Da ritt von Tronje Hagen ‖ den Andern all zuvor;
Er hielt den Nibelungen ‖ wohl den Muth empor.
Da schwang der kühne Degen ‖ sich nieder auf den Sand,
Wo er sein Ross in Eile ‖ fest an einem Baume band.
Die Flut war ausgetreten, ‖ die Schiff’ verborgen:
Die Nibelungen kamen ‖ in grosse Sorgen
Wie sie hinüber sollten? ‖ das Wasser war zu breit.
Da schwang sich zu der Erde ‖ mancher Ritter allbereit. 20
‘Bleibet bei dem Wasser, ‖ ihr stolzen Ritter gut.
Ich selber will die Fergen ‖ suchen bei der Flut,
Die uns hinüber bringen ‖ in Gelfratens Land.’
Da nahm der starke Hagen ‖ seinen guten Schildesrand.
Er war wohl gewaffnet: ‖ den Schild er mit sich trug,
Den Helm aufgebunden, ‖ der glänzte licht genug;
Überm Harnisch führt’ er ‖ eine breite Waffe mit,
Die an beiden Schärfen ‖ aufs allergrimmigste schnitt.
Er suchte hin und wieder ‖ nach einem Schiffersmann,
Er hörte Wasser giessen: ‖ zu lauschen hub er an: 30
In einem schönen Brunnen ‖ that das manch weises Weib;
Die wollten sich da kühlen ‖ und badeten ihren Leib.
Hagen sie gewahrend ‖ wollt ihnen heimlich nahn:
Sie stürzten in die Wellen, ‖ als sie sich des versahn.
Dass sie ihm entronnen, ‖ freuten sie sich sehr;
Er nahm ihnen ihre Kleider ‖ und schadet’ ihnen nicht mehr. 20
Da sprach das eine Meerweib, ‖ Hadburg war sie genannt:
‘Hagen, edler Ritter, ‖ wir machen euch bekannt,
Wenn ihr uns zum Lohne ‖ die Kleider wiedergebt,
Was ihr bei den Heunen ‖ auf dieser Hoffahrt erlebt.’
Sie schwebten wie die Vögel ‖ vor ihm auf der Flut.
Ihr Wissen von den Dingen ‖ däuchte den Helden gut:
Da glaubt’ er um so lieber ‖ was sie ihm wollten sagen,
Sie beschieden ihn darüber ‖ was er begann sie zu fragen:
Sie sprach: ‘Ihr mögt wohl reiten ‖ in König Etzels Land,
Ich setz euch meine Treue ‖ dafür zum Unterpfand: 30
Es fuhren niemals Helden ‖ noch in ein fremdes Reich
Zu solchen hohen Ehren, ‖ in Wahrheit, das sag ich euch.’
Die Rede freute Hagen ‖ in seinem Herzen sehr;
Die Kleider gab er ihnen ‖ und säumte sich nicht mehr.
Als sie umgeschlagen ‖ ihr wunderbar Gewand,
Vernahm er erst die Wahrheit ‖ von der Fahrt in Etzels Land. 20
Da sprach das andre Meerweib ‖ mit Namen Siegelind:
‘Ich will dich warnen, Hagen, ‖ Aldrianens Kind.
Um der Kleider willen ‖ hat meine Muhm gelogen;
Und kommst du zu den Heunen, ‖ so bist du schmählich betrogen.
‘Wieder umzukehren, ‖ wohl wär es an der Zeit,
Dieweil ihr kühnen Helden ‖ also geladen seid,
Dass ihr sterben müsset ‖ in König Etzels Land:
Die da hinreiten, ‖ haben den Tod an der Hand.’
Da sprach in grimmem Muthe ‖ der kühne Recke Hagen:
‘Das liessen meine Herren ‖ schwerlich sich sagen, 30
Dass wir bei den Heunen ‖ verlören all den Leib:
Nun zeig uns übers Wasser, ‖ du allerweisestes Weib.’
Sie sprach: ‘Willst du nicht anders ‖ und soll die Fahrt geschehn,
So siehst du überm Wasser ‖ eine Herberge stehn:
Darinnen wohnt ein Fährmann ‖ und nirgend sonst umher.’
Der Mär, um die er fragte, ‖ glaubte nun der Degen hehr. 20
Dem unmuthsvollen Recken ‖ rief noch die eine nach:
‘Nun wartet, Herr Hagen, ‖ euch ist gar zu jach;
Vernehmet noch die Kunde, ‖ wie ihr kommt durch das Land.
Der Herr dieser Marke, ‖ der ist Else genannt.
Der ist so grimmes Muthes, ‖ er lässt euch nicht gedeihn,
Wollt ihr nicht verständig ‖ bei dem Helden sein.
Soll er euch überholen, ‖ so gebt ihm guten Sold;
Er hütet dieses Landes ‖ und ist Gelfraten hold.
Und kommt er nicht bei Zeiten, ‖ so rufet über Flut,
Und sagt, ihr heisset Amelreich; ‖ das war ein Degen gut, 30
Der seiner Feinde willen ‖ räumte dieses Land:
So wird der Fährmann kommen, ‖ wird ihm der Name bekannt.’
Der übermüthge Hagen ‖ dankte den Frauen hehr.
Der Degen schwieg stille, ‖ kein Wörtlein sprach er mehr;
Dann gieng er bei dem Wasser ‖ hinauf an dem Strand,
Wo er auf jener Seite ‖ eine Herberge fand. 20
Da rief er so gewaltig, ‖ der ganze Strom erscholl
Von des Helden Stärke, ‖ die war so gross und voll:
‘Mich Amelreich hol über; ‖ ich bin es, Elses Mann,
Der starker Feindschaft willen ‖ aus diesen Landen entrann.
