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Über die weiblichen Brüste

Chapter 110: §. 95. Eiterung der Brust.
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About This Book

Die Abhandlung vermittelt eine medizinisch-praktische Darstellung von Aufbau, Funktion und Pflege des weiblichen Busens; sie erläutert Anatomie, Milchbildung und -beschaffenheit, sowie die typischen Veränderungen während Schwangerschaft und Wochenbett. Anleitungen zur Hygiene, Diätetik, Kleidungswahl und Schonung des Busens wechseln mit praktischen Ratschlägen zum Anlegen, Entwöhnen, Selbststillen und zur Wahl von Ammen. Krankheitsbilder wie Entzündungen, Abszesse und Brustkrebs werden beschrieben, ebenso Vorbeugung, konservative und operative Maßnahmen sowie Hausmittel und Warnungen vor irreführenden Behandlungsmethoden.

XI.
Beobachtungen.

§. 89.
Mangel an Milch.

Frau K., gebohrne B. verlebte ihr jugendliches Alter in häuslicher Eingezogenheit, ohne andern Krankheiten, als etwa nur krampfhaften Beschwerden in dem Magen und Unterleibe, und einer scharf nässenden Entzündung der Hautdrüsen in dem Gesichte ausgesezt gewesen zu seyn. In ihrem fünf und dreißigsten Jahre verheirathete sie sich, und man hatte ihr Hoffnung gemacht, daß mit dieser Veränderung ihre vorigen Leiden aufhören sollten. Sie ward bald Mutter und gebahr einen Sohn vollkommen natürlich, den sie selbst zu ernähren entschlossen war. Allein zu meinem größten Erstaunen zeigte sich auch gar kein Tropfen Milch in den Brüsten, ohngeachtet diese ihrem Bau und Ansehen nach gesundheitsgemäß beschaffen waren, und ohngeachtet der neugebohrne Knabe mit allen Kräften an der ausgebildeten Warze sog. Man verschaffte dem Kinde eine Säugamme von dem Lande, in deren Redlichkeit man die wenigsten Zweifel sezzen konnte, und für die Mutter verlief die Zeit des Wochenbettes ohne alle weitere Beschwerden. Bald darauf ward sie zum zweitenmal schwanger, und brachte diesesmal nach mancherlei glüklich überstandenen Ungemächlichkeiten Zwillinge zur Welt, und zwar abermals zwei Knaben. Früh und hungrig genug fielen diese über den Busen der Mutter her, aber ohne auch nur etwas der Nahrung ähnliches zu erhalten. Die Brüste schwollen nicht auf, und schmerzten nicht, die Wochenreinigung floß wie gewöhnlich, die Mutter blieb gesund, und den Kindern mußte man anderweitige Nahrung verschaffen. Nach dieser Zeit bekam sie keine Kinder mehr, und genoß einer so ziemlich dauerhaften Gesundheit.

§. 90.
Eiterung der Brüste.

