den Mond und hüllte Alles in tiefe Nacht, als aber René, das gespannte Terzerol krampfhaft fest in der Faust mit spähendem Blick und lauschend vorgebeugtem Oberkörper da stand, erkannte er deutlich zwei dunkle Gestalten die über den Plan, grade auf ihn zu glitten. —
»Verrath!« murmelte er leise zwischen den Zähnen durch, und mit Blitzesschnelle in das Haus zurückspringend, gewann er die andere Thüre. Aber in demselben Moment fühlte er sich von drei eisernen Armen zu gleicher Zeit gepackt und es war ein Glück für wenigstens einen der Fänger, daß das Terzerol versagte, denn gerade gegen das Ohr des Harpuniers gepreßt hatte es René abgedrückt.
»Teufel!« schrie er, als er es von sich werfend sein Messer zu ziehen suchte — umsonst, die Uebermacht war zu groß, und wenige Minuten später lag er, an Händen und Füßen gebunden, in der Gewalt seiner Feinde am Boden.
»Damn it mein Bürschchen,« lachte der alte Harpunier in aller Freude über den gelungenen Fang, »ich hatte heute Abend, als ich auf den Regen fluchte, nicht geglaubt daß er mir mit Deinem Pulver zu gleicher Zeit einen so guten Dienst erweisen würde — das war jedenfalls gut gemeint, ich rechne Dir’s aber nicht an — hätte dasselbe an Deiner Stelle gethan; nun sei aber auch vernünftig und wehr Dich nicht nutzlos mehr — wir sind hier unserer sieben gegen einen, und Du wirst begreifen daß da doch jeder Widerstand nutzlos ist.«
»Mordet mich!« schrie aber René mit aller Kraft der Verzweiflung gegen seine Banden und die Arme die ihn niederhielten, ankämpfend — »mordet mich, wie Ihr mein Glück zerstört habt, aber beim ewigen Gott, Ihr sollt mich nicht lebendig von dieser Insel nehmen.«
»Das käme auf einen Versuch an,« sagte der Harpunier kaltblütig — »willst Du denn gar keine raison annehmen, so haben wir uns schon so viel Mühe um Dich gegeben, daß wir Dich nun auch wohl das kleine Stückchen Wegs noch tragen können. Nehmt ihn auf Leute — nehmt ihn auf — oh wenn er gar so sehr strampelt — hier ist noch Leine genug zwanzig solche Bürschchen förmlich damit einzuwickeln — so das thuts — noch eins um die Füße, und nun nehmt ihn auf und fort damit — da kommt schon wieder ein neuer Regenschauer; daß die Pest ein solches Land hole.«
»Ja wohinaus gehts aber jetzt?« sagte Einer der Leute, nachdem sie den sich wüthend Sträubenden aufgehoben hatten — »ich weiß den Weg nicht mehr.«
Der alte Harpunier sah sich einen Augenblick selber verdutzt in der Dunkelheit um. —
»Damn it,« brummte der Alte, »jetzt bin ich auch confus geworden — welchen Cours sind wir denn eigentlich heraufgesteuert. Wo ist denn die verdammte Bestie von Insulaner — he Raiteo, Canaille verwünschte — wo steckt der Satan?«
»Verrathen und verkauft,« knirrschte René zwischen den zusammengebissenen Zähnen hindurch, als er von der verzweifelten Anstrengung zum Tod erschöpft zurücksank und sich jetzt willenlos forttragen ließ. — Nicht weit von ihm ab antwortete aber ein leiser Pfiff. Es war der Insulaner, der dort auf die Seeleute, außer dem Bereich des Ihiamoea, wartete, und schweigend führte er den Zug den steilen schlüpfrigen Pfad wieder zurück nach dem Landungsplatz.
