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Türkische Märchen cover

Türkische Märchen

Chapter 58: 57. DIE BEIDEN SPERLINGE UND DIE SCHLANGE
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About This Book

The volume gathers an anthology of Turkish folktales, arranged in two parts: numbers 1–21 collect orally transmitted popular tales gathered in Anatolia, while numbers 22–66 present literary or art tales that reached Turkish letters via Persian and Indian models. Translations and occasional stylistic adjustments aim to preserve the simplicity of the folk narratives and to render the more elaborate courtly stories, many drawn from Tutiname, Humajunname and Qyrq vezir traditions. Bibliographic notes and editorial comments indicate sources and variants, and the selection demonstrates the range from direct, unadorned storytelling to refined parable-like and didactic tales.

[Inhalt]

57. DIE BEIDEN SPERLINGE UND DIE SCHLANGE

Zwei Sperlinge hatten ein Nest auf dem Dach eines Hauses und brachten ihr Leben zu, indem sie zufrieden waren mit dem, was sie sich erwarben. Nachdem sie durch Gottes Willen Junge bekommen hatten, flogen sie immer beide aus, um für ihre Jungen Nahrung zu holen. Eines Tages als der Vater von einem Fluge heimkehrte, sah er, daß die Mutter in Aufregung um das Nest flog, laut schrie und jammerte. Er rief aus: „Was machst du und was jammerst du?“ Sie antwortete: „Warum sollte ich nicht wehklagen? Als ich nach kurzer Abwesenheit zurückkehrte, sah ich, daß eine schreckliche Schlange an unser Nest herankroch. Wie sehr ich auch bat und flehte, es nützte nichts.“ Sie sagte: „Dein Schreien macht auf meine schwarze Seele keinen Eindruck.“ Ich antwortete: „Gut, aber fürchtest du dich nicht davor, daß wir beide uns an dir rächen und dich zu töten versuchen werden?“ Die Schlange antwortete unter Lachen: „Was sollte ich von dir befürchten?“ Da blieb mir nichts anderes übrig als um Hilfe zu rufen. Aber niemand hörte mich und die Schlange hat unsere Jungen gefressen und sich in unser Nest gelegt.“

Als der männliche Sperling diese Schreckenskunde vernahm, war er wie vom Blitze getroffen. Während dessen war der Besitzer des Hauses damit beschäftigt Licht anzuzünden und hielt einen in Öl getauchten brennenden Docht in der Hand. Der Sperling packte den Docht und warf ihn auf sein Nest. Um einen großen Brand zu verhindern, stieg der Hausherr auf das Dach und wollte das Nest mit einer Hacke vom Dache herunterschlagen. Als die Schlange vor sich die Feuerfunken und über sich die [285]Schläge der Hacke merkte, steckte sie aus einem Loch den Kopf heraus und wurde von der Hacke erschlagen.