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Thekla, oder die Flucht nach der Türkei. / Epilog zum Staatsgefängniß. Nebst zwei andern Novellen. cover

Thekla, oder die Flucht nach der Türkei. / Epilog zum Staatsgefängniß. Nebst zwei andern Novellen.

Chapter 20: 4.
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About This Book

Die Erzählung spielt in einer Grenzstadt, in der politische Umwälzungen das öffentliche Leben und private Verhältnisse erschüttern. Im Mittelpunkt stehen ein Apotheker mit seiner Tochter, deren Verlobung mit einem jungen Advokaten und die Spannungen zwischen loyalistischen und freiheitsfreundlichen Gesinnungen. Die Proskription und Flucht einer jungen Gräfin, auf die ein hohes Kopfgeld ausgesetzt ist, verbreiten Gerüchte und beunruhigen die Bürgerschaft. Hausinterne Veränderungen — die Erkrankung der bisherigen Haushälterin, die Ankunft einer neuen Magd und die Zurückhaltung des Verlobten in politischen Fragen — verbinden persönliche Sorgen mit der politischen Lage. Die Novelle verknüpft politische Verfolgung, private Bindungen und die Auswirkungen auf Alltag, Liebe und Sicherheit.

Nach zwei Minuten hörten die in dem Zimmer bestürzt Zurückgebliebenen das Gerassel des Wagens, der die beiden Freunde nach dem Schlosse brachte.

– Herr Valentin, sagte Marie mit fester Stimme und alle ihre Kraft zusammennehmend – nach dem Gesetze bin ich die Frau Ihres Neffen.

– Kein Mensch kann etwas dagegen haben, antwortete der Richter – Sie haben meinem Eberhard das Wort gegeben und das Gesetz hat es bestätigt.

– Das Gesetz, fuhr Marie fort; nicht aber die Kirche!

– Das thut nichts; ist dem Gesetze Genüge geschehen, so ist es nach unsern aufgeklärten Begriffen genug.

– Aber nicht nach den meinigen. Hören Sie deshalb meinen Willen!

– Was wollen Sie denn, liebe Mündel? fragte mit Ironie der Richter.

– Ich will, sagte Marie mit Würde, daß man mich so lange als unverheirathet betrachtet, bis der Priester dem contractlich abgeschlossenen Ehebunde die kirchliche Weihe ertheilt. So lange bleibe ich allein im vollen Besitze aller meiner Rechte und meines Vermögens.

– Und wann wird der Priester sein Geschäft vollziehen? fragte Eberhard.

– Dann, wenn ich mich dazu vorbereitet haben werde – vielleicht nächsten Sonntag.

– Marie, sagte der Jäger mit Galanterie, zwar ist dieser Aufschub ein Unglück für mein Herz, ich füge mich aber und harre!

– Sie begreifen wohl, daß mir bis dahin die Einsamkeit wünschenswerth ist – –

– Das heißt mit andern Worten – fiel rasch und ärgerlich der Richter ein – wir sollen uns entfernen?

– Vetter! sagte mahnend der Neffe, dem bei der Unterredung nicht ganz wohl zu Muthe war.

– Gut, schöne Mündel, eigensinnige Marie, wir gehen. Heute ist es Montag – es bleiben uns also noch fünf Tage Zeit, um Vorbereitungen zu einer glänzenden Hochzeit zu treffen.

– Treffen Sie keine Vorbereitungen, Herr Valentin!

– Und warum nicht?

– Weil eine stille Feier den Umständen angemessen ist.

– Aber das Haus meines Neffen, das so reizend am Saume des Waldes liegt, werden Sie doch beziehen.

– Ich werde thun, was als Gattin meine Pflicht ist!

Marie grüßte und ging in ihr Schlafzimmer, dessen Thür sich in dem Stübchen öffnete.

Vetter und Neffe verließen das Haus und theilten sich unterwegs ihre Besorgnisse wegen Mariens Absichten mit.

– Der Contract ist nach allen Formen richtig abgeschlossen – meinte der Richter – will Deine Frau die eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllen, wird sie das Gesetz schon dazu anhalten.

Der Abend fand Eberhard und Graff in dem Wirthshause wieder beisammen, wo sie auf das völlige Gelingen ihres Planes eine Flasche um die andere leerten und die Civilehe hoch leben ließen.

7.

Während Marie einsam in ihrem Stübchen weinte und sich von aller Welt absonderte, bewohnte Konrad ein Zimmer auf dem Schlosse seines Gutsherrn. Röschen, der die Besorgung der kleinen Wirthschaft ihres Bruders allein oblag, besuchte ihn jeden Tag und berichtete, was man im Dorfe über den Vorfall sprach.

– O mein Gott, rief er aus, hätte mich Marie auf die schändlichste Art von der Welt betrogen, ich würde mich zu trösten wissen und sie mit Verachtung bestrafen, wie sie es in diesem Falle verdiente – so aber ist sie selbst ein Opfer ihrer Liebe zu mir geworden und ich habe ein treues Mädchen verloren!

Der Graf, dem das Geschick des armen Konrad tief zu Herzen ging, hatte vergebens sich bemüht, ihn zu einem Antrage auf gerichtliche Untersuchung und Aufhebung des erzwungenen Ehecontracts zu bewegen; er hatte sich aber stets entschieden dagegen ausgesprochen, da er Marien nicht in eine Untersuchung verwickeln wollte. Im Grunde des Herzens hoffte er indeß, Marie selbst würde Schritte thun, ihre Freiheit wieder zu erlangen, und in dieser Voraussetzung, die mit jedem Tage mehr zur Gewißheit wurde, lebte er wie ein Einsiedler unthätig im Schlosse; als er aber von Röschen hörte, daß am Sonntage die kirchliche Trauung stattfinden sollte, schwand sein letzter Hoffnungsstrahl, er kündigte dem Grafen an, daß er nach Amerika auswandern würde. Obgleich der Umstand, daß Konrads Hut in den Ruinen gefunden sei, den Grafen ein vorbereitetes Bubenstück ahnen ließ, so stand er dennoch von einer gerichtlichen Untersuchung ab und fügte sich Konrads dringendem Wunsche, zumal da jede Vermuthung des Thäters ihm fehlte. Heimlich aber hatte er dennoch bei dem Landrathe Anzeige von dem Angriffe auf seine Person gemacht und auf genaue Vigilirung in der Gegend angetragen.

Denselben Sonntag, den Valentin zur Trauung seines Neffen mit Marien erwartete, hatte auch der Baron zur Verbindung seiner Mündel Emma mit dem jungen Grafen festgesetzt und es wurden die Vorbereitungen dazu auf das Eifrigste betrieben. Dies gab dem gräflichen Bräutigam Veranlassung, öfter den Edelhof des Barons zu besuchen und seinen Freund Konrad sich selbst zu überlassen, der am folgenden Tage die Gegend und das Land meiden wollte. Er fürchtete des Grafen Zureden, deshalb faßte er den festen Entschluß, heimlich seine Reise anzutreten.

Der Donnerstag hatte sein Ziel erreicht und die Nacht lag auf der Erde, als Konrad das Schloß verließ und langsam dem Dorfe zuging. Er wollte von seiner Schwester Abschied nehmen. Unbekümmert um den Weg, den er eingeschlagen, stand er plötzlich still und faßte seine Umgebung in's Auge – er befand sich an Mariens Gartenthür, neben welcher die Laube lag, wo er im Frühling Abschied von ihr genommen, als er in den Krieg zog. Unwillkührlich trat er an den Zaun und sah sinnend durch die Blätter, die ein leichter Abendwind von Zeit zu Zeit leise rauschen ließ.

Plötzlich glaubte er Schritte zu vernehmen – er verdoppelte seine Aufmerksamkeit – er hatte sich nicht getäuscht – die Schritte kamen näher und knisterten zuletzt leise im Sande der Laube.

– O mein Gott, dachte Konrad, wenn es Marie wäre!

Er hatte Mühe, bei diesem Gedanken den Ausbruch seiner Bewegung zu verhindern. Mit angehaltenem Athem blieb er stehen und sah starr nach der dunkeln Laube, von der ihn nur die Blätter des Zaunes trennten. Noch war er unschlüssig, ob er bleiben oder gehen sollte, als ein lautes Weinen an sein Ohr schlug. Ein Laut genügte, um ihn Mariens Stimme erkennen zu lassen. Auch dem jungen Manne traten die Thränen in die Augen und die kaum erlangte Fassung verscheuchte der heftigste Schmerz um das geliebte Mädchen.

– Die Kraft verläßt mich – hörte er Marien mit sich selbst reden – ich kann des Försters Frau nicht werden – und Konrad flieht mich – er unternimmt nichts für sein Mädchen, giebt es dem Schmerze und der Verzweiflung preis – o mein Gott, mein Gott!

– Marie! Marie! rief Konrad unwillkührlich und sank zitternd auf die Knie in das bethaute Gras nieder.

– Himmel! rief die Stimme in der Laube – wer ruft mich?

– Marie, nur ein Wort, ehe ich von Dir scheide!

– Konrad, Du kommst zu mir, zu dem Mädchen, das Du hassen solltest, denn es hielt Dich fähig, ein Verbrechen zu begehen –?

Als ob ihn eine unsichtbare Gewalt dazu antriebe, raffte sich der junge Mann empor, riß die Gartenthür auf und stürzte in die Laube, in der Marie weinend am Boden lag.

– Konrad, rief sie ihm entgegen, ich bin ein elendes, unglückliches Geschöpf! Kannst Du mir verzeihen? Wirst Du mich nicht hassen?