Hoch an seinem Schwerte ‖ er ihm die Spange bot;
Die war schön und glänzte ‖ von lichtem Golde roth,
Das man ihn überbrächte ‖ in Gelfratens Land.
Der übermüthge Ferge ‖ nahm selbst das Ruder in die Hand.
Derselbe Schiffsmann hatte ‖ neulich erst gefreit,
Die Gier nach grossem Gute ‖ oft böses Ende leiht. 30
Er dachte zu verdienen ‖ Hagens Gold so roth;
Da litt er von dem Degen ‖ den schwertgrimmigen Tod.
Ihr möget euch wohl nennen ‖ mit Namen Amelreich:
Des ich mich hier versehen, ‖ dem seht ihr wenig gleich.
Von Vater und Mutter ‖ war er der Bruder mein;
Nun ihr mich betrogen habt, ‖ so müsst ihr diesshalben sein.’ 20
‘Nein! um Gottes willen,’ ‖ sprach Hagen dagegen.
‘Ich bin ein fremder Ritter, ‖ besorgt um andre Degen:
Nun nehmt, den ich geboten, ‖ freundlich hin den Sold,
Und fahret uns hinüber: ‖ ich bin euch wahrhaftig hold.’
Der Fährmann hob ein Ruder, ‖ stark, gross und breit,
Und schlug es auf Hagen; ‖ dem that es solches Leid,
Dass er im Schiffe nieder ‖ strauchelt’ auf das Knie.
Solchen grimmen Fährmann ‖ fand der von Tronje noch nie.
Mit grimmigem Muthe ‖ griff Hagen gleich zur Hand
Zur Seite nach der Scheide, ‖ wo er ein Waffen fand: 30
Er schlug das Haupt vom Rumpf ihm ‖ und warf es auf den Grund.
Bald macht’ er diese Mären ‖ auch den Burgonden kund.
Im selben Augenblicke, ‖ als er den Fährmann schlug,
Glitt das Schiff zur Strömung: ‖ das war ihm leid genug.
Eh er es richten konnte, ‖ fiel ihn Ermüdung an:
Da zeigte grosse Kräfte ‖ König Gunthers Unterthan. 20
Er versucht’ es umzukehren ‖ mit schnellem Ruderschlag,
Bis ihm das starke Ruder ‖ in der Hand zerbrach.
Er wollte zu den Recken ‖ sich wenden an den Strand;
Da hatt er keines weiter: ‖ wie bald er es zusammen band.
Mit Gruss ihn wohl empfiengen ‖ die schnellen Ritter gut:
Sie sahen in dem Schiffe ‖ rauchen noch das Blut
Von einer starken Wunde, ‖ die er dem Fährmann schlug:
Da wurde von dem Degen ‖ gefraget Hagen genug.
Er sprach mit Lügenworten: ‖ ‘Als ich das Schifflein fand
Bei einer wilden Weide, ‖ da löst’ es meine Hand. 30
Ich habe keinen Fergen ‖ heute hier gesehn,
Es ist auch Niemand Leides ‖ von meinetwegen geschehn.’
Da sprach von Burgonden ‖ der Degen Gernot:
‘Heute muss ich bangen ‖ um lieber Freunde Tod,
Da wir keinen Schiffsmann ‖ hier am Strome sehn:
Wie wir hinüber kommen, ‖ drob muss ich in Sorgen stehn.’ 20
Laut rief da Hagen: ‖ ‘Legt auf den Boden dar,
Ihr Knechte, das Geräthe: ‖ mir gedenkt noch, dass ich war
Der allerbeste Ferge, ‖ den man am Rheine fand:
Ich will euch wohl hinüber ‖ bringen in Gelfratens Land.’
Dass sie desto schneller ‖ kämen über Flut,
Anbanden sie die Rosse; ‖ ihr Schwimmen war so gut,
Dass ihnen auch nicht Eines ‖ die starke Flut benahm.
Einge trieben ferner, ‖ als ihnen Müdigkeit kam.
Sie trugen zu dem Schiffe ‖ ihr Gold und auch den Staat,
Da sie der Hofreise ‖ nicht wollten haben Rath. 30
Hagen fuhr sie über; ‖ da bracht er an den Strand
Manchen zieren Recken ‖ in das unbekannte Land.
Zum ersten bracht er über ‖ tausend Ritter hehr,
Dazu auch seine Recken; ‖ dann kamen ihrer mehr,
Neun tausend Knechte, ‖ die bracht er an das Land:
Des Tages war unmüssig ‖ des kühnen Tronejers Hand.
‘Nun seht euch vor,’ sprach Hagen, ‖ ‘sei’s Ritter oder Knecht,
Man soll Freunden folgen; ‖ das dünkt mich gut und recht.
Eine ungefüge Märe ‖ mach ich euch bekannt:
Wir kommen nimmer wieder ‖ heim in der Burgonden Land.’ 20
Da flogen diese Mären ‖ von Schar zu Schar umher:
Da wurden bleich vor Schrecken ‖ Degen kühn und hehr,
Als sie die Sorge fasste ‖ vor dem harten Tod
Auf dieser Hofreise: ‖ das schuf ihnen wahrlich Noth.
AUS DEM XX. LIEDE.