Eine arme Frau, K., sechs und zwanzig Jahr alt, mager und schwächlich, Mutter von zwei Kindern, begehrte den 24. Julius 1792 meine Hülfe. Sie hatte seit ihrem lezten Kindbette vor acht Wochen eine böse Brust, welche jedoch in der Zeit wieder besser geworden war. Diese Person war öfters rothlaufartigen Krankheiten, auch einmal seit dem Wochenbette einem dreitägig intermittirenden Fieber unterworfen, welche aber bei der richtig angewandten Hülfe bald wieder verschwanden. Ich fand die linke Brust roth, hart gespannt, geschwollen, nach der Achselhöhle zu besonders schmerzhaft, und nebst der Narbe eines zugeheilten Geschwürs noch ein offenes, aus welchem viel Eiter sich ergoß. Sie klagte über öfteres Schaudern, mit abwechselnder Hizze, über Nachtschweise, Mattigkeit, Schwere in den Gliedern, und Trokkenheit in dem Munde. Sie hatte wenig Appetit, einen kleinen, ziemlich geschwinden Puls, und ihre Nahrung bestand meistens in schwachem Kaffee. Ihr Kind, welches sie aus der rechten ganz gesunden Brust selbst schenkte, schien seit einiger Zeit aus Mangel an Nahrung abzunehmen, war schwach und weinte oft. Ich ließ die Schmierereien von alten Weibern, von denen sie Gesundheit erwartete, weglegen, und verordnete einen Breiumschlag mit Leinsaamen überzuschlagen, und die Wunde mit ungesalzener Butter auf Karpei zu verbinden. Der Schlaf war ziemlich gut; die Öffnung selten, hart und trokken. Sie bekam auf eine Salzmixtur den 25. Julius mehrere Stuhlgänge. Den 30. Julius. Die Brust wurde röther, es zeigten sich hier und da mehrere weiße Erhabenheiten, welche endlich aufplazten; dabei verlohr sich der Schmerz sowohl als die Geschwulst derselben, und an dem Rand auch die Härte, nachdem aus drei Öffnungen viel Eiter geflossen war. Innerlich reichte ich der Kranken einen Absud von Quekken, Löwenzahn, Cichorien, Bittersüß und Fenchel. Den 5. August fand sich nur oben an der Brust noch eine harte Stelle, die ich jezt allein mit dem Kataplasma bedekken ließ; unten herum war alles weich geworden, und hier schikten sich schon die Öffnungen zu der Heilung an. Pazientin klagte sehr über Mattigkeit; um ihr zuvorzukommen, um die Kräfte zu unterstüzzen, gab ich ihr ein konzentrirtes Dekokt von der Bruchweidenrinde. Den 15. August. Keine Beschwerden mehr. Die Brust war in ihrem ganzen Umfange kleiner und weicher geworden, eine ganz unbedeutende Härte war noch in deren Mitte überblieben, auf welche, wenn man drükte, noch Eiter aus den obern Löchern hervorkam. Noch hatte sie den besondern Umstand bemerkt, daß ihr etwas weniges Milch aus der Warze derselben kranken Brust geflossen; dieses hielt ich für ein gutes Zeichen, daß nämlich in den Milchgefässen keine Stokkungen und Hindernisse mehr waren. Sie durfte indessen natürlicherweise doch auf dieser Seite das Kind nicht anlegen, welches ohnehin auch jezt Nahrung genug aus der gesunden Brust hatte. Den 30. August. In der kranken Brust fand sich nur noch eine Öffnung, wenig des besten gekochten Eiters und viele Milch, welche man durch den Druk des Fingers herauspressen konnte. Sie war weich, und der gesunden an Größe gleich. Den 10. September war die Kranke vollkommen geheilt.

§. 91.
Eiterung der Brust.