Der Regen goß jetzt förmlich in Strömen nieder, wenn auch der Wind für den Augenblick etwas nachgelassen hatte, als sie aber oben die Pandanus-Niederung erreichten, und nun auf ebener Bahn, auf dem scharfen Corallensand, dicht am Ufer einer der kleinen zahlreichen Lagunen oder Binnenseeen hinschritten, dröhnten laut und mahnend die beiden Kanonenschüsse von Bord des Delaware zu ihnen herüber. — Fast unwillkürlich hielten die Leute einen Moment, der Harpunier aber rief:
»Vorwärts, meine Jungen, vorwärts, wir kommen gerade zur rechten Zeit — Wetter noch einmal, das war abgepaßt, eine Stunde später und wir hätten die ganze Geschichte aufgeben müssen.«
»Was mögen sie an Bord haben?« frug Einer der anderen Harpunier.
»Wahrscheinlich wird dem Alten der Wind zu bunt,« lachte der Harpunier, »und jetzt ists gerade eine hübsche ruhige Zwischenzeit an Bord zu fahren — rasch Ihr Leute, da vorn seh’ ich schon die Hüttenfeuer.«
Ein neuer Hoffnungsstrahl blitzte vor René’s Seele auf — wenn ihn auch Einer der Insulaner verrathen hatte, waren ihm doch fast alle Anderen gewogen und wer weiß ob sie ihn, wenn er sie anriefe, so vor ihren eigenen Augen wegschleppen ließen. Soviel hatte er, während seines Aufenthalts auf der Insel auch schon von der Tahitischen Sprache gelernt, und als er die ersten Stimmen an den nicht mehr fernen Häusern hörte, damit die Leute Zeit bekämen sich zu sammeln ehe die Weißen das Boot gewinnen konnten, schrie er plötzlich mit lauter donnernder Stimme um Hülfe.
»Knebel her!« sagte der Harpunier ruhig aber rasch — »wer hat ihn — Du John?«
»Ja hier« — antwortete der Mann dem Harpunier den Knebel reichend.
»Der Kerl schreit uns am Ende doch noch die Insulaner auf den Hals — wer weiß wen er hier Alles zu Freunden gewonnen hat, und besser ist besser.«
An allen Gliedern gebunden und mit dem Knebel im Mund vermochte der Gefangene sich nicht weiter zu rühren, und gleich darauf erreichten sie den Strand.
Raiteo forderte aber jetzt, ehe sie zu seinen Leuten hinunterkamen, den bedungenen Lohn, denn er wollte sich nicht mit den Weißen zusammen blicken lassen. Ehe sie abstießen gedachte er dann mit einem Bruder von sich, zum Boot zu kommen und die Sachen in Empfang zu nehmen, die dort noch für ihn bestimmt waren.
»Lauft rasch mit dem Burschen da voran, und legt ihn in’s Boot, bis ich den Schuft hier abgefertigt habe,« sagte da der Harpunier zu seinen Leuten — »Wort müssen wir ihm doch halten; und seht zu daß Ihr das Boot flott bekommt bis ich unten bin.« Und während die Leute mit ihrer Last rasch dem Strande zueilten, blieb er neben dem Insulaner stehen und zahlte ihm das Blutgeld. Als er sich von ihm abwandte seinen Leuten zu folgen, glitt Raiteo in die Büsche.
»Höll’ und Teufel,« fluchte jedoch der alte Harpunier als er zum Strand kam und sah wie die Mannschaft mit dem Boot beschäftigt war, das hoch und trocken auf der Corallenbank und wohl funfzig Schritt vom Wasser ab saß — »ob ich es den verdammten Schuften von Insulanern nicht gesagt habe das Boot flott zu halten — und ich glaube beim Teufel, sie haben es noch mehr aufs Trockene gezogen; daß der Böse ihre Seelen verdamme. Hinein damit Jungens — greift unter und tragt es in’s Wasser — werft den Plunder hinaus der vorn darin liegt — der Eigenthümer mag ihn sich holen — wo ist René?«
»Hier am Hause liegt er,« sagte Einer — »Bill und Adolphe stehen Wache bei ihm.«
»Ach was Wache, der läuft jetzt nicht fort — hier Bill — hier Adolphe mit angefaßt und tragt das Boot zu Wasser — hallo meine Jungen alle zusammen — there she comes — a hoy-y. Was zum Teufel macht es so schwer — was liegt da drinne?«
»Es liegt hinten ganz voller Früchte,« antwortete Bill.