Der edel margrâve ‖ rief dô in den sal
‘ir küene Nibelunge, ‖ nu wert iuch über al.
ir soldet mîn geniezen, ‖ nu engeltet ir mîn.
ê dô wâr wir friunde: ‖ der triwe wil ich ledic sîn.’
Dô erschrahten dirre mære ‖ die nôthaften man:
wan ir deheiner fröude ‖ nie dâ von gewan,
daz mit in wolde strîten ‖ dem si dâ wâren holt.
si heten von vînden ‖ vil michel arbeit gedolt.
‘Nune welle got von himele,’ ‖ sprach Gunther der degen,
‘daz ir iuch genâden ‖ sült an uns bewegen, 10
unt der vil grôzen triuwe, ‖ der wir doch heten muot.
ich wil iu des getrouwen ‖ daz ir ez nimmer getuot.’
‘Jane mag ichs niht gelâzen,’ ‖ sprach der küene man:
‘ich muoz mit iu strîten, ‖ wan ichz gelobt hân.
nu wert iuch, küene helde, ‖ sô lieb iu sî der lîp.
mich enwoltes niht erlâzen ‖ des künic Etzelen wîp.’
‘Ir widersagt uns nu ze spâte,’ ‖ sprach der künic hêr.
‘nu müez iu got vergelten, ‖ vil edel Rüedegêr,
triuwe unde minne ‖ die ir uns hapt getân.
ob ir ez an dem ende ‖ woldet güetlîcher lân,
Wir soltenz immer dienen, ‖ daz ir uns hapt gegeben,
ich unt mîne mâge, ‖ ob ir uns liezet leben.
der hêrlîchen gâbe, ‖ dô ir uns brâhtet her
in Etzeln lant zen Hiunen, ‖ des gedenct, vil edel Rüedegêr.’
‘Wie wol ich iu des gunde,’ ‖ sprach Rüedegêr der degen,
‘daz ich iu mîne gâbe ‖ mit vollen solde wegen 10
alsô willeclîche ‖ als ich des hete wân!
sone wurde mir dar umbe ‖ nimmer schelten getân.’
‘Erwindet edel Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt.
‘wan ez wirt deheiner ‖ gesten nie erbôt
sô rehte minneclîchen ‖ als ir uns hapt getân,
des sult ir wol geniezen, ‖ ob wir bî lebene bestân.’
‘Daz wolde got,’ sprach Rüedegêr, ‖ ‘vil edel Gêrnôt,
daz ir ze Rîne wæret ‖ und ich wære tôt
mit etlîchen êren, ‖ sîd ich iuch sol bestân!
ez wart an ellenden ‖ von friunden noh nie wirs getân.’
‘Nu lône iu got, hêr Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt,
‘der vil rîchen gâbe. ‖ mich riwet iwer tôt,
sol an iu verderben ‖ so tugentlîcher muot.
hie trag ich iwer wâffen, ‖ daz ir mir gâbet, helt guot.
Daz ist mir nie geswichen ‖ in aller dirre nôt:
under sînen ecken ‖ lît manic rîter tôt. 10
ez ist lûter unde stæte, ‖ hêrlîch unde guot.
ich wæn sô rîche gâbe ‖ ein reke nimmer mêr getuot.
Und welt ir niht erwinden ‖ irn welt zuo uns gân,
slaht ir mir iht der friunde ‖ die ich hinne hân,
mit iwer selbes swerte ‖ nim ich iu den lîp:
sô riwet ir mich, Rüedegêr, ‖ unde iwer hêrlîchez wîp.’
‘Daz wolde got, hêr Gêrnôt, ‖ und meht ez ergân,
daz aller iwer wille ‖ wære hie getân
und daz genesen wære ‖ iwer friunde lîp!
jâ sol iu wol getrûwen ‖ beidiu mîn tohter und mîn wîp.’
Dô sprach von Burgonden ‖ der schœnen Uoten kint
‘wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? ‖ di mit mir komen sint,
si sint iu alle wæge. ‖ ir grîfet übel zuo.
die iwer schœne tohter ‖ welt ir verwitwen ze fruo.
Swenne ir und iwer recken ‖ mit strîte mich bestât,
wie reht unfriuntlîche ‖ ir daz schînen lât 10
daz ich iu wol getrûwe ‖ für alle ander man,
dâ von ich ze wîbe ‖ iwer tohter mir gewan.’
‘Gedenket iwer triuwen, ‖ vil edel künic hêr,
gesende iuch got von hinne.’ ‖ sô sprach Rüedegêr.
‘lât die juncvrouwen ‖ niht engelten mîn:
durch iwer selbes tugende ‖ sô ruochet ir genædic sîn.’
‘Daz tæt ich billîche,’ ‖ sprach Gîselher daz kint:
‘die hôhen mîne mâge, ‖ di noch hier inne sint,
suln die von iu sterben, ‖ sô muoz gescheiden sîn
diu vil stæte friuntschaft ‖ zuo dir unde der tohter dîn.’
‘Nu müez uns got genâden,’ ‖ sprach der küene man.
dô huoben si die schilde, ‖ alsô si wolden dan
strîten zuo den gesten ‖ in Kriemhilte sal.
dô rief vil lûte Hagene ‖ von der stiege hin zetal
‘Belîbet eine wîle, ‖ vil edel Rüedegêr.’
alsô sprach dô Hagene. ‖ ‘wir wolden reden mêr, 10
ich und mîne hêrren, ‖ als uns des twinget nôt.
waz mack gehelfen Etzeln ‖ unser ellender tôt?’
‘Ich stên in grôzen sorgen,’ ‖ sprach aber Hagene.
