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Türkische Märchen

Chapter 53: 52. DER GÄRTNER UND DER BÄR
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About This Book

The volume gathers an anthology of Turkish folktales, arranged in two parts: numbers 1–21 collect orally transmitted popular tales gathered in Anatolia, while numbers 22–66 present literary or art tales that reached Turkish letters via Persian and Indian models. Translations and occasional stylistic adjustments aim to preserve the simplicity of the folk narratives and to render the more elaborate courtly stories, many drawn from Tutiname, Humajunname and Qyrq vezir traditions. Bibliographic notes and editorial comments indicate sources and variants, and the selection demonstrates the range from direct, unadorned storytelling to refined parable-like and didactic tales.

[Inhalt]

52. DER GÄRTNER UND DER BÄR

In alter Zeit lebte ein Gärtner, der sein Leben mit der Pflege seines Gartens zubrachte. So hatte er einen Garten geschaffen, der dem Paradiese glich. Da er mit jedem Baum so eng verbunden war, war aus seinem Herzen jedes Gefühl für Vater, Frau und Sohn entschwunden, und er brachte in dem Garten lange Zeit Tag und Nacht einsam und verlassen zu. Schließlich wurde er von der Verlassenheit so bekümmert, daß er in die Ebene wanderte. Als er am Fuße eines Berges, der sich unendlich wie die Hoffnung dahinstreckte, spazieren ging, kam ihm durch Gottes Fügung ein häßlicher, scheußlicher Bär entgegen, der gleichfalls aus Furcht vor der Einsamkeit von der Höhe des Berges in die Ebene herabgestiegen war. Sogleich entstand zwischen beiden eine Liebe, und das Herz des Landmannes war geneigt, mit dem Bären Freundschaft zu pflegen.

Als der Bär diese Anhänglichkeit des Bauern sah, wurde er auch ihm in Freundschaft zugetan und folgte ihm auf [274]den leisesten Wink in den paradiesesgleichen Garten, und da der Gärtner gemäß dem Worte „Ehret eure Gäste“ ihn freundlich behandelte, so wurde dadurch das Band ihrer Liebe fest, und auf dem Boden ihrer Herzen sproßte das Reis der Zuneigung.

Jedesmal, wenn der Gärtner müde war und sich im Schatten eines Baumes ausruhte, stand der Bär liebevoll neben seinem Kopfe und jagte ihm die Fliegen weg. Eines Tages schlief der Gärtner wieder in gewohnter Weise und der Bär verscheuchte die Fliegen. So oft er sie auch verjagte, immer kehrten sie wieder. Schließlich wurde er zornig, nahm einen schweren Stein und warf ihn, um die Fliegen zu töten, dem armen Bauern auf den Kopf. Die Fliegen erlitten keinen Schaden davon, aber der Gärtner starb daran.

Deswegen sagt man: „Ein kluger Feind ist besser als ein dummer Freund.“