Caroline K, gebohrne N, hatte den 19. August 1798 zum erstenmal einen muntern Knaben gebohren, welcher gleich nachher mit sehr vielem Appetit die Brust seiner Mutter tapfer anzog. Indessen schwoll ihr doch der Busen den 23. und 24. August sehr stark an; es entstanden hier und da, besonders in der rechten, fühlbare Knoten: weil aber für den Abfluß der Milch theils durch das Kind selbst, theils durch die Anwendung der elastischen Zugflaschen hinlänglich gesorgt war, so wollte ich nur den Zufluß vermindern, und erlaubte nur eine ganz dünne Diät für diese Tage, und zwar mit dem besten Erfolg. Den 26. August waren die Brüste ganz in Ordnung; die Warzen, für welche in den lezten Schwangerschaftsmonaten gehörig mit dem Auflegen des Franzbranntweins gesorgt war, blieben ohnehin gesund. Den 26. aß die Wöchnerinn mit sehr gutem Appetit, vielleicht nur etwas zu viel. Den 27. Abends bekam sie auf einmal einen heftigen Frost, welcher zwei Stunden dauerte, darauf Hizze mit Irrereden, Durst, schnellen vollen Puls, Trokkenheit, und Schmerz in der rechten Brust. Den 28. Sehr dünne Diät, die strengste Ruhe, ein Abführungsmittel, Dampfbäder von Hollunder- und Malvenblüthen-Absud an die leidende Brust, Aussaugen derselben durch das Kind, welches sich dazu bereitwillig fand. Abends darauf bekam die Kranke einige Stühle, an der Brust hatte sich unten alles zusammengezogen, sie war roth, heiß, bei der Berührung und bei dem Milcheinschuß sehr schmerzhaft. Ich ließ sie mit einem Kataplasma aus Milch und Wek bedekken, in einem oben in dem Nakken zusammengebundenen Tuch tragen, und das Kind nur an der linken Seite anlegen. Darauf zog sich in der darauf folgenden Nacht die Milch hierher, und die rechte Brust wurde kleiner und weniger schmerzhaft. Den 29. folgte darauf Besserung in jedem Betracht. Den 31. August. In der Nacht hatte die Wöchnerinn ohne alle Veranlassung starken Frost, und mäßige Hizze gehabt; dieser ganze Vorfall war indessen nur von kurzer Dauer und endigte sich mit einem leichten Schweise. Oben auf der kranken Brust waren noch einige harte Knoten fühlbar, die mit Breiumschlägen belegt wurden. Bald darauf trank der Junge wieder aus beiden Brüsten, und somit gieng denn alles nach Wunsch bis den 14. September, wo plözlich in der rechten Brust Schmerzen, eine starke Geschwulst nahe an der Warze, ein Brennen bei der Berührung und bei dem Stillen entstanden. Ich suchte nun nicht allein den Zufluß zu vermindern, sondern auch die Milch abzuleiten, und verordnete zu dem Ende die dünneste Diät, abermals ein Abführungsmittel, und alle Viertelstunden einen neuen Breiumschlag. Troz allem dem nahmen die Schmerzen zu, besonders bei dem Saugen des Kindes; der Appetit verlohr sich ganz und gar. Den 17. September. Die Brust war von Milch sehr ausgedehnt, die Knoten größer und weicher; ich sezte alle meine Hoffnung auf die Ausleerung derselben, und schaffte zu dem Ende noch zwei fremde ausgehungerte Säuglinge herbei, welche auch, nachdem ich die Warze mit der elastischen Flasche hervorgezogen hatte, ziemlich viel wegtranken, und darauf erfolgte wirklich eine merkliche Besserung. Den 22. September hatte Pazientin wieder starken Schmerz; neben der Warze rechterseits fand sich auf der Brust aufsizzend ein kleiner Hügel von der Größe einer Haselnuß, glänzend roth, und weich. Den ganzen Tag lief die Milch ohne Zuthun von selbst aus. Dem Breiumschlage wurde Safran beigemischt. Den 23. anhaltende Schmerzen, die Geschwulst wurde immer erhabener, begränzter, und enthielt Eiter. Die auslaufende Milch war ganz rein. Die Kranke hatte heute schon etwas Fleisch gegessen und Wein getrunken. Abends, da die Schmerzen auf das höchste gestiegen waren, bekam sie eine kleine Gabe Opium, welche schnell wirkte, ein kleines Irrereden und dann Schlaf machte. Den 24. war endlich die Geschwulst geborsten, und wir hatten einen reinen, von der Natur geöffneten, Abszeß vor uns, welcher mit Eigelb und Terpentinöl auf Charpie gestrichen, verbunden wurde. Die Schmerzen ließen nach. Den 25. Pazientinn war wohl und munter, aus dem Geschwür ergoß sich wenig blutiger Eiter. Den 29. immer besser, sie aß und trank mit Appetit, der Abszeß näherte sich der Heilung, die kranke Brust war ganz ohne Schmerzen, und aus der andern wurde der Junge hinlänglich genährt. Schon den 4. Oktober war alles geheilt, dabei verlohr sich die Milch aus dieser Brust gänzlich, sie wurde kleiner und schief nach außen gezogen. Die Paar darinn zurükgebliebene Knoten hatten sich bis zu Ende des Oktobers durch die beständig hier unterhaltene Wärme auch zertheilt. Zwei Jahre nachher konnte unsere Genesene aus derselben Brust, so gut wie aus der andern, ein zweites Kind stillen.

§. 92.
Eiterung der Brust.

