Ein Mann wohnte früher hier, —
mein Vater sagte mir das, —
der bestellte sich einen guten Garten:
dessen befleissigte er sich sehr;
darin zog er Wurzeln und Kraut:
der Garten war ihm sehr lieb.
Ein Hirsch wurde seiner gewahr.
Nachts schlich er dahin
über eine niedrige Stiegel:
da sprang er immer über,
diese vortrefflichen Wurzeln
deuchten ihm süss.
Der Garten lag ganz wüste.
Das trieb er gar manchen Tag.
Der Gärtner ward seiner gewahr:
sehr schnell machte er sich dahin;
als der Hirsch heraus gehn wollte, 10
da rächte der Arme seinen Schaden:
das eine Ohr schlug er ihm ab.
Seine Schnelligkeit trug ihn von dannen.
Der Mann stellte ihm abermals nach,
er erreichte ihm den Schwanz;
er schlug ihn ihm halb ab,
er sprach: ‘dies Zeichen trage du!
schmerzet es dich etwa sehr,
so kommst du nicht wieder her.’
Es begab sich, dass in wenig Stunden 20
dem Hirsche heilten seine Wunden.
Er strich wieder hin
nach seiner alten Stiegel.
Kraut und Wurzeln
verwüstete er ihm ganz und gar.
Der Mann ward es inne;
mit sehr guten Sinnen
eilte er mit Netzen
den Garten ganz zu umsetzen.
Als der Hirsch zurück wollte
über seine alte Stiegel,
da ergriff der Mann seinen Spiess,
den Hirsch er anlief;
er stach ihn durch den Bauch.
Darauf sprach er das Wort:
‘die Süsse wird dir sauer, 10
meine Wurzeln bezahlst du theuer!’
da zerlegte er seinen Hirsch,
wie er von Rechts wegen sollte.
Ein schlauer Fuchs
lag dabei in einer Furche.
Als der Mann von dannen gieng,
schlich der Fuchs herzu,
entzuckte ihm das Herz
und entwich damit ihres Wegs.
Als der Mann wieder kam,
gefiel ihm seine Jagdbeute ganz wohl. 20
Da er das Herz nicht fand,
schlug er zusammen mit der Hand;
er eilte, ohne sich zu besinnen,
und sprach zu seinem Weibe:
‘Ich will dir ein grosses Wunder sagen:
der Hirsch, den ich erlegt habe,
der war gross und gut,
aber er trug kein Herz in sich.’
Da antwortete ihm die Frau: 30
‘das wusste ich schon vor langer Zeit,
weil der Hirsch früher den Schmerz litt;
und hätte er irgend ein Herz gehabt,
als er das Ohr und den Schwanz verloren hatte,
er wäre nie wieder in deinen Garten gekommen.’