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Über die weiblichen Brüste cover

Über die weiblichen Brüste

Chapter 3: Vorerinnerung.
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About This Book

Die Abhandlung vermittelt eine medizinisch-praktische Darstellung von Aufbau, Funktion und Pflege des weiblichen Busens; sie erläutert Anatomie, Milchbildung und -beschaffenheit, sowie die typischen Veränderungen während Schwangerschaft und Wochenbett. Anleitungen zur Hygiene, Diätetik, Kleidungswahl und Schonung des Busens wechseln mit praktischen Ratschlägen zum Anlegen, Entwöhnen, Selbststillen und zur Wahl von Ammen. Krankheitsbilder wie Entzündungen, Abszesse und Brustkrebs werden beschrieben, ebenso Vorbeugung, konservative und operative Maßnahmen sowie Hausmittel und Warnungen vor irreführenden Behandlungsmethoden.

Vorerinnerung.

Die Heilkunde, einer der erhabensten Gegenstände des menschlichen Wissens, ist auf dem höhern Gipfel ihrer Vollkommenheit nur dazu geeignet, alle in dem kranken Körper gegründeten Hindernisse des Lebensgenusses, und den Tod selbst, welchen der Philosoph unter dem Bilde des Schlafes, unter einer nichtsraubenden Formveränderung sich denkt, so viel als es jenes unumstößliche Naturgesez erlaubt, weiter zu entfernen.

Die Gesundheiterhaltungskunde, einer der verdienstlichsten Zweige der allgemeinen Heilkunde, macht es uns zur Pflicht, den gebildeten Nichtarzt über die Geschichte verschiedener Krankheiten, über die Ursachen, wodurch gelegentlich sie entstehen, und über die Mittel, wie sie sich vor ihnen am sichersten schüzzen könnten, zu belehren. Ein billiges, vernünftiges, und folglich entscheidendes Urtheil über den Arzt und seine Bestimmung können wir von der Welt nur dann erwarten, wenn wir sie ohne Rükhalt mit den Gränzen unserer Wissenschaft, und mit den Schwierigkeiten, welche bei der Heilung dieser oder jener Krankheit eintreten, bekannt gemacht haben. Wollen wir die vielen, und mancherlei schädlichen Vorurtheile in der Medizin, die nichts als Unheil bringenden Marktschreier und den Einfluß ihrer Gewinnsucht auf den Kranken bekämpfen, und ausrotten; so kann das nur durch Überzeugung, durch eine lichtvolle Darstellung triftiger Gründe geschehen.

Unter diesen und ähnlichen Voraussezzungen, und weil ich wohl bemerkte, daß auch das zweite Geschlecht mit Büchern über wissenschaftliche Gegenstände sich beschäftigte, gab ich diesem vor einigen Jahren meine kleine Abhandlung: „über die weiblichen Brüste,“ in die Hände, mit dem einzigen Wunsche, zu nüzzen, und vielleicht etwas zu der so folgereichen Erhaltung der Schönheit und Gesundheit des Busens, was auf keine Weise gleichgültig seyn dürfte, beizutragen. Gegen alle meine Erwartung häufig wurde das Buch gelesen, in vielen öffentlichen Blättern empfohlen, und von allen Kunstrichtern, welche ihm ihre Aufmerksamkeit schenkten, erhielt ich die schmeichelhaftesten Versicherungen seiner Brauchbarkeit.

Von dieser Zeit an konnte es nur mein Bestreben seyn, jene Urtheile zu rechtfertigen. Ich habe daher noch viele zu meinem Gegenstande gehörige Bemerkungen und Erfahrungen gesammelt, und dadurch ist die gegenwärtige dritte Auflage beträchtlich vermehrt worden. Ganz umgearbeitet und vollständiger ist die Beschreibung des Baues und der Verrichtungen der weiblichen Brüste in dem gesunden und kranken Zustande. Bei der Lehre von der Behandlung derselben in dem Wochenbette, und von dem Entwöhnen des Kindes, und von der Beschaffenheit der Milch ist vieles neu hinzugekommen, so wie ich auch jezt erst einige Beobachtungen am Krankenbette beifügte, und dadurch die Anwendung der allgemeinen Regeln für bestimmte Fälle deutlicher zu machen hoffte. Eingestreuet habe ich hier und da mehrere nicht medizinische Stellen und Vergleichungen, um bei dem Lesen dem Ganzen mehr Unterhaltung zu verschaffen; und wenn hin und wieder einige Paragraphen nicht allen Leserinnen ganz verständlich wären, so dürfte das von Kunstverwandten mit der Forderung von Vollständigkeit entschuldigt werden, so wie ich mir in Absicht auf die Deutlichkeit des Vortrags manche Wiederholung gestatten mußte. Vielen der bewährtesten Schriftsteller unserer Zeit, und einigen meiner Vorgänger in demselben Fache, dankbar bekenne ich es, bin ich in diesem Buche gefolgt; ich habe ihren nuzzenreichen Lehren dadurch einen veränderten, vielleicht einen ausgebreitetern Wirkungskreis zu geben gesucht.

Möchten meine Leser diese erneuerte Bearbeitung eines so wichtigen Gegenstandes aus der populären Arzneikunde eben so gütig aufnehmen, als die vorigen!

Frankfurt

im Januar 1806.

Der Verfasser.