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Über die weiblichen Brüste

Chapter 99: §. 85. Operazion.
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About This Book

Die Abhandlung vermittelt eine medizinisch-praktische Darstellung von Aufbau, Funktion und Pflege des weiblichen Busens; sie erläutert Anatomie, Milchbildung und -beschaffenheit, sowie die typischen Veränderungen während Schwangerschaft und Wochenbett. Anleitungen zur Hygiene, Diätetik, Kleidungswahl und Schonung des Busens wechseln mit praktischen Ratschlägen zum Anlegen, Entwöhnen, Selbststillen und zur Wahl von Ammen. Krankheitsbilder wie Entzündungen, Abszesse und Brustkrebs werden beschrieben, ebenso Vorbeugung, konservative und operative Maßnahmen sowie Hausmittel und Warnungen vor irreführenden Behandlungsmethoden.

X.
Brustkrebs.

§. 80.
Beschreibung der Krankheit.

Ich bemühete mich in den vorigen Abschnitten, Sie mit den besondern Ereignissen an den Brüsten, mit ihren Krankheiten und den vorzüglichsten Heilmitteln dagegen bekannt zu machen. Zu dem Beschluß bleibt mir nun noch übrig, Ihnen den Krebs der Brüste, als eine ebenfalls fast eigenthümliche Krankheit derselben, wozu sie schon wegen ihrem drüsichten und schwammichten Bau sehr geneigt sind, zu beschreiben.

In dem vierzigsten oder fünf und vierzigsten Jahre, bisweilen auch noch später, gehen wiederum mit der weiblichen Natur besondere wichtige Veränderungen vor. Bei Frauenspersonen, welche sich diesem Alter nähern, hört nämlich die monatliche Reinigung auf zu fliessen, und damit verliert sich zugleich die Eigenschaft derselben, in dem Beischlafe zu empfangen und Kinder zu gebähren. In diesen Zeitpunkt fällt hauptsächlich die Krankheit, von welcher hier die Rede ist, — der Brustkrebs. Es zeigt sich nämlich eine Verhärtung, ein oder mehrere harte Knoten, in einer oder beiden Brüsten, der sogenannte Scirrhus. Er ist in dem Anfange klein, beweglich und unschmerzhaft, wird aber immer größer, fixirt sich, fängt an zu stechen, zu schmerzen, und endlich bricht er auf, und macht ein häßliches Geschwür, aus welchem immer ein stinkender dünner Eiter fließt, und dieses ist der offene Krebs, unter allen Krankheiten, welche in der Natur vorkommen, eine der abscheulichsten. Hauptsächlich, sage ich, kommt dieses grausame Übel in diesem Alter vor, aber nicht immer. Es kann, durch besondere Umstände veranlaßt, auch in frühern Jahren eintreten, und dann erfordert es die schleunigste Hülfe. Der Ort, den der Krebs meistentheils einnimmt, ist die eigentliche Brustdrüse. Zuweilen kommt er indessen auch an die Brustwarze, und oft sind an der leidenden Seite die Achseldrüsen geschwollen.

§. 81.
Ursachen der Krankheit.