‘den schilt den mir vrou Gotlint ‖ gab ze tragene,
den habent mir die Hiunen ‖ zerhouwen von der hant.
ich fuort in friuntlîche ‖ in daz Etzelen lant.
Daz des got von himele ‖ ruochen wolde
daz ich schilt sô guoten ‖ noch tragen solde
sô den du hâst vor hende, ‖ vil edel Rüedegêr!
so bedorfte ich in dem sturme ‖ deheiner halsperge mêr.’
‘Vil gerne wær ich dir guot ‖ mit mînem schilde,
getörst ich dirn gebieten ‖ vor Kriemhilde.
doch nim du in hin, Hagene, ‖ unt trag in an der hant.
hey soldest du in füeren ‖ in der Burgonden lant!’
Do er im sô willeclîchen ‖ den schilt ze geben bôt,
dô wart genuoger ougen ‖ von heizen trehen rôt. 10
ez was diu leste gâbe ‖ die sider immer mêr
bôt deheinem degene ‖ von Bechlâren Rüedegêr.
Swie grimme Hagen wære ‖ unt swie zornic gemuot,
ja erbarmet im diu gâbe ‖ die der helt guot
bî sînen lesten zîten ‖ sô nâhen het getân.
vil manic ritter edele ‖ mit im trûren began.
‘Nû lône iu got von himele, ‖ vil edel Rüedegêr.
ez wirt iwer gelîche ‖ deheiner nimmer mêr,
der ellenden recken ‖ so hêrlîchen gebe.
sô sol daz got gebieten ‖ daz iwer tugende immer lebe.’
‘Sô wê mich dirre mære.’ ‖ sô sprach ab Hagene.
‘wir heten ander swære ‖ sô vil ze tragene:
sul wir mit friunden strîten, ‖ daz sî got gekleit.’
dô sprach der marcgrâve ‖ ‘daz ist mir inneclîche leit.’
‘Nu lôn ich iu der gâbe, ‖ vil edel Rüedegêr,
swie halt gein iu gebâren ‖ dise reken hêr, 10
daz nimmer iuch gerüeret ‖ mit strîte hie mîn hant,
ob ir si alle slüeget, ‖ die von Burgonden lant.’
Des neig im mit zühten ‖ der guote Rüedegêr.
si weinten allenthalben. ‖ daz disiu herzen sêr
niemen scheiden kunde, ‖ daz was ein michel nôt.
vater aller tugende ‖ lac an Rüedegêre tôt.
Dô sprach von dem hûse ‖ Volkêr der spileman:
‘sît mîn geselle Hagene ‖ den vride hât getân,
den sult ir alsô stæte ‖ haben von mîner hant.
daz hapt ir wol verdienet, ‖ dô wir kômen in daz lant.
Vil edel marcgrâve, ‖ ir sult mîn bote sîn.
dise rôte bouge ‖ gab mir diu margrâvîn,
daz ich si tragen solde ‖ hie zer hôchgezît:
die mugt ir selbe schouwen, ‖ daz ir des mîn geziuge sît.’
‘Daz wolde got der rîche,’ ‖ sprach dô Rüedegêr,
‘daz iu diu margrâvinne ‖ noch solte geben mêr! 10
diu mære sag ich gerne ‖ der triutinne mîn,
gesihe ich si gesunder: ‖ des sult ir âne zwîfel sîn.’
Als er im daz gelobte, ‖ den schilt huop Rüedegêr:
des muotes er ertobte: ‖ do enbeit er dâ niht mêr,
dô lief er zuo den gesten, ‖ einem degen gelîch.
manegen slac vil swinden ‖ sluoc der margrâve rîch.
Die zwêne stuonden hôher, ‖ Volkêr und Hagene,
wan ez im ê gelobten ‖ die zwêne degene:
noch vant er als küenen ‖ bî den türnen stân,
daz Rüedegêr des strîtes ‖ mit grôzen sorgen began.
Durch mortræchen willen ‖ sô liezen si dar in
Gunther und Gêrnôt: ‖ si heten helde sin.
dô stuond hôher Gîselher: ‖ zwâr ez was im leit.
er versach sich noch des lebenes; ‖ dâ von er Rüedegêren meit.
Dô sprungen zuo den vînden ‖ des margrâven man.
man sach si nâch ir hêrren ‖ vil tugentlîchen gân. 10
diu snîdunde wâfen ‖ si truogen an der hant:
des brast dâ vil der helme ‖ und manic hêrlîcher rant.
Dô sluogen die vil müeden ‖ vil manegen swinden slac
den von Bechelâren, ‖ der eben unt tiefe wac,
durch die vesten ringe ‖ vast unz ûf daz verch.
si tâten in dem sturme ‖ diu vil hêrlîchen werch.
Daz edel ingesinde ‖ was nu komen gar:
Volkêr und Hagene ‖ die sprungen balde dar.
sine gâben fride niemen, ‖ wan dem einem man.
von ir beider hende ‖ daz bluot nider durch helme ran.
Wie rehte gremlîche ‖ vil swerte drinne erklanc!
vil der schiltspange ‖ ûz den slegen spranc:
des reis ir schiltsteine ‖ nider in daz bluot,
si vâhten alsô grimme, ‖ daz manz nimmer mêr getuot.
Der vogt von Bechelæren ‖ gie wider unde dan,
alsô der mit ellen ‖ in sturme werben kan. 10
dem tet des tages Rüedegêr ‖ harte wol gelîch
daz er ein rekhe wære ‖ vil küene unde lobelîch.