– Nein, Marie, ich beklage Dich und liebe Dich immer noch mit der ganzen Kraft meines Herzens.

Sanft zog er das bebende Mädchen empor und drückte einen innigen, langen Kuß auf ihre glühende Stirn.

– Marie, Dein Schicksal betrübt mich mehr, als das meinige, denn Du mußt den Jugendfreund vergessen, und die Liebe, welche das Glück Deines Lebens machen sollte, wird Dir zur bittersten Qual.

– Konrad! Konrad!

– Sieh, fuhr Konrad fort, indem er seinen Arm um ihren Hals schlang – ich bin glücklicher, als Du, denn mein Herz ist frei, es kann Dir treu bleiben und Dich lieben – mich fesselt kein anderes Band, ich kann meinen letzten Seufzer zu Dir senden, ich kann sterben mit Deinem Namen auf den Lippen – darum weine nicht über mich – ich bin ja weniger zu beklagen, als Du!

Mit bebenden Armen klammerte sich Marie an Konrad und hielt ihn krampfhaft einige Minuten umschlungen.

– Jetzt fasse Dich, sagte Konrad, ich scheide, um Dir die Erfüllung Deiner Pflicht nicht zu erschweren.

– O mein Gott, laß mich sterben, denn das Leben macht mich elend!

– Komm, Marie, in Dein Haus, ehe uns ein Späherauge belauscht – ich begleite Dich bis zur Schwelle, dann lebe wohl!

Langsam gingen beide durch den vom Sternenlichte erhellten Garten. Als sie an der Thür des Hauses waren, drückte Konrad schweigend den letzten Kuß auf Mariens Lippen, entwand sich ihren Armen und eilte in die Nacht hinaus. Ohne eine bestimmte Absicht zu haben, folgte er dem Fußwege, den er betreten, sein Kopf glühte in Fieberhitze, und je mehr er sich von Mariens Wohnung entfernte, je mehr steigerte sich sein Schmerz zum Lebensüberdruß.

Wohl eine Viertelstunde war er durch Gebüsche und Felder geirrt, als ihm plötzlich eine weite Fläche entgegenblinkte. Es war der Teich, dessen Wasser Philipp's Mühle trieb. Mit einem unheimlichen Lächeln blieb er stehen und sah auf den ruhigen Spiegel des schilfbedeckten Weihers. Der Abend war still, nichts regte sich in der schweigenden Natur, das ferne monotone Geklapper der Mühle, deren erleuchtetes Fenster wie ein Stern flimmerte, war das einzige Geräusch, das an das Ohr des unglücklichen Konrad schlug.

– Nein, flüsterte er endlich vor sich hin – ich will die Last des Lebens wenigstens hier nicht von mir werfen, daß Marie sich meinen Tod nicht zum Vorwurf machen kann, sie ist ja schon unglücklich genug. Fort, rief er aus, indem er abwehrend die Hände gegen den Weiher streckte – fort, daß mich der Dämon nicht erfaßt – überall wüthet der Krieg, er nehme mich als sein Opfer, dann sterbe ich einen Tod, den die öffentliche Meinung nicht zum Verbrechen stempelt!

Rasch wandte er dem Ufer den Rücken und eilte einem Gehölze zu, dessen Umrisse sich von dem gelben Stoppelfelde in phantastischen Gestalten absonderten. Das Feld war durchschritten und Konrad stand an einer lebendigen Hecke, die ein freundliches Jägerhaus umschloß. Aus einem Fenster des Erdgeschosses, das bis zur Hälfte von den Blättern und Ranken des Zaunes bedeckt ward, schimmerte ihm ein Licht entgegen.

– Himmel, flüsterte Konrad überrascht – ist das nicht das Haus des Försters Eberhard, des Mannes der unglücklichen Marie? Führt mich der Zufall hierher, oder hat mich die Hand des Schicksals geleitet? Ha, Bube, rief er aus und drohete mit der geballten Faust dem Fenster zu – Du bist der Teufel, der zwei Menschen unglücklich macht, Du trägst die Schuld, daß Marie weint und ich von Verzweiflung getrieben die Welt durchirren muß! Herr Gott im Himmel, hast Du mich hierhergeführt, daß ich Mariens Bande brechen soll, o so gieb mir ein Zeichen und mache mich zum Werkzeuge Deiner Vorsehung!

Ein lautes Klopfen an des Hauses Thür, die sich auf der entgegengesetzten Seite befand, gab dem jungen Manne Antwort auf diese Frage, die ihm die Verzweiflung erpreßt. Lauschend blieb er stehen.

– Wer klopft? fragte Eberhard's Stimme in dem Hause.

– Ich – Graff! war die Antwort an der Thür.

– Wer es auch sei, ich öffne um diese Stunde nicht!

– Eberhard, öffne die Thür!

– Komm morgen wieder!

– Oeffne, ich muß Dich sprechen in Deinem Interesse!

Das Gespräch schwieg. Statt seiner hörte Konrad das Oeffnen der Thüren und Schritte im Innern des Hauses. Von einer Ahnung getrieben, als ob er ein wichtiges für sein Leben entscheidendes Geheimniß entdecken würde, bog er leise die Zweige und Blätter zurück und steckte den Kopf durch eine Oeffnung des Zaunes, daß er durch das Fenster das beleuchtete Zimmer völlig übersehen konnte. Kaum hatte er diese Stellung eingenommen, als er Eberhard und Graff durch die Thür eintreten sah. Eberhard trug einen schlichten Hausrock, Graff war mit Gewehr und Hirschfänger bewaffnet.

Konrad hörte deutlich folgendes Gespräch, das sich zwischen den beiden Jägern entspann.

– Nun, sagte Graff eintretend, Du bist wohl in Deinem Glücke so übermüthig geworden, daß Du den Freund und Genossen im Hofe warten läßt, als ob er Dein Treibjunge wäre? Ich dächte, wenn ich komme, müßten alle Thüren offen stehen!

– Was willst Du? Was führt Dich zu mir? fragte verdrießlich der Revierförster.

– Unsere Sicherheit, und mehr noch ein gutes Geschäft.

– Ein gutes Geschäft – was soll das heißen?

– Du weißt doch, daß der junge Graf Rudolph die Gräfin Emma von Linden heirathet und daß die Braut dem Bräutigam ein beträchtliches Vermögen zubringt?

– Nun? fragte Eberhard.

– Nun, Herr Compagnon, habe ich diesen Nachmittag in Erfahrung gebracht, daß der Graf diese Nacht das Schloß des Barons von H. verläßt und zwanzigtausend Thaler in Golde mit sich führt – dieses Sümmchen soll der Braut den Weg in das Haus des Gemahls bahnen – er will vor der Hochzeit noch einige Wechsel damit einfangen, damit man ihn nicht fängt.

– Was kümmert das mich? sagte Eberhard gleichgültig.

– Gegen Mitternacht wird er in seinem Jagdwagen allein nach Hause zurückkehren – sein Weg führt ihn an den Steinbrüchen vorbei –

– Himmel, rief der Förster, solltest Du vielleicht noch einmal auf den Gedanken kommen – –

– Ah, verstehst Du mich endlich? rief Graff mit heiserm Lachen – Nicht wahr, es wäre doch jammerschade, wenn die schöne Summe mit in den Steinbrüchen begraben würde. Das Geschäft ist von doppeltem Nutzen: wir entledigen uns eines gefährlichen Menschen, der unsere Püffe in den Ruinen der Abtei nicht vergessen kann, und werden auf einmal reich – Du freilich sitzest schon in der Wolle, denn Du heirathest ein niedliches Mädchen und eine eben so niedliche Meierei – aber ich mit meiner Fratze kann an Heirathen nicht denken, ich muß auf ein anderes Mittel sinnen, mir ein Vermögen zu erwerben – und siehe da, meinem Scharfsinn ist es gelungen – Du bist mein Freund, Eberhard, Du sollst von diesem Geschäfte den dritten Theil erhalten, mehr gebrauchst Du nicht, um für einen wohlhabenden Mann zu gelten – ich lade Dich hiermit feierlichst dazu ein.

Dem Lauscher am Fenster erstarrte das Blut in den Adern, ihm war, als ob ein Traum seine Sinne umnebelte. Mit aller Kraft, die ihm zu Gebote stand, behauptete er seine Stellung, um den Ausgang des Gesprächs zu erfahren, denn so viel war ihm trotz seines Zustandes klar, daß eine bloße Anzeige ohne Beweise nicht nur ohne Nutzen, sondern selbst von Nachtheil für ihn sein könnte. Der Gedanke, Marie ist durch die Civilehe an einen Raubmörder gekettet, gab ihm Kraft zur Ausdauer.

– Ich folge Dir nicht, hörte er Eberhard sprechen. Du hast mich einmal zu einem Verbrechen verleitet, aber nie wird es wieder geschehen!

– Beim Himmel, rief Graff, die Civilehe scheint Dein Gewissen sehr zart gemacht zu haben!

– Nicht die Ehe, sondern das geraubte Geld – dort liegt es im Schranke – ich mag es nicht berühren! Könnte ich mit der Zurückgabe desselben meine Ruhe wieder erkaufen, ich würde mich ohne Bedauern davon trennen. O, daß ich Deinen Worten Gehör gegeben habe! Fliehe, Du bist der Teufel, der mein Leben vergiftet!