»Früchte? hinaus damit, wir haben jetzt keine Zeit uns mit Früchten abzugeben — so — Alles hinaus — hier an die Seite damit, was in Körben ist, können wir nachher wieder hineinwerfen, und hallo hier — einmal eine Parthie von den Insulanern her, die können uns mit helfen, wenn sie uns wieder los werden wollen.«
Von diesen ließ sich aber keiner blicken — der Hülferuf des Unglücklichen, den sie gehört, hatte ihnen das Schicksal desselben verrathen, und wenn sie auch, wie René in letzter Verzweiflung gehofft, keineswegs gesonnen waren ihr Leben daran zu setzen, um ihn wieder zu befreien, so mochten sie doch auch weiter Nichts mit der Sache zu thun haben, vielweniger denn den Fremden selber in irgend etwas behülflich sein.
Dicht am Strand wo die Leute, vielleicht zehn Schritt von dem Boot, den Gebundenen niedergelegt hatten, stand eine kleine Bambushütte, in welcher die Missionäre, wenn sie sich auf dieser Seite der Insel befanden und, vielleicht von einem Wetter überrascht, nicht mehr zu dem Missionsgebäude kommen konnten, gewöhnlich übernachteten. Hierher hatte sich auch, als das Wetter ärger zu werden drohte, der ehrwürdige Bruder Rowe zurückgezogen, ließ sich aber natürlich nicht blicken wie er die Männer mit ihrem Gefangenen ankommen hörte, sondern hielt seine Thür, allerdings nur dünnes Bambusgeflecht, geschlossen. Durch die überall offenen Stäbe der Wände konnte er aber deutlich erkennen was draußen vorging, und der gebundene und geknebelte René wurde solcher Art in nicht zwei Schritten von seiner eigenen Thüre niedergelegt, während die Leute kaum zehn Schritt weiter damit beschäftigt waren das Boot dem Wasser zuzuarbeiten. Bruder Rowe stand dicht hinter der Thür und schaute schweigend und nachdenkend auf den gebunden am Boden Liegenden nieder.
Außer ihm war aber noch eine andere Gestalt ganz in der Nähe, und zwar niemand anderes als das indirekte Werkzeug des ehrwürdigen Herren — Raiteo, der vorsichtig um das Haus herumglitt und die Bewegungen der dicht dabei in dem Boot beschäftigten Männer auf das vorsichtigste beobachtete. — Er hatte seinen Bruder oder irgend einen seiner Freunde schon abgeschickt die ihm noch zukommenden Waaren zu holen, und seine eigenen Gründe sich nicht selber dorthin zu bemühen.
»Schuft? — so?« murmelte er dabei zwischen den Zähnen durch — »erst ist man gut genug weißer Mann Capitain da hinauf zu führen und nachher ist man Schuft; gut — gut Raiteo ist nicht so dumm — Raiteo hat Geld — liegt sicher unterm Baum — Raiteo hat seinen Contrakt erfüllt — jetzt kann Raiteo machen was er will, und jetzt will Raiteo einmal sehn was er machen will.«
Die Wallfischfänger hatten indessen Alles was das Boot schwerer machen konnte hinausgeworfen, und während der Regen wieder in Strömen niedergoß, faßten die sieben kräftigen Gestalten das Boot und schoben es langsam aber in sicherem Fortgang den ersten kleinen Abgang hinunter, wo es wieder durch eine neue Corallenschicht aufgehalten, aber auch über diese endlich weggehoben wurde.