Vil wol zeigte Rüedegêr ‖ daz er was stark genuoc,
küene, und wol gewâfent: ‖ hey waz er helde sluoc!
daz sach ein Burgonde: ‖ zorns was im nôt.
dâ von begunde nâhen ‖ des edeln Rüedegêres tôt.
Gêrnôt der starke, ‖ den helt den rief er an.
er sprach zem margrâven: ‖ ‘ir welt mir mîner man
niht genesen lâzen, ‖ vil edel Rüedegêr.
daz müet mich âne mâze: ‖ ichn kans niht an gesehen mêr.
Nu mag iu iwer gâbe ‖ wol ze schaden komen,
sît ir mîner friunde ‖ hapt sô vil benomen.
nu wendet iuch her umbe, ‖ vil edel küene man.
iwer gâbe wirt verdienet ‖ sô ich iz aller hœhste kan.’
Ê daz der margrâve ‖ zuo im volkœme dar,
des muosen liehte ringe ‖ werden missevar. 10
dô sprungen zuo ein ander ‖ die êren gernde man.
ir ietweder schermen ‖ für starke wunden began.
Ir swert sô scharpf wâren, ‖ sine kunde niht gewegen.
dô sluoc Gêrnôten ‖ Rüedegêr der degen
durch flinsherten helmen ‖ daz nider flôz daz bluot.
daz vergalt im sciere ‖ der rîter küen unde guot.
Die Rüedegêres gâbe ‖ an hende er hôh erwac:
swie wunt er wær zem tôde, ‖ er sluog im einen slac
durch den schilt vil guoten ‖ unz ûf diu helmgespan.
dâ von muos ersterben ‖ dô der Gotelinden man.
Jane wart nie wirs gelônet ‖ sô rîcher gâbe mêr.
dô vielen beide erslagne, ‖ Gêrnôt und Rüedegêr,
gelîch in dem sturme ‖ von ir beider hant.
alrest erzurnde Hagne, ‖ dô der den grôzen schaden bevant.
Dô sprach der von Tronge ‖ ‘ez ist uns übel komen.
wir haben an in beiden ‖ sô grôzen schaden genomen, 10
den wir nimmer überwinden, ‖ ir liut und ouch ir lant.
die Rüedegêres helde ‖ sint unser ellenden phant.’
‘Owê mich mînes bruoder, ‖ der tôt ist hie gefrumt.
waz mir der leiden mære ‖ ze allen zîten kumt!
ouch muoz mich immer riuwen ‖ der edel Rüedegêr.
der schade ist beidenthalben ‖ unt diu grœzlîchen sêr.’
Dô der junge Gîselher ‖ sach sînen bruoder tôt,
die dô dar inne wâren, ‖ die muosen lîden nôt.
der tôt der suochte sêre ‖ dâ sîn gesinde was.
der von Bechelâren ‖ dô langer einer niht genas.
‘Der tôt uns sêre roubet,’ ‖ sprach Gîselher daz kint.
‘nu lâzet iwer weinen, ‖ unt gê wir an den wint,
daz uns die ringe erkuolen, ‖ uns strîtmüeden man.
jâ wæn uns got hie langer ‖ niht ze lebene gan.’
Den sitzen disen leinen ‖ sach man manegen degen.
si wâren aber müezic: ‖ dâ wâren tôt gelegen 10
die Rüedegêres helde. ‖ zergangen was der dôz.
sô lange wert diu stille ‖ daz sîn Etzeln verdrôz.
‘Owê dirre dienste,’ ‖ sprach des küneges wîp:
‘dine sint niht sô stæte, ‖ daz unser vînde lîp
müge des engelten ‖ von Rüedegêres hant.
er wil si wider bringen ‖ in der Burgonde lant.
Waz hilfet, künic Etzel, ‖ daz wir geteilet hân
mit im swaz er wolde? ‖ der helt hât missetân.
der uns dâ solde rechen, ‖ der wil der suone pflegen.’
des antwurt ir dô Volkêr, ‖ der vil zierlîche degen,
‘Der rede en ist sô niht leider, ‖ vil edels küneges wîp.
getörst ich heizen liegen ‖ alsus edeln lîp,
sô het ir tievellîchen ‖ an Rüedegêr gelogen.
er unt die sîne degene ‖ sint an der suone gar betrogen.
Er tet sô willeclîche ‖ daz im der künec gebôt,
daz er unt sîn gesinde ‖ ist hie gelegen tôt. 10
nu seht al umbe, Kriemhilt, ‖ wem ir nu gebieten welt.
iu hât unz an den ende ‖ gedienet Rüedegêr der helt.
Welt ir daz niht gelouben, ‖ man sol iuchz sehen lân.’
durch ir herzen sêre ‖ sô wart duo daz getân,
man truoc den helt verhouwen ‖ dâ in der künic sach.
der Etzelen degenen ‖ sô rehte leide nie geschach.
Da rief der edle Markgraf ‖ hinüber in den Saal:
‘Ihr kühnen Nibelungen, ‖ nun wehrt euch allzumal.
Ihr solltet mein geniessen, ‖ ihr entgeltet mein;
Einst waren wir befreundet: ‖ der Treue will ich ledig sein.’ 20
Da erschraken dieser Märe ‖ die Nothbedrängten sehr.
Es ward davon der Freude ‖ bei Niemanden mehr,
Dass sie bestreiten wollten ‖ dem Jeder Liebe trug:
Sie hatten von den Feinden ‖ schon Leid erfahren genug.
