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Über die weiblichen Brüste

Chapter 69: §. 59. Eiterung.
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About This Book

Die Abhandlung vermittelt eine medizinisch-praktische Darstellung von Aufbau, Funktion und Pflege des weiblichen Busens; sie erläutert Anatomie, Milchbildung und -beschaffenheit, sowie die typischen Veränderungen während Schwangerschaft und Wochenbett. Anleitungen zur Hygiene, Diätetik, Kleidungswahl und Schonung des Busens wechseln mit praktischen Ratschlägen zum Anlegen, Entwöhnen, Selbststillen und zur Wahl von Ammen. Krankheitsbilder wie Entzündungen, Abszesse und Brustkrebs werden beschrieben, ebenso Vorbeugung, konservative und operative Maßnahmen sowie Hausmittel und Warnungen vor irreführenden Behandlungsmethoden.

VI.
Entzündung und Eiterung der Brüste.

§. 56.
Ursachen und Verhütung der Entzündung.

Wenn der Zufluß der Milch nach den Brüsten immer unterhalten wird, ohne daß damit der Ausfluß derselben in dem richtigen Verhältniß steht, so bilden sich Stokkungen und Milchknoten. Das Übel, wovon hier die Rede ist, kann durch eine verkehrte und schlechte, oder im Anfange versäumte Kur sehr bös und hartnäkkig werden. Um so mehr sollten unsere Wöchnerinnen Vorurtheile vergessen, Pfuscher und Quaksalbereien vermeiden, und frühzeitig genug bei dem Arzte Hilfe suchen. Zu Stokkungen in den Milchgefäßen der Brüste werden unsere Frauenzimmer durch hysterische Anlage, Luxus, sizzende Lebensart, schlechte Diät, fortdauernden Einfluß der ehemals getragenen Schnürbrüste, und Untauglichkeit der Warzen zu dem Stillen, besonders disponirt. Zuweilen nach einem unmäßigen Verhalten, nach einer Verkältung, heftigen Gemüthsleidenschaften, nach einer schlecht betriebenen oder ganz unterlassenen Säugung, überfallen dergleichen Entzündungsgeschwülste die Wöchnerinnen plözlich. Es fließt dabei wenig oder gar keine Milch aus den Warzen, und die Achseldrüsen von dieser Seite sind mehr oder weniger angeschwollen und schmerzhaft. Sind diese Knoten eben erst entstanden und von keiner beträchtlichen Größe; so können sie oft noch zertheilt werden, indem man Baumwolle, welche vorher mit Kampfer bestrichen und bestäubt worden, auf die Brüste legt. Statt dessen kann man auch fein gestoßenen weißen Zukker nehmen, ihn auf Kohlen streuen und den Rauch mit ausgekämmter, ausgebreiteter Baumwolle auffangen, und damit die Brüste bedekken. Vor allen diesen, und den in der Folge anzugebenden Mitteln ist es nothwendig, den kranken Theil des Busens in einem Tragebeutel ruhen zu lassen: man hängt nämlich die Brust in ein Handtuch oder in eine Serviette, welche in dem Nakken befestigt wird, so daß sie ihrer eignen Schwere nicht überlassen bleibt. Der Milch muß nebenbei ein Ausweg geschafft werden, durch die aus dem oben Gesagten hinlänglich bekannten Mittel, aber auf eine langsame und ganz gelinde Art. Besonders nöthig ist diese Vorsicht bei zarten, reizbaren Subjekten; da muß man sich mehr auf die erweichende Methode verlassen, als auf die unbedingte Anwendung der Zuggläser. Es muß dieses, wie gesagt, ganz gelinde geschehen, wenn es nuzzen, und sonst nicht vielmehr Stokkung und Spannung vermehren, folglich schaden soll. Unter gewissen Umständen sind nicht selten die mit troknen aromatischen Kräutern gefüllten und durchnäheten Säkchen mit gutem Erfolg zu der Heilung angewandt worden. Oft entsprechen schon zu Anfange der Entzündung einem sichern Heilplane die erweichenden Kataplasmen (§. 60.), welche nicht zu schwer und besser ziemlich trokken als zu naß aufgelegt werden. Die Milch wird unter dem Gebrauch derselben insgemein zu dem Ausfließen gebracht, und sie befördern, unter bedingten Umständen, eben so gut die Zertheilung als unter andern Verhältnissen die Eiterung der kranken Stelle.

