§. 17.
Verschiedenheit in der Form der weiblichen Brüste.
Die Lage der Brüste, ihre geringere oder stärkere Entfernung von einander richten sich theils nach der Größe derselben selbst, theils nach der Beschaffenheit des Brustgewölbes, theils auch nach dem Drukke der Kleidungsstükke, mit welchen man im frühern Alter die Brüste bedekte. Kleine Brüste stehen oft weit voneinander ab, besonders bei hageren, schlanken Personen; da hingegen kurze, untersezte Weiber oft starke, auffallend mehr zusammenstehende große Brüste haben. Blonde und gelbhaarige Mädchen haben feine, zarte und schöne weiße Brüste; Brünetten und schwarzhaarige aber weniger weiße. Bei jenen zeigen sich daher auch die blauen Adern stärker und häufiger, als bei diesen. Eine gelbliche oder bei Brünetten braunere Farbe bekommen die Brüste oft nach vielem Stillen, im Ganzen oder nur an einigen Stellen. Bei Weibern, welche sich viel der Sonne aussezzen, findet man oft ihre obere Hälfte davon braun gefärbt. Wenn ein reizbares Frauenzimmer von Schaam durchdrungen wird, so bekommen ihre Brüste so gut als ihre Wangen die Schaamröthe. Es giebt viele Männer, besonders braune, schwarzhaarige, welche Haare auf der Brust haben. An dem weiblichen Busen finden sie sich selten, nur einzeln aber stark, und auch nur bei Brünetten. Wenn eine Frauensperson eine sehr große Brust hat, so ist daraus noch nicht zu folgern, daß sie auch sehr viel Milch absondern kann; denn manchmal ist es blos die Menge des Fettes, was den großen Umfang macht. Es kann eine ganz kleine Brust doch genugsam Milch zur Stillung eines Kindes hergeben. Mittelmäßig große Brüste sind in dieser Rüksicht die vorzüglichsten. Bei gleichförmig ausgedehnten Brüsten sind die Warzen gerade nach vorne, bei andern mehr voneinander entfernten aber nach dem Arm oder der Seite hin gerichtet. Plattgedrükte Brüste sind immer eine Folge von engen Kleidern, Schnürbrüsten u. dgl. Nach oft wiederholtem Stillen wird der Busen welk, runzelicht und hängend. Eben so nach langdauernden, abmagernden Krankheiten und im hohen Alter.
§. 18.
Gestörte Organisazion der Brust, wie z. B. nach Eitergeschwüren, welche in der Schwangerschaft oder dem Wochenbette geöffnet werden mußten, oder von selbst aufbrachen, geschehen kann, hat eine ungleiche Milchbereitung zur Folge. In der einen Brust wird eine gute, süße, in der andern aber eine bittere, säuerliche oder wässerichte Milch abgesondert. Durch alle folgenden Wochenbette erhält sich alsdann gern die Milch so ungleich, so daß die Säuglinge sie nicht gerne nehmen wollen. Die Farbe der Warzen und ihres Hofs ist in verschiedenen Subjekten sehr verschieden. Bei Blondinen finden sich gewöhnlich diese Theile rosenroth, bei Brünetten dunkler, braunroth. Diese Farbe bleibt entweder die ganze Schwangerschaft hindurch oder sie wird noch mehr erhöhet, selten aber blässer, als sie außer der Schwangerschaft war. Zuweilen ist der Hof groß, zuweilen klein, und so daß er ganz zu mangeln scheint; einmal sind kleine Runzeln, ein andermal hervorstehende Wärzchen darauf zu bemerken. Mancher Hof hat einen ganz bestimmt gezeichneten Umfang, ein anderer verliert sich der Farbe nach ganz unvermerkt in die übrige Haut. Nicht immer steht die Größe der Warzen im Verhältniß mit der Größe der Brüste. Eine große Brust kann eine kleine Warze, und umgekehrt eine kleine Brust eine große Warze haben. Zufälligerweise sind die Warzen bald kürzer, bald länger, bald breiter u. s. w.
§. 19.
Besondere Abweichungen von dem gewöhnlichen Bau.
Die rechtmäßige Residenz des weiblichen Busens ist der erhabenste Theil der vordern Brustfläche, auf dem großen Brustmuskel zwischen der dritten und sechsten wahren Rippe. Beide Brüste sind durch das Brustbein getrennt. Allein zuweilen liegen sie zu hoch oder zu niedrig, sich so nahe, als wenn sie zusammengeschmolzen wären, oder so entfernt von einander, als wenn sie sich flöhen.
