Als der Herr Æneas
zur Herberge gekommen war, 10
er, der mächtige und berühmte,
da hiess er seine Kämmerer
zu sich kommen.
Da sandte der edle Trojaner
Spangen und Armringe,
wie Niemand mit seinen Augen
bessere sehen konnte,
den Frauen nach Laurente,
Gürtel und Ringe,
die nicht besser sein konnten: 20
denn er war ihr sehr hold.
Er sandte ein kostbares Hauptgold
ihrer Meisterin
zur Gabe und zum Andenken.
Danach sandte Æneas
seine Gabe, die sehr gut war,
all den Frauen besonders,
denn deren war eine grosse Menge,
hin zu den Gemächern,
die sehr wohl bestellt waren. 10
Æneas, der berühmte,
gab das Gut um der Ehre willen.
Als Æneas, der Held,
sein Kleinod geschickt hatte
nach Laurente zu den Frauen,
da sie es zu beschauen anfiengen,
da war es sehr lobenswerth.
Bald vernahm die Kunde
die alte Königin.
Da war sie von Sinnen gekommen 20
durch ihren grossen Zorn;
sie hatte ihren Verstand verloren;
sie ward sehr böse.
Sie liess ihre Tochter herauskommen,
die liebliche Jungfrau.
Als sie da zu ihr kam,
da sprach die Königin überlaut:
‘Wie froh du nun bist, böse Haut,
meines Herzens Kummer.
Du magst mir das glauben: 30
mir ist es leid, dass ich dich je gebar;
dass ich dich nicht zu Tode schlug
sobald als ich dich gewann!
Nun Turnus, der edle Mann,
durch deine Schuld erschlagen ist,
muss es die ganze Welt beklagen,
dass du je geboren wurdest.
Denn deinetwillen hat mancher Mann
sein Leben verloren.
Dass ich deines Vaters Frau ward, 10
das kam von Unheil,
dass ich ihm zu Theil ward.’
Wieder sprach die Königin
mit grosser Wuth
und mit grossem Zorne:
‘Wehe mir Verlorenen,
dass ich den unnützen Mann,
deinen Vater, je gewann,
dass mir mit ihm eine böse Gabe wurde.
Nun werde ich nicht länger leben, 20
und könnte ich, ich wollte nicht.
Seit ich das erleben sollte,
dass du und der Trojaner
vor mir gekrönt gehn solltet,
was doch bald geschehn muss,
so würde ich übel am Leben bleiben:
dass ist mir sehr ausser dem Spass.
Nun dein Vater dem Æneas
sein Reich geben will,
so handelt er sehr böslich.
Ich könnte es schwer ansehn.
Leid müsse euch geschehn,
dir von ihm, und ihm von dir.’
‘Frau, womit verdienen wir,’
sprach Lavine, die Jungfrau,
‘dass ihr den Göttern von uns klaget
und uns so sehr verflucht?
Unheil habe, wer es haben will.’ 10
‘Frau,’ sprach das Mädchen,
‘wogegen es keinen andern Rath giebt,
des muss man sich trösten.
Ich lobe darob Gott den Herrn,
dass es mir wohl gewährt hat,
dessen ich lang begehrt habe
wegen des edlen Trojaners:
denn nie gab es einen Mann,
der an Tugend ihm gliche.
Und könnt ich zehn Königreiche 20
mit Turnus gewinnen,
ich könnte ihn nicht lieben,
ich wollte lieber den Tod wählen.
Ihr mühet euch ohne Noth.
Wollt ihr euch aus Ärger tödten,
so habt ihr übel verloren
euer Lob und euren Leib.
Nun thut wie ein weises Weib
und bedenkt euch noch besser.
Ich will euch das rathen, 30
dass ihr aus Zorn nicht thut,
was Niemand gut dünkt.’
‘Frau Mutter mein,’ sprach sie.
‘Du musst darum unselig sein,’
sprach die Königin wieder
und fiel auf ihr Bette nieder.
Sie lag in voller Betrübniss,
ich weiss nicht wie viel Tage,
bis ihr der Tod ans Herz kam,
der ihr unsanft das Leben nahm.
Dass da der Herr Æneas 10
erfreut und geehrt war,
das liess er wohl sehn,
und sah da Lavinen,
so oft als er wünschte.
Er halste und küsste sie,
was sie gern von ihm annahm;
bis der Tag kam
und die Heimführung statt fand.
Gross war da der Zudrang.
Da kamen von allen Seiten 20
weither die Fürsten,
auf Schiffen und auf Strassen,
und Ritter ohne Zahl.
Die Spielleute und die fahrenden Leute,
die versäumten sich nicht,
und die aussätzigen Menschen.