»Die verdammten Schurken von Indianern lassen sich nicht blicken,« sagte der alte Harpunier, keuchend in aller Anstrengung, »aber hol’ sie der Henker, wir brauchen sie auch nicht — munter meine Jungen, munter — denn hinten kommts wieder so schwarz wie Nacht herauf und wir müssen machen daß wir das Schiff erreichen, wenn uns der Alte hier nicht zurücklassen soll, und dann hätte er nachher eine schöne Mannschaft an Bord, ohne alle Officiere.«
Der Delaware hatte eine Laterne ausgehangen und schien, soweit man nach der Bewegung derselben urtheilen konnte, wieder näher zu kommen.
Als sich die Seeleute mit dem Boot von dem Haus entfernten, glitt Raiteo dahinter vor, und wie eine Schlange dicht an den festgebundenen Körper des Gefangenen hinan, wo er, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben und ohne weitern Zeitverlust begann, die verschiedenen Seile mit denen der Körper des Unglücklichen förmlich umwunden war, durchzuschneiden. So leise und geschickt war dies Maneuvre auch, von der Nacht begünstigt, ausgeführt daß der, gewissermaßen dicht davorstehende Missionair, der die Augen doch fortwährend auf den Körper geheftet gehabt, wohl eine Bewegung sah, aber in der ersten Minute gar nicht unterscheiden konnte was es eigentlich sei. René übrigens, der schon jeden Gedanken an Rettung in dumpfer Verzweiflung aufgegeben hatte, und jetzt nur Trost in dem einzigen Entschluß fand, sowie man ihn an Bord seiner Fesseln entledige seinem Leben gewaltsam ein Ende zu machen, fühlte kaum den scharfen Schnitt eines Messers an den Seilen, als ihm wilde fröhliche Hoffnung durch Mark und Seele schoß. Er begriff zugleich die Nothwendigkeit vollkommen regungslos zu bleiben, die Aufmerksamkeit der nur kurze Strecke von ihm entfernten Seeleute nicht auf sich zu ziehen; aber selbst die Secunden die er hier wieder in furchtbarer Erwartung lag, ob nicht doch noch, ehe er den Gebrauch seiner Glieder wieder gewinnen konnte, Jemand von unten heraufkam und der Versuch zu seiner Rettung entdeckt würde — erfüllten ihn mit wahrer Höllenpein.
Raiteo hatte Verstand genug die Füße erst frei zu machen, denn selbst mit gebundenen Händen war in diesem Dunkel die Möglichkeit zu entfliehen da. René drängte es aber den Arm frei zu bekommen, wenigstens sein Messer, das er noch an der Seite fühlte, zu erfassen; der Knebel verhinderte ihn aber auch nur einen Laut von sich zu geben, und Raiteo wollte den nicht entfernen bis er mit allem übrigen im Reinen wäre. Mit den Füßen glaubte er jetzt fertig zu sein und ging an die Arme, ein dünnes Seil, daß er in der Dunkelheit übersehen hatte, hielt jene aber noch zusammen, und René hob die Knie auf es ihm bemerklich zu machen.
»Geh doch einmal Einer hinauf und sehe nach dem Gefangenen,« sagte in diesem Augenblick die Stimme des Harpuniers, die deutlich zu ihnen herüberdrang. Rasche Schritte wurden gegen sie zu gehört, und Raiteo der keineswegs im Sinne hatte seine eigene Person irgend einer Gefahr preiszugeben, ließ den noch immer Gebundenen wie er war, und glitt um das Haus hinum.
Hierdurch wurde es aber auch jetzt dem Missionair, der schon der Bewegung des Gefangenen nach Verdacht geschöpft, klar, daß irgend Jemand an der Befreiung desselben arbeite. Wer, konnte er natürlich nicht erkennen, aber es lag keineswegs in seinem Plan den Mann hier auf der Insel zu behalten, nun es doch einmal soweit gediehen war.
René schloß die Augen und sank zurück in stummer Verzweiflung.