Eine Frau hat zwei Brüste, dieses ist die gewöhnliche Zahl. Doch BARTHOLIN erzählt die Geschichte einer Frau, die drei, und CABROLICUS die Geschichte einer andern, die gar vier Brüste gehabt haben soll. HALLER und PLOUCQUET führen ähnliche Fälle an. Auch will man Beobachtungen von Amazonen haben, die nur eine oder gar keine Brust hatten. Sie litten entweder an einem ursprünglichen Mangel derselben, oder hatten sie durch Abszesse, Geschwüre, den Krebs und durch die Amputazion des Messers verlohren.
In Ansehung der Größe der Brüste haben wir uns ein gewisses mittleres Maaß als Normalmaaß abgesondert, welches wir als das schönste und gesundeste annehmen, und merkliche Abweichungen von demselben für fehlerhaft halten. Bei einigen afrikanischen Völkern, bei den Bewohnern des Südmeers, in Egypten, in Portugal findet man ungewöhnlich große Brüste, die bis unter den Bauch herabhängen, über die Schultern geworfen, und unter den Armen durchgestekt werden können, um das Kind auf dem Rükken zu säugen. Auf dem Kap soll man Geld- und Tobaksbeutel aus den Brüsten der Hottentottinnen bereitet, feil haben. Ach unter uns hat man dann und wann solche ungeheuer große Brüste beobachtet, welche übrigens dabei gesund oder krank waren. BORELL, WELSER, SALMUTH und LESKE erzählen Fälle von Brüsten, die zehn, zwölf, ja gar vier und sechzig Pfund gewogen haben. MANDELSLOH führt ein Beispiel von einem zweijährigen Mädchen an, dessen Brüste so groß wie bei einer säugenden Frau waren, und die schon in ihrem dritten Jahr ihre Reinigung bekam. Ein solches monströs großes Euter ist weder schön noch gesund; es beleidigt das Auge, hindert die freie Bewegung der Arme, die Respirazion durch seine Schwere, und pflegt durchgehends eher arm als reich an Milch zu seyn. Fälle des Gegentheils, Brüste die so klein sind, daß sie ihr Geschäft nicht verrichten können, finden wir noch häufiger. Manche Weiber, die Mannjungfern und besonders die langen, dürren, und hektischen Schatten haben eine platte Brust, wie die Mannspersonen; die Haut ist auf die Rippen aufgeleimt, und die Brustwarze gleichsam in die Knochen eingeschroben. Sind die Eierstökke bei Thieren vor der Mannbarkeit weggeschnitten, so sollen gar keine Brüste entstehen, auch sollen sie sich wieder verzehren, wenn diese Amputazion nach der Mannbarkeit vorgenommen wird.
§. 20.
Die Form einer Halbkugel ist wohl der gewisse Umriß, den eine schöne Weiberbrust haben soll. Um desto kränkender ist es für das weibliche Geschlecht, daß es sich die Natur so oft erlaubt, von dieser Normalform Ausnahmen zu machen. Gewöhnlich pflegt schon das erste Wochenbette diese Form mehr oder weniger zu verlezzen. Man findet sie kegelförmig, zugespizt wie eine Birne, plattgedrükt wie einen Fladen, walzenförmig wie einen Handschuh, oder hängend und sakförmig wie Nester der Beutelmeise. Solche Difformitäten sind, außer dem Verstoß gegen die Regeln der Schönheit, auch dem Geschäfte der Brüste mehr oder weniger nachtheilig.
Es giebt einen gewissen Grad von Derbheit und Härte der Brüste, den wir ihre natürliche Härte nennen, und welcher theils von der Kohärenz der festen Theile, theils von dem Gegendruk der Säfte und des Fettes entsteht. Allein oft finden wir sie zu schlaff, welk, hängend, oder zu hart und starr. Die Derbheit der Brüste ist gleichsam der Barometer der weiblichen Gesundheit. Hat das junge Mädchen getanzt, getrunken, Nächte durchgeschwärmt, so sind am Morgen ihre Brüste welk und ohne Ton. Troz aller Künste haben die leichten Jungfern welke Brüste vom Übermaaß des Beischlafs und der Schwächungen, denen sie bei ihrer Lebensart ausgesezt sind. Jede übermäßige Anstrengung des Körpers und der Seele, nagender Kummer, schwärmerische Traurigkeit, unglückliche Liebe, hizzige und chronische Krankheiten rauben den Brüsten ihre Spannkraft. Eben diese Wirkung hat das Alter, das öftere Stillen und häufige Manipulazionen der Brüste. Ein plözliches Welkwerden des Busens in der Schwangerschaft ist oft ein Vorbote einer bevorstehenden Frühgeburt. Im Gegentheil kann bei dem Eintritt der Reinigung, bei dem Mangel derselben und bei der Mutterwuth, die Derbheit der Brüste ihr natürliches Maaß überschreiten. Zu viel Reizbarkeit und Kontraktilität der festen Theile und ein zu starker Andrang der Säfte sind die Ursachen dieses Zustandes.
§. 21.
