Ez machet trûric mir den lîp,
daz alsô mangiu heizet wîp.
ir stimme sint gelîche hel:
genuoge sint gein valsche snel,
etslîche valsches lære:
sus teilent sich diu mære.
daz die gelîche sint genamt,
des hât mîn herze sich geschamt.
wîpheit, dîn ordenlîcher site,
dem vert und fuor ie triwe mite. 10
Genuoge sprechent, armuot,
daz diu sî ze nihte got.
swer die durch triwe lîdet,
hellefiwer die sêle mîdet.
die dolte ein wîp durch triuwe:
des wart ir gâbe niuwe
ze himel mit endelôser gebe.
ich wæne ir nu vil wênic lebe,
die junc der erden rîhtuom
liezen durch des himeles ruom.
ich erkenne ir nehein.
man und wîp mir sint al ein: 10
die mitenz al gelîche.
frou Herzeloyd diu rîche
ir drîer lande wart ein gast:
si truoc der freuden mangels last.
der valsch sô gar an ir verswant,
ouge noch ôre in nie dâ vant.
ein nebel was ir diu sunne:
si vlôch der werlde wunne.
ir was gelîch naht unt der tac:
ir herze niht wan jâmers phlac. 20
Sich zôch diu frouwe jâmers balt
ûz ir lande in einen walt,
zer waste in Soltâne;
niht durch bluomen ûf die plâne.
ir herzen jâmer was sô ganz,
sine kêrte sich an keinen kranz,
er wære rôt oder val.
si brâhte dar durch flühtesal
des werden Gahmuretes kint.
liute, die bî ir dâ sint,
müezen bûwn und riuten.
si kunde wol getriuten
ir sun. ê daz sich der versan, 10
ir volc si gar für sich gewan:
ez wære man oder wîp,
den gebôt si allen an den lîp,
daz se immer ritters wurden lût.
‘wan friesche daz mîns herzen trût,
welch ritters leben wære,
daz wurde mir vil swære.
nu habt iuch an der witze kraft,
und helt in alle rîterschaft.’
Der site fuor angestlîche vart. 20
der knappe alsus verborgen wart
zer waste in Soltâne erzogn,
an küneclîcher fuore betrogn;
ez enmöht an eime site sîn:
bogen unde bölzelîn
die sneit er mit sîn selbes hant,
und schôz vil vogele die er vant.
Swenne abr er den vogel erschôz,
des schal von sange ê was sô grôz,
sô weinder unde roufte sich,
an sîn hâr kêrt er gerich.
sîn lîp was clâr unde fier:
ûf dem plân am rivier
twuog er sich alle morgen. 10
erne kunde niht gesorgen,
ez enwære ob im der vogelsanc,
die süeze in sîn herze dranc:
daz erstracte im sîniu brüstelîn.
al weinde er lief zer künegîn.
sô sprach si ‘wer hât dir getân?
du wære hin ûz ûf den plân.’
ern kunde es ir gesagen niht,
als kinden lîhte noch geschiht.
Dem mære gienc si lange nâch. 20
eins tages si in kapfen sach
ûf die boume nâch der vogele schal.
si wart wol innen daz zeswal
von der stimme ir kindes brust.
des twang in art und sîn gelust.
frou Herzeloyde kêrt ir haz
an die vogele, sine wesse um waz:
si wolt ir schal verkrenken.
ir bûliute unde ir enken
die hiez si vaste gâhen,
vogele würgn und vâhen. 10
die vogele wâren baz geriten:
etslîches sterben wart vermiten:
der bleip dâ lebendic ein teil,
die sît mit sange wurden geil.
Der knappe sprach zer künegin
‘waz wîzet man den vogelîn?’
er gert in frides sâ zestunt.
sîn muoter kust in an den munt:
diu sprach ‘wes wende ich sîn gebot,
der doch ist der hœhste got? 20
suln vogele durch mich freude lân?’
der knappe sprach zer muoter sân
‘ôwê muoter, waz ist got?’
‘sun, ich sage dirz âne spot.
er ist noch liehter denne der tac,
der antlitzes sich bewac
nâch menschen antlitze.
sun, merke eine witze,
und flêhe in umbe dîne nôt:
sîn triwe der werlde ie helfe bôt. 10
sô heizet einr der helle wirt:
der ist swarz, untriwe in niht verbirt.
von dem kêr dîne gedanke,
und och von zwîvels wanke.’