– Sieh, mein Bürschchen, wie klug Du redest! Das Geld verachtest Du jetzt, weil Du ein reiches Mädchen geheirathet hast – wie aber, mein wackerer Freund, wenn ich nicht auf den Gedanken gekommen wäre, durch die Zurücklassung des Hutes in den Ruinen den Bräutigam Marien's zu verdächtigen, daß sie ihm den Abschied geben und aus Angst Dich heirathen mußte – wie aber, frage ich, stände es jetzt mit Dir? Glaubst Du denn, daß Marie den Konrad hätte fahren lassen, nur um Dir den Vorzug zu geben? Hätte mein Scharfsinn das Netz nicht gewebt, Du hättest sicher den Vogel nicht gefangen, der Dich stolz und Dein Gewissen zart macht – Du säßest jetzt im Schuldgefängnisse und sähest durch die Eisenstäbe Deines Fensters, wie andere Leute sich des Lebens freuen.

– Laß' mich Graff, ich will künftig als rechtlicher Mann leben!

– Ha, ha, ha! lachte der Jäger – glaubst Du denn, daß man nach Belieben aufhören kann, wenn man einmal angefangen hat – das wäre sehr bequem – Nein, mein Junge, ich brauche Dich, und Du mußt mitgehen, oder – –

– Oder? wiederholte Eberhard.

– Oder ich beweise Dir, sagte der Jäger in einem drohenden Tone – daß Du mir Gehorsam schuldig bist!

– Mensch, rief der Förster, laß mich in Ruhe!

– Wenn Du Deine Pflicht gegen mich erfüllt hast!

– So nimm das Geld aus dem Schranke und geh'!

– Wie, den Freund willst Du mit Geld abkaufen?

– Du bist nicht mein Freund, ich schäme mich Deiner!

– Nicht Dein Freund? Oho, wer bin ich denn? fragte Graff mit wutherstickter Stimme.

– Mein Teufel bist Du!

– Aber doch Dein guter Teufel?

– Geh' aus meinem Hause! rief Eberhard, den die Ironie des Jägers fast zur Verzweiflung brachte.

– Höre noch ein Wort, Freund Eberhard, ehe Du mich aus Deinem Hause jagst: Bist Du mit dem Schlage elf Uhr nicht in dem Wirthshause des alten Kaspar, um mich zu begleiten, so gehe ich morgen früh zu Marien und entdecke ihr das süße, unschuldige Geheimniß ihres Mannes – hast Du gehört?

– Allmächtiger Gott, das wolltest Du thun? Graff, nimm jenes Geld aus dem Schranke, es fehlt kein Thaler daran – nimm es, aber laß' mich in Ruhe! Geh, geh, Du fürchterlicher Mensch!

– Ohne Dich keinen Schritt!

– Bedenke, daß wir ein neues Verbrechen auf unsere Seele laden!

– Eins oder zwei – das ist ganz gleich! Feigling, lachte der Jäger, Du fürchtest Dich, ein kluger Mann zu sein?

– Du lachst noch? fragte Eberhard mit Schaudern.

– Ja, ich lache Freund, um Dir meine Achtung zu beweisen! Noch einmal wähle: willst Du zu dem Rendez-vous kommen, oder soll ich gehen – Du weißt wohin?

– Mensch, ist das Dein Ernst?

– Bei meiner Jägerehre, die ich nie verletzte!

– Noch einmal, Graff –!

– Nicht ein Wort – ja, oder nein?

Eine Pause trat ein. Die beiden Jäger in dem Zimmer standen sich einander gegenüber, Konrad am Fenster wagte nicht zu athmen, obgleich ihm ein unnennbares Gefühl die Brust zersprengen wollte.

– Gut, ich komme! sagte endlich Eberhard. Aber nur unter einer Bedingung.

– Nenne sie!

– Daß kein Blut vergossen wird.

– Narr, ein halbes Geschäft ist keins. Wenn uns der Graf nun erkennt? Sieh', ich bin auf Deinen Vortheil bedacht: ich mache mich aus dem Staube, so bald ich das Geld habe, das kannst Du nicht, Du mußt bei Deiner Frau bleiben – mir ist es ganz gleich, ob der Graf mit heiler Haut davon kommt oder nicht – Dir, dem Zurückbleibenden, muß alles daran liegen, die Zeugen bei Seite zu schaffen – also sei gescheit und folge mir!

– O furchtbar, furchtbar! Ich soll einen Mord auf mein Gewissen laden!

– Nein, das sollst Du nicht, das Außerwesentliche ist meine Sache – Du nimmst nur das Geld! Also Schlag elf Uhr an dem Wirthshause – auf der Bank, wo wir den verhängnißvollen Hut mit dem rothen Bande eroberten. Auf Wiedersehen, Kamerad!

Jetzt zog sich Konrad behutsam aus der Hecke zurück, sandte einen Blick des Dankes zum Himmel empor und lief mit einer solchen Schnelle den Weg über das Stoppelfeld zurück, daß er nach kaum zehn Minuten keuchend an Philipp's Mühle stand. Er traf den jungen Müller auf der Bank unter der Linde, wo er einem kleinen Kreise Zuhörer die Scene schilderte, wie Konrad das Leben des Gutsherrn gerettet hatte.

– Willkommen, Konrad! riefen alle, als sie ihn erkannten, und umringten ihn freudig, denn sie wußten um sein hartes, unverdientes Schicksal und beklagten ihn von Herzen.

– Philipp, flüsterte der Angekommene, ich muß Dich allein sprechen!

– Mein Gott, Konrad, Du bist außer Athem – was ist geschehen?

– Noch nichts; doch komm auf einen Augenblick in Dein Haus.

Die beiden jungen Leute verschwanden in der Mühle. Die Zurückgebliebenen unter der Linde äußerten laut ihre Befürchtungen, sie schlossen aus Konrads hastiger Ankunft, Mariens Verlust habe ihm den Verstand zerstört.

Die Uhr im Dorfe schlug zehn und der kleine Kreis der Nachbarn wollte sich eben trennen, als Konrad und Philipp eilig aus der Mühle traten. Letzterer trug die Uniform seines Regiments, einen alten Säbel an der Seite und ein Jagdgewehr auf der Schulter.

– Wohin? riefen die Leute erstaunt.

– Zum Appell! war die Antwort der eilenden Männer, die im nächsten Augenblicke schon in dem Dunkel verschwunden waren. Auf einem Platze im Dorfe trennten sie sich wieder, Konrad, um seine Uniform und Waffen anzulegen, Philipp, um den dritten Kameraden zu holen.

Röschen empfing den Bruder mit einem lauten Freudengeschrei. Dieser grüßte kaum und stürzte in seine Kammer. Die Schwester folgte ihm.

– Konrad, rief Röschen, deren Freude sich in Schreck verwandelt hatte – Du willst doch nicht wieder in den Krieg ziehen, daß Du die Uniform hervorsuchst?

– In den Krieg, war die rasche, freudige Antwort – in den Krieg, um mir meine Marie wieder zu erobern!

Röschen brach in ein lautes Schluchzen aus, denn sie glaubte, der Bruder sei wahnsinnig geworden.

– Bruder, ich lasse Dich nicht von der Stelle!

– Warum nicht? fragte Konrad lächelnd, indem er den Soldatenrock anzog.

– Wie Du glühst – Du bist krank!

– Du irrst, Schwester, ich war in meinem Leben nicht so gesund, als eben jetzt.

– Aber wo willst Du hin?

– In den Krieg!

– Konrad, Konrad, was soll ich glauben? Diese Antwort, – Deine funkelnden Blicke –!

Der junge Mann prüfte indeß den Inhalt einer Jagdtasche. Als er den nöthigen Schießbedarf darin vorgefunden, warf er sie über die Schulter, ergriff ein Gewehr, das an der Wand hing, und trat dann ruhig und freundlich zu seiner Schwester.

– Röschen, sagte er sanft, Du weinst und zweifelst vielleicht an meinem Verstande, weil ich von Dingen rede, die Dir sonderbar erscheinen; aber sei außer Sorge, der Gang, den ich jetzt zu machen gedenke, rettet unserm jungen Grafen das Leben, mir die schwer gekränkte Ehre und Marien die Freiheit. Begreifst Du nun meine plötzliche Umwandelung, liebe Schwester?

– Aber so erkläre mir doch –!

– Soll ich meinen Zweck nicht verfehlen, so laß mich ziehen – bald kehre ich zurück und Du wirst alles erfahren.

– Willst Du allein fort? fragte Röschen besorgt.

– Komm zurück in das Zimmer und Du wirst sehen, wer mich begleitet.

In demselben Augenblicke, als die Geschwister aus der Kammer eintraten, öffnete sich die Thür, die auf die Hausflur führte, und Philipp und ein anderer junger Mann in Uniform und bewaffnet erschienen auf der Schwelle.

– Willkommen, Christian! rief Konrad, beiden die Hand reichend. Siehst Du, wandte er sich zu Röschen, da stehen meine Begleiter – hast Du nun noch Angst? Jetzt bleibe wach, bis wir zurückkehren und sorge für ein gutes Frühstück, denn vor Mitternacht wird unser Geschäft nicht beendet sein. Doch laß kein Wort von unserm Ausmarsche laut werden, sonst ist alles verloren.

– Und Marie wird frei? fragte Röschen noch einmal.

– Frei, antwortete Konrad, um meine Frau zu werden. Adieu, Röschen!

Vorsichtig verließen die drei Soldaten das Haus und das Dorf. Röschen ging zur Küche, schürte Feuer an und begann das ihr aufgetragene Mahl zu bereiten.

8.

