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The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) cover

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Chapter 207: NICODEMUS FRISCHLIN.
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About This Book

A companion anthology assembles representative extracts of German prose and poetry from the fourth to the nineteenth century, chosen to illustrate the literary periods treated in a contemporary scholarly history. It presents original medieval and early‑modern texts alongside modern German renderings, and includes biographical notices, editorial notes, and guidance on transcription, orthography, and layout. Selection principles and chapter headings follow the historian’s framework while certain major figures receive extended treatment, and the volume intermixes poems, prose excerpts, and critical commentary to serve as a practical reading‑book and reference for students and general readers.

NICODEMUS FRISCHLIN.

[Scherer D. 310, E. 309.]

Geboren 1547 zu Balingen in Würtemberg, schon 1568 Professor der freien Künste zu Tübingen, 1575 vom Kaiser Maximilian zum Dichter gekrönt und später zum Comes Palatinus ernannt. Wurde dann viel besonders von Seiten des Adels angefeindet und verfolgt, führte daher ein unstätes Leben, ward schliesslich eingekerkert und verunglückte bei einem Fluchtversuch 1590. Er dichtete meist in lateinischer Sprache sechs Comödien und zwei Tragödien; ‘Priscianus vapulans’ 1571; ‘Rebecca’ 1576; ‘Susanna’ 1578; ‘Hildecardis magna’ 1579; ‘Julius redivivus’; ‘Helvetiogermani’ 1589; ‘Phasma’ 1592.— ‘Dido’ 1581; ‘Venus’ 1584. Unter seinen sonstigen Gedichten sind seine ‘Elegien’ und die ‘Hebrais’ die bedeutendsten. Die deutschen Dichtungen gab Strauss heraus (Stuttgart 1857).

AUS DER COMMEDIA JULIUS REDIVIVUS, DEUTSCH BEARBEITET VON JACOB AYRER (herausg. von v. Keller, Stuttgart, 1865).

Hermannus sagt:

Wer seidt jhr dann? so zeigt mirs an!
Ich hets vorhin lengst gern gewüst.

Cicero sagt:

Dises Julius Cesar ist,
Der aller erst Keiser zu Rom,
Vnd Cicero heiss ich mit Nahm,
Ein Meister aller redner Kunst. 10

Hermannus sagt:

Ey schweigt! eur reden ist vmbsunst.
Dise beid, die jhr habt genendt,
Vor Sechzehenhundert Jahrn todt sendt
Vnd in die Erd gescharret sein.
Wo wolt jhr kommen da herein?
Ihr seidt loss vnd verlogen Leut.
Darumb führt sie hin allebeidt!
Ihrer lügen ich schon gnug hab.

Cicero sagt:

Mercurius vns das lebn gab
Vnd hat vns auch drey Monat gebn,
Darinn wir möchten wider lebn,
Zu sehen, wie es stündt im Landt.

Hermannus sagt:

So löset ihn auff jhre Pandt,
Das ich mich bass mit jhn beredt!
Vnd jhr solt mir sagen allbeed,
Wie es steh drunden in der Helln. 10

Julius Cesar sagt:

So viel wir euch vermelten wölln,
Das in der Helle seind zugleich
Beide Jung vnd Alt, Arm vnd Reich,
Auch Edl vnd vnedel drinn fahrn.
Doch dörff wir euch nit offenbarn,
Was bey den thaten heimblich ist.

Hermannus sagt:

So saget mir allein nur dist:
Warumb seidt jhr auff Erden kommen? 20

Julius Cesar sagt:

Das wir so gern haben vernommen,
Wie sich das Teutschlandt hab verkerdt,
Wie es sich bessert vnd gemehrt,
Das es könn Griechisch vnd Latein.

Hermannus sagt:

Keine sprach auff der Erden sein,
Die man nicht auch im Teutschlandt kan.

Julius Cesar sagt:

Was seidt jhr für ein grosse Person, 30
In Eissern Kleidung wol gerüst,
Darinn sich böss zu wehren ist:
Der keine ist gwest bey mein zeitn.
Wie wolt jhr mit den Feinden streitn
Mit disen schweren Instrument?

Hermannus sagt:

Die besten Wehrn diss derzeit sendt.
Meine Feind kan ich Würgen mit
Dardurch wol auff Dreyhundert schrit,
Also das er stracks auffm platz bleibt.

Julius Cesar sagt:

Zu grossem Wunder mich das treibt.
Zu meiner zeit da braucht man Schleiter,
Kondt doch damit werffen nit weiter,
Als etwan ein Zwaintzig schrit weit. 10
Nit wissen wir zu dieser zeit,
Wie dise Waffen gbrauchet wern.

Hermannus sagt:

Ich wil euchs lassen sehen gern.

Er reist die Büchssen rab, spandt sie, schüet Pulffer auff vnnd zeucht den Hannen herrüber vnnd trucket loss. Julius fellt auff die Knie, hebt die Händ auff vnd sagt:

O erschröcklich Gott, sey mir gnädig!
Ob ich mich ghalten vnflätig,
Verzeuch mirs! ich wills nit mehr than. 20
O Cicero, beth den Gott auch an,
Der mit seim schröcklichn Donnerkeil
Vns beidt vmbbringt über ein weil!
Wir haben vns an jhm versündt.

Cicero fellt nider vnd sagt:

Ja wir seind ein weng gwest zu gschwindt,
Das wir nit glauben, was er redt.
Dein Donder mich erschrecken thet,
Das ich nit west, wie mir war gschehen.
Ach das wir etwas köndten sehen, 30
Das wir geben zum Opffer dir!

Hermannus sagt:

Steht auff! ich bin ein Mensch wie jhr,
Heiss Hermannus vnd bin ein Fürst.