Frau S., 39 Jahr alt, welcher ich sechs Wochen zuvor bei einer schweren Geburt Hülfe geleistet, ließ mich den 14. Januar 1799 rufen. Das Kind war gesund. Schon seit mehreren Tagen, so erzählte sie, hätte sie Röthe und Schmerz an der Brust bemerkt, darauf die Milch mit Flaschen ausgezogen; sie hätte sich erkältet, einen Rothlauf u. s. w. Ich entdekte bei näherer Untersuchung auf der linken Brust eine große harte, rothe und ekkichte Geschwulst, welche Eiter enthielt, wie sich aus der deutlich wahrzunehmenden Fluktuazion ergab. Die Kranke gieng dabei herum, und klagte sonst über nichts. Ich legte das mit Gummi bereitete Diachylonpflaster auf und den 17. Januar hatten sich zwei Öffnungen untereinander formirt; dort war die Haut faul und schwarz, es floß ein dünner, stinkender Eiter aus, und rundum war die Brust sehr hart; weswegen ich einen Breiumschlag anwandte, und den Abszeß mit Digestivsalbe verband. Den 19. hatten sich die Öffnungen erweitert, der Eiter wurde dikker und besser; die Person blieb dabei munter und gieng fortdauernd ihren Geschäften nach. Das Kind blieb auch gesund, und fand in der heilen Brust mit Hülfe der Suppen und etwas Thiermilch seine Nahrung. Von nun an verminderte sich die Härte und Geschwulst, so wie der Eiterausfluß immer mehr und mehr, so daß ich den Verband seltener wechselte, und den 4. Februar war die Kranke vollkommen genesen.

§. 93.
Eiterung der Brust während der Schwangerschaft.

