Nun die Gesellen sind bereit
mit wohlgemessner Kostbarkeit,
wie fahe ich meine Rede an, 10
dass ich den werthen Held Tristan,
meinen Hauptmann zur Schwertleite
so rüste und bereite,
dass es der Märe bekäme
und man es gerne vernähme?
Ich weiss nicht, wie ichs sage,
ob es euch wohl behage,
und ob es schön zur Märe steh:
In meinen Tagen und auch eh 20
hat man die Worte so wohl gestellt
von aller Herrlichkeit der Welt,
von reichem Geräthe, grosser Zier,
hätt ich der Sinne zwölfe hier,
davon ich hab nur einen,
und könnte sie vereinen,
und trüge ich zur Stunde
zwölf Zungen in diesem Munde,
und könnte mit einer jeden
also sprechen und reden,
als ichs mit meiner Einen kann,
ich wüsste es nicht zu fangen an,
wie ich so Gutes sänge
von Pracht und von Gepränge,
das nicht wär bass gethan vorher.
Ja, ritterlich Gewand und Wehr 10
ist also viel beschrieben,
mit Reden so zerrieben,
dass ich davon nichts reden kann,
da sich ein Herz erfreue dran.
Herr Hartmann von der Auen,
ah, der kann Mären bauen,
und kann sie aussen und innen
mit Worten und mit Sinnen
durchfärben und durchschmücken!
Wie seine Reden zücken 20
recht auf der Aventüre Sinn!
Wie fliessen rein und lauter hin
seine krystallene Wörtelein!
Sie sinds und mögen es immer sein!
Sie treten sittig zu dem Mann
und schmiegen sich dem Herzen an
und heimeln einem reinem Muth.
Wer gute Rede kann für gut
verstehn und recht erfassen,
muss dem von Aue lassen
sein Reis und seinen Lorbeerkranz.
Auf der Worthaide wer den Tanz
will machen mit dem Hasen,
hoch springen und weit grasen,
mit Worten würfeln, wies Gott bescheert,
und, unsrer Stimmen unbegehrt,
Wahnhoffnung zu dem Kranze fassen,
der möge uns nur den Wahn belassen,
wir wollen auch bei der Wahl nicht fehlen. 10
Wir, die die Blumen helfen wählen,
mit denen dieses Ehrenreis
durchflochten ist in Blumenweis,
wir wollen wissen, was er begehr!
Wer es begehr, er trete her
und stecke seine Blumen dar:
so nehmen wir an den Blumen wahr,
ob sie so schön am Kränzlein sehn,
dass wirs ihm müssen zugestehn
und dem von Aue herunterziehn. 20
Nun aber keiner noch erschien,
dems besser stünde zu dieser Frist,
helf Gott, so lassen wirs, wo es ist.
Das Reis darf uns Keiner haschen,
seine Rede sei denn wohl gewaschen,
und eben jedes Wort und schlicht,
dass Keiner den Hals darüber bricht,
der schön und aufrecht auf dem Plan
mit ebenen Sinnen kommt heran.
Die aber in Mären wildern
und wilde Mären bildern,
mit Riegel und Ketten klirren,
kurze Sinne verwirren, 10
und Gold von schlechten Sachen
den Kindern können machen,
die Büchsen schwingen und rütteln,
statt Perlen Staub draus schütteln,
die sinds! Vom Strunke kommt ihr Schatte,
und nicht vom grünen Lindenblatte;
die schirmen uns nicht mit Laub und Ästen.
Ihr dürrer Schatte thut den Gästen
viel selten in den Augen wohl.
Wenn man die Wahrheit sagen soll, 20
daran erwärmet keine Brust,
darin liegt keine Herzenslust,
ihre Rede hat die Farbe nicht,
die edlen Herzen dünket licht.
Dieselben wilden Jäger
sie müssen Wortausleger
mit ihren Mären lassen gehn:
wir können sie nicht so verstehn.
Mit Augen und mit Ohren;
auch ist die Zeit verloren,
dass man im schwarzen Buche
nach Noten und Glossen suche.
Noch sind der Farbenmeister mehr:
Bliker von Steinach tritt einher
mit Worten, lust- und wundersamen.
Die stickten Frauen an dem Rahmen 10
von Gold und auch von Seiden;
mann könnte sie überkleiden
mit griechischen Borten.