§. 57.
Heilmittel bei der Entzündung in geringerem Grade.

Eines der besten Mittel zur Zertheilung von hartnäkkigen und beträchtlichen Stokkungen in den Brüsten ist der Gebrauch der erweichenden Dampfbäder. Hollunder- und Kamillenblüthen werden mit heißem Wasser aufgegossen und gekocht. Davon läßt man den Dampf, welcher während dem Kochen aufsteigt, unter einem flanellenen Lappen an die kranke Brust ziehen. Diese Operazion muß, wenn sie helfen soll, täglich einigemal wiederholt werden. Die nämliche zertheilende Eigenschaft hat der Dampf von dem Weinessig auf heiße Steine gegossen. Es ist bei dieser Lage der Dinge selten nothwendig, die Pazienten an eine strenge Diät zu erinnern; der Appetit ist in diesen, so wie in allen ähnlichen Krankheiten, ohnehin dasjenige, was die Pazienten am wenigsten plagt. Auch muß deshalb die Kranke nicht ein für allemal an eine strenge vegetabilische Diät gebunden werden. Damit die Ausdünstung gehörig vor sich gehen könne, so sorge man für einen immer gleichen Grad von Wärme in dem Wochenzimmer. Hat die Pazientin andauernde Leibesverstopfung, so sezt man ihr ein erweichendes Klystier. Ist das Fieber heftig, die Geschwulst, Röthe und der Schmerz der Brust beträchtlich, so ist es rathsam, die Pazientin mitunter einige Dosen Salpeter zu acht bis zehn Granen mit Zukker und Wasser, oder sonst in einem angemessenen Vehikel nehmen zu lassen. Nebst dem kann ein höherer Grad der Entzündung und des Fiebers auch eine oder die andere Aderlässe nothwendig machen.

Es würden wohl seltener Abszesse in den Brüsten vorkommen, wenn der Gebrauch der Werkzeuge, die stokkende Milch auszuleeren, nie versäumt würde. Es sollte jede Hebamme die dazu erforderlichen Instrumente besizzen und anzuwenden wissen. CONRADI hob die hartnäkkigsten Stokkungen und Entzündungen in den Brüsten durch einen fleißigen Gebrauch der Sauggläser und der erweichenden Überschläge. Am sichersten erreichte er seinen Zwek, wenn er unmittelbar auf die Brust eine erwärmte Auflösung des Weinsteinsalzes oder des Salmiaks mit Opium in dünnen Kompressen und darüber die Kataplasmen von Leinsaamen legte. Um das Wundwerden der Warzen zu verhüten, läßt man diese von den Kompressen unbedekt, bestreicht sie mit Branntwein und legt kleine Warzendekkel darauf. Man weiß, wie wirksam die Brechmittel zu der Beförderung der Verrichtungen der lymphatischen Gefäße sind, um dadurch die entferntesten Stokkungen aufzulösen; sie zertheilen daher oft auch sehr geschwind die frisch entstandenen Milchknoten.

§. 58.
Höherer Entzündungsgrad.

Wären aber die Brüste sehr stark geschwollen, roth, heiß und sehr schmerzhaft, also heftig entzündet, und hätten alle oben angegebenen Mittel, kühlende und eröffnende Arzneien, säuerliche Getränke, erweichende Klystiere, selbst Aderlässe, diese Erscheinungen nicht verhütet oder gebessert; so muß man doch noch immer für die Zertheilung der äußerlichen Entzündung besorgt seyn. Man bedekt in dieser Absicht die Brüste mit lauwarmen Umschlägen, welche auf folgende Art bereitet werden. Man kocht nämlich Salbei, Melissenkraut und Wolverleiblüthen von jedem eine kleine Handvoll in einer Maaß Wasser ab, und taucht, nachdem es durchgeseiht worden, feine flanellene Tücher hinein, und legt sie, die Gegend der Warze ausgenommen, über den ganzen Umfang der entzündeten Brust. Sie dürfen aber nicht zu heiß aufgelegt, und müssen oft erneuert werden. Man sezt sie so lange fort, bis daß die Röthe, Geschwulst und die Schmerzen in dem leidenden Theile aufhören, welches in den meisten Fällen bald geschieht, und dann muß der Milchausfluß durch das Anlegen eines oder mehrerer Kinder oder durch die Saugmaschine befördert werden. Jene Überschläge erfordern indessen in ihrer Anwendung eine große Genauigkeit; man kommt daher leichter zu dem Ziele, wenn man den aromatischen Kräuterabsud in eine Schweinsblase füllt, diese zubindet, und lauwarm der Pazientin über die leidende Brust legt. Daß eine zu große Nässe auf der Haut dadurch noch verhütet wird, dieses kann auch in einzelnen Fällen Vortheil bringen.