Sîn muoter underschiet im gar
daz vinster unt daz lieht gevar.
dar nâch sîn snelheit verre spranc.
er lernte den gabilôtes swanc,
dâ mit er mangen hirz erschôz,
des sin muoter und ir volc genôz. 20
ez wære æber oder snê,
dem wilde tet sîn schiezen wê.
nu hœret fremdiu mære.
swennerrschôz daz swære,
des wære ein mûl geladen genuoc,
als unzerworht hin heim erz truoc.
Eins tages gieng er den weideganc
an einer halden, diu was lanc:
er brach durch blates stimme en zwîc.
dâ nâhen bî im gienc ein stîc:
dâ hôrter schal von huofslegen.
sîn gabylôt begunder wegen:
dô sprach er ‘waz hân ich vernomn? 10
wan wolt et nu der tiuvel komn
mit grimme zorneclîche!
den bestüende ich sicherlîche.
mîn muoter freisen von im sagt:
ich wæne ir ellen sî verzagt.’
Alsus stuont er in strîtes ger.
nu seht, dort kom geschûftet her
drî ritter nâch wunsche var,
von fuoze ûf gewâpent gar.
der knappe wânde sunder spot, 20
daz ieslîcher wære ein got.
dô stuont ouch er niht langer hie,
in den phat viel er ûf sîniu knie.
lûte rief der knappe sân
‘hilf, got: du maht wol helfe hân.’
Der vorder zornes sich bewac,
dô der knappe im phade lac:
‘dirre tœrsche Wâleise
unsich wendet gâher reise.’
ein prîs den wir Beier tragn,
muoz ich von Wâleisen sagn:
die sint toerscher, denne beiersch her,
unt doch bî manlîcher wer. 10
swer in den zwein landen wirt,
gefuoge ein wunder an im birt.
Dô kom geleischieret
und wol gezimieret
ein ritter, dem was harte gâch.
er reit in strîteclîchen nâch,
die verre wâren von im komn:
zwên ritter heten im genomn
eine frouwen in sîm lande.
den helt ez dûhte schande: 20
in müete der juncfrouwen leit,
diu jæmerlîche vor in reit.
dise drî wârn sîne man.
er reit ein schœne kastelân:
sîns schildes was vil wênic ganz.
er hiez Karnahkarnanz
leh cons Ulterlec.
er sprach ‘wer irret uns den wec?’
sus fuor er zuome knappen sân.
den dûhter als ein got getân:
ern hete sô liehtes niht erkant.
ûfem touwe der wâpenroc erwant.
mit guldîn schellen kleine
vor iewederm beine
wârn die Stegreife erklenget 10
unt ze rehter mâze erlenget.
sîn zeswer arm von schellen klanc,
swar ern bôt oder swanc.
der was durch swertslege sô hel:
der helt was gein prîse snel.
sus fuor der fürste rîche,
gezimiert wünneclîche.
Aller manne schœne ein bluomen kranz,
den vrâgte Karnahkarnanz
‘junchêrre, sâht ir für iuch varn 20
zwên ritter die sich niht bewarn
kunnen an ritterlîcher zunft?
si ringent mit der nôtnunft
und sint an werdekeit verzagt:
si füerent roubes eine magt.’
der knappe wânde, swaz er sprach,
ez wære got, als im verjach
frou Herzeloyd diu künegîn,
dô sim underschiet den liehten schîn.
dô rief er lûte sunder spot
‘nu hilf mir, hilferîcher got.’
vil dicke viel an sîn gebet
fil li roy Gahmuret.
der fürste sprach ‘ich pin niht got,
ich leiste ab gerne sîn gebot. 10
du maht hie vier ritter sehn,
ob du ze rehte kundest spehn.’
Der knappe frâgte fürbaz:
‘du nennest ritter: waz ist daz?
hâstu niht gotlîcher kraft,
sô sage mir, wer gît ritterschaft?’
‘daz tuot der künec Artûs.
junchêrre, komt ir in des hûs,
der bringet iuch an ritters namn,
daz irs iuch nimmer durfet schamn. 20
ir mugt wol sîn von ritters art.’
von den helden er geschouwet wart:
dô lac diu gotes kunst an im.
von der âventiure ich daz nim,
diu mich mit wârheit des beschiet.
nie mannes varwe baz geriet
vor im sît Adâmes zît.
des wart sîn lob von wîben wît.
