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Über die weiblichen Brüste cover

Über die weiblichen Brüste

Chapter 90: §. 77. Saugflaschen.
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About This Book

Die Abhandlung vermittelt eine medizinisch-praktische Darstellung von Aufbau, Funktion und Pflege des weiblichen Busens; sie erläutert Anatomie, Milchbildung und -beschaffenheit, sowie die typischen Veränderungen während Schwangerschaft und Wochenbett. Anleitungen zur Hygiene, Diätetik, Kleidungswahl und Schonung des Busens wechseln mit praktischen Ratschlägen zum Anlegen, Entwöhnen, Selbststillen und zur Wahl von Ammen. Krankheitsbilder wie Entzündungen, Abszesse und Brustkrebs werden beschrieben, ebenso Vorbeugung, konservative und operative Maßnahmen sowie Hausmittel und Warnungen vor irreführenden Behandlungsmethoden.

IX.
Ernährung des Kindes mit Thiermilch.

§. 76.
Vorzüge derselben in einzelnen Fällen.

Der zweite Weg, welcher einer nicht stillenden Mutter übrig bleibt, ist die Ernährung des Kindes mit Thiermilch. Wenn man bedenkt, wie viel zu einer guten Säugamme gehört, und wie viele Mühe es oft kosten mag, eine solche herbeizuschaffen; so wird man sich oft weit ehender hierzu entschließen können und müssen. Zu Wien fand einmal STOLL unter vierzigen, die sich zu einem Ammendienste gemeldet hatten, nur Eine unverdächtig und sicher. Ich bin überzeugt, daß durch das künstliche Auffüttern der Kinder viele Gefahren auf der einen Seite vermieden werden. Es erfordert nur von Seiten der Mutter oder Wärterin die größte Sorgfalt in der Pflege des kleinen Geschöpfes. Man sehe auf eine gute Auswahl der Nahrungsmittel, auf Ordnung und Reinlichkeit, und entferne im Gegentheil alles, was schädlich werden könnte. Doch ist immerhin der Ernährung mit Thiermilch eine Amme, wenn diese alle oben angegebenen erforderlichen Eigenschaften hat, bei weitem vorzuziehen. Ihre Milch, die schon theilweise mit aus den animalischen Nahrungsmitteln abgeschieden, also wesentlich von jeder andern Milch verschieden ist, ist dem Kinde um so angemessener, da dessen Nahrung auch theilweise aus Fleisch mit bestehen sollte. Indessen ist es jezt so unendlich schwer, eine gute Amme zu bekommen, daß in der Regel das Aufziehen des Kindes mit andern Nahrungsmitteln oft, sehr oft vorzuziehen seyn dürfte, wenn es auf eine vernünftige Weise geschieht. Von jeher hat man zwar freilich vieles dagegen einzuwenden gehabt, das meiste davon trifft aber nur den Mißbrauch dieser Ernährungsweise, welcher doch den richtigen Gebrauch nicht aufheben soll. Daß die Kinder dabei schwächer werden sollen, ist falsch, dem widerspricht laut die Erfahrung. Daß die gewöhnliche Milch nicht so kräftig ist, als die Muttermilch, ist wahr; man muß also diesen Abgang dadurch, daß man dem Kinde zuweilen, wenn es einige Monate alt geworden, etwas Fleischbrühe reicht, ersezzen; so ist der Unterschied schon etwas gehoben.

§. 77.
Saugflaschen.

Das Kind bringt die Eigenschaft zu saugen mit auf die Welt, und nur diese Art sich zu ernähren, ist ihm angemessen. Man kam daher auf den Gedanken, Kindern, welche nicht an der Mutter Brust gelegt werden können, die Thiermilch in besondern gläsernen Flaschen zu reichen, welche an ihrer Öffnung mit sogenannten künstlichen Warzen versehen wären. Die gewöhnlichen sind an ihren Mundstükken mit mehreren Löchern durchbohrt. Dieses verdient deswegen Tadel, weil bei dem Trinken, wenn man die Geschirre auch nur mäßig erhebt, die Flüssigkeiten sich schon zu stark ergießen. Die Flaschen von Metall sind schlechterdings alle zu verwerfen, weil die leicht säuernde Milch sie angreift, und dem Kinde Bauchgrimmen und andere Nachtheile verursachen könnte. Die besten Saugflaschen sind wohl folgende: man nimmt ein Arzneiglas oder ein weißes Melissengläschen, verschließt dessen Öffnung mit einem gut gereinigten und ausgebrüheten feinen Waschschwamm, von welchem man so viel hervorragen läßt, als das Kind in den Mund zu nehmen hat. Dieses umwikkelt man mit einem reinen leinenen Läppchen, und bindet es hinter dem Rande des Glases zusammen, so daß es die Gestalt und die Größe einer Brustwarze erhält. Das mit Kuh- oder Ziegenmilch gefüllte Glas wird nun dem Kinde zum Saugen gereicht, wobei es mäßig geneigt werden muß, damit nicht eher als bis es trinkt, etwas herausfließe. Auf diese Art bekommt es eine reine gute Nahrung. Man muß mehrere Gläser, Läppchen und Schwämme vorräthig haben, um durch Abwechselung die äußerste Reinlichkeit beobachten zu können. Bald aber, schon einige Wochen nach der Geburt sind die Kinder daran zu gewöhnen, daß sie aus den Gefäßen selbst trinken. Man hat dazu die sogenannten Schiffchen, vorn schmale und zugespizte porzellanerne Gefäße, am besten gefunden.

