Auf sprang der Held Roland, 20
er sprach: ‘gefällt es den Fürsten gesammt,
und will es mein Herr gestatten,
so ist Genelun, mein Stiefvater,
der allerbesten Boten einer,
den ich in dem Reiche kann zeigen;
er ist weise und kühn,
beredt genug;
er ist ein lustsamer (schöner) Held.
Wo fände man nun irgendeinen Mann,
der dem Reiche besser ziemte?
er ist ein Fürst so preiswürdig, 10
man soll ihn dessen nicht erlassen.’
Die Fürsten, wie sie sassen,
bestätigten (es) alle unter einander,
es möchte niemand so passend sein;
er ziemete wohl dem römischen Vogte (Kaiser),
wohin er ihn auch senden wollte.
Genelun erbleichte sehr;
hin zu Roland er schaute.
Er sprach: ‘Nun hat mich der Herr Roland
aus diesem Reiche versandt, 20
dass ich unter den Heiden sterbe
und ihm das Erbe werde.
Ach und Weh geschehe dir!
Was rächest du an mir?
Mit bösen Geistern bist du beseelt.
Jetzt ist es endlich heraus erblüht,
dass du mir immer nach dem Leben standest.
Deine Mutter ist mein Weib;
mein Sohn Baldewin
sollte dein Bruder sein.
Vergessen hast du der Treue;
es soll dich gar sehr gereuen,
soll ich mein Leben behalten,
was du nun an mir hast gethan.
Es wird dir sehr schlimm.
Du hörst neue Märe.
Dazu zwingt mich grosse Noth; 10
in der Fremde liege ich ungerne todt.’
Karl der gewaltige,
der mahnte ihn würdevoll:
‘Genelun, mein Schwager,
lass die schlimme Rede sein.
Du bist ein weiser Herr;
nun zürne nicht so sehr.
Komm her näher,
meine Botschaft zu empfahen,
fahre fröhlich von hinnen; 20
behandle es mit Verstand.
Erwirbst du dem Reiche eine Ehre,
all dein Geschlecht freut sich immer mehr.’
Genelun wehrte sich genug;
der Kaiser bot ihm den Handschuh.
Er that die wölfischen Blicke;
er rief sehr oft:
‘Dies hast du, Roland, gethan!
übel soll es ihm ergehn
unde seinen zwölf Gesellen!
nun haben sie ihren Willen ganz erreicht.’ 30