Er hat den Preis von Worten:
sein Sinn der ist so rein und klar,
ich wähne, dass ihn wunderbar
Feyen haben gesponnen,
und ihn in ihrem Bronnen
geläutert und geweihet:
er ist fürwahr gefeyet. 20
Seine Zunge mit den Harfensaiten
die hat zwo ganze Volkommenheiten:
Das sind die Worte und der Sinn;
die zwei die harfen zusammen hin
und folgen ihrer Märe Gang
zu seltenem Preise mit Einem Klang.
Der Rede Meister, sehet dort,
mit sinnreich ausgedachtem Wort
wie er am Umhang Wunder bringt,
wie ihm der Messerwurf gelingt
mit wolgefügten Reimen!
Wie kann er Reime leimen,
als wärens einander gewachsen an!
Fürwahr, es ist und bleibt mein Wahn,
er müsse Buch und Schriftbuchstaben
für Federn angebunden haben, 10
denn, wollt ihr seiner nehmen wahr,
seine Worte die schweben gleich dem Aar.
Wer nun? Es sind doch viel gewesen,
an Rede reich, von Sinn erlesen.
Wen soll ich auferwecken?
Heinrich von Veldecken
der sprach aus ganzem Sinne!
Wie sang er wol von Minne!
Wie schön er meisselte seinen Sinn!
Ich wähne, dass er die Weisheit hin 20
vom Born des gefiederten Rosses nahm,
von dem die Weisheit alle kam.
Ich hab ihn selber nicht geschaut:
Es geben aber die Besten laut,
die noch zu seinen Jahren
und selber Meister waren,
ein Zeugniss ihm und einen Preis:
Er impfete das erste Reis
in unsrer deutschen Zungen;
davon sind Äste entsprungen,
von denen die Blumen kamen,
daraus die Meister nahmen
den Sinn zu schönem Funde;
und ist dieselbe Kunde
so mannigfach verbreitet, 10
von Gau zu Gau geleitet,
dass alle, die nun sprechen,
die höchsten Kränze brechen
von Blumen und von Reisen,
an Worten und an Weisen.
Der Nachtigallen der sind viel,
von denen ich nun nicht reden will:
Sie gehören nicht zu dieser Schaar.
Damit geb ich nichts andres dar,
als was ich immer sagen muss: 20
Sie können alle ihren Gruss
und singen wohl zu Preise
ihre süsse Sommerweise.
Ihr Ton ist lauter und ist gut,
sie geben der Welt einen hohen Muth
und thun so recht dem Herzen wol.
Die Welt die würde stumpf und hohl
und käme ausser allem Schwang
ohne den lieben Vogelgesang;
der mahnet und mahnet einen Mann,
der je zu Freuden Muth gewann,
an alles Gute und Liebe,
und spielt mit manchem Triebe,
der edlen Herzen sanfte thut.
Das wecket freundlich holden Muth;
hievon kommt inniglicher Drang,
wenn spricht der süsse Vogelsang
der Welt von ihren Freuden allen.
Nun saget von den Nachtigallen: 10
Die sind zu ihrem Amt bereit
und können alle ihr sehnend Leid
so wohl besingen und besagen.
Welche soll dem das Banner tragen,
seit die von Hagenaue,
der ganzen Schaar Leitfraue,
die aller Töne höchsten Flug,
versiegelt auf der Zungen trug,
der Welt also verstummet ist?
An die gedenk ich zu jeder Frist. 20
Ich wähne von ihren Tönen,
den süssen und den schönen,
dass wohl des Orpheus süsser Mund,
dem alle Töne waren kund,
(davon er ihr bescheerte,
und sie das Wunder lehrte
so mancher Wandelungen)
aus ihrem Mund erklungen.
Seit man nun diese nicht mehr hat,
so gebt uns aber einen Rath.
Ein frommer Mann der leg ihn dar:
Wer leitet nun die liebe Schaar?
Wer weiset dies Gesinde!
Ich wähne, dass ich sie finde,
die nun das Banner führen soll:
Ihre Meisterin die kann es wohl,
die von der Vogelweide. 10
Hei, was die über die Heide,
mit hoher Stimme klinget!
Was Wunder sie uns bringet!
Wie fein sie organiert,
ihr Singen moduliert!
Ich meine aber in dem Ton,
der klinget von jenem Berg und Thron,
da wo die Göttin Minne
gebietet drauf und drinne.
Die ist bei Hofe Kämmererin: 20
die soll sie leiten fürohin;
die weiset sie nach Wunsche wohl,
die weiss wohl, wo sie suchen soll
der Minnen Melodieen.
Sie und die mit ihr ziehen,
die mögen also singen,
dass sie zu Freuden bringen
ihr Trauern und ihr sehnendes Klagen:
und das gescheh noch in meinen Tagen!