WeRead Powered by ReaderPub
Über die weiblichen Brüste cover

Über die weiblichen Brüste

Chapter 61: §. 52. Aufgesogene Warzen.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Die Abhandlung vermittelt eine medizinisch-praktische Darstellung von Aufbau, Funktion und Pflege des weiblichen Busens; sie erläutert Anatomie, Milchbildung und -beschaffenheit, sowie die typischen Veränderungen während Schwangerschaft und Wochenbett. Anleitungen zur Hygiene, Diätetik, Kleidungswahl und Schonung des Busens wechseln mit praktischen Ratschlägen zum Anlegen, Entwöhnen, Selbststillen und zur Wahl von Ammen. Krankheitsbilder wie Entzündungen, Abszesse und Brustkrebs werden beschrieben, ebenso Vorbeugung, konservative und operative Maßnahmen sowie Hausmittel und Warnungen vor irreführenden Behandlungsmethoden.

V.
Die Brüste nach der Entbindung.

§. 48.
Eintritt der Milch in die Brüste.

Die wichtigste Veränderung, welche mit den weiblichen Brüsten vorgeht, ist der Eintritt der Milch in dieselben. Dieser Zeitpunkt fällt in die ersten, gemeiniglich den dritten Tag nach der Entbindung, und ist immer mit einem Fieber, dem sogenannten Milchschauer, begleitet, welches nach Beschaffenheit der Umstände stärker oder geringer, von längerer oder kürzerer Dauer ist. Der Zug des milchartigen Stoffes nach den Brüsten wird durch den Fieberfrost bestimmt, der sich nach der Menge, nach der guten Beschaffenheit jener Flüssigkeit, und nach dem übrigen Zustand der Gesundheit verhält, bald schwach, bald stark ist, bald früher, bald später erscheint, und bald den Anfang eines leicht vorübergehenden Fiebers, bald eine sehr hizzige, gefährliche, bald eine langwierige Krankheit ist. In der Regel ist also dieser Milchfrost und ein leichtes Milchfieber das gehörige Mittel der Milchbereitung, und so wie er vorüber ist, so sagt man, die Milch ist eingetreten. Hart und angestopft werden nun die Brüste, sie strozzen von Milch und nun kizzelt das Kind wollüstig mit seinen Lippen die höchst empfindliche Warze, lispelnd drükt es dieselbe gelinde, steif und schwellend verbreitet die Warze dieses behagliche Gefühl in der ganzen Brust, die Nerven derselben werden in den thätigsten Zustand versezt, und die Ab- und Aussonderung geht zum unendlichen Vergnügen der Mutter richtig von statten. Wenn die ganze Säftemasse des Weibes hierzu vorbereitet ist, wenn von der Natur zum Wohl des Kindes und der Mutter diese Absezzung in den Busen so dringend veranstaltet wird, wenn man die Masse und das Quantum des Milchstoffs im Körper eines wohlgenährten Weibes gleich nach der Geburt betrachtet, und sich in der Lage findet, wo man diesem großen Zwek widerstrebt, — nicht säugt, und anstatt die Milchsekrezion zu befördern, dieselbe geflissentlich unterdrükt; so soll man wahrlich sich nicht wundern, wenn dadurch so großes Unheil entsteht. Und wie oft finden sich die Ärzte unserer Zeiten nicht in diesem Falle!

§. 49.
Milchfieber. Anlegen des Kindes.

