Ich altre nun von Tage zu Tage
Und bin doch um nichts weiser denn sonst heuer,
Und hätt ein andrer meine Klage,
Dem riethe ich so, dass es wäre eine Rede theuer,
Und gebe mir selber bösen Rath;
Ich weiss viel wohl, was mir den Schaden gemachet hat,
Dass ich ihr nicht verhehlen konnte, wie mir
War. Das hab’ ich ihr gesagt so viel, 20
Dass sie es nicht mehr hören will.
Nun schweige ich und neige ihr.
Ich wähnte sonst, es wäre ihr Spott,
Die mir von Minne das grosse Leiden gestunden,
Das entgelte ich sehre, nun helfe mir Gott,
Da ich die Wahrheit an mir selber hab erfunden. 10
Mir ist kommen in das Herze mein
Ein Weib, soll ich der ein ganzes Jahr noch unlieb sein,
Und soll das also lange stahn,
Dass sie mein nicht nimmt wahr,
So muss meine Freude von ihr gar
Vielleicht ohn’ allen Trost zergahn.