Der Jäger Graff hatte wahr gesprochen: Graf Rudolph bestieg in der That im Edelhofe des Barons gegen Mitternacht seinen Wagen, um nach seinem Schlosse zurückzukehren. Nur führte er nicht die Summe Gold mit sich, nach der Graff sich sehnte, die Kunde davon war nichts als ein Domestiken-Geschwätz, das dem wilden Waidmann durch einen Jäger des Barons in der Waldschenke zu Ohren gebracht worden. Der junge Graf, obgleich beglückt durch die Liebe eines schönen, reichen Mädchens, befand sich nicht in der heitersten Laune, Konrad's Unglück, zu dem er willenlos den Grund gelegt, ging ihm tief zu Herzen und erfüllte ihn um so mehr mit Mißmuth und innigem Bedauern, als er nicht im Stande war, durch irgend ein Mittel das Geschehene auszugleichen. Er hatte seiner Braut die Unglücksgeschichte mitgetheilt und diese hatte ihm unter Thränen den Vorschlag gemacht, dem armen Konrad ein kleines Gut als Eigenthum zu überweisen, das sie in der Gegend von B. besaß und durch einen Verwalter bewirthschaften ließ. Rudolph war freudig auf diesen Vorschlag eingegangen, daß er aber dem braven Manne mit der Verleihung der Glücksgüter nicht auch das Glück und die Ruhe des Herzens zurückgeben konnte, deren Verlust er noch vor Kurzem so schmerzlich empfunden, trübte die Freude, die ihm die Umgestaltung seines Geschickes bereitete.

Die Wächter der nahen Dörfer riefen die Mitternachtsstunde und ihre Hörner erklangen hell durch die stille Nacht, als der Graf die weißen Mündungen der Steinbrüche erblickte, an denen eine kurze Strecke seines Weges vorbeiführte. Das Passiren dieses Weges war völlig gefahrlos, da die Abgründe sich in einer Entfernung von mehr als hundert Schritten öffneten und selbst in der größten Dunkelheit sich durch einen weißen Schimmer des Gesteins zu erkennen gaben. Hinter den Steinbrüchen zu beiden Seiten liefen ziemlich hohe Bergrücken hin, welche ein langes, schmales Thal bildeten, das eine Biegung machte, um sich ostwärts fortzusetzen, der Weg aber zum Schlosse schied sich in dieser Biegung und führte südwärts durch einen tiefen Hohlweg wieder in das freie Feld.

Peter, der Kutscher, des Weges kundig, hieb lustig in die Pferde, daß der leichte offene Wagen wie ein Pfeil durch das Thal schwirrte. Als er an die Stelle kam, wo er in den Hohlweg einbiegen mußte, fuhr er vorsichtig etwas langsamer; doch kaum hatte er das tiefe Gleis erreicht, als aus einem an dem Abhange stehenden Haselbusche ein Schuß fiel und dem armen Burschen die Hand verwundete, mit der er die Peitsche schwang. In demselben Augenblicke stürzte ein Mann den Pferden in die Zügel.

Der Graf, seit seinem letzten Anfalle vorsichtig geworden, holte rasch ein Pistol aus der Wagentasche hervor, legte an, ein zweiter Schuß knallte durch das Thal und der Mann, der die sich bäumenden Pferde hielt, stürzte mit einem lauten Schrei zusammen. Die Hufe der scheu gewordenen Pferde zermalmten den tödtlich verwundeten Räuber. Peter behielt indeß so viel Geistesgegenwart, daß er mit der gesunden Hand die Zügel kräftig erfaßte und das Durchgehen der Rosse verhinderte.

Noch stand der Graf aufrecht im Wagen und hielt das abgeschossene Pistol in der Hand, als er von hinten mit einem Hirschfänger angegriffen wurde – ein zweiter Räuber hatte den Wagen erstiegen. Ohne ein Wort zu reden, vertheidigte sich der Angegriffene mit dem umgekehrten Pistol und es entspann sich ein Kampf in dem Wagen, der sich sicher zu Gunsten des stärkeren Banditen entschieden, wenn nicht ein paar kräftige Fäuste den Nichtswürdigen bei den Haaren ergriffen und ihn rücklings von dem Sitze herab in den Hohlweg geschleudert hätten. Unten standen noch zwei Männer und nahmen den wuthknirschenden Räuber mit ihren Gewehrkolben in Empfang.

Der Graf, in der Meinung, er habe den Angreifenden durch einen Schlag seiner Waffe kampfunfähig gemacht, suchte nach einem zweiten Pistol, das er aber nicht gleich erfassen konnte, da es aus der zerrissenen Tasche auf den Boden des Wagens gefallen war.

– Zurück, rief er emsig suchend, oder meine Kugel zerschmettert Euch Banditen den Schädel!

– Herr Graf, rief Konrad's Stimme, die Banditen können nicht mehr zurück, der eine ist todt, der andere geknebelt!

– Himmel – Kinder, wer seid Ihr?

Die drei Männer in ihrer Uniform mit den blinkenden Knöpfen traten heran, und der Mond, der in diesem Augenblicke hinter einer Wolke hervortrat, beschien ihre muthigen Gesichter.

– Soldaten Ihres Bataillons, antworteten sie und streckten dem Grafen die Arme entgegen, um ihm aussteigen zu helfen.

– Konrad, Philipp, Christian! rief fast weinend der Gerettete und schloß einen nach dem andern in seine Arme.

– Nun, rief Peter, wollt Ihr mir denn nicht auch helfen? Ich bin am Arme verwundet –!

Rasch sprang Christian zu den Pferden und Konrad und Philipp nahmen den Kutscher in Empfang.

– Wo bist Du verwundet? fragte theilnehmend der Graf.

– Am rechten Arme; es scheint jedoch nur ein Streifschuß zu sein, denn ich fühle keine Schmerzen.

Graf Rudolph zog sein Taschentuch hervor und verband den Arm des Kutschers, der glücklicher Weise nur leicht gestreift war.

– Wo sind die Räuber? fragte er dann.

– Hier ist der gefährlichste! rief Konrad und schleppte mit Philipps Hülfe den geknebelten Graff herbei, der wie ein zusammengerollter Igel am Boden lag. Es ist derselbe, der in den Ruinen der Abtei schon einmal die räuberische Hand nach Ihnen ausstreckte, derselbe, der meinen Hut mit dem rothen Bande stahl und ihn an dem Orte seines Verbrechens zurückließ, um den Verdacht auf mich zu wälzen – derselbe, der zwanzigtausend Thaler in Ihrem Wagen vermuthet und Sie morden und berauben wollte, um als ein reicher Mann sich aus dem Staube zu machen – ist es nicht so, Herr Graff? Jetzt theilen Sie doch mit Ihrem Kameraden – dort liegt er!

– Ich wollte, ich hätte mit ihm getheilt! murmelte der Geknebelte.

– Wer ist der Andere? fragte der Graf und trat zu dem Todten.

– Sehen Sie ihn an, sagte Philipp, er ist noch zu erkennen.

– Himmel, mein eigener Revierförster! O über den treuen Diener! Konrad, Du hast mir Dein Leben, Dein Glück geopfert – über der Leiche dieses Bösewichts gebe ich Dir Deine Marie zurück – Gott sei gelobet, der alles so gefügt!

– Herr Graf, rief Konrad jauchzend, Marie liebt mich noch, ich kann wieder glücklich werden!

– Wie Du es verdienst, mein braver, guter Konrad! – Kinder, wandte sich der Graf jetzt zu den Soldaten und freudige Rührung machte seine Stimme schwanken – Kinder, ich lade Euch zu meiner Hochzeit ein, die nächsten Sonntag auf dem Edelhofe des Barons gefeiert wird – werdet Ihr mich zu der Kirche begleiten und den Ehrenplatz an der Festtafel einnehmen?

– Herr Graf! riefen Philipp und Christian überrascht.

– Ihr müßt erscheinen, wenn Ihr mir meine Freude nicht stören wollt!

– Wir sind Bauern, sagte Philipp, wir passen nicht in vornehme Gesellschaft.

– Philipp, wo wäre ich und meine Hochzeit, wenn Ihr nicht gewesen wäret?

– Herr Graf, fiel Konrad ein, wenn Sie meine Kameraden einladen, was bleibt mir dann?

– Freund, rief der Graf, ist Deine Hochzeit nicht die meine? Oder soll Marie Deine Frau nicht werden?

– Ja, sie wird meine Frau! aber nicht durch eine Civilehe!

– Nun, Konrad, wir haben Unglückstage zusammen verlebt, wir wollen auch den höchsten Festtag unseres Lebens zusammen begehen, und unsere Kameraden sind unsere gemeinschaftlichen Gäste!

Jetzt warfen die jungen Leute den todten Revierförster in den Wagen, und banden dann den grimmigen Graff mit den Händen an die Hinterachse, daß er nur die Füße zum Gehen bewegen konnte. Peter bestieg seinen Sitz wieder und fuhr langsam dem Dorfe zu. Der Graf und die Soldaten folgten zu Fuß.

Ein weißer Wolkenstreif im Osten kündete den jungen Tag an, als der Zug vor dem Hause des Ortsrichters anhielt.


Wir übergehen den Schmerz des Richters Valentin – nicht über den Tod seines Neffen, sondern über das Geld, das er für ihn in der Stadt bezahlt, und über den Verlust der fetten Wiese; wir übergehen aber auch die Seligkeit Mariens, als der Graf mit dem Ortsrichter in ihr Zimmer trat und Letzterer ihr den Ehecontract mit der Anzeige zurückgab, sie sei frei und könne dem Manne ihrer Liebe die Hand reichen – wir berichten nur noch, daß Konrad und Marie denselben Tag in Gegenwart des jungen Grafen und des Richters Valentin einen neuen Contract für Zeit und Ewigkeit schlossen und daß am nächsten Sonntage in der mit Blumen und Kränzen geschmückten Dorfkirche unter dem Gesange der andächtigen Gemeinde zwei Brautpaare die Weihe des Priesters erhielten – es waren der Graf Rudolph und Emma, geführt von den adelichen Verwandten, und Konrad und Marie, begleitet von Röschen, Philipp und Christian.