‘Das verhüte Gott vom Himmel!’ ‖ sprach Gunther der Degen,
‘Dass ihr eurer Freundschaft ‖ also thut entgegen
Und der grossen Treue, ‖ worauf uns sann der Muth:
Ich will euch wohl vertrauen, ‖ dass ihr das nimmermehr thut!’
‘Es ist nicht mehr zu wenden,’ ‖ sprach der kühne Mann,
‘Ich muss mit euch streiten, ‖ wie ich den Schwur gethan. 30
Nun wehrt euch, kühne Helden, ‖ so lieb euch sei der Leib:
Mir wollt es nicht erlassen ‖ des Kön’g Etzel Weib.’
‘Ihr widersagt uns allzuspät,’ ‖ sprach der König hehr.
‘Nun mög euch Gott vergelten, ‖ viel edler Rüdiger,
Die Treue und die Liebe, ‖ die ihr an uns geübt,
Wenn ihr bis an das Ende ‖ uns so gewogen auch bliebt. 20
‘Wir wolltens immer danken, ‖ was ihr uns gegeben,
Ich und meine Freunde, ‖ liesset ihr uns leben:
Ihr gabt uns hehre Gaben, ‖ als ihr uns führtet her
Ins Heunenland zu Etzeln; ‖ bedenkt das, edler Rüdiger!’
‘Wie gern ich euch das gönnte!’ ‖ sprach Rüdiger der Degen,
‘Wenn ich euch meiner Gabe ‖ die Fülle dürfte wägen
Nach meinem Wohlgefallen; ‖ wie gerne thät ich das,
So mir es nicht erwürbe ‖ der edeln Königin Hass!’
‘Lasst ab, edler Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,
‘Nie ward ein Wirth gefunden, ‖ der es den Gästen bot 30
So freundlich und so gütlich, ‖ als uns von euch geschehn:
Des sollt ihr auch geniessen, ‖ so wir lebendig entgehn.’
Dass ihr am Rheine wäret, ‖ und ich wäre todt:
So rettet’ ich die Ehre, ‖ da ich euch soll bestehn;
Es ist an fremden Dingen ‖ von Freunden nie so arg geschehn.’ 20
‘Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,
‘Eure reiche Gabe. ‖ Mich reuet euer Tod,
Soll an euch verderben ‖ so tugendlicher Muth.
Hier trag ich eure Waffe, ‖ die ihr mir gabet, Degen gut.
Die hat mir nie versaget ‖ in aller dieser Noth;
Es fiel vor ihrer Schärfe ‖ so mancher Ritter todt;
Sie ist stark und lauter, ‖ herrlich und gut;
Gewiss, so reiche Gabe ‖ nie wieder ein Recke thut.
Und ist euch nicht zu rathen, ‖ und wollt ihr uns bestehn,
Erschlagt ihr mir die Freunde, ‖ die hier noch bei mir stehn, 30
Mit Euerm Schwerte nehm ich ‖ Leben euch und Leib:
So reuet ihr mich, Rüdiger, ‖ und euer herrliches Weib.’
‘Das wolle Gott, Herr Gernot, ‖ und möchte das geschehn,
Dass hier Alles könnte ‖ nach euerm Willen gehn,
Und dass gerettet würde ‖ eurer Freunde Leib:
Euch sollten wohl vertrauen ‖ meine Tochter und mein Weib.’ 20
Da sprach von Burgonden ‖ der schönen Ute Kind;
‘Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? ‖ Die mit mir kommen sind,
Die sind euch All gewogen; ‖ ihr greifet übel zu:
Eure schöne Tochter ‖ wollt ihr verwittwen allzufruh.
Wenn ihr und eure Recken ‖ mich wollt im Streit bestehn,
Wie wäre das unfreundlich, ‖ wie wenig liess es sehn,
Dass ich euch vertraute ‖ vor jedem andern Mann,
Als ich zu einem Weibe ‖ eure Tochter mir gewann.’
‘Gedenkt eurer Treue, ‖ viel edler König hehr,
Und schickt euch Gott von hinnen,’ ‖ so sprach Rüdiger, 30
‘So soll es nicht entgelten ‖ die liebe Tochter mein:
Bei aller Fürsten Tugend ‖ geruht ihr gnädig zu sein.’
‘So sollt ichs billig halten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,
‘Doch meine hohen Freunde, ‖ die noch im Saale sind,
Wenn die vor euch ersterben, ‖ so muss geschieden sein
Diese stäte Freundschaft ‖ zu dir und der Tochter dein.’ 20
‘Nun möge Gott uns gnaden,’ ‖ sprach der kühne Mann.
Da hoben sie die Schilde, ‖ als wollten sie hinan
Zu streiten mit den Gästen ‖ in Kriemhildens Saal;
Überlaut rief Hagen da ‖ von der Stiege zu Thal:
‘Noch harret eine Weile, ‖ viel edler Rüdiger.’
Also sprach da Hagen: ‖ ‘Wir reden erst noch mehr,
Ich und meine Herren, ‖ uns zwingt dazu die Noth.
Was hilft es Etzeln, finden ‖ wir in der Fremde den Tod?’
‘Ich steh in grosser Sorge,’ ‖ sprach wieder Hagen.
‘Den Schild, den Frau Gotlinde ‖ mir gab zu tragen, 30
Den haben mir die Heunen ‖ zerhauen vor der Hand:
Ich bracht ihn doch mit Treue ‖ her in König Etzels Land.