M. Pächtersfrau auf dem ***hof, 24 Jahr alt, zart gebaut, blond von Haaren, war eben jezt zum zweitenmal schwanger, und spürte seit sechs Wochen die Bewegung des Kindes, hatte auch wegen Anfällen von Schwindel, Kopfschmerzen u. dgl. schon zur Ader gelassen. Ihr erstes Kind war nunmehro anderthalb Jahre alt, und sie hatte es gerade sechs Monate gestillt, als sich die Milch aus den Brüsten ganz unvermerkt verlohr. Nachdem sie sich erkältet, und darauf Schmerzen in der Brust bekommen, aus welcher in dieser Schwangerschaft sich viele lymphartige Feuchtigkeit ergossen hatte, sah ich sie den 2. Februar 1800 zum erstenmal. Die ganze linke Brust war dik, heiß, hart und rund ausgespannt, und eine Stelle über der Warze erhaben und roth. Ich ließ sie sogleich kataplasmatiren, mit Milch, Wek und Safran, sie blieb bei ihrer gewohnten Diät, und trank etwas Wein. Den 4. bemerkte ich Fluktuazion der dikken Haut ungeachtet. Den 6. fand ich zwei Stellen über der Warze, wie weiße Knöpfchen, da nämlich, wo der Eiter sich vorzüglich herausdrängen wollte, und wo die Haut dünner geworden war. Die Brust war noch sehr roth, hart und groß, halbrund aufsizzend. Bei einer etwas stärkern Berührung des einen von jenen weißen Hügeln mit dem Finger, plazte derselbe auf, und nach und nach ergoß sich eine erstaunliche Menge, wenigstens ein Pfund, Eiter mit Blut und Jauche vermischt. Während dem ich den Eiter auspreßte, ließ ich der Pazientinn immer Zeit sich zu erholen, gab ihr Wein zu trinken, und etwas Starkriechendes, weil ihr eine Ohnmacht drohete. Die Brust nahm hierauf wieder ihre natürliche Größe an, und wurde ganz weich. Ich bedekte die kleine Wunde mit einem Klebepflaster. Den 7. fand ich bei dem Verband eine kleine runde Öffnung, die mit einem koagulirten Blutpfropf verstopft war. Ich preßte ihn heraus, und es folgte ihm sehr viel Eiter, welches auch immer in den folgenden Tagen, wo die Wunde mit Digestivsalbe verbunden wurde, der Fall war. Den 11. war die Wunde zugeheilt, und den 12. verspürte vorübergehend die Kranke einige flüchtige Stiche in der Brust, ohne daß sie übrigens in ihrer Gesundheit gestört worden wäre; sie war munter, aß, trank und schlief. Indessen schwoll die Brust wieder auf. Den 13. entstanden Schmerzen, Hizze und Fieber. Den 14. öffnete sich auch diese neuentstandene Geschwulst, und es ergoß sich hier abermals eine ungeheure Menge aus einer größern gequetschten Wunde. Während dem das Ganze mit Digestivsalbe immerfort verbunden wurde, und der Eiterausfluß auch fortwährte, entstand den 20. Februar eine zweite Öffnung neben der alten, und sogar späterhin noch eine dritte. Die Menge des Eiters blieb sich immer gleich, er wollte gar nicht abnehmen, und kam oft ganz aus der Tiefe, aus den Milchgefäßen hervor, so daß man ihn heraussprizzen konnte. Dabei war er von der besten Konsistenz und ganz ohne Geruch. Die Brust fand ich immer weich, schmerzenlos, und die Frau nahm ehender an Gesundheit zu als ab, und verrichtete sogar alle ihre Geschäfte mit Leichtigkeit. Ich mußte mich daher begnügen, das Geschwür durch einen einfachen, aber sorgfältigen Verband der offenen Stellen immer rein zu erhalten. Zu meinem größten Erstaunen verzog sich die Heilung desselben außerordentlich lang, nämlich den ganzen Monat Merz und April hindurch. Endlich wurde die Kranke den 11. Mai von einem gesunden Mädchen leicht und glüklich entbunden, den 13. erfolgte das gewöhnliche Milchfieber. Ich ließ das Kind nur an die linke Brust legen, und die Wöchnerinn an der eiternden rechten eine Glasflasche tragen. Den Verband erneuerte ich jezt öfters. Der abfließende Eiter näherte sich an Beschaffenheit immer mehr der Milch, und nahm aus den kleinen frischrothen Öffnungen an Menge ab, weil aus der Warze zu viel in das Glas lief. Den 21. Mai kam viel Blut aus der Wunde; allein bis zum 26. verminderte sich indessen dieses auch, so wie noch mehr der Eiter aus der Wunde. Sie heilte nach und nach zu, und bald floß nur helle klare Milch aus der Warze in das anhängende Glas, so daß die Wöchnerinn den 29. Mai ihr Kind auch an diese vormals kranke Brust legte, und dasselbe daraus, so wie aus der gesunden noch geraume Zeit stillte. Diese Geschichte giebt ein merkwürdiges Beispiel davon ab, wie selten Geschwüre bei Schwangern heilen; denn offenbar wurde hier blos durch die Schwangerschaft die Genesung verzögert, besonders da in dieser ganzen Zeit der Zufluß der Säfte vorzüglich nach den Brüsten geht.

§. 94.
Milchknoten.

Frau W. in E. seit sieben Wochen Kindbetterinn, 28 Jahre alt, von sehr reizbarer Konstituzion, stillte ihr Kind selbst; den 8. September 1800 fand sich in der rechten Brust nach innen zu ein Knoten von der Größe eines Hühnereies, der bei dem Berühren schmerzte. Ich ließ erweichende Breiumschläge überlegen, die hier vorhandene Milch mit der elastischen Flasche aussaugen, und den Knaben allein aus der andern Brust trinken. Ihre Warzen waren vormals wund gewesen, aber durch den Gebrauch von Franzbranntwein mit Zukker geheilt worden. Den 16. Sept. Noch keine Besserung, der Knoten war stehen geblieben, hatte sich aber auch nicht entzündet. Nun ließ ich Dampfbäder von Hollunder- und Malvenblüthenabsud machen, und den 25. Sept. war alles verschwunden und die Wöchnerinn geheilt.

§. 95.
Eiterung der Brust.