Fehler der Brustwarze.
Auch die Brustwarze ist, wie wir zum Theil schon oben (§. 18.) gesehen haben, mancherlei Fehlern der Form unterworfen. Sie soll ganz gefehlt haben und ein andermal doppelt da gewesen seyn. Bei unverheiratheten Personen findet man oft statt der Papille eine Grube. Bei dem Stillen kehrt sich durch das Saugen die nach innen gesenkte Haut heraus und die Warze ist da. Zuweilen ist sie so lang und dik, daß das Kind sie kaum mit dem Mund umfassen kann. In einigen Warzen fehlen die Öffnungen der Milchgänge, welches ein ursprünglicher Fehler seyn kann, oder meistens von einem Druk der Schnürleiber herrührt. Endlich bekommt sie zuweilen besonders vom Krebs und der französischen Seuche Risse, Geschwüre und schwammichte Auswüchse.
§. 22.
Milch bei Männern.
Die Brüste neugebohrner Kinder beiderlei Geschlechts sind mit einer serösen Feuchtigkeit angefüllt, welche durch den Druk aus den Brustwarzen entfernt werden kann. Einige Ärzte leiteten daraus, wiewohl fälschlich, den Ursprung des Kindswassers her.
Äußerst selten sind die Fälle, wo auch bei dem Manne eine milchartige Feuchtigkeit aus der Brust kam. Herr von HUMBOLDT sah, wenn man öffentlichen Nachrichten (Hamburger Zeitung 1800 St. 89.) trauen darf, in dem spanischen Amerika, und zwar in der Hauptstadt Kanada einen Mann, der so viele und gute Milch hatte, daß er schon seit fünf Monaten ein Kind stillte, weil seine Frau daran verhindert wurde.
§. 23.
Fehler in der Milch und in deren Bereitung.
Oft fehlt die Milch, wo sie da seyn sollte, die Brüste bleiben nach der Geburt welk; es erzeugt sich gar keine Milch oder es sondert sich ein unbedeutendes Etwas ab, das mehr Lymphe als Milch ist. Ein andermal sondert sich zu viel Milch ab, die Brüste schwellen stark an, schmerzen, das Kind kann vor Geschwulst nicht saugen, und die Mutter wird durch den übermäßigen Zufluß von Säften entkräftet. HALLER erzählt von einer Frau, die außer der Milch, welche das Kind sog, noch täglich drei Maaß derselben verlohr; und von einer andern, die sechs Pfund Ziegenmilch trank, und davon einen solchen Zufluß der Milch bekam, daß ihre Brust fast geplazt wäre, und was erst durch das Saugen vieler Kinder bezwungen werden konnte. Zuweilen finden wir Milch bei Personen, die keine haben sollten, bei Kindern, Jungfern, Männern und alten Weibern (§. 22. u. §. 69.). Oft wird die Milch durch ungewöhnliche Wege, durch eine Wunde des Fußes, durch die Geburtstheile ausgeleert. SCHURIG erzählt von einer Frau, welche während der Schwangerschaft das Bein zerbrochen hatte, die Knochen waren zersplittert, es entstand ein großes Geschwür, das bis auf ein kleines Loch am Fußgelenk zuheilte, aus welchem vor der Geburt zu der Zeit des Vollmonds Blut, nach der Geburt die Kindbettreinigung und dann mehrere Wochen lang eine große Quantität Milch abfloß. Eben derselbe erzählt ein anderes Beispiel von einem neunzehnjährigen Mädchen, dessen Brüste unmäßig anschwollen und Milch gaben. Als sie diese aus den Brüsten vertrieb, stellte sich bei ihr eine Reinigung durch die Gebärmutter ein, die wie wahre Milch aussah und roch. Es giebt fast keinen Theil des Körpers, aus welchem man nicht dann und wann hat Milch ausfließen sehen: aus dem Munde, den Augen, dem Nabel, dem Rükken, der Biegung des Schenkels, aus den Füßen u. s. w.
Bald ist die Milch zu dik, zu dünne; bald hat sie zu viel, bald zu wenig Käse oder Rahm. Man hat Beispiele von grüner, schwarzer, ölichter, versengter, mit Würmern verunreinigter Milch aufgezeichnet. MORGAGNI erzählt den Fall einer Frau, die eine grüne Milch in den Brüsten hatte; einen andern von einer Frau, bei der man eine dunkelgrüne und schwarze Feuchtigkeit aus der Brustdrüse ausdrükken konnte, und endlich noch einen Fall einer Person, die, so oft sie es wollte, eine dikke pechschwarze Feuchtigkeit aus ihren Brüsten ausmelken konnte, welche die Leinwand grasgrün färbte. Aus den Warzen szirrhöser Brüste fließt oft eine Menge mißfarbiger, gelber, stinkender Feuchtigkeit aus.