Das Milchfieber fängt, wie gesagt, mit einem Froste oder leichtem Schauder an, dann folgt Hizze, Unruhe, beschleunigter Puls, etwas beengter Athem, Kopfweh, Durst. Die Kranke empfindet einen stechenden Schmerz in den Brüsten, und durch die Ausdehnung derselben ein Spannen unter den Armen von den Schultern her. Nach Mitternacht läßt alles dieses nach, indem ein häufiger, säuerlich riechender Schweis, welcher über den ganzen Körper gleichmäßig ausgebreitet seyn soll, zum Vorschein kommt. Zuweilen zeigen sich diese Zufälle den andern oder den dritten Tag gegen Abend noch einmal, aber nicht in dem Grade. Indessen erheben sich die Warzen, werden steif, geben einige Feuchtigkeit, und ihr Hof bekommt eine dunklere Farbe. Man fühlt einige ungleiche Geschwülste in den Brüsten, sie fangen an zu schmerzen, zu prikkeln, zu spannen, sich auszudehnen, bis sie endlich ganz mit Milch ausgefüllt sind. Hart wie kleine Knäule von Schnüren fühlen sich dann die vollen verschlungenen Milchgefäße an. Je weniger die Brust Fett hat, je welker sie ist, desto deutlicher fühlt man die Gefäße. Dieses ist der gewöhnliche Vorgang der Natur, so wie er in den Gesezzen derselben gegründet ist. Er ist ganz gefahrlos, wenn nicht zufällige Umstände dazwischen kommen, und erfordert weiter keine besondere Hülfe von Seiten des Arztes.

Man suche nur den Zufluß der Milch nach den Brüsten zu befördern, und dieses bewirkt man am besten durch das frühzeitige Anlegen des Kindes. Ich kann Ihnen dieses nicht genug empfehlen. Sobald als die Mutter sich von der Entbindung erholt hat, oder längstens zwölf Stunden darnach muß es geschehen, und dann trinkt das Kind die Milch allmählig hinweg, oder es leitet sie gleichsam in den Busen und befördert so fort durch wiederholten angenehmen Reiz der Säugung in der Folge immer in gehörigem Maaße einen gelinden Zufluß und Ausgang von Milchstoff, so daß desselben nie zu viel oder zu wenig in den Brüsten wird, und also daher weder Spannung noch Schmerz, weder Fieber noch Krankheit entstehen. Unter diesen Verhältnissen ist selbst das Milchfieber eine kaum bemerkbare Erscheinung. In jenen Gegenden, wie in der Lausiz, wo, nach öffentlichen Nachrichten (aus der medizinischen Nazionalzeitung) gewohnheitsmäßig die Mutter das Kind nicht eher an die Brust legen darf, als bis es getauft ist, rächt sich die Natur für dieses abergläubische Vorurtheil auffallend genug an der Mutter.

§. 50.
Verhalten im Wochenbette.

In dem Wochenbette sorge man für die vollkommenste Ruhe des Körpers und der Seele, für die Vermeidung aller Erkältung, und auch im Gegentheil alles dessen, was Hizze machen, was beunruhigen könnte. Man hüte sich also vor Geräusch, vor hellem Lichte, vor großen Gesellschaften in der Wochenstube, vor Ärgerniß, vor schweren Bettdekken und heißen Zimmern, vor Kraftsuppen, starken Weinen oder Kaffee u. dgl. Man trinke dünnen Kamillenthee, Kalbfleischbrühen oder andere lauwarme, gelind auf die Haut wirkende Getränke und sorge für leichtverdauliche Speisen. Wenn es an Öffnung fehlt, so nehme man einige sanfterweichende Klystiere. Der Busen wird ganz zwanglos gehalten, und nur mit erwärmten Tüchern bedekt. Es ist gut, wenn die Wöchnerinnen dabei viel und abwechselnd auf einer oder der andern Seite liegen. Nur so lange der Zufluß der Milch noch beträchtlich stark ist, gilt obige Empfehlung für eine weniger nahrhafte Diät; nachher müssen sie zu einer stärkendern Fleischdiät allmählig übergehen. Das Hinzuströmen der Milch in die Brüste ist, weil es plötzlich mit oder ohne Reiz des Saugens geschieht, der Mutter fühlbar im ganzen Umkreis der Brust von hinten nach vorn. Dieser sogenannte Einschuß kommt bald seltener bald häufiger vor, während der Verdauung, und wenn das Kind eben anfängt zu trinken, am häufigsten. Zuweilen ist die Empfindung für die Mutter schmerzhaft, zumal wenn die Ausführungsgänge an den Warzen dabei auf kurze Zeit verschlossen sind, so daß die Milch gar nicht oder nur wenig auslaufen kann. Auch die Säuglinge überströmt dieser plözliche Milchzufluß manchmal so, daß man sie für den Augenblik von der Brust abhalten muß.