So thäten sie noch heute,
wo solch ein Fest wäre;
hörten sie die Kunde,
sie zögen allenthalben zu. 30
So thaten sie da,
die es vernommen hatten.
Sie mochten gern dahin kommen,
und fröhlich,
denn sie wurden da reich,
wie das billig war.
So ward der Herr Æneas
zum König gekrönt.
Da ward ihm der Lohn
für seine Trübsal.
Mit grossem Reichthum
opferte er seinen Göttern zu Ehren,
die ihm die Fahrt dahin geboten hatten,
und belohnte die Seinen.
Da krönte man Lavinen
zu einer Königin. 10
Sie war da an das liebe Ende
ihrer Liebe gekommen
ohne alles Missgeschick.
Gross war das Fest,
und die Sitze waren weit.
Man fieng es da herrlich an.
Der König gieng zu Tische
und die edelen Fürsten,
jeder an seinen Platz,
Arme und Reiche, 20
alle sehr fröhlich.
Da ward gut bedient,
da ward die Speise nicht gespart.
Wer sich dessen befleissigen wollte,
dass er es merken sollte,
wie da bedient ward,
es wär eine lange Geschichte:
ich will euch denn also sagen,
man gab ihnen alles zu viel.
Essen und Trinken; 30
was Jemand nur denken konnte,
und das sein Herz begehrte,
wie wohl man ihnen das gewährte!
Als sie alle froh sassen
und tranken und assen
sehr gut nach ihrem Belieben,
da war es da nicht stille:
da war das Gerufe so gross,
dass es die Bösen verdross.
Da war Spiel und Gesang,
Turnieren und Drang,
Pfeifen und Singen,
Fiedeln und Springen, 10
Orgeln und Saitenspiel,
mancher Art Freude viel.
Der neue König Æneas,
der da Bräutigam war,
er bezahlte die Spielleute.
Er begann selbst sie zu beschenken,
denn er war der Allerhehrste,
deshalb begann er es zuerst,
wie ihm als König wohl geziemte.
Wer da seine Gabe empfieng, 20
dem gieng es selig:
denn er ward reich
für immer bis an sein Ende,
und half auch seinen Kindern,
so lange als sie leben mochten:
denn er konnte gut geben,
und hatte auch grosses Gut,
und dazu willigen Sinn.
Danach gaben die reichen
Fürsten sehr freigebig, 30
ihrer jeder mit seiner Hand,
theures Pfellelgewand,
dazu Pferde und Geld,
Silber- und Goldgefässe,
Maulthiere und Renner,
Pfellel und Sammet,
ganz und unzerschnitten,
und manchen goldnen Reif,
golden durchschlagen
Zobel und Hermelin
gaben die Fürsten.
die wohl geben durften,
Herzöge und Grafen
gaben den Spielleuten
grossartig und so, 10
dass sie alle froh von dannen schieden
und dem König Lob sangen,
ihrer jeglicher in seiner Zunge.
Da war viel Herrlichkeit,
Wonne und Gastmahl.
Dennoch klagte Herr Æneas
dass so wenig da waren,
die seines Gutes begehrten.
Einen Monat währte
die Heimführung und das Fest, 20
dass man da um die Wette gab.
Da waren hehre Fürsten,
die um ihrer eigenen Ehre
und um des Königs wegen gaben.
Herzöge und Grafen
und andre reiche Könige,
die gaben grossartig,
sie die wenig des Schadens achteten:
Saumpferde, gut beladen
mit Schätzen und Gewändern. 30
Ich hörte in dem Lande
von keinem Feste so gross,
dessen so Viele genossen.
Davon sprach man da weit.
Ich vernahm von keinem Feste,
in aller Zeit Kunde,
das so gross gewesen wäre,
als da Æneas hatte,
ausser dem, welches zu Mainz war,
das wir selber sahen.
Danach dürfen wir nicht fragen;
das war durchaus unermesslich,
als der Kaiser Friederich
seinen zwei Söhnen das Schwert gab.
Manch tausend Mark werth 10
ward da verzehrt und vergeben.
Ich wähne, alle die jetzt leben,
haben kein grösseres gesehn:
ich weiss nicht, was noch geschehen soll,
davon kann ich euch nichts berichten.
Ich vernahm von einem Ritterschlag
nie wahrhafte Kunde,
wo so viele Fürsten gewesen wären,
und so mancher Art Leute.
Es leben ihrer noch genug heute, 20
die es wahrlich wissen.
Dem Kaiser Friederich
geschah so manche Ehre,
dass man immer mehr
davon Wunder sagen mag
bis an den jüngsten Tag,
ohne Lügen fürwahr.
Es wird noch über hundert Jahr
von ihm gesagt und geschrieben.
Hier möge die Rede nun bleiben. 30