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The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) cover

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Chapter 89: HEINRICH VON MORUNGEN.
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About This Book

A companion anthology assembles representative extracts of German prose and poetry from the fourth to the nineteenth century, chosen to illustrate the literary periods treated in a contemporary scholarly history. It presents original medieval and early‑modern texts alongside modern German renderings, and includes biographical notices, editorial notes, and guidance on transcription, orthography, and layout. Selection principles and chapter headings follow the historian’s framework while certain major figures receive extended treatment, and the volume intermixes poems, prose excerpts, and critical commentary to serve as a practical reading‑book and reference for students and general readers.

HEINRICH VON MORUNGEN.

[Scherer D. 148, E. 141.]

Ein Ritter aus Thüringen, dichtete Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts. Herausgegeben in Minnesangs Frühling, Nr. 18.

Ich wæne nieman lebe der mînen kumber weine[176],
den ich eine[177] trage,
ez entuo diu guote, diech mit triuwen meine,
vernimt si mîne klage.
wê wie tuon ich sô, daz ich sô herzeclîche
bin an si verdâht[178], daz ich ein künicrîche
für ir minne niht ennemen wolde,
ob ich teilen unde welen solde?
Swer mir des verban[179], ob ich si minne tougen[180],
seht der sündet[181] sich. 10
swenn ich eine bin, si schînt mir vor den ougen.
sô bedunket mich
wie si gê dort her ze mir aldur[182] die mûren.
ir rede und ir trôst enlâzent mich niht trûren.
swenn si wil, sô füeret si mich hinnen
mit ir wîzen hant hôh über die zinnen.
Ich wæne, si ist ein Vênus hêre, diech dâ minne:
wan si kan sô vil.
si benimt mir beide fröide und al die sinne.
swenne sô si wil, 20
sô gêt si dort her zuo einem vensterlîne,
und siht mich an reht als der sunnen schîne:
swan ich si dan gerne wolde schouwen,
ach sô gêt si dort zuo andern frouwen.
Dô si mir alrêrst ein hôhgemüete[183] sande
in daz herze mîn,
des was bote ir güete, die ich wol erkande,
und ir liehter schîn
sach mich güetlîch ane mit ir spilnden[184] ougen:
lachen si began ûz rôtem munde tougen.
sâ zehant enzunte[185] sich mîn wunne,
daz mîn muot stuont hôhe sam[186] diu sunne.
Wê waz rede ich? jâ ist mîn geloube bœse
und ist wider got.
wan[187] bite ich in des daz er mich hinnen lœse?
ez was ê mîn spot. 10
ich tuon sam der swan, der singet swenne er stirbet.
waz ob mir mîn sanc daz lîhte noch erwirbet,
swâ man mînen kumber sagt ze mære[188],
daz man mir erbünne[189] mîner swære[190]?