Es waren viel Menschen beflissen ‖ und mannigfach bemüht,
das (Evangelium) in Schrift zu prägen, ‖ damit sie ihren Ruf ausbreiteten;
Zu gleicher Zeit waren sie ‖ darauf bedacht, dass man glänzend
in Büchern darstellte ‖ ihre kühnen Handlungen.
Dabei thaten sie auch die hervorragende That: ‖ sie bewährten ihre Weisheit,
und bewährten ihre Kunst ‖ in des Dichtens Reinheit. 20
Es ist durchaus nach der Regel ‖ so zierlich geredet,
sie haben es so ersonnen, ‖ dass es dunkel und doch wohl zusammengefügt ist;
Sie haben es auch in der Weise gesagt, ‖ dass dem die Bücher nicht überdrüssig wurden,
und der sich wohl zurecht finden konnte, ‖ den es zu lesen gelüstete.
Zu dem Zweck kann man auch genau ‖ mancher Völker
Namen hier nun aufzählen ‖ und besonders namhaft machen.
Vor Allen Griechen und Römer ‖ machen es so geziemend
und richten es ganz zierlich her, ‖ so wie es dir wohl gefällt;
Sie machen es so gerade ‖ und so durchaus schlicht,
es ist so gut in eines gefügt, ‖ genau so wie Elfenbein. 30
Wenn man die Thaten niederschreibt, ‖ dass schafft dem Manne Lebenslust;
gieb auf die Dichtung Acht, ‖ das belebt deinen Geist.
Ist es der Prosa Schlichtheit, ‖ die labt dich gerades Wegs;
oder des Metrums Zierlichkeit, ‖ das ist eine sehr reine Speise.
Sie machen es gar süss, ‖ und messen die (Vers) Füsse,
die Länge und die Kürze, ‖ damit es ergötzlich werde, 20
Sie haben darauf Bedacht genommen, ‖ dass ihnen keine Silbe fehlt,
sie erstreben es nicht anders, ‖ als wie es die Versfüsse verlangen;
Und alle die Zeiten (Quantitäten) ‖ haben sie regelrecht gezählt:
Es misst ohne Ausnahme ‖ eine jede Silbe das abgewogene Mass.
Sie fegen es rein ‖ und mit grosser Sorgfalt
Genau so, wie ein Mann streng ‖ sein Korn reinigt;
Ja dieselben heiligen Bücher ‖ stellen sie so rein dar;
daran liest du dir schöne Lust ‖ ohne irgend welchen Anstoss.
Da es nun so viele Menschen unternehmen ‖ und es in ihrer Sprache aufschreiben
Und sich beeilen und drängen, ‖ ihr Ansehen zu erhöhen, 30
Warum sollen die Franken ‖ allein davon abstehn,
und nicht in fränkischer Sprache versuchen, ‖ Gottes Preis zu singen.
Nicht ist sie (die fränkische Sprache) so an dichterischen Vortrag gewöhnt ‖ und an der Regel Zwang,
doch hat sie geraden Ausdruck ‖ in schöner Einfachheit.
Also bestrebe du dich rasch, ‖ dass schön erklinge 20
Gottes Gesetz ‖ und wohl darin laute;
Dass man es darin singe ‖ und schön vortrage;
Und wir in dem Verständnisse ‖ sicher stehn;
Das lass dir angenehm sein: ‖ so messen es die Füsse ab,
Zeitmass und (metrische) Regel; ‖ das hat Gott selbst gepredigt.
Willst du wohl darauf bedacht sein, ‖ das Metrum zu beachten,
in deiner Sprache eine rühmliche That zu thun ‖ und schöne Verse zu machen,
So strebe immer Gottes Willen ‖ alle Zeit zu erfüllen,
dann schreiben Gottes Jünger ‖ auf fränkisch in regelrechten Versen;
In Gottes süssen Geboten ‖ lass deine Füsse wandeln, 30
nicht lass dir die Zeit dazu abgehn: ‖ so ist sofort ein schöner Vers gemacht;
Dichte [das] immer sorgsam ‖ in diesen sechs Zeitabschnitten,
damit du dich so einrichtest, ‖ dass du in dem siebenten rasten kannst.
Was Christi Worte uns gesagt ‖ und seine Jünger uns erzählt haben,
dem räume ich durchaus den Vorrang ein, ‖ wie ich von rechtswegen soll;
Denn sie haben es vorgetragen ‖ in gar edlen Sprachen, 20
haben es Alles mit Gott ersonnen ‖ und zierlich ins Werk gesetzt.
Das ist angenehm und nützlich ‖ und lehrt uns Weisheit;
ist ein himmlischer Zustand, ‖ darum ist es auch ein ander Ding.
Warum sollen die Franken, wie ich sagte, ‖ allein dazu unfähig sein,
die jenen Völkern in nichts nachstehn, ‖ die wir oben nannten?
Sie sind ganz so kühn ‖ sogar wie die Römer;
auch darf man nicht behaupten, ‖ dass die Griechen ihnen über sind.