Aber sprach der knappe sân
dâ von ein lachen wart getân.
‘ay ritter guot, waz mahtu sîn?
du hâst sus manec vingerlîn
an dînen lîp gebunden,
dort oben unt hie unden.’ 10
aldâ begreif des knappen hant
swaz er îsers ame fürsten vant:
dez harnasch begunder schouwen
‘mîner muoter juncfrouwen
ir vingerlîn an snüeren tragnt,
diu niht sus an einander ragnt.’
der knappe sprach durch sînen muot
zem fürsten ‘war zuo ist diz guot,
daz dich sô wol kan schicken?
ine mages niht ab gezwicken.’ 20
der fürste im zeigete sâ sîn swert:
‘nu sich, swer an mich strîtes gert,
des selben wer ich mich mit slegn:
für die sîne muoz ich an mich legn,
und für den schuz und für den stich
muoz ich alsus wâpen mich.’
aber sprach der knappe snel
‘ob die hirze trüegen sus ir vel,
so verwunt ir niht mîn gabylôt.
der vellet manger vor mir tôt.’
Die ritter zurnden daz er hielt
bî dem knappen der vil tumpheit wielt 10
der fürste sprach ‘got hüete dîn.
ôwî wan wær dîn schœne mîn!
dir hete got den wunsch gegebn,
ob du mit witzen soldest lebn.
diu gotes kraft dir virre leit.’
die sîne und och er selbe reit,
unde gâhten harte balde
zeinem velde in dem walde.
dâ vant der gefüege
frôn Herzeloyden phlüege. 20
ir volke leider nie geschach;
die er balde eren sach:
sie begunden sæn, dar nâch egen,
ir gart ob starken ohsen wegen.
Der fürste in guoten morgen bôt,
und frâgte se, op si sæhen nôt
eine juncfrouwen lîden.
sine kunden niht vermîden,
swes er vrâgt daz wart gesagt.
‘zwêne ritter unde ein magt
dâ riten hiute morgen.
diu frouwe fuor mit sorgen:
mit sporn si vaste ruorten, 10
die die juncfrouwen fuorten.’
ez was Meljahkanz.
den ergâhte Karnachkarnanz,
mit strîte er im die frouwen nam:
diu was dâ vor an freuden lam.
si hiez Imâne
von der Beâfontâne.
Die bûliute verzagten,
dô die helde für si jagten.
si sprâchen ‘wiest uns sus geschehen? 20
hât unser junchêrre ersehen
ûf disen rittern helme schart,
sone hân wir uns niht wol bewart.
wir sulen der küneginne haz
von schulden hœren umbe daz,
wand er mit uns dâ her lief
hiute morgen dô si dannoch slief.’
der knappe enruochte ouch wer dô schôz
die hirze kleine unde grôz:
er huop sich gein der muoter widr,
und sagt ir mær. dô viel si nidr:
sîner worte si sô sêre erschrac,
daz si unversunnen vor im lac.
Dô diu küneginne
widr kom zir sinne,
swie si dâ vor wære verzagt, 10
dô sprach si ‘sun, wer hât gesagt
dir von ritters orden?
wâ bist dus innen worden?’
‘muoter, ich sach vier man
noch liehter danne got getân:
die sagten mir von ritterschaft.
Artûs küneclîchiu kraft
sol mich nâch rîters êren
an schildes ambet kêren.’
sich huop ein niwer jâmer hie. 20
diu frouwe enwesse rehte, wie
daz si ir den list erdæhte
unde in von dem willen bræhte.
Der knappe tump unde wert
iesch von der muoter dicke ein pfert.
daz begunde se in ir herzen klagn.
si dâhte ‘in wil im niht versagn:
ez muoz abr vil bœse sîn.’
do gedâhte mêr diu künegîn
‘der liute vil bî spotte sint.
tôren kleider sol mîn kint
ob sîme liehten lîbe tragn.
wirt er geroufet unt geslagn,
sô kumt er mir her wider wol.’ 10
ôwê der jæmerlîchen dol!
diu frouwe nam ein sactuoch:
si sneit im hemde unde bruoch,
daz doch an eime stücke erschein
unz enmitten an sîn blankez bein.
daz wart für tôren kleit erkant.
ein gugel man obene drûfe vant.
al frisch rûch kelberîn
von einer hût zwei ribbalîn
nâch sînen beinen wart gesnitn.
dâ wart grôz jâmer niht vermitn. 20