§. 51.
Verhaltungsregeln bei dem Stillen.

Jedes Kind, wenn es anders gesund und stark genug ist, keine örtlichen Fehler im Munde oder am Gaumen hat, nimmt die Warze und richtet sich dieselbe ordentlich zu. So oft das Kind durstig, oder eigentlich hungrig sich fühlt, giebt es deutliche Merkmale, daß es die Brust seiner Mutter sucht. Vorzüglich beobachtet man dieses, wenn es neben der Mutter im Bette liegt, und den mütterlichen Dunst- und Wärmekreis genießen kann. Noch bedarf es desselben zu seinem Gedeihen, wie das junge Hühnchen noch der dekkenden Brutwärme und der Fittige seiner Mutter bedarf. Eine wahre, ihr Kind zärtlich liebende Mutter wird wohl nicht während dem Säugen einschlafen, und dadurch Gefahr laufen, dasselbe im Schlaf zu drükken oder fallen zu lassen; davon nachher (§. 74.). So etwas ließe sich allenfalls nur von einer gemietheten Säugamme befürchten. In den ersten vierzehn Tagen muß die Mutter dem Kinde, wenn es nicht schläft, wenigstens alle zwei Stunden, und nicht zu viel auf einmal zu trinken geben, in der Folge seltener. Doch halte sie sich hierinnen so viel möglich an eine bestimmte Ordnung. Die Gewohnheit dem Kinde, so oft es schreiet, die Brust zu reichen, ist gewiß nicht ohne Nachtheil. Es ist rathsam, daß die Säugende mehr Speisen aus dem Pflanzen- als aus dem Thierreiche genieße; nur dann wann sie einen Mangel an Milchvorrath verspürte, suche sie durch den Genuß von frischgemolkener Kuhmilch, von Eiern, Fleischbrühe, Bier, Gerstentisane, und andern sehr nahrhaften Substanzen diesem Mangel abzuhelfen. Sie muß sich öftere Bewegungen in freier Luft machen, und sich vor allen Leidenschaften hüten, welche die Gesundheit untergraben. So ist es auch z. B. bekannt, daß der Zorn durch die Milch die traurigsten Folgen für das Kind hervorbrachte. Selbst der Beischlaf, wenn er nur irgend zur Unmäßigkeit sich hinneigt, kann dem Säugling oder der Säugenden nachtheilig seyn. In der Regel hört bei den Weibern während der Stillzeit das Monatliche auf zu fließen, und damit geht zugleich die Eigenschaft desselben verlohren zu empfangen und von neuem schwanger zu werden. Indessen giebt es auch Ausnahmen von diesem Naturgesez, und die Frauen, welche, indem sie noch ein Kind an der Brust, und dabei regelmäßig ihre Periode hatten, wieder schwanger wurden, sind so selten eben nicht. Öfters haben auch säugende Mütter, bei denen wie gewöhnlich die Reinigung ausgeblieben, zu der Zeit, wo sie hätte kommen sollen, einige unbehagliche Empfindungen in dem Körper, Kopfweh, Leibschmerzen u. dgl.

§. 52.
Aufgesogene Warzen.