Sie besitzen sich zum Nutzen ‖ ebensoviel Klugheit,
in Feld und Wald ‖ sind sie ebenso anstellig; 30
hinlänglich reich, ‖ auch sind sie sehr unternehmend,
zu den Waffen behend ‖ sind die Helden alle.
Sie bebauen mit reichen Mitteln ‖ —und waren stets daran gewöhnt—
ein gutes Land; ‖ das lässt sie nicht zu Schanden werden.
Es ist sehr fett, ‖ genugsam ist es bekannt
durch mannigfaltige Erzeugnisse; ‖ aber nicht durch unser Verdienst.
Zu nützlichem Gebrauche gräbt man da auch ‖ Erz und Kupfer
und wahrlich auch ‖ Eis-Steine; 20
füge dazu ferner noch ‖ Silber genug,
auch lesen sie da im Lande ‖ Gold in ihrem Sande.
Sie sind beharrlich ‖ in manchem guten Werke,
in mancher nützlichen Beschäftigung; ‖ das bewirkt ihr Verstand.
Sie sind sehr wohl gerüstet ‖ sich ihrer Feinde zu erwehren;
kaum haben jene gewagt anzufangen, ‖ so haben sie sie überwunden.
Kein Volk entzieht sich ihnen, ‖ das an ihr Land grenzt,
sie müssen ihnen alle ‖ um ihrer Tüchtigkeit willen dienen,
Und alle Menschen, ‖ wenn nicht etwa die See dazwischentritt,
(ich weiss, Gott hat es so angeordnet) ‖ alle haben sie vor ihnen Furcht. 30
Kein Volk wagt es ‖ wider sie zu kämpfen;
sie haben es ihnen ganz klar gemacht, ‖ nämlich mit den Waffen bewiesen.
Sie lehrten sie es mit dem Schwerte, ‖ und nicht etwa mit Worten,
mit sehr scharfen Speeren; ‖ darum fürchten sie sie noch so.
Kein Volk lasse es sich einfallen, ‖ mit ihnen zu fechten,
und wären es die Meder oder Perser, ‖ es müsste ihnen schlecht bekommen. 20
Ich las einmal fürwahr ‖ in einem Buch (ich weiss es genau),
dass sie nach Geschlecht und Art ‖ von Alexanders Stamme sind,
Der die Welt so bedrohte, ‖ mit dem Schwerte sie so ganz niederwarf
unter seinen Händen ‖ mit sehr harten Banden;
Und ich fand in der Erzählung, ‖ dass von Macedonien
das Volk bei seiner Geburt ‖ getrennt wurde.
Nicht duldet man unter ihnen, ‖ dass ein König über sie herrscht,
irgendeiner auf der Welt, ‖ den sie nicht daheim aufgezogen haben;
Oder dass auf dem Erdenrunde ‖ ein anderer es versucht
aus irgendeinem Volke, ‖ über sie zu gebieten. 30
Von dem (ihrem Könige) haben sie immer Nutzen, ‖ von seiner Schnelligkeit und Klugheit;
sie fürchten sich vor keinem, ‖ so lange sie ihn in voller Gesundheit haben.
Er ist immer schlagfertig, ‖ wie ein Edeldegen soll,
weise und kühn; ‖ und deren haben sie immer genug.
Er herrscht glorreich ‖ über manche Völker,
und sorgt für sie ebenso edel, ‖ wie für die seinen daheim. 20
Es gibt keinen der ihn verletzt, ‖ so lange ihn die Franken schützen;
der seiner Kühnheit Stand hält, ‖ wenn jene ihn schützend umreiten.
Denn Alles was sie denken, ‖ das wirken sie Alles mit Gott;
sie thun ganz und gar nichts ‖ ohne seinen Rath.
Sie bemühen sich um Gottes Wort ‖ sehr fleissig,
dass sie das lernen, ‖ was ihnen die Bücher berichten;
Dass sie auch in Angriff nehmen, ‖ es auswendig herzusagen.
und sie es auch erfüllen ‖ mit kräftigem Willen.—
Davon ist nun die Rede gewesen, ‖ dass sie tüchtige Krieger sind,
und Gott alle unterthan ‖ und voll Weisheit. 30
Jetzt will ich unser Heil schreiben, ‖ eine Auswahl aus den Evangelien,
so wie wir es hier begonnen haben ‖ in fränkischer Mundart;
Dass sie nicht allein ‖ dessen untheilhaftig sind,
dass man in ihrer Zunge ‖ Christi Lob singt;
Und Er in ihrer Sprache ‖ kräftig gelobt werde,
der sie zu sich geholt, ‖ zu seinem Glauben eingeladen hat.
Ist jemand in ihrem Lande, ‖ der es nicht versteht,
in anderer Zunge nicht ‖ vernehmen kann,
Hier hör’ er stets in Güte, ‖ was Gott ihm gebietet,
was wir ihm hier gesungen haben ‖ in fränkischer Zunge. 20
Nun freue sich jeder darüber, ‖ der wohlwollend
und freundlich gesinnt ist ‖ dem Frankenvolke,
Dass wir Christum besungen ‖ in unserer Zunge,
und wir auch das erlebten, ‖ dass man ihn auf fränkisch pries!