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Udo in England: Eine Reiseerzählung cover

Udo in England: Eine Reiseerzählung

Chapter 16: XV.
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About This Book

A traveling narrator records an English visit through vivid, episodic scenes: a sea crossing and approach to a flat, tree-spotted coast; rural parks, village homes, and expanding London suburbs; arrival in the city with impressions of St. Paul’s, the Tower and bustling banks; comfortable lodgings and convivial hosts; museum and gallery mornings; and formal evenings at fashionable receptions. Observational sketches emphasize landscape, architecture, manners, domestic routines, and social customs, blending practical travel notes with personal reactions to hospitality, urban contrast, and the seasonal rhythms of city life.

XV.

Harting Hall.

Meine liebste, beste Armgard!

Jetzt wirst Du aber hohnlachen! Dieses einzige Mal hast Du nämlich mit Deinen, im Uebrigen gänzlich unmotivirten Anspielungen das Rechte getroffen. Es läßt sich nicht leugnen, daß ich mich für Agneta Farringham interessire und sie zu heirathen wünsche. Meine vorigen, diesbezüglichen Ausführungen halte ich zwar noch ebenso aufrecht, sie ist ein zu verwöhntes Mädchen, die Verhältnisse sind allzu verschieden — aber — trotzdem! Du weißt, wie ich Phrasengeklimper verabscheue; jedoch habe ich die Agneta wirklich von Herzen gern, ich bewundere ihre anziehende sympathische Erscheinung, ich bewundere ihren festen, ehrlichen, vorurtheilslosen Charakter. Die Eltern haben mich freundlich, ja herzlich empfangen, zum ersten Male zeigte Agneta einige Befangenheit, und wenn Du mich nicht für zu eitel hältst, dürfte ich hinzufügen, eine kleine Bewegung bei meiner Ankunft. Mr. Farringham frühstückte auf der Durchreise im Club mit Hoyen und hat sich zweifellos eingehend über meine äußeren Verhältnisse erkundigt. So weiß er, daß ich, obwohl jetzt in bescheidener Lage, doch bestimmt auf ein nach deutschen Begriffen großes, nach englischen Begriffen immerhin genügendes Vermögen zu rechnen vermag. Agneta würde wohl vom Vater eine angemessene Zulage bekommen, ist aber keine eigentliche „Partie“, so daß man mich Gott sei Dank nicht zu den vom Ausland hergereisten Erbinnenjägern zählen könnte, und aus gleich guter Familie sind wir ja beide.

Heute Abend wäre es fast zur Erklärung gekommen, doch hatte man unseliger Weise die Pastorsfamilie zu Tisch geladen. Während die braven Töchter des Reverend vierhändig spielten, konnte ich den Augenblick benutzen; ich stand neben Agneta in einer dunklen Ecke und bemerkte, wie ihre Hände zitterten; aber die Mädchen spielten zu aggressiv, zu haarsträubend schlecht und brachten mich gänzlich und complet aus der Fassung!

So stehen also vorläufig die Sachen, und nun, liebste Armgard, sei recht nett gegen mich und mache bei den Eltern wie beim Onkel ganz gehörig Stimmung, falls möglicher Weise eine Verlobungsnachricht eintreffen sollte. Sie wird Dir ausnehmend gefallen, nämlich die Schwägerin, gerade Du wirst besonders gut zu ihr passen. Ich umarme Dich von Herzen.

Dein treuer
Udo.