Der Grund dazu liegt öfter schon vorher in dem Körper verborgen. Zurükgetretene Hautausschläge, gehemmte Ausleerungen, der Zunder der Gicht, der Skrofeln, das venerische Gift u. dgl. können die Krankheit veranlassen. Frauenzimmer, welche sehr empfindlich und melancholischen Temperaments sind, welche eine stillsizzende Lebensart und ein mißvergnügtes Leben führen, lang anhaltende traurige Gemüthsbewegungen, Gram, Kummer und Sorgen haben, Frauenzimmer, welche unverheirathet bleiben, oder in einer unfruchtbaren Ehe leben, oder ihre Kinder nicht selbst stillen, sind besonders dazu geneigt. Ein von außen angebrachter Druk, Stoß, eine Quetschung, das anhaltende Pressen der Schnürbrüste, sind ebenfalls als Ursachen zu betrachten, daß sich die Gefäße in der Brustdrüse verengern, und endlich völlig schließen, mit einem Worte, daß der Scirrhus und Krebs entstehen. In ganzen Gegenden, z. B. in Holland, wo sich leider die Frauenzimmer noch stark schnüren, bemerkt man auch den Brustkrebs sehr häufig. Sie sehen hier wieder einen äußerst wichtigen Beweggrund, sich des Tragens der Schnürbrüste zu enthalten. Gewöhnlich, wenn solche Personen Acht haben, werden sie anfangs einen Schmerz an dieser Stelle bemerken. Lassen sie sich dadurch warnen, mit dem Druk aufzuhören, so geht die Gefahr oft vorüber; folgen sie aber dieser Warnung nicht, so entsteht der todte Knoten, welchen die Natur in dem Körper manchmal lange ruhig zu dulden scheint, bis sie zulezt mit aller Gewalt unter den unausstehlichsten Schmerzen sich bestrebt, ihn wegzuschaffen, unter welcher Bemühung sie aber meistens erliegt. Es scheint, als ob in einer krebshaften Brust der kranke Kern die Vegetazion reize; sie ist wider die Regel vermehrt, es entstehen Schwämme und lokkere Auswüchse, und jeder Punkt des neuen Schwamms ist ein neuer Punkt der Anziehung. Die Vegetazion nimmt mit ihrem Produkt in gleichem Verhältniß zu. Die Flüssigkeit, welche sich in den Krebsgeschwüren absondert, hat eine alkalische Natur.

§. 82.
Besondere Zufälle.

Wenn der Scirrhus gleich anfänglich steinhart und groß ist, oder wenn er früher nicht so gar sehr hart gewesen, und nun plözlich anfängt es zu werden, wenn er hökkericht und uneben wird, wenn sich Schmerzen einstellen, wenn die Gesundheit der Kranken, es sey auf welche Art, und aus welcher Ursache es wolle, Noth leidet; so ist sehr zu befürchten, daß der Scirrhus bald bösartig werden wird, und alle Mittel, die daher entstehende Gefahr zu verhüten, müssen auf das eiligste angewandt werden. Denn, wenn die Krankheit sich selbst überlassen bleibt, so nimmt der Schmerz immer mehr zu; der Kranken wird endlich zu Muthe, als wenn ihr die Geschwulst beständig mit Nadeln durchstochen würde, oder als wenn eine glühende Kohle darinnen enthalten wäre. Die Blutgefäße in dem Umfange des Scirrhus schwellen auf, die Haut auf demselben wird roth und blau, dann schwarz; es entsteht eine kleine Beule nahe an der Warze, diese bricht endlich auf, und wir haben ein offenes, sehr übel aussehendes Geschwür vor uns, welches gemeiniglich die heftigsten Schmerzen verursacht, eine ungleiche, zerfressene, mit schwammichten Auswüchsen besezte Oberfläche und harte umgebogene Ränder hat, leicht und stark blutet, und eine scharfe und sehr stinkende Jauche von sich giebt. In wenigen Monaten erreicht bei dem schwammichten Krebs die Brust eine ansehnliche Größe, sie treibt große, in Lappen getheilte, dunkelrothe Schwämme hervor, die wie Blumenkohlstauden aussehen, und ein lokkeres, ihrem schnellen Entstehen angemessenes Gewebe haben. Zuweilen sind diese Schwämme länglicht und sehen wie Trauben aus. BIERCHEN sah eine an dem Krebs leidende Brust, die so groß war, daß sie nicht allein die gesunde bedekte, sondern wie ein großes Kissen unter dem Magen hieng. Scirrhöse und krebshafte Brüste haben nach den darüber verzeichneten Beobachtungen der Ärzte, zehn, zwölf, ja gar vier und sechzig Pfund gewogen.

§. 83.
Geschwülste, die nicht krebsartig sind.