§. 59.
Eiterung.

Nähmen aber in dem Gegentheil die Zufälle zu, wäre die Hizze in dem Körper stärker, der gelassene Urin sehr roth, die Haut trokken, würde der Schmerz noch heftiger, klopfend, die Geschwulst größer, härter, dunkelroth, empfände die Kranke ein Frösteln oder Überlauf; dann ist es wahrscheinlich, daß die Entzündung sich nicht zertheilen, sondern in Eiterung übergehen werde. Die Schmerzen ziehen sich gleichsam auf einige Punkte zusammen, sie sind schneidend und wie durchfahrend; es zeigen sich hier und da eine und die andere Stelle an der Brust glänzender, weicher und erhabener als der übrige Umfang. Wenn mehrere oder alle diese Umstände in dem gehörigen Grade vorhanden sind; so ist das Aufbrechen des kranken Theils nicht mehr zu vermeiden, und die Periode der Eiterung ist schon eingetreten. Freilich wäre dieses ein schlimmer Ausgang; er würde aber gewiß, wenn man die oben angegebenen Verhaltungsregeln genau befolgte, fast immer verhütet werden; nur selten möchte wohl das Übel so hartnäkkig seyn.

§. 60.
Breiumschläge.

An einem oder mehreren Orten des vorher entzündeten Theils wird nun die Haut weiß und erhebt sich in einen kleinen Hügel. Wenn man mit dem Finger darauf fühlt, so bemerkt man deutlich die Bewegung, das Schwappern einer Flüssigkeit, nämlich des Eiters. Der Schmerz hört auf, und statt dessen empfindet die Kranke einen Druk, ein Jukken. Unter diesen Umständen muß man sogleich von dem Gebrauch jener zertheilenden Mittel abstehen, und die etwas reizende, oder sogenannte zeitigende Methode an ihre Stelle sezzen. Man nimmt z. B. gequetschten Leinsaamen und Safran, ein Loth von jenem, ein halbes Loth von diesem, oder aber eine Handvoll Malven- und Hollunderblüthen, ebenfalls mit etwas Safran, kocht sie mit Milch und weißen Brodgrumen zur Dikke eines Breies, streicht sie auf ein Tuch, und legt sie so warm, als es die Kranke vertragen kann, auf den leidenden Theil. Diese müssen noch öfters als die vorhergehenden erneuert werden; man muß sie nie kalt oder trokken werden lassen. Dadurch wird die Haut erschlafft, Krampf und Schmerz vermindert, und die örtliche Transpirazion befördert. Diese einfachen, nicht sehr reizenden Kataplasmen thun hier alles; sie befördern sogar zuweilen noch eine Zertheilung, wo man die Eiterung fast für unvermeidlich hielt. Nur bei Pazienten, welche ohne alle nöthige Wartung sind, muß man sich manchmal begnügen, ihre in Eiterung gehende Brust mit einem einfachen, über der Warze ausgeschnittenen, Pflaster und einer Kompresse darüber bedekt zu halten.

§. 61.
Freiwillige Öffnung des Abszesses.