Ferner haben Wöchnerinnen noch besonders auf die Warzen Rüksicht zu nehmen, der oben angeführte Gebrauch des Franzbranntweins wird fortgesezt; und die aus Korkholz verfertigten Warzenhüte werden fortgetragen. Nur muß man jedesmal, ehe das Kind trinkt, die Warzen mit Milch oder süßem Rahm befeuchten. Auf diese Art wird man gewiß dem Aufsaugen derselben vorgebeugt haben. Sollte sich indessen dieser lästige Zufall schon ereignet haben, so hat man noch oft in folgendem ein Heilmittel dagegen. Man gießt nämlich guten Franzbranntwein in eine breite Untertasse, und läßt an einem warmen Orte, auf dem Ofen, oder im Sandbade ein Stük Kandiszukker verschmelzen, so bleibt auf dem Boden ein dikker klebriger Saft sizzen. Dieser wird auf die durchgesogenen Stellen geschmiert, bis sie geheilt sind. Unter allen Mitteln, die man dagegen vorgeschlagen hat, verdient dieses den Vorzug. An eine solche Brust muß dabei das Kind seltener angelegt werden, und während dem Stillen hält die Säugende selbst über die Warze hin ein doppelt zusammengelegtes Stükchen feinen Musselin, ein Mittel, welches sie sehr erleichtern wird. Die Ursache des Wundwerdens der Brustwarzen liegt bisweilen in dem Kinde, wenn der Speichel desselben bei dem Zahnen, oder bei andern Krankheiten eine gewisse Schärfe annimmt, oder sie liegt auch in der Beschaffenheit der abgesonderten Milch. Sollten sich in einem Falle, welcher bei schon bejahrten Erstgebährenden eintreffen kann, die Warzen verhärtet finden; so müßte man sie mit etwas Mandelöl oder süßem Rahm bestreichen, um sie nachgebender zu machen. Sind die Milchkanäle, wie es bei unreinen Menschen oft geschehen mag, mit Schmuz, mit einer Kruste bedekt, so müßte man diese mit Seifenwasser oder mit Butter zu erweichen und wegzunehmen suchen, um sie zu ihrer Bestimmung vorzubereiten. Bei exkoriirten Brustwarzen darf man den Säugling nicht sogleich von der Brust entfernen. Die Liebe zu dem Kinde macht, daß die Schmerzen von der Mutter leichter ertragen werden, und bei dem fortgesezten Säugen hat selbst der Speichel des Kindes eine lindernde und heilende Eigenschaft. Erstrekte sich indessen die Entzündung auf den Umkreis der Warze, auf die Brust selbst, fruchteten die Mittel zur Zertheilung dieser Krankheit gar nichts, würden die Schmerzen unter dem Säugen so heftig, daß für die Konstituzion der Pazienten im Ganzen zu fürchten wäre; so müßte man allerdings von dem Säugungsgeschäfte abstehen.

§. 53.
Heilmittel bei durchgesogenen Warzen.

Zur Heilung wunder Brustwarzen hat man eine große Menge Mittel empfohlen. Darunter gehören z. B. Rosenpomade, Kakaobutter, Eieröl, Zinkblumen in Rosenwasser aufgelößt, Quittenschleim mit Löffelkrautsaft, Eiweiß mit süßem Mandelöl, Myrrhenextrakt mit Quittenschleim, Lavendel- und Maiblumenspiritus, peruvianischer Balsam, Rosenhonig mit Borax, der Saft von gelben Rüben, Bilsenkrautsalbe, Kalchwasser, rother Wein, u. a. m. Sie können alle in verschiedenen Graden der Krankheit und bei hartnäkkigen Fällen hier und da Nuzzen geleistet haben. Indessen gehört doch die Bestimmung zu ihrem Gebrauch, und die Auswahl derselben, dem Arzte. Herr WENDELSTADT wandte bei wunden Brustwarzen eine besondere Maschine an, um die Schmerzen dabei zu lindern, und ihnen zur Heilung Ruhe zu verschaffen. Er bediente sich nämlich blecherner, anderthalb Zoll hoher Hüte. Das Blech ist glatt und wohl verzinnt. Der Zylinder hat zwei Drittheile eines Zolls im Durchmesser seiner Breite, und sein oberes Ende besteht aus einer runden Platte mit fünf oder sechs ziemlich starken Löchern. Außen über dem Zylinder, eine Linie breit von dem untern Ende, ist ein starker Eisendraht angelöthet, und der Zylinder selbst ruht auf einer oben konvexen und unten konkaven Scheibe, mit einem runden Loch, so groß als dessen Höhle. Über denselben zieht man die Haut von der Spizze eines Kuheuters, welche man unter dem benannten Draht mit einem Bindfaden befestigt. Das obere Ende des Kuhstrichs bildet nun durch den nicht ausgefüllten Raum einen leeren Zipfel, in dessen obern Theil man eine Öffnung schneidet, um einen Durchzug zu der Warze zu haben. In dem Sommer, bei großer Hizze werden die Kuhstriche leicht stinkend; man muß ihrer mehrere vorräthig halten, sie oft erneuern und in kaltem Wasser aufbewahren. Der Erfinder dieser Maschine glaubt, daß bei dem Gebrauch derselben das Stillen ohne Schmerzen hergehe, daß das Kind hinlänglich mit der Milch seiner Mutter genährt werde, und die Warzen heilen könnten. FIBING hat eine dieser ganz ähnliche Maschine von Ebenholz zu demselben Behuf empfohlen. Schade, daß die Ausführung dieses Vorschlags so vielen Schwierigkeiten unterworfen ist, welche im Allgemeinen nicht so leicht zu überwinden seyn dürften. Das Kind kann die künstliche Warze nicht gut fassen, es muß schon sehr stark ziehen, bis es etwas Milch bekommt, und saugt doch immer viel Luft ein.