Frau W. geb. S., 21 Jahr alt, kam den 15. Dezember 1800 mit ihrem ersten Kinde nieder. Sie war im Ganzen gesund, hatte nur zu viele Milch; die Brüste waren steif, knotig, gaben dem Druk nicht nach; die Warzen erhoben sich nicht gehörig, waren zurükgezogen, und das Kind wollte nicht recht trinken. Sie hatte kein bedeutendes Milchfieber, wohl aber einmal den 24. und 26. Dez. Abends Kopfweh gehabt. Sie mußte das Kind oft anlegen mit Gedult und Ernst, wenig oder gar nichts essen, in dem eigentlichen Verstande hungern, die Brüste mit Butter einschmieren und dabei nach den Warzen hinstreichen lassen, die Warzen selbst mit der elastischen Flasche herausziehen, mit Branntwein abhärten, und nachher beständig Glasflaschen anlegen lassen. Durch diese einfache Behandlung kam alles in kurzer Zeit in die gehörige Ordnung. Allein den 13. Februar 1801, als sie zum zweitenmale Wöchnerinn wurde, und die obigen Mittel nicht mit der gehörigen Standhaftigkeit gebrauchte, bekam sie eine förmliche Entzündung an der rechten Brust, welche auch in Eiterung übergieng, und wo sich den 27. Febr. der Abszeß von selbst öffnete, und während eines mäßigen Eiterergusses bei der Anwendung von Kataplasmen und einem höchst einfachen Verband mit der Digestivsalbe den 10. Merz geheilt war. Indessen bin ich überzeugt, daß dieser Unfall durch mehr Sorgfalt, wie das erstemal, auch hätte verhütet werden können. So erinnere ich mich einer andern Frau, bei welcher ich einen Brustabszeß behandelte, den sie sich nur aus Nachlässigkeit zugezogen hatte: denn indem sie ihr Kind während der Stillzeit nur immer aus einer und derselben Brust hatte trinken lassen; so entstanden in der andern Knoten, welche sich entzündeten und eiterten.

§. 96.
Wunde Brustwarzen.

Frau d’A. —, eine junge Erstgebährende, welche kaum von der Kräzze geheilt war, als sie den 1. Oktober 1801 entbunden wurde, bekam, da sie nunmehro in dem Wochenbette das Kind stillen wollte, und zu dem Behufe säugen ließ, große Risse und Schrunden in den Brustwarzen, welche den sorgfältig angewandten gewöhnlichen Mitteln zu ihrer Heilung sorgfältig widerstanden. An dem Hofe um die Warzen herum, zeigten sich an beiden Brüsten, kleine weiße äußerst jukkende Bläschen, welche eine Jauche von sich gaben. Ich ward diese nicht sobald gewahr, als ich eiligst das Kind von diesem verderbten Busen entfernen ließ; denn dem Ansehen nach mußte ich sie für ein Produkt des noch in der Haut des Körpers vorhandenen Kräzzestoffs, für wahre Kräzpusteln halten. Der Erfolg bestätigte es auch, indem sie mit den bekannten Mitteln gegen die Kräzze, mit der Schwefelsalbe, bald und glüklich geheilt wurden.

§. 97.
Scirrhus.

Fräulein von G. aus P., 36 Jahr alt, unverheirathet, von hagerm Körperbau, trug einen harten Knoten von der Größe eines Taubeneies in der linken Brust, in welchem bei der Erscheinung des Monatlichen und bei dem Wechsel der Witterung stärkere oder schwächere, immer aber nicht unbedeutende Schmerzen entstanden. Aufmerksam darauf fragte sie mich den 12. November 1801 darüber um Rath. Da dieses Frauenzimmer sonst in allen Hinsichten eine vollkommene Gesundheit genoß, so begnügte ich mich blos, ihr ein zwekmäßiges Regimen vorzuschreiben. Gemüthsbewegungen aller Art wurden möglichst beseitigt. Sie mußte alle erhizzende Getränke vermeiden, und sich überhaupt sehr ruhig verhalten. So schadete es ihr z. B. augenbliklich, wenn sie je einmal zu dem Tanzen sich verleiten ließ. Auf dem leidenden Theile wurde ununterbrochen fort ein zarter Hasenpelz getragen. Dabei verlohren sich vorerst die Schmerzen gänzlich, und im Januar 1802 fieng hierauf der Knoten an sich in mehrere kleine Parthien zu theilen und in dem April desselben Jahres war er ganz verschwunden, und die Brust vollkommen gesund.