Graff ward dem Arme der Gerechtigkeit übergeben und Eberhard in einem Winkel des Kirchhofs dem Schooße der Erde.

Acht Tage später hielt ein Reisewagen vor Mariens Meierei – er war bestimmt, das junge Ehepaar nach dem Gute zu führen, das die Gräfin dem Retter ihres Gatten als Eigenthum überwiesen hatte.

Zu spät!


Novelle
von
August Schrader.

1.

Zwischen den hohen mit ehrwürdigen Eichen geschmückten Bergrücken des Teutoburger Waldes hat der Schöpfer ein kleines Thal ausgebreitet, in welchem die Natur mit ihren Reizen förmlich zu kokettiren scheint. Wohin das Auge blickt, gewahrt man nur sanft ablaufende Wiesen, von einem rauschenden Bächlein durchschnitten, dessen Ufer mit Haselgesträuch und schlanken Rüstern so dicht bewachsen sind, daß das Moosbette desselben von einem herrlichen Laubdache überschattet wird. Kein Felsen, keine Mauer, kein alter Thurm unterbricht die Lieblichkeit und Anmuth dieser Landschaft – nirgends zeigt sich etwas wildes oder verfallenes, überall Reiz und üppiges Gedeihen, junges Leben und zauberische Fülle. Die Frömmigkeit eines Einsiedlers oder der Schmerz eines unglücklichen, verlassenen Liebenden würde hier kein Asyl finden, denn wie kann man im Angesichte einer lachenden Natur, die durch duftende Blumen und würzige Früchte zu den Freuden des Lebens einladet, beten oder weinen? Dieses Thal ist vom Himmel mit einem solchen Segen überschüttet, daß man vergebens nach einem unfruchtbaren Landstriche späht, selbst die Wege sind mit fettem Grase und duftenden Blumen bewachsen. Wohin soll man sich wenden, um einsam zu weinen, wenn alles grünt und lacht, wenn aus den Zweigen auf den Schwingen einer balsamischen Luft der Gesang munterer Vögel herniedersäuselt und zur Freude auffordert? Man würde das trübe Auge vergebens durch die Landschaft schweifen lassen, einem Bilde des Todes zu begegnen; überall sprießt das Leben, selbst auf dem Friedhofe, der von einer blühenden Weißdornhecke umgeben ist und mehr Apfelbäume als Grabsteine zählt. Doch nein! der Schmerz ist ein Kind aller Länder, er trifft seine Beute im stolzen Pallaste, wie in der Hütte auf blühender Flur.

Es war im Jahre 1839 gegen das Ende des Monats Mai, als ein junger Mann, mit Reisetasche und Wanderstab ausgerüstet, dieses herrliche Thal betrat. Die Fruchtbäume und Hagedornhecken standen in voller Blüthenpracht, die grünen Wege deckte ein frisch gefallener Blüthenschnee und verhüllte den blauen Veilchenflor, der lieblich duftete unter seiner süßen Bürde. Langsam schritt er dahin, das Bild der Jugend und Poesie wollüstig einsaugend, als plötzlich auch die Liebe auftrat, dem Ganzen die Weihe der Vollendung aufzudrücken. Aus einer Baumgruppe, die vor dem jungen Wanderer lag, klang ihm nämlich eine Mädchenstimme entgegen, welche an Anmuth und Frische mit der ihn umgebenden Natur wetteiferte; lieblich wie die Töne einer Nachtigall, und ohne sich der Wirkung bewußt zu sein, mischte sich der Gesang in das große Concert des Universum, und wahrlich, es war nicht der schlechteste Ton in der himmlischen Harmonie! Entzückt stand der Jüngling einige Minuten still und lauschte mit angehaltenem Athem.

Plötzlich trat aus einem Seitenwege ein schönes Mädchen von siebzehn bis achtzehn Jahren hervor. In der linken Hand trug sie ein kleines Fischnetz und in der rechten ein hölzernes Gefäß, worin die gefangenen Forellen so laut plätscherten, daß mitunter das Wasser über den Rand spritzte. Bei dem Anblicke des jungen Reisenden schwieg die Jungfrau und eine hohe Röthe überzog ihr liebliches Gesicht. Dieser setzte sich auf einem am Wege stehenden Baumstamme nieder und ließ die holde Fischerin in kurzer Entfernung an sich vorübergehen. Hatte ihn die Stimme entzückt, so that es die Gestalt noch mehr. In der ganzen Erscheinung war der Frühling mit seinen Veilchen und Rosen ausgedrückt, die Frische des jungen Morgens strahlte auf ihren Wangen und Unschuld und kindliche Fröhlichkeit auf der weißen Stirn. Eine Schnur milchweißer Zähne, eingerahmt von ein paar Purpurlippen, wurden sichtbar, als sie kaum vernehmbar und fast ängstlich grüßte; lange blonde Haare, zu natürlichen Locken geformt, entquollen rebellisch dem kleinen Sammtmützchen, das bei dem Ziehen des Netzes verschoben, schalkhaft auf einer Seite hing. Ein niedliches schwarzes Mieder umschloß den schlanken, zarten Leib, der eher einer Juno, als einer Bewohnerin dieses Thales anzugehören schien. Weder ein Ohrgehänge noch ein Halsband war zu bemerken, nicht einmal eine Rose oder ein Strauß Veilchen schmückten den züchtig verhüllten Busen und dennoch erschien das Mädchen dem entzückten Beschauer so schön, daß er eine Fee zu sehen und sich in dem Lande der Wunder zu befinden wähnte.

Als die Erscheinung hinter der nächsten Baumgruppe verschwunden war, erklang der Gesang wieder, der jetzt durch nichts mehr gehemmt, laut durch das üppige Thal ertönte. Wie von einer Zaubermacht geleitet, erhob sich der junge Mann und schlug willenlos den Weg ein, den ihm der Gesang des lieblichen Mädchens bezeichnete. Aus den Baumstämmen hervortretend, sah er die ländliche Hebe vor einer kleinen Wassermühle stillstehen, die wie das Nest eines Vogels unter den starken Zweigen einer gigantischen Eiche in kurzer Entfernung vor ihm lag. Mit der Behendigkeit der Jugend hing die Fischerin das Netz an einem Holzhaken neben der niedrigen von Mehlstaub weiß gefärbten Hausthür zum Trocknen auf und die gefangenen Fische nahm sie aus dem kleinen Behälter, um ihnen einen größeren, ebenfalls mit Wasser gefüllten anzuweisen, der im Hofe stand. Dann ergriff sie einen Rechen, trat zu dem plätschernden Mühlrade, und zog das Kraut an das Ufer, das sich während ihrer Abwesenheit vor einem im Wasser angebrachten Holzgitter aufgehäuft hatte.

Als sie diese Arbeit vollendet, war auch der junge Mann vor der Mühle angelangt. Er wollte reden, aber ein unerklärliches Etwas band ihm die Zunge, daß er keines Wortes mächtig war. Die hübsche Müllerin – denn die Mühle war das Eigenthum ihrer Mutter – schien von dem Benehmen des Fremden überrascht zu sein, verwundert sah sie ihn einen Augenblick an, dann entfernte sie sich mit einer Miene, als ob sie sagen wollte: ist der Mensch nicht bei Sinnen? An der Thür eines kleinen Gartens, der mit Sallat und einigen Frühlingsblumen bepflanzt war, blieb sie stehen und ordnete die auf dem Zaune zum Trocknen ausgebreitete Wäsche. Diesmal faßte sich der Fremde ein Herz und trat ihr mit den Worten näher:

– Wenn ich nicht irre, bin ich von dem Wege nach D. abgekommen?

– Ja, sprach das Mädchen mit einer lieblichen Stimme, denn der Fußweg endet hier bei der Mühle meiner Mutter.

Eine neue Pause trat ein. Die Müllerin fuhr erröthend in ihrer Beschäftigung fort.

– So muß ich wohl denselben Weg wieder zurückgehen, den ich gekommen bin? fragte endlich der junge Mann weiter.

– Wenn Sie wieder auf die Straße nach D. wollen, giebt es kein anderes Mittel, antwortete lächelnd das Mädchen.

– Sie tragen die Schuld, mein liebes Kind, daß ich jetzt einen Umweg zu machen habe. Ihr schöner Gesang verlockte mich und ich folgte.

Eine brennende Röthe überzog Gesicht und Hals der Müllerin; um diese zu verbergen, hob sie ein weißes Tuch, das sie eben in der Hand hielt, hoch vor sich empor, als ob sie den Zustand desselben prüfen wollte. Auch der junge Mann erröthete als er sie so sah, denn er glaubte sie verletzt zu haben.

– Ich bin jedoch nicht böse darüber, fuhr er in der Angst seines Herzens fort. Wollen Sie mir indeß eine kleine Entschädigung dafür gewähren, so verehren sie mir einen Strauß von den Veilchen, die zu Ihren Füßen blühen.