Nicht jede Drüsengeschwulst in der Weiberbrust ist krebsartig. Es ereignen sich auch noch sonst in der innern Substanz derselben allerhand Veränderungen und Desorganisazionen, welche sowohl die Form als die Mischung der thierischen Materie betreffen. Wir haben schon oben gesehen, daß bei neugebohrnen Kindern, oft auch späterhin zu der Zeit der Pubertät, bei Mädchen und bei Knaben zuweilen Verhärtungen unter den Brustwarzen entstehen, welche ursprünglich Gerinnungen limphatischer Säfte sind, sich fast immer zertheilen, und selten nur in Eiterung übergehen. Einige Personen bekommen zu der Zeit der Reinigung so viele und so harte Knoten in die Brüste, daß man sie für scirrhös halten würde, wenn diese Knoten nicht verschwänden und wiederkämen. So giebt es auch Knoten und Balggeschwülste verschiedener Art in den Brüsten. Davon erzählen die Ärzte viele Beispiele. Man hat eine Verwandlung der Brüste in Knorpel beobachtet; man hat Haare, Sand, Steine, und eine blutige Lymphe darinn gefunden. Eine Nonne in Pavia bekam mehrere Knoten in der einen Brust, die allmählig in eine Geschwulst zusammenschmolzen. Sie war schmerzhaft und hatte eine ungleiche Oberfläche. Die Brust brach auf, und das Geschwür heilte nicht, bis endlich der Wundarzt aus derselben einen Körper hervorzog, der die Größe einer Wallnuß hatte, und aus kleinern und grössern Knochenstükken bestand, welche durch eine ligamentöse Substanz mit einander vereinigt waren. Über der Brustwarze einer Mannsperson aus einer gichtischen Familie entstand eine Geschwulst, welche nach einem Jahr so groß wie eine Faust war, aufbrach, und in ihrer ganzen Höhle eine kalkartige Materie enthielt, die theils hart, theils weich war.

§. 84.
Heilmittel.

Man hat zu der Heilung des Scirrhus zweierlei ganz verschiedene Wege. Sie geschieht entweder durch innerliche Arzneimittel, oder durch Ausrottung mit dem Messer. Zu den erstem gehören die Belladonna, der Schierling, das Queksilber, der Arsenik u. a. m. Man glaubt ihn dadurch zu zertheilen und aufzulösen: allein dieser Versuch gelingt selten oder nie. Diese Mittel wirken langsam, schwächen oft die Gesundheit des ganzen Körpers, verwandeln sogar manchmal, wenn sie reizend sind, und unbehutsam gebraucht werden, den Scirrhus, anstatt ihn aufzulösen, in einen Krebs. Immer verursacht der Gebrauch derselben Zeitverlust. Der Zeitpunkt, wo der Scirrhus ausgerottet werden konnte, geht verlohren, und die Kranke sieht sich am Ende in ihrer Hoffnung betrogen und ohne Hülfe.

Sehr rathsam ist es aber, den Scirrhus beständig mit einer Schwanenhaut, einem Kaninchenfelle, oder mit etwas ähnlichem zu bedekken. Man erhält ihn dadurch nicht allein immer in einer gleichen Wärme, welche zu der Zertheilung desselben sehr viel beiträgt, sondern man wendet auch allen äußern Druk, alles Reiben u. s. w., wodurch er entzündet werden kann, von demselben ab.

Obgleich der Brustkrebs öfters allen Anstrengungen der Heilkunst in Absicht auf eine Radikalkur widersteht; so nimmt zuweilen doch die Krankheit einen langsamen Gang, und ihre Bösartigkeit kann alsdann verbessert werden. Unter geschikter Behandlung haben viele Personen krebsartige Geschwülste verschiedene Jahre lang ohne die beträchtlichste Ungemächlichkeit ertragen. Man schreibt zu diesem Behufe den Aderlässen, den abführenden und kühlenden Arzneien, der Enthaltung von allen Säuren, salzigten und gewürzten Speisen, wie auch von geistigen Getränken, der Gemüthsruhe, oder den metallischen Alterativmitteln in kleinen Dosen, z. B. den Spießglanzzubereitungen, der Eisenfeile, oder den krampfstillenden Mitteln, dem stinkenden Asand, dem Baldrian, u. dgl. jene guten Wirkungen zu. In dem Auflegen von erweichenden Breiumschlägen oder von der Hollundersalbe mit dem Goulardischen Wasser versezt, finden die Kranken oft auch Erleichterung. Diese verschiedenen Mittel müssen nach Beschaffenheit der Krankheit und der Konstituzion der Pazienten auch auf verschiedene Weise angewendet werden, indem der Arzt die Heftigkeit des Zufalls, die Kräfte des Kranken, und die Wirksamkeit des vorgeschriebenen Mittels nebst den Gegenanzeigen berüksichtigt. Ein Mittel, dessen ich mich bei dem offenen Brustkrebs in verzweifelten Fällen vorzugsweise bedienen würde, weil es oft in dem Gesichtskrebse die besten Dienste that, ist die äußerliche Anwendung der Arseniksalbe, mit der gehörigen Genauigkeit und Vorsicht. Indessen ist es mir auch bekannt, daß dieses Mittel ohne die erwünschte Wirkung geblieben.