Dass es Gott im Himmel ‖ vergönnen wollte,
Dass ich so guten Schildes ‖ geniessen sollte,
Als du hast vor den Händen, ‖ viel edler Rüdiger:
So bedürft ich in dem Sturme ‖ keiner Halsbergen mehr.’ 20
‘Gern wollt ich dir dienen ‖ mit meinem Schilde,
Dürft ich dir ihn bieten ‖ vor Kriemhilde.
Doch nimm ihn immer, Hagen, ‖ und trag ihn an der Hand:
Hei! dürftest du ihn führen ‖ heim in der Burgonden Land!’
Als er den Schild zu geben ‖ so willig sich erbot,
Da wurden Mancher Augen ‖ von heissen Thränen roth.
Es war die letzte Gabe, ‖ es durfte nimmermehr
Einem Degen Gabe bieten ‖ von Bechlaren Rüdiger.
Wie grimmig auch Hagen, ‖ wie zornig war sein Muth,
Ihn erbarmte doch die Gabe, ‖ die der Degen gut 30
So nahe seinem Ende ‖ noch an ihn gethan.
Mancher edle Ritter ‖ mit ihm zu trauern begann.
‘Nun lohn euch Gott vom Himmel, ‖ viel edler Rüdiger.
Es giebt eures Gleichen ‖ auf Erden nimmermehr,
Der heimatlosen Degen ‖ so milde Gabe gebe:
So möge Gott gebieten, ‖ dass eure Tugend immer lebe.’ 20
‘O weh mir dieser Märe,’ ‖ sprach wieder Hagen,
‘Wir hatten Herzensschwere ‖ genug zu tragen:
Da müsse Gott erbarmen, ‖ gilts uns mit Freunden Streit!’
Da sprach der Markgraf wieder: ‖ ‘Das ist mir inniglich leid.’
‘Nun lohn ich euch die Gabe, ‖ viel edler Rüdiger.
Was immer wiederfahre ‖ diesen Recken hehr,
Es soll euch nicht berühren ‖ im Streite meine Hand,
Ob ihr sie all erschlüget, ‖ Die von der Burgonden Land.’
Da neigte sich ihm dankend ‖ der gute Rüdiger. 30
Sie weinten allenthalben. ‖ Dass nicht zu wenden mehr
Dieser Herzensjammer, ‖ das war eine grosse Noth.
Der Vater aller Tugend ‖ fand an Rüdiger den Tod.
Da sprach von der Stiege ‖ Volker, der Fiedelmann:
‘Da mein Geselle Hagen ‖ euch bot den Frieden an,
So biet ich auch so stäten ‖ euch von meiner Hand;
Das habt ihr wohl verdienet, ‖ da wir kamen in das Land. 20
Ihr sollt, viel edler Markgraf, ‖ mein Bote werden hier:
Diese rothen Spangen ‖ gab Frau Gotlinde mir,
Dass ich sie tragen sollte ‖ bei dieser Lustbarkeit;
Ihr mögt sie selber schauen, ‖ dass ihr des mein Zeuge seid.’
‘Wollt es Gott, der Reiche,’ ‖ sprach da Rüdiger,
‘Dass die Markgräfin ‖ euch geben dürfte mehr.
Die Märe sag ich gerne ‖ der lieben Trauten mein,
Seh ich gesund sie wieder: ‖ des sollt ihr ausser Zweifel sein.’
Nach diesem Angeloben ‖ den Schild hob Rüdiger,
Sein Muth begann zu toben: ‖ nicht länger säumt’ er mehr; 30
Auf lief er zu den Gästen ‖ wohl einem Helden gleich:
Viel kraftvolle Schläge ‖ schlug da dieser Markgraf reich.
Da wichen ihm die Beiden, ‖ Volker und Hagen, weit,
Wie ihm verheissen hatten ‖ die Recken kühn im Streit.
Noch traf er bei der Thüre ‖ so manchen Kühnen an,
Dass Rüdiger die Feindschaft ‖ mit grossen Sorgen begann. 20
Aus Mordgierde liessen ‖ in das Haus ihn ein
Gernot und Günther, ‖ das mochten Helden sein.
Zurück wich da Geiselher, ‖ fürwahr, es war ihm leid:
Er hoffte noch zu leben, ‖ drum mied er Rüdigern im Streit.
Da sprangen zu den Feinden ‖ Die in Rüdgers Lehn,
Man sah sie hohen Muthes ‖ bei ihrem Herren gehn,
Schneidende Waffen ‖ trugen sie an der Hand:
Da brachen viel der Helme ‖ und mancher schöne Schildesrand.
Da schlugen auch die Müden ‖ manchen starken Schlag
Auf die von Bechlaren, ‖ der tief und eben brach 30
Durch die festen Panzer ‖ und drang bis auf das Blut:
Sie thaten in dem Sturme ‖ viel Wunder herrlich und gut.
Das edle Heergesinde ‖ war nun in dem Saal;
Volker und Hagen, ‖ die sprangen hin zumal:
Sie gaben Niemand Frieden ‖ als dem Einen Mann;
Das Blut von ihren Hieben ‖ von den Helmen niederrann. 20
Wie da der Schwerter Tosen ‖ so furchtbar erklang,
Dass unter ihren Schlägen ‖ das Schildgespäng zersprang!
Die Schildsteine rieselten ‖ nieder in das Blut;
Da fochten sie so grimmig, ‖ wie man es nie wieder thut.