Gewöhnlich ist der Siz des Eiters tief in dem drüsigten Körper der Brust, seltener und später in dem darauf liegenden Zellgewebe und Fette. Die erweichenden Umschläge müssen aus dieser Ursache unermüdet fortgesezt werden, so lange, bis daß gar keine Härte mehr übrig ist, bis sich alles ganz weich anfühlen läßt, mit einem Wort, bis der Eiter sich von Natur selbst eine Öffnung, einen Ausweg bahnt. An der Stelle, die vorher am röthesten war, zuerst in einem Hügel sich erhob, zuerst weiß wurde, wird die Haut dünner, und es entsteht ein kleiner Riß, durch den der Eiter ausfließen kann. Immer muß dieser Zeitpunkt abgewartet werden; nie muß man zu voreilig seyn, und durch einen Schnitt eine künstliche Öffnung machen wollen. Ich habe in Hospitälern und Entbindungshäusern so oft diese Erfahrung gemacht, daß ich aus voller Überzeugung sagen kann: Man überlasse die Öffnung eines Brustabszesses der Natur. Nur sie weiß diesen Zeitpunkt genau anzugeben, nur sie kann am besten durch das schiklichste Mittel den Eiter, die Härte zerschmelzen und zur Reife bringen. Bei einer künstlichen Öffnung kostet dieses weit mehr Mühe; es wird eine viel längere Zeit dazu erfordert, und doch bleiben nicht selten nach der Heilung Knoten zurük. Auch giebt diese eine breite, häßliche Narbe; jene von der Natur hingegen, eine fast ganz unmerkbare, nachdem sie überhaupt geschwinder zugeheilt ist.

§. 62.
Künstliche Öffnung.

Seltenere Fälle von einer besondern Schwäche der Kranken, machen jedoch auch hierinnen, so wie bei allen Krankheiten, eine Ausnahme. Sie müssen sie Ihrem, wie ich hoffe, vernünftigen Wundarzte überlassen, der alsdann der Natur durch einen oder mehrere Schnitte mit dem Bistourie, an dem untern Theil der Brust, und nicht zu nahe an der Warze gemacht, zu Hülfe kommen wird. Indessen sind Chirurgen, welche gerne als Operateurs passiren möchten, ohne die Kenntnisse und Geschiklichkeit zu besizzen, gemeiniglich in solchen Fällen sehr eilfertig, ihre Kunst mit der Lanzette zu zeigen. Sehr dreist und unwissend muß man seyn, etwas dergleichen ohne Nothwendigkeit zu thun, und somit die Krankheit nur schmerzhafter, langwieriger und bösartig zu machen.

§. 63.
Verband.

Man hat nachher weiter nichts zu thun, als den Ausfluß des Eiters zu unterhalten. Dieses geschieht am besten, wenn man ungesalzene Butter, oder das Gelbe von dem Ei, mit einigen Tropfen Terpentinöl vermischt, oder eine andre einfache Digestivsalbe auf Charpie gestrichen, auf und in die Öffnung legt, mit Heftpflastern befestigt, und darüber her die Brust mit einer Kompresse und Binde leicht bedekt. Diese darf aber keineswegs fest angezogen werden, sondern der kranke Theil muß in ihr, so zu sagen, wie in einem Tragebeutel ruhen. So wird der Ausfluß des Eiters von Tag zu Tage geringer, und nach diesem Vorgang richtet sich auch die Wiederholung des Verbandes, ob sie in längern oder kürzern Zwischenräumen geschieht. Anfangs ist es vielleicht in zwölf, nachher in vier und zwanzig, und noch später in sechs und dreißig Stunden einmal nöthig. Zulezt, wenn gar kein Eiter oder nur wenig noch ausfließt, wenn alle Härte und Schmerzen verschwunden sind, verbindet man blos mit trokkener Charpie. Mit den erweichenden Breiumschlägen fährt man zu gleicher Zeit so lange fort, bis alle Eiterstellen von selbst sich geöffnet und ausgeheilt haben. Sind auch anfänglich die Öffnungen noch klein, so vergrößern sie sich nach und nach von selbst. Nachdem dabei der Ausfluß der Milch oder des Eiters beträchtlich ist, müssen Kompressen und Überschläge öfter gewechselt werden. Die Unterhaltung der Reinlichkeit ist während der ganzen Kur eine der hauptsächlichsten Bedingnisse.