§. 54.
Milchausziehen.

Endlich richte man noch sein Augenmerk dahin, daß in dem Wochenbette die Brüste nicht zu sehr anlaufen, nicht hart werden, und daß die Milch in denselben nicht stokke. Die Mutter muß deswegen eine Brust so oft hergeben als die andere. Um den naturgemäßen Ausfluß von Milch zu erhalten, oder wieder herzustellen, dazu trägt schon eine angemessene Seitenlage sehr viel bei. Hauptsächlich besteht aber die Hülfe bei der in dem Busen stokkenden Milch darinnen, daß man die Brüste durch wiederholtes Einreiben von ungesalzener Butter erweiche, und so den Ausfluß der Milch befördere. Die Butter wird vorher warm gemacht, und von der Wärterin ganz gelinde, indem sie die Brust von hinten nach vorn hin streicht, täglich einigemal eingerieben. Bald darauf wird das Kind angelegt. Wäre die Milch in zu großer Menge da, oder das Kind nicht stark genug, alle Milch auszuziehen, und zu verbrauchen; so müssen die Brüste auf eine andre Weise ausgeleeret werden. Zu diesem Endzwek nimmt man noch andere neugebohrne Kinder zu Hülfe. An manchen Orten giebt es Weiber und Wartfrauen, die sich dem Geschäfte des Aussaugens unterziehen. Sie müssen einen ganz reinen Mund haben, und ihn jedesmal vor dem Ansaugen ausspülen. Junge Hunde dazu zu nehmen, wie man sonst wohl that, ist ein gar zu ekelhaftes Mittel. Einer der berühmtesten Geburtshelfer, STEIN, hat uns, unter dem Namen der Brustpumpe, die Erfindung einer eignen Maschine, zum Behuf der Zubereitung der Brüste und ihrer Entledigung von der überflüssigen Milch, hinterlassen. Sie besteht aus einer proporzionirlichen kleinen und bequemen Luftpumpe mit einem schiklichen Rezipienten statt der Glokke. Sie wirkt außerordentlich stark und darf nur, in seltenen, von dem Arzte zu bestimmenden Fällen, mit der äußersten Vorsicht angewandt werden, wenn dadurch nicht peinliche Schmerzen für die Mutter entstehen sollen. Die besten und bequemsten Milchsauger, deren ich mich immer mit dem größten Nuzzen bedient habe, sind aus einer Flasche von elastischem Harz gemacht, an deren Ende ein in der Gestalt und Größe der Warze ausgehöhlter Zylinder von Horn befestigt ist. Man hat dabei den Vortheil, daß man den Druk und den Zug mäßigen kann, wie man will. Sie wird, nachdem sie zusammengedrükt, und die Luft also daraus entfernt worden ist, auf die Brust gesezt, so zieht sich die Milch von selbst aus. Für den öftern Gebrauch derselben ist es nothwendig, sie öfters zu reinigen, weil die darin sizzen gebliebene Milch scharf wird und die Flasche angreift. Auch kann man sich in dem Nothfalle blos einer gläsernen Flasche mit einem langen Halse, oder eines mit einem glatten und gehörig weiten Rande versehenen Arzneiglases bedienen. Hinten erwärmt man diese Gläser, um die Luft darin zu verdünnen, legt sodann den Hals auf die Brust, damit die Warze inwendig hineinkommt. Auf diese Art wird ebenfalls in kurzem die Milch ausgesogen werden, welches noch dadurch erleichtert wird, daß man vor der Anwendung den ganzen Umfang der Brust nach der Warze hin gelinde zusammendrükt. In diesem Falle eines Überflusses von Milch kommt sehr viel auf die Diät an; sie muß weniger nahrhaft seyn. Mehrentheils ist eine abführende Arznei nöthig.

