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Türkische Märchen cover

Türkische Märchen

Chapter 49: 48. DER FALKE UND DER HAHN
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About This Book

The volume gathers an anthology of Turkish folktales, arranged in two parts: numbers 1–21 collect orally transmitted popular tales gathered in Anatolia, while numbers 22–66 present literary or art tales that reached Turkish letters via Persian and Indian models. Translations and occasional stylistic adjustments aim to preserve the simplicity of the folk narratives and to render the more elaborate courtly stories, many drawn from Tutiname, Humajunname and Qyrq vezir traditions. Bibliographic notes and editorial comments indicate sources and variants, and the selection demonstrates the range from direct, unadorned storytelling to refined parable-like and didactic tales.

[Inhalt]

48. DER FALKE UND DER HAHN

Ein schneller Falke stritt sich einst mit einem lautkrähenden Hahn: „Du bist ein Vogel, der äußerlich zwar sanft, von Natur aber wild ist, freundlich erscheint, aber Feindschaft nährt. Warum habt ihr im Herzen keine Zuverlässigkeit und Treue. Was ihr tut, ist nur Unaufrichtigkeit und Undankbarkeit.“ Der Hahn antwortete: „Was für Treulosigkeit und Undankbarkeit hast du an uns gesehen?“ Der Falke sagte: „Gibt es wohl größeren Undank? Die Menschen sind zu euch so freundlich und bereiten euch euer Essen, daß ihr, ohne euch abzumühen, euer Leben lang ausreichend habt, sie kümmern sich immer mit derselben Sorgfalt um euch [266]und beschützen euch, so daß ihr unter ihrem Schutz ruhig leben könnt. Wenn sie euch aber rufen, so flieht ihr und fliegt von Dach zu Dach. Wir Falken, die wir doch wilde Tiere sind, sind, wenn wir nur einige Tage mit den Menschen zusammen sind, dankbar und bringen ihnen die Beute, die wir gemacht haben, und wenn wir sehr weit von ihnen sind, fliegen wir auf einen Ton zu ihnen zurück.“ Der Hahn antwortete: „Du hast recht, aber euer Gehorsam und unser Ungehorsam kommt daher, daß ihr noch nie einen von euch in der Pfanne habt braten gesehen. Wir aber haben unsere Artgenossen am Roste braten gesehen. Wenn ihr das gesehen hättet, würdet auch ihr die Menschen meiden und, wenn wir von Dach zu Dach flüchten, würdet ihr von Berg zu Berg flüchten.“