§. 64.
Überbliebene Verhärtungen.

Zuweilen bleiben nach der Heilung der Geschwüre noch harte Stellen in den Brüsten zurük. Sie verlieren sich insgemein von selbst, geschwinder aber zertheilen sie sich noch bei dem Gebrauch von Schierlingspflaster. Mit Nuzzen bedient man sich auch zu ihrer Heilung einer, auf folgende Art bereiteten Salbe: Man löse Seife zu einem dünnen Brei in Wasser auf, und gieße zu einer halben Kaffeetasse voll davon, zwei Löffel voll Kampferspiritus, und lege diese Salbe täglich zweimal frisch auf. Sollten jene leichten Verhärtungen niemals ganz wieder vergehen, so arten sie doch in der Folge nicht in schlimmere Übel aus, besonders wenn keine vorzüglich fehlerhafte Anlage des Individuums vorhanden ist, wenn die ursprünglichen Geschwüre nicht mit dem Messer geöffnet, und die Sachen überhaupt nicht zwekwidrig getrieben worden sind.

§. 65.
Weitere Rüksichten bei der Behandlung dieser Krankheit.

Unter den hier in diesem Abschnitt angegebenen Verhältnissen und Verhaltungsregeln wird dieses schmerzhafte Naturgeschäft sehr bald und glüklich zu Ende gebracht. Dabei geht die Mutter allmählig zu einer nahrhaftern, leichtverdaulichen Diät, zu dem Genuß von Gerste, Reiß, Sagosuppen, Chokolate ohne Gewürz, leichtem Fleisch, Geflügel, u. dgl. über. Sie sorgt für ungehinderte Ausleerung durch Schweis, Urin und Stuhl. Zufällige Nebenumstände, andre damit verbundene Krankheiten können hingegen die Sache, und also auch die Behandlung ändern. Nähmen z. B. die Kräfte ab, stellte sich Abends Fieber ein, d. h. Frösteln, Hitze und Schweis, mit einer umschriebenen Röthe der Wangen; so müßte man zu stärkender Arznei, zu China u. dgl. seine Zuflucht nehmen. Dieses ist die Sorge des Arztes.

Der Umstand, daß eine Brust sich entzündet und in Eiterung übergeht, macht es nicht in jedem Falle unmöglich, daß die Mutter ihr Kind dabei fortsäuge. Das Stillen aus der andern gesunden Brust trägt vielmehr, so lange es Statt haben kann, wesentlich zu der Linderung der Zufälle bei, und befördert die Heilung überhaupt.

Auch die Brustwarzen können in dem Kindbett anschwellen, heiß, roth und schmerzhaft, d. h. entzündet werden. Sobald die Wöchnerinn einen ähnlichen Zufall verspürt, so muß mit den ernstlichsten Mitteln die Entzündung zertheilt, und somit der Eiterung vorgebeugt werden.

Bei neugebohrnen Kindern weiblichen Geschlechts findet man oft die kleinen Brüste verhärtet, und bis zu einer ansehnlichen Größe geschwollen. Die Stelle schmerzt, entzündet sich, und geht nicht selten in einen Abszeß über. Durch Vernachlässigung dieses Übels können solche Personen in spätern Jahren weder Kinder säugen, noch Milch absondern; ja es kann sogar dadurch die Anlage zu dem Krebs gebildet werden. Oft entsteht diese Verhärtung aus der dummen Gewohnheit alter Hebammen, welche die Brüste ansaugen, um, wie sie wähnen, dieselben zu ihrer künftigen Bestimmung vorzubereiten. Auch kann das feste Einwikkeln und Pressen dazu Veranlassung geben. Man kann jene Verhärtungen durch erweichende Salben, Öle und Umschläge leicht zur Zertheilung bringen, und wir müssen es uns zu einer besondern Angelegenheit machen. Fänden sich dennoch Zufälle von einem höhern Entzündungsgrad ein, oder entstünde Eiterung, so behandle man die Krankheit nach den oben im Allgemeinen empfohlenen Regeln. Bliebe die Geschwulst kalt und hart eine geraume Zeitlang stehen, so kann man sich von dem Auflegen des Merkurialpflasters Nuzzen versprechen.