Als die Frau Sara
hundert und sieben und zwanzig Jahr gelebt hatte,
verliess sie diese Welt.
Abraham kaufte ihr ein Grab,
und bestattete sie schön
mit Weihrauch von allen Specereien. 20
er betrauerte sie gar sehr;
zuletzt schwieg er.
Da begann er sich zu trösten:
was konnte er da Besseres thun?
so thut ein jeglicher von uns,
wenn ihm Ähnliches geschieht.
Da es dazu kam,
dass Isaac heirathen sollte,
da heischte sein Vater
Abraham seinen Diener:
den hiess er schwören,
so ihn Gott erhalten müsse,
dass er von den Leuten,
darunter er wohnte,
nimmer ein Weib gewinne
für sein Kind Isaac. 10
Er hiess ihn dahin reisen,
von wo er geboren war,
zu seines Bruders Hause, Nachor,
dass ihm Batuel seine Tochter gäbe,
die schöne Rebecca,
Isaac zur Frau.
Der Diener sprach: Wenn man ihm sie nicht gäbe,
was er da machte?
Er sollte auch sich nicht darob erzürnen,
wenn sie ihm nicht folgen wollte. 20
Abraham sprach: Des Eides seiest du ledig,
wenn dir das Mädchen nicht folgt.
Zu diesem Zwecke
Belud er zwei Kameele
mit mannigfachen Dingen
dem Mädchen zur Liebe.
Als er dahin kam,
rastete er bei einem Brunnen.
Da der Abend sich senkte,
trieb man das Vieh zur Tränke. 30
Er begann zu beten,
dass ihm Gott gewährte,
dass er ihm das Weib zeige,
die für seinen Herrn sollte.
Er sprach: ‘Nun will ich zum Zeichen haben,
die mir Gott zueigne:
welches Mädchen ich bitte,
dass sie mir Wasser schöpfe,
so mir Gott verleihet
dass sie mir das nicht versagt,
mich selbst trinken heisse 10
und auch meine Kameele,
die soll meinem Herrn
zu Liebe und zu Ehren sein,’
Als er das Gebet beendigte,
kam die schöne Rebecca herzu,
und manche andere Mädchen,
von denen ihr keine gleich war.
Er sprach ihr zu:
Warum giebst du mir nicht zu trinken, Frau?
Sie schenkte ihm selber, 20
sie tränkte auch seine Kameele.
Er dankte Gott,
dass er ihn so schnell erhörte.
Er gab ihr aus Liebe
zwei Ohrringe
und zwei Armspangen
aus ganz rothem Golde
und fragte sie sogleich,
wes Tochter sie wäre.
Sie sprach, Abraham 30
wäre ihres Vaters Oheim.
Sie bat ihn nach Hause,
sprach, da wäre viel Heu:
da könnten Gäste
gute Rast haben.
Sie rastete nicht,
ehe sie ihrem Vater Alles erzählte.
Sie begann zu zeigen
ihrem Bruder Laban
die Spangen und Ohrringe,
die sie von dem Jüngling empfieng.
Er lief dahin schnell,
sprach, warum er nicht nach Hause käme? 10
Da er dahin kam,
da ward er wohl empfangen,
sie behandelten ihn sehr gut,
fragten ihn manches,
nach jeder Neuigkeit,
was sein Geschäft wäre.
Er sprach, sein Herr hätte ihn daher gesandt
wegen eines grossen Anliegens (errand)
wegen einer Frau für seinen jungen Herrn,
die gut wäre und ehrsam, 20
nämlich wegen der schönen Rebecca,
für den Herrn Isaac zur Gemahlin.
Er lobte seinen Herrn,
wie viel er Reichthum hätte,
an Vieh und Schätzen
mannigfachen Nutzens,
und wie wohl ihr geschähe,
wenn sie ihn nähme.
Wenn sie es thun wollten,
so sollten sie ihn das schnell thun lassen;
wenn sie es nicht wollten,
so sollten sie ihn nicht verzögern,
Sie sprachen, sie wollten Gottes Willen
nicht aufhalten:
hier ist unsre Tochter
ohne irgend welchen Tadel:
wie schnell es dir gefällt,
so fahre heim mit ihr.
Er ward sehr froh 10
über solche Antwort.
Silberne Schalen,
goldene Becher,
viel gute Gewänder
brachte er zur Kammer;
er gab zuerst
der Jungfrau das Allerbeste
dem Vater und der Mutter
und auch ihrem Bruder.
Gut waren die Gaben, 20
wohl gefiel seine Rede.
sie sassen zum Mahle
mit fröhlichem Gekose.
Da gab es Spiel und Freude
unter Frauen und Männern.
Von Tische zu Tische
liess man lauteren Wein schenken;
sie spielten und tranken,
bis der Schlaf es ihnen benahm.
Als der Tag kam, 30
auf war da der Diener Isaacs;
er bat um Urlaub,
den ihm aber Niemand gab:
sie baten ihn, das er da bliebe
zehn Tage Zeit.
Das däuchte ihm zu lange:
er sprach, wozu sie ihn verzögern wollten?
er bat, dass sie ihn entliessen,
dass es seinen Herrn nicht möchte verdriessen.
Als sie seinen Ernst sahen,
da fragten sie das Mädchen,
ob sie ihm folgen wollte 10
zu eigener Wohnung.
Sie sprach, sie gienge gerne,
wo ihr etwas Gutes geschähe.
Sogleich gaben sie sie ihm
mit schönen Mägden;
sie gaben ihr ihre Amme mit,
damit sie der Abschied desto weniger schmerze.
Sie giengen zu den Rossen,
sie schieden mit Leid.
Vater und Mutter 20
und auch ihr Bruder,
sie baten unsern Herrgott,
dass sie möchte selig sein
tausend tausend Jahre,
und alle die von ihr kämen.
Isaac war ausgegangen
zu einem Brunnen,
dass er auch sähe,
was seine Schnitter thäten.
Als es sich zu Abend neigte, 30
ritt sein Mann mit der Jungfrau herzu.
Der Herr gieng ihr entgegen,
empfieng sie sehr wohl.
Er fasste sie behende,
er gieng mit ihr scherzend
über das schöne Feld:
er leitete sie in sein Zelt.