Rasch hing sie das Tuch auf den Zaun zurück und kniete in das Gras nieder, um die verlangten Veilchen zu pflücken. Wie es aber schien, that sie es mehr, durch diese Beschäftigung ihre Verlegenheit zu verbergen, als dem Wunsche des Fremden zu entsprechen. Dieser war seiner Sinne kaum noch mächtig, und hätte ihn der niedere Gartenzaun nicht von der lieblichen Jungfrau getrennt, er wäre neben ihr niedergekniet, um einen Strauß von diesen sinnigen Blümchen für die reizende Fee des Thales zu pflücken. Die Schmeicheleien, die ein junger Mann von Bildung einem jungen liebenswürdigen Mädchen unter solchen Umständen zu machen pflegt, erstarben ihm im Munde, stumm folgte er mit den Blicken den Fingern des Mädchens, welche die Veilchen dicht bei der Wurzel aus dem grünen Rasenteppich holten und zu einem Strauße bildeten.

– Marie! Marie! rief plötzlich eine Stimme aus dem Innern der Mühle.

– Meine Mutter ruft! sprach das Mädchen, indem es sich rasch emporrichtete und mit zitternder Hand dem Fremden die Veilchen überreichte. Ohne ein Wort weiter zu sagen, flog sie wie ein Vogel durch den Hof und verschwand in der kleinen Thür. Mit einem Blicke, in dem deutlich zu lesen stand, was in seinem Herzen vorging, sah der Reisende dem Flüchtling nach und lauschte einige Minuten auf das eintönige Geklapper der Wassermühle, das mit dem Klopfen seines Herzens Takt hielt.

Als er über den Hof schritt, um den Fußweg wieder zu gewinnen, sah er das Gesicht eines jungen, rothbackigen Bauernburschen unter einer weißen Mütze aus dem Fenster des Häuschens blicken. Wäre er nicht zu sehr mit seinen Gedanken beschäftigt gewesen, so hätte er in diesem Gesichte Unwillen, vielleicht auch Eifersucht lesen können; so aber drückte er den Veilchenstrauß an seine Lippen und setzte, das Bild des jungen Mädchens in seinem Herzen tragend, seufzend seinen Weg fort. Das lachende Thal schien ihm jetzt ein anderes zu sein, die Blumen und Blüthen waren farblos: Mariens Rosen auf den Wangen überstrahlten den Glanz der ganzen Schöpfung.

2.

Ein heißer Julitag lag brennend auf der Erde, wie ein dunkelblaues Tuch, von keinem Wölkchen getrübt, spannte sich der Horizont über das Thal, dessen frisches Rasengrün verschwunden und in eine falbe Farbe umgewandelt war. Kein Lüftchen milderte die drückende Hitze, die Sonne neigte sich ihrem Untergange zu, aber keine Veränderung der Atmosphäre gab Hoffnung auf Labung. Wir erblicken unsern Wanderer auf demselben Baumstamme wieder, auf dem er einst saß, als der Frühling mit seinem Hauche das Thal durchwehete, als Blumen und Blüthen einen erquickenden Duft verbreiteten, und ein holdes Mädchen den Fußsteig einschlug, der sich hier von dem Hauptwege scheidet. Die Sonne hatte sein Gesicht gebräunt, große Schweißtropfen perlten auf seiner hohen, jugendlichen Stirn und ein längst verdorrter Veilchenstrauß, mit einem weißen Bändchen befestigt, schmückte die weiße geöffnete Weste, die aus einem grauen, leinenen Staubhemde hervorsah.

Wohl eine Viertelstunde hatte der junge Mann hier geruht, als er noch einmal sorgfältig mit einem Tuche sein Gesicht von Schweiß und Staub säuberte, dann erhob er sich rasch, als ob plötzlich ein Entschluß in ihm zur Reife gediehen sei, warf die Reisetasche über seine Schultern, und schlug den Fußweg zur Mühle ein.

Wie hatte sich alles rings um ihn verändert! Der kleine Teich, in welchem das Wasser des Baches gesammelt wurde, war fast ausgetrocknet, das Mühlrad stand still und das Geklapper der Mühle schwieg; nur das Klopfen seines Herzens, das mit jedem Schritte heftiger wurde, fühlte und hörte er.

Als er aus der kleinen Baumgruppe trat, sah er die Bewohner der Mühle auf einer Wiese, welche an den Teich grenzte, mit Heumachen beschäftigt. Auch Marie, einen großen Strohhut auf dem erhitzten Köpfchen, war unter ihnen. Unser Freund, fast erschreckt über diesen Anblick, trat in die Dämmerung des Gebüsches zurück und verbarg sich hinter einem Strauche, der unfern der arbeitenden Leute am Ufer des Teiches stand. Ungesehen konnte er nun die Gruppe beobachten und jedes ihrer Worte vernehmen. Neben Marien bemerkte er, nicht ohne ein bitteres Gefühl, jenen jungen Bauern wieder, dessen Gesicht er schon einmal gesehen hatte. Der Bauer arbeitete rüstig mit seinem Rechen fort und eine fast ausgelassene Fröhlichkeit sprach sich in seinen Zügen und seinen Geberden aus. Marie hingegen war nachdenkend, ruhig, fast träge führte sie ihre Arbeit aus und schien nur theilnahmlos, wohl gar mit Widerwillen auf die Scherze zu hören, die der fröhliche Bauer mit ihr trieb, so oft er mit seinem Rechen in ihre Nähe kam.

– Flink, flink! rief die alte Müllerin; der Abend bricht schon an. Marie aber, ihren Hut tiefer in das Gesicht rückend, arbeitete nicht langsamer und nicht schneller, wie träumend bewegte sie den Rechen in dem knisternden Grase. In dem Gebüsche am Ufer des Teiches saß der junge Mann auf seiner Reisetasche und vergaß bei diesem Anblicke die Beschwerlichkeiten einer Fußreise im heißen Sommer; unverwandt waren seine Blicke auf Marien gerichtet, und nur wenn der junge Bauer sich einen Scherz mit ihr erlaubte, blickte er, vor sich selbst erröthend, einen Augenblick zur Seite.

Endlich hatten die Arbeiter die letzten Streifen zu Haufen geformt und der Glanz der Abendsonne, die wie eine große dunkelrothe Kugel durch die Waldung des am Horizonte hinlaufenden Bergrückens leuchtete, beschien nur noch matt die hochrothen Gesichter derselben.

– Tante, begann jetzt der junge Bauer, indem er nach der einen Seite der Wiese sah – als Lohn für unsere Arbeit wollen wir das Vesperbrod auf der Insel genießen. Nicht wahr, Marie?

– Ja, ja! antwortete Marie leise und verlegen.

– Das ist wohl recht schön, sprach mürrisch die alte Müllerin; wir haben diesen Abend aber noch viel zu schaffen. Die Kühe kommen heim, wir müssen noch melken und buttern. Nach der Insel geht man nur an Sonntagen.

– Aber Tante –!

– Auch müssen wir noch Bohnen pflücken, denn morgenfrüh giebt es mehr zu thun!

– Die Bohnen werde ich pflücken, und das Buttern werde ich auch besorgen – entgegnete rasch der Vetter – aber seien Sie gut, liebe Tante, und geben Sie uns nur eine Viertelstunde, daß wir als gute Christen unser Vesperbrod ruhig verzehren können. Sehen Sie, dort liegt der Kahn, ich habe ihn heute Mittag schon vorbereitet. Der Teich enthält noch Wasser genug, um Marien und mich zu tragen.

Die Tante, oder vielmehr die Mutter, antwortete mit einem trübseligen Lächeln, mit einem Lächeln, das dem Lauscher in seinem Verstecke das Herz durchschnitt. Der Vetter verstand dieses Lächeln, fröhlich ergriff er die Hand seiner Base und zog sie dem Ufer zu. Marie fügte sich; als ob sie dem Vetter entgehen wollte, sprang sie leicht wie ein Reh in den kleinen Kahn; in der Hand hielt sie ein Stück Brod mit Käse. Der Bauer folgte ihr, stieß bei dem Hineinspringen das winzige Fahrzeug durch einen kräftigen Fußtritt vom Ufer ab, daß es rauschend nach der Mitte des Teiches fuhr, und nahm singend neben der jungen Müllerin Platz, welche ruhig ihr Vesperbrod verzehrte. Nach einigen Minuten hatten sie ihr Ziel erreicht, nämlich eine kleine Insel, auf deren Moosboden eine Gruppe wilder Rosen und Akazien sich erhob. Da, wo der Kahn an das Ufer stieß, hing eine Thränenweide ihre trauernden Zweige auf den Wasserspiegel herab.

Marie stieg zuerst an das Ufer und setzte sich an dem Stamme der Thränenweide in das Moos. Den Rest ihres Brodes, von dem sie nur wenig gegessen, zerbrach sie in kleine Stücke und warf eins nach dem andern in den Teich. Nicht lange, so hatte sich eine Heerde Fische versammelt, welche sich munter nach den Bissen herumtummelten, daß der ruhige Wasserspiegel in weiten Kreisen erglänzte.

– Nun, Marie, sprach der Vetter, als er neben ihr saß und mit Appetit zu essen begann, Du giebst den Fischen Dein Brod; hast Du keinen Hunger?

– Nein, antwortete das Mädchen, die Hitze ist so groß, daß ich nicht essen kann. Und dabei sah sie träumend dem Spiele der Fische zu.

– Ich werde Dir Appetit machen! rief der junge Bauer und wollte einen Kuß auf den blühenden Mund der Jungfrau drücken.

– Vetter, zürnte das Mädchen mit drohender Geberde, noch bin ich nicht Deine Frau!

– Aber in acht Wochen spätestens wirst Du es sein, und darum denke ich – –

– Höre, Vetter, wir sind jetzt allein, begann ernst das Mädchen, darum wollen wir einmal ernstlich darüber reden.

– Rede, liebe Marie, ich bin ganz Ohr.