§. 85.
Operazion.

Die Operazion ist die bei weitem zuverlässigere Kur dieser Krankheit. Sie ist in den meisten Fällen das einzige Mittel, und würde weit öfter gelingen, wenn man sie nicht als das lezte, sondern als das erste Mittel betrachtete. Man trennt mit dem Messer die äußere Haut, und schält sodann die ganze Geschwulst heraus. So hört die ganze Ursache der Krankheit, aller Schmerz und Beschwerde auf, und die zurükgebliebene reine und einfache Wunde heilt in kurzer Zeit. Indessen darf man doch nur unter gewissen Bedingungen Hülfe von ihr erwarten. Der eigentliche Zeitpunkt dazu ist der, wo der Scirrhus eben anfieng schmerzhaft zu werden; später gelingt sie selten. Die zu operirende Kranke muß außerdem ziemlich gesund seyn, und der Krebs darf von keiner fortwirkenden innerlichen Ursache unterhalten werden. Und dann kommt es auch noch darauf an, daß die ganze Geschwulst rein ausgerottet werde, und daß nichts davon zurükbleibe, sonst kömmt die Krankheit wieder. Die Ausrottung durch das Messer findet also nur bei dem Scirrhus, und bei dem verborgenen Krebse statt; da wo dieser schon in ein offenes Geschwür übergegangen, kann man sich von ihr keine Hülfe mehr versprechen.

§. 86.
Palliativmittel.

Der Krebs ist oft unheilbar, weil man seine Ursache nicht genau entdekken konnte, oder weil es zu weit damit gekommen war, und man die rechte Zeit zu der Operazion ungenüzt verstreichen ließ. Der Wundarzt begnügt sich in diesen Fällen, die Zufälle zu lindern, welche am dringendsten sind: er erneuert zu dem Ende öfters den Verband, und reinigt das Geschwür mit Alaunwasser, Chinadekokt oder mit Kalchwasser. Die Reinigungswasser kann man mit einer Feder, oder wo nicht gut beizukommen ist, mittelst einer Sprizze anbringen, aber beide Arten der Anwendung müssen mit der leichtesten Hand geschehen, damit nicht die Geschwüre gereizt, und der Pazientin die Schmerzen vermehrt werden. Der Breiumschlag aus gelben Rüben, oder ein Kataplasma aus Kartoffeln, um die Unebenheiten des Geschwürs zu bedekken, sind zuträgliche Mittel; sie beugen öfters dem abscheulichen Gestank oder den faulen Ausdünstungen vor, welche den Pazienten so wie den Umstehenden äußerst beschwerlich sind. Die äußerliche Anwendung des Bilsenkrauts oder der Schierlingsblätter fruchtet hingegen nichts. Wenn große Massen des Geschwürs blau und brandig werden, so muß sie der Wundarzt ganz sanft hinwegnehmen, indem er sie mit der Zange faßt, und von ihren Verbindungen absondert. Blutungen in dem Krebsgeschwür lassen sich gemeiniglich durch einen gelinden Druk oder durch zusammenziehende Mittel stillen, z. B. durch das Auflegen von Kompressen, welche mit ätherischem Terpentinöl oder mit Salpetergeist befeuchtet worden. In der Krankenstube muß die Luft, so oft als nur möglich ist, erneuert, und mit den Dämpfen von Essig, oder von aromatischen Kräutern durch das Verbrennen gereinigt werden. Innerlich wird nun ebenfalls die Kranke nach Beschaffenheit der Umstände zwekmäßig behandelt. Man muß dabei jenen dringenden Zufällen, die sich hier einfinden, der Mattigkeit, dem hektischen Fieber und den Schmerzen zu begegnen suchen, und daher seine Zuflucht hauptsächlich zu dem Gebrauch der Chinarinde und des Opiums nehmen. Besonders ist das leztere, indem man nach und nach mit der Gabe desselben steigt, ein unvergleichliches Mittel, ja das einzige Labsal für die unglüklichen Kranken der Art.

