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The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) cover

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Chapter 200: THIEBOLD GART.
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About This Book

A companion anthology assembles representative extracts of German prose and poetry from the fourth to the nineteenth century, chosen to illustrate the literary periods treated in a contemporary scholarly history. It presents original medieval and early‑modern texts alongside modern German renderings, and includes biographical notices, editorial notes, and guidance on transcription, orthography, and layout. Selection principles and chapter headings follow the historian’s framework while certain major figures receive extended treatment, and the volume intermixes poems, prose excerpts, and critical commentary to serve as a practical reading‑book and reference for students and general readers.

THIEBOLD GART.

[Scherer D. 304, E. 303.]

Bürger zu Schlettstadt. Sein Volksstück ‘Joseph’ wurde 1540 von Schlettstädter Mitbürgern aufgeführt und in demselben Jahre das erste Mal gedruckt zu Strassburg. Herausgegeben von E. Schmidt (Strassburg 1880).

SOPHORA.

O wee mein höchster Jupiter,
Cupido du gewaltigster, 20
O Venus, dein gestrenges kind,
Durchtringt mein traurigs hertz geschwind,
Mit scharpffen pfeilen heysser lieb,
Du brünnens[907] fewr, der ehren dieb,
Was bringstu für ein preiss daruon?
Wann du ein weib bezwingest schon,
Ein plede[908] creatuer seer,
Du plinder schütz, wa ist dein ehr?
Mir kam doch in mein keüsches hertz,
Nie semlich[909] vngehörter schmertz,
Als seit der zeit so Joseph kam,
In vnser hauss der heysse flamm,
So bitt ich edle Venus mein,
Gib jm das auch dagegen ein, 10
Vnd aber nim du bald hinweg,
Das du mir gabst, das gross gekläg,
Heu[910] soll ich mir ein sollchen mann,
So hertzlich lassen ligen an
Treib auss deim keuschen hertzen treib,
Die schandtlich lieb, o leydigs weib,
So fast du magst, ja wann ich möcht?
So wer ich auch geschickter lecht[911],
Mich zwingt vnwillig newe macht,
Ein anders hat mein hertz betracht, 20
Ein anders radt mir liebes brunst,
Ich kenn das recht vnd lobs vmb sunst,
Denn ich folg nur dem bösen nach,
Du arme, was ist dir so goch?
Nach disem Hebreischen knecht,
Er ist der thewren frawen zschlecht,
Wa komm ich hin, was foch ich an?
Du schändtlichs fewr, weich weit hindan
Solt mich erbitten liebes lust,
Eim dem mein lieb noch vnbewusst, 30
Wie möcht ichs jmmer vndersthon?
Schamm würd mein mund beschliessen than.
Jetzt weyss ich mir ein freien fund,
Brieff brieff, die müssens machen kundt,
Keyn bessers möcht ich han erdacht,
Er kumpt, O wee die thür die kracht,
Er ists, ich wags vnd solt ich schon,
Eya meins hertzen höchste kron,
Du bists nach dem mein hertz verlangt,
An dir mein leib vnd leben hangt.