§. 55.
Entwöhnen des Kindes.

Man darf mit dem Säugen weder zu lange anhalten, noch zu früh damit aufhören, und die gewöhnliche und beste Stillzeit ist wohl bis in den zehnten Monat. Wenn sich eine stillende Mutter wieder schwanger fühlen, oder wenn bei ihr die monatliche Reinigung sich einfinden sollte, dann halte ich es für rathsam, das Kind abzugewöhnen. Fälle, wo wegen unvermuthet eingetretener Krankheit der Mutter oder des Säuglings dieser entwöhnt werden muß, bleiben der Bestimmung des Arztes überlassen. Kömmt also die Zeit des Entwöhnens, so hat man wieder auf verschiedenes Rüksicht zu nehmen, damit durch diese Veränderung weder die Stillende noch der Säugling Schaden leide. Den Regeln der Natur nach, wird keine Milch abgesondert, wenn kein Ausfluß derselben mehr Statt findet, wenn das Kind nicht mehr angelegt wird. Dann versiegt gleichsam die Quelle. Allein dieses muß schlechterdings nur nach und nach geschehen, wenn es keine Beschwerden verursachen soll. Man läßt das Kind, welches entwöhnt werden soll, immer weniger und seltener trinken: erst des Tages nur ein Paarmal, dann nur des Nachts, immer weniger, und endlich gar nicht mehr. Acht oder vierzehn Tage Zeit kann man zu diesem Geschäfte anwenden, um am bequemsten zu dem Ziel zu kommen. Mittlerweile ersezt man dem Kleinen die abgegangene Nahrung der Muttermilch, durch Thiermilch, leichte Suppen u. s. w. Die Mutter enthält sich dabei der zu nahrhaften fetten Speisen, ißt überhaupt nicht viel, macht sich Bewegung genug, nimmt vielleicht im Nothfalle ein Abführungsmittel, trinkt etwas Thee von Salbeikraut, und bedekt die Brüste mit Kampfer auf Baumwolle gestreut. In dem Busen verspürt die entwöhnende Mutter gewöhnlich ein Prikkeln, ein Jukken. Bemerkte man indessen doch hier und da Milchknoten in den Brüsten, oder daß die Milch stokte, so muß man die Zertheilung von jenen und den Ausfluß von dieser durch das öftere Einschmieren von warmer ungesalzener Butter befördern, so wie das nämliche (§. 54.) in dem Wochenbette zuweilen nothwendig wird. Durchaus schädlich ist das Zusammenschnüren und feste Binden des Busens für eine Mutter, welche ihr Kind entwöhnt. Alle sogenannte milchvertreibende Pflaster sind unnüz, viele schädlich, indem sie die freie Ausdünstung der Brust verhindern. Die meisten derselben bestehen aus Bleikalchen, und ihr Gebrauch ist deswegen an sich schon sehr bedenklich. Ich habe viele Mütter gekannt, welche bei dem Entwöhnen ihrer Kinder die Milch aus den Brüsten vertrieben, indem sie dieselben mit Hanf bedekten, andere indem sie geraspeltes Horn darauf streueten. Beide Mittel mögen in jeder Hinsicht unschuldig seyn. Lächerlich und abentheuerlich genug aber ist jenes, eine Guirlande von durchbohrtem Korkholz in Schwefelfaden gefaßt, oder lebendiges Queksilber in einem Federkiel als Amulet, auf dem Busen zu tragen, in der Absicht, die Milch zu vertreiben.