§. 87.
Vorurtheile und Charlatanerien in der Kur des Brustkrebses.

Es gieng dem Brustkrebs, wie vielen andern Krankheiten, deren Heilung selten gelingt: gerade gegen diese hat man die meisten Mittel. Man bat gegen denselben die seltsamsten Besprechungen, Anhängsel und Exorzismen angewandt; oder Sprüche aus der Bibel, die man in frommer Absicht in Papier wikkelt, und nahe an dem krankhaften Theil trägt; das Auflegen der Hand eines sterbenden Menschen, oder eine Kröte, ein Stükchen rohes Kalbfleisch, die hornigte Substanz von dem Schenkel eines Pferdes, oder den Urin eines mit lauter Ziegenmilch sich nährenden Kindes; und was dergleichen ungereimte Dinge mehr sind. Es haben sich zu allen Zeiten Leute gefunden, welche vorgaben, Mittel wider den Krebs zu besizzen. Alle großen Städte werden von dergleichen Großsprechern heimgesucht, und diese sind entweder vorsezliche Betrüger, oder es sind gutmeinende Personen, welche in ein gewisses Familienarkanum ein großes und unbedingtes Zutrauen sezzen. Durch die Kur solcher Fälle, welche doch von den wahren krebsartigen Übeln ganz verschieden waren, haben Ärzte sowohl, als auch unkräftige und ganz unnüzze Mittel große unverdiente Lobsprüche erhalten. Ohne die Verschiedenheit der Geschwülste in der Brust zu kennen, oder zu verstehen, ob sie wirklich krebsartig waren, oder nicht, hat man manche glükliche Heilung für eine Krebskur ausgegeben, unbedeutende oder gar schädliche Mittel eingeführt, und dadurch verhindert, daß die wahren und vernünftigen Kunstregeln angewendet werden konnten. Ärzte oder Wundärzte von rechtschaffenem Karakter sind in ihren Versprechungen, wenn sie über Fälle von Krebskrankheiten zu Rathe gezogen werden, höchst behutsam, indem sie die großen Schwierigkeiten, welche die Kunst, nur einige zu heilen, zu übersteigen hat, und die gänzliche Unmöglichkeit mehrere zu heben, nur gar zu gut kennen. Der Geheimnißkrämer verspricht kühner Weise eine Kur, zieht den Pazienten mit seinen schmeichelhaften Vorspiegelungen auf seine Seite, wendet Drohungen oder Besänftigung an, erregt Furcht oder Hoffnung, je nachdem es die Umstände für ihn erfordern, — und so werden die Kranken das Opfer ihrer unbedachtsamen Leichtgläubigkeit.

§. 88.
Schlußbemerkung.

Warum ich meinen Lesern hier auch die Ursachen und Gefahren jener fürchterlichen Krankheit, des Brustkrebses, zu schildern versuchte, das geschah vorzüglich deswegen, daß sie sich vor ihren Ursachen, vor ihrer Entstehung hüten könnten; daß sie sich bei der Entdekkung eines Knotens in der Brust, auch des geringsten, sogleich darüber mit Beiseitsezzung aller unzeitigen Schaamhaftigkeit Raths erholen sollten, und daß sie sich nie einem unberufenen Laien, nie einem Quaksalber anvertrauen möchten: So wie ich bei der ganzen Schrift überhaupt nur die Absicht haben konnte, über die verschiedenen Übelseynsformen an den weiblichen Brüsten, die Kranken selbst aufzuklären, ihnen die sichersten Verhütungsweisen zur Beherzigung vorzulegen, und sie zu überzeugen, daß die Behandlung der schon vorhandenen Krankheiten nur von dem ächten Heilkünstler erwartet werden könnte.