§. 78.
Schikliche Nahrungsmittel für Kinder. Diät.

In Ansehung der Menge der Speisen, welche das Kind bekommen soll, muß man eine weise Mittelstraße gehen. An der Mutter Brust saugt das Kind, so lange es Hunger hat, und hört alsdann gewiß auf. Die Mutter kann ihm gegen seinen Willen nicht mehr geben. Die Wärterin hingegen stopft ihm, so oft es schreit, ohne weiter die Ursache des Schreiens zu untersuchen, den Mund mit Brei, reizt auch wohl seinen Appetit mit Zukker, und so verdirbt sich das Kind den Magen. Dieses ist freilich ein Mißbrauch, welcher schlechterdings verhütet werden muß, auch leicht verhütet werden kann, wenn man der Natur näher kommt. Der gesunde, nicht verwöhnte Mensch, und so noch vielmehr das zarte Kind, ißt von einer einzigen Speise nie mehr, als bis sein Hunger gestillt ist, was es drüber thut, geschieht aus Lüsternheit, die durch etwas anders gereizt ist. Man reiche dem gesunden Kinde jedesmal nur Eine Speise, und genau so viel als es gerne nimmt; so wird es hinlänglich genährt, und ihm doch nicht der Magen überladen werden. Es wird nie zu viel essen, da der Appetit nicht gereizt wird, und nie zu wenig, weil der Hunger gestillt seyn will. Bei kranken Kindern, bei welchen der Hunger mit den Verdauungskräften außer Gleichgewicht gekommen ist, muß die Mutter sich jedesmal nach dem Arzte richten.

Was nun die Materie und Form des Essens betrifft, so werfe man nur den schädlichen Mehlbrei ganz weg, und nehme dafür spröde gebakkene Weizenzwiebak, gerieben oder zerstoßen, in Milch, Wasser, oder Fleischbrühe jedesmal frisch bis zu der Dikke eines guten Milchrahms eingekocht. Um abzuwechseln, kann man ihm auch manchmal, aber seltener, Grieß, klar gestoßenen Sago oder Salep mit halb Milch und halb Wasser gekocht, Eidotter in Fleischbrühe aufgelößt, reichen. Fürchtet man Verstopfung, oder träte welche ein, so thue man bisweilen einen Gran venezianische Seife dazu. Zu dem Trinken nehme man eine Mischung von der Hälfte Milch und der Hälfte Brodwasser. Aber die Milch muß gut und abgekocht, wo möglich auch immer von einer und derselben Kuh genommen seyn. Besser zu diesem Zwek wäre freilich die Milch von einer Ziege oder Eselin, wenn man sie haben könnte, und am allerbesten, wenn man diese unmittelbar nach dem Ausmelken noch warm trinken ließe. Nebenbei sind Möhren oder gelbe Rüben in Wasser oder Milch gekocht, eine angenehme und nahrhafte Speise für Kinder in dem ersten Lebensalter.

§. 79.
Einige Regeln für die erste physische Erziehung.

Es hat großen Nachtheil für die Kinder, wenn sie bei Tage zu viel schlafen, und es ist eine Unart der Wärterinnen, welche sich inzwischen anderwärts beschäftigen. Jene schlafen dann des Nachts nicht, trinken zu viel, essen auch wohl gar aus Verdruß und Langerweile. Der Schlaf bei Tage ist nicht so stärkend und ruhig, die Kinder entbehren dabei die zu der Verdauung nöthige Bewegung und den Genuß der freien Luft. Ich weiß aus mehrerer Erfahrung, daß man Kinder ohne Mühe und Zwang bald dahin gewöhnen kann, daß sie des Tages sehr wenig oder gar nicht schlafen, dafür aber auch in der Nacht nur ein-, höchstens zweimal aufwachen und ein wenig trinken. Von der dritten Woche an muß das Kind täglich die freie Luft genießen, und schon frühzeitig kann man es dabei an den Wechsel der Witterung gewöhnen. Endlich muß dasselbe täglich mit kaltem Wasser an dem ganzen Körper gewaschen, und wöchentlich einmal lauwarm gebadet werden. So hat man hier einige der wichtigsten Regeln der ersten physischen Erziehung beisammen. Mehr hierüber zu sagen, wäre gegen die Absicht dieser Blätter gewesen.