Als wir hinzogen an dem Meere,
Da ritt ich ausser meinem Heere
Mit dreien tausend Mannen.
Darauf huben wir uns von dannen
Und gedachten Wunder zu sehen;
Da sahn wir fern von dannen stehen
Einen grossen, prächtigen Wald.
Das Wunder das war mannigfalt,
Das wir da vernahmen.
Als hinzu wir kamen,
Da höreten wir wohl in ihm
Manche wunderschöne Stimm,’
Leier und Harfenklang
Und den süssesten Gesang, 10
Der je von Menschen ward erdacht,
Wär er all zusammengebracht,
Der könnte sich mit dem nicht gatten.
Gar dicht und wonniglich der Schatten
Unter diesen Bäumen was.
Da entsprossen Blumen und Gras
Und würz’ge Kräuter mancherhand.
Noch nie in einem Walde fand
Man also viele Zier bereit;
Lang war dieser und auch breit. 20
Dieser selbe Wald der lag,
Wie ich es euch wohl sagen mag,
In einer schönen Auen.
Da sollten wir auch schauen
Manchen edlen Bronnen,
Der aus dem Wald kam geronnen
Kühlig und erquickend klar.
Ich und meine kühne Schar
Sahen Wundergleiches da,
Das uns zu Liebe da geschah.
Das will ich jetzt auch nicht verschweigen,
Mit Fleisse will ich es euch zeigen.
Der herrliche, der edle Wald
War wunderbarlich schön gestalt’.
Wir konnten’s all’ genau gewahren.
Stattlich hoch die Bäume waren,
Die Zweige waren breit und dicht,
Nur Wahrheit gibt euch mein Bericht. 10
Das war eine grosse Wonne.
Da konnte nicht die Sonne
Hindurch bis zu der Erde scheinen.
Ich und die Meinen
Wir liessen unsre Rosse stehn,
Um alsbald in den Wald zu gehn
Nach dem wonniglichen Sang.
Gar lang und weit der Weg sich wand,
Bis wir dorthin kamen,
Wo wir nun vernahmen, 20
Was Wunder darin mochte sein.
Gar viele schöne Mägdelein
Wir in dem Walde funden,
Die spielten in diesen Stunden
Auf dem grünen Klee umher,
Hunderttausend und noch mehr;
Die spieleten und sprangen,
Hei, wie schön sie sangen,
Dass wir alle, Kleine und Grosse,
Durch das liebliche Getose,
Das aus dem Walde zu uns scholl,
Ich und meine Helden wohl,
Vergassen unser Herzeleid
Und all die Mühe in dem Streit.
Wir fühlten alle Noth vergehn
Und was uns Leides je geschehn.
Da schien es allen uns fürwahr,
Was auch gar kein Wunder war, 10
Dass zur Genüge sei gegeben
Uns für die Weile, die wir leben,
Freude und des Reichthums Glanz.
Angst und Leid vergass ich ganz,
Ich und all die Meinen,
Und was von Kindesbeinen
Bis an denselben Tag fürwahr
Uns Leides je geschehen war;
Mir deuchte wohl zu dieser Stund’,
Ich würde nimmer ungesund; 20
Wär’ ich dort immerdar gewesen,
Ich wäre ganz und gar genesen
Von aller Angst und aller Noth
Und hätte nicht gescheut den Tod.
Wollt ihr nun rechte Einsicht han,
Wie’s mit den Frauen war gethan,
Von wannen diese kamen,
Oder welches Ende sie nahmen,
Von Allem mag euch das fürwahr
Erscheinen höchlich wunderbar.
Sobald der Winter gieng von dann,
Und die Sommerszeit begann,
Und es grün ward überall,
Und die edlen Blumen ohne Zahl
Im Wald begannen aufzugehn,
Da waren die gar schön zu sehn. 10
Von Lichte strahleten sie ganz,
In rothem und in weissem Glanz
Schimmerten gar ferne sie.
Solche Blumen waren nie,
Welche schöner mochten blühn.
Sie waren, wie es uns erschien,
Völlig rund als wie ein Ball
Und fest verschlossen überall;
Sie waren wunderbarlich gross.
Und wenn die Blume sich oben erschloss, 20
Das merket wohl in euerem Sinne,
So fanden sich darinne
Mägdlein ganz und gar vollkommen.
Ich sag’s euch, wie ich’s hab’ vernommen.
Sie wandelten lebendig
Und sprachen so verständig
Und fühlten Menschenlust und Sinn;
Sie hatten völlig, wie es schien,
Ein Alter um das zwölfte Jahr.
Sie waren herrlich, das ist wahr,
Geschaffen an ihrem Leibe.
Ich hab’ an keinem Weibe
Ein schöner Antlitz je gesehn
Noch Augen also herrlich stehn;
Händ’ und Arme waren hell
Wie eines Hermelines Fell,
So auch die Füsse und die Beine;
Es war von ihnen keine, 10
Die nicht der Schönheit Reiz besass.
Auch trieben sie in Züchten Spass
Und lachten viel und waren froh,
Und ihr Gesang entzückte so,
Dass nie vordem und seit der Frist
So süsse Stimm’ erschollen ist.
Doch musste diesen Frauen,—
Darauf dürft ihr vertrauen—
Lebenslust der Schatten geben;
Sie konnten ohne den nicht leben. 20
Traf sie die Sonne mit ihrem Scheine,
So blieb am Leben ihrer keine.
Das Wunder das war mannigfalt.
Da erscholl ringsum der Wald
Von dem süssen Klingen
Derer, die darinne singen,
Die Vögel und die Mägdelein;
Wie konnt’ es wonniglicher sein,
Früh und spät zu jeder Zeit.
Ihres Leibes ganzes Kleid
Fest an sie gewachsen war
An die Haut und an das Haar.
An Farbe waren sie genau
So wie die Blumen auf der Au
Roth und weiss wie Schnee gethan.
Da wir sie zu uns gehen sahn,
Da drängte ihnen der Leib entgegen,
Denn Fraun, die solche Lust erregen,
Sind noch der Welt nicht worden kund. 10
* *
O weh, dass wir so schnell verloren
Das wonnige Behagen!
Dies Wunder, kann ich sagen,
Durft ich mit meinen Augen schaun:
Ihr möget meinen Worten traun.
Dies währte, wie ich euch jetzt sage,
Drei Monate und noch zwölf Tage,
Dass ich mit meiner Heldenschar
In dem grünen Walde war
Und bei den schönen Auen 20
Mit den lieben Frauen,
Und wir in Lust mit ihnen lebten
Und in Wonn’ und Freude schwebten.
Doch grosses Leid geschah uns dann,
Das nie genug ich klagen kann.
Da die Zeit zu Ende gieng,
Unsre Freude auch zergieng:
Die Blumen ganz und gar verdarben
Und die schönen Frauen starben.
Ihr Laub die Bäume liessen
Und die Brunnen ihr Fliessen
Und die Vögelein ihr Singen.
Da begunnte auch zu zwingen
Ungemach und Gram mein Herze 10
Mit mannigfaltigem Schmerze.
Schrecklich war der Jammer da,
Den ich alle Tage sah
An den schönen Frauen.
O weh, dass ich musste schauen,
Wie sie alle starben,
Und die Blumen verdarben:
Da schied in Trauer ich von dannen
Mit allen meinen Mannen.