Der Vogt von Bechlaren ‖ schuf hin und her sich Bahn,
Wie Einer der mit Kräften ‖ im Sturme werben kann;
Des Tages ward an Rüdiger ‖ herrlich offenbar,
Dass er ein Recke wäre ‖ kühn und ohne Tadel gar.
Wohl erwies da Rüdiger, ‖ dass er stark genug,
Kühn und wohlgewaffnet; ‖ hei! was er Helden schlug! 30
Das sah ein Burgonde, ‖ dem schuf es Zorn und Noth:
Davon begann zu nahen ‖ des edeln Rüdigers Tod.
Gernot, der starke, ‖ rief den Helden an,
Er sprach sum Markgrafen: ‖ ‘Ihr wollt von unserm Bann
Niemand leben lassen, ‖ viel edler Rüdiger:
Das schmerzt mich ohne Massen; ‖ ich ertrag es länger nicht mehr. 20
Nun mag euch eure Gabe ‖ zu Unstatten kommen,
Da ihr mir der Freunde ‖ habt so viel benommen;
Nun bietet mir die Stirne, ‖ ihr edler, kühner Mann:
Eure Gabe wird verdienet, ‖ so gut ich immer nur kann.’
Bevor da der Markgraf ‖ zu ihm gedrungen war,
Ward noch getrübt vom Blute ‖ manch lichter Harnisch klar.
Da liefen sich einander ‖ die Ehrbegiergen an:
Jedweder sich zu schirmen ‖ vor starken Wunden begann.
Ihre Schwerter waren schneidig, ‖ es schirmte nichts dagegen.
Da schlug Gernoten ‖ Rüdiger der Degen 30
Durch den steinharten Helm, ‖ dass niederfloss das Blut:
Das vergalt ihm balde ‖ dieser Ritter kühn und gut.
Da schwang er Rüdgers Gabe, ‖ die ihm in Händen lag:
Wie wund er war zum Tode, ‖ er schlug ihm einen Schlag
Durch des Helmes Bänder ‖ und durch den festen Schild,
Davon ersterben musste ‖ der gute Rüdiger mild. 20
Nie ward so reicher Gabe ‖ so schlimm gelohnet mehr.
Da fielen beid erschlagen, ‖ Gernot und Rüdiger,
Im Sturme gleichermassen ‖ von beider Kämpfer Hand.
Da erst ergrimmte Hagen, ‖ als er den grossen Schaden fand.
Da sprach der Held von Tronje: ‘Es ist uns schlimm bekommen:
So grossen Schaden haben ‖ wir an den Zwein genommen,
Dass wir ihn nie verwinden, ‖ noch auch ihr Volk und Land.
Uns Heimatlosen bleiben ‖ nun Rüdgers Helden zu Pfand.’
‘Weh mir um den Bruder! ‖ der fiel hier in den Tod:
Was mir zu allen Stunden ‖ für leide Märe droht! 30
Auch muss mich immer reuen ‖ der gute Rüdiger:
Der Schad ist beidenthalben ‖ und grossen Jammers Beschwer.
Als der junge Geiselher ‖ sah seinen Bruder todt,
Die da im Saale waren, ‖ die mussten leiden Noth.
Der Tod warb um Beute ‖ unter Rüdgers Heer;
Deren von Bechlaren ‖ entgieng kein Einziger mehr. 20
‘Uns raubt der Tod die Besten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,
‘Nun lasset ab mit Weinen, ‖ und gehn wir an den Wind,
Dass sich die Panzer kühlen ‖ uns streitmüden Degen:
Es will nicht Gott vom Himmel, ‖ dass wir länger leben mögen.’
Den sitzen, den sich lehnen, ‖ sah man manchen Mann.
Sie waren wieder müssig; ‖ Die in Rüdgers Bann
Waren all erlegen; ‖ verhallt war Drang und Stoss.
Die Stille währte lange, ‖ bis es Etzeln verdross.
‘O weh dieser Dienste!’ ‖ sprach des Königs Weib.
‘Er ist nicht so getreue, ‖ dass unser Feinde Leib 30
Des entgelten müsste, ‖ von Rüdigers Hand:
Er will sie wiederbringen ‖ in der Burgonden Land.
‘Was hilft uns, König Etzel, ‖ dass wir an ihn verthan
Wes er nur begehrte? ‖ Er hat nicht wohl gethan!
Der uns rächen sollte, ‖ will der Sühne pflegen.’
Da gab ihr Volker Antwort, ‖ dieser zierliche Degen. 20
‘Dem ist nicht also, leider, ‖ viel edles Königsweib;
Und dürft ich Lügen strafen ‖ ein so hehres Weib,
So hättet ihr recht teuflisch ‖ auf Rüdiger gelogen:
Er und seine Degen ‖ sind um die Sühne gar betrogen.
So williglich vollbracht er ‖ was der König ihm gebot,
Dass er und sein Gesinde ‖ hier fielen in den Tod.
Nun seht euch um, Kriemhilde, ‖ wem ihr gebieten wollt:
Euch war bis an sein Ende ‖ Rüdiger getreu und hold.
Wollt ihr das nicht glauben, ‖ so schaut es selber an.’
Zu ihrem Herzleide ‖ ward es da gethan: 30
Man trug den Held erschlagen hin ‖ wo ihn der König sah.
König Etzels Degen ‖ so leid wohl nimmer geschah.
Als sie den Markgrafen ‖ todt sahen vor sich tragen,
Da vermöcht euch kein Schreiber ‖ zu deuten noch zu sagen
Die ungebärdge Klage ‖ so von Weib als Mann,
Die sich aus jammernden Herzen ‖ da zu zeigen begann.