Der Lauscher am jenseitigen Ufer wagte nicht zu athmen; mit vorgebogenem Haupte saß er da und lauschte der Worte, die deutlich durch den stillen Abend an sein Ohr schlugen.

– Du weißt, daß Du diesen Herbst Soldat werden mußt, sprach Marie in einem bedächtigen Tone; dringe also nicht darauf, daß unsere Hochzeit angesetzt werde. Wir wollen sie verschieben, bis Deine Dienstzeit vorüber ist.

– Wer sagt Dir denn, antwortete lachend der Vetter, daß man mich nimmt? Ich habe hundert Thaler zu meiner Loskaufung bestimmt, und mit einer solchen Summe kann sie mir nicht fehl schlagen. Außerdem nimmt man einen verheiratheten Mann auch nicht gleich zum Soldaten. Bin ich verheirathet, habe ich einen Grund mehr, auf meine Freilassung zu dringen.

– Aber bedenke, fuhr Marie in einem betrübten Tone fort, wenn man Dich dennoch nimmt!

– Man wird mich nicht nehmen, mein liebes Bräutchen, sondern ich nehme Dich. Deine Mutter will es, und wir müssen gehorchen. Laß Dir kein graues Haar wachsen, Dein Mann wird kein Soldat!

Marie stand auf und bestieg schweigend den Kahn wieder. Der Vetter folgte und ruderte singend dem Ufer zu. Als beide über die Wiese der Mühle zuschritten, an deren Thür die Mutter ihrer wartete, trat der Fremde, seine Reisetasche über den Schultern, aus dem Wäldchen hervor und schritt hastig den Fußsteig entlang. Indem er an dem Baumstamme vorüberging, rollte eine Thräne über seine gebräunte Wange. Noch ehe die Nacht zur Erde niedersank, hatte er das nächste Städtchen erreicht; eine Extrapost nahm ihn auf, um ihn nach B. zu führen, wo der Vater seiner Rückkehr harrte.

3.

Julius F. war einer der wenigen jungen Männer, welche bei ziemlich bedeutendem Vermögen und in unabhängigen Verhältnissen aus reiner Liebe zu den Wissenschaften selbst auf der Universität H. zwei Jahre lang ernsten Studien obgelegen hatte. Sein fester Charakter, gepaart mit einem echt poetischen Gemüthe, trug das Wesentliche dazu bei, daß er nach vollbrachter Studienzeit mit einem nicht gewöhnlichen Schatze von Kenntnissen in seine Vaterstadt zurückkehrte, wo er einige Wintermonate hindurch dem Dienste der Musen lebte. Als der Mai mit seinen schönen Tagen in das Land kam, litt es ihn nicht länger in seinem Studirzimmer, er folgte dem Drange seines Herzens, und unternahm eine größere Fußreise durch die schönsten Gauen seines deutschen Vaterlandes. Auf dieser Reise war es, als wir den für die Schönheiten der Natur begeisterten jungen Mann in dem Eingangs beschriebenen Thale antreffen, als er die schöne Müllerin singen hörte, sie bewunderte, ihr folgte und entzückt von ihrem Anblicke um einen Strauß Veilchen bat, den sie ihm, wie wir bereits wissen, auch willig mittheilte. Mit dem Bilde des jungen Mädchens im Herzen, das seine Phantasie, jemehr sie sich mit ihm beschäftigte, nach und nach zur Göttin gestaltete, die von dem Heiligenscheine der entzückenden Natur des Thales umgeben, ihn im Wachen und im Traume beschäftigte, durchwanderte er Westphalen und kam an die romantischen Ufer des Rheins. Erstaunt betrachtete er die großartige Landschaft von felsiger Höhe herab, die Brust hob sich begeistert bei dem Rauschen der mächtigen Wogen und der Geist schweifte in das Mittelalter zurück, in dem die jetzt nur bemoos'ten Ruinen noch prächtige Schlösser waren, weit und breit den Rheingau beherrschend. Doch überall belebte die schöne Müllerin die Landschaft, er sah sie als Lorelei auf dem grauen Felsen sitzen und ihr Syrenenlied singen; er sah sie als schmuckes Burgfräulein aus dem hohen Thore der Ruine treten, oder auf dem hohen Söller lustwandeln – wohin er blickte, stand die liebliche Dirne, und eine Sehnsucht wurde in ihm wach, die nur der kennt, der in den Fesseln der ersten Liebe schmachtete.

So wanderte er die Ufer des Rheinstromes hinauf bis zum Bodensee, er durchmaß die Thäler und bestieg die Berge der Schweiz, er sah auf dem Rigi das großartigste Naturschauspiel der Welt, den Aufgang und Untergang der Sonne: überall ward sein Geist zum Staunen, zur Bewunderung hingerissen, doch das Herz blieb theilnahmlos, es trauerte. Nur wenn Abends der Kuhreigen durch das Alpthal erklang, wenn das feierliche Geläut der Vesperglocken durch die stille Luft zitterte und der Senne am Arme einer schmucken Sennerin in seine Hütte heimkehrte, dann malte sich seine Phantasie ein Bild, an dem das Herz theilnahm, denn es konnte sich in Wehmuth und Sehnsucht ergießen.

Fast unwillkührlich kehrte er denselben Weg zurück, den er gekommen war, und ehe er es sich versah, saß er wieder auf dem Baumstamme, der an dem Fußsteige zur Mühle stand. Was dann geschah, wissen wir: er belauschte die Scene auf der kleinen Insel, erfuhr das Heirathsprojekt der alten Müllerin, und verließ mit noch schwererem Herzen das Thal seiner Träume, als er es betreten hatte.

Mit geschlossenen Augen in die Ecke seines Postwagens gelehnt, wiederholte er in Gedanken noch einmal alles, was er bei der Mühle gesehen und gehört. Es stand noch so deutlich vor seinem Gedächtnisse, daß er an der Wahrheit desselben zu zweifeln durchaus keinen Grund hatte. Der bausbackige Vetter trat jetzt wie ein zerstörender Dämon in alle seine Bilder und je fürchterlicher ihm dieser Mensch wurde, desto reizender erschien ihm Marie, desto größer ward seine Sehnsucht nach ihr. Der Gedanke, sie wird in kurzer Zeit das Weib eines andern, das Weib eines so materiellen Menschen, als dieses Vetters, fiel mit Centnerlast auf seine Brust, und wie alles, was schon halb oder ganz verloren ist, den Reiz, zu besitzen, stets verdoppelt, so gesellte sich zu der Sehnsucht auch noch Eifersucht, den qualvollen Zustand seines Herzens zu erhöhen.

– Nein, nein, rief er halblaut aus und warf sich in die andere Ecke des Wagens, Marie liebt ihn nicht! Wie kann ein Engel sich zu einem Dämon gesellen, wie kann ein Lamm mit einem Wolfe in einer Hütte wohnen? Und Marie ist schön wie ein Engel, unschuldig wie ein Lamm! Diese zarte Blume darf nicht von rohen Händen gepflückt werden, der Schöpfer hat sie erschaffen für den, der sie versteht, der ihre Schönheit begreift und den Schatz zu würdigen weiß!

Sinnend blickte er in die prachtvolle Sommernacht hinaus, die ruhig über der schlummernden Landschaft lag. Würzige Düfte, durch die Kühle des Nebels der üppigen Saatflur entlockt, schwängerten die stille Luft, einige zackige und durchsichtige Wolken bedeckten das melancholische Licht des Mondes, der wie ein stiller Wächter am Firmamente schwebte und die fernen Gebirgsketten in phantastischen Gestalten erscheinen ließ. Es war eine Nacht, wie sie sein muß, um die süße Qual der Liebe auf den höchsten Gipfel zu steigern. Eine feierliche Ruhe lag über der ganzen Natur ausgegossen, die nur von dem eintönigen Rollen der Räder und von Zeit zu Zeit durch die rauhe Stimme des Postillons unterbrochen wurde.

– Aber würdest Du auch glücklich mit ihr werden, fragte er sich plötzlich, würde Marie, das einfache Müllermädchen, das Wesen sein, das Dich beglücken kann? O gewiß, fuhr er nach einer Pause fort, sie wird mich beglücken, denn sie ist unschuldig und schön, schön wie die Engel des Paradieses!

Aus dem ganzen Benehmen Marien's gegen den Bräutigam, den die Mutter für sie bestimmt, glaubte Julius annehmen zu können, daß sie gegen ihre Neigung in die Verbindung einwilligen würde. Suchte sie nicht den Vetter zu bewegen, noch so lange zu warten, bis seine Befreiung von dem Soldatenstande entschieden sei? Ein Mädchen, das wahrhaft liebt, sucht die Heirath mit dem Manne ihres Herzens nicht zu verschieben, es sucht sie zu beschleunigen. Und vor allen Dingen, warum war sie so traurig und nachdenkend? Warum verweigerte sie dem Bräutigam einen Kuß? Sollte sie eine andere Neigung, die sie geheim zu halten Gründe hatte, veranlaßt haben? – Julius fühlte eine brennende Hitze sich über sein ganzes Gesicht verbreiten, als der Gedanke, aber nur ganz leise, in ihm auftauchte: wenn Du die Veranlassung dazu wärst? Wenn auch bei Marien die wenig Minuten der Unterhaltung, wie bei Dir, hingereicht hätten, eine ernste Leidenschaft zu entzünden? Bildet sich nicht in einem Augenblicke der Funke, der ein großes Feuer anfacht?

Diese Reflexion erzeugte in dem jungen Manne den festen Vorsatz, noch vor Ablauf der acht Wochen, welche nach des Vetters Aussage bis zur Hochzeit verstreichen könnten, in das Thal zurückzukehren und Marien's Herz zu ergründen, denn er hielt es für Pflicht, das arme Mädchen dem Verderben zu entreißen, das ihm ein vielleicht eigennütziger Plan der Mutter bereitete.

Beruhigt setzte er seine Reise fort und langte am dritten Tage in seiner Heimath an. Doch ein neuer Schlag des Schicksals erwartete ihn an der Schwelle des väterlichen Hauses. Der Vater lag an einem schleichenden Fieber schwer krank darnieder und die Aerzte fürchteten, daß er seiner vor einigen Jahren vorangegangenen Gattin folgen würde. Trostlos warf sich Julius an dem Krankenbette des geliebten Vaters nieder und vergaß über den heftigen Schmerz die Neigung seines Herzens. Tag und Nacht widmete er dem theuern Kranken die zärtlichste Sorgfalt und Pflege, die Aerzte erschöpften ihre Kunst; doch umsonst: als die ersten Herbstnebel die Fluren deckten, stand Julius weinend an der Bahre seines Vaters.

Julius hatte sein fünfundzwanzigstes Jahr zurückgelegt, er war volljährig und konnte als einziger Sohn über das nicht unbedeutende Vermögen des Verstorbenen verfügen. Als die Wunden des Schmerzes einigermaßen verharrscht waren, ordnete er die Angelegenheiten seines Hauses; da er dies um so lieber that, als die Beschäftigung ihm Zerstreuung gewährte, hatte er in kurzer Zeit alles beendet, was ihm zu thun oblag, und sein Studirzimmer empfing ihn wieder. Doch bald tauchte auch die Erinnerung an Marien wieder auf und die sonst allmächtigen Musen vermochten sie nicht zu verbannen, selbst des Vaters Angedenken trat zurück vor dem lichtumflossenen Bilde der Fee des Thales.

– Was hindert mich, sprach er zu sich selbst, der Neigung meines Herzens zu folgen? Warum trage ich die Schmerzen, deren Heilung in meiner Macht steht? Fort in das Thal, vielleicht ist das Geschick mir hold!

4.

Der Herbst mit seinen Stürmen hatte den Sommer vertrieben und auch er schickte sich bereits an, dem Winter das Feld zu räumen, als ein eleganter Reisewagen mit zwei Postpferden bespannt durch das Thal bei D. fuhr. Wo der Fußweg zur Mühle sich von der Hauptstraße scheidet, hielt er still und ein junger Mann, in einen blauen Mantel gehüllt, stieg aus. Nachdem er dem Postillon einige Befehle ertheilt, verfolgte er langsam den schmalen Pfad. Als er einige Minuten fortgeschritten war, konnte er durch die blätterlosen Zweige der vor ihm liegenden Baumgruppe das Dach und den Schornstein der Mühle gewahren, aus dem ein weißer Rauch in den schweren, trüben Himmel emporwirbelte. Als ob ihm eine große Angst die Brust beengte, blieb er stehen und betrachtete die Mühle, deren Rad, obgleich der Bach mit Wasser überfüllt war, still stand. Julius – denn dieser war der Mann im Mantel – konnte sich den Grund davon nicht erklären, wie von einer bösen Ahnung durchbebt, blickte er seufzend empor. Einzelne große Schneeflocken fielen ihm in das brennende Gesicht und ein kalter Wind, der in kurzen Zwischenräumen traurig durch die kahlen Baumwipfel seufzte, spielte mit seinem flatternden Haare. Eine bittere Melancholie bemächtigte sich seiner, zusammenschauernd warf er den Mantel fester um sich, dem Schnee und dem Todeshauche der Natur zu wehren. Dann setzte er seinen Weg fort.

Die Wiese neben der Mühle war mit Wasser überschwemmt, sie bildete eine Fläche mit dem Teiche, in welchem die kleine Insel lag. Julius mußte einige Augenblicke forschen, ehe er sie erblicken konnte, denn nur die Spitzen der Gesträuche und die kahlen, dünnen Zweige der Thränenweide ragten aus der trüben Wasserfläche empor. Der kleine Kahn, der Marien gewiegt, lag zerschellt an einem Stamme der Baumgruppe, welche den jungen Mann verborgen gehalten, als er das Gespräch auf der Insel belauschte. Die Oberfläche des Wassers war mit schwarzen abgebrochenen Zweigen und schmutzig grünem Schilf bedeckt.

– Wie, rief Julius, überwältigt von diesem traurigen Anblicke, ist denn der Winter auch hier so schrecklich? Hält der rauhe Gast denn überall schonungslos seinen Einzug? Nirgend, setzte er seufzend hinzu, ist ein Andenken an die Rosen des Frühlings geblieben! Er hat alles zerstört!

Als er emporblickte, sah er eine weiße Wolke, die sich über der Mühle gelagert hatte – es war der Rauch aus dem Schornsteine, den die schweren Winterwolken niederdrückten.

Während dieser Zeit war er langsam in den kleinen Hof getreten. Das Fischnetz hing wieder an derselben Stelle neben der Thür, wohin es Marie gehangen, als er sie das erstemal sah. Betreten blieb er plötzlich stehen, als sich seine Blicke auf die halbgeöffnete Hausthür richteten: der Platz vor derselben war mit weißem Sande und Blättern von Immergrün bestreut; an dem Balken über derselben hing ein großer Kranz von gelben Strohblumen und Buchsbaum. Julius zitterte, er vermochte nicht weiter zu gehen.

– Was bedeutet das, stammelte er vor sich hin, hat der Tod oder die Freude hier Einzug gehalten?

Ein Blick nach dem kleinen Gärtchen gab ihm Antwort auf diese Frage. Marie, festlich geschmückt, mit dem Brautkranze im Haare, stand an der dürren Hecke und betrachtete sinnend die Stelle, wo sie im Frühlinge für Julius die Veilchen gepflückt hatte. Sie schien die Ankunft des Fremden nicht zu bemerken; mit der einen Hand auf den Zaun gestützt und mit der andern an einem blätterlosen Epheu spielend, stand sie da und betrachtete das erstorbene Gras, aus welchem im Frühlinge die Veilchen dufteten.

Julius war seiner Sinne nicht mächtig, als er ihr in's Angesicht blickte, die Rosen auf ihren Wangen waren verschwunden, statt ihrer deckte eine Blässe das liebliche Gesicht, die von einem herben Seelenschmerze Kunde gab. War sie unter den Rosen des Frühlings schön gewesen, so war sie in ihrem Schmerze noch tausendmal schöner. Und diese Schönheit wurde durch den grünen Myrthenkranz noch erhöht, denn er umstrahlte sie mit der Glorie der Braut, mit der Glorie, die keine Krone der Erde zu überstrahlen vermag. Ein blaues Mieder umschloß den schlanken, zarten Leib und eine kleine goldene Kette mit einem Kreuz, die vielleicht die Mutter schon am Traualtare getragen, lag auf dem Schnee ihres Halses. Ein Myrthenstrauß, worin eine weiße Monatsrose, schmückte das Mieder am Busen.

Plötzlich wandte sich die bleiche Braut, um in das Haus zurückzukehren. Ein unterdrückter Schrei entschlüpfte ihrem Munde, als sie den Fremden im Mantel erblickte. Bebend schritt dieser ihr entgegen, so daß er auf derselben Stelle stand, wo er sie zum erstenmale gesprochen.

– Marie, stammelte Julius und Thränen traten ihm in die Augen – Marie, ich komme zu spät!

An dem Tone der Stimme hatte ihn Marie erst erkannt, sie mußte sich an der kleinen Gartenthür halten, um nicht zu Boden zu sinken.

– Mein Herr, sprach sie leise und eine leichte Röthe erschien auf den bleichen Wangen, heute früh wurde ich getraut –!

– Marie, Marie! rief eine Stimme aus dem Innern der Mühle.

– Mein Mann ruft, sprach die junge Frau, leben Sie wohl!

Zitternd nahm sie den Strauß von ihrem Busen und reichte ihn Julius; dann verschwand sie in der Thür des Hauses.

– Zu spät! rief Julius, indem er den Strauß an seine Lippen drückte und mit einem Strome von Thränen benetzte, der über die Wangen rann. Zu spät, die rauhe Hand des Winters hat auch mein Glück zerstört!

Hastig verließ er den kleinen Hof der Mühle, schlug den Fußpfad ein und gelangte nach einigen Minuten bei dem Baumstamme an, wo sein Wagen hielt.

– Den Weg zurück! rief der junge Mann und warf sich weinend in die Polster des Reisewagens.

Wie der Dichter ein poetisches Gebild, betrachtete Julius die Erscheinung Mariens, er liebte sie mit der ganzen Glut seines Herzens und betete zu ihr, wie zu seiner Madonna. Zwar geschieden durch eherne Verhältnisse, die das Schicksal feindlich herbeigeführt, konnte er sich ihr nicht mehr nahen; aber jener Geist, der die Welten durchkreis't, der Geist der wahren, ewigen Liebe verband ihn mit ihr.

Mariens Strauß bewahrte er in einem kostbaren Rahmen auf. Darunter standen die Worte eines alten persischen Dichters:

»Glücklich, dreimal glücklich die Menschen, welche nach einem süßen Liebestraume am eisigen Busen des Todes erwachen!«


Druck der C. H. Voigt'schen Offizin in Rochlitz.

In gleichem Verlage und von dem Verfasser dieses Werks sind ferner erschienen:

Aug. Schrader.

Die Braut von Louisiana.

Roman.

3 Bände. 3 Thlr.